Beschreibung
Pyrometer mit Ortsauflösung
Die Erfindung betrifft eine optische Messeinrichtung, insbesondere zur Verwendung in Gasturbinen.
Eine Möglichkeit der Temperaturbestimmung eines Objekts besteht in der pyrometrischen Vermessung. Dabei wird die vom Objekt stammende Wärmestrahlung detektiert und ausgewertet. Es kann eine Auswertung des Spektrums der Wärmestrahlung erfolgen oder aber eine Auswertung der gesamten emittierten Leistung. Besonders vorteilhaft ist die pyrometrische Vermessung bei sehr heißen Objekten, da hier zum einen eine berüh- rende Messung erschwert ist und zum anderen die Wärmestrahlung sehr stark ist.
Daher wird diese Form der Vermessung üblicherweise zur Bestimmung der Temperatur von Turbinenschaufeln von Gasturbinen verwendet. Diese befinden sich auf Temperaturen von typischerweise 12000C und mehr. Zukünftige Steigerungen der Effizienz von Gasturbinen sind an eine Erhöhung der Betriebstemperatur gekoppelt. Hierdurch werden die Anforderungen an Materialeigenschaften von Turbinenschaufeln erhöht. Gleichzei- tig ist eine Überwachung der Temperatur und Temperaturverteilung auf der Oberfläche der Turbinenschaufeln erforderlich, um lokale Überhitzungen erkennen und eine Zerstörung der Schaufeln verhindern zu können.
Es ist bekannt, die Temperatur an einem Ort der Oberfläche der Turbinenschaufeln über ein Pyrometer zu bestimmen. Dabei ist nachteilig, dass über die Temperaturverteilung auf der Oberfläche nichts ausgesagt werden kann. Weiterhin ist bekannt, ein sog. „Traversing" durchzuführen, d.h. den opti- sehen Sensor für kurze Zeit in die Turbinenkammer eingefahren. Nachteilig ist hieran zum Einen, dass ein Mechanismus für das Traversing nötig ist und zum anderen, dass der Sensor zeitweilig in die Turbinenkammer hineinragt. Das Letztere er-
fordert eine hohe Robustheit des Sensors wegen der extrem hohen Gasgeschwindigkeiten und stört darüber hinaus den Gas- fluss und somit den Betrieb der Turbine.
Weiterhin ist aus der US 4,240,706 bekannt, im Pyrometer ein dispersives Prisma vorzusehen. Das Prisma erlaubt, verschiedene Orte auf der Schaufel zu vermessen, indem eine Ortsselektion anhand einer Wellenlängenselektion durchgeführt wird. Diese Lösung erfordert aber Filter für die entsprechenden einzelnen Wellenlängen und damit Orte, die beobachtet werden sollen. Weiterhin ist nachteilig, dass von einem Ort eben immer nur eine Wellenlänge sichtbar ist und somit viel Information, beispielsweise in Form des Spektrums, und Leistung der Wärmestrahlung verloren geht. Dies wirkt sich nachteilig auf die Genauigkeit er Messung aus.
Aufgabe der vorliegenden Erfindung ist es, eine optische Messeinrichtung anzugeben, die eine parallele und gleichzeitige Vermessung oder Überwachung mehrerer Orte auf einem Ob- jekt erlaubt, wobei das Spektrum der vom Objekt eintreffenden Strahlung wenigstens in Teilen gleichzeitig für die Orte erhalten bleibt.
Diese Aufgabe wird durch eine optische Messeinrichtung mit den Merkmalen von Anspruch 1 gelöst. Die abhängigen Ansprüche betreffen vorteilhafte Ausgestaltungen und Weiterbildungen der Erfindung.
Die erfindungsgemäße optische Messeinrichtung ist zur Vermes- sung eines Objekts in einer Fluss-Passage eines Fluids ausgestaltet, wobei die Vermessung durch eine Wandung der Fluss- Passage erfolgt. Sie weist ein Spiegelelement zur Reflexion von vom Objekt eintreffender Strahlung auf. Weiterhin weist die erfindungsgemäße optische Messeinrichtung wenigstens einem Abbildungselement zur Fokussierung wenigstens eines Teils der Strahlung auf.
Durch die Elemente der erfindungsgemäßen optischen Messeinrichtung wird vorteilhaft erreicht, dass bei der Strahlung nach Passieren der beiden Elemente für bestimmte Orte in der Messeinrichtung ein Zusammenhang zwischen dem jeweiligen Ort in der Messeinrichtung und dem Ausstrahlort der Strahlung, d.h. dem Bereich auf der Oberfläche des Objekts, an dem die Strahlung emittiert wurde, besteht. Gleichzeitig besteht die Strahlung aber immer noch aus dem vollen, ursprünglich emittierten Spektrum, insoweit die Materialeigenschaften der EIe- mente und anderer Komponenten, die die Strahlung passieren muss, dies erlauben. Jedenfalls findet keine Filterung auf im Wesentlichen eine Wellenlänge statt. Im weiteren Text wird das Spektrum innerhalb der Messeinrichtung, auch wenn es in Teilen unvollständig gegenüber dem ursprünglich emittierten Spektrum sein kann, als vollständig bezeichnet.
Daher ist es mittels einer Auswahl der Strahlung über deren Ort in der optischen Messeinrichtung möglich, mehrere Bereiche der Oberfläche des Objekts gleichzeitig und parallel zu beobachten, vermessen und überwachen, wobei das volle Spektrum zur Verfügung steht. Gleichzeitig ermöglicht das Spiegelelement, dass hierzu vorteilhaft weder eine mechanische Bewegung der Messeinrichtung noch eine solche innerhalb der Messeinrichtung erforderlich ist. Vielmehr kann die Messein- richtung beispielsweise in einem gewissen seitlichen Versatz zur zu beobachtenden Fläche vorgesehen werden, wobei das Spiegelelement für eine passende Umlenkung der Strahlung sorgt .
Die optische Messeinrichtung kann beispielsweise zur pyro- metrischen Messung der Temperatur der Ausstrahlorte auf dem Objekt verwendet werden. Hierbei wird die Strahlung von dem Material des Objekts selbst emittiert. Es ist aber genauso möglich, die Messeinrichtung zur Aufnahme von gestreutem oder reflektiertem Licht zu verwenden, das auf die Bereiche trifft.
Bevorzugt wird dabei im Strahlungsweg vom Objekt weg innerhalb der Messeinrichtung zuerst das Spiegelelement angeordnet, sodass die Strahlung erst nach dem Passieren des Spiegelelements auf das Abbildungselement trifft. Alternativ be- steht aber auch die Möglichkeit, die Elemente bezüglich der Strahlung andersherum anzuordnen, sodass diese zuerst auf das Abbildungselement trifft und dann auf das Spiegelelement.
In einer besonders vorteilhaften Ausgestaltung der Erfindung handelt es sich bei dem Spiegelelement um ein Reflexionsprisma. Das Reflexionsprisma hat den Vorteil, weniger anfällig gegen Verschmutzungen der Oberflächen zu sein, da die eigentlich spiegelnde Oberfläche im Prismamaterial liegt und nicht verschmutzen kann. Weiterhin kann beim Reflexionsprisma die innere Totalreflexion genutzt werden, was die Leistungsverluste bei der Spiegelung reduziert. Besonders vorteilhaft ist es, wenn das Reflexionsprisma aus Quarzglas besteht, da dieses neben seiner großen Temperaturbeständigkeit eine geringe eigene Emission von Wärmestrahlung aufweist. Hierdurch wird die Genauigkeit der Messung verbessert. Als alternative Materialien kommt beispielsweise Saphir in Frage. Alternativ ist es auch möglich, das Spiegelelement als Spiegel, beispielsweise als metallischen Spiegel auszugestalten.
In einer Ausgestaltung der Erfindung ist das Abbildungselement als Lochmaske ausgestaltet, was einen besonders einfachen Aufbau ermöglicht. Vorteilhaft ist die Verwendung einer oder mehrerer Linsen als Abbildungselement. Besonders vorteilhaft ist es, eine asphärische Linse zu verwenden, da hierdurch eine genaue optische Abbildung der Strahlung von einem weiten Bereich von Ausstrahlorten auf dem Objekt möglich ist. Das bewirkt eine hohe Messgenauigkeit.
In einer besonders vorteilhaften Ausgestaltung und Weiterbil- düng der Erfindung weist die optische Messeinrichtung im An- schluss an die Elemente zwei, drei, ... , sieben oder mehr Lichtwellenleiter auf. Die Lichtwellenleiter dienen der Weiterführung der Strahlung nach dem Spiegel- und dem Abbil-
dungselement, beispielsweise zu einem oder mehreren Detektoren. Dadurch ist mit Beginn der Lichtwellenleiter die Strahlungsführung vom weiteren geometrischen Aufbau der Messeinrichtung unabhängig ist. Je näher die Lichtwellenleiter an den Elementen der Messeinrichtung enden, desto geringer sind die Verluste durch die Strahldivergenz.
Durch das Spiegelelement und das Abbildungselement wird erreicht, dass jeder der Lichtwellenleiter Strahlung aus einem jeweiligen Bereich auf der Oberfläche des Objekts aufnimmt und weiterleitet. Die Lage der Bereiche und ihre Größe sind dabei über das Spiegel- und das Abbildungselement sowie über den Ort des Endes des jeweiligen Lichtwellenleiters bestimmt. Insbesondere können die Bereiche so gelegt werden, dass ein weitgehender Teil des Objekts erfasst wird. Insbesondere ist es dabei möglich, dass die Bereiche überlappen oder nicht überlappen .
Das Abbildungselement ist in einer Weiterbildung der Erfin- düng als Teil der Lichtwellenleiter ausgestaltet. Dazu weisen die Lichtwellenleiter an ihrem Ende in der Messeinrichtung beispielsweise jeweils eine integrierte Linse auf. Diese kann beispielsweise über eine Mikrostrukturierung des Endes des Lichtwellenleiters realisiert sein oder durch einen Auf- schmelzprozess erzeugt werden. Diese Ausgestaltung macht den Aufbau sehr flexibel. Für eine größere Genauigkeit bei der Abbildung ist es auch möglich, als Abbildungselement eine oder mehrere Linsen in Verbindung mit den in die Lichtwellenleiter integrierten Linsen zu verwenden.
In einer vorteilhaften Ausgestaltung und Weiterbildung der Erfindung weist die optische Messeinrichtung ein Fenster zum Abschluss gegenüber dem Fluid auf. Das Fenster schützt durch den zweckmäßig gegenüber dem Fluid dichten Abschluss das In- nere der Messeinrichtung, insbesondere die bereits beschriebenen Elemente. Zweckmäßig ist es, wenn das Fenster zumindest für einen Teil des jeweiligen Spektrums der vom Objekt ausgehenden Strahlung transparent ist. Bei dem Fenster kann es
sich beispielsweise um ein Quarzglas, Kunststoff- oder auch Saphirfenster handeln.
Die optische Messeinrichtung kann vorteilhaft einfach oder mehrfach in einer Turbine, beispielsweise Gasturbine verwendet werden. Wegen der hohen Temperaturen in der Gasturbine ist der Einsatz zur pyrometrischen Temperaturmessung an den Turbinenschaufeln besonders vorteilhaft. Auch in anderen Turbinentypen oder bei anderen Fluidtypen, beispielsweise Flüs- sigkeiten, und anderen Temperaturen ist die Messeinrichtung verwendbar. Es ist auch denkbar, die Messeinrichtung nicht zur Aufnahme von emittierter Wärmestrahlung, sondern bei Messungen über die diffuse oder spiegelnde Reflexion zu verwenden, bei der die Strahlung also nicht von dem oder den Objek- ten selbst emittiert wird.
Speziell im Falle von Turbinen, insbesondere Gasturbinen ist es vorteilhaft, wenn die optische Messeinrichtung derart eingebaut ist, dass sie, d.h. gegebenenfalls das abschließende Fenster, einen glatten Wandabschluss mit der Turbinen-Wandung aufweist, da hierdurch eine Störung des Fluid-Flusses vermieden wird und bei Abschluss durch ein Fenster auch lediglich das Fenster den Bedingungen in der Turbine ausgesetzt ist.
Weitere Vorteile und Einzelheiten der Erfindung werden anhand eines in der Zeichnung dargestellten Ausführungsbeispiels erläutert. Dabei zeigen schematisch:
Figur 1 eine optische Messeinrichtung Figur 2 die Messeinrichtung in einer Turbine in Seitenansicht auf die Turbine Figur 3 die Messeinrichtung in einer Turbine in Draufsicht.
In der möglichen Ausführungsform der Erfindung gemäß Figur 1 ist die optische Messeinrichtung in einem Tubus 2 realisiert. Dieser Tubus 2 eignet sich beispielsweise zur Verwendung in einer Gasturbine, wie es in den Figuren 2 und 3 dargestellt ist. Der Tubus 2 ist zylinderförmig und weist beispielsweise
eine Länge von 7 cm und einen Außendurchmesser von 1 cm auf. Zweckmäßig ist es, wenn der Tubus 2 bei einer Verwendung in einer Gasturbine derart ausgestaltet ist, dass er den dort auftretenden Temperaturen standhält.
Der Tubus 2 wird turbinenseitig abgeschlossen durch ein Saphirfenster 1. Dieses ist besonders temperaturstabil und im Wesentlichen durchsichtig für die auftretende Wärmestrahlung, die mit der Messeinrichtung zur Temperaturbestimmung aufge- nommen werden soll. Gleichzeitig verhindert das Saphirfenster 1 ein Eindringen von heißem Gas in den Tubus 2 und schützt somit die weiteren Bestandteile.
Im Bereich hinter dem Saphirfenster 1 ist ein Reflexionspris- ma 3 angeordnet. Das Reflexionsprisma 3 lenkt die eintreffende Strahlung um, ohne sie in spektrale Bestandteile zu zerlegen. Nach der Umlenkung trifft die Strahlung in eine Linse 4. Diese fokussiert die Strahlung derart, dass von verschiedenen Bereichen 8, die beispielhaft in den Figuren 2 und 3 darge- stellt sind, einer Turbinenschaufel stammendes Licht in jeweils eine eigene von beispielsweise 7 vorgesehenen Glasfasern 5 geleitet wird. Die Glasfasern 5 führen die Strahlung weiter in Detektoren, die eine Auswertung des eintreffenden Spektrums oder der eintreffenden Lichtmenge erlauben.
Figur 2 zeigt schematisch und ausschnittsweise eine Seitenansicht einer Turbine mit einer Turbinenschaufel 6. Figur 3 zeigt schematisch und ausschnittsweise eine Draufsicht auf die Turbine. Auf der Turbinenschaufel 6 sind Bereiche 8 ange- deutet, deren Temperatur mit der optischen Messeinrichtung gemäß der Figur 1 zeitlich parallel überwacht werden soll. Dazu ist die Messeinrichtung radial auf die Turbinennabe zeigend, aber seitlich versetzt zur Turbinenschaufel 6 eingebaut, wie aus den Figuren 2 und 3 erkennbar.
Die von der Turbinenschaufel 6 in einem Winkel auf das Saphirfenster 1 treffende Wärmstrahlung ist durch die Lichtwege in der Figur 3 angedeutet. Die Strahlung wird durch das Re-
flexionsprisma 3 im Tubus 2 umgelenkt und durch die Linse 4 wie bereits zu Figur 1 beschrieben in die sieben Glasfasern 5 verteilt. Jede Glasfaser führt dann nur noch Wärmestrahlung von einem bestimmten Bereich 8. Hierdurch wird es möglich, während des möglicherweise schnellen Vorbeiziehens der Turbinenschaufel 6 eine parallele Temperaturmessung in den sieben Bereichen möglich.