Die Erfindung betrifft die Herstellung dünner, elektrisch hoch isolierender Filme aus
bestimmten Oxid- oder Nitridschichten, z.B. Al2O3 oder AlN, indem der Plasmastrahl
einer Hochfrequenz angeregten Plasmastrahlquelle auf ein Substrat gerichtet wird,
um das Substratmaterial in das entsprechende Oxid oder Nitrid umzuwandeln.
Aluminiumoxid (Al2O3) ist heutzutage das bevorzugte Tunnelbarrieren-Material für
Magnetowiderstands-Sensoren. Besser geeignet als die Oxide sind die Nitride,
insbesondere Siliciumnitrid (Si3N4) oder auch Bornitrid (BN). Aufgrund der geringen
Reaktivität von molekularem Stickstoff können mit den gängigen Verfahren bis dato
keine Nitridschichten mit hinreichender Qualität erzeugt werden. Das Problem liegt
darin, daß bei den üblichen Verfahren sehr hohe Ionenenergien benötigt werden,
um die Nitridbildung einzuleiten. Die hohe Ionenenergie wiederum hat zur Folge,
daß dadurch eine sehr große Anzahl von Defekten in die Tunnelstruktur eingebaut
wird. Qualitativ hochwertige Nitrid-Tunnelbarrieren sind somit nicht bekannt.
Die Herstellung von Al2O3-Barrierenschichten geschieht üblicherweise, indem eine
dünne Al-Schicht (typischerweise 1-2 nm dick) durch einen Zerstäubungs- oder
Verdampfungsprozeß aufgebracht und anschließend oxidiert wird. Für den
Oxidationsprozeß kann dabei die thermische, die natürliche oder die plasmagestützte
Oxidation verwendet werden. Die thermische Oxidation in Atmosphäre
oder unter Vakuum ist sehr zeitaufwendig, unkontrollierbar und benötigt gegebenenfalls,
wie im Fall der Oxidation unter Atmosphäre, daß das Vakuum gebrochen
werden muß. Sie ist für die industrielle Herstellung von Oxiden eher unbrauchbar.
Für die industrielle Fertigung konzentriert man sich auf die Plasmaoxidation durch
eine Standard-Sauerstoff-Gasentladung.
Die EP-A-913 830 von P.S. Stephen beschreibt ein magnetisches Tunnelkontakt-Bauteil,
in welchem die Tunnelbarriere durch Plasmaoxidation von 0,5 - 2 nm
dicken Al-Schichten hergestellt wird. In einigen technischen Veröffentlichungen ist
in ähnlicher Weise die Herstellung der Al2O3 Barrierenschicht durch Plasmaoxidation
von Al beschrieben (s. z.B. J.J. Sun et al., Appl. Phys. Lett. 74 (1999) 448;
W.J. Gallagher et al., J. Appl. Phys. 81 (1997) 3741; J.S. Moodera et al., Phys. Rev.
Lett. 74 (1995) 3273).
Bei dem Prozeß der Plasmaoxidation einer Al-Schicht zu einer dünnen Al2O3-Schicht
können nach dem heutigen Stand der Technik die Reaktionsgeschwindigkeit, d.h.
die Anzahl der Aluminium-Sauerstoff-Bindungen pro Zeiteinheit und auch die
Penetrationstiefe, d.h. die Eindringtiefe des Sauerstoffteilchens in die Oberfläche bis
zu dem Ort, an dem die chemische Bindung erfolgt, nicht kontrolliert werden. Es
kommt entweder zu einer nicht vollständigen Oxidation der Al-Schicht oder zu
einer nicht gewünschten teilweisen Oxidation der ferromagnetischen Bodenelektrode.
In beiden Fällen sinkt der magnetische Widerstand der Tunnelstruktur
dramatisch aufgrund einer erhöhten Depolarisation im Übergangsbereich zwischen
Bodenelektrode und Barrierenschicht (J.J Sun et al., Appl. Phys. Lett. 74 (1999) 448).
Da bei der herkömmlichen Plasamoxidation weder die Massenzusammensetzung
noch die Energieverteilung des auf die Oberfläche treffenden Plasmaflußes
kontrolliert werden kann, ist die Qualität der Oxidschicht nicht optimierbar. Für
einen optimalen Oxidationsprozeß in Bezug auf die Optimierung der Materialeigenschaften
des Oxids ist es erforderlich, einen in der Ionenenergie, d.h. die
kinetische Energie der Ionen, welche durch ihre Geschwindigkeit bestimmt ist, der
Ionenstromdichte, d.h. die Anzahl der Ionen pro Flächen- und Zeiteinheit, sowie
der Zusammensetzung (quantitatives Verhältnis der Moleküle, der Ionen und der
atomaren Teilchen) wohl definierten bzw. kontrollierbaren Sauerstoffplasmastrahl
zu verwenden.
Was bisher nicht möglich war, ist die unabhängige Variation der Ionenenergie
sowie der Ionenstromdichte verbunden mit einem sehr hohen Anteil atomarer
Spezies in einem großflächigen Plasmastrahl. Es gibt bis jetzt kein Verfahren,
welches großflächig, d.h. mit mindestens 100 - 200 cm2, einen fast reinen Atomstrahl
mit den hier vorliegenden Ionenenergie- und Stromdichtewerten liefert. Der Nachteil
üblicher Verfahren liegt darin, daß die für die Oxidation bzw. Nitrierung
notwendige Dissoziation des O2- bzw. N2-Moleküls allein durch die Stoß-Wechselwirkung
des Ions beim Aufprall auf die Oberfläche des zu oxidierenden bzw. zu
nitrierenden Materials erreicht wird. Um jedoch diese Stoß-Aktivierung effizient
durchzuführen, muß insbesondere bei der Nitridbildung die kinetische Energie des
Ions mindestens das Doppelte der Festkörperversetzungsenergie betragen. Die
Festkörperversetzungsenergie gibt die Energie an, die benötigt wird, um ein im
Volumen des Festkörpers chemisch gebundenes Atom aus seiner Bindung zu lösen
und von seiner ursprünglichen örtlichen Position aus auf eine neue Position zu
versetzen. Ist die Ionenenergie nun aber mindestens gleich der doppelten
Festkörperversetzungsenergie, so sind die Ionen auch in der Lage, unerwünschte
Defekte im Oxid oder Nitrid zu erzeugen.
Die vorliegende Erfindung hat die Aufgabe, eine verbesserte Herstellung dünner
Oxid- und Nitridschichten hoher Güte für z.B. die Anwendung in magnetischen
Tunnelbarrieren zu ermöglichen.
Die Aufgabe wird durch die Verwendung einer neuartigen Plasmaquelle gelöst,
welche einen dichten hochionisierten, quasi neutralen Plasmastrahl mit einem
hohen Anteil an Sauerstoff- oder Stickstoffspezies erzeugt und dabei eine unabhängige
Kontrolle der Ionenenergie sowie der Ionenstromdichte erlaubt. Quasi
neutral bedeutet, daß in dem Teilchen- bzw. Plasmastrahl pro Volumeneinheit
genau gleich viele positive (in der Regel Ionen) als auch negative Ladungsträger (in
der Regel Elektronen) vorhanden sind.
Gemäß dem Verfahren wird der Plasmastrahl auf die Oberfläche dünner Schichten
von bestimmten Elementen gerichtet, um sie in Schichten entsprechender Oxide
oder Nitride umzuwandeln, wobei eine kontinuierliche, uniforme und defektfreie
neue Schicht entsteht. Die Erfindung ermöglicht, daß zum ersten Mal atomare
Plasmastrahlen mit wohl definierter kinetischer Energie, vorzugsweise zwischen der
Oberflächenbindungsenergie und der Festkörperversetzungsenergie, zur Herstellung
von Oxid- bzw. Nitridschichten eingesetzt werden können. Die Oberflächenbindungsenergie
ist die Energie, die benötigt bzw. aufgebracht werden muß, um ein an der
Festkörperoberfläche chemisch gebundenes Atom aus seiner chemischen Bindung
zu lösen.
Eine derartige Plasmaquelle ist detailliert in der eingereichten deutschen Patentanmeldung
"Hochfrequenz-Plasmaquelle" mit dem Aktenzeichen 100 08 482.6 der
Firma CCR GmbH, Beschichtungstechnologie beschrieben, und als COPRA Plasma
Source 160 CF oder 200/CF im Handel.
Wirtschaftlich interessante Elemente zur Oxidation bzw. Nitridbildung sind:
Al (Al2O3/AlN), Mg (MgO), Ga (GaN), Ta (Ta2O5/TaN), Ti (TiN/TiO2), Zn (ZnO),
Zr (ZrN/ZrO2), Y (Y2O3), YSZ [Yttria-stabilized-Zirconia], Si (SiO2/Si3N4), Ge (GeO),
B (BN), C (CNx).
Es können auch Verbundmaterialien, wie z.B. SiOxNy hergestellt werden, wobei
gerade SiOxNy wirtschaftlich sehr interessiert.
Das Verfahren gemäß der vorliegenden Erfindung besitzt eine Reihe von Vorteilen
gegenüber den konventionellen Oxidations-/Nitridationstechniken. Die Plasmastrahlquelle
erzeugt bei sehr geringen Prozeßdrücken von weniger als 10-2 mbar
Plasmadichten in der Größenordnung von 1012 cm-3, wobei die Energie E der Ionen
zwischen 10 und 1.000 eV kontinuierlich eingestellt werden kann. Die Ionenenergieverteilung
ΔE/E, d.h. die Geschwindigkeitsverteilung der Ionen, ist bei dieser
Plasmastrahlquelle kleiner 10 % und somit sehr schmal. Die Energie der Ionen kann
somit sehr präzise eingestellt werden. Im Falle von zweiatomigen Gasen, wie O2
und N2 wird ein Dissoziationsgrad, d.h. das Verhältnis der atomaren Teilchenzahl
zur absoluten Zahl von Teilchen im Plasma, von über 80 % erreicht. Konventionelle
Plasmaquellen erzielen maximal 30 %. Zusätzlich wird ein Ionisationsgrad, d.h. die
Zahl der Ionen im Verhältnis zur Gesamtzahl der Teilchen im Plasma, von
mindestens 25 % erreicht, im Vergleich zu etwa 5 % in konventionellen Plasmaentladungen.
Insofern wird der Prozeß der Oxidation bzw. Nitridation durch den
Einsatz von atomaren Teilchen höchst effizient. Die Geschwindigkeit des Prozesses
wird über die Ionenstromdichte gesteuert. Die Reaktionsgeschwindigkeit kann dabei
zwischen 5x1014 bis 5x1016 Bindungsprozessen pro Sekunde betragen. Die Tiefe des
Oxidations- bzw. Nitridationsprozesses kann durch eine definierte Auswahl der
Ionenenergie kontrolliert werden. Typische Eindringtiefen sind 1 bis 10 nm, wobei
die Eindringtiefe bis auf ±0,1 nm genau gesteuert werden kann.
So wird mit sehr hoher Präzision nur die zu bearbeitende Schicht behandelt und
eine Beeinflussung der darunter liegenden Schichten wird vermieden. Der geringe
Prozeßgasdruck und die kurze Prozeßzeit gewährleisten, daß praktisch keine
schädlichen Verunreinigungen während des Schichtwachstums in die Barrierenschicht
eingebaut werden. Durch Hinzufügen von Argon zu dem Prozeßgas (O2
oder N2) werden günstige Voraussetzungen geschaffen, daß Grenzflächen zwischen
den ferromagnetischen Elektroden und der Isolierschicht mit reduzierter Oberflächenrauhigkeit
entstehen. Dieses Verfahren ist voll kompatibel mit existierenden
Produktionssystemen und schließt ein Brechen des Vakuums aus.
Die erfindungsgemässe Herstellung der Oxide bzw. Nitride erfolgt kontrolliert und
effizient mit hoher Präzision und Reproduzierbarkeit. Eine der möglichen
Anwendungen ist die Herstellung von Magnetwiderständen in Tunnelstrukturen, um
die Isolierung zwischen den ferromagnetischen Elektroden sicherzustellen. Weitere
Anwendungsmöglichkeiten bestehen in der Erzeugung von Diffusionsbarrieren, der
Erzeugung von Isolationsschichten bei der Herstellung von integrierten Halbleiterschaltkreisen
oder der Erzeugung von Isolationsschichten für kapazitive Bauelemente,
wie z.B. Kondensatoren.
Die folgende Ausführung beschreibt anhand der Zeichnungen die Herstellung von
Magnetowiderstands-Sensoren (auch Tunnelstruktur genannt) aus Aluminiumoxid
(Al2O3), beispielhaft die Herstellung dünner, elektrisch hoch isolierender Schichten
entsprechend der vorliegenden Erfindung.
- Fig. 1a
- zeigt (schematisch) den Oxidationsprozeß bei der Herstellung von Magnetowiderstands-Sensoren
oder Tunnelstrukturen
- Fig. 2
- zeigt die Veränderung der relativen Leitfähigkeit einer 10 nm dicken
Aluminium-Schicht
- Fig. 3
- zeigt die Abhängigkeit der Oxidationstiefe von der Ionenenergie
- Fig. 4
- zeigt die Abhängigkeit der Prozessgeschwindigkeit von der Ionenstromdichte
Fig. 1a zeigt den Oxidationsprozeß am Beispiel einer Tunnelstruktur. Auf dem
Siliziumsubstrat (1) wurden eine ferromagnetische Elektrode (2) sowie eine
Aluminiumschicht (3) mit definierter Dicke (etwa 1 - 2 nm) aufgebracht. Die
Aluminiumschicht (3) wurde wie üblich durch Sputtern oder Elektronenstrahlverdampfen
aufgetragen. Danach wird die Aluminiumschicht (3) oxidiert, indem sie
dem Teilchenstrahl (4) der Plasmaquelle COPRA (5) ausgesetzt wird. Fig. 1b zeigt
den prinzipiellen Aufbau einer fertigen Tunnelstruktur: Siliciumsubstrat (1), untere
ferromagnetische Elektrode (2), oxidierte Aluminiumschicht (6) sowie die im
Anschluß an den Oxidationsprozess aufgebrachte obere ferromagnetische Elektrode
(7). Der Oxidationsprozeß verläuft um so schneller, je höher der Anteil an
atomarem Sauerstoff und je größer die Ionenstromdichte im Teilchenstrahl ist. Die
Oxidationstiefe, d.h. die mittlere Eindringtiefe, kann über die Ionenenergie sehr gut
eingestellt und kontrolliert werden. Da der Teilchenstrahl eine sehr schmale
Energieverteilung von weniger als 10 % der mittleren Energie aufweist, kann präzise
jede Ionenenergie zwischen der Oberflächenbindungsenergie und der Oberflächenaktivierungsenergie,
d.h etwa zwischen 10 und 50 eV, eingestellt werden. Somit
werden Schadstellen vermieden und gute Schichtqualitäten sichergestellt. Üblicherweise
kann Argon dem Prozeßgas beigemischt werden, um die Oberflächenrauhigkeit
der Oxidschicht zu verringern. Nach Abschluß der Oxidation erhält man
eine dünne stöchiometrische Al2O3-Schicht.
Fig. 2 zeigt den Vorteil eines hauptsächlich aus atomaren Spezies (O oder N)
bestehenden Teilchenstrahls gegenüber einer Behandlung mit molekularem Sauerstoff.
Der molekulare Sauerstoff bewirkt innerhalb einer Behandlungsdauer von 10
min praktisch keine Oxidation bzw. Änderung der Leitfähigkeit. Ein atomarer
Sauerstoff- bzw. Stickstoff-Teilchenstrahl dagegen verursacht einen erheblichen
Abfall der relativen Leitfähigkeit, da die Metallschicht effizient oxidiert bzw. nitriert
wird.
Das oben beschriebene Verfahren kann unter Verwendung von Stickstoff als
Prozeßgas ebenso zur Bildung dünner AlN-Schichten genutzt werden. Ebenso
können weitere Schichten wie z.B. NiO, MgO oder BN hergestellt werden.
Die Dicke der gewünschten Schicht wird über die Ionenenergie, die Geschwindigkeit
der Oxidation bzw. Nitrierung über die Ionenstromdichte eingestellt. Fig. 3 und
Fig. 4 verdeutlichen diesen Zusammenhang am Beispiel der Oxidation von
Aluminium. Die gewünschte Ionenenergie wird durch eine in der Plasmaquelle
integrierte Regelung eingestellt. Die Ionenstromdichte wird über die eingespeiste
Hochfrequenz-Leistung variiert.
Ein Ion mit einer bestimmten kinetischen Energie verliert nach dem Eindringen in
den Festkörper, d.h. auf dem Weg in die Tiefe, kontinuierlich an Energie. Nach
Durchlaufen einer bestimmten Wegstrecke ist seine gesamte ursprünglich vorhandene
Energie aufgebraucht und es kommt zur Ruhe. Dort wo es zu Ruhe kommt, gibt es
eine chemische Bindung. Die maximale Reichweite, d.h. die Eindringtiefe eines
Ions, ist somit eine Funktion der kinetischen Energie, welche die Ionen beim
Eintreten in die Oberfläche besitzen. Die Umwandlung einer dünnen Aluminiumschicht
in eine Aluminiumoxidschicht läuft dann wie folgt ab: Steht die Oberfläche
der Aluminiumschicht unter kontinuierlichem Beschuß durch einen Ionenstrahl, so
dringen zuerst die Sauerstoffionen, abhängig von ihrer kinetischen Energie, in die
entsprechende Tiefe vor und oxidieren dort das Aluminium vollständig. Sind an
dieser Stelle alle möglichen Bindungsplätze besetzt, so wandern die Sauerstoffatome
wieder zurück in Richtung Oberfläche und gehen an dem nächst freien Bindungsplatz
eine chemische Bindung ein. Dies geschieht solange bis die gesamte Oberflächenschicht
in Oxid umgewandelt wurde. Die Oxidation verläuft also von der
Tiefe heraus an die Oberfläche. Gleiches gilt für den Nitrierungsprozeß.
In Fig. 3 ist der lineare Zusammenhang zwischen Penetrationstiefe und der Ionenenergie
dargestellt. Über die Variation der Ionenenergie kann somit sehr präzise die
maximale Dicke der oxidierten Schicht eingestellt werden.
Die Ionenstromdichte bestimmt, wie viele Sauerstoffatome pro Zeiteinheit und pro
Flächeneinheit auf die Oberfläche des zu oxidierenden bzw. nitrierenden Materials
treffen. Bei einem atomaren Plasmastrahl mit einer Ionenstromdichte von 1mA/cm2
bedeutet dies, daß etwa 6x1015 Atome/cm2 s auf die Oberfläche treffen und somit
für die Oxidation bzw. Nitrierung zu Verfügung stehen. Wie schnell die für die
vollständige Oxidation bzw. Nitrierung eines bestimmten Volumens notwendige
Gesamtdosis an Sauerstoffatomen erreicht ist, wird somit durch die Ionenstromdichte
bestimmt.
Wie in Fig. 4 dargestellt, besteht ein linearer Zusammenhang zwischen der Prozeßgeschwindigkeit
und der Ionenstromdichte.
Die Einstellbarkeit der Ionenenergie sowie der Ionenstromdichte ermöglichen somit
die erfindungsgemäße Herstellung besonders hochwertiger, d.h. defektfreier Schichten
mittels dem Verfahren der dynamischen Tiefenoxidation bzw. Tiefennitrierung.
Berücksichtigt man, daß die Umwandlung in ein Oxid oder ein Nitrid von der Tiefe
zur Oberfläche geschieht, so liegt es nahe, die Eindringtiefe der reaktiven Spezies
(N oder O) zeitlich auf die Wachstumsgeschwindigkeit abzustimmen. Bei konstanter
kinetischer Energie und konstanter Stromdichte ist nach der Zeit t0 ein Volumenbereich
ΔV in der Tiefe vollständig umgewandelt. Ein weiteres Eindringen von O-oder
N-Atomen in diesen Bereich kann sich für die Ausbildung eines qualitativ
hochwertigen Oxids oder Nitrids nur nachteilig auswirken. Bei weiterem Beschuß
eines bereits vollständig oxidierten, nitrierten Bereichs kann es somit in diesem
Bereich zur Bildung von Defekten kommen. Es entsteht ein minderwertiges Oxid
oder Nitrid.
Der erfindungsgemäße dynamische Nitrierungs- bzw. Oxidationsprozeß läuft dann
wie folgt ab: Zuerst wird die gewünschte Schichtdicke über die Eindringtiefe durch
die Wahl der entsprechenden Energie festgelegt. Diese Energie gilt als Ausgangswert
und bestimmt die maximale Prozeßtiefe. Die Wahl einer bestimmten Stromdichte
bestimmt die Ausbreitungs- bzw. Wachstumsgeschwindigkeit des Oxid- bzw.
Nitrid-Bereiches zur Oberfläche hin. Die Ionenenergie wird nun kontinuierlich in
dem Maße verringert, daß die eindringenden Atome stets nur in eine solche Tiefe
vordringen, in der Sauerstoff- bzw. Stickstoffatome noch zur chemischen Bindung
benötigt werden. Zur Oxidation einer Aluminiumschicht wird z.B. bei einer Energie
von 40 eV und einer Stromdichte von 0,24 mA/cm2 eine Ausgangstiefe (maximale
Prozeßtiefe) von 1 nm eingestellt. Die Wachstumsgeschwindigkeit beträgt 0,2 nm
pro sec. Die Energie wird dabei innerhalb von 5 Sekunden von 40 auf 0 eV
kontinuierlich reduziert.