Verfahren und Vorrichtung zur reihenweisen Applikation von Pflanzenschutzmittel
Die Erfindung betrifft ein Verfahren zur Applikation von Pflanzenschutzmittel enthaltender Spritzflüssigkeit auf Pflanzenreihen mit einer landwirtschaftlichen Spritzvorrichtung und eine zur Durchführung des erfindungsgemäßen Verfahrens ausgebildete landwirtschaftliche Spritzvorrichtung, sowie ein entsprechendes computerlesbares Medium.
Mit der heute verfügbaren Pflanzenschutztechnik werden Pflanzenschutzmittel auch in Reihenkulturen ganzflächig ausgebracht. Insbesondere werden Pflanzenschutzmittel wie Fungizide, Insektizide, Herbizide, Blattdünger, etc. in Reihenkulturen mit landwirtschaftlichen Spritzgeräten in der Regel ganzflächig ausgebracht. Demgegenüber kann eine Ausbringung des Pflanzenschutzmittels in Form von parallelen Bändern/Streifen in Betracht gezogen werden, wobei jedes Band eine Pflanzenreihe überdeckt. Für die Nutzung einer normalen Serienspritze als Bandspritze müssten Umbauten erfolgen, die dann eine nur ausschließliche Nutzung als Bandspritze mit einem fixen Reihenabstand möglich macht. Wenn in unregelmäßigen Feldstrukturen der Reihenbezug der Kultur zur Düse nicht mehr passend ist, kann nicht auf eine Flächenspritzung umgeschaltet werden und Fehlapplikationen sind vorprogrammiert. Die Bandspritzung wird traditionell mit der mechanischen Unkrautbekämpfung, wie den Einsatz einer Hacke, kombiniert. Ungünstig sind dabei die unterschiedlichen Anforderungen an die Einsatzbedingungen: eine Hacke arbeitet optimal unter trockenen Bedingungen, Pflanzenschutzmittel wirken besser bei Bodenfeuchte.
Ein reihenförmiges/bandartiges Ausbringen der Pflanzenschutzmittel kann aus Gründen der Reduktion der Menge der ausgebrachten Spritzflüssigkeit vorteilhaft sein. Zudem kann eine schnelle Umstellung von einer solchen bandförmigen Anwendung zurück auf ein ganzflächiges Aufbringen des Pflanzenschutzmittels notwendig sein. Ein schneller Wechsel des Reihenabstandes oder ein schneller Wechsel zum ganzflächigen Aufbringen kann beim Aufbringen von Pflanzenschutzmittel auf verschiedenartige Pflanzen auf entsprechenden verschiedenen landwirtschaftlichen Nutzflächen bzw. bei einem Wechsel in eine unterschiedliche Fahrtrichtung des
Spritzgeräts (bspw. von parallel zu senkrecht zu den Reihen) erforderlich sein, was jedoch gemäß Stand der Technik nicht realisiert werden kann.
Aufgabe der Erfindung ist es, die oben genannten Nachteile zumindest teilweise zu mildern oder zu beseitigen.
Die Aufgabe wird gelöst durch ein Verfahren nach Patentanspruch 1.
Die Erfindung definiert demgemäß ein Verfahren zur Applikation von Pflanzenschutzmittel enthaltender Spritzflüssigkeit auf Pflanzenreihen mit einer landwirtschaftlichen Spritzvorrichtung, die Gruppen von Spritzdüsen umfasst, wobei die Gruppen von Spritzdüsen und die Spritzdüsen jeder Gruppe senkrecht zu einem parallel zu den Pflanzenreihen verlaufenden Fahrweg der landwirtschaftlichen Spritzvorrichtung voneinander beabstandet sind, wobei jede Gruppe von Spritzdüsen einzeln steuerbar ist und jede Spritzdüse in einer jeweiligen Gruppe einzeln steuerbar ist. Das Verfahren umfasst die folgenden Schritte: Ansteuern jeweils wenigstens einer Spritzdüse aus wenigstens einem Teil der Gruppen von Spritzdüsen mittels Steuersignalen einer Steuerungseinrichtung zum Auswählen der jeweiligen Spritzdüsen; Applizieren von Spritzflüssigkeit mit den ausgewählten Spritzdüsen auf jeweils eine Pflanzenreihe; wobei das Applizieren der Spritzflüssigkeit aus den ausgewählten Spritzdüsen als Bandapplikation in Form von jeweiligen Bändern erfolgt bei denen das Applizieren der Spritzflüssigkeit innerhalb eines Nennspritzwinkels von unmittelbar benachbarten der ausgewählten Spritzdüsen sich nicht überlappt. Der Teil der Gruppen von Spritzdüsen kann dabei insbesondere zwei oder mehr Gruppen der Gesamtheit von Gruppen von Spritzdüsen sein.
Demnach kann erfindungsgemäß jede Spritzdüse einzeln und unabhängig voneinander angesteuert werden, um die Bandapplikation zu steuern. Insbesondere können eine oder mehrere Spritzdüsen aus einer Gruppe angesteuert werden, um die jeweiligen Spritzdüsen für das Aufbringen von Spritzflüssigkeit auszuwählen/anzuschalten. Weiterhin können auf diese Weise aus der Gesamtheit von Gruppen der Spritzdüsen eine Mehrzahl von Gruppen ausgewählte Spritzdüsen enthalten, wobei die Mehrzahl von Gruppen alle Gruppen oder nur ein Teil der Gesamtheit von Gruppen sein können. Ausgewählte bzw. angeschaltete Düsen können durch Ansteuern mittels der
Steuereinrichtung auch wieder abgeschaltet werden, so dass diese keine Spritzflüssigkeit ausbringen. Die Auswahl der Spritzdüsen erfolgt dabei bevorzugt so, dass den ausgewählten Spritzdüsen eine Pflanzenreihe zugeordnet werden kann bzw. so, dass Spritzdüsen, denen aufgrund deren Position keine mit Spritzflüssigkeit zu applizierende Pflanzenreihe zugeordnet werden kann, ausgeschaltet werden/sind. Der Nennspritzwinkel ist dabei ein Winkel der als Nennwert für die Aufweitung des Strahls (beispielsweise herstellerseitig) angegeben wird. Die jeweiligen Bänder oder im Folgenden auch die Bandbreiten und Applikationshöhen beziehen sich dabei auf einen ebenen Untergrund bzw. auf die im Wesentlichen ebenen Bereiche zwischen den Pflanzenreihen.
Das erfindungsgemäße Verfahren kann wie folgt weitergebildet werden.
Zur Festlegung der Bandbreite der Bandapplikation kann weiterhin ein Einstellen einer Applikationshöhe der Spritzdüsen und/oder ein Verschieben einer oder mehrerer Gruppen von Spritzdüsen senkrecht zum Fahrweg erfolgen. Nachdem die Spritzdüsen die Applikation in einem bestimmten Nennspritzwinkel durchführen, ist der Abstand vom Boden mitbestimmend für die Breite der Bandapplikation. Durch Einstellen der Applikationshöhe (beispielsweise mittels einer Neigung eines gesamten Arm der landwirtschaftlichen Spritzvorrichtung mit mehreren Düsengruppen) können etwa Bodenunebenheiten / Neigungen zumindest teilweise ausgeglichen werden. Durch ein Verschieben von Düsengruppen zueinander können Abstände der Bandapplikation variiert werden.
Weiterhin kann eine Neu-Auswahl der Spritzdüsen durchgeführt werden und dadurch ein Umschalten von der Bandapplikation auf eine Flächenapplikation mit sich überlappenden Bändern von unmittelbar benachbarten der neu ausgewählten Spritzdüsen erfolgen, wobei für die Flächenapplikation vorzugsweise Spritzdüsen mit einem größeren Nennspritzwinkel als für die Bandapplikation ausgewählt werden. Durch ein Umschalten auf die Flächenapplikation kann auf einfache Weise zwischen der Band- und der Flächenapplikation gewechselt werden. Das Umschalten erfolgt z.B. nach einer entsprechenden Eingabe durch den Benutzer in die Steuereinrichtung automatisch mit der Steuereinrichtung.
Jeweils benachbarte Bänder, insbesondere auch die jeweiligen benachbarten ausgewählten Spritzdüsen, können einen konstanten Abstand voneinander haben. Die ist bei regelmäßig angelegten Pflanzenreihen vorteilhaft und kann z.B. mittels einer vorbestimmten Kombination von Spritzdüsen schnell realisiert werden.
Das Verfahren kann den weiteren Schritt eines Erfassens eines Reihenabstandes der Pflanzenreihen umfassen; wobei das Auswählen der Spritzdüsen so erfolgt, dass ein Abstand von benachbarten ausgewählten Spritzdüsen dem erfassten Reihenabstand entspricht.
Dies kann dahingehend weitergebildet werden, dass das Erfassen des Reihenabstandes durch Auslesen von vorab in einem Datenspeicher der landwirtschaftlichen Spritzvorrichtung, insbesondere der Steuerungseinrichtung, gespeicherten Daten; oder manuelle Eingabe durch einen Benutzer in eine Eingabeeinrichtung der landwirtschaftlichen Spritzvorrichtung, insbesondere der Steuerungseinrichtung, oder Messen mit einem Reihenabstandssensor der landwirtschaftlichen Spritzvorrichtung erfolgt.
In einem bzw. dem zuvor genannten Datenspeicher der landwirtschaftlichen Spritzvorrichtung können jeweilige vorbestimmte Konfigurationen für auszuwählende Spritzdüsen für verschiedene Reihenabstände gespeichert sein.
Dies kann dahingehend weitergebildet werden, dass eine zu einem Reihenabstand gehörige Konfiguration durch eine Benutzereingabe aus dem Datenspeicher ausgelesen wird und die Steuerungseinrichtung die Spritzdüsen entsprechend auswählt und ansteuert werden.
Das erfindungsgemäße Verfahren oder eine der Weiterbildungen kann weiterhin einen Schritt des Einstellens einer Ausbringungsmenge der Spritzflüssigkeit umfassen, wobei die Ausbringungsmenge der Spritzflüssigkeit durch manuelle Eingabe durch einen Benutzer oder durch Berechnung mit einem Mikroprozessor der landwirtschaftlichen Spritzvorrichtung erfolgt, wobei die Berechnung insbesondere in Abhängigkeit von einem Reihenabstand und/oder einer Bandbreite erfolgt. Insbesondere kann die
Ausbringungsmenge bei einem Umschalten zwischen Band- und Flächenapplikation automatisch angepasst werden.
Die oben genannte Aufgabe wird ebenfalls gelöst durch eine landwirtschaftliche Spritzvorrichtung nach Patentanspruch 10.
Die erfindungsgemäße landwirtschaftliche Spritzvorrichtung zur Applikation von Pflanzenschutzmittel auf Pflanzenreihen umfasst Gruppen von Spritzdüsen, wobei die Gruppen von Spritzdüsen und die Spritzdüsen jeder Gruppe senkrecht zu einem parallel zu den Pflanzenreihen verlaufenden Fahrweg der landwirtschaftlichen Spritzvorrichtung voneinander beabstandet sind; und eine Steuerungseinrichtung zur Steuerung der Spritzdüsen, wobei die Steuerungseinrichtung vorzugsweise einen Mikroprozessor und/oder einen Datenspeicher umfasst. Dabei ist jede Gruppe von Spritzdüsen einzeln steuerbar und jede Spritzdüse in einer jeweiligen Gruppe ist einzeln steuerbar. Weiterhin ist die Steuerungseinrichtung dazu ausgebildet ist, wenigstens jeweils eine Spritzdüse aus wenigstens einem Teil der Gruppen von Spritzdüsen mittels Steuersignalen auszuwählen, wobei die landwirtschaftliche Spritzvorrichtung dazu ausgebildet ist, Spritzflüssigkeit mit den ausgewählten Spritzdüsen auf jeweils eine Pflanzenreihe zu applizieren, das Applizieren der Spritzflüssigkeit aus den ausgewählten Spritzdüsen als Bandapplikation in Form von jeweiligen Bändern erfolgt, und das Applizieren der Spritzflüssigkeit innerhalb eines Nennspritzwinkels von unmittelbar benachbarten der ausgewählten Spritzdüsen sich nicht überlappt. Der Teil der Gruppen von Spritzdüsen kann dabei insbesondere zwei oder mehr Gruppen der Gesamtheit von Gruppen von Spritzdüsen sein.
Die erfindungsgemäße landwirtschaftliche Spritzvorrichtung kann wie folgt weitergebildet werden.
Jede Gruppe von Spritzdüsen kann die gleiche Anordnung von Spritzdüsen enthalten und/oder jede Gruppe von Spritzdüsen kann Düsen mit verschiedenen Nennspritzwinkeln umfassen und/oder die Gesamtheit der Gruppen von Spritzdüsen kann höhenverstellbar sein und/oder die einzelnen Gruppen von Spritzdüsen können höhenverstellbar sein, wobei die Steuerungseinrichtung dazu ausgebildet sein kann, zur Festlegung der Bandbreite der Bandapplikation weiterhin ein Einstellen einer
Applikationshöhe der Spritzdüsen und/oder ein Verschieben einer oder mehrerer Gruppen von Spritzdüsen senkrecht zum Fahrweg zu bewirken.
Die Anordnung der Spritzdüsen in jeder Gruppe kann mehrere Spritzdüsen mit einem ersten Nennspritzwinkel und genau eine Spritzdüse mit einem zweiten Nennspritzwinkel umfassen, wobei der zweite Nennspritzwinkel größer als der erste Nennspritzwinkel ist. Die einzelne Spritzdüse mit dem größeren Nennspritzwinkel in jeder Gruppe ist dabei bevorzugt für eine Flächenapplikation vorgesehen.
In zwei unmittelbar benachbarten Gruppen kann der Abstand der äußeren Spritzdüsen in jeder Gruppe gleich dem Abstand zwischen unmittelbar benachbarten Spritzdüsen der zwei Gruppen ist. Auf diese Weise kann eine gleichmäßiger Spritzdüsenabstand realisiert werden.
Gemäß einer anderen Weiterbildung der landwirtschaftlichen Spritzvorrichtung kann die Steuerungseinrichtung weiterhin dazu ausgebildet ist, eine Neu-Auswahl der Spritzdüsen durchzuführen, um dadurch ein Umschalten von der Bandapplikation auf eine Flächenapplikation mit sich überlappenden Bändern von unmittelbar benachbarten der neu ausgewählten Spritzdüsen zu bewirken.
Die landwirtschaftliche Spritzvorrichtung kann dazu ausgebildet sein, einen Reihenabstand der Pflanzenreihen zu erfassen; wobei die Steuerungseinrichtung dazu ausgebildet sein kann, die Spritzdüsen so auszuwählen, dass ein Abstand von benachbarten ausgewählten Spritzdüsen dem erfassten Reihenabstand entspricht.
Eine Lenkung der landwirtschaftliche Spritzvorrichtung kann steuerbar sein, und die Steuereinrichtung kann weiterhin dazu ausgebildet sein, die Bandapplikation durch Ansteuerung der Lenkung zu steuern, insbesondere um die Spritzflüssigkeit mittig auf die Pflanzenreihen zu spritzen und/oder um durch einen Versatz des Fahrwegs senkrecht zu den Pflanzenreihen eine Positionierung der ausgewählten Spritzdüsen zu bewirken.
Die oben genannte Aufgabe wird ebenfalls gelöst durch ein computerlesbares Medium nach Patentanspruch 16.
Auf dem erfindungsgemäßen computerlesbaren Medium ist ein erfindungsgemäßes Computerprogramm gespeichert. Das erfindungsgemäße Computerprogramm umfasst Befehle, die bewirken, das die erfindungsgemäße landwirtschaftliche Spritzvorrichtung die erfindungsgemäßen Verfahrensschritte ausführt.
Weitere Merkmale und beispielhafte Ausführungsformen sowie Vorteile der vorliegenden Erfindung werden nachfolgend anhand der Zeichnung näher erläutert. Es versteht sich, dass diese Ausführungsform nicht den gesamten Bereich der vorliegenden Erfindung erschöpfen kann. Es versteht sich weiterhin, dass einige oder sämtliche der im Weiteren beschriebenen Merkmale auch auf andere Weise miteinander kombiniert werden können.
Fig. 1 zeigt eine Ausführungsform der erfindungsgemäßen landwirtschaftlichen Spritzvorrichtung bei Bandapplikation.
Fig. 2 zeigt die erfindungsgemäße landwirtschaftliche Spritzvorrichtung gemäß Fig. 1 bei Flächenapplikation.
Fig. 3 zeigt zwei benachbarte Gruppen von Spritzdüsen der landwirtschaftlichen Spritzvorrichtung gemäß Fig. 1 und 2.
Fig. 4 zeigt Details der Bandapplikation gemäß Fig. 1. Fig. 5 A-D zeigt Varianten von Reihenabständen der Pflanzenreihen und die entsprechende Auswahl der Spritzdüsen.
Fig. 6 zeigt eine Anzeige- und Eingabeeinrichtung der Steuereinrichtung Fig. 7 zeigt eine aktive Gestängeführung.
Eine Ausführungsform der erfindungsgemäßen landwirtschaftlichen Spritzvorrichtung wird im Folgenden unter Bezug auf die Figuren beschrieben.
Die erfindungsgemäße landwirtschaftliche Spritzvorrichtung 100 dient der Applikation von Pflanzenschutzmittel auf Pflanzenreihen 90 umfasst Gruppen 10a-10n von Spritzdüsen, wobei die Gruppen 10a-10n von Spritzdüsen 21a-24a, ... , 21n-24n (siehe Fig. 3 und 4) und die Spritzdüsen jeder Gruppe senkrecht zu einem parallel zu den Pflanzenreihen verlaufenden Fahrweg der landwirtschaftlichen Spritzvorrichtung voneinander beabstandet sind. Der Fahrweg ist in Fig. 4 und 5 durch die Bereifung 80
der landwirtschaftlichen Spritzvorrichtung 100 angedeutet. Anstelle der Bezeichnung Spritzdüsen wird im Folgenden gelegentlich auch die Kurzbezeichnung Düsen verwendet.
Die landwirtschaftliche Spritzvorrichtung 100 umfasst eine Steuerungseinrichtung 30 zur Steuerung der Spritzdüsen 21a-24a, ... , 21n-24n, wobei die Steuerungseinrichtung 30 einen Mikroprozessor und einen Datenspeicher umfasst. Dabei ist jede Gruppe 10a- 10n von Spritzdüsen einzeln und insbesondere unabhängig voneinander steuerbar und jede Spritzdüse 21a-24a, ... , 21n-24n in einer jeweiligen Gruppe ist einzeln steuerbar. Hierbei bedeutet steuerbar, dass eine oder mehrere Spritzdüsen aus einer Gruppe angesteuert werden können, um die jeweiligen Spritzdüsen für das Aufbringen von Spritzflüssigkeit auszuwählen/anzuschalten. Aus der Gesamtheit von Gruppen der Spritzdüsen kann eine Mehrzahl von Gruppen von Spritzdüsen ausgewählt werden, wobei die Mehrzahl von Gruppen alle Gruppen oder nur ein Teil der Gesamtheit von Gruppen sein können. Ausgewählte bzw. angeschaltete Düsen können durch Ansteuern mittels der Steuereinrichtung auch wieder abgeschaltet werden, so dass diese keine Spritzflüssigkeit mehr ausbringen. Die Auswahl der Spritzdüsen erfolgt dabei so, dass den ausgewählten Spritzdüsen eine Pflanzenreihe zugeordnet werden kann, und dass Spritzdüsen, denen aufgrund deren Position keine mit Spritzflüssigkeit zu applizierende Pflanzenreihe zugeordnet werden kann, ausgeschaltet werden/sind.
Weiterhin ist die Steuerungseinrichtung 30 dazu ausgebildet ist, wenigstens eine Spritzdüse 21a-24a, ... , 21n-24n aus jeder Gruppe 10a-10n von Spritzdüsen mittels Steuersignalen auszuwählen. Weiterhin ist die landwirtschaftliche Spritzvorrichtung 100 dazu ausgebildet, Spritzflüssigkeit mit den ausgewählten Spritzdüsen 21a-24a, ... , 21n-24n auf jeweils eine Pflanzenreihe 90 zu applizieren, wobei das Applizieren der Spritzflüssigkeit aus den ausgewählten Spritzdüsen 21a-24a, ... , 21n-24n als Bandapplikation in Form von jeweiligen Bändern 91 erfolgt. Das Applizieren der Spritzflüssigkeit innerhalb eines Nennspritzwinkels a von unmittelbar benachbarten der ausgewählten Spritzdüsen überlappt sich nicht. Dabei können unmittelbar benachbarte ausgewählte Spritzdüsen aus verschiedenen Gruppen sein, können jedoch auch aus einer Gruppe sein. Der Reihenabstand der Pflanzenreihen kann durch einen Benutzer eingegeben werden oder ist der Steuerungseinrichtung zuvor hinterlegt worden.
Jede Gruppe 10a-10n von Spritzdüsen enthält die gleiche Anordnung von Spritzdüsen 21a-24a, 21n-24n und jede Gruppe von Spritzdüsen umfasst Düsen mit mindestens zwei verschiedenen Nennspritzwinkeln. Am Ende eines Spritzbalkens, an dem die Gruppen von Spritzdüsen befestigt sind, kann eine Randspritzdüse vorgesehen sein, die eine ungleichmäßige Winkelverteilung der Spritzflüssigkeit aufweist, insbesondere so, dass am äußeren Rand des Winkelbereichs im Wesentlichen senkrecht nach unten gespritzt wird und nicht weiter nach außen. Im Gegensatz dazu haben die genannten Spritzdüsen 21a-24a, ..., 21n-24n in den Gruppen 10a-10n von Spritzdüsen eine im Wesentlichen symmetrische Winkelverteilung um die senkrechte Richtung.
Fig. 1 zeigt die landwirtschaftliche Spritzvorrichtung 100 gemäß der Ausführungsform bei Bandapplikation. Fig. 2 und Fig. 5A zeigen die erfindungsgemäße landwirtschaftliche Spritzvorrichtung 100 bei Flächenapplikation.
Die Bandapplikation kann bei einer Applikationshöhe von ca. 35 cm mit einem Spritzdruck von ca. 2 bar und mit einer Aufbringungsmenge von ca. 100 l/ha erfolgen, wobei diese Angaben lediglich beispielhaft sind. Die Flächenapplikation kann dagegen mit einem Spritzdruck von ca. 5 bar und einer Aufbringungsmenge von ca. 300 l/ha erfolgen, wobei diese Angaben ebenfalls lediglich beispielhaft sind. Die Steuerung durch die Steuerungseinrichtung 30 kann insbesondere auch die Steuerung des Spritzdrucks umfassen.
Beispielsweise können die Spritzdüsen 21b, 22b und 24b einen Nennspritzwinkel a von 40° aufweisen (der etwa für die Bandapplikation gut geeignet ist), während die Spritzdüse 23b einen Nennspritzwinkel a von 120° aufweisen kann (der für die Flächenapplikation gut geeignet ist).
Die Steuerungseinrichtung 30 ist dazu ausgebildet, eine Neu-Auswahl der Spritzdüsen 21a-24a, ... , 21n-24n durchzuführen, um dadurch ein Umschalten von der Bandapplikation auf eine Flächenapplikation mit sich überlappenden Bändern von unmittelbar benachbarten der neu ausgewählten Spritzdüsen zu bewirken.
Die landwirtschaftliche Spritzvorrichtung 100 gemäß dieser Ausführungsform ist dazu ausgebildet sein, einen Reihenabstand der Pflanzenreihen zu erfassen; wobei die
Steuerungseinrichtung 30 dazu ausgebildet ist, die Spritzdüsen 21a-24a, 21n-24n so auszuwählen, dass ein Abstand von benachbarten ausgewählten Spritzdüsen dem erfassten Reihenabstand entspricht.
Fig. 3 zeigt zwei benachbarte Gruppen 10b, 10c von Spritzdüsen der landwirtschaftlichen Spritzvorrichtung gemäß Fig. 1 und 2. Die anderen Gruppen von Spritzdüsen der landwirtschaftlichen Spritzvorrichtung sind ebenfalls gleichartig ausgebildet. Eine erste Gruppe 10b enthält die Spritzdüsen 21b-24b und die zweite Gruppe 10c enthält die Spritzdüsen 21c-24c. Die Anordnung der Spritzdüsen in jeder Gruppe ist gleichartig und die entsprechenden Spritzdüsen (z.B. 21b und 21c, 22b und 22c, 23b und 23c, 24b und 24c) in den Gruppen sind jeweils gleichartig. Die Spritzdüsen 21b, 22b, 24b und 21c, 22c, 24c weisen den gleichen Nennspritzwinkel auf, der jedoch kleiner ist als der Nennspritzwinkel der Spritzdüsen 23b und 23c. Die Beabstandung der Gruppen und der Spritzdüsen ist so gewählt, dass eine Umschaltung zwischen verschiedenen Reihenabständen (bzw. entsprechenden Abständen der der ausgewählten Spritzdüsen) unmittelbar durch Umschalten der ausgewählten Spritzdüsen erfolgen kann. In diesem Beispiel sind diese verschiedenen Reihenabstände 25 cm, 50 cm, 75 cm, bzw. Vielfache davon. Beispielsweise kann eine Applikation mit einem Abstand von 25 cm dadurch erfolgen, dass in der Gruppe 10b die linke Düse 21b und die rechte Düse 22b und in der Gruppe 10c die linke Düse 21c und die rechte Düse 22c ausgewählt werden, weil der Abstand zwischen den Düsen 21b und 22b bzw. 21c und 22c jeweils 25 cm ist, als auch der Abstand zwischen den Düsen 22b der Gruppe 10b und der Düse 21c der Gruppe 10c 25 cm beträgt.
In Fig. 4 ist die Bandapplikation dargestellt, wobei in einer Fahrgasse (siehe Reifenposition 80) keine Pflanzenreihe vorhanden ist. Dementsprechend wird eine entsprechende Spritzdüse an dieser Position nicht ausgewählt bzw. nicht aktiviert/eingeschaltet, sondern nur die Spritzdüsen 22a, 21c, 21f.
Für die Beschreibung der Fig. 5 wird hinsichtlich der Bezugszeichen für die einzelnen Düsen auf die detaillierte Darstellung der Fig. 3 verwiesen, die hier entsprechend anzuwenden sind, jedoch aus Gründen der Übersichtlichkeit weggelassen wurden. Die Bezeichnung der Gruppen von Düsen in Fig. 5A gilt entsprechend für Fig. 5B, 5C, 5D.
In Fig. 5A ist die Flächenapplikation unter Einsatz aller Spritzdüsen 23a, 23I mit großem Spritzwinkel (a) der Gruppen 10a, ... , 101 dargestellt (wie zuvor beschrieben). Fig. 5B, 5C und 5D zeigen die Bandapplikation bei verschiedenen Reihenabständen. Dabei wird je nach Reihenabstand eine jeweils unterschiedliche Auswahl von Spritzdüsen getroffen, um die die Applikation auf den entsprechenden Pflanzenreihen durchzuführen. In Fig. 5B sind nur die Düsen 22a, 21c, 21f, 22g, 22j, 211 (der Gruppen 10a, 10c, 10f, 10g, 10j, 101) aktiviert. Beispielsweise sind in Bezug auf die Gruppen 10a und 10c die zueinander nächstliegenden Düsen 22a und 21c aktiviert und in Bezug auf die Gruppen 10f und 10g die voneinander am weitesten entfernten Düsen 21f und 22g aktiviert. Im Bereich der Fahrgasse (Reifenposition 80) sind keine Düsen angeschaltet. In Fig. 5C sind nur die Düsen 24a, 24b, 24c, 24e, 24f, 24g, 24h, 24j, 24k, 24I (der Gruppen 10a, 10b, 10c, 10e, 10f, 10g, 10h, 10j, 10k, 101) angeschaltet. Von den Gruppen 10d und 10i ist keine Düse angeschaltet, da diese im Bereich des Fahrwegs liegen. In Fig. 5D sind nur die Düsen 21b, 22c, 21e, 22f, 21h, 22i, 21k, 22I angeschaltet. In Fig. 5D ist zudem einen Versatz des Fahrwegs dargestellt, so dass Reifenpositionen nahe an Pflanzenreihen vorgesehen sind, was eine weitere Flexibilität hinsichtlich der Reihenabstände und den entsprechend ausgewählten Spritzdüsen darstellt. In diesem Zusammenhang kann auch die Lenkung der landwirtschaftlichen Spritzvorrichtung steuerbar sein, um einen exakten Fahrweg entlang der Pflanzenreichen zu bewirken.
Fig. 6 zeigt eine Anzeige- und Eingabeeinrichtung der Steuereinrichtung 30 in der Form eines Terminals das über einen Datenbus, z.B. Canbus oder Isobus, mit dem Jobrechner der Spritzvorrichtung verbunden ist. Mit den Tasten 31a, 31b kann durch Betätigung durch einen Benutzer ein Umschalten zwischen Band- und Flächenapplikation erfolgen. Für die Flächenapplikation wird über 32b und für die Bandapplikation über 32a eine jeweilige Ausbringungsmenge angezeigt bzw. kann darüber eingestellt werden. Eine Reihenweite (Reihenabstand), ein Düsenspritzwinkel und eine Applikationshöhe werden über die Anzeigeelemente 33, 34, 35 angezeigt bzw. können ggf. darüber auch eingestellt/eingegeben werden. Die Applikationshöhe beziehen sich dabei auf einen Abstand zwischen den Spritzdüsen und einem ebenen Untergrund bzw. auf die im Wesentlichen ebenen Bereiche zwischen den Pflanzenreihen oder es kann der Abstand der Düsen von den Pflanzen angegeben werden, wobei der Abstand mittels Ultraschallsensoren oder mittels Radar
ermittelt/gemessen werden kann. Insbesondere kann der Abstand zur Unterseite der Reifen als Applikationshöhe angegeben werden.
Fig. 7 zeigt eine aktive Gestängeführung des Gestänges, an der die Spritzdüsen befestigt sind. Insbesondere können die Anstellwinkel der linken und rechten Gestängearme unabhängig voneinander eingestellt werden. Auf diese Weise kann eine exakte Einhaltung der Düsenhöhe und damit auch die Präzision der Applikation verbessert werden.
Mit anderen Worten stellt die Erfindung die folgenden Vorteile bereit. Die erfindungsgemäße Vorrichtung ermöglicht dem Anwender jederzeit im Feldeinsatz von Flächenapplikation auf Bandapplikation umzuschalten. Ohne Umbaumaßnahmen sind Anwendungen in verschiedenen Reihenkulturen (Zuckerrüben, Mais, Kartoffeln, etc.) möglich. Der Pflanzenschutzmittelaufwand kann ohne Schlagkraftverluste deutlich reduziert werden. Dieses senkt Kosten und schützt die Umwelt. Je nach Reihenweite der Kulturen bestückt und programmiert man eine betriebsindividuelle Düsenkonfiguration. Per Tastendruck kann beliebig von der Bandapplikation auf die übliche Flächenapplikation umgeschaltet werden. Der beispielhafte 4-fach Düsenkörper (Gruppe von Spritzdüsen) bietet eine 50-cm-Teilbreitenschaltung und Düsenpositionen im 25-cm- und 50-cm-Abstand mit flexibler Schaltung jeder einzelnen Düse. Dieser Düsenkörperaufbau ermöglicht Reihenbezug sowohl bei 75-cm- als auch 50-cm-Reihenweite ohne Umbaumaßnahmen. Im Bedienterminal (Steuervorrichtung) wird die gewünschte Applikationsmenge für Flächen- und Bandapplikation hinterlegt. So ist die Aufwandmenge bei einem Funktionswechsel automatisch angepasst. Eine aktive Gestängeführung (des Gestänges an der die Spritzdüsen befestigt sind) kann eine exakte Einhaltung der Düsenhöhe und damit auch die Präzision der Applikation sicherstellen. Bei Verwendung von Düsen mit 40-Grad-Spritzwinkel ergibt sich beispielsweise ein Band von 25 cm Breite. Wird das Gestänge niedriger geführt, kann das Band auch schmaler ausgestaltet werden.
Zur Erreichung der Reduktionsziele im Pflanzenschutz können die Unkräuter zwischen den Reihen mit Hackgeräten beseitigt werden. Im Band applizierte systemische Herbizide bieten ergänzend zur Hacke eine zuverlässige Unkrautkontrolle. Der ganzflächige Einsatz von Insektiziden ist nach dem Wegfall der vielen Saatgutbeizen
wieder üblich geworden. Die Bekämpfung der Schadorganismen kann effizienter erfolgen, wenn die Wirkstoffe in maximal zulässiger Konzentration auf die Kulturpflanze appliziert werden. Gleiches gilt für die Applikation von hochwertigen Fungiziden im Kartoffelanbau.
Je nach Reihenweiten ist eine Reduktion von Pflanzenschutzmitteln in den genannten Anwendungen von 40-50 % (Reihenabstand 45/50 cm Zuckerrüben) bzw. 50-65 % (Reihenabstand 75 cm Mais, Kartoffeln) möglich. Bei besonderen Kombinationen von Spurweiten und Reihenweiten kann eine (einmalige) Installation von Verlagerungssätzen zur Positionierung der Düsenkörper noch mehr Flexibilität ermöglichen. Das Wechseln zwischen verschiedenen Reihenbreiten- und Flächenapplikation ist jederzeit ohne Umbaumaßnahme möglich. Die Reduktion von Pflanzenschutzmitteln entlastet unmittelbar die Umwelt. Große Bereiche des Feldes werden nicht mit Pflanzenschutzmitteln behandelt. Schadinsekten auf den Kulturpflanzen werden erfasst, Nützlinge zwischen den Reihen werden verschont. Die Nutzung von Düsen mit schmalen Spritzwinkeln und geringerer Gestängehöhe erhöht zudem die Tropfengeschwindigkeit und reduziert die Abdrift. Durch die Reduktion der Gesamtaufwandmengen (l/ha) ist eine größere Flächenleistung pro Maschine möglich. Die Applikation kann noch besser zum optimalen Zeitpunkt erfolgen.
Die dargestellten Ausführungsformen sind lediglich beispielhaft und der vollständige Umfang der vorliegenden Erfindung wird durch die Ansprüche definiert.