Beschreibung
Verfahren und Computerprogramm zur Verarbeitung elektroni¬ scher Rechnungen
Bei zahlreichen Rechtsgeschäften ist Schriftform erforder¬ lich. Zur Vereinfachung des elektronischen Geschäftsverkehrs ist in zahlreichen Ländern seit einigen Jahren auch die Ver¬ wendung von elektronischen Unterschriften in Fällen zulässig, in denen grundsätzlich das Schriftformerfordernis gilt. In der Bundesrepublik Deutschland wurde hierzu beispielsweise das Signaturgesetz erlassen. Des weiteren kommt handschrift¬ lich oder digital signierten Dokumenten über das Schriftform¬ erfordernis hinaus eine große Bedeutung als Beweismittel zu. Bei digitalen Signaturen kommt es dabei insbesondere darauf an, die Unverfälschtheit eines Dokuments und die Identität eines Unterzeichners eindeutig nachzuvollziehen.
Insbesondere bei elektronischen Rechungen bestehen Anforde- rungen nach einer sorgfältigen Archivierung beispielsweise im Hinblick auf Revisionen oder Prüfungen. Dabei sollten Urhe¬ berschaft und Integrität von Rechnungsdokumenten durch Dritte nachprüfbar sein. Besondere Anforderungen werden an techni¬ sche Systeme zur Durchführung derartiger Überprüfungen ge- stellt, die gerade aus Sicht Dritter vertrauenswürdige Ergeb¬ nisse liefern sollten. Ein Anwendungsbeispiel ist eine Vorla¬ ge von Umsatzsteuer-Sammelabrechnungen bei einem Finanzamt.
Auch mit Einführung des Signaturgesetzes oder vergleichbarer rechtlicher Bestimmungen ist ein Käufer nicht von einer Ar¬ chivierungspflicht im Hinblick auf Originaldokumente befreit, da auch mit einer qualifizierten digitalen Signatur versehene Dokumente vergleichbar zugänglich und überprüfbar wie Papier-
dokumente sein sollten. Bisher bekannte elektronische Buch¬ haltungssysteme leisten allerdings nur eingeschränkt Unter¬ stützung für eine Verwaltung und Überprüfung mit einer digi¬ talen Signatur versehener Dokumente.
Der vorliegenden Erfindung liegt daher die Aufgabe zugrunde, ein Verfahren zur Verarbeitung elektronischer Rechnungen zu schaffen, das eine einfache Verarbeitung elektronischer Rech¬ nungen durch ein elektronisches Buchhaltungssystem ermöglicht und eine Rechnungsprüfung für Dritte vereinfacht, sowie eine zur Durchführung des Verfahrens geeignete Implementierung an¬ zugeben.
Erfindungsgemäß wird diese Aufgabe durch ein Verfahren mit den in Anspruch 1 angegebenen Merkmalen und durch ein Compu¬ terprogramm mit den in Anspruch 6 angegebenen Merkmalen ge¬ löst. Vorteilhafte Weiterbildungen der Erfindung sind in den abhängigen Ansprüchen angegeben.
Ein wesentlicher Aspekt der vorliegenden Erfindung liegt dar¬ in, daß eine elektronische Rechnung zur einfachen Verarbei¬ tung durch ein elektronisches Buchhaltungssystem ein Bearbei¬ tungselement und zur vereinfachten Rechnungsprüfung durch Dritte ein Prüfelement aufweist. Das Prüfelement einer von einem Rechnungssteiler an einen Rechnungsempfänger übermit¬ telten elektronischen Rechnung ist mit einer elektronischen Signatur des Rechnungsstellers versehen und wird in einem e- lektronischen Archiv des Rechnungsempfängers gespeichert. Das Bearbeitungselement ist entsprechend einer erweiterbaren Be- Schreibungssprache formatiert und durch Steuerungselemente gegliedert und wird durch einen Verweis auf das im elektroni¬ schen Archiv gespeicherte Prüfelement ergänzt, an ein elekt¬ ronisches Buchhaltungssystem weitergeleitet und anhand der
Steuerungselemente ausgewertet. Das Prüfelement wird anhand des vom Bearbeitungselement umfaßten Verweises im elektroni¬ schen Buchhaltungssystem zum Abruf verfügbar gemacht. Hier¬ durch ergibt sich eine komfortable Vergleichbarkeit von durch das elektronische Buchhaltungssystem verarbeiteten bzw. ver¬ arbeitbaren Rechnungsinformationen entsprechend dem Bearbei¬ tungselement mit durch Dritte nachprüfbaren Rechnungsinforma¬ tionen entsprechend dem Prüfelement.
Entsprechend einer vorteilhaften Weiterbildung der vorliegen¬ den Erfindung wird ein dem Rechnungssteiler zugeordneter öf¬ fentlicher Schlüssel zur Prüfung der elektronischen Signatur des Prüfelements im elektronischen Buchhaltungssystem zum Ab¬ ruf verfügbar gemacht wird. Dies ermöglicht eine besonders schnelle und komfortable Überprüfung der Signatur des Prüf¬ elements.
Außerdem kann das Prüfelement entsprechend einem portablen elektronischen Dokumentenformat formatiert sein. Unter einem portablen elektronischen Dokumentenformat ist ein durch gän¬ gige Anwendungssoftware unterstütztes Format zu verstehen, das vorzugsweise plattformübergreifend weit verbreitet ist. Hierzu zählt beispielsweise das PDF-, ASCII-Text-, Rich-Text- oder Word-Format. Durch eine Formatierung des Prüfelements entsprechend einem portablen elektronischen Dokumentenformat ergibt sich eine besonders gute InterOperabilität.
Auch das Bearbeitungselement kann mit einer elektronischen Signatur des Rechnungsstellers versehen sein. Dies bietet ei- nen zusätzlichen Gewinn an Sicherheit, indem beispielsweise vor der Auswertung des Bearbeitungselements im elektronischen Buchhaltungssystem eine Validierung vom Bearbeitungselement umfaßter Rechnungsinformationen ausführbar ist.
Das Prüfelement und/oder das Bearbeitungselement sind bzw. ist vorzugsweise XML-Dokumente bzw. ein XML-Dokument. Für derartige Dokumentenformate existieren bereits standardisier- te Verfahren zur Erzeugung elektronischer Signaturen. Dies trägt zu einer Vereinfachung eine Implementierung der vorlie¬ genden Erfindung bei.
Die vorliegende Erfindung wird nachfolgend an Ausführungsbei- spielen anhand der Zeichnung näher erläutert. Es zeigt
Figur 1 eine schematische Darstellung einer ersten Reali¬ sierungsvariante der vorliegenden Erfindung,
Figur 2 eine schematische Darstellung einer zweiten Varian¬ te und
Figur 3 eine schematische Darstellung einer dritten Varian¬ te.
Die in Figur 1 abgebildete schematische Darstellung zeigt ei¬ ne Übermittlung einer elektronischen Rechnung 1 von einem Lieferanten an einen Kunden. Die elektronische Rechnung 1 wird beispielsweise durch ein Enterprise-Resource-Planning- System 3 des Lieferanten erstellt und weist ein Prüfelement
11 und ein Bearbeitungselement 12 auf. Das Prüfelement 11 ist im vorliegenden Beispiel ein vom Lieferanten digital signier¬ tes PDF-Dokument mit Rechnungsinformationen. Eine Überprüfung der digitalen Signatur eines solchen Dokuments ist auf einfa- che Weise mittels gängiger Anwendungssoftware möglich, bei¬ spielsweise mittels eines Web-Browsers. Das Bearbeitungsele¬ ment 12 ist im vorliegenden Beispiel ein XML-Dokument mit Rechnungsinformationen, die durch Steuerungselemente geglie-
dert sind. Bei XML-Dokumenten werden solche Steuerungsinfor¬ mationen auch als Tags bezeichnet und ordnen im vorliegenden Fall den durch sie umfaßten Rechnungsinformationen einen be¬ stimmten Kontext zu, beispielsweise Käufer, Lieferant, Menge oder Preis.
Das Prüfelement 11 wird innerhalb eines Archivsystems 4 des Käufers in einem Dateisystem 41 gespeichert und ist über ei¬ nen als URL (Uniform Resource Locator) bezeichneten Verweis abrufbar. Dieser Verweis wird als Referenz in das Bearbei¬ tungselement 12 eingefügt. Nach Möglichkeit sollte dabei eine Verarbeitbarkeit der vom Bearbeitungselement 12 umfaßten Rechnungsinformationen nicht behindern. Dies kann beispiels¬ weise durch Einfügen des Verweises in ein Kommentar oder No- tizfeld des Bearbeitungselements 12 erfolgen. Anschließend wird das Bearbeitungselement 12 an ein elektronisches Buch¬ haltungssystem 2 des Kunden weitergeleitet und dort anhand der Steuerungselemente verarbeitet.
Ein Sachbearbeiter kann über den in das Bearbeitungselement 12 eingefügten Verweis, einen Web-Browser 5 mit PDF-Plugin und einen Web-Server 42 ein vom Prüfelement 11 umfaßtes Rech- nungsorginal zu Kontrollzwecken aus dem Dateisystem 41 abru¬ fen. Ein unauthorisierter Zugriff auf das im Dateisystem 41 gespeicherte Prüfelement 11 kann beispielsweise durch Wahl eines schwer erratbaren URL erschwert werden. Als Teilkompo¬ nente des URL wird vorzugsweise eine Zufallszahl mit hoher Hemming-Distanz erzeugt, beispielsweise wie bei Session-Keys in Web-Programmanwendungen.
Klickt beispielsweise ein Sachbearbeiter im Buchhaltungssys¬ tem 4 den durch den URL bezeichneten Verweis auf das Prüfele¬ ment 11 an, so wird das PDF-Plugin im Web-Browser 5 gestar-
tet, worauf eine Darstellung des vom Prüfelement 11 umfaßten Rechnungsoriginals erfolgt. In einem weiteren Schritt wird über einen LDAP-Zertifikat-Server 44 (Lightweight Directory Access Protocol) auf ein in einem Zertifikatsverwaltungssys- tem 43 gespeichertes Zertifikat des Lieferanten zugegriffen und mit diesem die digitale Signatur des Prüfelements 11 ve¬ rifiziert. Je nach Anwendungsfall kann das Archivsystem 4 so konfiguriert werden, das ein authorisierter Dritter bei¬ spielsweise über eine gesicherte Internetverbindung eine Rechnungsprüfung vornehmen kann.
Bei der in Figur 2 schematisch dargestellten zweite Variante weist die elektronische Rechnung 1 ein kombiniertes Prüf- und Bearbeitungselement 11' auf, das durch ein digital signiertes XML-Dokument realisiert ist. Die Verfahrensschritte zur Ver¬ arbeitung der elektronischen Rechnung 1 entsprechen im we¬ sentlichen denen bei der ersten Variante. Die zweite Variante erfordert im Vergleich zur ersten Variante eine exakte Defi¬ nition der innerhalb des XML-Dokuments verwendeten Tags. Ins- besondere ist der Web-Browser 5 mit einem speziellen an die definierten Tags angepaßten XML-Plugin zu versehen, damit ei¬ ne korrekte Signaturprüfung möglich ist.
Die in Figur 3 dargestellte dritte Variante kann aus einer Weiterentwicklung sowohl der ersten Variante als auch der zweiten Variante abgeleitet werden. Entsprechend der dritten Variante wird ein Rechnungsoriginal im PDF-Format auf Liefe¬ rantenseite einem Sachbearbeiter an einem Web-Browser 41 mit PDF-Plugin angezeigt und dieses vom Sachbearbeiter mittels eines Zertifikats 6 des Lieferanten digital signiert. An¬ schließend wird die elektronische Rechnung 1 über eine Web- Rechnungserfassungsschnittstelle 8 auf Käuferseite an das e- lektronische Buchhaltungssystem 2 und das Archivsystem 4 ü-
bermittelt. Die dritte Variante erfordert nur eine geringe Integration des Lieferanten in eine Buchhaltungssystem 2 und Archivsystem 4 umfassende Infrastruktur des Käufers.
Die hier beschriebenen Verfahren zur Verarbeitung elektroni¬ scher Rechnungen werden vorzugsweise mittels eines Computer¬ programms implementiert, das zumindest einen Codeabschnitt aufweist und in einen Arbeitsspeicher eines Computers ladbar ist. Wenn das Computerprogramm im Computer abläuft werden die vorangehend beschriebenen Verfahrensschritte ausgeführt bzw. veranlaßt.
Die Anwendung der vorliegenden Erfindung ist nicht auf die hier beschriebenen Ausführungsbeispiele beschränkt. Insbeson- dere ist eine Übertragung auch auf andere Arten von archivie- rungspflichtigen Geschäftsdokumenten möglich, beispielsweise Dokumente zur Exportkontrolle, Beschaffung und Lagerhaltung, Verkauf, Außenwirtschaft oder Zollwirtschaft. In diesem Sinne steht Rechnungsempfänge bzw. Käufer stellvertretend für einen Empfänger eines archivierungspflichtigen Dokuments, während Rechnungssteiler bzw. Lieferant für einen Ersteller eines solchen Dokuments steht. Buchhaltungssystem kann verallgemei¬ nert werden zu einem EDV-System zur empfängerseitigen Verar¬ beitung eines archivierungspflichtigen Dokuments.