Verfahren zum Einbringen einer Ausnehmung in ein Substrat
Die Erfindung betrifft ein Verfahren zum Einbringen zumindest einer nicht durchgehenden Ausnehmung als Sackloch ohne eine Durchbrechung in ein insbesondere plattenförmiges Substrat oder zum Reduzieren der Materialstärke des Substrats als Materialschwächung, bei dem der Fokus einer Laserstrahlung eine räumliche Strahlformung entlang einer Strahlachse der Laserstrahlung erfährt und bei dem mittels der Laserstrahlung entlang der Strahlachse Fehlstellen in dem Substrat erzeugt werden, ohne dass es dabei zu einem Materialabtrag des Substrats infolge der Laserstrahlung kommt, wobei eine oder mehrere Fehlstellen zumindest eine Modifikation in dem Substrat bilden, sodass anschließend die Ausnehmung oder die Materialschwächung durch die Einwirkung eines ätzenden Mediums und durch sukzessives Aufätzen durch einen anisotropen Materialabtrag in dem jeweiligen Bereich der Modifikationen in dem Substrat erzeugt wird.
Das gattungsgemäße Verfahren zur Präzisionsbearbeitung von Glas mittels laserinduziertem Tiefenätzen ist unter der Bezeichnung LIDE (Laser Induced Deep Etching) bekannt geworden. Dabei ermöglicht das LIDE-Verfahren das Einbringen von extrem präzisen Löchern und Strukturen in höchster Geschwindigkeit und schafft somit die Voraussetzungen für den vermehrten Einsatz von Glas als Werkstoff in der Mikrosystemtechnik.
Bei dem beispielsweise aus der WO 2014/161534 A2 und der WO 2016/004144 A1 bekannten laserinduzierten Tiefenätzen wird ein transparentes Material mittels eines Laserpulses oder einer Pulsfolge über einen länglichen Bereich entlang der Strahlachse, häufig über die gesamte Dicke des transparenten Materials, beispielsweise bei Glasplatten, modifiziert, sodass in einem anschließenden nasschemischen Ätzbad die Modifikation anisotrop geätzt wird.
Aus der WO 2016/041544 A1 ist ein Verfahren zum Einbringen einer Ausnehmung, beispielsweise ein Sackloch, in ein plattenförmiges Substrat mittels Laserstrahlung bekannt,
wobei es aufgrund der Einwirkung eines ätzenden Mediums durch sukzessives Aufätzen zu einem anisotropen Materialabtrag in den modifizierten Bereichen des Substrats kommt.
Als nachteilig erweist sich bei den laserinduzierten Ätzverfahren allerdings, dass das einseitige Ätzen, beispielsweise zur Herstellung von Sacklöchern oder sonstigen einseitigen Ausnehmungen, zusätzliche Maßnahmen zum Schutz der gegenüberliegenden Außenfläche des Substrats erfordert und dass die zwischen den gegenüberliegenden Seiten durchgehenden Modifikationen die Materialeigenschaften des Substrats auch auf der der Ausnehmung abgewandten Außenfläche des Substrats verändern.
Die EP 2 503 859 A1 beschreibt ein selektives Laser-Ätzverfahren, bei dem das Glassubstrat mit einem Laser bestrahlt wird, der auf einen Fokuspunkt an einer gewünschten Position innerhalb des Glassubstrats fokussiert wird. Indem das Glassubstrat in eine Ätzlösung getaucht wird und so die modifizierten Bereiche aus dem Glassubstrat entfernt werden, lassen sich komplexe 3D-Strukturen in Glas oder Sacklöcher hersteilen. Der Ätzabtrag erfordert es, dass einzelne Volumina, beispielsweise der Größe von 10x10x10 pm3, modifiziert werden, wozu der Fokuspunkt in dem Glassubstrat entsprechend neu ausgerichtet werden muss. Zwar lassen sich so modifizierte Volumina beliebig kombinieren, womit allerdings ein hoher zeitlicher Aufwand und Steuerungsaufwand verbunden ist.
In der DE 102018 110211 A1 wird ein Verfahren beschrieben, bei dem die Fokuslage und die Tiefe in einem Substrat steuerbar sind, um filamentförmige Schädigungen als sehr feines Sackloch in unterschiedlicher Länge in dem Substrat zu erzeugen. Diese filamentförmige Schädigung wird in ihrem Durchmesser durch das nachfolgende isotrope Ätzen vergrößert, um eine Kavität mit einer komplexen Geometrie durch das Verbinden von mindestens zwei zueinander benachbarten Filamenten zu erzeugen.
Die DE 102011 111 998 A1 betrifft ein Verfahren zur Strukturierung einer Oberfläche, wobei die Oberfläche mit einem Laser bestrahlt und bereichsweise, beispielsweise in einem Bereich unterhalb der Oberfläche, modifiziert wird. In einem Ätzprozess werden in der Oberfläche in den modifizierten Bereichen Vertiefungen erzeugt oder vergrößert. Durch die Laserbestrahlung kommt es zu einer Veränderung des Werkstoffs, die zu einer Veränderung in der Wirkung des Ätzmittels führt. Die Veränderung des Werkstoffs können Mikroversetzungen, Mikrorisse, Mikrobohrungen, Mikrovertiefungen oder ein Phasenwechsel sein, wobei beispielsweise eine Strukturänderung oder auch ein Anschmelzen durch die Laserbestrahlung erzielt werden kann.
Die EP 2600411 A1 beschreibt das Bestrahlen eines Substrats mit Laserlicht zur Erzeugung mehrerer modifizierter Gebiete innerhalb des Substrats und ein anisotropes Ätzen der Oberfläche derart, dass Vertiefungen und Erhebungen auf der Oberfläche des Substrats gebildet werden. Die modifizierten Gebiete werden erzeugt, indem das Substrat mehrere Male mit Laserlicht bestrahlt wird, während der Abstand zwischen der Oberfläche des Substrats und einem Konvergenzpunkt des Laserlichts geändert wird.
Außerdem ist auch aus der US 2012 / 0295066 A1 ein anisotropes Ätzen bekannt.
Ferner betrifft die DE 102014 109 792 A1 ein Verfahren, bei dem auf einer Oberfläche des Elements aus Glas entlang einer Trennlinie zumindest abschnittsweise eine punktförmige Oberflächenschädigung erzeugt wird, welche in das Element hineinragt. Hierzu erfolgt mittels Laserstrahlung ein Lasereinschuss auf die Oberfläche des Elements, um ein Sackloch oder eine Vielzahl punktförmiger Sacklöcher bzw. eine linienförmige Laserspur zu erzeugen. Eine linienförmige Oberflächenschädigung kann durch die Aneinanderreihung von Sacklöchern erzeugt werden, die im Bereich ihrer Öffnungen aneinanderstoßen oder, besonders vorteilhaft, überlappen können.
Der Erfindung liegt die Aufgabe zugrunde, den Aufwand zur Herstellung von Ausnehmungen in einem Substrat durch laserindiziertes Ätzen wesentlich zu verringern.
Diese Aufgabe wird erfindungsgemäß mit einem Verfahren gemäß den Merkmalen des Anspruchs 1 gelöst. Die weitere Ausgestaltung der Erfindung ist den Unteransprüchen zu entnehmen.
Erfindungsgemäß ist also ein Verfahren vorgesehen, bei dem eine Vielzahl von Modifikationen entlang insbesondere parallel beabstandeter Strahlachsen in das Substrat eingebracht werden, wobei die Strahlachsen einen Seitenabstand zwischen einem Minimum und einem Maximum voneinander aufweisen, derart dass sich jede Modifikation von einer ersten Außenfläche in Richtung der gegenüberliegenden zweiten Außenfläche des Substrats bis zu einer zwischen den Außenflächen liegenden Position mit einem Abstand von der gegenüberliegenden Außenfläche erstreckt. Der erfindungswesentliche Gedanke beruht auf dem Gedanken, eine Modifikation zu erzeugen, die sich nicht über die gesamte Materialstärke des Substrats, sondern lediglich von einer Außenfläche bis zu einem zwischen den Außenflächen liegenden Bereich erstreckt. Dadurch kann eine einseitige Ausnehmung ohne eine Abdeckung, beispielsweise ein Ätzresist durch Eintauchen in ein Ätzbad, eingebracht werden, wobei das Substrat im Bereich der Modifikationen anisotrop
und in den übrigen Bereichen isotrop geätzt wird. Indem die Modifikationen sich nicht bis zu der gegenüberliegenden Außenfläche erstrecken, bleiben die Eigenschaften des Substrats an dieser Außenfläche unverändert, wodurch sich eine Vielzahl von bisher nur eingeschränkt realisierbaren Anwendungsmöglichkeiten eröffnet. Zudem hat sich herausgestellt, dass sich durch die räumliche Strahlformung und die dadurch entstehende einheitliche, kontinuierliche und unterbrechungsfreie Modifikation von der Außenfläche bis zu der vorbestimmten Position innerhalb des Substrats ein wesentlich homogenerer Ätzabtrag erzielen lässt, als dies bei solchen Verfahren der Fall ist, bei denen entlang einer Strahlachse mehrere Volumina mit entsprechend veränderten Fokuslagen nacheinander eingebracht werden. Zudem lässt sich die Prozessdauer und der Steuerungsaufwand erheblich reduzieren, indem der Laserstrahl während der Bearbeitung ausschließlich parallel zu der Oberfläche des Substrats bewegt wird, also lediglich die gewünschte Kontur abgefahren werden muss, ohne die Fokussierung zu verändern. Der Energieeintrag der Laserstrahlung dient dabei zur Anregung bzw. Auslösung einer Reaktion und zur Erzeugung von Fehlstellen, die in der Summe oder jeweils Modifikationen bilden, deren Wirkung erst im nachfolgenden Verfahrensschritt durch die Einwirkung eines ätzenden Mediums zu dem gewünschten Materialabtrag führt bzw. genutzt wird.
Erfindungsgemäß werden mittels der Laserstrahlung Fehlstellen in dem Substrat erzeugt und zumindest eine Modifikation in dem Substrat gebildet, die jedoch für sich genommen keinen Materialabtrag zur Folge hat. Anschließend, d. h. ohne einen vorhergehenden Materialabtrag, werden die Ausnehmung oder die Materialschwächung durch die Einwirkung eines ätzenden Mediums durch einen anisotropen Materialabtrag in dem jeweiligen Bereich der Modifikationen in dem Substrat erzeugt. Der Materialabtrag entsteht daher ausschließlich infolge der Ätzwirkung des ätzenden Mediums und nicht in direkter Folge der Einwirkung der Laserstrahlung.
Ein besonders vorteilhafter Effekt entsteht erfindungsgemäß auch dadurch, dass die entstehenden Ausnehmungen im Bereich ihrer stirnseitigen Begrenzungsfläche, die vorzugsweise parallel zu der Außenfläche verläuft, eine sehr geringe Rauheit bzw. Welligkeit aufweisen. Die auf diese Weise herstellbaren Überhangstrukturen weisen dadurch eine bisher unerreichte homogene Materialstärke auf.
Selbstverständlich muss dabei erfindungsgemäß nicht zwingend auf den Einsatz einer Abdeckung, insbesondere eines Ätzresists, verzichtet werden, wenn beispielsweise einzelne Bereiche vor einem unerwünschten Ätzabtrag geschützt werden sollen. Auch eine lediglich einseitige Ätzwirkung kann problemlos realisiert werden und ist Gegenstand der Erfindung.
Dabei ist es besonders praxisgerecht, wenn das Substrat in ein Ätzbad getaucht wird, insbesondere also ohne eine Abdeckung oder ein Ätzresist geätzt wird, sodass es durch den Ätzangriff an der ersten Außenfläche zu einem anisotropen Materialabtrag und an der zweiten Außenfläche zu einem isotropen Materialabtrag kommt. Dadurch können beispielsweise auch einander gegenüberliegende Ausnehmungen in die Außenflächen eingebracht werden, die lediglich durch eine dünne Membran getrennt sind, wobei die Ebene der Membran selbstverständlich auch von der Mittelebene zwischen den Außenflächen abweichen kann. Derartige Strukturen sind mit den bisherigen Verfahren nicht oder nur mit hohem Aufwand durch mehrstufige Ätzverfahren realisierbar.
Eine besonders vorteilhafte Ausführungsform der Erfindung wird dadurch erreicht, dass die Modifikationen durch mehrere Pulse mit übereinstimmender Strahlachse eingebracht werden, wobei zumindest einzelne Pulse mit einem Energieeintrag unterhalb eines Schwellwerts für die Modifikation eingebracht werden und lediglich eine Anregung des betroffenen Substratmaterials bewirken, und der kumulierte Energieeintrag die Modifikation erzeugt. Durch die entlang derselben Strahlachse eingebrachten Zustandsänderungen entsteht eine Aufweitung der daraus entstehenden Modifikation in der Querschnittsebene zu der Strahlachse oder eine Abstumpfung des Kegelwinkels, sodass die Ausnehmung im Idealfall zylindrisch ist. Hierdurch wird im Gegensatz zum Stand der Technik, bei dem benachbarte Modifikationen bei der Durchführung des Ätzverfahrens zu kegelförmigen Vertiefungen in der Ebene der Ausnehmung führen, eine weitgehend ebene Begrenzungsfläche der Ausnehmung erreicht. Indem jeder Puls durch die bewirkte Anregung die optischen Eigenschaften des Substrats verändert und dadurch eine Streuung bewirkt, die eine Verbreiterung der Einflusszone konzentrisch um die Strahlachse zur Folge hat, wächst das dadurch begrenzte Volumen in der Breite quer zur Strahlachse. Zugleich entsteht hierdurch eine in der Querschnittsebene verlaufende Stirnfläche oder eine geringfügig kegelförmige Vertiefung mit einem stumpfen bzw. flachen Winkel. Im Ergebnis wird eine Formung der Modifikation bewirkt, deren Länge konstant bleibt, deren Durchmesser jedoch durch die Anzahl sowie Parameter der Pulse bestimmt ist.
Man könnte daran denken, den Abstand benachbarter Strahlachsen derart auszuwählen, dass sich Überlappungen der Modifikationen ergeben. Besonders sinnvoll ist es hingegen, wenn der Abstand der Strahlachse so eingestellt wird, dass die eingebrachten Modifikationen einander nicht überlappen, sondern mit einem geringen Abstand aneinander angrenzen, sodass die durch den anisotropen Materialabtrag in den modifizierten Bereichen entstandenen Ausnehmungen einander quer zur Strahlachse überlappen.
Um unerwünschte Wechselwirkungen beim Einbringen benachbarter Modifikationen, sogenannte Abschattungseffekte, für die Laserstrahlung durch vorangegangene Modifikationen zu vermeiden, wird der Abstand der Modifikationen (p) in Abhängigkeit des Durchmessers der aufgeätzten Ausnehmungen (d) nach der Formel 10 > d/p > 1,15 bestimmt. Somit ist der Durchmesser (d) der jeweiligen Ausnehmung mindestens 1,15-mal so groß wie der Abstand der Modifikationen (p), damit ein zusammenhängendes Volumen entsteht. Zugleich ist aber auch ein Mindestabstand der Modifikationen (p) einzuhalten, der nicht kleiner als ein Zehntel des Durchmessers sein darf, da es sonst zu Randeffekten durch Abschattung kommt.
Hierbei hat es sich bereits als besonders zweckmäßig erwiesen, wenn die Modifikationen mit einem regelmäßigen Muster und/oder einer regelmäßigen Struktur in das Substrat eingebracht werden. Hierdurch ergibt sich ein gleichmäßiges Muster in der die Ausnehmung bestimmenden Fläche, wobei insbesondere unerwünschte Materialschwächungen vermieden werden und die Eigenschaften der Fläche über die gesamte Erstreckung der Ausnehmung weitgehend homogen sind.
Hierzu erweist es sich als besonders praxisnah, wenn der Abstand einer Modifikation von allen benachbarten Modifikationen zumindest im Wesentlichen übereinstimmend ausgewählt wird, sodass sich beispielsweise eine hexagonale Struktur der Modifikationen ergibt. Es kann zudem von Vorteil sein, die aufeinanderfolgenden Modifikationen nicht in der Reihenfolge benachbarter Modifikationen einzubringen, sondern gegebenenfalls zunächst weiter entfernte Modifikationen einzubringen. Hierdurch werden insbesondere Wechselwirkungen aufgrund thermischer Einflüsse vermieden.
Eine besonders vorteilhafte Ausgestaltungsform der Erfindung wird auch dadurch erreicht, dass zumindest einzelne der zueinander benachbarten, insbesondere parallelen Modifikationen unterschiedliche Seitenabstände in einer gemeinsamen Querebene parallel zu der Außenfläche aufweisen und dass der jeweilige Seitenabstand in Abhängigkeit der Erstreckung, also der Länge der Modifikation zwischen der Außenfläche und der Position in dem Substrat, derart eingestellt wird, dass bei einer größeren Erstreckung der Seitenabstand reduziert wird und umgekehrt, sodass sich also der Seitenabstand und die Erstreckung umgekehrt proportional verhalten. In überraschender weise hat sich nämlich gezeigt, dass die so erzeugte Ausnehmung oder Materialschwächung bei Beachtung dieses Zusammenhangs zwischen Seitenabstand und Erstreckung eine regelmäßige, in der Praxis nahezu ebene Oberfläche aufweist, was bei einem von der Erstreckung unabhängigen
Seitenabstand nicht der Fall ist. Dieser erfindungsgemäß nutzbare Effekt beruht auf der Erkenntnis, dass in einem Endabschnitt der Modifikation nahe der Position in dem Substrat die Querschnittsfläche der Modifikation reduziert ist, was seine Ursache in einem konvergierenden Verlauf der Modifikationen hat. Eine optimale Fläche lässt sich daher durch ein reziprokes Verhältnis zwischen der Erstreckung und dem Seitenabstand benachbarter Modifikationen erzielen.
Eine andere, ebenfalls besonders bevorzugte Abwandlung der Erfindung wird dann erreicht, wenn abschnittsweise entlang identischer oder paralleler Achsen verschiedene Modifikationen in das Substrat eingebracht werden, die sich einerseits zwischen der ersten Außenfläche und einer Position innerhalb des Substrats, andererseits zwischen der zweiten Außenfläche und einer Position innerhalb des Substrats erstrecken und deren Erstreckung übereinstimmend sein kann. Dadurch lässt sich eine dreidimensionale Kontur in dem Substrat erzeugen, wobei die Laserstrahlung durch dieselbe Außenfläche in das Substrat eintritt. Dabei erstreckt sich die jeweilige Modifikation von der ersten oder der zweiten Außenfläche bis zu der vorbestimmten Position innerhalb des Substrats. Der Ätzangriff durch die Einwirkung eines ätzenden Mediums erfolgt dabei von beiden Seiten, insbesondere durch Eintauchen in das Ätzmedium, sodass es zu einem beidseitigen bzw. allseitigen Materialabtrag kommt. Hierdurch lassen sich mit einem vergleichsweise geringen Aufwand selbst komplexe Strukturen durch Einbringen der Modifikationen und anschließendes Ätzen erzeugen.
Gemäß einer besonders Erfolg versprechenden Abwandlung des erfindungsgemäßen Verfahrens, bei dem Modifikationen zwischen einerseits einer Position innerhalb des Substrats und andererseits entweder der ersten Außenfläche oder der zweiten Außenfläche mit übereinstimmender Erstreckung oder mit demselben Abstand zu der benachbarten Außenfläche entlang identischer Achsen in das Substrat eingebrachten werden, kann eine Abrundung von Trennflächen, beispielsweise durch beidseitige Fasen entlang der Umfangskontur eines aus dem Substrat herzustellenden Ausschnitts, vorgenommen werden. Somit erfolgt das Ausschneiden entlang der Sollkontur und das Einbringen von Fasen zur Vermeidung unerwünschter scharfer Kanten in einem einzigen Verfahrensschritt.
Bei einer anderen, ebenfalls besonders zweckmäßigen Abwandlung des erfindungsgemäßen Verfahrens werden eine Vielzahl benachbarter, entlang paralleler Achsen in das Substrat eingebrachter Modifikationen jeweils zu verschiedenen Positionen innerhalb des Substrats mit unterschiedlichem Abstand zu der benachbarten Außenfläche eingebracht, wobei die Positionen auf einer gemeinsamen, zu der Außenfläche nicht parallelen Ebene liegen. Auf
diese Weise lässt sich so eine ebene Materialschwächung oder Ausnehmung mit einer gegenüber der Außenfläche geneigten Orientierung erzeugen.
Selbstverständlich lassen sich in gleicher Weise auch gewölbte Flächen erzeugen, um so insbesondere Unstetigkeitsstellen in einem Übergangsbereich der Ausnehmung und in angrenzenden Randbereichen des Substrats zu vermeiden. Hierdurch werden unerwünschte Spannungsverläufe innerhalb des Substrats, insbesondere bei einer äußeren Krafteinwirkung, effizient vermieden und die Belastbarkeit der so erzeugten Struktur, beispielsweise einer Überhangstruktur, wesentlich erhöht.
Auf diese Weise können in ein Substrat, beispielsweise aus Glas mit einer Materialstärke zwischen 300 pm und 900 pm, insbesondere ca. 500 pm, zumindest einzelne Ausnehmungen und/oder Materialschwächungen mit einer Reststärke des Substrats von weniger als 100 pm, insbesondere beispielsweise ca. 50 pm, eingebracht werden, sodass zumindest im Bereich einzelner Ausnehmungen oder Materialschwächungen flexible Eigenschaften erzielt und dadurch beispielsweise Membrane oder Scharniere erzeugt werden können.
Die Erfindung lässt verschiedene Ausführungsformen zu. Zur weiteren Verdeutlichung ihres Grundprinzips ist eine davon in der Zeichnung dargestellt und wird nachfolgend beschrieben. Diese zeigt in
Fig. 1 eine Seitenansicht eines Substrats mit einer Modifikation, die sich mit einer bis zu einer Position innerhalb des Substrats erstreckt;
Fig. 2 eine durch Ätzen erzeugte Modifikation in dem Substrat;
Fig. 3 mehrere nebeneinander angeordnete Modifikationen mit mehreren durch den Ätzprozess überlappenden Ausnehmungen;
Fig. 4 eine Draufsicht auf das Substrat mit einer durch mehrere benachbarte Ausnehmungen erzeugten gewellten Randkontur;
Fig. 5 ein regelmäßiges Muster von Modifikationen und Ausnehmungen;
Fig. 6 eine Draufsicht auf ein Substrat mit mehreren, in Reihen angeordneten
Modifikationen;
Fig. 7 eine geschnittene Seitenansicht des in Figur 6 gezeigten Substrats mit mehreren Modifikationen unterschiedlicher Erstreckung;
Fig. 8 eine geschnittene Seitenansicht des in den Figuren 6 und 7 gezeigten Substrats nach dem Materialabtrag durch Ätzen;
Fig. 9 eine geschnittene Seitenansicht eines weiteren Substrats mit mehreren, teilweise entlang derselben Achsen eingebrachten Modifikationen;
Fig. 10 eine geschnittene Seitenansicht des in der Figur 9 gezeigten Substrats nach dem Materialabtrag durch Ätzen.
Das erfindungsgemäße Verfahren zum Einbringen einer Ausnehmung 1 als Vertiefung oder Überhangstruktur in ein Substrat 2 durch partielles Reduzieren der Materialstärke 3 des Substrats 2 wird nachstehend anhand der Figuren näher erläutert. Dabei kommt es, wie in der Figur 1 zu erkennen, nach dem an sich bekannten LIDE-Verfahren (Laser Induced Deep Etching) in dem Substrat 2 zu einer räumlichen Strahlformung der nicht gezeigten Laserstrahlung entlang einer Strahlachse 4, wodurch entlang der Strahlachsen 4 Fehlstellen in dem Substrat 2 erzeugt werden, die jeweils eine Modifikation 5 in dem Substrat 2 bilden.
Anschließend wird, wie in der Figur 2 gezeigt, die Ausnehmung 1 durch die Einwirkung eines ätzenden Mediums und durch den infolgedessen eintretenden anisotropen Materialabtrag in dem jeweiligen Bereich der Modifikationen 5 in dem Substrat 2 erzeugt.
Wie insbesondere in den Figuren 6 und 7 erkennbar, werden hierzu eine Vielzahl von Modifikationen 5 entlang paralleler Strahlachsen 4 mit einer Erstreckung T zwischen einer ersten Außenfläche 6 und einer Position P innerhalb des Substrats 2 mit einem Abstand a von einer der ersten Außenfläche 6 gegenüberliegenden zweiten Außenfläche 7 in das Substrat 2 eingebracht, sodass sich jede Modifikation 5 von einer Außenfläche 6, 7 in Richtung der gegenüberliegenden Außenfläche 6, 7 des Substrats 2 bis zu einer Position P innerhalb des Substrats 2 erstreckt. Dabei weisen die zueinander benachbarten Modifikationen 5 einen Seitenabstand S bezogen auf die jeweilige Strahlachse 4 auf.
Im Bereich der Modifikationen 5 entstehen durch den Ätzabtrag überlappende Ausnehmungen 1, die eine taschenartige Vertiefung bzw. eine Überhangstruktur in dem Substrat 2 mit einer Welligkeit am Boden der Ausnehmung 1 erzeugen, wobei die
verbliebene Restdicke im Bereich der taschenartigen Ausnehmungen 1 die Überhangstruktur bildet.
In der Figur 4 ist eine vergrößerte Draufsicht auf einen Randbereich der Ausnehmung 1 dargestellt. Die typische Form des Randbereichs entsteht durch den Seitenabstand S zwischen den Modifikationen 5 und die Größe der aufgeätzten Ausnehmungen 1, gekennzeichnet durch die Breite b, die zugleich den Radius in einer Ecke des Randbereichs bestimmt.
Ergänzend ist in der Figur 5 in einer Draufsicht das regelmäßige Muster von Modifikationen 5 und Ausnehmungen 1 in dem Randbereich der Ausnehmung 1 dargestellt.
Der Seitenabstand S benachbarter Modifikationen 5 ist umgekehrt proportional zu der Länge bzw. Tiefe der Erstreckung T in dem Substrat 2. Wie in der Figur 6 erkennbar, betrifft dies sowohl den Seitenabstand S einer Modifikation 5 einer Reihe R zu den Modifikationen 5 der benachbarten Reihen R als auch den jeweiligen Seitenabstand S verschiedener Modifikationen 5 derselben Reihe R untereinander. Dadurch gelingt es erfindungsgemäß, eine nahezu ebene Oberfläche 8 der in der Figur 8 im Querschnitt dargestellten Ausnehmung 1 zu erzeugen, indem sich das erfindungsgemäße Verfahren die in Abhängigkeit der Erstreckung T der Modifikationen 5 unterschiedlichen Querschnittsformen und deren Breite b der Modifikationen 5 in ihrem jeweiligen Endbereich 9 zu Nutze macht.
In den Figuren 9 und 10 ist noch eine Variante des Verfahrens dargestellt, bei dem entlang derselben Strahlachse 4 der Laserstrahlung verschiedene Modifikationen 5 in das Substrat 2 eingebacht werden, die sich einerseits zwischen der ersten Außenfläche 6 und einer ersten Position P1, andererseits zwischen der zweiten Außenfläche 7 und einer zweiten Position P2 innerhalb des Substrats 2 erstrecken, wobei die Modifikationen 5 bei dem dargestellten Ausführungsbeispiel dieselbe Erstreckung T aufweisen. Indem also entlang der Strahlachse 4 eine Unterbrechung der Modifikationen 5 entsteht, bleibt der so eingeschlossene innere Bereich des Substrats 2 bei der nachfolgenden Ätzbehandlung frei von einem Materialabtrag. Die so erzeugte treppenförmige Struktur nach dem Ätzabtrag ist in der Figur 10 dargestellt, die aufgrund chemischer Effekte die ergänzend ausschnittsweise dargestellte verrundete Kontur 10 erhalten. Die so erzeugte Abrundung oder Fase eignet sich in optimaler Weise zur Herstellung belastbarer Ausschnitte bzw. Zuschnitte des Substrats 2 und lässt sich erfindungsgemäß in einem einzigen gemeinsamen Verfahrensschritt hersteilen.
Anmelder:
LPKF Laser & Electronics AG Osteriede 7 30827 Garbsen
Unser Zeichen: LPK-204-PCT 31. März 2021
BEZUGSZEICH EN LISTE
1 Ausnehmung
2 Substrat
3 Materialstärke
4 Strahlachse
5 Modifikation
6 Außenfläche
7 Außenfläche
8 Oberfläche
9 Endbereich 10 Kontur
T Erstreckung P Position a Abstand S Seitenabstand R Reihe b Breite