Die Erfindung betrifft einen Golfschläger mit einer Schlagfläche zum Schlagen von
Golfbällen. Die Erfindung betrifft ferner ein Verfahren zum Beschichten eines Golfschlägers
zumindest im Bereich der Schlagfläche mittels eines thermischen Spritzverfahrens.
Aus der WO 97/20961 ist die Beschichtung von Schlagflächen von Golfschlägern nach
vorangegangener Strukturierung mittels Flammspritzens oder mittels Plasmaspritzens
bekannt. Die Beschichtung kann aus metallgebundenen Karbiden (Cermets) oder Oxiden
(keramische Verbindungen) bestehen. Die Beschichtung wird dort als hart, homogen
aufgebaut, verschleißfest und mit rauher Oberfläche versehen charakterisiert. Bei
den so hergestellten Beschichtungen kann es jedoch zu Rißbildungen kommen, was
die Standzeiten bzw. die Lebensdauer der beschichteten Schlagfläche begrenzt.
Die US-5 272 802 beschreibt eine konstruktive Änderung von herkömmlichen Golfschlägern,
wobei das thermische Spritzen als eine Methode genannt wird, um Gewichtselemente
auf der Rückseite des Golfschlägers einzubringen. Die Gewichtselemente
verändern lediglich das Trägheitsmoment des Golfschlägers. Eine thermisch
gespritzte Funktionsschicht als Schlagfläche ist nicht beschrieben.
Aufgabe der vorliegenden Erfindung ist es daher, einen Golfschläger und ein Verfahren
der eingangs genannten Art aufzuzeigen, durch welche ermöglicht wird, die Standzeiten
und die Einsatzdauer der Beschichtungen auf Schlagflächen von Golfschlägern
zu erhöhen.
Diese Aufgabe wird erfindungsgemäß dadurch gelöst, daß der Golfschläger im Bereich
der Schlagfläche zumindest teilweise eine Beschichtung umfaßt, die entweder
spannungsneutral ausgebildet ist oder Druckspannungen aufweist.
Es wurde festgestellt, daß die aus dem Stand der Technik bekannten Beschichtungen
für Schlagflächen von Golfschlägern Zugeigenspannungen aufweisen, welche sich für
die Einsatzdauer und die Standzeiten ungünstig auswirken. Erfindungsgemäß werden
daher Zugeigenspannungen in der Beschichtung der Schlagfläche vermieden. Vielmehr
wird Spannungsneutralität oder bevorzugt Druckspannungen in der Beschichtung
vorgeschlagen. Druckspannungen bedeuten, daß die Kohäsion der Partikel in der
Schicht verbessert ist und das Material bei sich wechselnder Belastung nicht so schnell
zur Rißbildung neigt.
Spannungsneutrale Beschichtungen oder Beschichtungen mit Druckspannungen
lassen sich dadurch erzeugen, daß die Beschichtung mittels eines thermischen
Spritzverfahrens mit mitteleren Spritzpartikelgeschwindigkeiten über 500 m/s
aufgebracht wird.
Thermische Spritzverfahren zeichnen sich im wesentlichen dadurch aus, daß sie
gleichmäßig aufgetragene Beschichtungen von hoher Qualität und Güte ermöglichen.
Durch thermische Spritzverfahren aufgetragene Beschichtungen können durch Variation
der Spritzmaterialien und/oder der Verfahrensparameter an unterschiedliche
Anforderungen angepaßt werden. Die Spritzmaterialien können dabei grundsätzlich in
Form von Drähten, Stäben oder als Pulver verarbeitet werden. Es kann zusätzlich eine
Nachbehandlung vorgesehen sein.
Beim thermischen Spritzen als Beschichtungsverfahren sind als Verfahrensvarianten
grundsätzlich das autogene Flammspritzen oder das Hochgeschwindigkeits-Flammspritzen,
das Lichtbogenspritzen, das Plasmaspritzen, das Detonationsspritzen und
das Laserspritzen bekannt.
In jüngerer Zeit wurde darüber hinaus ein weiteres thermisches Spritzverfahren entwickelt,
welches auch als Kaltgasspritzen bezeichnet wird. Es handelt sich dabei um
eine Art Weiterentwicklung des Hochgeschwindigkeits-Flammspritzens. Dieses Verfahren
ist beispielsweise in der europäischen Patentschrift EP 0 484 533 B1 beschrieben.
Beim Kaltgasspritzen kommt ein Zusatzwerkstoff in Pulverform zum Einsatz. Die
Pulverpartikel werden beim Kaltgasspritzen jedoch nicht im Gasstrahl geschmolzen.
Vielmehr liegt die Temperatur des Gasstrahles unterhalb des Schmelzpunktes der
Zusatzwerkstoffpulverpartikel (EP 0 484 533 B1). Im Kaltgasspritzverfahren wird also
ein im Vergleich zu den herkömmlichen Spritzverfahren "kaltes" bzw. ein vergleichsweise
kälteres Gas verwendet. Gleichwohl wird das Gas aber ebenso wie in den herkömmlichen
Verfahren erwärmt, aber in der Regel lediglich auf Temperaturen unterhalb
des Schmelzpunktes der Pulverpartikel des Zusatzwerkstoffes. Beim Kaltgasspritzen
können die Pulverpartikel auf eine Geschwindigkeit von 300 bis 1600 m/s
beschleunigt werden.
Beim Hochgeschwindigkeits-Flammspritzen oder auch HVOF-Spritzen (High Veloctiy
Oxygen Fuel) werden verschiedene Verfahrensgenerationen unterschieden:
Das Hochgeschwindigkeits-Flammspritzen der ersten Generation und das Hochgeschwindigkeits-Flammspritzen
der zweiten Generation mit mittleren Spritzpartikelgeschwindigkeiten
zwischen 400 und 450 m/s und seit 1992 bzw. 1994 das Hochgeschwindigkeits-Flammspritzen
der dritten Generation mit mittleren Spritzpartikelgeschwindigkeiten
über 500 m/s.
Für die Erfindung eignet sich also das Hochgeschwindigkeits-Flammspritzen der dritten
Generation mit mittleren Spritzpartikelgeschwindigkeiten über 500 m/s. Systeme der
dritten Generation des Hochgeschwindigkeits-Flammspritzens, mit denen die geforderten
Geschwindigkeiten erreicht werden können, sind beispielsweise unter den Bezeichnungen
JP 5000, DJ 2600, DJ 2700, Top Gun K und OSU Carbid Jet System bekannt.
Für einige Anwendungen ist auch das Kaltgasspritzen vorteilhaft.
Für die Beschichtung der Golfschläger mittels thermischen Spritzens können als Spritzmaterialien
im Rahmen der Erfindung insbesondere Hartmetalle, Cermets (metallgebundene
Karbide wie WC-Co, WC-CoCr, Cr3C2-NiCr und dergleichen), Oxide (insbesondere
Al2O3 und/oder TiO2) oder Mischungen der vorgenannten Stoffe verwendet
werden. Bevorzugt finden Hartmetalle und/oder Cermets Verwendung.
Zur Herstellung der Golfschläger mittels der thermischen Spritzverfahren eignen sich
insbesondere Pulver mit Partikelgrößen von 1 µm bis 1 mm, besonders bevorzugt mit
5 bis 100 µm.
Erfindungsgemäß werden ― wie oben ausgeführt ― zur Beschichtung der Golfschläger
mittels thermischen Spritzens mittlere Spritzpartikelgeschwindigkeiten von zumindest
500 m/s beim Aufprall der Partikel vorgeschlagen. Vorteilhafterweise wird die Beschichtung
bei mittleren Spritzpartikelgeschwindigkeiten über 550 m/s, bevorzugt über
600 m/s, besonders bevorzugt zwischen 600 und 700 m/s aufgebracht. Durch die
erfindungsgemäß höheren Partikelgeschwindigkeiten wird gewährleistet, daß das mit
dem Erstarren des Materials auf dem Substrat verbundene Schrumpfen und die daraus
resultierenden Zugspannungen durch den Strahleffekt der mit hoher genetischer
Energie aufprallenden Partikeln überkompensiert wird.
Erfindungsgemaß weist die Beschichtung Druckspannungen zwischen 0 und 600 MPa,
vorzugsweise zwischen 50 und 550 MPa auf. Druckspannungen in den genannten
Bereichen lassen sich mit den Systemen der dritten Generation der Hochgeschwindigkeits-Flammspritzgeräte
ohne weiteres herstellen.
In Ausgestaltung der Erfindung weisen die Beschichtungen eine Härte über 1250 HV
0,3, vorzugsweise über 1300 HV 0,3 auf. Diese erhöhte Härte kann dadurch erreicht
werden, daß Systeme der dritten Generation des Hochgeschwindigkeits-Flammspritzens
benutzt werden. Denn mit Systemen der dritten Generation hergestellte Beschichtungen
weisen in der Regel eine Härte von etwa 1300 bis 1400 HV 0,3 auf. Mit
Systemen der dritten Generation hergestellte Beschichtungen sind damit härter als
mittels der zweiten oder ersten Generation des Hochgeschwindigkeits-Flammspritzens
oder als mittels Plasmaspritzens hergestellte Schichten, welche eine um etwa 200 HV
geringere Härte besitzen.
Die erfindungsgemäßen mit höheren mittleren Spritzpartikelgeschwindigkeiten
hergestellten Beschichtungen besitzen geringere Porenanteile und damit einen
weiteren Vorteil. Denn dies bedeutet einen höheren Elastizitätsmodul. Beim Schlagen
mit dem Golfschläger wird daher weniger Energie im Kopf des Golfschlägers absorbiert.
Als Gase für das thermische Spritzen kommen alle für dieses Verfahren bekannten
Gase in Betracht.
In Weiterbildung der Erfindung besitzt die Beschichtung einen amorphen und/oder
nanokristallinen atomaren Aufbau. Dies ist insbesonder von Vorteil für große
Schlagweiten.
Um einen amorphen Zustand in einem Material zu erreichen, muß dieses extrem rasch
aus der Schmelze abgekühlt werden. Erfindungsgemäß werden die Spritzpartikel beim
Aufprall aus der Schmelze beim Beschichten mittels Hochgeschwindigkeits-Flamm
spritzens unter Aufschmelzen der Spritzpartikel mit einer Kühlgeschwindigkeit
zwischen 104 K/s und 105 K/s abgekühlt.
Die rasche Abkühlung wird insbesondere in Verbindung mit einer eine Legierung aus
Übergangsmetallen (wie Fe, Ni, Co, Mn ...) und Metalloiden (B, C, Si, P ...) umfassenden
Beschichtung empfohlen. Vorzugsweise umfaßt dabei die Beschichtung 70 bis 90
Atom-% Übergangsmetalle und 30 bis 10 Atom-% Metalloide. Ein diese Vorgaben
erfüllender Werkstoff stellt die selbstfließende Nickellegierung vom Typ 60 (Rockwellhärte
60 HRC) mit folgender Zusammensetzung (Richtanalyse in Gewichtsprozent)
dar:
- Cr
- 13,5 bis 17,5 %,
- Si
- 4,25 bis 4,5 %,
- B
- 3,0 bis 3,5 %,
- Fe
- 4,0 bis 4,75 %,
- C
- 0,1 bis 1,0 % und
- Ni
- Rest.
Der sich bei rascher Abkühlung einstellende amorphe Zustand ist aber nur bis zu einer
Temperatur von 300 bis 400 °C thermodynamisch stabil. Beim Spritzen sollte daher
eine zu starke Erwärmung der Schichtoberfläche durch die Flamme und eine damit
einhergehende Kristallisation vermieden werden. Im Zusammenhang mit der
genannten NiCrBSi-Legierung und dem Herstellen einer amorphen Schicht mittels des
Hochgeschwindigkeits-Flammspntzens wird auf den Aufsatz von H. Kreye über "High
Velocity Flame Spraying ― Process and Coating Characteristics", veröffentlicht in den
Proceedings zum 2nd Plasma-Technik-Syposium, Luzern 1991, Vol. 1, Seite 39-47,
hingewiesen.
Für die Ausführung weicher Schläge werden Beschichtungen empfohlen, bei denen
Energie im Schläger absorbiert wird. Hierzu eignen sich metallische Beschichtungen,
die im Spritzprozeß nicht durch Oxidbildung aufgehärtet werden. Eine Oxidbildung und
ein damit verbundenes Aufhärten der Beschichtung sollte daher vermieden werden.
Derartige Beschichtungen können mittels Hochgeschwindigkeits-Flammspritzens unter
Aufschmelzen der Spritzpartikel oder mittels Kaltgasspritzens hergestellt werden.
Umgekehrt kann im Hinblick auf harte Schläge insbesondere beim Hochgeschwindigkeits-Flammspritzen
unter Aufschmelzen der Spritzpartikel die Beschichtung durch
Oxidbildung aufgehärtet werden.
Die thermisch gespritzte Beschichtung kann außer auf die üblichen Grundmaterialien
für Köpfe von Golfschlägern auch auf Grundmaterialien aus Aluminium oder Aluminiumlegierungen,
aus Kunststoffen, insbesondere aus kohlefaserverstärkten Kunststoffen,
und/oder aus Graphit aufgebracht werden.
Mit der Erfindung können spezielle Eigenschaften durch Variation der Parameter der
Beschichtung bzw. des thermischen Spritzverfahrens erzielt werden. Dies können
beispielsweise sein:
- Erhöhung des Reibfaktors auf der Schlagfläche, beispielsweise um dem Golfball
einen effizienteren Drall zu geben. Zusätzlich ist auch eine Minimierung der
Streuung der Schläge möglich. Es eignen sich insbesondere Karbidbeschichtungen.
- Die Schlagenergie kann optimal auf den Ball übertragen werden. Beispielsweise
unterstützt dies materialseitig das bei Golfschlägern häufig verwendete Titan.
- Eine gefühlvolle Einleitung des Schlages auf den Ball ― z.B. beim Einputten ―
kann erreicht werden. Dabei ist weiches Material sinnvoll.
- Die Verschleißbeständigkeit des Golfschlägers kann erhöht werden,
beispielsweise beim Benützen des Sandwetches aus dem Bunker.