Beschreibung
Verfahren und Anordnung zur automatischen Konfiguration eines Master-Slave-FeldbusSystems
Die Erfindung betrifft ein Verfahren und eine Anordnung zur automatischen Konfiguration eines Feldbussystems, insbesonde¬ re eines LIN-Bussystems, mit einem Master und mit mindestens einem Busteilnehmer.
Feldbussysteme finden insbesondere in industriellen Berei¬ chen, wie der Automatisierungstechnik, Messtechnik und Robotik ihre Anwendung, werden jedoch auch bei der Vernetzung von Steuergeräten, Sensoren, Aktoren sowie Ein- und Ausgabemit- teln zunehmend in Verkehrsmitteln, wie Kraftfahrzeugen, Flugzeugen und Wasserfahrzeugen, eingesetzt. Aufgrund ihrer Einsatzgebiete werden an die Feldbusse deshalb hohe Anforde¬ rungen hinsichtlich ihrer Robustheit, Handhabbarkeit und Wartbarkeit gestellt.
In einem nach dem Master-Slave-Prinzip arbeitenden Feldbussystem initiiert und koordiniert der Master jegliche Kommuni¬ kation und der oder die Busteilnehmer, also die Slaves, reagieren darauf. Damit der Master den mindestens einen an den Feldbus angeschlossenen Busteilnehmer gezielt ansprechen, ihn also adressieren kann, muss dem Busteilnehmer eine eindeutige, mit keinem weiteren Busteilnehmer verwechselbare Adresse oder Identifikationsnummer zugeordnet und diese dem Master bekannt gemacht werden. Dies kann vor der Inbetriebnahme des Feldbussystems geschehen, indem über Konfigurationsdateien alle vorhandenen Busteilnehmer identifiziert und jedem Busteilnehmer eine eindeutige Teilnehmeradresse zugewiesen wird. Die Informationen aus den Konfigurationsdateien werden in einem Speicher des Master abgelegt, so dass dieser nach einem Neustart des Bussystems die Teilnehmeradressen bereits kennt und darüber mit den Busteilnehmern kommunizieren kann. Auf diese Art wird also das Bussystem offline konfiguriert.
Bei einer Konfiguration des Bussystems über vorab zur Verfü¬ gung zu stellende Informationen zu den Busteilnehmern ist es nicht möglich, neue Busteilnehmer in das Bussystem einzufü- gen, ohne die Konfigurationsinformationen anzupassen und den Master neu zu programmieren. Dies erfordert unter Umständen die Hinzuziehung eines Fachmannes, was den Einsatz eines sol¬ chen Bussystems unflexibel macht und den Aufwand bei System¬ änderungen erhöht.
Ein Feldbussystem, welches mit der beschriebenen Vorgehensweise konfiguriert wird, ist der LIN-Bus, der insbesondere im Automobilbereich Verwendung findet. Der LIN-Bus wird dabei weniger zur Vernetzung des gesamten Fahrzeugs als zur Ver- knüpfung und Zusammenfassung von Untereinheiten zu Subsystemen eingesetzt, beispielsweise bei Anzeigeeinheiten im Be¬ reich des Kombiinstrumentes oder bei Sensor- und Aktorelementen im Tür- oder Dachbereich. Eine Änderung der Anzahl von Busteilnehmern bedeutet für den Fahrzeugbesitzer stets den Besuch einer Werkstatt, was die Nachrüstung gewünschter Zusatzgeräte aufwändig macht.
Aufgabe der vorliegenden Erfindung ist es, ein Verfahren und eine Anordnung der eingangs genannten Art anzugeben, mit de- nen dem Feldbussystem mindestens ein neuer Busteilnehmer hinzugefügt werden kann, ohne dass dem Master dieser mindestens eine Busteilnehmer vorab bekannt ist.
Diese Aufgabe wird mit einem Verfahren nach Anspruch 1 und einer Anordnung nach Anspruch 15 gelöst.
Erfindungsgemäß merkt sich der Master die jeweils aktuell im Feldbussystem vorhandenen Busteilnehmer und speichert diese als bekannte Busteilnehmer ab. Der Master ist des weiteren programmtechnisch so ausgelegt, dass er nach einem Neustart des Feldbussystems, das nunmehr aus dem Master und dem min¬ destens einen Busteilnehmer besteht, die folgenden Verfah-
rensschritte ausführt: Zuweisung einer Standard-Adresse als Teilnehmeradresse an den mindestens einen Busteilnehmer, Überprüfen, ob der mindestens eine Busteilnehmer zur bekannten Konfiguration gehört, und, sofern dies der Fall ist, Zu- Weisung einer eindeutigen Teilnehmeradresse an den mindestens einen Busteilnehmer, Überprüfen, ob der mindestens eine Busteilnehmer noch immer die Standard-Adresse aufweist und, so¬ fern dies der Fall ist, Identifizierung des mindestens einen Busteilnehmers und Zuweisung einer eindeutigen Teilnehmerad- resse an den mindestens einen Busteilnehmer.
Entsprechend der erfindungsgemäßen Anordnung ist der mindestens eine Busteilnehmer so ausgelegt, dass er die Nachrichten des Masters zur Änderung der Teilnehmeradresse umsetzen kann und auf Anfragen, die der Überprüfung der aktuell zugewiese¬ nen Adresse oder der Abfrage von Informationen zur Identifizierung des jeweiligen Busteilnehmers dienen, reagieren kann.
Über die Zuweisung der Standard-Adresse werden sämtliche Bus- teilnehmer für den Master ansprechbar gemacht, da er deren
Teilnehmeradressen, die er eigentlich aus den Konfigurationsinformationen erhalten hätte, vorab nicht kennt. Erst danach kann der Master mit den Busteilnehmern kommunizieren. Mittels einer oder mehrerer Identifizierungsanfragen an den bzw. die Busteilnehmer wird überprüft, ob und welcher der Busteilnehmer dem Master bereits bekannt ist. Den bekannten Busteilnehmern wird dann durch den Master jeweils eine eigene, eindeu¬ tige Teilnehmeradresse zugewiesen und sofern erforderlich, werden alle weiteren Schritte zur vollständigen Konfiguration des jeweiligen Busteilnehmers vorgenommen. Die am Ende der
Überprüfung mit einer Standard-Adresse verbliebenen Busteilnehmer sind damit als neue Busteilnehmer erkannt und werden ihrerseits gezielt hinsichtlich Identifikationsmerkmalen abgefragt. Nach erfolgter Identifikation des jeweiligen neuen Busteilnehmers wird auch diesem eine eindeutige Teilnehmerad¬ resse zugeordnet und die unter Umständen erforderlichen weitere Konfigurationsschritte werden an ihm vorgenommen. Sind
alle im Bussystem vorhandenen Busteilnehmer mit einer eindeutigen Teilnehmeradresse versehen, so ist die Konfiguration des Feldbussystems abgeschlossen. Der Master kann nun die bekannte Konfiguration mit den Informationen zu den aktuell er- kannten Busteilnehmern überschreiben.
Mit dem erfindungsgemäßen Verfahren und der erfindungsgemäßen Anordnung ist es möglich, einem Feldbussystem, dass nach dem Master-Slave-Prinzip arbeitet, einen oder auch mehrere neue Busteilnehmer hinzuzufügen, die direkt nach dem nächsten Neustart vom Master konfiguriert werden, ohne dass dem Master diese neuen Busteilnehmer vorab über eine Konfigurationsinformation bekannt gemacht werden müssen. Ein Umprogrammieren des Master entfällt also. Außerdem wird keine zusätzliche Hardware benötigt, sondern die Lösung ist ausschließlich über Softwareanpassungen im Master und dem mindestens einen Busteilnehmer realisierbar. Neben der Erkennung nur einzelner neuer Busteilnehmer ist ebenso ein Neustart des Feldbussys¬ tems mit ausschließlich neuen Busteilnehmern möglich, da dann alle Busteilnehmer als neu erkannt werden und über entspre¬ chende Anfragen identifiziert und anschließend konfiguriert werden.
Das erfindungsgemäße Verfahren wird bevorzugt schrittweise für alle im Feldbussystem vorhandenen Busteilnehmer durchlaufen, das heißt, jeder der Schritte 1 bis 5 wird jeweils erst für alle Busteilnehmer ausgeführt bevor zum nächsten Schritt weitergegangen wird. Alternativ können die Schritte 1 bis 5 auch direkt nacheinander für jeden Busteilnehmer einzeln durchlaufen werden.
In einer bevorzugten Ausgestaltung der Erfindung wird zur Durchführung der Schritte 1 bis 5 mindestens eine binär zu beantwortende Anfrage an den mindestens einen Busteilnehmer versendet. Unter einer binär zu beantworten Anfrage wird da¬ bei eine Anfrage verstanden, die nur mit JA oder NEIN bzw. WAHR oder FALSCH beantwortet werden kann. Dabei ist der ange-
fragte Busteilnehmer entweder in der Lage, beide Antwortty¬ pen, also je nach Situation entweder die positive oder die negative Antwort, zu senden, oder er kann nur einen der beiden Antworttypen senden und lässt die Anfrage bei Vorliegen der entgegen gesetzten Antwort unbeantwortet, was entspre¬ chend als entgegen gesetzte Antwort interpretiert wird.
Durch Verwendung einer binären Anfrage ist es möglich, die Busteilnehmer logisch den einzelnen Blättern eines Binärbaums zuzuordnen. Durch geschickte Wahl der Art der Anfrage können nach und nach die spezifischen Eigenschaften der Busteilnehmer erfragt und diese somit identifiziert werden, wobei jeder Anfrage ein Knoten im Binärbaum zugeordnet ist. Die Busteil¬ nehmer antworten stets entweder mit JA oder NEIN und werden entsprechend ihrer Antwort dem jeweils linken oder rechten
Kindknoten des zur Anfrage gehörenden Knotens zugeordnet. Ist kein Kindknoten vorhanden, so ist ein Blatt erreicht und damit ein Busteilnehmer eindeutig identifiziert. Auf diese Wei¬ se kann sowohl nach den bereits bekannten Busteilnehmern ge- sucht werden als auch eine Identifizierung der neuen Busteilnehmer vorgenommen werden.
In einer Weiterbildung der Erfindung handelt es sich bei der binär zu beantwortenden Anfrage um eine mit einer Bedingung verknüpfte Anweisung, die von dem mindestens einen Busteil¬ nehmer nur ausgeführt und gleichzeitig positiv beantwortet wird, wenn die Bedingung erfüllt ist. Als Bedingung wird da¬ bei in einer Ausgestaltung das Vorhandensein eines bestimmten Identifikationsmerkmales in dem mindestens einen Busteilneh- mer abgefragt. Über die Frage der Erfüllung der Bedingung wird also die JA/NEIN-Antwort des Busteilnehmers veranlasst und damit das Durchlaufen des Binärbaums realisiert, während gleichzeitig bei der Erfüllung der Bedingung vom Busteilnehmer eine Anweisung ausgeführt wird. Auf dieser geschickten Kombination wird die Anzahl der zu verschickenden Nachrichten reduziert .
Anweisungen, die mit einer Bedingung verknüpft sind, sind aus dem LIN-Bus-Standard bekannt. So besteht für den Master nach der Version 2.0 des LIN-Bus-Standards die Möglichkeit, eine Nachricht zu versenden, die nur bei genau dem Busteilnehmer zu einer Änderung seiner Teilnehmeradresse führt, der eine oder mehrere mit dieser Nachricht übertragene Bedingungen er¬ füllt. Hat ein Busteilnehmer daraufhin seine Teilnehmeradres¬ se geändert, so übersendet er eine positive Antwort. Eine ne¬ gative Antwort bleibt einfach aus und wird vom Master so in- terpretiert, dass kein Busteilnehmer im Bussystem vorhanden ist, der die eine oder die mehreren Bedingungen erfüllt.
Nach dem LIN-Bus-Standard kann eine solche Bedingung die Zu¬ gehörigkeit des Busteilnehmers zu einem bestimmten Hersteller und/oder zu einem bestimmten Funktionstyp sein, das heißt es wird ermittelt, ob der Busteilnehmer in seinen Identifikati¬ onsmerkmalen eine bestimmte Herstellernummer und/oder eine bestimmte Funktionsnummer aufweist.
Gemäß der im Folgenden beschriebenen Ausgestaltungen der Erfindung werden die aus dem LIN-Bus-Standard Version 2.0 be¬ kannten Adress-Änderungs-Anfragen dazu genutzt, Busteilnehmer der bekannten Konfiguration zu erkennen, neue Busteilnehmer herauszufiltern sowie allen Busteilnehmern die eindeutigen Teilnehmeradressen zuzuweisen. Der Nachrichtentyp der mit einer Bedingung verknüpften Adress-Änderungs-Anfrage bietet da¬ bei den Vorteil, dass die Schritte der Identifizierung eines Busteilnehmers und der Zuweisung einer eindeutigen Teilnehmeradresse direkt miteinander verknüpft werden, wodurch die Anzahl der zu verschickenden Anfragen und Anweisungen reduziert wird. Außerdem wird durch die Verwendung der standardi¬ sierten Adress-Änderungs-Anfragen sicher gestellt, dass in ein nach den Ausgestaltungen der Erfindung arbeitendes Feldbussystem auch nicht danach arbeitende Busteilnehmer einge- bunden werden können, wobei diese dann dem Master nach dem herkömmlichen Verfahren vorab bekannt gemacht werden müssen.
Gemäß einer Ausgestaltung wird in Schritt 1 an den mindestens einen Busteilnehmer eine Adress-Änderungs-Anfrage versendet, mit der die Standardadresse als neue Teilnehmeradresse über¬ tragen wird und deren Bedingung von dem mindestens einen Bus- teilnehmer stets erfüllt wird. Die Bedingung ist also so ge¬ wählt, dass alle im Feldbussystem vorhandenen und ordnungsge¬ mäß arbeitenden Busteilnehmer diese zwangsläufig erfüllen, damit die Standardadresse auch sicher von allen Busteilnehmern übernommen wird.
Als Schritte 2 und 3 wird in einer weiteren Ausgestaltung an den mindestens einen Busteilnehmer eine Adress-Änderungs- Anfrage versendet wird, mit der die eindeutige Teilnehmerad¬ resse als neue Teilnehmeradresse übertragen wird und deren Bedingung die Zugehörigkeit des mindestens einen Busteilneh¬ mers zu einem Hersteller und/oder einem Funktionstyp entsprechend der bekannten Konfiguration ist.
Alternativ dazu wird vorgeschlagen, an den mindestens einen Busteilnehmer eine Adress-Änderungs-Anfrage zu versenden, mit der die eindeutige Teilnehmeradresse als neue Teilnehmerad¬ resse übertragen wird und deren Bedingung das Vorhandensein einer von vor dem Neustart bekannten, eindeutigen Identifikationsnummer im Busteilnehmer ist.
Bei beiden Ausgestaltungen werden die vor dem Neustart vorhandenen und in der bekannten Konfiguration abgelegten Busteilnehmer gezielt über ihre Identifikationsmerkmale ange¬ sprochen und, sofern die Identifikationsmerkmale übereinstim- men, mit einer eigenen Teilnehmeradresse versehen. Die
Schritte 2 und 3 werden dabei mit einer einzigen vom Master versendeten Nachricht abgearbeitet.
In einer weiteren Ausführung wird in Schritt 4 an den mindes- tens einen Busteilnehmer eine Adress-Änderungs-Anfrage ver¬ sendet, deren Bedingung das Vorhandensein der Standardadresse ist. Dies erfolgt bevorzugt dadurch, dass die Adress-Ände-
rungs-Anfrage an Busteilnehmer mit der Standardadresse adres¬ siert wird, so dass nur der oder die Busteilnehmer auf die Anfrage positiv antworten, die noch über die Standardadresse verfügen. Busteilnehmer, an die bereits eine eigene Teilneh- meradresse vergeben wurde, und die demnach zu der bekannten Konfiguration gehören, werden von der Adress-Änderungs-An- frage gar nicht erreicht. Mit der Adress-Änderungs-Anfrage kann als neue Teilnehmeradresse erneut die Standadresse über¬ mittelt werden, das heißt, diese wird einfach mit sich selbst überschrieben, oder es wird eine geänderte Einheitsadresse übermittelt .
In Schritt 5 wird in einer weiteren Ausgestaltung an den mindestens einen Busteilnehmer eine Adress-Änderungs-Anfrage versendet, deren Bedingung die Zugehörigkeit des mindestens einen Busteilnehmers zu einem im Bussystem möglichen Hersteller und/oder einem im Bussystem möglichen Funktionstyp ist. Dem Master müssen dafür alle Busteilnehmertypen mit ihren Hersteller- und Funktionsnummern bekannt sein, die in dem Feldbussystem auftreten können. Die über das Vorhandensein der Standardadresse nach Ende von Schritt 3 als neu erkannten Busteilnehmer werden nun auf ihre Zugehörigkeit zu einem der grundsätzlich möglichen Hersteller und/oder Funktionstypen abgefragt. Als neue Teilnehmeradresse wird mit der Adress- Änderungs-Anfrage entweder eine Kennzeichnungsadresse versen¬ det, die den positiv antwortenden Busteilnehmer als zu einem bestimmten Hersteller und/oder Funktionstyp zugehörig kennzeichnet, oder es wird im Fall, dass die Anfrage direkt zu einer eindeutigen Identifikation führt, eine eindeutige Teil- nehmeradresse mit übertragen. Erfolgt die Kennzeichnung über eine Kennzeichnungsadresse, wird erst nach einer eindeutigen Zuordnung des neuen Busteilnehmers zu einem Hersteller sowie einem Funktionstyp die eindeutige Teilnehmeradresse an den Busteilnehmer übertragen.
Die Erfindung wird nachfolgend anhand eines Ausführungsbei¬ spiels und der Zeichnung näher erläutert. Es zeigen:
Figur 1 der Nachrichtenaufbau einer Adress-Änderungs-An- frage;
Figur 2 der Nachrichtenaufbau einer Antwort auf die Anfrage aus Figur 1;
Figur 3 der Nachrichtenaufbau einer weiteren Adress-Ände¬ rungs-Anfrage;
Figur 4 der Nachrichtenaufbau einer Antwort auf die Anfrage aus Figur 3;
Figur 5 ein LIN-Feldbussystem;
Figur 6 ein Binärbaum mit den Busteilnehmern des LIN-FeId- bussystems;
Figur 7 Funktionsablauf der Schritte 1 bis 3;
Figur 8 Funktionsablauf der Schritte 4 und 5.
In Figur 1 ist der Aufbau einer Adress-Änderungs-Anfrage dar¬ gestellt, die vom Master an einen im Feld 1 über seine Teil¬ nehmeradresse spezifizierten Busteilnehmer versendet wird und mit der in Feld 3 eine Bedingung übertragen wird. Der Aufbau der Nachricht entspricht dabei dem LIN-Bus-Standard Version 2.0, wobei der Inhalt der einzelnen Felder vereinfacht darge¬ stellt ist. In Feld 2 wird der Typ der Nachricht genauer de¬ finiert. In diesem gegenüber dem LIN-Bus-Standard reduzierten Beispiel soll dies durch den Typ „Anfrage" verdeutlicht wer¬ den. In Feld 4 ist die mit der Adress-Änderungs-Anfrage zu übertragene neue Teilnehmeradresse enthalten, welche von dem in Feld 1 spezifizierten Busteilnehmer übernommen wird, sofern bei ihm die Bedingung des Feldes erfüllt ist.
Ist dies der Fall, antwortet der Busteilnehmer mit einer an den Master gerichteten Antwortnachricht entsprechend der Fi-
gur 2. Die Antwortnachricht enthält in Feld 5 die Adresse des antwortenden Busteilnehmers, in Feld 6 den Nachrichtentyp, hier der Typ „Antwort" und in den Feldern 7 und 8 sind vorge¬ gebene Dummy-Werte enthalten, also beispielsweise alle Bits auf 1 gesetzt. Durch das Versenden der Antwortnachricht rea¬ giert der Busteilnehmer auf die Adress-Änderungs-Anfrage po¬ sitiv und teilt dem Master mit, dass er die neue Teilnehmeradresse übernommen hat. Ergeht keine Antwort an den Master, so wird dies als negative Antwort verstanden.
Die Figur 3 zeigt den schematisierten Aufbau einer Adress- Änderungs-Anfrage nach dem LIN-Bus-Standard 2.0, mit der als Bedingung die Zugehörigkeit des Busteilnehmers zu einem be¬ stimmten Hersteller (Feld 9) sowie zu einem bestimmten Funk- tionstyp (Feld 10) übertragen wird. Die positive Antwort auf diese Anfrage gemäß Figur 4 entspricht der Antwort aus Figur 1, dass heißt, die Felder 9 und 10 mit der bzw. den Bedingungen sowie das Feld 4 mit der neuen Teilnehmeradresse werden durch Dummy-Werte ersetzt.
In Figur 5 ist ein Beispiel für ein LIN-Bussystem in einem Fahrzeug, beispielsweise einem Kraftfahrzeug oder einem Sportboot, dargestellt, mit einem Kombiinstrument als Master 14 und insgesamt acht Zeigerinstrumenten als Busteilnehmer 15 (Slaves) . Über den LIN-Bus 16 sind der Master 14 und die Bus¬ teilnehmer 15 sternförmig miteinander verbunden.
Die acht Busteilnehmer 15 können entsprechend der Darstellung in Figur 6 den Blättern 17 eines Binärbaumes zugeordnet wer- den, da jedes Zeigerinstrument einem von zwei Herstellern Hl und H2 sowie einer von vier Funktionsgruppen Fl bis F4 eindeutig zugeordnet werden kann. Unter Funktionsgruppe wird da¬ bei beispielsweise die Art der von dem Zeigerinstrument dar¬ gestellten Größe verstanden, also beispielsweise Fahrzeugge- schwindigkeit , Motortemperatur, Motordrehzahl und Kraftstoff¬ füllstand. Der Baum geht von einer Wurzel 18 aus und teilt sich an dieser Wurzel in einen rechten und linken Teilbaum,
je nach Hersteller Hl oder H2. Die beiden Teilbäume beginnen jeweils an einem Knoten 19 und unterteilen sich wieder in je zwei Teilbäume, je nach dem Funktionstyp Fl bzw. F3 oder F2 bzw. F4, was zu den Knoten 20 führt.
Bei dem im Folgenden beschriebenen Ablauf einer Konfiguration des LIN-Bussystems aus den Figuren 5 und 6 sind die Busteil¬ nehmer H1F2 und H2F3 als neue Busteilnehmer hinzugekommen. Der Master 14 hat sich die Konfiguration bestehend aus den übrigen sechs Busteilnehmern als bekannte Konfiguration gemerkt, dass heißt, er hat in einem Speicher zumindest abge¬ legt, dass vom Hersteller Hl die Funktionsgruppen Fl, F3 und F4 vorhanden sind und vom Hersteller H2 die Funktionsgruppen Fl, F2, und F4. Damit ist Schritt 0 des Verfahrens zur Konfi- guration bereits ausgeführt und ein Neustart kann erfolgen.
Anhand der Figur 7 wird der Ablauf der nach dem Neustart durchgeführten Schritte 1 bis 3 erläutert, die im Folgenden als Hauptschritte bezeichnet werden. Zu Hauptschritt 1 gehö- ren die Unterschritte 101 bis 103, wobei in Schritt 101 vom Master 14 die Adress-Änderungs-Anfrage Cond_Addr_Chg mit dem Inhalt nach Figur 1 verschickt wird. Als Busteilnehmeradresse wird eine so genannte Broadcast-Adresse verwendet, mit der sämtliche im Bussystem vorhandenen Busteilnehmer 15 angespro- chen werden. Als neue Teilnehmeradresse wird die Standard¬ adresse übergeben und die Bedingung ist von vornherein auf den Wert „true" gesetzt, das heißt, die Bedingung wird stets erfüllt. In Schritt 102 prüft der Master, ob von mindestens einem Busteilnehmer 15 eine Antwort gesendet wurde. Ist dies nicht der Fall, so sind keine Busteilnehmer 15 an den LIN-Bus angeschlossen und die Konfiguration ist somit beendet (Schritt 103) . Sofern mindestens eine Antwort vorliegt, wird zu dem Hauptschritt 2 weitergegangen, der die Unterschritte 202 und 203 aufweist. In Schritt 202 wird die bekannte Konfi- guration geladen, d.h. der Master holt aus dem Speicher eine Liste der vor dem Neustart vorhandenen Busteilnehmern mit den zugehörigen Identifikationsmerkmalen Hersteller und Funkti-
onstyp und beginnt mit dem ersten Listeneintrag. In Schritt 202 prüft er, ob der erste Listeneintrag bereits leer ist. Ist dies der Fall, waren vor dem Neustart keine Busteilnehmer 15 vorhanden, das heißt, sämtliche Busteilnehmer 15 im Bus- System sind neu und werden mit den Schritten 4 und 5 weiterbehandelt. Zu diesen Schritten wird über die Verbindungsstel¬ le A gewechselt.
Ist der erste Listeneintrag gefüllt, wird an den dort einge- tragenen Busteilnehmer 15 eine Adress-Änderungs-Anfrage gemäß der Figur 3 gesendet. Diese Anfrage ist also an nur einen Busteilnehmer mit der Adresse „SlvAddr" gerichtet und sie enthält die Bedingung, dass der Empfänger vom Hersteller „MSlv" stammt und vom Funktionstyp „FSlv" ist. Gleichzeitig wird eine eindeutige Teilnehmeradresse „SpecAddr" übertragen. Antwortet der Busteilnehmer positiv, so wurde zum einen erkannt, welcher Busteilnehmer aus der bekannten Konfiguration weiterhin im Bussystem vorhanden ist, und außerdem wurde diesem Busteilnehmer bereits eine eindeutige Teilnehmeradresse zugewiesen, das heißt, mit Schritt 203 wird auch gleichzeitig der Hauptschritt 3 ausgeführt. Bei einer vorliegenden und da¬ mit positiven Antwort (Schritt 204) kann in Schritt 205 die weitere Initialisierung des Busteilnehmers erfolgen. Wurde keine Antwort zurückgesendet, so ist der angesprochene Bus- teilnehmer nicht mehr im Bussystem vorhanden und er kann in Schritt 206 aus der bekannten Konfiguration gelöscht werden. In Schritt 207 wird zum nächsten Listeneintrag gewechselt und mit Schritt 202 fortgefahren, das heißt, es wird geprüft, ob der Listeneintrag leer ist. Die Schleife wird so lange durch- laufen, bis das Ende der Liste mit der bekannten Konfigurati¬ on erreicht ist, das heißt bis ein leerer Listeneintrag er¬ reicht ist. In dem Beispiel nach den Figuren 5 und 6 sind dann an dieser Stelle die sechs bekannten Busteilnehmer 15 (HlFl, H1F3, H1F4, H2F1, H2F2 und H2F4) initialisiert.
Über die Verbindungsstelle A erfolgt dann ein Wechsel zu den Hauptschritten 4 und 5, die in Figur 8 dargestellt sind. In
Hauptschritt 4 mit den Unterschritten 401 bis 403 wird ge¬ prüft, ob Busteilnehmer mit der Standardadresse vorhanden sind. Dafür wird eine Adress-Änderungs-Anfrage gemäß Figur 1 an die Standardadresse geschickt, bei der die Bedingung wie- der auf „true" gesetzt ist. Mit der Anfrage wird als neue Teilnehmeradresse wieder die Standardadresse versendet. Bei einer positiven Antwort in Schritt 402 steht fest, das zumin¬ dest ein Busteilnehmer mit der Standardadresse und damit ein neuer Busteilnehmer anwesend ist. Ist kein neuer Busteilneh- mer vorhanden, das heißt bleibt die Antwort aus, so ist die Konfiguration des Bussystems beendet (Schritt 403) .
Zur Konfiguration des oder der neuen Busteilnehmer versucht der Master 14 nun, diese Busteilnehmer zu identifizieren. Aus der Liste mit der bekannten Konfiguration ist ihm bekannt, dass entsprechend dem Binärbaum nur die Blätter H1F2 und H2F3 noch unbesetzt sind. Diese Blätter spricht er deshalb gezielt an. In Schritt 501, mit dem der Hauptschritt 5 beginnt, wird eine Adress-Änderungs-Anfrage an die Standardadresse gemäß Figur 3 verschickt, in der die Bedingung auf die Herstellernummer Hl und die Funktionsnummer F2 gesetzt ist. Als neue Teilnehmeradresse wird die eindeutige Teilnehmeradresse „HlF2Addr" mit übertragen. Erfolgt eine Antwort, so wurde ein neuer Busteilnehmer vom Hersteller Hl und vom Funktionstyp F2 erfolgreich identifiziert und diesem wurde gleichzeitig eine eindeutige Teilnehmeradresse zugewiesen. Der neue Busteilneh¬ mer H1F2 wird in Schritt 503 initialisiert und in die Liste der bekannten Konfiguration „Config" eingetragen. Nun prüft der Master 14 erneut, ob noch immer Busteilnehmer mit der Standardadresse vorhanden sind (Schritte 504, 505, 506). Ist dies der Fall wird anschließend noch der letzte mögliche Her¬ steller und Funktionstyp geprüft. Ist der verbliebene neue Busteilnehmer vom Hersteller H2 und vom Funktionstyp F3 (Schritte 507 und 508), so wird diesem die eindeutige Teil- nehmeradresse „H2F3Addr" zugewiesen und er wird in Schritt
509 initialisiert und in die bekannte Konfiguration „Config" eingetragen. Da in diesem Beispiel nicht mehr als acht mögli-
che Busteilnehmer vorhanden sein können, ist die Konfiguration des Bussystems damit abgeschlossen.
In den Fällen, in denen mehr als acht Busteilnehmer vorhanden sein können und bei denen nicht alle Blätter des Binärbaums belegt sind, kann der Master aus Gründen der Rechenzeit nicht so linear wie insbesondere in Figur 8 vorgehen. Dann hangelt er sich in dem Binärbaum entlang, indem er beispielsweise erstmal prüft, ob einer der neuen Busteilnehmer zum Herstel- ler Hl gehört. Dies geschieht wieder über eine Adress-Ände- rungs-Anfrage . Erhält er keine positive Antwort, speichert der Master einen Vermerk, dass an dem linken Knoten 19 und damit zum Hersteller Hl kein neuer Busteilnehmer vorhanden ist. Die Abfrage geht nun am rechten Unterknoten 20 weiter mit der Adress-Änderungs-Anfrage hinsichtlich der Funktions¬ typen Fl und F3 oder F2 und F4. Bei größeren Binärbäumen wird durch dieses stufenweise Vorgehen innerhalb des Binärbaums die Identifikation der neuen Busteilnehmer vereinfacht.