EP4730295A1 - Ersthelfer-alarmierungs-system und verfahren zur optimierung der alarmierung und disposition von ersthelfern bei notfällen - Google Patents

Ersthelfer-alarmierungs-system und verfahren zur optimierung der alarmierung und disposition von ersthelfern bei notfällen

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EP4730295A1
EP4730295A1 EP25185761.1A EP25185761A EP4730295A1 EP 4730295 A1 EP4730295 A1 EP 4730295A1 EP 25185761 A EP25185761 A EP 25185761A EP 4730295 A1 EP4730295 A1 EP 4730295A1
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EP
European Patent Office
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emergency
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data
Prior art date
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Pending
Application number
EP25185761.1A
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Inventor
Thomas Brucklacher
Julian Ganter
Michael Müller
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Region Der Lebensretter EV
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Publication date
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    • G08BSIGNALLING SYSTEMS, e.g. PERSONAL CALLING SYSTEMS; ORDER TELEGRAPHS; ALARM SYSTEMS
    • G08B27/00Alarm systems in which the alarm condition is signalled from a central station to a plurality of substations
    • G08B27/001Signalling to an emergency team, e.g. firemen
    • GPHYSICS
    • G08SIGNALLING
    • G08BSIGNALLING SYSTEMS, e.g. PERSONAL CALLING SYSTEMS; ORDER TELEGRAPHS; ALARM SYSTEMS
    • G08B25/00Alarm systems in which the location of the alarm condition is signalled to a central station, e.g. fire or police telegraphic systems
    • G08B25/005Alarm destination chosen according to a hierarchy of available destinations, e.g. if hospital does not answer send to police station
    • GPHYSICS
    • G08SIGNALLING
    • G08BSIGNALLING SYSTEMS, e.g. PERSONAL CALLING SYSTEMS; ORDER TELEGRAPHS; ALARM SYSTEMS
    • G08B25/00Alarm systems in which the location of the alarm condition is signalled to a central station, e.g. fire or police telegraphic systems
    • G08B25/006Alarm destination chosen according to type of event, e.g. in case of fire phone the fire service, in case of medical emergency phone the ambulance

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Abstract

Die Erfindung betrifft ein App-basiertes Ersthelfer-Alarmierungs-System sowie ein Verfahren zur Optimierung der Alarmierung und Disposition von Ersthelfern bei Notfällen, insbesondere bei Herz-Kreislauf-Stillständen. Es koordiniert registrierte Ersthelfer in Abhängigkeit prognostizierter Eintreffzeiten der Ersthelfer am Notfallort, wobei Standort- und Verkehrsmitteldaten genutzt werden, um die Eintreffzeiten auf Basis von individuellen Wege- und Ausrückzeiten der Ersthelfer zu bestimmen bzw. zu antizipieren. Den Ersthelfern werden vom Ersthelfer-Alarmierungs-System gezielt spezifische Notfallaufgaben zugewiesen. So wird die Zeit bis zum Beginn lebensrettender Maßnahmen deutlich verkürzt, was die Überlebenschancen erhöht und die Effizienz der Notfallhilfe steigert.

Description

  • Die Erfindung betrifft ein App-basiertes Ersthelfer-Alarmierungs-System sowie ein Verfahren zur Optimierung der Alarmierung und Disposition von Ersthelfern bei Notfällen, insbesondere bei plötzlichen Herz-Kreislauf-Stillständen von Personen. Sie zielt darauf ab, durch gezielte Zuweisung von Notfallaufgaben eine schnelle und effektive Reanimation sicherzustellen.
  • Der plötzliche Herz-Kreislauf-Stillstand ist eine der häufigsten Todesursachen in den Industrienationen. Ein Überleben ist nur dann ohne bleibende Schäden wahrscheinlich, wenn mit den Maßnahmen der Wiederbelebung, d. h. der Herzdruckmassage und der Beatmung, nach drei bis fünf Minuten begonnen wird. In circa 25 % der Fälle liegt außerdem eine Herzrhythmusstörung, zum Beispiel Kammerflimmern oder Kammertachykardie, vor. Solche Herzrhythmusstörungen können durch Defibrillation behandelt werden. Mit jeder Minute Verzögerung bis zur Defibrillation sinkt die Überlebenswahrscheinlichkeit des Patienten, weshalb die internationalen Leitlinien empfehlen, dass eine Defibrillation noch vor dem Eintreffen des Rettungsdienstes durchgeführt wird.
  • Eine schnelle Reaktion auf medizinische Notfälle wie Herz-Kreislauf-Stillstände ist entscheidend für die Überlebenschancen der Betroffenen. Dabei leisten Ersthelfer-Alarmierungs-Systeme einen wichtigen Beitrag, indem sie über digitale Anwendungen, sogenannte Ersthelfer-Apps, freiwillige Ersthelfer alarmieren und gezielt zu den Notfallorten führen.
  • Die internationalen Leitlinien für die Reanimation empfehlen seit 2021, dass nach Eingang eines Notrufs mit dem Verdacht auf einen Herz-Kreislauf-Stillstand durch die Leitstelle freiwillige Ersthelfer über eine auf Smartphones lauffähige Ersthelfer-App geortet und alarmiert werden. Die so alarmierten Ersthelfer sollen möglichst schnell zum Notfallort geleitet werden und die Zeit bis zum Eintreffen des Rettungsdienstes überbrücken.
  • Bekannte App-basierte Ersthelfer-Alarmierungs-Systeme nutzen die GPS-Ortung, um Ersthelfer in der Nähe eines Notfallortes zu alarmieren. Sie basieren hauptsächlich auf der räumlichen Entfernung zum Notfallort, um freiwillige Ersthelfer zu benachrichtigen.
  • Viele Ersthelfer-Alarmierungs-Systeme sind zudem an Datenbanken angebunden, in denen Standorte öffentlich zugänglicher Defibrillatoren (Automatisierte Externe Defibrillatoren, AED) verzeichnet sind. Die Verknüpfung mit solchen AED-Standort-Datenbanken bzw. AED-Registern erlaubt es, Ersthelfer gezielt zu den öffentlichen AED-Standorten zu schicken, wenn kein AED am Notfallort verfügbar ist. Einige Ersthelfer-Alarmierungs-Systeme haben bereits eine automatisierte Funktion, bei der Ersthelfer, die keinen AED bei sich tragen, zu öffentlichen AEDs geleitet werden.
  • Das aus Ganter, J., et al., "Implementierungsprozess einer Smartphone-basierten Ersthelferalarmierung", Notfall+Rettungsmedizin 25, 177-185 (2022), bekannte Ersthelfer-Alarmierungs-System "Region der Lebensretter" arbeitet mit einer Ersthelfer-App, die an einen Alarmserver (Backend) angeschlossen ist. Das Ersthelfer-Alarmierungs-System ist zudem mit einer AED-Standort-Datenbank verbunden. Die Ersthelfer-Alarmierung folgt einem Alarmierungs-Algorithmus, der darauf abzielt, die Zeit von der Alarmierung bis zum Eintreffen des ersten Helfers am Notfallort so kurz wie möglich zu halten. Weiterhin soll auch ein AED in möglichst kurzer Zeit beim Patienten verfügbar sein.
  • Das vorgenannte Ersthelfer-Alarmierungs-System weist jedem alarmierten Ersthelfer eine Notfallaufgabe zu, zum Beispiel "zum Patienten gehen und Reanimation durchführen" oder "AED holen". Im Rahmen einer solchen Alarmierung von freiwilligen Ersthelfern sollen möglichst nur Ersthelfer alarmiert und zum Patienten geleitet werden, wenn diese vor dem Rettungsdienst eintreffen können. Ebenso soll die einem Ersthelfer zuzuweisende Notfallaufgabe, einen AED von einem öffentlichen AED-Standort abzuholen und zum Notfallort zu bringen, nur dann vergeben werden, wenn keiner der Ersthelfer einen persönlichen AED mit sich führt und der Weg zum AED-Standort und dann weiter zum Notfallort in einer Zeit zurückgelegt werden kann, die kürzer als die voraussichtliche Ankunftszeit des Rettungsdienstes am Notfallort ist.
  • Bei dem aus Ganter, J., et al., "Implementierungsprozess einer Smartphone-basierten Ersthelferalarmierung", Notfall+Rettungsmedizin 25, 177-185 (2022), bekannten Ersthelfer-Alarmierungs-System "Region der Lebensretter" läuft der Alarmierungsprozess wie folgt ab:
    Das Ersthelfer-Alarmierungs-System wird zunächst mittels einer Notfallmeldung durch Übermittlung des Notfallortes und der voraussichtlichen Anfahrtszeit des Rettungsdienstes vom Einsatzleitsystem der zuständigen Leitstelle an den Alarmserver des Ersthelfer-Alarmierungs-Systems aktiviert. Der Alarmserver ortet nun die registrierten Ersthelfer über die mobilen Endgeräte der Ersthelfer und die darauf laufenden Ersthelfer-Apps. Für jeden Ersthelfer erfolgt eine Berechnung der Anfahrtszeit vom aktuellen Standort des Ersthelfers zum Zeitpunkt der Notfallmeldung, dem sogenannten Alarmierungsstandort, bis zum Notfallort unter der Annahme der Fahrt mit einem Personenkraftwagen. Wenn diese Anfahrtszeit unter der Anfahrtszeit des von der Leitstelle alarmierten Rettungsmittels, d. h. des Rettungswagens oder des Notarztes, liegt, werden die in der Nähe des Notfallorts befindlichen Ersthelfer voralarmiert. Dieser Voralarm erfolgt über die Ersthelfer-App. Der Ersthelfer gibt über die Ersthelfer-App an, ob er verfügbar ist, d. h. den Voralarm annimmt, oder nicht verfügbar ist. Weiterhin kann der Ersthelfer angeben, mit welchem Verkehrsmittel er zum Notfallort kommen würde, zum Beispiel zu Fuß, mit dem Fahrrad oder mit dem Auto, und ob er einen AED mit sich führt. Im Ersthelfer-Alarmierungs-System erfolgt nun eine individuelle Routenberechnung vom Alarmierungsstandort des Ersthelfers zum Notfallort. Wenn der Ersthelfer den Notfallort nicht vor dem Rettungsdienst erreichen kann, wird dem Ersthelfer keine Notfallaufgabe bzw. eine "Einsatzabsage" zugeordnet.
  • Nach einer definierten, konfigurierbaren Wartezeit, zum Beispiel 20 Sekunden, errechnet das Ersthelfer-Alarmierungs-System für alle verfügbaren Ersthelfer eine individuelle Wegezeit, d. h. die Zeit vom Verlassen des aktuellen Standorts bei Eingang der Notfallmeldung, d. h. des Alarmierungsstandorts, bis zum Notfallort unter Berücksichtigung des gewählten Verkehrsmittels. Nun werden die beiden Ersthelfer mit der kürzesten Wegezeit direkt zum Notfallort geleitet, um dort die Reanimation, d. h. die Herzdruckmassage und die Beatmung, durchzuführen. Diese beiden Ersthelfer erhalten mithin die Notfallaufgabe "Reanimation" zugewiesen.
  • Für jeden der verbleibenden Ersthelfer wird eine Routenberechnung über die möglichen AED-Standorte zum Notfallort durchgeführt. Dies entfällt, falls einer der bereits eingesetzten Ersthelfer einen AED mit sich führt. Wenn die kürzeste vom Ersthelfer-Alarmierungs-System errechnete AED-Wegezeit, d. h. die Wegezeit des Ersthelfers zum Notfallort über den AED-Standort, kürzer ist als die Anfahrtszeit des Rettungsdienstes, so wird dem entsprechenden Ersthelfer der AED in der Ersthelfer-App angezeigt. Der ausgewählte Ersthelfer wird nun zunächst zum AED-Standort und nach dem Aufnehmen des AED zum Notfallort geleitet. Dem ausgewählten Ersthelfer wird folglich die Notfallaufgabe "AED-Bereitstellung" zugewiesen. Führt keiner der alarmierten Ersthelfer einen AED mit sich und wird entsprechend der Berechnungen des Alarmservers keiner der verfügbaren weiteren Ersthelfer den Notfallort vor dem Rettungsdienst erreichen, so wird die Notfallaufgabe zur Abholung eines öffentlich verfügbaren AED und das Verbringen desselben zum Notfallort nicht vergeben.
  • Das Ersthelfer-Alarmierungs-System kann einem der voralarmierten Ersthelfer, dem nicht die Notfallaufgabe "Reanimation" zugewiesen ist, die Notfallaufgabe "Rettungsdiensteinweisung" zuteilen. Dieser Ersthelfer unterstützt zum Beispiel dabei, dass der Rettungsdienst möglichst schnell zum Notfallort findet. Eine weitere Notfallaufgabe kann zum Beispiel in der "Notfallortsicherung" bestehen; dem Ersthelfer wird die Notfallaufgabe zugeteilt, den Notfallort abzusichern und Gefahrenmomente für Patienten und die reanimierenden Ersthelfer zu beseitigen.
  • Die bekannten Ersthelfer-Alarmierungs-Systeme basieren bislang auf der Zuweisung von Notfallaufgaben auf Basis der Anfahrts- bzw. Wegezeit. Diese Zeit stellt jedoch nur einen Teil der Gesamtzeit dar, die von der Alarmierung, d. h. der Notfallmeldung, bis zum Erreichen des Notfallorts vergeht. Diese vom Eingang der Notfallmeldung bis zum Eintreffen des Ersthelfers verstreichende Gesamtzeit, die im Folgenden als Eintreffzeit bezeichnet wird, setzt sich aus einer systembedingten Reaktionszeit, d. h. der Zeit von der Notfallmeldung bis zur Zuweisung der Notfallaufgabe, einer für jeden Ersthelfer individuellen Ausrückzeit, d. h. der Zeit von der Zuweisung der Notfallaufgabe bis zum Verlassen des Alarmierungsstandorts, sowie der für jeden Ersthelfer individuellen Wegezeit zusammen.
  • Die Eintreffzeiten der Ersthelfer, die über das in Ganter, J., et al. "Implementierungsprozess einer Smartphone-basierten Ersthelferalarmierung", Notfall+Rettungsmedizin 25, 177-185 (2022), beschriebene Ersthelfer-Alarmierungs-System "Region der Lebensretter" alarmiert werden, liegen typischerweise bei vier bis fünf Minuten. Die Anfahrts- oder Wegezeit beträgt häufig zwei bis drei Minuten. Bei Vernachlässigung der unvermeidbaren, systembedingten Reaktionszeit entfällt etwa die Hälfte der Eintreffzeit auf die Ausrückzeit der Ersthelfer. Die Ausrückzeit wird jedoch bei den bisherigen Ersthelfer-Alarmierungs-Systemen nicht oder nur unzureichend berücksichtigt.
  • DE 10 2015 201 270 B4 beschreibt ein System zur Alarmierung von Einsatzkräften im Notfall. Dabei wird ein zentraler Server verwendet, der mit mobilen Endgeräten verbunden ist, die den einzelnen Einsatzkräften zugeordnet sind. Im Falle eines Notrufs sendet der Server ein Alarmsignal an mindestens einige dieser mobilen Geräte. Dieses Signal enthält Informationen über den Einsatzort oder eine Sammelstelle. Die mobilen Geräte bestätigen den Empfang des Alarmsignals durch eine Rückmeldung an den Server. Der Server berechnet dann mithilfe aktueller Verkehrsdaten sogenannte Isochronen - das sind Gebiete, die in einer bestimmten Zeit vom Einsatzort oder der Sammelstelle erreichbar sind. Die mobilen Geräte können diese Informationen vom Server abrufen. Anhand des aktuellen Standorts und der Isochronen wird dann die voraussichtliche Ankunftszeit der jeweiligen Einsatzkraft berechnet und an den Server zurückgemeldet.
  • Aus DE 10 2021 129 885 A1 ist ein computerimplementiertes Verfahren zum Management eines digitalen Informationsaustausches im Zusammenhang mit Rettungseinsätzen bekannt. Das Verfahren ist in ein elektronisches Organisationssystem integriert und ermöglicht die strukturierte Kommunikation relevanter Einsatzdaten. Darüber hinaus betrifft die Veröffentlichung ein Verfahren zur Koordination von in einem Notarzt-Pool verfügbaren Notärzten, wobei durch das System eine gezielte Auswahl und Zuordnung geeigneter Notärzte zur Einsatzstelle ermöglicht wird.
  • Die Aufgabe der Erfindung besteht vor diesem Hintergrund darin, die Alarmierung und Disposition von Ersthelfern so zu optimieren, dass diese möglichst schnell und gezielt am Notfallort eintreffen. Ferner soll das System in Echtzeit bestimmen können, ob und wann ein AED benötigt wird, und die Notfallaufgabenverteilung an Ersthelfer entsprechend anpassen.
  • Diese Aufgabe wird durch ein Ersthelfer-Alarmierungs-System mit den Merkmalen nach Anspruch 1 sowie ein Verfahren zur Optimierung der Alarmierung und Disposition von Ersthelfern bei Notfällen nach Anspruch 6 gelöst. Zweckmäßige Weiterbildungen der Erfindung sind in den Ansprüchen 2 bis 5 sowie 7 bis 10 aufgeführt.
  • Das vorgeschlagene Ersthelfer-Alarmierungs-System und das damit durchführbare Verfahren zur Optimierung der Alarmierung und Disposition von Ersthelfern bei Notfällen basieren auf dem in Ganter, J., et al. "Implementierungsprozess einer Smartphone-basierten Ersthelferalarmierung", Notfall+Rettungsmedizin 25, 177-185 (2022), beschriebenen Ersthelfer-Alarmierungs-System "Region der Lebensretter".
  • Das erfindungsgemäße Ersthelfer-Alarmierungs-System dient der Optimierung der Alarmierung und Disposition registrierter Ersthelfer bei Notfällen. Es umfasst einen Alarmserver, der die Daten der registrierten Ersthelfer verwaltet und die Alarmierung koordiniert. Der Alarmserver ist mit einer Schnittstelle ausgestattet, die eine Anbindung an ein Einsatzleitsystem eines Rettungsdienstes ermöglicht. Zu dem Ersthelfer-Alarmierungs-System gehören mehrere den registrierten Ersthelfern zugeordnete mobile Endgeräte, die mit einer Standortortungsfunktion ausgestattet sind, um Standortdaten der jeweiligen Ersthelfer zu bestimmen. Die mobilen Endgeräte können zum Beispiel Smartphones, Tablets, Smartwatches, Laptops oder Wearables sein. Auf den mobilen Endgeräten ist eine digitale Anwendung, die sogenannte Ersthelfer-App, installiert. Diese Ersthelfer-App dient zur Übertragung der Standortdaten an den Alarmserver, zur Kommunikation mit den Ersthelfern und zur Koordination ihrer Einsätze.
  • Der Alarmserver ist so konfiguriert, dass er bei einer eingehenden Notfallmeldung vom Einsatzleitsystem den Notfallort und die voraussichtliche Ankunftszeit des Rettungsdienstes am Notfallort empfängt, die an einem Alarmierungsstandort in der Nähe des Notfallorts befindlichen Ersthelfer in der Nähe des Notfallorts lokalisiert, einen Voralarm an eine vorausgewählte Anzahl von Ersthelfern, basierend auf der Nähe ihres Alarmierungsstandorts zum Notfallort, sendet und denjenigen Ersthelfern, die den Voralarm bestätigen, eine Notfallaufgabe, zum Beispiel "Reanimation", "AED-Bereitstellung", "Notfallortsicherung", "Rettungsdiensteinweisung" oder "Einsatzabsage", zuweist. Unter dem Alarmierungsstandort wird der aktuelle Standort des jeweiligen Ersthelfers bei Eingang der Notfallmeldung verstanden; die Standortdaten beinhalten folglich zumindest die Daten zum Alarmierungsstandort.
  • Die Ersthelfer-App ist eingerichtet, Verkehrsmitteldaten zu dem Verkehrsmittel, das der voralarmierte Ersthelfer für den Weg zum Notfallort nutzt, zu erfassen und diese an den Alarmserver zu übermitteln. Der Alarmserver ermittelt auf Basis der Standortdaten und der Verkehrsmitteldaten - durch individuelle Routenberechnung - eine individuelle voraussichtliche Wegezeit vom Alarmierungsstandort bis zum Notfallort. Zudem prognostiziert er für jeden Ersthelfer eine individuelle Eintreffzeit am Notfallort. Diese setzt sich aus einer vorgegebenen systembedingten Reaktionszeit (vom Voralarm bis zur Zuweisung der Notfallaufgabe), der individuellen Ausrückzeit (von der Zuweisung der Notfallaufgabe bis zum Verlassen des Alarmierungsstandorts) und der individuellen voraussichtlichen Wegezeit zusammen. Die Zuweisung der Notfallaufgabe erfolgt schließlich abhängig von der prognostizierten individuellen Eintreffzeit der Ersthelfer.
  • Das erfindungsgemäße Verfahren zur Optimierung der Alarmierung und Disposition von registrierten Ersthelfern bei Notfällen, das mittels des beschriebenen Ersthelfer-Alarmierungs-Systems durchführbar ist bzw. durchgeführt wird, umfasst die folgenden nach einer Notfallmeldung ausgeführten Verfahrensschritte: Zunächst erfolgt das Lokalisieren der registrierten Ersthelfer in der Nähe des Notfallorts. Daraufhin wird ein Voralarm an eine in Abhängigkeit von der Nähe ihres Alarmierungsstandorts zum Notfallort vorausgewählte Anzahl von Ersthelfern gesendet. Die voralarmierten Ersthelfer bestätigen den Voralarm bei Verfügbarkeit. Im nächsten Schritt werden die Verkehrsmitteldaten der voralarmierten Ersthelfer erfasst. Auf Basis der Standortdaten und der Verkehrsmitteldaten wird - durch individuelle Routenberechnung - für jeden Ersthelfer die individuelle voraussichtliche Wegezeit ermittelt. Anschließend wird für jeden Ersthelfer die individuelle Ausrückzeit antizipiert. Die prognostizierte Eintreffzeit jedes Ersthelfers wird aus der Summe der vorbestimmten, systembedingten Reaktionszeit, der antizipierten individuellen Ausrückzeit und der ermittelten individuellen voraussichtlichen Wegezeit berechnet. Abschließend erfolgt die Zuweisung der Notfallaufgabe an die Ersthelfer, die den Voralarm bestätigt haben, in Abhängigkeit von der individuellen prognostizierten Eintreffzeit jedes Ersthelfers.
  • Das beschriebene Ersthelfer-Alarmierungs-System und das damit durchführbare Verfahren bieten signifikante Vorteile im Hinblick auf die Alarmierung und Disposition von Ersthelfern bei Notfällen. Das Ersthelfer-Alarmierungs-System verkürzt die Zeit bis zum Beginn der Reanimation, indem es Ersthelfer in der Nähe des Notfallorts lokalisiert und dabei sowohl Standortdaten als auch Verkehrsmitteldaten berücksichtigt. Dies ermöglicht eine optimale Auswahl der Ersthelfer, die den Notfallort am schnellsten erreichen können. Die individuelle Prognose der Eintreffzeit unter Einbeziehung der verkehrsmittelindividuellen Wegezeit und der antizipierten Ausrückzeit erhöht die Präzision der Einsatzplanung und sorgt für eine effiziente Verteilung der verfügbaren Ressourcen. Gleichzeitig wird durch die zielgerichtete Alarmierung vermieden, dass nicht verfügbare oder weniger relevante Ersthelfer unnötig alarmiert werden, was die Gesamteffizienz des Ersthelfer-Alarmierungs-Systems steigert.
  • Die Echtzeit-Kommunikation und Einsatzkoordination über die Ersthelfer-App erleichtern die Durchführung der Einsätze. Durch die systematische Antizipation der Ausrückzeiten können Verzögerungen zwischen Alarmierung und tatsächlichem Ausrücken der Ersthelfer minimiert werden. Zusätzlich ermöglicht die realitätsnähere Berechnung der voraussichtlichen Wegezeit eine noch bessere Einsatzplanung, was die Zeit bis zum Eintreffen der Ersthelfer am Notfallort signifikant verkürzt. Diese präzise und ressourceneffiziente Vorgehensweise trägt maßgeblich dazu bei, die Effektivität der Notfallhilfe zu maximieren, Leben zu retten und den organisatorischen Aufwand im Notfalleinsatz zu reduzieren.
  • Zum Antizipieren der Ausrückzeit kann das vorgeschlagene Ersthelfer-Alarmierungs-System so ausgebildet sein, dass die mittels der Standortortungsfunktion der mobilen Endgeräte der Ersthelfer ermittelten Standortdaten zusätzlich Daten zur Präzision der Standortbestimmung beinhalten. Ist das mobile Endgerät zum Beispiel ein Smartphone, können die Präzisionsdaten Informationen wie die GPS-Präzision des Smartphones umfassen. Eine geringe GPS-Präzision deutet in der Regel darauf hin, dass sich das Smartphone in einem Gebäude befindet, während eine hohe GPS-Präzision meist darauf hinweist, dass sich das Smartphone unter freiem Himmel befindet. Im letzteren Fall ist von einer kurzen Ausrückzeit des Ersthelfers auszugehen. Es können mithin kürzere Ausrückzeiten antizipiert werden, je höher die Präzision der Standortdaten ist. Einer bestimmten Standortpräzision können vorgegebene, zum Beispiel erfahrungsbasierte Ausrückzeiten zugewiesen werden, zum Beispiel eine typische Ausrückzeit beim Verlassen eines Gebäudes.
  • Zudem kann die Ermittlung typischer Ausrückzeiten im vorgeschlagenen Ersthelfer-Alarmierungs-System integriert sein. Durch die Nutzung von GPS und einer variablen Geofence-Technologie kann das Ersthelfer-Alarmierungs-System den genauen Zeitpunkt bestimmen, zu dem ein voralarmierter Ersthelfer seinen Alarmierungsstandort verlässt und sich in Bewegung setzt, d. h. ausrückt. Das Ersthelfer-Alarmierungs-System setzt einen Geofence um die Koordinaten des Alarmierungsstandorts des Ersthelfers, die bei der Voralarmannahme ermittelt werden. Sobald der Ersthelfer (bzw. sein mobiles Endgerät) diesen Geofence verlässt, wird der Zeitpunkt automatisch erfasst und als Ausrückzeit protokolliert. Die Geofence-Radien können an verschiedene Genauigkeitsanforderungen angepasst werden, um optimale Messresultate zu erzielen. Hierdurch können Ausrückzeiten von Ersthelfern bei Alarmierung für verschiedene Lebenssituationen gewonnen und im Ersthelfer-Alarmierungs-System hinterlegt werden.
  • Es kann weiterhin vorgesehen sein, dass die mittels der Standortortungsfunktion der mobilen Endgeräte der Ersthelfer ermittelten Standortdaten zeitaufgelöste Standortdaten des jeweiligen Ersthelfers umfassen. D. h., die Standortdaten beinhalten Standortdaten über einen (kurzen) Zeitraum, zum Beispiel einige Sekunden nach der Notfallmeldung. Aus den zeitaufgelösten Standortdaten lassen sich Bewegungsdaten ableiten, insbesondere die Geschwindigkeit, mit der sich das mobile Endgerät des Ersthelfers bewegt. Ersthelfer, deren mobiles Endgerät sich schneller als in Schrittgeschwindigkeit bewegt, können voraussichtlich sehr schnell bzw. unmittelbar zum Einsatzort fahren. In solchen Fällen kann eine sehr kurze Ausrückzeit antizipiert werden, d. h., die Ausrückzeit kann zum Beispiel auf 0 Minuten gesetzt werden.
  • Ferner kann die Ersthelfer-App eingerichtet sein, Fokusmodusdaten zu einem am mobilen Endgerät des jeweiligen Ersthelfers eingestellten Fokusmodus an den Alarmserver zu übermitteln. Der Alarmserver ist dabei in der Lage, die Ausrückzeit des Ersthelfers - basierend auf den Standortdaten, den Verkehrsmitteldaten und den Fokusmodusdaten zu bestimmen und/oder die Verkehrsmitteldaten anhand der Fokusmodusdaten zu ermitteln. Der Fokusmodus ist eine Funktion mobiler Endgeräte, insbesondere moderner Smartphones, die dazu dient, Benachrichtigungen und Ablenkungen, basierend auf bestimmten Szenarien oder Aktivitäten, zu reduzieren. Beispielsweise sorgt der Schlafmodus dafür, dass Benachrichtigungen stummgeschaltet werden und das Smartphone nur zeitkritische Informationen anzeigt, um einen ungestörten Schlaf zu gewährleisten. Der Ruhemodus schränkt Unterbrechungen ein, etwa während der Meditation oder Entspannung. Im Fahrmodus liegt der Fokus auf der Nutzung des Smartphones für Navigation und Kommunikation während der Autofahrt, wobei andere Ablenkungen minimiert werden. Der Arbeitsmodus erlaubt ausschließlich den Zugriff auf berufliche Apps oder Kontakte, um die Konzentration bei der Arbeit zu fördern. Im persönlichen Modus werden berufliche E-Mails oder Nachrichten blockiert, sodass sich der Nutzer auf Freizeitaktivitäten konzentrieren kann. Insgesamt hilft der Fokusmodus, das Smartphone je nach Situation effizienter und bedarfsgerecht zu nutzen. Für die Antizipation der Ausrückzeit werden spezifische Fokusmodusdaten berücksichtigt, die Indikatoren für eine kürzere oder längere Ausrückzeit sind. Hierzu gehören beispielsweise aktivierte Fokusmodi wie der Schlafmodus, der Ruhemodus oder der Fahrmodus. Es wird davon ausgegangen, dass Ersthelfer, deren mobiles Endgerät (Smartphone) sich im Fahrmodus befindet oder kabelgebunden bzw. drahtlos mit einem Fahrzeug verbunden ist, unmittelbar zum Einsatzort fahren können, sodass eine sehr kurze Ausrückzeit - in der Praxis 0 Minuten - angenommen werden kann. Im Gegensatz dazu ist für Ersthelfer, deren mobiles Endgerät (Smartphone) sich im Schlafmodus oder im Ruhemodus befindet, eine längere Ausrückzeit zu erwarten.
  • Die Erfassung der Verkehrsmitteldaten des Verkehrsmittels, das der voralarmierte Ersthelfer für den Weg zum Notfallort nutzt, kann sowohl durch manuelle Eingabe des Ersthelfers über die Ersthelfer-App als auch automatisch, zum Beispiel auf Basis der Bewegungsdaten oder der Fokusmodusdaten, erfolgen. Die Erfassung und Berücksichtigung der Verkehrsmitteldaten ermöglichen eine differenzierte Auswahl der Ersthelfer. So können zum Beispiel Ersthelfer, die ein Auto nutzen, priorisiert werden, wenn dies zu kürzeren Eintreffzeiten führt. Im Regelfall wird die Erfassung der Verkehrsmitteldaten durch manuelle Eingabe des Verkehrsmittels durch den Ersthelfer erfolgen. Bei Bestätigung des Voralarms gibt der Ersthelfer gleichzeitig an, welches Verkehrsmittel er für den Weg zum Notfallort nutzen wird, zum Beispiel zu Fuß, mit dem Fahrrad oder mit dem Auto. Die Ersthelfer-App ist vorzugsweise eingerichtet, diese drei Optionen, nämlich zu Fuß, mit dem Fahrrad und mit dem Auto, dem Ersthelfer anzubieten, sodass eine schnelle Rückmeldung des Verkehrsmittels an den Alarmserver erfolgen kann. Die Erfassung der Verkehrsmitteldaten kann zusätzlich oder alternativ durch automatische Funktionen ergänzt bzw. ersetzt werden. So kann zum Beispiel anhand der Bewegungsdaten prognostiziert werden, welches Verkehrsmittel der Ersthelfer wahrscheinlich benutzt. Auch die Fokusmodusdaten erlauben einen automatischen Rückschluss auf das genutzte Verkehrsmittel. Befindet sich das mobile Endgerät (Smartphone) im Fahrmodus, kann vom Ersthelfer-Alarmierungs-System angenommen werden, dass es sich bei dem Verkehrsmittel um ein Auto handelt. Durch solche Funktionen oder Ergänzungsfunktionen kann die Abfrage des Verkehrsmittels beim Ersthelfer unter Umständen entfallen oder muss zum Beispiel nur bestätigt werden.
  • Gemäß einem Aspekt des erfindungsgemäßen Verfahrens ist vorgesehen, einem oder zwei der Ersthelfer, für die die kürzesten Eintreffzeiten prognostiziert werden (sofern diese prognostizierten Eintreffzeiten kürzer sind als die Ankunftszeit des Rettungsdienstes am Notfallort), die Notfallaufgabe zur umgehenden Ausführung von Erste-Hilfe-Maßnahmen am Notfallort, d. h. die Notfallaufgabe "Reanimation", zuzuweisen. Nach der Zuweisung dieser Notfallaufgabe werden diese Ersthelfer mittels der Ersthelfer-App umgehend und ohne Umweg zum Notfallort geleitet. Vorzugsweise integriert das erfindungsgemäße Ersthelfer-Alarmierungs-System die Verfügbarkeit und den Einsatz von automatisierten externen Defibrillatoren (AED) in die Notfallreaktion, um bei Herz-Kreislauf-Stillständen lebensrettende Maßnahmen zu beschleunigen. Hierzu kann der Alarmserver eine Schnittstelle zur Anbindung an eine AED-Standort-Datenbank umfassen.
  • Im Rahmen des erfindungsgemäßen Verfahrens zur Optimierung der Alarmierung und Disposition von Ersthelfern bei Notfällen geben die Ersthelfer nach Erhalt des Voralarms zusammen mit ihrer Verfügbarkeitsmeldung üblicherweise an, ob sie einen AED mit sich führen. Wenn kein AED am Notfallort verfügbar ist und keiner der Ersthelfer einen persönlichen AED mit sich führt, kann das Ersthelfer-Alarmierungs-System die AED-Standort-Datenbank nutzen, um öffentliche AED-Standorte in der Nähe zu identifizieren. Ersthelfer, die die beste Kombination aus kurzer Wegezeit und schneller Verfügbarkeit bieten, werden gezielt alarmiert und zur Abholung eines AEDs disponiert. Das Ersthelfer-Alarmierungs-System berechnet dabei die Eintreffzeit, die der Ersthelfer benötigt, um den AED zu holen und ihn zum Notfallort zu bringen. Diese AED-Wegezeit wird mit der voraussichtlichen Ankunftszeit des Rettungsdienstes abgeglichen, um sicherzustellen, dass der AED rechtzeitig vor Ort ist. Die Zuweisung dieser Notfallaufgabe "AED-Bereitstellung" erfolgt nachrangig zur Notfallaufgabe "Reanimation", d. h., zunächst werden die Ersthelfer mit den kürzesten prognostizierten Eintreffzeiten direkt zum Notfallort geleitet, um sofortige Erste-Hilfe-Maßnahmen wie die Herzdruckmassage zu beginnen. Nichtsdestotrotz wird parallel zu den Reanimations-Ersthelfern ein anderer Ersthelfer zur Abholung des AED disponiert (Notfallaufgabe "AED-Bereitstellung"), falls ein AED nicht bereits am Notfallort verfügbar ist. Die gesamte Alarmierungs- und Koordinationskette erfolgt in Echtzeit, sodass Verzögerungen minimiert werden. Durch diese Integration ist sichergestellt, dass sowohl qualifizierte Ersthelfer als auch notwendige Hilfsmittel, wie ein AED, schnellstmöglich am Notfallort eintreffen. Dies erhöht die Effizienz der Notfallreaktion und verbessert die Überlebenschancen von Patienten signifikant.
  • Vorzugsweise nutzt das Ersthelfer-Alarmierungs-System eine Echtzeit-Berechnung bzw. Echtzeit-Aktualisierung, die kontinuierlich Anpassungen unter Berücksichtigung von Rückmeldungen der Ersthelfer sowie von aktualisierten Standort- und Bewegungsdaten der Ersthelfer vornimmt. D. h., das Ersthelfer-Alarmierungs-System arbeitet in Echtzeit und passt die Alarmierungs- und Dispositionsentscheidungen kontinuierlich an die Rückmeldungen und die Standort- bzw. Bewegungsdaten der Ersthelfer an. Eine dynamische Optimierung des Alarmierungsprozesses gewährleistet, dass immer die Ersthelfer mit den besten Eintreffzeiten und Ressourcen ausgewählt werden. Dadurch wird die Effizienz der Rettungskette erheblich gesteigert.
  • Zusätzlich nutzt das Ersthelfer-Alarmierungs-System kontinuierliche Datenanalysen, um die Qualität zukünftiger Einsätze zu verbessern. Es dokumentiert alle Standort- und Einsatzdaten und erfasst Soll- und Ist-Zeiten, um Muster zu erkennen und den Algorithmus der Aufgabenzuweisung stetig zu optimieren. Dies sorgt für eine nachhaltige Verbesserung der Eintreffzeiten und der Verfügbarkeit lebensrettender Maßnahmen bei zukünftigen Notfällen.
  • Die Erfindung ist nachfolgend beispielhaft anhand einer Notfallsituation erläutert:
    Ein schwerer Autounfall ereignet sich auf einer Landstraße, bei dem ein Fahrzeug von der Fahrbahn abgekommen ist und mehrere Personen verletzt sind. Der Notruf wird automatisch durch das eCall-System des Fahrzeugs ausgelöst und an die Leitstelle übermittelt. Die Leitstelle sendet die Koordinaten des Unfall- bzw. Notfallortes, die Schwere des Unfalls und die geschätzte Ankunftszeit des Rettungsdienstes an den Alarmserver des Ersthelfer-Alarmierungs-Systems. Der Alarmserver beginnt umgehend, verfügbare Ersthelfer in der Nähe zu lokalisieren und zu alarmieren.
  • Sechs registrierte Ersthelfer werden identifiziert und ihre mobilen Endgeräte übermitteln Standortdaten an den Alarmserver. Über die Ersthelfer-App werden die Ersthelfer - unter der Annahme eines Autos als Verkehrsmittel - voralarmiert. Fünf der Ersthelfer bestätigen ihre Verfügbarkeit und teilen mit, welche Verkehrsmittel sie tatsächlich nutzen: Der erste Ersthelfer gibt an, mit dem Auto zu kommen, der zweite und dritte Ersthelfer fahren mit dem Fahrrad, während der vierte und der fünfte Ersthelfer zu Fuß unterwegs sind. Der sechste Ersthelfer meldet sich als nicht verfügbar. Zudem erkennt das Ersthelfer-Alarmierungs-System anhand der Standortdaten und deren geringer Präzision, dass der fünfte Ersthelfer sich wahrscheinlich in einem Gebäude aufhält. Für den fünften Ersthelfer wird eine Ausrückzeit von zwei Minuten antizipiert. Die Reaktionszeit wird pauschal mit "0" angenommen, da diese gegenüber der Ausrückzeit und der Wegezeit regelmäßig vernachlässigbar ist.
  • Der Alarmserver berechnet die voraussichtlichen Eintreffzeiten der Ersthelfer unter Berücksichtigung ihrer Verkehrsmittel und ihrer Alarmierungsstandorte. Der erste Ersthelfer wird den Unfallort in etwa zwei Minuten erreichen, der zweite Ersthelfer in drei Minuten, der dritte Ersthelfer in vier Minuten, der vierte Ersthelfer in sechs Minuten und der fünfte Ersthelfer in zehn Minuten. Keiner der Ersthelfer verfügt über ein mitgeführtes AED. Der Alarmserver kalkuliert nun für den dritten, vierten und fünften Ersthelfer die Eintreffzeit am Notfallort, wenn zusätzlich ein öffentliches AED besorgt wird. Die kürzeste Eintreffzeit, die die AED-Bereitstellung einschließt, wird für den dritten Ersthelfer ermittelt und beträgt fünf Minuten.
  • Auf dieser Grundlage werden die Notfallaufgaben verteilt: Der erste Ersthelfer wird mit der Reanimation eines bewusstlosen Patienten betraut, während der zweite Ersthelfer ihn bei dieser Maßnahme unterstützt. Der dritte Ersthelfer erhält die Aufgabe, einen AED von einem nahegelegenen Standort abzuholen und zum Notfallort zu bringen. Der vierte Ersthelfer wird mit der Koordination vor Ort, einschließlich der Einweisung des Rettungsdienstes, und zur Sicherung des Notfallorts beauftragt. Dem fünften Ersthelfer wird der Einsatz abgesagt, da die voraussichtliche Ankunftszeit des Rettungsdienstes bei acht Minuten liegt und damit kürzer ist als die Eintreffzeit des fünften Ersthelfers.
  • Der erste Ersthelfer erreicht als erster den Notfallort und beginnt sofort mit der Reanimation eines bewusstlosen Verunfallten. Er prüft die Vitalzeichen und führt Herzdruckmassage sowie Beatmung durch. Kurz darauf trifft der zweite Ersthelfer ein und unterstützt bei der Wiederbelebung. Währenddessen hat der dritte Ersthelfer den AED von einem nahegelegenen Standort abgeholt und bringt ihn schnellstmöglich zum Notfallort, wo er sofort in die Reanimationsmaßnahmen eingebunden wird. Der AED wird genutzt, um bei Bedarf eine Defibrillation durchzuführen.
  • Der vierte Ersthelfer übernimmt die Koordination am Unfallort. Er kümmert sich um weniger schwer verletzte Personen, beruhigt die Unfallbeteiligten und hält unbeteiligte Personen von der Gefahrenzone fern. Er trifft zudem die notwendigen Vorbereitungen, um den Rettungsdienst einzuweisen. Sobald der Rettungsdienst eintrifft, führt der vierte Ersthelfer das Rettungsteam zum Unfallort und übergibt wichtige Informationen zu den bisherigen Maßnahmen und dem Zustand der Verletzten.
  • Der Rettungsdienst übernimmt die Versorgung der Patienten, während die Ersthelfer die Lage vor Ort stabilisieren und ihre Aufgaben abschließen. Alle durchgeführten Maßnahmen und Eintreffzeiten werden vom Alarmserver dokumentiert, um künftige Einsätze noch effektiver koordinieren zu können. Dieses Ausführungsbeispiel zeigt, wie durch präzise Aufgabenverteilung und Echtzeitkommunikation zwischen Ersthelfern und dem Alarmserver eine schnelle und effektive Notfallreaktion ermöglicht wird, die lebensrettende Maßnahmen sicherstellt und die Zeit bis zur professionellen medizinischen Versorgung optimal überbrückt.

Claims (10)

  1. Ersthelfer-Alarmierungs-System zur Optimierung der Alarmierung und Disposition von registrierten Ersthelfern bei Notfällen, wobei das Ersthelfer-Alarmierungs-System aufweist:
    - einen Alarmserver zur Verwaltung von Daten der registrierten Ersthelfer und Koordination der Alarmierung, wobei der Alarmserver eine Schnittstelle zur Anbindung an ein Einsatzleitsystem eines Rettungsdienstes besitzt,
    - mehrere den einzelnen Ersthelfern des Ersthelfer-Alarmierungs-Systems zugeordnete mobile Endgeräte mit Standortortungsfunktion zur Bestimmung von Standortdaten des jeweiligen Ersthelfers, und
    - eine auf den mobilen Endgeräten lauffähige digitale Anwendung in Form einer Ersthelfer-App zur Übertragung der Standortdaten der Ersthelfer an den Alarmserver, zur Kommunikation mit den Ersthelfern und zur Koordination der Ersthelfer,
    wobei der Alarmserver eingerichtet ist, bei einer vom Einsatzleitsystem eingehenden Notfallmeldung den Notfallort und die zu erwartende Ankunftszeit des Rettungsdienstes am Notfallort zu empfangen, die an einem Alarmierungsstandort in der Nähe des Notfallorts befindlichen Ersthelfer zu lokalisieren, einen Voralarm an eine in Abhängigkeit der Nähe ihres Alarmierungsstandorts vorausgewählte Anzahl von Ersthelfern zu senden und den den Voralarm bestätigenden Ersthelfern eine Notfallaufgabe zuzuweisen,
    dadurch gekennzeichnet, dass
    die Ersthelfer-App ferner eingerichtet ist, Verkehrsmitteldaten zu einem vom jeweiligen voralarmierten Ersthelfer für den Weg zum Notfallort benutzten Verkehrsmittel zu erfassen und an den Alarmserver zu übermitteln,
    wobei der Alarmserver ferner eingerichtet ist:
    - auf Basis der Standortdaten und der Verkehrsmitteldaten eine individuelle voraussichtliche Wegezeit vom Alarmierungsstandort des Ersthelfers zum Notfallort zu ermitteln,
    - für jeden Ersthelfer mindestens anhand der Standortdaten und der Verkehrsmitteldaten eine individuelle, von der Zuweisung der Notfallaufgabe bis zum Ausrücken des Ersthelfers vom Alarmierungsstandort reichende individuelle Ausrückzeit zu antizipieren,
    - für jeden Ersthelfer eine individuelle Eintreffzeit am Notfallort aus der Summe einer systembedingten, vorgegebenen, vom Voralarm bis zur Zuweisung der Notfallaufgabe reichenden Reaktionszeit, der individuellen Ausrückzeit und der individuellen voraussichtlichen Wegezeit zu prognostizieren, und
    - die Zuweisung der Notfallaufgabe an die Ersthelfer in Abhängigkeit der prognostizierten individuellen Eintreffzeit vorzunehmen.
  2. Ersthelfer-Alarmierungs-System nach Anspruch 1, dadurch gekennzeichnet, dass die mittels der Standortortungsfunktion der mobilen Endgeräte der Ersthelfer ermittelten Standortdaten Daten zur Präzision der Standortbestimmung beinhalten.
  3. Ersthelfer-Alarmierungs-System nach Anspruch 1 oder 2, dadurch gekennzeichnet, dass die mittels der Standortortungsfunktion der mobilen Endgeräte der Ersthelfer ermittelten Standortdaten zeitaufgelöste Standortdaten des jeweiligen Ersthelfers umfassen.
  4. Ersthelfer-Alarmierungs-System nach einem der Ansprüche 1 bis 3, dadurch gekennzeichnet, dass die Ersthelfer-App ferner eingerichtet ist, Fokusmodusdaten zu einem am mobilen Endgerät des jeweiligen Ersthelfers eingestellten Fokusmodus an den Alarmserver zu übermitteln, wobei der Alarmserver ferner eingerichtet ist, die Ausrückzeit des Ersthelfers anhand der Standortdaten, der Verkehrsmitteldaten und der Fokusmodusdaten vorzunehmen und/oder die Verkehrsmitteldaten anhand der Fokusmodusdaten zu bestimmen.
  5. Ersthelfer-Alarmierungs-System nach einem der Ansprüche 1 bis 4, dadurch gekennzeichnet, dass der Alarmserver ferner eine Schnittstelle zur Anbindung an eine AED-Standort-Datenbank umfasst.
  6. Verfahren zur Optimierung der Alarmierung und Disposition von registrierten Ersthelfern bei Notfällen, durchgeführt mittels eines Ersthelfer-Alarmierungs-Systems nach einem der Ansprüche 1 bis 5, gekennzeichnet durch folgende, nach der Notfallmeldung ausgeführte Verfahrensschritte:
    - Lokalisieren registrierter Ersthelfer in der Nähe des Notfallorts und Erfassen der Standortdaten der Ersthelfer,
    - Senden eines Voralarms an eine in Abhängigkeit von der Nähe des Alarmierungsstandorts zum Notfallort vorausgewählte Anzahl von Ersthelfern,
    - Bestätigen des Voralarms durch die Ersthelfer bei Verfügbarkeit,
    - Erfassen der Verkehrsmitteldaten der voralarmierten Ersthelfer,
    - Ermitteln der voraussichtlichen Wegezeit des jeweiligen Ersthelfers,
    - Antizipieren der Ausrückzeit des jeweiligen Ersthelfers auf Basis der Standortdaten und der Verkehrsmitteldaten,
    - Ermitteln der prognostizierten Eintreffzeit für jeden Ersthelfer als Summe der vorbestimmten, systembedingten Reaktionszeit, der für den Ersthelfer antizipierten individuellen Ausrückzeit und der für den Ersthelfer ermittelten individuellen voraussichtlichen Wegezeit, und
    - Zuweisung der Notfallaufgabe an die Ersthelfer, die den Voralarm bestätigt haben, in Abhängigkeit von der individuellen prognostizierten Eintreffzeit jedes Ersthelfers.
  7. Verfahren nach Anspruch 6 mittels des Ersthelfer-Alarmierungs-Systems nach Anspruch 2, dadurch gekennzeichnet, dass kürzere Ausrückzeiten antizipiert werden, je höher die Präzision der Standortdaten ist.
  8. Verfahren nach Anspruch 6 oder 7, dadurch gekennzeichnet, dass einem oder zwei der Ersthelfer, für die die kürzesten Eintreffzeiten prognostiziert werden und sofern diese prognostizierten Eintreffzeiten kürzer sind als die Ankunftszeit des Rettungsdienstes am Notfallort, die Notfallaufgabe zur umgehenden Ausführung von Erste-Hilfe-Maßnahmen am Notfallort zugewiesen wird, wobei diese Ersthelfer mittels der Ersthelfer-App umgehend zum Notfallort geleitet werden.
  9. Verfahren nach Anspruch 8, durchgeführt mittels des Ersthelfer-Alarmierungs-Systems nach Anspruch 5, dadurch gekennzeichnet, dass ein weiterer der Ersthelfer zur Abholung eines AED disponiert wird, falls keiner der Ersthelfer, denen die Ausführung der Erste-Hilfe-Maßnahmen zugewiesen wurde, bereits einen AED mitführt.
  10. Verfahren nach einem der Ansprüche 6 bis 9, dadurch gekennzeichnet, dass die Ausrück- und Wegezeiten systematisch zur Systemoptimierung erfasst und gespeichert werden.
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