Beschreibung
Verfahren zur Minimierung von spektraler Interferenz bei paketorientierter Datenübertragung
Die Erfindung betrifft ein Verfahren zur Minimierung von spektraler Interferenz bei paketorientierter Datenübertragung, wobei die Daten auf Ubertragungswegen gesendet werden, welche eine Vielzahl von Datenkanalen umfassen.
Bei modernen Breitbandzugriffsverfahren wie z.B. Asymmetrie Digital Subscriber Line ADSL, Wireless LAN, etc. werden für den Zugang zu paketorientierten Netzen wie z.B. dem Internet, in denen Daten in Form von Datenpaketen versendet werden, wie in der klassischen Datenfernübertragung wie z.B. der Sprachtelefonie über leitungsvermittelte Verbindungen verschiedene, physikalische Ubertragungswege eingesetzt. Solche Ubertragungswege sind beispielsweise Kupferdoppeladern eines klassischen Teilnehmeranschlusssystems für so genannte Digital Subscriber Line-Verfahren (xDSL) , Koaxialkabel bei
Fernsehkabelnetzen, Glasfasersysteme für eine drahtgebundene Datenübertragung oder Funkubertragungsverfahren wie z.B. Wireless LAN, Universial Mobile Telecommunications System UMTS im Mobilfunkbereich oder Satellitenubertragungstechnik für eine drahtlose Datenübertragung.
Meist umfassen diese Ubertragungswege eine Vielzahl an Datenkanalen, welche als eingerichtete Punkt-zu-Punkt- Verbindung verstanden werden und zur Übertragung von Daten über raumliche oder zeitliche Distanz geeignet sind. Für die Weitergabe werden diese Daten üblicherweise in elektromagnetische Signalmuster umgewandelt, wobei dazu geeignete physikalische Großen wie z.B. Spannung, Frequenz oder magnetische Feldstarke, etc. zu Weitergabe der Informationen eingesetzt werden.
Neben den von elektronischen Bauteilen, Anschlüssen, etc. generierten Störungen wird die Datenübertragung in einem
Datenkanal auch von der Nutzdatenubertragung in benachbarten Datenkanalen eines Ubertragungsweges störend beeinflusst. Da Nutzdaten üblicherweise in Form von elektromagnetischen Signalmustern weitergeleitet werden, können - außer bei Glasfasersystemen - bei den anderen verwendeten Medien für die Ubertragungswege so genannten spektralen Interferenzen zwischen Datenkanalen auftreten, welche z.B. logisch und physikalisch einem Netzknoten zugeordnet sind.
Unter der spektralen Interferenz wird üblicherweise die
Überlagerung von Wellen - in der Nachrichtentechnik z.B. von elektromagnetischen Wellen in Abhängigkeit von einer Verteilung der Frequenzen bzw. Wellenlangen in den Signalen verstanden. Bei der Interferenz kann zwischen einer so genannten konstruktiven Interferenz, bei der sich die überlagernden Wellen gegenseitig verstarken, und einer so genannten destruktiven Interferenz, bei welcher sich die überlagernden Wellen gegenseitig dampfen oder sogar ausloschen. Damit können von der spektralen Interferenz Störungen bei der Übertragung von Nutzdaten in den einzelnen Datenkanalen wie z.B. Ubersprechen - d.h. das Einkoppeln eines elektromagnetischen Signals auf einen benachbarten Datenkanal bei drahtgebundener Übertragung, Bitfehler - d.h. bei der Übertragung digitaler Daten werden falsche Werte in einzelnen Speicherzellen, den so genannten Bits, eines Datenpaketes übertragen, etc. verursacht werden.
Bei den modernen Breitbandzugriffsverfahren wie beispielsweise ADSL oder Wireless LAN, etc. treten Störungen durch spektrale Interferenz insbesondere auch bei Nutzung von einigen Internetanwendungen wie z.B. so genannten Online- Spielen, einem raschen Laden von größeren Datenmengen, Video- Streaming, etc. auf, da es bei diesen Anwendungen zu starken Schwankungen der über die Datenkanale gesendeten Datenmenge kommt. Dieses oft plötzliche Auftreten von hohem Datenverkehr auf einem Datenkanal wird auch als Bursty Traffic bezeichnet.
Da die spektrale Interferenz zwischen einzelnen Datenkanalen bei der Nutzdatenubertragung ein klassisches Problem der Nachrichtentechnik darstellt, sind bereits Maßnahmen bekannt, mit denen Störungen durch spektrale Interferenz bei der Datenübertragung reduziert werden können.
Bei drahtgebundener Übertragung mit z.B. Kupferdoppeladern kann beispielsweise durch so genanntes Verseilen bzw. so genannte Abschirmung der Kabeladern die Störung durch die spektralen Interferenz reduziert werden, wobei die Reduktion der Störungen nur zwischen den einzelnen Ubertragungswegen wie z.B. einer Kabelader zur Wirkung kommt.
Bei drahtlosen Ubertragungsverfahren wie beispielsweise Wireless LAN können so genannte Richtantennen eingesetzt werden, von denen die elektromagnetische Energie bevorzugt in bestimmte Richtungen abgestrahlt wird. Allerdings können durch in die anderen Richtungen abgeschwächt ausgestrahlte Streufelder immer noch andere Datenkanale beeinflusst bzw. gestört werden.
Neben den physikalischen Maßnahmen zur Reduktion spektraler Interferenzen können auch so genannte Mehrfachzugriffsverfahren eingesetzt werden, um Störungen durch spektrale Interferenzen zu verringern. Solche sind beispielsweise bei der drahtlosen Übertragung die im Mobilfunk genutzten Verfahren: Frequence Division Multiple Access FDMA oder Time Division Multiple Access TDMA.
Als FDMA-Verfahren wird ein Zugriffsverfahren auf einen
Datenkanal von mehreren zur Verfugung stehenden Datenkanalen bezeichnet, wobei die Datenkanale durch Unterteilung der verfugbaren Bandbreite in einzelne Frequenzbander erzeugt werden, welche temporar einem Sender zugewiesen werden können. Um spektrale Interferenzen zwischen den
Frequenzbandern zu reduzieren, werden zwischen den Frequenzbandern kleine, nicht genutzte Schutzbander - so genannte Guard Bands - eingefugt. Das hat allerdings zur
Folge, dass die insgesamt für die Datenübertragung zur Verfugung stehende Bandbreite verringert wird.
Beim TDMA-Verfahren werden in bestimmten Zeitabschnitten - den so genannten Time Slots - die Daten verschiedener Sender übertragen, wobei jedem Sender wahrend des ihm zugeordneten Time Slots die volle Bandbreite des Ubertragungsweges zur Übertragung seiner Daten zur Verfugung gestellt wird. Zwischen den Time Slots sind noch die so genannten Guard Times oder Schutzzeiten eingefugt, welche nicht für die
Datenübertragung genutzt werden. Beim TDMA-Verfahren kann noch zwischen einem synchronen und einem asynchronen TDMA- Verfahren unterschieden werden. Beim synchronen TDMA- Verfahren wird jedem Sender ein fester Time Slot zur Datenübertragung zugewiesen, wobei der entsprechende Time Slot ungenutzt bleibt, wenn von einem Sender keine Daten versendet werden. Die Kapazität des Ubertragungsweges wird dadurch nicht optimal ausgenutzt. Beim asynchronen TDMA- Verfahren werden die Time Slots nicht aktiver Sender von den anderen Sendern mitbenutzt. Dieses Verfahren weist allerdings den Nachteil auf, dass die Datenpakete aktiver Sender mit Zusatzinformationen für die Empfangerseite ausgestattet werden müssen, wodurch einerseits die zu übertragenden Datenpakete selbst und andererseits der Aufwand für die richtige Zuordnung der Datenpakete auf der Empfangerseite großer werden.
Ein weiteres Mehrfachzugriffsverfahren, welches beispielsweise im Bereich von Computernetzwerken beim Einsatz des so genannten Ethernets zum Einsatz kommt, ist das Carrier Sense Multiple Access/ Collision Detection (CSMA/CD) -Verfahren . Bei diesem Verfahren wird der gleichberechtigte Zugriff zu einem gemeinsamen Ubertragungsweg mehrerer angeschlossener Netzknoten geregelt, wobei von einem sendewilligen Netzknoten durch so genanntes Abhören geprüft wird, ob der Ubertragungsweg frei ist. Auch wahrend des Sendens von Daten wird mitgehört, so dass eine so genannte Kollision - das ist das gleichseitige Senden von Signalen verschiedener Netzknoten
und die Überlagerung dieser Signale - sofort festgestellt werden kann. Wird von einem sendenden Netzknoten eine Kollision registriert, so wird die Datenübertragung von ihm beendet und alle weiteren Netzknoten durch Versand einer speziellen Kennung über die Kollision informiert. Auf diese Weise wird bei CSMA/CD auf auftretende Kollisionen bzw. Überlagerungen von Signalen reagiert und verhindert, dass sie wiederholt werden. Nachteilig bei CSMA/CD ist allerdings, dass die Anzahl des an den Ubertragungsweg angeschlossenen Netzknoten gering sein sollte bzw. bei vielen Netzknoten die vorhandene Bandbreite wegen einer größeren Anzahl an Kollisionen nur ineffektiv genutzt wird.
Eine weitere z.B. bei ADSL2 eingesetzte Maßnahme zur Reduktion von spektralen Interferenzen stellt das so genannte Power-Cutback dar. Dabei wird die spektrale Interferenz durch eine Regelung der Sendeleistung bei der Datenübertragung in Abhängigkeit vom so genannten Signal-zu-Rausch-Verhaltnis SNR vermindert. Vom SNR wird dabei ein Verhältnis von einem Storsignal zu einem Nutzsignal, von dem die zu übertragenden Daten beinhaltet werden, angegeben. Für Power-Cutback muss allerdings wahrend der Datenübertragung das SNR jedes Datenkanals überprüft werden, um dann die Datenübertragungsrate und die Sendeleistung sofort anzupassen, wenn das SNR auf einem der benutzten Kanäle schlechter wird. Die
Überprüfung des SNR jedes Datenkanals, welche kontinuierlich wahrend der Datenuberprufung durchgeführt werden muss, wird von einem Endgerat auf der Teilnehmerseite (z.B. einem ADSL- Modem) gemeinsam mit einer Vermittlungsstelle des Telekommunikationsnetzes - einem so genannten Digital
Subscriber Line Access Multiplexer DSLAM - im Handshake- Verfahren, also durch Synchronisation mittels Quittierungs- signal, durchgeführt, wodurch Power-Cutback ein relativ komplexes Verfahren zur Verminderung von spektralen Interferenzen darstellt.
Der vorliegenden Erfindung liegt daher die Aufgabe zugrunde, ein Verfahren anzugeben, durch welches die genannten
Nachteile überwunden werden und von welchem eine einfache und wirkungsvolle Vorgehensweise zur Reduktion der spektralen Interferenz bei drahtgebundener wie drahtloser Übertragung von paketorientierten Daten geboten wird.
Die Losung dieser Aufgabe erfolgt erfindungsgemaß durch ein Verfahren der eingangs erwähnten Art, durch welches die für die Übertragung von Nutzdaten genutzten Datenkanale ausgewertet werden, auf Basis dieser Auswertung in der Weise Signalmuster abgeleitet und über die ungenutzten Datenkanale gesendet werden, sodass ein Leistungsdichtespektrum für den gesamten Ubertragungsweg optimiert wird.
Der Hauptaspekt der erfindungsgemaß vorgeschlagenen Losung besteht darin, dass diese Losung sowohl für drahtgebundene als auch für drahtlose Datenübertragung bei physikalisch beliebiger Struktur der spektralen Interferenz auf einfache Weise angewendet werden kann. Zusatzlich gibt es hinsichtlich der für die Datenübertragung eingesetzten Modulations- verfahren keine Einschränkungen. Das zur Reduktion der spektralen Interferenz eingesetzte optimale Signalmuster wird mit Hilfe des Leistungsdichtespektrums für den gesamten Ubertragungsweg eruiert, wobei vom Leistungs-dichtespektrum angegeben wird, mit welcher Amplitude die einzelnen Frequenzen in einem betrachteten Spektrum des über den Ubertragungsweg transportierten elektromagnetischen Gesamtsignals enthalten sind. Dieses Gesamtsignal umfasst naturlich sowohl die für die Datenübertragung wichtigen Nutzsignale als auch die durch die spektrale Interferenz entstandenen Storsignale. Das optimale Leistungs- dichtespektrum für einen Ubertragungsweg wird dann erreicht, wenn der Anteil der Storsignal-Amplituden möglichst gering ist. Vom optimalen Signalmuster, welche gemäß dem erfindungsgemaßen Verfahren über die nicht genutzten Datenkanale gesendet wird, wird daher eine Art Filterwirkung erzeugt .
Es ist vorteilhaft, wenn die Signalmuster zur Optimierung des Leistungsdichtespektrums in einer Testanlage mit Hilfe semi- stochastischer Methoden ermittelt werden, da damit der Wirkbetrieb eines Ubertragungsweges bzw. -Systems nicht durch die aufwendige Ermittlung des optimalen Signalmusters beeinträchtigt wird. Bei der semi-stochastischen Methode werden zuerst Signalmuster nach dem Zufallsprinzip generiert und dann jene Signalmuster registriert, für die ein optimales Leistungsdichtespektrum erzielt wird. Diese Signalmuster werden dann noch weiter verfeinert, wodurch auf relativ rasche Weise optimale Signalmuster für die Reduktion der spektralen Interferenz gefunden werden.
Es ist gunstig, wenn die Signalmuster zur Optimierung des Leistungsdichtespektrums in einer Testanlage mit Hilfe analytischer Methoden ermittelt werden, da durch den Einsatz einer Testanlage die optimalen Signalmuster unabhängig vom Wirkbetrieb ermittelt werden können und die Datenübertragung wahrend des Wirkbetriebes des Ubertragungsweges bzw. -Systems dadurch beeinträchtigt wird, wobei bei der analytischen Methode zuerst das Leistungsdichtespektrum des gesamten Ubertragungsweges ausgewertet und dann daraus das optimale Signalmuster abgeleitet wird. Das Signalmuster kann daher genau an die Anforderungen des Ubertragungsweges angepasst werden.
Die Erfindung wird nachfolgend in beispielhafter Weise unter Bezugnahme auf die beigefugte Figur naher erläutert.
Die Figur zeigt den schematischen Ablauf des erfindungs- gemaßen Verfahrens zur Reduktion der spektralen Interferenz, wobei die Ermittlung des optimalen Signalmusters in einer Testanlage mittels einer semi-stochastischen Methode erfolgt.
Nach einem ersten Startschritt 1 werden in einem zweiten Schritt 2 die bei einer Datenübertragung auf einem Ubertragungsweg mit einer Vielzahl an Datenkanalen vorliegenden Verhaltnisse auf eine Testanlage, in der der
Betrieb der tatsachlichen Ubertragungsweges nachgestellt werden, übertragen und damit die Übertragung von Nutzdaten in den Datenkanalen über diesen Ubertragungsweg in der Testanlage simuliert. In einem dritten Schritt 3 wird die Übertragung von Nutzdaten in den Datenkanalen des
Ubertragungsweges ausgewertet und eine erste Messung des Leistungsdichtespektrums des gesamten Ubertragungsweges bei dieser Datenübertragung mit Hilfe eines in der Testanlage vorhanden Leistungsmessgerates durchgeführt.
In einem vierten Schritt 4 wird in der Testanlage durch den dort vorhandenen Digital Signal Processor per Zufallsgenerator ein Signalmuster erzeugt. In einem fünften Schritt 5 wird dieses Signalmuster zusatzlich zu den Nutzdaten in den bei der Nutzdatenubertragung ungenutzten Datenkanalen über den Ubertragungsweg gesendet. In einem sechsten Schritt 6 wird die effektive Wirkung des Signalmusters durch eine weitere Messung des Leistungsdichtespektrums des gesamten Ubertragungsweges ausgewertet.
In einem siebten Schritt 7 wird geprüft, ob sich das Leistungsdichtespektrum gegenüber der ersten Messung des Leistungsdichtespektrums im dritten Schritt 3 verbessert hat. Das bedeutet, es wird analysiert, ob durch den Einsatz des Signalmusters die Amplituden der Frequenzen der Storsignale verringert worden sind.
Wurde keine Verbesserung erzielt, so werden die Schritte 4 bis 6 des erfindungsgemaßen Verfahrens so lange wiederholt, bis im siebten Schritt 7 eine Verbesserung in Richtung des optimalen Leistungsdichtespektrums festgestellt werden kann.
Wird im siebten Schritt 7 durch die Verwendung eines Signalmusters eine Verbesserung des Leistungsdichtespektrums festgestellt, so wird dieses Signalmuster in einem achten Schritt 8 registriert. Das Signalmuster kann dann in einem neunten Schritt 9 noch weiter verbessert werden, um damit das Leistungsdichtespektrum des gesamten Ubertragungsweges weiter
zu optimieren. Das bedeutet, dass das registrierte Signalmuster durch Analyse dem in der ersten Messung ermittelten Leistungsdichtespektrum angepasst wird, um das Signal-zu-Rausch-Verhaltnis SNR weiter zu verbessern. In einem zehnten Schritt 10 wird dann das in der Testanlage ermittelte Signalmuster auf dem Wirksystem hinterlegt und kann nun zur Reduktion der spektralen Interferenz auf dem Ubertragungsweg im Wirkbetrieb eingesetzt werden.
Meist werden für eine effektive Reduktion der spektralen
Interferenz nicht nur einzelne, sondern mehrere Signalmuster verwendet, die mittels des Einsatzes einer Testanlage auf einfache Weise ermittelt werden können. Durch den Einsatz der Testanlage ist es außerdem möglich, aus einer relativ großen Anzahl von Signalmustern jene herauszufiltern, durch welche eine Optimierung des Leistungsdichtespektrums eines Uber- tragungsweges und damit eine Reduktion der spektralen Interferenz erzielt wird.