Beschreibung
Bremssystem für ein Kraftfahrzeug und elektrohydraulisches Bremssystem
Die Erfindung betrifft ein Bremssystem für ein Kraftfahrzeug, wobei das Bremssystem ein elektrohydraulisches Teilbremssystem und ein elektromechanisches Teilbremssystem aufweist, sowie eine elektrohydraulische Bremsvorrichtung für ein solches Bremssystem.
Bremssysteme eingangs genannter Art mit einem elektrohydraulischen Teilbremssystem und einem elektromechanischen Teilbremssystem sind aus dem Stand der Technik bekannt und werden beispielsweise in der
DE 10 2012 217 825 A1 beschrieben. Dabei wirkt ein erstes Teilbremssystem mit elektrohydraulisch betätigten Radbremsen auf eine Vorderachse des Fahrzeugs, während ein zweites Teilbremssystem mit elektromechanischen Radbremsen auf die Hinterachse des Fahrzeugs wirkt.
Die dort beschriebene Systemarchitektur sieht vor, dass das elektrohydraulische Teilbremssystem der Vorderachse über eine mechanische Rückfallebene verfügt, so dass bei Ausfall einer elektrischen bzw. elektronischen Komponente eine Abbremsung übe die Vorderradbremsen weiterhin möglich ist. Hierzu wird bei Betätigung des Bremspedals Bremsflüssigkeitsvolumen aus einem Hauptbremszylinder unmittelbar in die hydraulischen Radbremsen der Vorderachse verschoben, sodass eine entsprechende Bremskraft auch weiterhin aufgebaut werden kann.
Diese Systemarchitektur ist beschränkt auf den nicht-automatisierten Fährbetrieb (SAE Level <2) und insbesondere auf Kraftfahrzeuge, die über ein mechanisch mit dem Bremssystem gekoppeltes Bremspedal verfügen. Würde diese Systemarchitektur in Verbindung mit automatisieren Fahrfunktionen (SAE Level >2) oder in Verbindung mit einem elektronischen Bremspedal verwendet, also einem Bremspedal, das keine mechanische Rückfallebene mittels einer direkten mechanischen Verbindung zwischen Bremspedal und Hauptzylinder aufweist,
ergäbe sich der Nachteil, dass ein einzelner elektrischer Fehler in dem elektrohydraulischen Teilbremssystem bereits zu einer Degradation der Bremsfunktion auf die alleinige Abbremsung durch die elektromechanisch verzögerte Hinterachse führen würde.
Der vorliegenden Erfindung liegt daher die Aufgabe zugrunde, ein Bremssystem mit einem elektrohydraulischen Teilbremssystem und einem elektromechanischen Teilbremssystem anzugeben, das auch ohne mechanische Rückfallebene bei elektrischen bzw. elektronischen Fehlern weiterhin zu großen Teilen betriebsfähig bleibt.
Diese Aufgabe wird durch das Bremssystem nach Anspruch 1 sowie eine elektrohydraulische Bremsvorrichtung nach Anspruch 21 gelöst. Bevorzugte Ausgestaltungen sind Gegenstand der abhängigen Ansprüche.
Die Erfindung betrifft ein Bremssystem für ein Kraftfahrzeug, wobei das Bremssystem ein elektrohydraulisches Teilbremssystem, ein elektromechanisches Teilbremssystem, eine redundante Energieversorgung für das Bremssystem und eine Betätigungsvorrichtung aufweist. Die Betätigungsvorrichtung ist dazu ausgebildet, ein einen Bremswunsch quantifizierendes Betätigungssignal infolge einer Betätigung durch einen Fahrzeugführer zu ermitteln, wobei das Bremssystem ein Bremsensteuergerät mit wenigstens zwei voneinander unabhängigen Partitionen aufweist, und wobei beide Partitionen jeweils zur Steuerung des elektromechanischen Teilbremssystems und des elektrohydraulischen Teilbremssystems auf Grundlage eines von der Betätigungsvorrichtung empfangenen Betätigungssignals ausgebildet sind.
Bei einem „elektrohydraulischen Teilbremssystem“ handelt es sich dabei bevorzugt um ein Bremssystem mit hydraulisch betätigten Radbremsen, wobei ein hydraulischer Druck in den Radbremsen durch eine elektronische Vorrichtung erzeugt wird. Dabei besteht bevorzugt keine mechanische Verbindung zwischen der Bremsbetätigungsvorrichtung und den Radbremsen oder weiteren Komponenten des elektrohydraulischen Teilbremssystems, sodass ein
hydraulischer Druck ausschließlich durch die elektronische Vorrichtung erzeugt werden kann.
Das „elektromechanische Teilbremssystems“ weist bevorzugt je Radbremse einen elektromechanischen Kraftsteller und eine radindividuelle Steuereinheit (Radsteuereinheit WCU) auf. Dabei ist die Radsteuereinheit dazu ausgebildet, den Kraftsteller auf Grundlage von empfangenen Signalen zur Erzeugung einer Bremskraft anzusteuern. Die Radsteuereinheit ist hierzu bevorzugt zumindest dazu ausgebildet, eine empfangene Bremsanforderung in Ansteuerungssignale des Kraftstellers zu übersetzen. Ferner kann auch vorgesehen sein, dass die Radsteuereinheit Regelverfahren zur Regelung der erzeugten Bremskraft und zur Steuerung des Kraftstellers umzusetzen. Die elektromechanisch betätigten Radbremsen weisen dabei bevorzugt eine Parkbremsfunktion auf, mit der die Radbremsen bei einer eingestellten Bremskraft verriegelt werden können.
Bei der „Betätigungsvorrichtung“ handelt es sich bevorzugt um ein elektrisches Bremspedal. Ein solches elektrisches Bremspedal, auch als ePedal bezeichnet, weist üblicherweise einen Betätigungsglied zur Betätigung durch einen Fahrzeugführer auf, wobei auf das Betätigungsglied eine Rückstellvorrichtung einwirkt. Die Rückstellvorrichtung ist dabei dazu ausgebildet, bei einer Verschiebung des Betätigungsglieds aus dessen Ruhelage eine in Richtung der Ruhelage wirkende Rückstellkraft auf das Betätigungsglied zu bewirken. Dabei ist die hierbei erzeugte Kraft-Weg-Kennlinie idealerweise so gestaltet, dass sich die Betätigung der Betätigungsvorrichtung für einen Fahrzeugführer gleich oder ähnlich einer Betätigung eines klassischen hydraulischen Bremssystems anfühlt. Der Grad der Betätigung des Betätigungsglieds wird dabei sensorisch, beispielsweise in Form eines Betätigungswegs, eines Betätigungswinkels und/oder einer einwirkenden Betätigungskraft erfasst, wobei aus den erfassten Sensorgrößen ein Betätigungssignal erzeugt wird. Auf Grundlage des Betätigungssignals kann dann ein Bremssystem angesteuert werden. Die Betätigungsvorrichtung kann dabei beispielsweise über eine SENT-Schnittstelle mit dem Bremsensteuergerät verbunden sein.
Die „redundante Energieversorgung“ ist dabei bevorzugt so ausgelegt, dass bei Ausfall einer Energieversorgung die jeweils andere Energieversorgung den sicheren Betrieb des Bremssystems insgesamt gewährleistet. Dabei kann es sich bei einer Energieversorgung insbesondere um ein Bordnetz des Fahrzeugs handeln. Die Redundanz ist dabei jedoch nicht gleichbedeutend damit, dass bei Ausfall einer Energieversorgung alle Komponenten des Bremssystems weiterhin verfügbar sind. Es kann vielmehr auch vorgesehen sein, dass ein Ausfall einzelner Komponenten in Kauf genommen wird, wenn der Ausfall dieser Komponenten durch andere Komponenten ausgeglichen werden kann, oder der Ausfall keine wesentlichen Auswirkungen auf die Betriebsbereitschaft des Bremssystems hat.
Bei einer „Partition“ eines Steuergeräts handelt es sich bevorzugt um einen physikalischen Bereich des Steuergeräts, der elektrisch unabhängig von weiteren Partitionen des Steuergeräts ist. Insbesondere kann es sich bei den Partitionen des Steuergeräts um unterschiedliche Bereiche einer Platine oder voneinander getrennte Platinen handeln. Die Partitionen sind dabei bevorzugt über einen internen Datenbus des Bremsensteuergeräts, beispielsweise einen CAN-Bus, miteinander verbunden. Die Unabhängigkeit der Partitionen ist dabei bevorzugt dergestalt, dass ein elektrischer Defekt einer Partition nicht zu einer Fehlfunktion der jeweils anderen Partition führt.
Die Verwendung eines Bremsensteuergeräts mit voneinander unabhängigen Partitionen in Verbindung mit einer redundanten Energieversorgung und zwei unterschiedlich wirkenden Teilbremssystemen hat dabei den Vorteil, dass Ausfälle und insbesondere elektrische Einfachfehler nicht zu einer starken Degradation des Bremssystems führen. So kann insbesondere der Fall vermieden werden, dass ein elektrischer Fehler in Komponenten, die das elektrohydraulische Teilbremssystem betreffen, bereits zu einem vollständigen Ausfall des elektrohydraulischen Teilbremssystems führen. So kann im Idealfall stets auch bei einer Fehlfunktion eine Restbremsleistung aufrechterhalten werden, die Mindestanforderungen bezüglich einer erforderlichen Bremsleistung (beispielsweise eine Verzögerung von wenigstens 2,44 m/s2) erfüllt. Ferner kann ein solches Bremssystem auch für automatisierte Fahrfunktionen genutzt werden, da ein Ausfall nicht durch den
Fahrzeugführer mittels eines hydraulischen Durchgriffs kompensiert werden muss, sondern vielmehr das Bremssystem selbst einen Teilausfall kompensieren kann.
Nach einer bevorzugten Ausführungsform ist dabei vorgesehen, dass das elektrohydraulische Teilbremssystem auf eine Vorderachse des Kraftfahrzeugs wirkt und wobei das elektromechanische Teilbremssystem auf eine Hinterachse des Kraftfahrzeugs wirkt. Dabei ist das elektromechanische Teilbremssystem bevorzugt so ausgelegt, dass auch bei einem Totalausfall des elektrohydraulischen Bremssystems weiterhin durch die Radbremsen der Hinterachse des Fahrzeugs eine Mindestverzögerung von 2,44m/s2 erreicht werden kann.
Um eine redundante Steuerung des elektrohydraulischen und des elektromechanischen Teilbremssystems zu gewährleisten ist nach einer weiteren Ausführungsform ferner vorgesehen, dass die erste und die zweite Partition des Bremsensteuergeräts jeweils einen Regelungs-Mikrocontroller zur Durchführung von Bremssteuer- und Bremsregelfunktionen auf Grundlage eines von der Betätigungsvorrichtung empfangenen Betätigungssignals aufweist. Der Regelungs-Mikrocontroller ist dabei bevorzugt dazu ausgebildet, auf Grundlage von empfangenen Betätigungsinformationen und unter Berücksichtigung von weiteren Informationen, insbesondere Raddrehzahlen, auf das Fahrzeug wirkenden Beschleunigungen oder Änderungen des Gierwinkels oder des Nickwinkels des Fahrzeugs Regelfunktionen zur gezielten Steuerung der in den jeweiligen Radbremsen erzeugten Bremskräfte durchzuführen. Hierbei erzeugte Informationen bezüglich einzustellender Bremskräfte können dann an die entsprechenden Teilbremssysteme als Steuerinformationen weitergegeben werden. Die redundante Bereitstellung zweier solcher Regelungs-Mikrocontroller hat dabei den Vorteil, dass auch bei Ausfall einer der Partitionen des Bremsensteuergeräts weiterhin eine gezielte Regelung der erzeugten Bremskräfte in den Radbremsen möglich bleibt. Hierzu ist bevorzugt ferner vorgesehen, dass beide Regelungs-Mikrocontroller mit denselben bzw. mit gleichwertigen Eingangssignalen versorgt werden.
Nach einer bevorzugten Ausführungsform ist ferner vorgesehen, dass das elektrohydraulische Teilbremssystem eine elektromotorisch angetriebene Druckbereitstellungseinrichtung zur Erzeugung eines hydraulischen Bremsdrucks in dem elektrohydraulischen Teilbremssystem zugeordneten hydraulischen Radbremsen aufweist, wobei die Druckbereitstellungseinrichtung durch ein zwischen der Druckbereitstellungseinrichtung und den Radbremsen angeordnetes erstes Druckzuschaltventil hydraulisch von den hydraulischen Radbremsen trennbar ist.
Bei der elektromotorischen angetriebenen Druckbereitstellungseinrichtung kann es sich insbesondere um einen sogenannten Linearaktuator handeln, bei dem ein Elektromotor mit einem nachgeschalteten Rotations-Translationsgetriebe dazu ausgebildet ist, einen Druckkolben innerhalb eines Hydraulikzylinders zu verschieben. Bei dem Rotations-Translationsgetriebe kann es sich insbesondere um einen Kugelgewindetrieb handeln. Bei dem Elektromotor kann es sich insbesondere um einen bürstenlosen Motor handeln. Das zwischen Druckbereitstellungseinrichtung und Radbremsen angeordnete Druckzuschaltventil ist dabei bevorzugt so ausgestaltet, dass es stromlos geschlossen ist. Ferner ist hierbei bevorzugt, dass das Druckzuschaltventil bei einem ausreichend hohen durch die Druckbereitstellungseinrichtung erzeugten hydraulischen Druck öffnet. Durch diese Konfiguration ist es zum einen möglich, die Druckbereitstellungseinrichtung gezielt von den Radbremsen zu entkoppeln, sodass beispielsweise im Falle einer ABS Regelung durch die Druckbereitstellungseinrichtung Bremsflüssigkeit aus einem Reservoir nachgesagt werden kann, ohne den Bremsdruck in den Radbremsen abzubauen.
Um bei dieser Auslegung des elektrohydraulischen Teilbremssystems eine Redundanz der Ansteuerung des elektrohydraulischen Teilbremssystems zu erreichen, ist nach einer Ausführungsform vorgesehen, dass beide Partitionen des Bremsensteuergeräts dazu ausgebildet sind, die elektromotorisch angetriebene Druckbereitstellungseinrichtung auf Grundlage einer Betätigungsinformation anzusteuern. Hierzu sind bevorzugt beide Partitionen mit einer Steuerung der Leistungselektronik des Elektromotors verbunden. Auf diese Weise ist auch bei
Ausfall einer der Partitionen weiterhin eine gezielte Steuerung des hydraulischen Drucks in dem elektrohydraulischen Teilbremssystem möglich.
Nach einer weiteren Ausführungsform ist dabei vorgesehen, dass ausschließlich die erste Partition des Bremsensteuergeräts dazu ausgebildet ist, das erste Druckzuschaltventil anzusteuern. Auch in diesem Fall kann weiterhin durch die zweite Partition eine gezielte Druckstellung in den hydraulisch betätigten Radbremsen erreicht werden, wenn das Druckzuschaltventil bei ausreichend hohem Druck von Seiten der Druckbereitstellungseinrichtung öffnet. Da das Druckzuschaltventil stromlos geschlossen ist wäre auch weiterhin ein Nachsaugen von Bremsflüssigkeit durch die Druckbereitstellungseinrichtung möglich.
Um auch bei einem Ausfall der ersten Partition weiterhin gezielt eine hydraulische Verbindung zwischen der Druckbereitstellungseinrichtung und den hydraulisch betätigten Radbremsen herstellen zu können, ist nach einer weiteren Ausführungsform vorgesehen, dass ein zweites Druckzuschaltventil zwischen der Druckbereitstellungseinrichtung und den Radbremsen angeordnet ist, wobei das zweite Druckzuschaltventil hydraulisch parallel zu dem ersten Druckzuschaltventil angeordnet ist und wobei ausschließlich die zweite Partition dazu ausgebildet ist, das zweite Druckzuschaltventil anzusteuern. Auf diese Weise kann ein deutlich harmonischeres Verhalten des elektrohydraulischen Bremssystems bei Ausfall der ersten Partition erreicht werden, da bereits bei kleinen durch die Druckbereitstellung Einrichtung erzeugten hydraulischen Drücken der entsprechende hydraulische Druck in die hydraulisch betätigten Radbremsen übertragen würde.
Nach einer weiteren Ausführungsform ist ferner vorgesehen, dass der elektromotorisch angetriebenen Druckbereitstellungseinrichtung ein Motorpositionssensor zur Bestimmung eines Betriebsparameters des Elektromotors zugeordnet ist und das hydraulische Teilbremssystem einen Drucksensor zur Bestimmung des in dem hydraulischen Teilbremssystem herrschenden hydraulischen Drucks aufweist, wobei der Motorpositionssensor mit der ersten Partition des Bremsensteuergeräts verbunden ist und wobei der Drucksensor mit der zweiten Partition des Bremsensteuergeräts verbunden ist.
Dabei ist bevorzugt vorgesehen, dass im Normalbetrieb des Bremssystems, also bei voller Funktionsfähigkeit bei der Partition, die Steuerung der elektromotorischen Druckbereitstellungseinrichtung auf Grundlage des Signals des
Motorpositionssensors erfolgt, während die Regelung des hydraulischen Drucks im geschlossenen Regelkreis auf Grundlage des Signals des Drucksensors durchgeführt wird. Bei Ausfall der ersten Partition kann dann vorgesehen sein, dass die Regelung der elektromotorischen Druckbereitstellungseinrichtung durch die zweite Partition ohne Motorpositionssignal auf Grundlage des gemessenen hydraulischen Drucks erfolgt. Verfahren zur Regelung bürstenloser Motoren ohne Motorpositionssignal sind bekannt und verwenden bspw. ein Ansteuerkonzept, bei dem jeweils eine der drei Phasen des Elektromotors zyklisch wechselnd als Sensorersatz verwendet wird. Die Regelung des hydraulischen Drucks erfolgt dabei weiterhin im geschlossenen Regelkreis auf Grundlage des Signals des Drucksensors.
Ein sicheres und zuverlässiges Selbstlöseverhalten der hydraulisch betätigten Radbremsen wird nach einer weiteren Ausführungsform dadurch erreicht, dass das hydraulische Teilbremssystem einen Bremsflüssigkeitsbehälter aufweist, wobei zwischen dem Bremsflüssigkeitsbehälter und den hydraulischen Radbremsen zwei in Reihe geschaltete stromlos offene Absperrventile angeordnet sind, wobei die Absperrventile dazu ausgebildet sind, eine hydraulische Verbindung zwischen den Radbremsen und dem Bremsflüssigkeitsbehälter steuerbar zu unterbrechen oder herzustellen, wobei die erste Partition des Bremsensteuergeräts dazu ausgebildet ist, ein erstes der Absperrventile anzusteuern und die zweite Partition des Bremsensteuergeräts dazu ausgebildet ist, ein zweites der Absperrventile anzusteuern. Der Bremsflüssigkeitsbehälter ist dabei bevorzugt so ausgelegt, dass innerhalb des Bremsflüssigkeitsbehälters Atmosphärendruck herrscht.
Auf diese Weise wird sichergestellt, dass bei einem Ausfall beider Partitionen, also einem Totalausfall des elektrohydraulischen Bremssystems, die Radbremsen mit Atmosphärendruck verbunden sind, sodass sich die Radbremsen problemlos lösen lassen und kein das Fahrzeug Destabilisierung des Restbremsmoment durch die
Radbremsen erzeugt wird. Im Normalbetrieb des Bremssystems, also bei voll funktionsfähiger erster und zweiter Partition, sind bevorzugt beide Absperrventile geschlossen, sodass ein durch die Druckberechnungseinrichtung erzeugten Druck vollständig in den Radbremsen anliegen kann. Durch die redundante Ausführung der Absperrventile ist dabei sichergestellt, dass auch bei Ausfall einer der Partitionen weiterhin ein Betrieb des elektrohydraulischen Teilbremssystems mittels der elektromotorischen Druckbereitstellungseinrichtung möglich bleibt, indem die Radbremsen einlassseitig von dem Bremsflüssigkeitsbehälter hydraulisch getrennt sind.
Nach einer weiteren Ausführungsform ist ferner vorgesehen, dass den hydraulischen Radbremsen jeweils Raddruckmodulationsventile zur radindividuellen Modulation eines durch die Druckbereitstellungseinrichtung bereitgestellten hydraulischen Drucks zugeordnet sind, wobei die zweite Partition des Bremsensteuergeräts dazu ausgebildet ist, die Raddruckmodulationsventile anzusteuern. Die Raddruckmodulationsventile umfassen dabei bevorzugt je Radbremse wenigstens ein Einlassventil und ein Auslassventil. Bei den Ventilen kann es sich insbesondere um analogisierte Magnetventile handeln, die eine sehr feine Regelung des anliegenden Drucks in den Radbremsen ermöglichen. Dabei sind die Einlassventile der Radbremsen jeweils bevorzugt stromlos offen gestaltet, während die Auslassventile der Radbremsen jeweils stromlos geschlossen sind. So kann auch bei Ausfall der zweiten Partition mithin einer fehlenden Steuerung der Raddruckmodulationsventile weiterhin durch die elektromotorische Druckbereitstellungseinrichtung ein hydraulischer Druck in den Radbremsen erzeugt werden.
Die erste und die zweite Partition des Bremsensteuergeräts weisen, wie zuvor beschrieben, bevorzugt eigenständige Mikrocontroller auf, die zur Umsetzung bestimmter Funktionen ausgebildet sind. Dabei kann der Gesamtaufbau des Bremsensteuergeräts nach einer Ausführungsform dadurch vereinfacht werden, dass das Bremsensteuergerät einen Steuerungs-Mikrocontroller aufweist, wobei der Steuerungs-Mikrocontroller zur Ansteuerung der Komponenten des elektrohydraulischen Teilbremssystems, insbesondere zur Ansteuerung der
Druckbereitstellungseinrichtung und der hydraulischen Ventile des elektrohydraulischen Teilbremssystems, ausgebildet ist, und wobei die erste und die zweite Partition jeweils dazu ausgebildet sind, auf den Steuerungs-Mikrocontroller zur Ansteuerung der den jeweiligen Partitionen zugeordneten Elemente des elektrohydraulischen Teilbremssystems zuzugreifen. Eine solche Auslegung beruht dabei auf der Überlegung, wie wahrscheinlich ein Ausfall eines solchen Steuerungs-Mikrocontrollers ist, und ob ein solcher Ausfall in Anbetracht der Wahrscheinlichkeit schwerer wiegt als die gesteigerte Komplexität des Bremsensteuergerät mit zwei unabhängigen Steuerungs-Mikrocontrollern. Der Steuerungs-Mikrocontroller wäre in diesem Fall weder Teil der ersten Partition noch Teil der zweiten Partition. Der Steuerungs-Mikrocontroller kann sich dabei insbesondere aus einem Motorsteuerungs-Mikrocontroller zur Ansteuerung des Elektromotors der elektromotorischen Druckbereitstellungseinrichtung und einem Ventilsteuerungsmikrocontroller zur Ansteuerung der Ventile des elektrohydraulischen Teilbremssystems zusammensetzen, wobei der jeweilige Regelungs-Mikrocontroller der Partitionen auf den Motorsteuerungs-Mikrocontroller und den Ventilsteuerungsmikrocontroller zur Umsetzung der jeweils zugeordneten Funktionalitäten zugreifen kann.
In einer hierzu alternativen Ausführungsform ist vorgesehen, dass das Bremsensteuergerät einen Motorsteuerungs-Mikrocontroller zur Ansteuerung des Elektromotors der elektromotorisch angetriebenen Druckbereitstellungseinrichtung aufweist, und die Partitionen jeweils einen Ventilsteuerungsmikrocontroller zur Ansteuerung der Ventile des elektrohydraulischen Teilbremssystems aufweisen, und wobei die erste und die zweite Partition jeweils dazu ausgebildet sind, auf den Motorsteuerungs-Mikrocontroller zur Ansteuerung des Elektromotors der elektromotorisch angetriebenen Druckbereitstellungseinrichtung zuzugreifen. In diesem Fall wäre demnach lediglich die Steuerung der elektromotorischen Druckbereitstellung Einrichtung nicht redundant ausgeführt, wobei beide Partitionen jeweils auf den entsprechenden Motorsteuerungs-Mikrocontroller zugreifen können.
Beiden vorstehend beschriebenen Ausführungsformen liegt dabei der Kerngedanke zugrunde, eine erforderliche Redundanz bei der Steuerung des Bremssystems mit möglichst geringem Bauteilaufwand darzustellen und dabei nur jeden Funktionsmodule bzw. Mikrocontroller doppelt auszuführen, die erwartungsgemäß eine hohe Ausfallrate aufweisen.
Nach einer weiteren Ausführungsform ist ferner vorgesehen, dass die Betätigungsvorrichtung wenigstens zwei Sensorvorrichtungen zur Erfassung einer Betätigung der Betätigungsvorrichtung aufweist, wobei eine erste der Sensorvorrichtungen mit der ersten Partition des Bremsensteuergeräts direkt verbunden ist, und wobei eine zweite der Sensorvorrichtungen mit der zweiten Partition des Bremsensteuergeräts direkt verbunden ist. Auf diese Weise wird sichergestellt, dass zum einen jede der Partitionen separat eine Steuerung und Regelung der erzeugten Bremskräfte vornehmen kann, während gleichzeitig sichergestellt wird, dass bei Ausfall einer der Sensorvorrichtung der Betätigungsvorrichtung weiterhin eine sichere Erfassung und Verarbeitung einer Betätigung durch den Fahrzeugführer gewährleistet ist. Bevorzugt sind dabei die Sensorvorrichtung jeweils mit dem Regelungs-Mikrocontroller der jeweiligen Partition verbunden.
Das elektrohydraulische Teilbremssystem kann dabei besonders kompakt ausgeführt werden und die Signalwege sehr kurz gehalten werden, wenn nach einer Ausführungsform das Bremsensteuergerät als Teil des elektrohydraulischen Teilbremssystems ausgebildet ist. Dabei sind bevorzugt die Ventile und die elektromotorischen Druckbereitstellungseinrichtung des elektrohydraulischen Teilbremssystems in einem gemeinsamen Ventilblock bzw. einer hydraulischen Steuereinheit angeordnet, wobei die hydraulische Steuereinheit ferner auch mit einem Bremsflüssigkeitsbehälter ausgestattet sein kann. Das Bremsensteuergerät in Form der entsprechenden Platinen kann dann direkt an der hydraulischen Steuereinheit angeordnet sein, sodass sich ein sehr kompaktes Gesamtpaket ergibt. Zur Herstellung des Gesamt Bremssystems muss eine solche Anordnung lediglich hydraulisch mit den hydraulischen Radbremsen und elektrisch mit den
elektromechanischen Radbremsen, dem Bordnetz und der Betätigungsvorrichtung verbunden werden.
Zur Übertragung von Steuerinformationen von den Partitionen des Bremsensteuergeräts zu den elektromechanischen Radbremsen ist nach einer weiteren Ausführungsform vorgesehen, dass die erste und die zweite Partition des Bremsensteuergeräts jeweils über einen Datenbus, beispielsweise einen CAN-Bus, mit dem elektromechanischen Teilbremssystem verbunden sind. So können beide Partitionen gleichermaßen zur Steuerung des elektromechanischen Teilbremssystems Informationen über den Datenbus übermitteln.
Nach einer weiteren Ausführungsform ist ferner vorgesehen, dass die erste und die zweite Partition des Bremsensteuergeräts jeweils über eine Kommunikationsschnittstelle mit weiteren Steuergeräten des Kraftfahrzeugs verbunden sind. Auf diesem Weg können beispielsweise Steuerinformationen von automatisierten Fahrfunktion empfangen werden, wie beispielsweise von einem Autopiloten. Ferner können so weitere Informationen bezüglich der Fahrlage des Fahrzeugs, insbesondere in Form von Informationen bezüglich des Gierwinkels oder Nickwinkels des Fahrzeugs, bei der Regelung der Bremskräfte berücksichtigt werden.
Die Redundanz der Ansteuerung des Bremssystems wird dabei nach einerweiteren Ausführungsform dadurch verbessert, dass die erste Partition und die zweite Partition des Bremsensteuergeräts über eine Datenverbindung miteinander verbunden sind. So können beispielsweise von der Betätigungsvorrichtung empfangene Betätigungssignale zwischen den Partitionen ausgetauscht werden, insbesondere wenn eine der Sensorvorrichtung der Betätigungsvorrichtung ausgefallen ist. Ferner kann auf diese Weise auch eine Plausibilität der empfangenen Betätigungssignale, wie auch von weiteren in den jeweiligen Partitionen vorliegenden Signalen des Bremssystems überwacht werden.
Zur Bereitstellung einer redundanten Energieversorgung ist nach einer weiteren Ausführungsform vorgesehen, dass das Bremssystem zwei unabhängige
Energiequellen als Energieversorgung aufweist, wobei eine erste der Energiequellen die erste Partition des Bremsensteuergeräts und eine erste der elektromechanischen Radbremsen mit Energie versorgt und eine zweite der Energiequellen die zweite Partition des Bremsensteuergeräts und eine zweite der elektromechanischen Radbremsen mit Energie versorgt. Wie zuvor bereits ausgeführt wurde, handelt es sich bei den Energieversorgungen beispielsweise um getrennte Bordnetze des Fahrzeuges. Bei dieser Variante bleibt auch bei Ausfall einer der beiden Energieversorgungen wenigstens eine Partition des Bremsensteuergerät und mithin das elektrohydraulischen Teilbremssystem und eine elektromechanische Radbremse des elektromechanischen Teilbremssystems verfügbar. Bei einer Aufteilung, bei der das elektrohydraulischen Teilbremssystem auf die Vorderachse des Fahrzeugs wirkt, während das elektromechanische Teilbremssystem auf die Hinterachse des Fahrzeugs wirkt, ist somit auch bei Ausfall einer der Energieversorgungen das Abbremsen des Fahrzeuges mit beiden Vorderradbremsen und einer Hinterradbremse weiterhin möglich. Auch eine eventuell vorhandene Parkbremsfunktion der elektromechanischen Radbremsen bleibt für wenigstens eine Radbremse erhalten.
Diese Variante zeichnet sich demnach mit einer hohen Verfügbarkeit der normal Bremsfunktion, wie auch der Parkbremsfunktion aus. Dabei ist bevorzugt sicherzustellen, dass Fehler in dem Bremsensteuergerät und insbesondere in der Partition, die dem elektrohydraulischen Teilbremssystem zugeordnet ist, nicht zum Ausfall bei der Energieversorgung führen können. Hierzu können beispielsweise thermische Sicherungen und Abdichtungen zwischen den Partitionen vorgesehen sein. Ferner können außerhalb des Bremsensteuergerät Trennscheibe der vorgesehen sein, die des Bremsensteuergerät im Fehlerfall von der jeweiligen Energieversorgung abtrennen können.
In einer hierzu alternativen Ausgestaltung ist nach einer weiteren Ausführungsform vorgesehen, dass das Bremssystem zwei unabhängige Energiequellen, insbesondere Bordnetze des Kraftfahrzeugs, als Energieversorgung aufweist und mit einem zweiten Steuergerät verbunden ist, wobei eine erste der Energiequellen die erste und zweite Partition des Bremsensteuergeräts mit Energie versorgt und
eine zweite der Energiequellen die elektromechanischen Radbremsen und das zweite Steuergerät mit Energie versorgt, wobei das zweite Steuergerät mit der Bremsbetätigungseinheit und mit dem elektromechanischen und dem elektrohydraulischen Bremssystem zur Datenübertragung verbunden ist. In einer solchen Konfiguration ist es nicht mehr notwendig, die Partitionen vollständig zu entkoppeln, da beide Partitionen von derselben Energieversorgung gespeist werden. In diesem Fall würde bei einem Ausfall der ersten Energieversorgung das elektrohydraulischen Teilbremssystem nicht mehr zur Verfügung stehen, jedoch wäre weiterhin eine Verzögerung des Fahrzeugs mittels des elektromechanischen Teilbremssystems möglich.
Durch die Verbindung zwischen dem zweiten Steuergerät und der Bremsbetätigungseinheit ist dabei weiterhin die Erfassung eines Fahrerbremswunsches in Form eines Betätigungssignale möglich, wobei das zweite Steuergerät die Radbremsen des elektromechanischen Teilbremssystems entsprechend zur Umsetzung des Bremswunsches ansteuern kann. Das zweite Steuergerät kann insbesondere in Form eines Zonenrechners ausgebildet sein, also einer Steuereinheit, die nicht zwingend nur der Bremsfunktion des Fahrzeugs zugeordnet ist, sondern beispielsweise auch weitere Funktionen der Fahrzeugsteuerung übernimmt. Ferner kann es sich bei dem zweiten Steuergerät auch um eine Radsteuereinheit (WCU) einer der elektromechanischen Radbremsen handeln.
Dabei ist nach einer weiteren Ausführungsform ferner vorgesehen, dass die zweite Energiequelle zusätzlich dazu ausgebildet ist, die erste und zweite Partition des Bremsensteuergeräts mit Energie zu versorgen, wobei eine Schalteinrichtung vorgesehen ist, wobei die Schalteinrichtung dazu ausgebildet ist, die Energieversorgung der ersten und zweiten Partition des Bremsensteuergeräts zwischen der ersten und zweiten Energiequelle umzuschalten.
So kann sichergestellt werden, dass zu jedem Zeitpunkt lediglich eine der beiden Energiequellen die Partitionen und das elektrohydraulischen Teilbremssystem mit Energie versorgt. Bei Ausfall einer der beiden Energiequellen wird dann
automatisch auf die jeweils andere Energiequelle umgeschaltet, sodass keine elektrischen Rückwirkungen auf die ausgefallene oder noch intakte Energiequelle auftreten können. Dabei kann ferner vorgesehen sein, dass eine der elektromechanischen Radbremsen von der ersten Energiequelle und die jeweils andere elektrischen Radbremse von der zweiten Energiequelle mit Energie versorgt werden, dass auch bei Ausfall einer der Energiequellen weiterhin die in den elektromechanischen Radbremsen implementierte Parkfunktion erhalten bleibt.
In einem weiteren Aspekt betrifft die Erfindung eine elektrohydraulische Bremsvorrichtung für ein Bremssystem, wie es zuvor beschrieben wurde. Insbesondere kann die elektrohydraulische Bremsvorrichtung dabei das Bremsensteuergerät, die elektromotorisch angetriebene Druckbereitstellungseinrichtung, sowie die beschriebenen Ventile des elektrohydraulischen Teilbremssystems umfassen.
Im Folgenden werden bevorzugte Ausgestaltung der Erfindung anhand der Zeichnungen näher erläutert. Dabei zeigen:
Figur 1 eine schematische Darstellung eines ersten beispielhaften Bremssystems,
Figur 2 eine schematische Darstellung eines zweiten beispielhaften Bremssystems,
Figur 3 eine schematische Darstellung eines dritten beispielhaften Bremssystems,
Figur 4 eine schematische Darstellung eines vierten beispielhaften Bremssystems,
Figur 5 einen hydraulischen Schaltplan eines beispielhaften elektrohydraulischen Teilbremssystems,
Figur 6 einen hydraulischen Schaltplan eines gegenüber Figur 5 abgewandelten elektrohydraulischen Teilbremssystems,
Figur 7 eine schematische Darstellung eines ersten beispielhaften elektrischen Konzepts eines Bremssystems,
Figur 8 eine schematische Darstellung eines zweiten beispielhaften elektrischen Konzepts eines Bremssystems und
Figur 9 eine schematische Darstellung eines dritten beispielhaften elektrischen Konzepts eines Bremssystems.
Im Folgenden werden einander ähnliche oder identische Merkmale mit denselben Bezugszeichen gekennzeichnet.
Die Figur 1 zeigt eine schematische Darstellung eines ersten beispielhaften Bremssystems 100, wobei das Bremssystem 100 ein elektrohydraulisches Teilbremssystem 102 und ein elektromechanisches Teilbremssystem 104 aufweist. Das elektrohydraulische Teilbremssystem 102 setzt sich dabei aus einer hydraulischen Steuereinheit 106 und zwei hydraulisch betätigten Radbremsen 108 zusammen, wobei die hydraulisch betätigten Radbremsen 108 der Vorderachse des dargestellten Kraftfahrzeugs 110 zugeordnet sind. Auf den konkreten Aufbau der hydraulischen Steuereinheit 106, welche zur Bereitstellung eines hydraulischen Drucks für die Radbremsen 108 ausgebildet ist, wird im Folgenden noch mit Bezug auf die Figuren 5 und 6 eingegangen.
Das elektromechanische Teilbremssystem 104 weist den Hinterrädern des Kraftfahrzeugs 110 zugeordnete elektromechanisch betätigte Radbremsen 112 auf, wobei die elektromechanisch betätigten Radbremsen 112 jeweils einen Kraftsteller 114 und eine Radsteuereinheit (WCU) 116 aufweisen. Die Radsteuereinheiten 116 sind dabei dazu ausgebildet, auf Grundlage eines Steuersignals die Kraftsteller 114 zur Erzeugung einer Bremskraft anzusteuern.
Das Bremssystem 100 weist ferner ein Bremsensteuergerät 118 auf, wobei das Bremsensteuergerät 118 in der Figur 1 als Teil des elektrohydraulischen Teilbremssystems 104 dargestellt ist. Das Bremsensteuergerät 118 weist dabei Steuerlogik zur Steuerung des gesamten Bremssystems 100 auf und ist in zwei Partitionen 120 und 122 unterteilt. Bei den Partitionen kann es sich beispielsweise um unterschiedliche und voneinander unabhängige Bereiche einer Platine oder um separate Platinen innerhalb des Bremsensteuergerät 118 handeln. Ferner weist das Bremssystem 100 eine Betätigungsvorrichtung 124 auf, wobei die Betätigungsvorrichtung 124 in Form eines elektrischen Pedals (ePedal) ausgebildet ist. Dementsprechend besteht keine direkte mechanische oder hydraulische Verbindung zwischen der Betätigungsvorrichtung 124 und den Radbremsen 108, sodass eine direkte Betätigung der Radbremsen 108 mittels der Betätigungsvorrichtung 124 nicht möglich ist.
Schließlich weist das Bremssystem 100 eine redundante Energieversorgung auf, wobei die Energieversorgung durch zwei unabhängige Energiequellen 126 und 128 in Form voneinander unabhängiger Bordnetze bereitgestellt wird. Dabei wird eine erste der Partitionen 120 sowie eine der elektromechanischen Radbremsen 112 durch eine erste der Energiequellen 126 mit Energie versorgt, während eine zweite der Partitionen 122 sowie die jeweils andere elektromechanische Radbremse 112 durch eine zweite der Energiequellen 128 mit Energie versorgt wird.
Die Betätigungsvorrichtung 124 weist in der dargestellten Ausführung bevorzugt zwei Sensorvorrichtungen zur Bestimmung von Betätigungssignalen bzw. zur Detektion eines Betätigungsgrades der Betätigungsvorrichtung 124 auf. Dabei kann es sich beispielsweise um Wegsensoren, Winkelsensoren oder Kraftsensoren handeln. Dabei ist ein erster diese Sensoren direkt mit der ersten Partition 120 und ein zweiter diese Sensoren mit der zweiten Partition 122 direkt verbunden, beispielsweise über SENT-Schnittstelle, sodass entsprechende Betätigungssignale an beide Partitionen 120 und 122 redundant übermittelt werden.
Die Partitionen 120 und 122 sind dabei über einen Datenbus, insbesondere einen CAN-Bus miteinander verbunden, sodass beispielsweise die empfangenen
Betätigungssignale zwischen den Partitionen 120 und 122 ausgetauscht werden können. Ferner weist das Bremssystem einen Datenbus 130, insbesondere einen CAN-Bus auf, wobei die erste Partition 120 die zweite Partition 122 sowie die Rad Steuereinheiten 116 über den Datenbus 130 miteinander verbunden sind.
In der hier dargestellten Konfiguration des Bremssystems 100 ist gewährleistet, dass auch bei Ausfall einer der Energiequellen 126 oder 128 jeweils noch eine der Partitionen 120 oder 122 verfügbar bleibt, sodass weiterhin das elektrohydraulische Teilbremssystem 102 und einer der elektromechanischen Radbremsen 112 zur Verzögerung des Kraftfahrzeugs 100 genutzt werden können. Folglich kann das Kraftfahrzeug 100 weiterhin mit beiden Bremsen der Vorderachse und mit einer Bremse der Hinterachse verzögert werden. Sofern in den elektromechanischen Radbremsen 112 auch eine Parkbremsfunktion implementiert ist, bleibt die Parkbremsfunktion auch bei Ausfall eine der Energiequellen 126 oder 128 wenigstens ein Hinterrad des Kraftfahrzeugs 110 noch erhalten. Die elektronische Umsetzung der Redundanz der Ansteuerung des elektrohydraulischen Teilbremssystems 102 durch die Partitionen 120 und 122 wird im Folgenden noch mit Bezug auf die Figuren 7 bis 9 beschrieben.
Die in der Figur 1 gezeigte Konfiguration des Bremssystems 100 führt demnach zu einer hohen Verfügbarkeit sowohl der normal Bremsfunktion als auch der Parkbremsfunktion. Dabei bevorzugt sichergestellt, dass ein Fehler in einer der Partitionen 120 oder 122 nicht zu einem Ausfall beider Energiequellen 126 oder 128 und kann. Hierzu kann beispielsweise eine thermische Sicherung und Abdichtung zwischen den Partitionen 120 und 122 vorgesehen sein. Ferner kann hier auch die Verwendung von Trennschaltern, die das Bremsensteuergerät 118 im Fehlerfall von den Energiequellen 126 oder 128 entkoppeln, vorgesehen sein.
Die Figur 2 zeigt eine schematische Darstellung eines zweiten beispielhaften Bremssystems 100, dass sich im Grundaufbau des Bremssystems 100 im Wesentlichen nur bezüglich der Anbindung der einzelnen Komponenten des Bremssystems 100 an die Energiequellen 126 und 128 unterscheidet. Ferner ist in dem Bremssystem 100 der Figur 2 ein zusätzliches zweites Steuergerät 132
vorgesehen. Dabei ist in der dargestellten Variante des Bremssystems 100 vorgesehen, dass das Bremsensteuergerät 118 und mithin beide Partitionen 120 und 122 ausschließlich von der ersten Energiequelle 126 mit Energie versorgt werden. Damit ist es in dieser Ausgestaltung auch nicht zwingend erforderlich, die Partitionen 120 und 122 voneinander zu entkoppeln, da eine Beeinflussung der zweiten Energiequelle 128 durch einen elektrischen Fehler in dem Bremsensteuergerät 118 ausgeschlossen ist. Ferner werden beide elektromechanischen Radbremsen 112 des elektromechanischen Teilbremssystems 104 durch die zweite Energiequelle 128 mit Energie versorgt. Zusätzlich sind die Partitionen 120 und 122 lediglich mit einem der Sensoren der Betätigungsvorrichtung 124 verbunden.
Folglich kann in diesem Szenario bei einem Ausfall der ersten Energiequelle 126 das Fahrzeug nur noch über die elektromechanischen Radbremsen 112 des elektromechanischen Teilbremssystems 104 verzögert werden. Um in einem solchen Ausfallszenario den Fahrer Bremswunsch weiterhin sicher erfassen zu können und die Radsteuereinheiten 116 der elektromechanischen Radbremsen 112 weiterhin mit entsprechenden Steuerinformationen versorgen zu können, ist einer der Sensoren der Betätigungsvorrichtung 124 m it der zweiten Steuergerät 132 verbunden. Die zweite Steuergerät 132 wird dabei durch die zweite Energiequelle 128 mit Energie versorgt und ist mit dem Datenbus 130 verbunden. Folglich kann bei Ausfall des elektrohydraulischen Teilbremssystems 102 infolge einer Fehlfunktion der ersten Energiequelle 126 ein Fahrerbremswunsch durch das zweite Steuergerät 132 weiterhin verarbeitet und an die elektromechanischen Radbremsen 112 bzw. die Radsteuereinheiten 116 übermittelt werden, wobei die Radsteuereinheiten 116 dann dazu ausgebildet sind, die Radbremsen 112 bzw. Kraftsteller 114 entsprechend zur Umsetzung des Fahrerbremswunsches anzusteuern.
Das zweite Steuergerät 132 kann insbesondere als Zonenrechner ausgebildet sein. Dabei ist unter einem Zonenrechner eine Steuereinheit zu verstehen, die neben Funktionen des Bremssystems auch weitere Fahrfunktionen oder Steuerungsfunktion des Kraftfahrzeugs 110 implementiert. Alternativ kann
vorgesehen sein, dass eine der Radsteuereinheiten 116 die Funktion des zweiten Steuergeräts 132 übernimmt und folglich auch direkt mit einem der Sensoren der Betätigungsvorrichtung 124 verbunden ist. Fällt in der dargestellten Konfiguration die zweite Energiequelle 128 aus, können beide elektromechanischen Radbremsen 112 nicht mehr angesteuert werden, sodass gegebenenfalls auch eine Parkbremsfunktion nicht mehr verfügbar ist.
Die Figur 3 zeigt eine weitere schematische Darstellung eines Dritten beispielhaften Bremssystems 100, wobei sich das in der Figur 3 dargestellte Bremssystem von der Variante der Figur 2 darin unterscheidet, dass das Bremsensteuergerät 118 und mithin das elektrohydraulische Teilbremssystem 102 mit der ersten Energiequelle 126 und der zweiten Energiequelle 128 verbunden ist, wobei zwischen dem Bremsensteuergerät 118 und den Energiequellen 126 und 128 eine Schalteinrichtung 134 angeordnet ist. Durch die Schalteinrichtung 134 ist sichergestellt, dass zu jedem Zeitpunkt nur eine der Quellen 126 oder 128 das Bremsensteuergerät 118 mit Energie versorgt. Dabei ist ferner vorgesehen, dass bei Ausfall einer der Energiequellen 126 oder 128 auf die jeweils andere Energiequelle durch die Schalteinrichtung 134 umgeschaltet wird. Hierdurch können Fehler innerhalb des elektrohydraulischen Teilbremssystems 102 und innerhalb des Bremsensteuergerät 118 keine Rückwirkungen auf beide Energiequellen 126 und 128 haben.
Ferner ist in der Konfiguration der Figur 3 vorgesehen das eine der elektromechanischen Radbremsen 112 von der ersten Energiequelle 126 mit Energie versorgt wird, während die jeweils andere elektromechanische Radbremse 112 von der zweiten Energiequelle 128 mit Energie versorgt wird. Folglich ist in dieser Konfiguration bei Ausfall einer der Energiequellen 126 oder 128 weiterhin die Parkbremsfunktion einer der elektromechanischen Radbremsen 112 verfügbar die in der Figur 4 dargestellte schematische Darstellung eines vierten beispielhaft Bremssystems 100 zeigt im Wesentlichen die Konfiguration der Figur 3, wobei hier eine der Radsteuereinheiten 116 die Funktion des zweiten Steuergeräts 132 übernimmt, sodass das zweite Steuergerät 132 in dem hier dargestellten Bremssystem 100 nicht berücksichtigt wird. Dementsprechend ist in diesem Fall die
Radsteuereinheit 116 der hinteren linken elektromechanischen Radbremse 112 direkt mit der Betätigungsvorrichtung 124 verbunden.
Die Figur 5 zeigt nun einen hydraulischen Schaltplan eines beispielhaften elektrohydraulischen Teilbremssystems 102. Das elektrohydraulische Teilbremssystem 102 weist dabei einen Hydraulikblock 200 auf, wobei in dem Hydraulikblock 200 eine elektromotorische Druckbereitstellungseinrichtung 202 mit einem Motorpositionssensor 214, zwei in Reihe geschaltete Absperrventile 204 und 206, zwei parallel geschaltete Druckzuschaltventile 208 und 210, ein Drucksensor 212 sowie je Radbremse ein Einlassventil 216 und ein Auslassventil 218 angeordnet sind. Ferner ist der Hydraulikdruck 200 mit einem Bremsflüssigkeitsbehälter 220 und den hydraulisch betätigten Radbremsen 108 verbunden. Ferner sind in der Figur 5 die Partitionen 120 und 122 des Bremsensteuergerät 118 dargestellt. Die elektromotorischer Druckbereitstellungseinrichtung 202 wird dabei bevorzugt durch einen bürstenlosen Elektromotor angetrieben, dessen Ansteuerung von beiden Partitionen 120 und 122 des Bremsensteuergerät 118 erfolgen kann.
Die elektromotorischen Druckbereitstellungseinrichtung 202 ist dabei hydraulisch mit den Radbremsen 108 verbunden, wobei zwischen den Radbremsen 108 der elektromotorischen Druckbereitstellungseinrichtung 202 die parallelgeschalteten Druckzuschaltventile 208 und 210 angeordnet sind. Die Druckzuschaltventile 208 und 210 sind dabei als stromlos geschlossene Ventile ausgebildet, wobei die Druckzuschaltventil 208 und 210 bevorzugt so ausgestaltet sind, dass bei einem ausreichend hohen von der Druckbereitstellung Einrichtung 202 erzeugten Druck die Druckzuschaltventil 208 und 210 öffnen. Ferner ist zwischen den Druckzuschaltventilen 208 und 210 und den Radbremsen 108 der Drucksensor 212 sowie je Radbremse 108 ein stromlos offenes Einlassventil 216 angeordnet. Die Einlassventile 216 sind dabei bevorzugt als analogisierte Magnetventile zur Modulation eines durch die Druckbereitstellungseinrichtung 202 erzeugten Drucks ausgebildet.
Die Radbremsen108 sind wiederum über die Auslassventile 218 mit dem Bremsflüssigkeitsbehälter 220 verbunden, wobei die Auslassventile 218 als stromlos geschlossene Ventile ausgebildet sind. Schließlich sind die Radbremsen 108 einlassseitig mit dem Bremsflüssigkeitsbehälter 220 verbunden, wobei zwischen dem Bremsflüssigkeitsbehälter 220 und den Radbremsen 108 zwei in Reihe geschaltete Absperrventile 204 und 206 angeordnet sind. Die Absperrventile 204 und 206 sind dabei als stromlos offene Ventile ausgebildet, sodass bei einem Ausfall der Energieversorgung des Bremssystems 100 die Radbremsen 108 hydraulisch mit dem Bremsflüssigkeitsbehälter 220 verbunden sind. Auf diese Weise kann aufgrund des in dem Bremsflüssigkeitsbehälter 220 herrschenden Atmosphärendruck ein in den Radbremsen 108 eventuell anliegender Bremsdruck abgebaut werden, sodass im Fehlerfall kein Restbremsmoment durch die Radbremsen 108 erzeugt wird.
Die Partitionen 120 und 122 sind dabei jeweils zur Ansteuerung unterschiedlicher Elemente des elektrohydraulischen Teilbremssystems 102 ausgebildet. Die erste Partition 120 ist dabei zur Ansteuerung eines ersten der Absperrventile 204 und eines ersten der Druckzuschaltventile 210 sowie zur Ansteuerung der Druckbereitstellungseinrichtung 202 ausgebildet, während die zweite Partition 122 zur Ansteuerung eines zweiten der Absperrventil 206 und eines zweiten der Druckzuschaltventile 210 und zur Steuerung der Einlassventile 216 und der Auslassventile 218 ausgebildet ist. Ferner ist auch die zweite Partition 122 bevorzugt dazu ausgebildet, die Druckbereitstellungseinrichtung 202 anzusteuern. Dies wird im Folgenden noch näher erläutert.
Im Normalbetrieb des dargestellten elektrohydraulischen Teilbremssystems 102 sind die beiden Absperrventil 204 und 206 geschlossen, während die Druckzuschaltventile 208 und 210 geöffnet sind, sodass eine direkte hydraulisch Verbindung zwischen der Druckbereitstellungseinrichtung 202 und den Radbremsen 108 steht. Der dann von der Druckbereitstellungseinrichtung 202 auf Grundlage eines Betätigungssignals bereitgestellte hydraulische Druck kann dann durch die Einlassventile 216 und die Auslassventile zweimal 18 für die Radbremsen 108 jeweils individuell moduliert werden, wodurch insbesondere
ABS-Regelfunktionen umgesetzt werden können. Die Steuerung der Druckbereitstellungseinrichtung 202 erfolgt dabei bevorzugt auf Grundlage eines Signals des Motorpositionssensors 214, während die Regelung des Drucks in dem elektrohydraulischen Teilbremssystem 102 auf Grundlage eines durch den Drucksensor 212 ermittelten Drucks erfolgt.
Wenn hierbei beispielsweise infolge einer ABS Regelung die Druckbereitstellungseinrichtung 202 ihren maximalen Hub ausgenutzt hat, sodass kein weiterer hydraulische Druck durch die Druckbereitstellungseinrichtung 202 erzeugt werden kann, ist dabei vorgesehen, dass die Druckzuschaltventile 208 und 210 geschlossen werden, sodass die Druckbereitstellungseinrichtung 202 durch zurückfahren des Druckkolbens Hydraulikflüssigkeit aus dem Bremsflüssigkeitsbehälter 220 nachsaugen kann, ohne hierbei die in den Radbremsen 108 anliegenden Drücke zu verändern.
Bei einem Ausfall einer der Partitionen 120 oder 122 kann in der dargestellten hydraulischen Konfiguration stets weiterhin durch die jeweils andere Partition die Verbindung zwischen dem Bremsflüssigkeitsbehälter 220 und den Radbremsen 108 mittels des jeweiligen Absperrventils 204 oder 206 unterbrochen werden, sodass ein durch die Druckbereitstellungseinrichtung 202 erzeugter Druck den Radbremsen 108 zugeführt wird. Ferner kann bei Ausfall einer der Partitionen 120 oder 122 auch weiterhin gezielt die hydraulische Verbindung zwischen der Druckbereitstellungseinrichtung 202 und den Radbremsen 108 durch eine entsprechende Ansteuerung der Druckzuschaltventile 208 und 210 hergestellt oder unterbrochen werden. Erst bei einem Ausfall beider Partitionen 120 und 122 ist eine Nutzung des elektrohydraulischen Teilbremssystems 102 nicht mehr möglich. In diesem Fall sind jedoch beide Absperrventile 204 und 206 geöffnet, sodass der in den Radbremsen 108 anliegende Bremsdruck auf Atmosphärenniveau ausgeglichen wird und kein Restbremsmoment stehen bleibt.
Die Figur 6 zeigt einen hydraulischen Schaltplan eines gegenüber dem zuvor mit Bezug auf Figur 5 beschriebenen elektrohydraulischen Teilbremssystems 102 nur geringfügig abgewandelten Systems. Dabei ist lediglich in der Figur 6 das zweite
Druckzuschaltventil 210, welches durch die zweite Partition 122 gesteuert wird, entfallen. Dabei ist das erste Druckzuschaltventil 208, welches durch die erste Partition 120 gesteuert wird, bevorzugt so ausgebildet, dass bei einem ausreichend hohen durch die Druckbereitstellungseinrichtung 202 erzeugten Druck das Druckzuschaltventil 208 öffnet, sodass der erzeugte Druck in den Radbremsen 108 verfügbar ist. Dementsprechend kann in dieser Konfiguration auch bei einem Ausfall der ersten Partition 120 weiterhin eine Ansteuerung der Radbremsen 108 durch die Druckbereitstellungseinrichtung 202 erfolgen. Ein Druckabbau aus den Radbremsen 108 kann in diesem Fall nur noch über die Auslassventile 218 und nicht mehr über die Druckbereitstellungseinrichtung 202 erfolgen. Hierzu können die Auslassventile 218 durch die zweite Partition 122 mittels entsprechend dimensionierte Pulse so angesteuert werden, dass sie kurzzeitig öffnen um den in den Radbremsen 108 anliegenden Druck gezielt abzubauen.
Die Figur 7 zeigt eine schematische Darstellung eines ersten beispielhaften elektrischen Konzepts eines Bremsensteuergeräts 118 eines Bremssystems 100, wie es zuvor beschrieben wurde. Die Figur 7 zeigt hierzu schematisch die erste Partition 120 und die zweite Partition 122, wobei die Partitionen 120 und 122 jeweils Funktionsmodule in Form von Mikrocontroller aufweisen. Die Partitionen 120 und 122 sind dabei jeweils mit dem Datenbus 130 bzw. einer Kommunikationsschnittstelle verbunden, sowie jeweils mit einer Sensorvorrichtung der Betätigungsvorrichtung 124 verbunden, sodass beide Partitionen 120 und 122 unabhängig voneinander einen Fahrerbremswunsch umsetzen können, sowie den Bremswunsch eines automatisierten Fahrsystems empfangen können. Ferner kann über die Kommunikationsschnittstelle auch eine Statusmeldung des Bremssystems 100 an weitere Steuergeräte des Kraftfahrzeugs übermittelt werden.
Die beiden Partitionen 120 und 122 weisen jeweils drei Funktionsmodule auf, wobei ein erstes Funktionsmodul 302 als Regelungs-Mikrocontroller, ein zweites Funktionsmodul 304 als Motorsteuerungs-Mikrocontroller und ein drittes Funktionsmodul 306 als Ventilsteuerungsmikrocontroller ausgebildet ist. Dabei werden die Betätigungssignale der Betätigungsvorrichtung 124 zunächst dem Regelungs-Mikrocontroller 302 zugeführt, wobei der Regelungs-Mikrocontroller 302
dazu ausgebildet ist Bremsenregelfunktionen, wie beispielsweise ABS Regelung durchzuführen. Hierzu kann der Regelungs-Mikrocontroller auch auf weitere Signale des Kraftfahrzeugs 110, insbesondere Raddrehzahlen und Beschleunigungswerte zurückgreifen, die beispielsweise über den Datenbus 130 empfangen werden. Ausgehend von den empfangenen Signalen gibt der Regelungs-Mikrocontroller 302 entsprechende Steuerinformationen an den Motorsteuerungs-Mikrocontroller 304 und den Ventilsteuerungsmikrocontroller 306 weiter.
Ferner ist der Regelungs-Mikrocontroller 302 der ersten Partition 120 mit dem Regelungs-Mikrocontroller 302 der zweiten Partition 122 verbunden, sodass entsprechende Steuerungsinformationen und insbesondere die empfangenen Betätigungsinformationen auch zwischen den Partitionen 120 und 122 ausgetauscht werden können. Folglich kann im Normalbetrieb die Steuerung des Bremssystems 100 auf Grundlage beider Betätigungssignale durchgeführt werden, während bei Ausfall einer der Partitionen 120 oder 122 der Fahrerbremswunsch in Form des entsprechenden Betätigungssignale in der noch aktiven Partition weiterhin verarbeitet werden kann. Ferner ist der Regelungs-Mikrocontroller 302 dazu ausgebildet, Steuerinformationen für die Radsteuereinheiten 116 der elektromechanischen Radbremsen 112 zu ermitteln und über den Datenbus 130 an die Radsteuereinheiten 116 zu übermitteln.
Die Motorsteuerungs-Mikrocontroller 304 beider Partitionen 120 und 122 sind dabei grundsätzlich zur Steuerung des Elektromotors 308 der elektromotorischen Druckbereitstellungseinrichtung 202 ausgebildet, während die Ventilsteuerungsmikrocontroller 306 bei der Partitionen 120 und 122 jeweils dazu ausgebildet sind, die den Partitionen 120 und 122 zugeordneten Ventile des elektrohydraulischen Teilbremssystems 102 anzusteuern.
Hierzu ist vorgesehen, dass der Motorpositionssensor 214 mit der ersten Partition 120 verbunden ist, während der hydraulische Drucksensor 212 mit der zweiten Partition 122 verbunden ist. Im Normalbetrieb, d. h. solange beide Partitionen 120 und 122 voll funktionsfähig sind, wird die Regelung des Elektromotors 308 mit dem
Signal des Motorpositionssensors 214 durchgeführt, während die Regelung des hydraulischen Drucks in dem elektrohydraulischen Teilbremssystem 102 im geschlossenen Regelkreis mit dem Signal des Drucksensors 212 durchgeführt wird. Bei Ausfall der ersten Partition 120 kann hingegen die Regelung des Elektromotors 308 in der zweiten Partition 122 ohne das Signal des Motorpositionssensors 214 weiterhin durchgeführt werden. Hierzu kann beispielsweise ein Ansteuerkonzept verwendet werden, bei dem jeweils eine der drei Phasen des Elektromotors 308 zyklisch wechselnd als Sensorersatz verwendet wird. Bei dieser Regelungsart können Dynamik und Maximalmoment des Elektromotors 308 begrenzt sein. Dies ist für den Betrieb in einer Rückfallebene, also bei Vorliegen der Teilfehlfunktion des Bremssystems 100, jedoch akzeptabel. Die Regelung des hydraulischen Drucks erfolgt in diesem Fall bevorzugt weiterhin im geschlossenen Regelkreis mit dem Signal des Drucksensors 212.
Bei Ausfall der zweiten Partition 122 kann der hydraulische Druck nicht mehr im geschlossenen Regelkreis eingestellt werden, da das Signal des Drucksensors 212 nicht mehr verfügbar ist. Stattdessen kann in diesem Fall anhand einer bekannten Druck-Volumenkennline der hydraulischen Vorderradbremsen 108 die notwendige Volumenverschiebung berechnet und diese mit Hilfe des Signals des Motorpositionssensors 214 realisiert werden.
Die Redundanz des dargestellten und beschriebenen elektrohydraulischen Teilbremssystems 102 kann dabei in verschiedenen Abstufungen bereitgestellt werden. Bei der in der Figur 7 dargestellten Variante, in der der Ausfall einer der Partitionen 120 oder 122 nahezu vollständig von der jeweils anderen Partition kompensiert werden kann, ist hierzu vorgesehen, dass alle Funktionsmodule in jeder Partition 120 und 122 vollständig enthalten sind. Eine solche Ausgestaltung kann jedoch je nach Auslegung des Elektromotors 308 und dessen Ansteuerung auch nachteilig sein, insbesondere bei Auslegung des Elektromotors 308 als bürstenloser Motor mit dreiphasigem Wicklungssystem, wobei beide Motorsteuerungs-Mikrocontroller 304 mit demselben Wicklungssystem verbunden sind. Hierbei besteht beispielsweise die Möglichkeit, dass ein elektrischer Fehler, insbesondere ein Kurzschluss, in einem der Motorsteuerungs-Mikrocontroller 304
aufgrund der gemeinsamen Verbindung mit dem Wicklungssystem des Elektromotors 308 den jeweils anderen Motorsteuerungs-Mikrocontroller 304 beeinflusst. Derartige Fehler sind jedoch als unwahrscheinlich zu betrachten. Bei einem solchen Fehlerfall könnte das Kraftfahrzeug 110 jedoch weiterhin durch das elektromechanische Teilbremssystem 104 verzögert werden.
Die Figur 8 zeigt eine schematische Darstellung eines zweiten beispielhaften elektrischen Konzepts eines Bremssystems 100. In diesem Fall verfügen die Partitionen 120 und 122 jeweils nur über einen eigenen Regelungs-Mikrocontroller 302 und einen eigenen Ventilsteuerungsmikrocontroller 306, während der Motorsteuerungs-Mikrocontroller 304 nur einfach vorgesehen ist, und von beiden Partitionen 120 und 122 angesteuert wird. Die gezeigte Architektur beruht auf der Überlegung, dass ein Ausfall des Motorsteuerungs-Mikrocontroller 304 unwahrscheinlich ist und folglich eine redundante Auslegung dieses Funktionsmoduls und mithin die gesteigerte Komplexität des gesamten Bremssystems 100 nicht erforderlich ist. Dabei ist zu berücksichtigen, dass nicht grundsätzlich bei jedem Fehler innerhalb des elektromechanischen Teilbremssystems 102 dessen Fähigkeit zur Druckerzeugung erhalten bleiben muss für eine geringe Fehlerrate ist es akzeptabel, wenn die Fähigkeit des elektrohydraulischen Teilbremssystems 102 zur Druckregelung verloren geht, sofern die Erfassung eines Bremswunsches weiterhin erhalten bleibt und sofern die elektromechanischen Radbremsen 112 weiterhin genutzt werden können.
Die Figur 9 zeigt hierzu eine schematische Darstellung eines dritten beispielhaften elektrischen Konzepts eines Bremssystems 100, in dem dieser Gedanke noch weiter getrieben ist. Folglich verfügen die Partitionen 120 und 122 jeweils nur noch über den Regelungs-Mikrocontroller 302, während der Motorsteuerungs-Mikrocontroller 304 und der Ventilsteuerungsmikrocontroller 306 jeweils nur einfach vorliegen und von beiden Partitionen 120 und 122 gemeinsam genutzt werden. Dabei ist jedoch bevorzugt weiterhin vorgesehen, dass die Partitionen 120 und 122 bei Nutzung des Ventilsteuerungsmikrocontrollers 306 jeweils nur die ihnen zugeordneten Ventile ansteuern können. Alternativ kann hier
auch vorgesehen sein, dass beide Partitionen 120 und 122 jeweils sämtliche Ventile des Bremssystems 100 ansteuern können.