DE3943776C2 - Einrichtung zur Beeinflussung der Fahrzeugbewegungscharakteristik für das Erreichen und Halten eines stabilen Bewegungszustands - Google Patents
Einrichtung zur Beeinflussung der Fahrzeugbewegungscharakteristik für das Erreichen und Halten eines stabilen BewegungszustandsInfo
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Description
Die Erfindung betrifft eine Einrichtung zur Beeinflussung der
Fahrzeugbewegungscharakteristik für das Erreichen und Halten
der Fahrzeugstabilität.
Während einer Fahrzeugbewegung, wie einer Kurvenfahrt, beein
flussen sowohl Längskräfte, d. h., von der Fahrzeugfront zum
Fahrzeugheck wirkende Kräfte, und seitliche Kräfte, d. h. von
Seite zu Seite wirkende Kräfte, das Verhalten des Fahrzeugs in
der Seiten- sowie Längsrichtung, wie in dem Aufsatz "A Study
on Vehicle Turning Behaviour in Acceleration and in Braking",
SAE Technical Paper No. 852 184, Seiten 75-86, von Masato
Abe erläutert wird.
Wie ferner in diesem Aufsatz beschrieben ist, stehen kompli
zierte Bewegungsgleichungen bei der Erläuterung des kombinier
ten Seiten- und Längsverhaltens des Fahrzeugs miteinander in
engem Zusammenhang, weil viele der stabilen Gleichgewichtsbe
dingungen, die während eines Betriebs mit konstanter Geschwin
digkeit bestehen, nicht während eines Bremsens oder einer Be
schleunigung des Fahrzeugs vorliegen oder vorliegen können.
Die unterschiedlichen Längskräfte, die die Fahrzeugstabilität
während eines Bremsens oder eine Beschleunigung beeinflussen,
haben das Bestreben, die Hinterräder eines Fahrzeugs auf Grund
einer unterschiedlichen Abnahme in der Hinterradbelastung wäh
rend eines Bremsens zum Blockieren zu bringen. Um das Auftre
ten einer solchen Hinterradblockierung zu verhindern, schlie
ßen einige Bremsregelsysteme nach dem Stand der Technik ein
Dosierventil ein, um den Bremswert im Verhältnis zu den in
Längsrichtung sich ändernden Belastungen der Fahrzeugfront mit
Bezug zum Fahrzeugheck zu justieren.
Wenngleich die Anwendung eines derartigen Dosierventils dazu
beiträgt, während eines Bremsens das auf die in Längsrichtung
sich ändernden Belastungskräfte zurückzuführende Hinterrad
blockieren zu verhindern, so regelt oder justiert es nicht in
ausreichender Weise die Bremswirkung an den Fahrzeugrädern, um
einen Ausgleich für Änderungen in der Fahrzeugbelastung zu
schaffen, die auf Querkräfte, d. h. von einer zur anderen Seite
wirkende Kräfte, zurückzuführen sind. Wenn ein Fahrzeug bei
spielsweise eine Kurvenfahrt ausführt, so liegt nicht nur eine
Längs-Lastverschiebung in einer tangentialen Richtung zur Be
wegungsbahn des Fahrzeugs vor, sondern es ist auch eine
Quer-Lastverschiebung in einer Richtung vorhanden, die rechtwinklig
zur Bewegungsbahn des Fahrzeugs verläuft. Eine derartige
Quer-Lastverschiebung wird beispielsweise von den auf der Innensei
te der Kurve befindlichen Rädern auf die Räder auf der Außen
seite dieser Kurvenbahn übertragen. Diese Quer-Last
verschiebung ist es, die das Fahrzeug aus seiner gegenwär
tigen Bahn, die durch einen bestehenden Krümmungsradius be
stimmt ist, zwingt und in einen Über- oder Untersteuerzustand
versetzt.
In dem oben erwähnten Aufsatz von Masato Abe wird eine Studie
über die Einwirkung einer Beschleunigung und eines Bremsens
auf ein Kurvenverhalten eines Fahrzeugs gegeben. In dieser
Studie werden Gleichgewichtsgleichungen einer Fahrzeugbewegung
für konstante Quer- und Längsbeschleunigungen, die das Kurven
verhalten des Fahrzeugs während einer Beschleunigung und eines
Bremsens beschreiben, entwickelt. Die abgeleiteten Gleichungen
werden benutzt, um die Krümmungsradien des Fahrzeugweges ge
genüber einer Vorwärtsfahrt oder -geschwindigkeit des Fahr
zeugs während einer konstanten Beschleunigung oder eines kon
stanten Bremsens in Kurve zu erhalten. Das Kurvenverhalten des
Fahrzeugs wird auch durch eine Kennlinie beschrieben, die die
Querbeschleunigung gegenüber der Längsbeschleunigung für eine
kreisförmige Kurvenfahrt wiedergibt. Beispielsweise zeigen die
Fig. 5-7 dieses Aufsatzes, daß für einen gegebenen Lenkwin
kel eine erhöhte, beispielsweise auf einen Bremsbetrieb zu
rückzuführende Verlangsamung, wie sie durch eine negative Be
schleunigung in diesen Fig. 5-7 wiedergegeben ist, in einer
Änderung von einem Untersteuerzustand, d. h. einem Anstieg im
Kurvenradius, zu einem ansteigend starken oder schwerwiegenden
Übersteuerungszustand, d. h. zu einer Abnahme im Kurvenradius,
mit ansteigender Fahrzeuggeschwindigkeit (Fahrgeschwindigkeit)
resultiert.
Obgleich im Stand der Technik erkannt wurde, daß Längs- wie
auch Querkräfte die Fahrzeugbewegung während einer Kurvenfahrt
beeinflussen, so besteht dennoch die Notwendigkeit ein Regel
system für eine Fahrzeugbewegung zu schaffen, das tatsächlich
einen Ausgleich für die Querkräfte, welche nachteilig die
Fahrzeugstabilität im Verlauf der Fahrzeugbewegung beeinflus
sen, herbeiführt.
Aus dem zum Erfindungsgegenstand nächstliegenden Stand der
Technik ist nunmehr ein ausbrechempfindliches Steuersystem für
Kraftfahrzeuge bekannt, das in der DE 35 18 221 A1 gezeigt
ist. Dieses Bremssteuersystem regelt den Bremsdruck an den
Vorderrädern unterschiedlich zu dem Bremsdruck an den Hinter
rädern derart, daß der Bremsdruck an den Vorderrädern simultan
verringert wird, falls das System im Falle eines manuell durch
den Fahrer eingeleiteten Bremsvorgangs eine Zunahme der Unter
steuerung feststellt und daß der Bremsdruck an den Hinterrä
dern simultan verringert wird, falls das System während des
Bremsvorgangs durch den Fahrer die Zunahme der Übersteuerung
feststellt. Hierfür hat das System eine Einrichtung zur Erfas
sung von in Querrichtung des Fahrzeugs angreifenden Kräften,
einen Bremsschalter, einen Geschwindigkeitssensor sowie einen
Lenkwinkelfühler. Der die Querkräfte erfassenden Sensor wird
hierbei als Ausbrechgrößenfühler bezeichnet, der die Ausbrech
bewegung des Kraftfahrzeugkörpers erfaßt und ein die Ausbrems
größe anzeigendes Signal erzeugt, welches die Größe oder Fahr
zeugausbrechbewegung darstellt.
In dieser Druckschrift wird ferner angegeben, daß die Steue
rungseinrichtung einen Ausbrechschwellenwert entsprechend der
Kraftfahrzeuggeschwindigkeit, der Lenkwinkelstellung sowie dem
Signalwert für die Ausbrechgröße errechnet und diesen Aus
brechgrößenschwellenwert mit der aktuell gemessen Ausbrechgrö
ße vergleicht. Entsprechend des hierbei errechneten Unter
schieds werden der Bremsdruck an den vorderen oder hinteren
Rädern gesteuert.
Grundlage dieses Systems bildet dabei die Kenntnis, daß das
Bremsen während einer Kurvenfahrt eine Zunahme des
Radrutschens bewirkt, wodurch die Seitenführungskraft des
Fahrzeugs in Kurvenfahrt verringert wird. Der Zweck dieses
Systems besteht demzufolge darin, diese Zunahme des
Radrutschens bei gleichzeitiger Verringerung der Seitenfüh
rungskraft verursacht durch einen manuell eingeleiteten Brems
vorgang zu eliminieren. Der Stand der Technik gemäß der
DE 35 18 221 A1 sieht demzufolge ein System vor, welches auf einen
erfaßten kritischen Fahrzustand im Falle eines Bremsvorgangs
während einer Kurvenfahrt reagiert, also eine Art Reaktionssy
stem im Ansprechen auf einen bestimmten Fahrzustand darstellt.
Angesichts dieses Stands der Technik ist es die Aufgabe der
Erfindung, die Fahreigenschaften eines Kraftfahrzeugs zu ver
bessern, indem die Fahrzeugstabilität über einen weiten Be
reich aufrechterhalten wird.
Diese Aufgabe wird erfindungsgemäß durch eine Einrichtung mit
den Merkmalen des Anspruchs 1 gelöst. Weiterbildungen der Er
findung sind Gegenstand der übrigen Unteransprüche.
Grundgedanke der Erfindung ist es demzufolge, eine Einrichtung
zu schaffen, mittels der die Fahrzeugcharakteristik unabhängig
vom aktuellen Fahrzustand, also während einer Kurven- oder Ge
radeausfahrt, während eines manuellen Brems- oder Beschleuni
gungszustands usw. so eingestellt wird, daß das Fahrzeug die
angestrebten günstigen Fahreigenschaften zeigt. Hierfür umfaßt
die Einrichtung zur Beeinflussung der Fahrzeugbewegungscharak
teristik eine Bremsanlage für das Anlegen eines Bremsdrucks an
ein oder mehrere ausgewählte Fahrzeugräder auch ungeachtet ei
nes manuell eingeleiteten Bremsvorgangs, wobei jedem auswähl
baren Fahrzeugrad ein Drucksteuerventil zur Regelung des
Bremsdrucks individuell an dem ausgewählten Fahrzeugrad vorge
schaltet ist und ein Steuergerät, zum Steuern der Drucksteuer
ventile, so daß auch bei Nichtvorliegen eines manuellen Brems
vorgangs zumindest das eine ausgewählte Rad mit einem solchen
Bremsdruck beaufschlagbar ist, daß unabhängig vom aktuellen
Fahrzustand die gewünschte Fahrzeugbewegungscharakteristik er
reichbar ist.
Die Erfindung betrifft folglich ein System, mittels dem aktiv
die Fahrzeugbewegungscharakteristik gezielt derart beeinflußt
wird, daß sich unabhängig davon, in welchem der vorstehend
aufgezählten Fahrzustände sich das Fahrzeug befindet, die an
gestrebten günstigen Fahreigenschaften des Fahrzeugs einstel
len. Beispielsweise kann für eine bestimmte, zu erreichende
Fahrzeugbewegungscharakteristik der neutrale Fahrzustand er
halten werden, d. h. das Fahrzeug zeigt in diesem Fall neutrale
Fahreigenschaften. Es kann aber auch eine solche Fahrzeugbewe
gungscharakteristik gewünscht sein, die ein Fahrzeugverhalten
unterschiedlich zum neutralen Fahrzustand, beispielsweise ein
leichtes Untersteuern bewirkt. Auf diese Weise ist es möglich,
durch die erfindungsgemäße Einrichtung das Fahrzeug aktiv auf
eine bestimmte Bewegungscharakteristik einzustellen, um somit
quasi im voraus kritische Fahrzustände zu verhindern, d. h. auf
eine solche Bewegungscharakteristik einzustellen, bei der das
Fahrzeug praktisch nicht mehr in einen kritischen Bewegungszu
stand gerät.
Als ein weiterer Stand der Technik sei die US 39 93 362 ge
nannt, welche ein Steuerungssystem betrifft, das eine Aus
scherbewegung des Anhängers eines Lastzuges erfassen und durch
eine geeignete Gegenmaßnahme korrigieren soll. Insofern be
trifft dieses System ebenfalls eine Art Reaktionssystem, das
lediglich im Ansprechen auf die Erfassung einer Abweichung der
Ausrichtung eines Anhängers bezüglich der einer Zugmaschine
eine Gegenmaßnahme einleitet.
In dieser Druckschrift wird zu diesem Problem ausgeführt, daß
zwar das Ausbrechproblem, also das sich Querstellen eines
Fahrzeugs nicht nur bei Lastzügen sondern auch bei Standardau
tomobilen, beispielsweise einem zweiachsigen Personenkraft
fahrzeug, auftritt. Jedoch wird hierzu angegeben, daß es bei
dem zweiachsigen Standardautomobil ausreicht, die Vorderräder
derart zu lenken, daß diesem kritischen Fahrzustand entgegen
gewirkt wird. Mit anderen Worten ausgedrückt, gibt die US
3,993,362 die technische Anweisung, bei zweiachsigen Fahrzeu
gen ein manuelles Gegensteuern durch einen entsprechenden Len
kungseinschlag durchzuführen, um ein Gegendrehmoment zu erzeu
gen. Die US 3,993,362 behandelt demzufolge ausschließlich das
besondere Problem des Ausscherverhaltens von Anhängern, bei
denen im Falle beispielsweise einer Schlingerbewegung eine ma
nuelle Lenkeinschlagsänderung nicht den gewünschten Erfolg
hat.
Zur Lösung dieses besonderen Problems ist es nunmehr vorgese
hen, die linksseitigen Räder des Anhängers unterschiedlich zu
den rechtsseitigen Rädern mit einem Bremsdruck zu beaufschla
gen. Das bedeutet, daß es zur Beherrschung kritischer Fahrzu
stände von Anhängern ausreicht, lediglich deren linken Räder
unterschiedlich zu deren rechten Rädern abzubremsen. Eine ak
tive Beeinflussung der Bewegungscharakteristik des gesamten
Fahrzeugs mit dem Ziel, grundsätzlich, d. h. in jedem Fahrzu
stand sichere bzw. gutmütige Fahreigenschaften für das Fahr
zeug zu erreichen, ist jedoch mit diesem System nicht möglich.
Die Erfindung wird nachstehend anhand eines bevorzugten Aus
führungsbeispiels unter Bezugnahme auf die begleitenden Zeich
nungen näher erläutert.
Fig. 1 zeigt eine schematische Darstellung einer Einrich
tung zur Stabilisierung der Bewegung eines Kraftfahrzeugs in
einer bevorzugten Ausführungsform gemäß der Erfindung;
Fig. 2 zeigt einen Flußplan für das in Fig. 1 gezeigte
System.
Gemäß der in Fig. 1 schematisch gezeigten Einrichtung ge
mäß der Erfindung zur Stabilisierung einer Fahrzeugbewe
gung ist eine Fühlereinrichtung 2 zur Messung eines aktu
ellen Giergrades des Fahrzeugs vorhanden, wie sie aus dem
Stand der Technik hinreichend bekannt ist.
Die Einrichtung nach Fig. 1 umfaßt ferner eine Berech
nungseinrichtung zur Bestimmung eines gewünschten Gier
grades des Fahrzeugs und zur Erzeugung eines Ausgangs
signals im Ansprechen auf einen Vergleich des gewünschten
Giergrades mit dem aktuellen Giergrad. Die Berechnungs
einrichtung zur Bestimmung eines gewünschten Giergrades
schließt ein Steuergerät 4 ein, das auf Eingangssignale
von weiteren Fühlereinrichtungen zur Erfassung des aktu
ellen Fahrzustands anspricht.
Über einem Leiter 38 empfängt das Steuergerät 4 auch den ge
messenen Giergrad von der Fühlereinrichtung 2, so daß es
dann im Ansprechen auf einen Vergleich des gewünschten Gier
grades mit dem aktuellen Giergrad ein Ausgangssignal erzeu
gen kann, das als ein Eingang einer Bremsregeleinrichtung
über die Ausgangsleiter 40, 42, 44 und 46 des Steuergeräts 4
zugeführt wird.
Gemäß Fig. 1 umfaßt die Bremsregeleinrichtung einen Haupt
bremszylinder 48, dem ein vom Fahrer betätigtes Bremspedal 50
zugeordnet ist. Der Hauptbremszylinder 48 regelt seiner
seits vier Bremsflüssigkeitsdruckmodulatoren 52, 54, 56 und
58 über die Leitungen 60 und 62 im Ansprechen auf ein Nie
derdrücken des Bremspedals. Die Bremsflüssigkeitsdruckmodu
latoren, die im folgenden der Einfachheit halber nur als
Druckmodulatoren bezeichnet werden, erhöhen oder vermindern
den Bremsflüssigkeitsdruck in jeder der Bremsflüssigkeits
leitungen (Bremsleitungen) 64, 66, 68 bzw. 70. Ein Anstieg
oder Abfall in jeder dieser Bremsleitungen 64, 66, 68 und 70
führt wiederum in an sich bekannter Weise zu einem Anstieg
oder Abfall in der Bremswirkung der Bremselemente an jedem
der Räder 20, 22, 24 und 26.
Auf der Grundlage des Ergebnisses des innerhalb des Steuer
geräts 4 ausgeführten Vergleichs wird der Bremsflüssigkeits
druck in jeder der Bremsleitungen 64, 66, 68 und 70 so ein
geregelt, daß trotz des Auftretens von Querkräften während
beispielsweise einer Kurvenfahrt des Fahrzeugs dessen Stabi
lität aufrechterhalten wird. Das Bremsregelsystem von
Fig. 1 kann auch so ausgebildet werden, daß es ein bekanntes
Dosierventil enthält, um Längskräfte, die die Fahrzeugstabi
lität beeinflussen können, gleichzeitig zu kompensieren.
Unter Bezugnahme auf die Fig. 2 wird eine mehr ins einzelne
gehende Beschreibung der Arbeitsweise der Vorrichtung von
Fig. 1 erläutert. Das Steuergerät 4 empfängt von der Füh
lereinrichtung 2, wie gesagt wurde, den aktuellen Giergrad.
Um den erwähnten Vergleich des aktuellen Giergrades mit dem
erwünschten Giergrad durchzuführen, muß das Steuergerät 4
zuerst den erwünschten Giergrad bestimmen. Demgemäß empfängt
das Steuergerät 4 von den Fühlereinrichtungen zur Erfassung
des Fahrzustands 12, 14, 16 und 18 ein individuelles Rad
drehzahlsignal und berechnet die Fahrgeschwindigkeit V aus
dem Mittelwert der empfangenen Werte, wie in Fig. 2 gezeigt
ist. Unter Verwendung der berechneten Fahrgeschwindigkeit V
in Verbindung mit dem Lenkwinkel δ, der von einer Fühlerein
richtung 6 erfaßt wird, berechnet das Steuergerät 4 einen
gewünschten Giergrad Ωzdes in Übereinstimmung mit der folgen
den Gleichung:
worin L dem Radstand des Fahrzeugs, g der Erdbeschleunigung,
d. h. 9,8 m/s2, und Kus dem Untersteuerungskoeffizienten des
Fahrzeugs, d. h. dem Stabilitätsfaktor, entsprechen. Diese
Konstanten liefern die lineare Zunahme, die in dem mit
"Giergradzunahme" bezeichneten Kästchen der Fig. 2 darge
stellt ist. Um die neutralen Führungseigenschaften des Fahr
zeugs aufrechtzuerhalten, d. h. einen Über- oder Untersteue
rungszustand während einer Kurvenfahrt zu vermeiden, oder um
zumindest die Führungseigenschaft auf eine vernachlässigbare
Untersteuerung zu begrenzen, soll Kus als im Bereich von 0
bis 1° liegend gewählt werden.
Der gewünschte Giergrad wird periodisch durch das Steuer
gerät 4 mit einer durch dessen Taktgeber bestimmten Rate ak
tualisiert. Der aktualisierte erwünschte Giergrad wird dann
mit einer gegenwärtigen Größe des aktuellen Giergrades im
Steuergerät 4 verglichen, so daß die Fahrzeugstabilität wäh
rend einer Fahrzeugbewegung aufrechterhalten wird. Wenn bei
dem Vergleich der gemessene Giergrad nicht dem gewünschten
Giergrad gleich ist, so gibt das Steuergerät 4 über die Lei
ter 40, 42, 44 und 46 Signale an die Druckmodulatoren 52,
54, 56 und 58 jeweils ab. Die Druckmodulatoren verändern den
Bremsflüssigkeitsdruck in jeweils jeder der
Bremsleitungen 64, 66, 68 und 70. Ist jedoch der gemessene Giergrad dem ge
wünschten Giergrad gleich, so wird keine Maßnahme ergriffen.
Demzufolge wird das Steuergerät 4 in einen "Halte"-Zustand,
der in Fig. 2 gezeigt ist, versetzt, so daß die Druckmodula
toren 52, 54, 56 und 58 den gegenwärtigen stabilisierten Zu
stand des Fahrzeugs aufrechterhalten werden.
Wenn der gemessene Giergrad kleiner als der erwünschte Gier
grad ist, während das Fahrzeug beispielsweise einem Kurven
fahrtmanöver unterliegt, so wird das Steuergerät 4 im ein
zelnen die Druckmodulatoren beeinflussen, um den auf die
Bremselemente der auf der Innenseite der Kurvenbahn des
Fahrzeugs befindlichen Räder aufgebrachten Bremsdruck zu er
höhen und/oder den auf die Bremselemente der auf der Außen
seite der Kurve befindlichen Räder aufgebrachten Bremsdruck
zu vermindern, wie in Fig. 2 dargestellt ist. Wenn im Fall
der Fig. 1 die Räder 24 und 26 beispielsweise auf der Innen
seite einer vom Fahrzeug durchfahrenen Kurve liegen, so
wird das Steuergerät 4 die Druckmodulatoren 56 und 58 beein
flussen, um den auf die Räder 24 und 26 über die Leitungen
68 und 70 aufgebrachte Bremsdruck zu erhöhen, und/oder
die Druckmodulatoren 52 und 54 beeinflussen, um den
auf die Räder 20 und 22 über die Bremsleitungen 64 und 66
aufgebrachten Bremsdruck zu vermindern. Diese relative Ein
regelung zwischen dem auf die Räder auf der einen Seite
des Fahrzeugs aufgebrachten Bremsdruck gegenüber dem auf
die Räder auf der anderen Fahrzeugseite aufgebrachten
Bremsdruck wird im Verhältnis zum Unterschied in der Größe
zwischen dem gemessenen und dem gewünschten Giergrad durch
geführt und setzt sich fort, bis diese beiden letztgenannten
Werte wieder einander gleich werden. Wie aus dem Obigen
deutlich wird, kann der auf die Räder 20, 22, 24 und 26
aufgebrachte relative Bremsdruck, um die Fahrzeugstabilität
aufrechtzuerhalten, allein durch eine Kompensation des
auf jeder Seite des Fahrzeugs angelegten Bremsdrucks oder
alternativ durch eine gleichzeitige Kompensation des auf
beiden Seiten des Fahrzeugs zur Wirkung gebrachten
Bremsdrucks erreicht werden.
Wenn durch das Steuergerät 4 bestimmt wird, daß der gemesse
ne Giergrad größer als der gewünschte Giergrad ist, so wird
(Fig. 2) das Steuergerät 4 die Druckmodulatoren 52, 54, 56
und 58 beeinflussen, den auf die Bremselemente der Räder auf
der Innenseite der Kurve in der Fahrzeugbahn aufgebrachten
Bremsdruck zu vermindern und/oder den auf die Bremselemente
der Räder auf der Außenseite der Kurve aufgebrachten
Bremsdruck zu erhöhen. In diesem beispielhaften Fall wird
das Steuergerät 4 folglich die Druckmodulatoren 56 und 58
beeinflussen, um den auf die Räder 24 und 26 einwirkenden
Bremsdruck zu vermindern, und/oder die Druckmodulatoren 52
und 54 beeinflussen, um den auf die Räder 20 und 22 aufge
brachten Bremsdruck zu erhöhen. Wie bereits vorher festge
stellt wurde, kann der relative Bremsdruck, der um eine sta
bilisierte Fahrzeugbewegung zu erhalten, notwendig ist, so
mit allein durch Kompensieren des auf die Räder an einer der
beiden Seiten des Fahrzeugs aufgebrachten Bremsdrucks oder
alternativ durch gleichzeitiges Kompensieren des auf die Rä
der an beiden Seiten des Fahrzeugs aufgebrachten Bremsdrucks
erlangt werden.
Durch das oben beschriebene Bremsregelsystem kann die Fahr
zeugbewegung gegen den Einfluß von quer gerichteten Bela
stungsänderungen stabilisiert werden. Da die Ausgangssignale
vom Steuergerät 4 den Druckmodulatoren in Abhängigkeit von
einer Giergrad-Rückkopplung unabhängig vom Hauptbremszylin
der zugeführt werden, kann die Fahrzeugstabilität selbst
dann aufrechterhalten werden, wenn eine Bremspedalbetätigung
(und ein davon ausgehendes Signal) nicht vorliegt. Bei
spielsweise wird während einer Beschleunigung in einem Kur
venfahrtmanöver das Steuergerät 4 einen Ausgleich für jegli
che seitlichen Kräfte, die ansonsten einen Über- oder Unter
steuerzustand hervorrufen, schaffen. Zusätzlich können durch
Einbeziehen eines bekannten Dosierventils in das Bremsregel
system von Fig. 1, wie vorher bereits erwähnt wurde, längs
wirkende Belastungskräfte, die die Fahrzeugstabilität beein
flussen, gleichzeitig kompensiert werden, so daß während ei
ner Fahrzeugbewegung eine vollständige Stabilisierung in der
Quer- und Längsrichtung erhalten wird.
Für die vorstehend beschriebene Ausführungsform gemäß der
Fig. 1 ist zu bemerken, daß, weil die Hinterräder eines
Fahrzeugs im allgemeinen nicht für einen Lenkvorgang verwen
det werden, die in den rückwärtigen Bremsleitungen angeord
neten Druckmodulatoren mit allenfalls einer minimalen Ein
wirkung auf die Seitenstabilität weggelassen werden können.
(D.h. die Hinterräder können bei einem derartigen System
dann nicht mehr für eine Druckbeaufschlagung zur Kompensati
on von destabilisierenden Querkräften individuell ausgewählt
werden).
Claims (7)
1. Einrichtung zur Beeinflussung der Fahrzeugbewe
gungscharakteristik für das Erreichen und Halten eines stabi
len Bewegungszustands mit
einer Bremsanlage für das Aufbringen eines Bremsdrucks nur an einem oder mehreren ausgewählten Fahrzeugrädern (20, 22, 24, 26) auch ungeachtet einer Betätigung des Bremspedals (50), wobei jedem auswählbaren Fahrzeugrad (20, 22, 24, 26) ein Drucksteuerventil (52, 54, 56, 58) vorgeschaltet ist, um den Bremsdruck an dem ausgewählten Fahrzeugrad (20, 22, 24, 25) individuell zu regeln und
einem Steuergerät (4) für das Steuern der Drucksteuerven tile (52, 54, 56, 58) derart, daß das zumindest eine ausge wählte Fahrzeugrad (20, 22, 24, 26) auch bei unbetätigtem Bremspedal (50) mit einem Bremsdruck beaufschlagbar ist, der auf einen Wert eingestellt wird, um unabhängig von der aktuel len Fahrzeugbewegung eine gewünschte Fahrzeugbewegungscharak teristik zu erreichen.
einer Bremsanlage für das Aufbringen eines Bremsdrucks nur an einem oder mehreren ausgewählten Fahrzeugrädern (20, 22, 24, 26) auch ungeachtet einer Betätigung des Bremspedals (50), wobei jedem auswählbaren Fahrzeugrad (20, 22, 24, 26) ein Drucksteuerventil (52, 54, 56, 58) vorgeschaltet ist, um den Bremsdruck an dem ausgewählten Fahrzeugrad (20, 22, 24, 25) individuell zu regeln und
einem Steuergerät (4) für das Steuern der Drucksteuerven tile (52, 54, 56, 58) derart, daß das zumindest eine ausge wählte Fahrzeugrad (20, 22, 24, 26) auch bei unbetätigtem Bremspedal (50) mit einem Bremsdruck beaufschlagbar ist, der auf einen Wert eingestellt wird, um unabhängig von der aktuel len Fahrzeugbewegung eine gewünschte Fahrzeugbewegungscharak teristik zu erreichen.
2. Einrichtung nach Anspruch 1,
dadurch gekennzeichnet, daß
das Steuergerät (4) den Bremsdruck, der an das zumindest eine
ausgewählte Rad einer Fahrzeugachse angelegt wird, relativ zu
dem Bremsdruck regelt der an das andere Rad dieser Fahr
zeugachse angelegt wird.
3. Einrichtung nach Anspruch 2,
dadurch gekennzeichnet, daß
die Fahrzeugachse die Vorderachse und/oder Hinterachse ist.
4. Einrichtung nach Anspruch 2 oder 3,
dadurch gekennzeichnet, daß
das Steuergerät (4) simultan die Bremsdrücke regelt, welche an
beide Räder der Fahrzeugachse angelegt sind.
5. Einrichtung nach Anspruch 1,
dadurch gekennzeichnet, daß
das Steuergerät (4) den Bremsdruck, der an das zumindest eine
ausgewählte Rad einer Fahrzeugachse angelegt wird, relativ zu
einem Bremsdruck regelt, der an ein Rad einer anderen Fahr
zeugachse angelegt wird.
6. Einrichtung nach Anspruch 5,
dadurch gekennzeichnet, daß
das ausgewählte Rad ein Rad der Vorderachse und/oder Hinter
achse ist.
7. Einrichtung nach einem der vorstehenden Ansprüche,
gekennzeichnet durch
ein zusätzliches Druckproportionalventil zur Verteilung der
auf die Vorder- und Hinterräder wirkenden Bremsdrücke entspre
chend der in Fahrzeuglängsrichtung während eines Bremsvorgangs
auftretenden Belastungsunterschiede.
Priority Applications (1)
| Application Number | Priority Date | Filing Date | Title |
|---|---|---|---|
| DE3919347A DE3919347C3 (de) | 1988-06-15 | 1989-06-13 | Einrichtung und Verfahren zur Regelung einer Fahrzeugbewegung |
Applications Claiming Priority (2)
| Application Number | Priority Date | Filing Date | Title |
|---|---|---|---|
| US07/206,735 US4898431A (en) | 1988-06-15 | 1988-06-15 | Brake controlling system |
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| DE3943776A Revoked DE3943776C2 (de) | 1988-06-15 | 1989-06-13 | Einrichtung zur Beeinflussung der Fahrzeugbewegungscharakteristik für das Erreichen und Halten eines stabilen Bewegungszustands |
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Citations (3)
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|---|---|---|---|---|
| US3993362A (en) * | 1973-07-19 | 1976-11-23 | Kamins Jerome H | Anti-jackknifing and skidding control system |
| DE3518221A1 (de) * | 1984-05-21 | 1985-11-21 | Nissan Motor Co., Ltd., Yokohama, Kanagawa | Ausbrechempfindliches bremssteuerungssystem fuer kraftfahrzeuge |
| DE3731756A1 (de) * | 1987-09-22 | 1989-03-30 | Bosch Gmbh Robert | Verfahren zur regelung der fahrstabilitaet eines fahrzeugs |
-
1989
- 1989-06-13 DE DE3943776A patent/DE3943776C2/de not_active Revoked
Patent Citations (4)
| Publication number | Priority date | Publication date | Assignee | Title |
|---|---|---|---|---|
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