DE19521568A1 - Verfahren zur Bestimmung der Gaszusammensetzung in Zweischeiben-Isolierglas - Google Patents
Verfahren zur Bestimmung der Gaszusammensetzung in Zweischeiben-IsolierglasInfo
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Description
Die Erfindung betrifft ein Verfahren zur Untersuchung der Zusammensetzung von
Füllgasen in Zweischeiben-Isolierglas.
Zur Erniedrigung des Wärmedurchgangskoeffizienten von Zweischeiben-Isolierglas wer
den Gase geringer Wärmeleitfähigkeit in den Scheibenzwischenraum gefüllt. Als Füllgase
kommen im wesentlichen schwere Gase wie Argon, Krypton, Xenon und SF6 in Frage. Ein
Problem besteht darin, daß der Randverbund der Scheiben nicht absolut diffusionsdicht
ist. So kann im Lauf der Einsatzdauer, die in der Regel mindestens etwa zwanzig Jah
re beträgt, ein Teil des Füllgases aus dem Zwischenraum herausdiffundieren und durch
eindiffundierte Luft - hauptsächlich aus Stickstoff - ersetzt werden. Die tatsächliche Zu
sammensetzung des Füllgases nach Herstellung der Isolierscheibe (zur Qualitätssicherung)
oder nach längerer Einsatzdauer soll durch ein zerstörungsfreies, einfaches Verfahren er
mittelt werden. Dabei ist von besonderem Interesse, daß der gasgefüllte Scheibenzwischen
raum nicht zur Probenentnahme angebohrt werden muß bzw. das Fenstersystem nicht
demontiert werden muß.
Das vorgeschlagene Verfahren beruht auf der Abhängigkeit der Schallgeschwindigkeit
in Gasmischungen von der Zusammensetzung dieser Gemische. Die Schallgeschwindigkeit
c wird bestimmt, indem die Laufzeit t eines Schallsignals durch das Scheibensystem
gemessen wird, und daraus mit Hilfe des Scheibenabstandes d die Schallgeschwindigkeit
errechnet wird: c = d/t.
Der genaue Scheibenabstand ist in der Regel nicht bekannt und ohne Demontage
des Fenstersystems nicht direkt zu messen. Er wird deshalb mit Hilfe eines optischen
Interferometers bestimmt.
Aus den Patentanmeldungen DE 30 09 566 und EP 0533980 sind Verfahren bekannt,
mit Hilfe von Ultraschallmessungen die Konzentration von CO₂ bzw. von Kraftstoffen in
Luft festzustellen. Die Schallgeschwindigkeit wird bestimmt durch direkte Messung der
Laufzeit, durch Bewertung des Phasenwinkels oder durch Ermittlung der Wellenlänge und
der Frequenz. Die Gase werden dabei durch eine Meßstrecke geleitet, deren Länge bekannt
ist.
Mit der Patentschrift DE 34 39 405 ist schon eine Vorrichtung bekannt, die Füllgase
einer Isolierscheibe mit Hilfe von Ultraschallmessungen zu untersuchen. Mit einem
Signalsender wird ein Frequenzintervall durchgestimmt, bis eine stehende Welle im
Scheibenzwischenraum eingerichtet ist. Die Resonanzfrequenz und die Wellenlänge
werden unter einigem technischen Aufwand ermittelt, daraus die Dicke des Scheibenzwi
schenraums und damit die Schallgeschwindigkeit errechnet.
Der Erfindung liegt die Aufgabe zugrunde, die Schallgeschwindigkeit durch direkte
Messung der Laufzeit aus obiger Formel zu bestimmen. Damit muß die Information über
den Scheibenabstand hinreichend genau bekannt sein.
Welche Genauigkeit für den Scheibenabstand hinreichend ist, bestimmt sich aus
dem Unterschied der Schallgeschwindigkeit des Füllgases zu der Schallgeschwindigkeit in
Luft; sowie aus der gewünschten Genauigkeit der zu bestimmenden Zusammensetzung.
In folgender Tabelle sind einige Füllgase und die zugehörigen Schallgeschwindigkeiten
aufgeführt:
(T = 300 K, p = 1013 mbar)
(T = 300 K, p = 1013 mbar)
| Luft|348 m/s | |
| Stickstoff | 353 m/s |
| Argon | 322 m/s |
| Krypton | 222 m/s |
| Xenon | 170 m/s |
| SF₆ | 139 m/s |
| CO₂ | 262 m/s |
Es ist festzustellen, daß sich Krypton, Xenon und SF₆ in der Schallgeschwindigkeit
stark von Luft unterscheiden. Die Schallgeschwindigkeit von Argon, das besonders häufig
als Füllgas für Isolierglas Verwendung findet, ist jedoch nur etwa 8% kleiner als die von
Luft. Soll in einer argongefüllten Scheibe die Konzentration des Argons auf 10% genau
bestimmt werden, so ist die geforderte Genauigkeit der Schallgeschwindigkeit ca. ± 0,3%;
der Scheibenabstand (etwa 10 mm) muß jedoch auf besser als ± 0.03 mm bestimmt
werden!
Diese Genauigkeit ist mit herkömmlichen Methoden nicht zu erreichen. Erfindungs
gemäß wird deshalb die Laufzeit des Schallsignals und der Scheibenabstand durch eine
Differenzmessung bestimmt:
Man drückt einen oder beide Schallwandler (Ultraschallsender und -empfänger) von
Hand oder dergleichen fest gegen die Scheibe, so daß sich der Scheibenabstand um etwa
0,5 mm bis 1 mm verkleinert. Dabei wird die Änderung der Laufzeit des Schallsignals
Δt mit hoher Genauigkeit gemessen. Gleichzeitig wird die Veränderung des Scheibenab
stands Δd, in unmittelbarer Nähe der Schallwandler, mit einem optischen Interferometer
exakt bestimmt: Ein kohärenter Lichtstrahl bestimmter Wellenlänge (Laser) fällt senk
recht auf das Zweischeiben-Isolierglas. Der Lichtstrahl wird zum Teil an den Oberflächen
der Glasscheiben reflektiert, auch an der von der Lichtquelle abgewandten Scheibe. Die
reflektierten Anteile der Lichtwellen - mit unterschiedlichem Gangunterschied - interferie
ren in an sich bekannter Weise. Eine Veränderung des Scheibenabstands führt zu einer
Veränderung bzw. Verschiebung der Interferenzmuster (Intensitätsminima und -maxima).
Durch Messung dieser Verschiebung mit Hilfe eines geeigneten optischen Detektors läßt
sich die Scheibenabstandsveränderung in einer Größenordnung von 10-3mm genau be
stimmen. Die Schallgeschwindigkeit ergibt sich letztendlich aus c = Δd/Δt.
Mit Hilfe einer Eichkurve läßt sich aus der Schallgeschwindigkeit eindeutig die Zusam
mensetzung des Gasgemisches bestimmen, wenn die Komponenten des Gemisches und
die Temperatur des Gases bekannt sind. Die Verarbeitung der Daten erfolgt in einem
Rechner.
Der Vorteil des Verfahrens liegt darin, daß eine hohe Meßgenauigkeit bei geringem tech
nischen Aufwand erreicht wird. Die beiden Schallwandler müssen bei direkter Laufzeit
messung nur auf eine Frequenz abgestimmt sein. Diese Meßfrequenz sollte höher sein als
die Frequenz, bei der die Wellenlänge gleich dem Scheibenzwischenraum ist (größer als
etwa 35 kHz) und so niedrig, daß das Schallsignal im Gaszwischenraum nicht zu stark
gedämpft und damit unmeßbar klein wird (kleiner als etwa 10 MHz).
Die Intensität der vom Sender erzeugten Schallwelle wird durch den Übergang
Glas-Gasfüllung erheblich vermindert. Eine Impedanzanpassung der Schallwelle an
die Glasscheibe ist deshalb wünschenswert. Eine besonders günstige Meßfrequenz ist
die, bei der die an den Schallwandler anliegende Glasscheibe als λ/4-Schicht genutzt
werden kann. (siehe: "Heinrich Kuttruff, Physik und Technik des Ultraschalls", S. Hirzel
Verlag Stuttgart 1988, S. 111). Die Intensität der Schallwelle, die von der Glasscheibe
in den Scheibenzwischenraum tritt, ist dann am höchsten, wenn ein ungeradzahliges
Vielfaches eines Viertels der Wellenlänge des Schallsignals in der Glasscheibe der Dicke
der Glasscheibe entspricht: s = (2n + 1)λ/4 mit n = 0, 1, 2, . . . ; s ist die Dicke der Scheibe.
Für die Messung der Laufzeit wird normalerweise ein Ultraschallsender auf der einen
Isolierglasseite, und gegenüberliegend ein Empfänger auf der anderen Seite angeordnet. Es
ist aber auch möglich, ein und denselben Ultraschallwandler als Sender und Empfänger
einzusetzen. Dabei wird die Reflexion des Schallsignals an der gegenüberliegenden
Innenseite des Scheibeninnenraums ausgenutzt. Der Vorteil dieser einseitigen Messung
ist, das auch Scheiben untersucht werden können, die nur von einer Seite zugänglich sind
(z. B. in Hochhäusern).
Ein Ausführungsbeispiel wird anhand der beiliegenden, schematischen Zeichnung
(Fig. 1) erläutert:
Ein Pulsgenerator (1) betreibt einen Schallsender (2), der an einer Scheibe des
Zweischeiben-Isolierglases (a) anliegt. Das vom gegenüberliegenden Empfänger (3) aufge
nommene Signal wird verstärkt (4) und ein vom Pulsgenerator getriggerter Diskriminator
(5) ermittelt die Laufzeiten von Sende- und Empfängersignal bei unterschiedlichen
Scheibenabständen. Diese Werte werden an den Rechner (6) weitergeleitet.
Der vom Laser (7) erzeugte Strahl wird mit einem halbdurchlässigen Spiegel (8) senk
recht auf das Isolierglas gerichtet. Der Strahl reflektiert an den beiden Glasscheiben (a)
und (b). Die reflektierten Strahlen interferieren und treffen hinter dem halbdurchlässi
gen Spiegel auf einen optischen Detektor (9) mit einem Verstärker (10). Die mit einem
geeigneten Diskriminator (11) aufbereitete, durch die Veränderung des Scheibenabstands
gemessene Längendifferenz wird wiederum zum Rechner (6) weitergeleitet zur Bestim
mung der Schallgeschwindigkeit und der Gaskonzentration.
Claims (4)
1. Verfahren zur Bestimmung der Zusammensetzung des Füllgases im Scheibenzwi
schenraum eines gasgefüllten Zweischeiben-Isolierglases mit einem auf einer Außen
seite des Zweischeiben-Isolierglases angebrachten Schallsender und einem auf der ge
genüberliegenden Seite angebrachten Schallempfänger zur Messung der Laufzeit des
Schallsignals, gekennzeichnet dadurch, daß die Dicke des Scheibenzwischenraums
durch Druck auf eine oder beide Scheiben verändert wird, daß die Veränderung
der Dicke des Scheibenzwischenraums mit einem Interferometer gemessen wird und
daß die Schallgeschwindigkeit mit Hilfe eines Rechners aus der Laufzeitdifferenz des
Schallsignals und aus der Dickendifferenz des Scheibenzwischenraums ermittelt wird.
2. Verfahren nach Anspruch 1, dadurch gekennzeichnet, daß die Strahlungsquelle für
das Interferometer ein Laser (7) ist, dessen Strahl mit Hilfe eines teildurchlässigen
Spiegels (8) senkrecht auf das Zweischeiben-Isolierglas fällt, so daß das von den
Scheibenoberflächen reflektierte Licht einen optischen Detektor trifft, der auf dieser
Senkrechten hinter dem teildurchlässigen Spiegel liegt.
3. Verfahren nach Anspruch 1 oder 2, dadurch gekennzeichnet, daß Schallsender und
Schallempfänger ein und dasselbe Gerät sind und dieses an einer Seite des Isolier
glases angebracht wird.
4. Verfahren nach einem der Ansprüche 1 bis 3, dadurch gekennzeichnet daß die Wel
lenlänge des vom Sender erzeugten Schallsignals die Bedingung erfüllt, daß ein unge
radzahliges Vielfaches eines Viertels der Schallsignalwellenlänge der Dicke der Glas
scheiben entspricht.
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|---|---|---|---|
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|---|---|
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- 1995-06-27 DE DE1995121568 patent/DE19521568C2/de not_active Expired - Fee Related
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Also Published As
| Publication number | Publication date |
|---|---|
| DE19521568C2 (de) | 1998-07-09 |
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