B e s c h r e i b u n g
FEST-LOS-LAGERANORDNUNG
Die Erfindung betrifft eine Lageranordnung, umfassend eine erste Lagerstelle mit einem ersten Lager, wobei die erste Lagerstelle als Festlager ausgebildet ist, und eine zweite Lagerstelle mit einem zweiten Lager, wobei die zweite Lagerstelle als Loslager ausgebildet ist, wobei die zweite Lagerstelle ausgebildet ist, eine relative Verschiebung in axiale Richtung zwischen einem zu lagernden ersten Bauteil und einem das zweite Lager tragenden zweiten Bauteil zuzulassen.
Lageranordnungen der gattungsgemäßen Art werden in vielfältiger Weise im Stand der Technik eingesetzt. Beispielhaft sei eine elektrische Maschine (E- lektromotor) genannt, in der eine Lageranordnung eingesetzt wird, wie sie aus Fig. 1 hervorgeht. Je nach Bauart und Größe der elektrischen Maschine werden verschiedene Wälzlagertypen eingesetzt. In Fig. 1 ist beispielhaft die Lagerung einer Welle 6 in einem Gehäuse 7 mittels einer Lageranordnung 1 dargestellt, die eine erste Lagerstelle 2 mit einem ersten Lager 3 aufweist, die als Festlager ausgebildet ist; eine zweite Lagerstelle 4 umfasst ein zweites Lager 5, wobei diese Lagerstelle als Loslagerstelle ausgeführt ist, d. h. es ist eine relative Bewegung des Lagers 5 in axiale Richtung a möglich. Die beiden Lager 3 und 5 sind hier als Rillenkugellagern ausgeführt. Das Loslager, d. h. die zweite Lagerstelle 4, ist axial mit einer Feder 17 vorgespannt, um bei
allen Betriebszuständen eine hinreichende Mindestbelastung (Vorspannung) in Achsrichtung sicherzustellen.
Bei der dargestellten Lageranordnung 1 ist für eine Loslagerverschiebung ei- ne lose Passung zwischen dem Lageraußenring 9 und seiner Sitzfläche im Gehäuse 7 erforderlich. Dadurch kann es im Betrieb zur Bildung von Passungsrost bzw. ausgeschlagenen Gehäusesitzen kommen. Die Welle und die Gehäusesitze müssen dabei präzise gefertigt werden, um im Betrieb die erforderlichen Laufgenauigkeiten für das Wälzlager 5 sicherzustellen. Zur Ver- meidung eines Stromdurchgangs durch das Lager 5, was zu einem frühzeitiger Lagerausfall führen kann, müssen häufig speziell beschichtete Wälzlager bzw. Wälzlager mit Keramik- Wälzkörpern eingesetzt werden. Dies ist entsprechend kostenintensiv. Ferner ist zur Sicherstellung einer axial wirkenden Mindestlast häufig eine Federvorspannung erforderlich, wie es auch in Fig. 1 illustriert ist.
Der Erfindung liegt die A u f g a b e zugrunde, eine Lageranordnung der gattungsgemäßen Art so fortzubilden, dass es möglich wird, die Loslagerfunktion in einfacher und kostengünstiger Weise zu realisieren. Dabei soll die Loslagerverschiebung sowie die erforderliche Mindestbelastung zuverlässig und einfach sichergestellt werden. Ein Verschieben der Lagerringe im Gehäuse soll hierfür nicht mehr erforderlich sein, womit die Notwendigkeit eines Schiebesitzes für einen Lagerring entfallen können soll. Ein Stromdurchgang durch das Lager soll gleichermaßen mit einfachen Mitteln verhindert werden. Schließlich soll das Lager ein verbessertes Dämpfungsverhalten aufweisen, mit dem Schwingungen verbessert bekämpft werden können.
Die L ö s u n g dieser Aufgabe durch die Erfindung ist dadurch gekennzeichnet, dass die zweite Lagerstelle eine Trägeranordnung umfasst, die einen
Lagerring des zweiten Lagers hält und ihrerseits an einem der Bauteile befestigt ist, wobei die Trägeranordnung eine erste Hülse umfasst, die an einem der Bauteile festgelegt ist, wobei im radial innen oder außen liegenden Bereich der ersten Hülse ein Ringelement aus einem elastischen Material an der ersten Hülse befestigt ist und wobei das Ringelement mit dem Lagerring direkt oder indirekt verbunden ist.
Dabei ist bevorzugt vorgesehen, dass die Trägeranordnung an dem zweiten Bauteil befestigt ist, wobei die erste Hülse als Außenhülse ausgebildet ist, die am zweiten Bauteil festgelegt ist, wobei im radial innen liegenden Bereich der Außenhülse das Ringelement aus elastischem Material an der Außenhülse befestigt ist und wobei das Ringelement mit dem Außenring des zweiten Lagers direkt oder indirekt verbunden ist. Das Ringelement besteht bevorzugt aus Gummimaterial oder aus einem e- lastomeren Kunststoffmaterial. Es hat bevorzugt eine im Wesentlichen hohl- zylindrische Form.
Die Lageranordnung ist bevorzugt so montiert, dass im Zustand ohne äußere Kräfte auf das Ringelement eine in axiale Richtung wirksame Scherkraft in Achsrichtung ausgeübt wird. Die Lageranordnung ist dabei bevorzugt so montiert, dass im Zustand ohne äußere Kräfte die erste Hülse, das Ringelement, der eine Lagerring des zweiten Lagers und gegebenenfalls eine zweite Hülse radial übereinander angeordnet sind.
Zwischen dem Lagerring und dem Ringelement kann eine zweite Hülse, insbesondere eine Innenhülse, angeordnet sein.
Die Lageranordnung kann weiterhin so montiert sein, dass im Material des Ringelements eine radiale Vorspannung vorliegt.
Das Ringelement kann an der ersten Hülse und gegebenenfalls auch an der zweiten Hülse stoffschlüssig befestigt sein. Dabei ist insbesondere daran gedacht, dass der Stoffschluss mittels Verklebung oder mittels Vulkanisation hergestellt ist.
Die erste Hülse und/oder gegebenenfalls auch die zweiten Hülse können an mindestens einer Umfangsstelle eine Unterbrechungsstelle aufweisen. Die erste Hülse und/oder gegebenenfalls auch die zweiten Hülse können an einem axialen Ende einen sich radial nach innen oder nach außen erstreckenden Bord aufweisen, der einen axialen Anschlag für ein Bauteil bildet, mit dem die Hülse verbunden ist.
Die erste Hülse und/oder gegebenenfalls auch die zweiten Hülse können aus Metall oder aus Kunststoff bestehen.
Die erste Hülse und/oder gegebenenfalls auch die zweite Hülse können mit Presssitz in oder auf dem Bauteil sitzen, mit dem sie verbunden sind. Insbesondere ist ein Schiebesitz absolut entbehrlich.
Die Lager sind bevorzugt als Wälz- oder Kugellager ausgebildet, insbesondere als Rillenkugellager oder Schrägkugellager.
Die vorgeschlagene Lageranordnung eignet sich für beliebige Anwendungsfälle, bei denen ein Festlager und ein Loslager vorgesehen werden muss. Nur exemplarisch sei auf die Lagerung einer Welle (Rotor) in einem Elektromotor mit einer Lageranordnung der beschriebenen Art hingewiesen. Das Erfin-
dungskonzept eignet sich also besonders bevorzugt für eine Lagerungseinheit für elektrische Maschinen.
Die Trägeranordnung besteht bevorzugt aus einer äußerer und einer innerer Hülse (Buchse), sowie einer dazwischen liegender Elastomerschicht. Die innere Hülse wird bevorzugt einteilig ausgeführt. Die äußere Hülse kann segmentiert bzw. an mindestens einer Stelle geschlitzt ausgeführt werden. Die Hülsen sind an einer Seite radial eingezogen, um das Lager bzw. die Lagereinheit axial genau zu positionieren. Des Weiteren können dadurch axiale Lasten aufgenommen werden.
Durch eine gegenseitige Anstellung wird eine axiale Verspannung der beiden Lager erreicht. Der Lagerträger wird daher bevorzugt so hergestellt, dass die beiden Hülsen axial versetzt zueinander angeordnet sind und erst bei der Montage axial zueinander ausgerichtet werden, d. h. radial übereinander. Möglich ist es jedoch auch, dass nach der Herstellung die beiden Hülsen axial ausgerichtet und axial zueinander versetzt montiert werden. Durch das gegenseitige Anstellen bzw. Verspannen der Lager über die Elastomerschicht ist die erforderliche Mindestbelastung der Lager also sichergestellt. Federn sind nicht mehr erforderlich, wie es im Zusammenhang mit der Lösung gemäß Fig. 1 erläutert wurde.
Die Loslagerverschiebung ist ebenso wie die erforderliche Mindestbelastung durch die Elastomerschicht sichergestellt. Ein Verschieben der Lagerringe im Gehäuse ist nicht mehr erforderlich, womit auch die Notwenigkeit des Schiebesitzes für den Außenring entfällt. Die Loslagerverschiebung wird also durch die Elastomerschicht bewerkstelligt. Ein Verschieben des Lagerrings im Gehäuse ist nicht mehr erforderlich. Dadurch ist es möglich, festere Passungen
zu realisieren, um Passungsrost und ausgeschlagene Gehäusesitze zu vermeiden.
Dadurch, dass bei der Montage das Elastomer bevorzugt radial vorgespannt wird, legt sich die äußere Hülse exakt an die Geometrie der Gehäusebohrung an, und zwar unabhängig von der Herstellgenauigkeit bzw. Ovalität der Bohrung. Bei entsprechender Genauigkeit der übrigen Bauteile führt dies zu einem "Selbszentrierungseffekt" bezogen auf die horizontale Drehachse. Dies bedeutet, dass trotz Ungenauigkeiten bzw. Ovalitäten der Gehäusebohrung die erforderliche Laufgenauigkeit der Welle erreicht wird. Diese "Selbstzentrierung" ermöglicht also eine hohe Laufgenauigkeit des Lagers trotz Ungenauigkeiten bzw. Ovalitäten der Gehäusebohrung. Dies ermöglicht eine kostengünstigere Herstellung des Gehäusesitzes. Als Weiterentwicklung ist es auch möglich, auf die innere Hülse (Buchse) zu verzichten und das Elastomermaterial direkt mit dem Lageraußenring zu verbinden.
Die Elastomerschicht verhindert in vorteilhafter Weise auch einen Strom- durchgang durch das Lager.
Die Elastomerschicht macht die Lagerung unempfindlicher bezüglich Herstel- lungenauigkeiten, wie z. B. Lagerschiefstellungen durch Fluchtungsfehler. Die Elastomerschicht ist in der Lage, Schwingungen im akustischen Bereich abzukoppeln und dadurch eine Geräuschreduzierung der Maschine zu erzielen (Schallentkopplung). Ebenso werden Stoßbelastungen bzw. Schwingungen/ Vibrationen abgedämpft.
In der Zeichnung sind Ausruhrungsbeispiele der Erfindung dargestellt. Es zeigen:
Fig. 1 in einem Radialschnitt eine Lageranordnung mit einem Festlager und einem Loslager, mit der eine Welle in einem Gehäuse gelagert wird, gemäß dem Stand der Technik,
Fig. 2 in einem Radialschnitt das Loslager einer Lageranordnung gemäß
Fig. 1, wobei das Loslager erfindungsgemäß ausgebildet ist,
Fig. 3 eine geschnittene perspektivische Darstellung eines Loslagers gemäß der Erfindung,
Fig. 4 einen Radialschnitt des Loslagers gemäß Fig. 3,
Fig. 5 die Vorderansicht eines Loslagers gemäß der Erfindung,
Fig. 6 die Vorderansicht eines Loslagers gemäß der Erfindung in einer zu
Fig. 5 alternativen Ausgestaltung,
Fig. 7 den Radialschnitt durch ein erfindungsgemäßes Loslager, wobei dieses in nicht montiertem Zustand dargestellt ist, und
Fig. 8 den Radialschnitt einer zu Fig. 7 alternativen Lösung gemäß der Er- fmdung.
In Fig. 2 ist im Radialschnitt eine erfindungsgemäße zweite Lagerstelle 4 skizziert, die grundsätzlich in einer Lageranordnung 1 eingesetzt wird, wie sie in Fig. 1 diskutiert wurde. Die zweite Lagerstelle 4 umfasst ein zweites Lager
5 in Form eines Rillenkugellagers, mit dem das erste Bauteil 6 in Form einer Welle gelagert wird. Die Lagerung erfolgt relativ zu einem Gehäuse 7, das ein zweites Bauteil darstellt. Erfmdungswesentlich ist, dass die Lagerstelle 4 nunmehr eine Trägeranordnung 8 aufweist, die vorliegend ringförmig ausgestaltet ist. Die Trägeranordnung 8 weist eine Außenhülse 10 (erste Hülse) auf, die in einer Bohrung 18 im Gehäuse 7 mit Presspassung fest sitzt. Ein sich radial nach außen erstreckender Bord 15 am einen axialen Ende der Außenhülse 10 dient als axialer Anschlag am Gehäuse 7.
Des Weiteren weist die Trägeranordnung 8 eine Innenhülse 12 (zweite Hülse) auf, die mit Presspassung auf dem Außenring 9 des Lagers 5 sitzt. Auch die Innenhülse 12 hat einen sich radial nach innen erstreckenden Bord 16 an ei- nem axialen Ende, so dass der Lagerring 9 umgriffen werden kann und dieser einen definierten axialen Anschlag an der Innenhülse 12 hat.
Zwischen den beiden Hülsen 10 und 12 ist ein ringförmig ausgebildetes Teil aus Elastomermaterial, nämlich das Ringelement 11 angeordnet. Es ist mit seinem radial äußeren Ende und mit seinem radial innerem Ende fest mit den beiden Hülsen 10, 12 verbunden, vorliegend durch Vulkanisation.
Wird zwischen Welle 6 und Gehäuse 7 eine relative Verschiebung in axiale Richtung a aufgebracht, kann folglich das relativ weiche Elastomermaterial des Ringelements 11 einen Ausgleich bewerkstelligen.
Die erläuterte Konzeption geht noch einmal aus Fig. 3 hervor, wo das Loslager 4 in perspektivischer Schnittdarstellung zu sehen ist. Dasselbe gilt für den Radialschnitt durch das Loslager 4, das in Fig. 4 dargestellt ist. Wird in Fig. 4
auf die Welle 6 eine axiale Verschiebebewegung nach rechts ausgeübt, überträgt das Rillenkugellager 5 diese Bewegung auf seinen Außenring 9, der am Bord 16 der Innenhülse 12 anliegt. Das anvulkanisierte Elastomermaterial des Ringelements 11 überträgt diese Bewegung. Radial außen liegt das Elasto- mermaterial des Ringelements 11 an der Innenseite der Außenhülse 10 an, die an einer Bewegung nach rechts durch den Bord 15 gehindert ist, der am Gehäuse 7 bzw. an einem hier vorgesehenen Vorsprung anliegt.
In den Figuren 5 und 6 ist zu sehen, dass auch vorgesehen werden kann, dass die Innenhülse 12 (s. hierzu Fig. 5) oder die Außenhülse 10 (s. hierzu Fig. 6) an einer oder an mehreren Umfangsstellen geschlitzt ausgebildet sein kann.
Die Innenhülse 12 gemäß Fig. 5 weist an drei Positionen um den Umfang herum Unterbrechungsstellen 14 auf. Die Außenhülse 10 gemäß Fig. 6 hat gleichermaßen drei Unterbrechungsstellen 13 gleichförmig um den Umfang herum verteilt.
Aus Fig. 7 ist ersichtlich, wie das Lager 5 samt Trägeranordnung 8 konfiguriert ist, wenn diese Einheit noch nicht verbaut ist, sondern frei von äußeren Kräften vorliegt. Zu sehen ist, dass die Außenhülse 10 relativ zur Innenhülse 12 in axiale Richtung a verschoben ist. Dies entspricht dem Herstellungszustand der Anordnung. Erst durch den Einbau der in Fig. 7 gezeigten Einheit in die Lageranordnung 1 wird der Zustand eingenommen, wie er z. B. in Fig. 4 zu sehen ist, d. h. das Elastomermaterial des Ringelements 11 ist jetzt in axiale Richtung a vorgespannt. Diese axiale Vorspannung wird beim Betrieb der Lageranordnung aufrechterhalten.
In Fig. 8 ist eine Alternative zu sehen, die darauf abstellt, dass das Elastomermaterial des Ringelements 11 hier ohne Innenhülse 12 direkt mit dem Außenumfang des Lageraußenrings 9 verbunden (verklebt oder anvulkani-
siert) ist. Eine Innenhülse 12 ist bei dieser Alternativlösung also nicht vorgesehen. Auch hier gilt ansonsten wie bei Fig. 7, dass im spannungsfreien Zustand die Außenhülse 10 zum Lageraußenring 9 axial etwas versetzt angeordnet ist und erst durch die Montage eine radial übereinander liegende Stellung der Teile eingenommen wird.
Die vorgeschlagene Lageranordnung lässt sich in allen Bereichen einsetzen, wo ein Festlager mit einem Loslager kombiniert werden muss. Die obige Lösung für die Ausgestaltung des Loslagers kann grundsätzlich auch zusätzlich für das Festlager eingesetzt werden, d. h. auch dieses kann über eine Elastomerschicht an das Gehäuse angebunden sein. In diesem Falle kann auch die hier als Festlager angesprochene Lagerstelle axiale Verschiebungen aufnehmen.
Bezugszeichenliste
1 Lageranordnung
2 erste Lagerstelle
3 erstes Lager
4 zweite Lagerstelle
5 zweites Lager
6 erstes Bauteil (Welle)
7 zweites Bauteil (Gehäuse)
8 Trägeranordnung
9 Lagerring (Außenring)
10 erste Hülse (Außenhülse)
11 Ringelement
12 zweite Hülse (Innenhülse)
13 Unterbrechungsstelle
14 Unterbrechungsstelle
15 Bord
16 Bord
17 Feder
18 Bohrung a axiale Richtung