B e s c h r e i b u n g
Verfahren und Vorrichtung zur Reduktion der Potenzial induzierten Degradation von Solar zellen
Die Erfindung bezieht sich auf ein Solarmodul sowie ein Verfahren für den Betrieb des So larmoduls.
Ein Solarmodul besteht aus einer Mehrzahl von fotovoltaischen Zellen. Durch eine fotovoltai sche Zelle kann Strahlungsenergie, insbesondere Licht, in elektrische Energie umwandelt werden. Eine fotovoltaische Zelle, auch Solarzelle genannt, umfasst ein Material, beispiels weise ein Halbleitermaterial, in dem durch eine elektromagnetische Strahlung freie Ladungs träger erzeugt werden. An dem genannten Material grenzen zwei Elektroden an. Das ge nannte Material befindet sich dann zwischen den zwei Elektroden. Beispielsweise durch ein elektrisches Feld, so zum Beispiel durch ein internes elektrisches Feld eines pn-Halbleiters, werden die erzeugten freien Ladungsträger aus dem genannten Material herausgeführt.
Über die angrenzenden Elektroden kann der so erzeugte elektrische Strom einem elektri schen Verbraucher zugeführt werden.
Die fotovoltaischen Zellen eines Solarmoduls sind elektrisch miteinander verbunden und zwar in der Regel seriell. Die fotovoltaischen Zellen eines Solarmoduls können beispielswei se durch eine Glasabdeckung geschützt sein. Alternativ oder ergänzend können ein oder mehrere andere, zum Beispiel aus Kunststoff bestehende Schutzschichten vorhanden sein. Ein Solarmodul kann eine Antireflexschicht umfassen. Ein Solarmodul kann aus Schutzgrün den einen Rahmen umfassen. Der Rahmen kann elektrisch geerdet sein.
Während des Betriebs eines Solarmoduls befindet sich eine Seite der fotovoltaischen Zellen auf positivem Potenzial und eine gegenüberliegende Seite der fotovoltaischen Zellen auf negativem Potenzial. Daran angrenzende Komponenten wie Glasscheibe, andere Schichten oder Rahmen befinden sich auf Nullpotenzial oder nahe beim Nullpotenzial. Es treten daher während des Betriebs Potenzialdifferenzen zwischen Oberflächen von fotovoltaischen Zellen und daran angrenzenden Komponenten auf. Durch solche Potenzialdifferenzen können Ionen, beispielsweise Na+ Ionen, aus genannten Komponenten zu den Solarzellen wandern
und diese schädigen. Dieser negative Effekt, der potenzialinduzierte oder spannungsbeding te Degradation genannt wird, kann große Leistungsverluste verursachen.
Aus der WO 2015/191699 A1 ist bekannt, ein elektrisch isolierendes Material zwischen dem Rahmen eines Solarmoduls und fotovoltaischen Zellen des Solarmoduls anzuordnen, um eine potenzialinduzierte Degradation zu vermeiden.
Aus der US 7,554,031 B2 ist bekannt, eine leitfähige Schicht auf eine dielektrische Passivie rungsschicht einer Solarzelle aufzubringen, um so eine potenzialinduzierte Degradation zu vermeiden. Da die leitfähige Schicht auf der Einfallsseite für Licht aufzubringen ist, wird der Lichteinfall durch die leitfähige Schicht reduziert und damit auch der Wirkungsgrad des So larmoduls.
Es ist Aufgabe der Erfindung, leistungsfähige und langlebige Solarmodule zu schaffen.
Die Aufgabe wird durch ein Solarmodul nach Anspruch 1 sowie durch ein Verfahren gemäß nebengeordnetem Anspruch gelöst. Vorteilhafte Ausgestaltungen ergeben sich aus den jeweils darauf rückbezogenen Ansprüchen.
Zur Lösung der Aufgabe wird ein Solarmodul zur Erzeugung von elektrischem Strom vorge sehen, das eine Mehrzahl von fotovoltaischen Zellen umfasst. Ein jedes Modul kann mehr als 10 fotovoltaische Zellen, so zum Beispiel mehr als 50 fotovoltaische Zellen umfassen.
Die fotovoltaischen Zellen eines Solarmoduls sind elektrisch miteinander verbunden und zwar vorzugsweise seriell, damit durch ein Solarmodul eine höhere Spannung im Vergleich zu der Spannung, die eine einzelne fotovoltaische Zelle erzeugen kann, bereitgestellt werden kann.
Eine fotovoltaische Zelle weist zwei Elektroden auf. Zwischen den beiden Elektroden befin det sich ein Material, in dem freie Ladungsträger durch eine elektromagnetische Welle er zeugt werden können. Das Material kann beispielsweise kristallines, polykristallines oder amorphes Silizium sein. Das Material kann ein II I-V-Halbleiter sein wie zum Beispiel GaAs. Das Material kann ein Il-Vl-Halbleiter sein wie zum Beispiel CdTe. Das Material kann ein l-lll- Vl-Halbleiter sein wie zum Beispiel Kupfer-Indium-Gallium-Diselenid. Das Material kann auf
organischen Kohlenwasserstoffverbindungen oder organische Farbstoffen basieren. Das Material kann dotiert sein.
Die Elektroden bestehen aus einem elektrisch leitfähigen Material, beispielsweise aus Metall wie Kupfer oder Silber. Auf einer Licht einfallenden Seite ist eine Elektrode transparent und besteht beispielsweise aus Indiumzinnoxid, Fluor-Zinn-Oxid, Aluminium-Zink-Oxid oder Antimon-Zinn-Oxid.
An fotovoltaische Zellen grenzen Komponenten an wie zum Beispiel eine Glasscheibe oder eine aus Kunststoff bestehende Schicht.
Es ist eine elektrische Einrichtung vorhanden, durch welche während einer Erzeugung von elektrischem Strom eine elektrische Potenzialdifferenz zwischen einer Seite einer fotovoltai schen Zelle und einer daran angrenzenden Komponente verringert wird. Grenzt eine Kom ponente an der Seite einer Solarzelle an, die sich während der Stromerzeugung auf negati vem Potenzial befindet, dann wird diese angrenzende Komponente beispielsweise durch die elektrische Einrichtung ebenfalls so auf ein negatives Potenzial gebracht, dass sich die Potenzialdifferenz verringert. Grenzt eine Komponente an der Seite einer Solarzelle an, die sich während der Stromerzeugung auf positivem Potenzial befindet, dann wird diese angren zende Komponente beispielsweise durch die elektrische Einrichtung ebenfalls so auf ein positives Potenzial gebracht, dass sich die Potenzialdifferenz verringert.
Durch die Potenzialangleichung wird vermieden, dass das Solarmodul durch potenzialindu zierte Degradation geschädigt werden kann. Die Langlebigkeit eines Solarmoduls wird dadurch verbessert. Die elektrische Leistung, die dafür aufgewendet werden muss, ist äu ßerst gering. Dadurch verursachte Leistungsverluste sind daher vernachlässigbar klein. Der technische Aufwand kann gering gehalten werden.
Vorzugsweise ist die elektrische Einrichtung so eingerichtet, dass die erforderliche elektri sche Leistung durch das Solarmodul während des Betriebes bereitgestellt wird. Dann kann das Solarmodul autark betrieben werden.
Die angrenzende Komponente kann eine Glasscheibe sein. Die Glasscheibe kann auf Elekt roden der fotovoltaischen Zellen unmittelbar aufliegen. Die Glasscheibe kann mit Elektroden
verklebt sein. Es kann zumindest eine Zwischenschicht zwischen Elektroden und Glasschei be vorhanden sein.
In einer technisch einfachen Ausgestaltung umfasst die elektrische Einrichtung ein oder Schutzkontakte. Ein jeder Schutzkontakt kann auf der angrenzenden Komponente anliegen. Ein jeder Schutzkontakt kann mit angrenzenden Komponente verklebt sein. Die angrenzen de Komponente kann sich zwischen zwei Schutzkontakten befinden. Zwei Schutzkontakte der elektrischen Einrichtung können auf gegenüberliegenden Seiten der angrenzenden Komponente aufliegen, beispielsweise auf einer Glasscheibe. Die ein oder mehreren Schutzkontakte können beispielsweise an einer Glasscheibe angebracht sein.
Ein oder mehrere Schutzkontakte der elektrischen Einrichtung können rahmenartig sein, so zum Beispiel rechteckig oder quadratisch, um eine Potenzialdifferenz geeignet zu verringern, ohne einen Einfall einer elektromagnetischen Welle übermäßig zu behindern.
Ein oder mehrere Schutzkontakte der elektrischen Einrichtung grenzen vorzugsweise an den Rand des Solarmoduls an, um weiter verbessert eine Potenzialdifferenz geeignet zu verrin gern, ohne einen Einfall einer elektromagnetischen Welle übermäßig zu behindern. Ein oder mehrere Schutzkontakte der elektrischen Einrichtung verlaufen dann nahe beim Rand eines Solarmoduls sowie in der Regel parallel zum Rand des Solarmoduls. Der Abstand zu einem Rahmen oder Rand eines Solarmoduls und einem Schutzkontakt der elektrischen Einrich tung kann dann weniger als 5 cm, vorzugsweise weniger als 3 cm, besonders bevorzugt weniger als 1 cm betragen.
Die ein oder mehreren Schutzkontakte können in Aufsicht auf die Solarzellen gesehen um die Solarzellen herum verlaufen.
Ein oder mehrere Schutzkontakte der elektrischen Einrichtung können aus einem transpa renten, elektrisch leitfähigen Material bestehen, um Leistungsverluste weiter verbessert zu reduzieren. Ein oder mehrere Schutzkontakte der elektrischen Einrichtung können aus einem Metall bestehen.
Zumindest ein Schutzkontakt der elektrischen Einrichtung ist vorzugsweise mit einem elektri schen Widerstand verbunden. Im installierten Zustand des Solarmoduls ist dieser Wider-
stand mit Masse verbunden, also geerdet. Der elektrische Widerstand kann mit einem elektrisch leitfähigen Rahmen des Solarmoduls verbunden sein, wenn vorgesehen ist, den elektrisch leitfähigen Rahmen im installierten Zustand zu erden. Eine Gefährdung von Per sonen aufgrund eines elektrischen Stroms durch einen Schutzkontakt wird so vermieden.
Der Widerstand kann an einem Ende eine Einrichtung für eine Erdung umfassen, also ein Mittel wie zum Beispiel einen elektrischen Stecker oder eine elektrische Buchse, um den Widerstand durch eine elektrische Steckverbindung mit Masse zu verbinden. Es kann sich aber auch um ein elektrisches Kabel handeln, das mit seinem freien Ende beispielsweise mit einer Klemmverbindung verbunden werden kann.
Der elektrische Widerstand kann mehr als 1 kQ, vorzugsweise mehr als 10 kQ, besonders bevorzugt mehr als 100 kQ betragen.
Das Solarmodul umfasst in einer Ausgestaltung einen Rahmen, der im installierten Zustand aus Schutzgründen geerdet sein kann, also dann mit Masse verbunden ist. Zu diesem Zweck kann der Rahmen eine Einrichtung für eine Erdung des Rahmens umfassen. Es handelt sich bei dieser Einrichtung beispielsweise um einen elektrischen Stecker oder eine elektrische Buchse, die mit einer Erdung bzw. mit Masse durch eine elektrische Steckverbin dung verbunden werden kann. Es kann sich aber auch um ein elektrisches Kabel handeln, das mit seinem freien Ende mit einer Klemmverbindung verbunden werden kann.
Die Erfindung betrifft insbesondere eine Mehrzahl von Solarmodulen, die elektrisch in Reihe geschaltet sind. Insbesondere in diesem Fall können Solarmodule durch die Degradation geschädigt werden, was durch die Erfindung zuverlässig mit geringem technischem Aufwand und mit geringem Leistungsverlust vermieden wird.
Während des Betriebs trifft eine elektromagnetische Strahlung, insbesondere Licht, auf das Solarmodul auf, wodurch das Solarmodul einen elektrischen Strom erzeugt. Während des Erzeugens des elektrischen Stroms nähert die elektrische Einrichtung das elektrische Poten zial einer Komponente dem elektrischen Potenzial an, auf dem sich eine daran angerenzen- de Seite der fotovoltaischen Zelle befindet. Die daran angerenzende Seite der fotovoltai schen Zelle befindet sich insbesondere auf negativem Potenzial, da dieser Fall besonders problematisch ist.
Im Folgenden wird die Erfindung an Hand von Ausführungsbeispielen und der beigefügten Figuren 1 bis 3 näher erläutert, ohne dass hierdurch eine Einschränkung der Erfindung vor gesehen ist.
Es zeigen:
Fig. 1 : Querschnitt eines geerdeten Solarmoduls nach dem Stand der Technik mit mögli chen Leckströmen;
Fig. 2: Querschnitt eines geerdeten Solarmoduls mit erfindungsgemäßen Schutzkontakten zur Reduktion der potenzialinduzierten Degradation;
Fig. 3: Aufsicht auf ein Solarmodul mit erfindungsgemäßem Schutzkontakt.
Figur 1 zeigt ausschnittweise einen seitlichen Querschnitt eines Solarmoduls im Bereich seines Rahmens 14 mit fotovoltaischen Zellen 13. Die fotovoltaischen Zellen 13 sind in eine Ethylen-Vinyl-Acetat Schicht 12 eingebettet. Die Frontseite des Solarmoduls ist durch eine Glasplatte 10 abgedeckt. Auf der Rückseite ist eine Rückwand 11 aufgebracht. Der Rahmen 14 ist elektrisch geerdet.
In Figur 1 sind beispielhaft zwei mögliche Wege für Leckströme eingezeichnet, die eine potenzialinduzierte Degradation verursachen können. Ein erster möglicher Leckstromweg 20 kann von fotovoltaischen Zellen 13 durch die Ethylen-Vinyl- Acetat Schicht 12 und durch die Glasplatte 10 hindurch entlang der Oberseite der Glasplatte 10 zum Rahmen 14 und dann zur Erdung verlaufen. Ein zweiter möglicher Leckstromweg 21 kann von den fotovoltaischen Zellen 13 durch die Ethylen-Vinyl- Acetat Schicht 12 entlang der Unterseite der Glasplatte 10 wandern und von hier entlang der Unterseite der Glasplatte 10 zum Rahmen 14 und dann zur Erdung verlaufen.
Figur 2 zeigt entsprechend Figur 1 ebenfalls ausschnittweise einen seitlichen Querschnitt eines Solarmoduls im Bereich des Rahmens 14 des Solarmoduls. Das Solarmodul umfasst fotovoltaische Zellen 13, die in eine Ethylen-Vinyl-Acetat Schicht 12 eingebettet sind. Auf der Frontseite gibt es eine Glasplatte 10 und auf der Rückseite eine Rückwand 11. Der Rahmen 14 weist ebenfalls eine Erdung auf.
In Figur 2 sind beispielhaft zwei Möglichkeiten für das Anbringen von erfindungsgemäßen Schutzkontakten 15 dargestellt, wobei jeweils ein Schutzkontakt 15 für das Verhindern oder Vermindern eines Leckstroms 20, 21 aus Figur 1 angeordnet ist. Erfindungsgemäß werden Schutzkontakte 15 im Bereich des Rahmens 14 angeordnet, an die jeweils eine Schutzkon taktleitung 30, 31 angeschlossen ist. An die Schutzkontakte 15 wird über die Schutzkontakt leitungen 30, 31 ein Potenzial angelegt, welches nahe am Potenzial der angrenzenden Seite des Solarmoduls liegt und weniger nah am Potenzial des Rahmens 14. Dadurch können Leckströme 20, 21 vermieden werden. Es können Leckströme 22, 23 auftreten, die von Schutzkontakten 15 zum Rahmen 14 fließen. Solche Leckströme 22, 23 sind jedoch ver nachlässigbar klein und unschädlich.
Figur 3 zeigt eine Aufsicht auf ein Solarmodul mit einem erfindungsgemäß angeordneten rechteckigen Schutzkontakt 15 auf der Frontseite einer Glasscheibe. Auch auf der Rückseite der Glasscheibe kann sich ein gleich verlaufender elektrischer Schutzkontakt befinden. In diesem Ausführungsbeispiel sind die ein oder mehreren Schutzkontakte 15 so angeordnet, dass diese um die fotovoltaischen Zellen 13 herum verlaufen. Solche Schutzkontakte 15 können sowohl oberhalb als auch unterhalb einer Schicht des Solarmoduls angeordnet sein oder auch nur oberhalb oder nur unterhalb der Schicht. Insbesondere ist ein außen liegender Schutzkontakt 15 mit einem in der Figur 3 nicht gezeigten elektrischen Widerstand verbun den. Während des Betriebs der Solarzelle ist dieser elektrische Wderstand geerdet.
Durch Erfindung kann eine Schädigung von Solarzellen 13 in Solarmodulen verbessert ver mieden werden. An ein oder mehrere Schutzkontakte 15 wird während der Erzeugung von Strom ein Potenzial angelegt, welches näher am benachbarten Potenzial der fotovoltaischen Zellen 13 liegt als am Potenzial des Rahmens 14.
Bezugszeichenliste:
10: Glasplatte der Frontseite
11 : Rückwand des Solarmoduls
12: Ethylen-Vinyl-Acetat Schicht (EVA)
13: fotovoltaische Zelle
14: Rahmen
15: Schutzkontakt
20: Leckstromweg
21 : Leckstromweg
22: Leckstromweg
23: Leckstromweg 30: Schutzkontaktleitung
31 : Schutzkontaktleitung