Beschreibung
Regelungsverfahren für die additive Herstellung
Die vorliegende Erfindung betrifft ein Regelungsverfahren für die additive Herstellung eines Bauteils, vorzugsweise in der pulverbett-basierten Herstellung. Weiterhin werden eine Vor richtung, ein Computerprogrammprodukt sowie ein Verfahren zur additiven Herstellung des Bauteils angegeben, welches die be schriebene Regelung nutzt.
Das Bauteil ist vorzugsweise für den Einsatz in einer Strö mungsmaschine, vorzugsweise im Heißgaspfad einer Gasturbine vorgesehen. Das Bauteil besteht vorzugsweise aus einer Super legierung, insbesondere einer nickel- oder kobaltbasierten Superlegierung. Die Legierung kann beispielsweise ausschei dungsgehärtet oder mischkristallgehärtet sein.
In Gasturbinen wird thermische Energie und/oder Strömungs energie eines durch Verbrennung eines Brennstoffs, z.B. eines Gases, erzeugten Heißgases in kinetische Energie (Rotationse nergie) eines Rotors umgewandelt. Dazu ist in der Gasturbine ein Strömungskanal ausgebildet, in dessen axialer Richtung der Rotor bzw. eine Welle gelagert ist. Wird der Strömungska nal von einem Heißgas durchströmt, werden die Laufschaufeln mit einer Kraft beaufschlagt, die in ein auf die Welle wir kendes Drehmoment umgewandelt wird, das den Turbinenrotor an treibt, wobei die Rotationsenergie z.B. zum Betrieb eines Ge nerators genutzt werden kann.
Moderne Gasturbinen sind Gegenstand stetiger Verbesserung, um ihre Effizienz zu steigern. Dies führt allerdings unter ande rem zu immer höheren Temperaturen im Heißgaspfad. Die metal lischen Materialien für Laufschaufeln, insbesondere in den ersten Stufen, werden ständig hinsichtlich ihrer Festigkeit bei hohen Temperaturen (Kriechbelastung, thermomechanische Ermüdung) verbessert.
Die generative oder additive Fertigung wird aufgrund ihres disruptiven Potenzials zunehmend interessant auch für die in dustrielle Serienherstellung der oben genannten Turbinenkom ponenten, wie beispielsweise Turbinenschaufeln oder Brenner komponenten .
Additive Herstellungsverfahren umfassen beispielsweise als Pulverbettverfahren das selektive Laserschmelzen (SLM) oder Lasersintern (SLS) , oder das Elektronenstrahlschmelzen (EBM) .
Ein Verfahren zum selektiven Laserschmelzen ist beispielswei se bekannt aus EP 2 601 006 Bl.
Additive Fertigungsverfahren (englisch: „additive manufac- turing") haben sich weiterhin als besonders vorteilhaft für komplexe oder kompliziert oder filigran designte Bauteile, beispielsweise labyrinthartige Strukturen, Kühlstrukturen und/oder Leichtbau-Strukturen erwiesen. Insbesondere ist die additive Fertigung durch eine besonders kurze Kette von Pro zessschritten vorteilhaft, da ein Herstellungs- oder Ferti gungsschritt eines Bauteils weitgehend auf Basis einer ent sprechenden CAD-Datei und der Wahl entsprechender Fertigungs parameter erfolgen kann.
Der vorliegend beschriebene Ausdruck „Computerprogrammpro dukt" kann z.B. ein Computerprogramm-Mittel darstellen oder umfassen, und beispielsweise als Speichermedium, wie z.B. Speicherkarte, USB-Stick, CD-ROM, DVD, oder auch in Form ei ner herunterladbaren Datei von einem Server in einem Netzwerk bereitgestellt oder umfasst werden. Dies kann zum Beispiel in einem drahtlosen Kommunikationsnetzwerk durch die Übertragung einer entsprechenden Datei mit dem Computerprogrammprodukt oder dem Computerprogramm-Mittel erfolgen.
Ein allgegenwärtiges Problem bei additiven Herstellungsver fahren für hochbelastete oder hochbelastbare Bauteile sind die strukturellen Eigenschaften bzw. Materialeigenschaften, welche konventionellen Fertigungstechniken häufig nachstehen.
Um bessere Materialeigenschaften in der additiven Fertigung zu erreichen, kann zur besseren Steuerung des Aufheiz- und Abkühlverhaltens zusätzlich zum Laser eine weitere Heizquelle eingesetzt werden. Bei der Verarbeitung von Metallen, insbe sondere Superlegierungen, eignen sich hierfür Induktions heizsysteme, die allerdings durch die ungleichmäßige Einbrin gung der Heizleistung zusätzlich eine mechanische Positionie rung der Induktionsspule (n) benötigen.
Die Heizleistung muss ebenfalls kontrolliert werden, da die Geometrie sehr starken Einfluss auf die Erwärmung bzw. die Einkoppeleffizienz oder Wirkung der Heizung hat. Für die Tem peraturregelung und/oder -erfassung kann eine Infrarotkamera eingesetzt werden, die das vollständige Baufeld (einer AM- Anlage) überblickt oder erfassen kann. Die Bildinformation kann über eine Kalibrierung in eine Temperatur umgerechnet und beispielsweise an der Position der Spulen ausgewertet werden. Möglicherweise wird dabei nur eine feste Position („region-of-interest" ) innerhalb des Bildes ausgewertet, die mit der Spule dann im Bild von einer Position zur nächsten verschoben werden kann. Diese Temperatur kann weiterhin an einen Regler oder eine Regeleinrichtung mit festen Parametern übergeben werden. Nach einer Positionsverschiebung, bei spielsweise zur Erwärmung eines weiteren Bereichs einer auf gebauten oder aufzubauenden Schicht im Wege der Herstellung des Bauteils, erreicht die Spule typischerweise eine weitere (kalte) Stelle und regelt die Heizleistung erneut.
Die in konventionellen Heizsystemen eingesetzte Regelung kom biniert häufig ein mit einer Spule zur induktiven Erwärmung mitgeführtes Pyrometer, das auf einen festen, beispielsweise durch das Spulenauge gerichtet ist und mit festen Regelpara metern, beispielsweise eines PID-Reglers, geregelt wird. Das Pyrometer mittels dabei über die Größe des Messflecks und ei ne Auswertung innerhalb des Messflecks erfolgt nicht.
Ein Problem, welches auftritt, ist, dass das Bild einer In frarotkamera, Wärmebildkamera oder Thermographieeinrichtung
kein ideales Bild liefert, sondern die einzelnen erfassten „Pixel" stark rauschen. Zusätzlich ist die Temperatur in Spu lennähe oder nahe des entsprechenden Bereichs der Schicht nicht konstant, sondern stark ortsabhängig oder positionsab hängig. Daher muss zum einen die „region of interest" groß genug gewählt werden, um den relevanten Bereich weitestgehend abzudecken. Zudem darf nicht nur ein einzelner Pixel (zum Beispiel das Maximum) ausgewertet werden, da dieser Wert stark schwankt und dadurch die Regelung erschwert wird. Daher besteht für eine stabile Regelung ein Bedarf für eine Lösung, die zum einen einen verlässlichen Wert nahe des Maximums in nerhalb der region-of-interest liefert, aber nicht dem
Rauschverhalten eines Einzelpixels unterliegt.
Es ist daher eine Aufgabe der vorliegenden Erfindung, Mittel anzugeben, welche das oben beschriebene Problem lösen.
Diese Aufgabe wird durch den Gegenstand der unabhängigen Pa tentansprüche gelöst. Vorteilhafte Ausgestaltungen sind Ge genstand der abhängigen Patentansprüche.
Ein Aspekt der vorliegenden Erfindung betrifft ein Regelungs verfahren oder Verfahren zum Regeln bzw. Bereitstellen von Regelungsdaten für die additive Herstellung eines Bauteils, insbesondere die pulverbettbasierte Herstellung.
Das Verfahren umfasst das Erfassen von ortsaufgelösten Tempe raturdaten oder Temperaturwerten einer additiv aufgebauten Schicht (Bauteilschicht) während der Herstellung des Bau teils. Die genannten Daten oder Werte werden dazu vorzugswei se an mehreren Positionen der Schicht oder auf der Schicht erfasst und/oder gespeichert.
Diese genannte Schicht kann eine von vielen hundert oder tau send Schichten bezeichnen, welche additiv über Pulverbettpro zesse nacheinander durch selektive Bestrahlung mit einem La ser- oder Energiestrahl aufgebaut werden.
Der Ausdruck „während" im Zusammenhang mit der additiven Her stellung des Bauteils soll vorliegend bedeuten, dass bei spielsweise eine Schicht zwar insgesamt während der Herstel lung des Bauteils, jedoch (schichtweise) nach dem jeweiligen Verfestigen der Schicht vorzugsweise von der Bearbeitungsvor richtung bearbeitet wird.
Das Verfahren umfasst weiterhin das Bestimmen mindestens ei ner definierten region-of-interest („Bereich von Interesse") der Schicht, welche während der Herstellung des Bauteils be arbeitet werden soll.
Der Bereich bzw. die region-of-interest bezeichnet vorzugs weise einen ausgewählten geometrischen Bereich in Aufsicht auf die jeweilige aufgebaute Schicht betrachtet. Der Bereich bezeichnet weiterhin zweckmäßigerweise einen Bereich, in dem die Temperaturdaten erfasst, gespeichert oder ausgewertet werden sollen. Der Bereich von Interesse wird vorzugsweise durch eine definierte aber nachträgliche, also nach dem Be stimmen, erfolgende Bearbeitung der Schicht definiert, insbe sondere durch Koordinaten einer beweglichen Bearbeitungsein richtung (siehe weiter unten) .
Das Verfahren umfasst weiterhin das Klassifizieren, Auswählen oder Einteilen von Temperaturwerten der mindestens einen re- gion-of-interest, beispielsweise anhand mindestens einer de finierten Klasse von Temperaturwerten. Diese Klassifizierung kann histogrammartig erfolgen, wobei eine Wertemenge anhand der Klassenbreite in Klassen eingeteilt wird.
Das Verfahren umfasst weiterhin das Bilden eines Mittelwertes der klassifizierten Temperaturwerte. Bei dem Mittelwert kann es sich beispielsweise um einen arithmetischen, einen geomet rischen oder einen quadratischen Mittelwert handeln.
Das Verfahren umfasst weiterhin das Ansteuern oder Regeln ei ner Bearbeitungseinrichtung mit dem gebildeten Mittelwert als Eingangswert, um die Schicht zu bearbeiten. Mit der Bearbei-
tung kann vorzugsweise eine Vorwärmung oder Erwärmung der Schicht in der region-of-interest gemeint sein. Eine Bearbei tung durch Vorwärmung kann sich vorliegend auch auf eine noch nicht verfestigte oder aufgebaute Schicht des Bauteils son dern eine frisch aufgetragene Basismaterialschicht für das Bauteil beziehen.
Die vorliegend beschriebenen Mittel sind vorzugsweise geeig net, um eine Bearbeitung oder Vorwärmung des Bauteils oder einer nachfolgend herzustellenden Bauteilschicht, auf eine Temperatur von über 1000 °C zu erwärmen.
In einer Ausgestaltung ist der Mittelwert der klassifizierten Temperaturwerte ein arithmetischer Mittelwert. Alternativ kann der Mittelwert ein geometrischer oder quadratischer Mit telwert sein.
In einer Ausgestaltung wird der Mittelwert als Ist-Wert an eine Regelung oder Regelungseinrichtung, insbesondere umfas send einen PID-Regler, übergeben oder entsprechend verwendet. Der genannte Regler kann sowohl softwaretechnisch also hard waretechnisch ausgeführt werden.
Das beschriebene Verfahren ermöglicht beispielsweise gegen über einer Temperaturregelung in der additiven Herstellung oder einer anderen Anwendung mit einem beweglichen und mitge führten Pyrometer, eine Vereinfachung, da die Mitführung des Pyrometers beispielsweise von einer ersten Position zu einer zweiten Position auf der Schicht bewegt werden muss.
Gleichwohl erlaubt die Auswertung der erfassten Temperatur werte in der region-of-interest beispielsweise im Gegensatz zur Ausführungsform mit einem Pyrometer eine dynamische oder zeitabhängige Auswertung der einzelnen Pixel oder Temperatur werte. Eine solche Funktionalität könnte mit Pyrometern nur über eine Kombination von mehreren Instrumenten oder Systemen erreicht werden.
Weiterhin kann mit den präsentierten Mitteln zur Regelung ein deutlich verbessertes Rauschverhalten erzielt werden.
In einer Ausgestaltung ist das Verfahren ein computerimple mentiertes Verfahren.
In einer Ausgestaltung werden die Temperaturwerte bzw. Tempe raturdaten mittels einer Infrarotkamera, einer Wärmebildkame ra oder thermographisch, beispielsweise über entsprechende Mittel zur thermographischen Temperaturerfassung, erfasst. Diese Ausgestaltung ist bevorzugt, da viele konventionelle additive Fertigungsanlagen bereits mit entsprechenden Geräten zur Temperaturmessung oder Aufnahme von Temperaturbildern ausgestattet sind.
In einer Ausgestaltung werden die Temperaturdaten oder -werte der Schicht nur in einer (oder mehrerer) region-of-interest erfasst, beispielsweise aber nicht in anderen Bereichen der Schicht bzw. des Thermobildes . Diese Ausgestaltung ist pro- zess- und dateneffizient und erlaubt es, den Regelungsaufwand zu minimieren.
In einer Ausgestaltung werden die Temperaturwerte aus den Temperaturdaten berechnet oder bestimmt. Die Temperaturdaten können dahingehend von den Temperaturwerten abweichen, da die Temperaturdaten vorzugsweise ein Temperatur- oder Wärmebild beschreiben können, aus welchem die entsprechenden konkreten Temperaturwerte erst noch extrahiert oder umgerechnet werden müssen .
In einer Ausgestaltung wird ein Histogramm von Temperaturwer ten erstellt.
In einer Ausgestaltung wird - für das Klassifizieren - eine absolute bzw. relative Klassenhäufigkeit der Temperaturwerte bestimmt. Für die Bestimmung oder Konstruktion des Histo gramms werden die Temperaturwerte beispielsweise anhand oder
mithilfe einer definierten Klassenbreite eingeteilt, ausge wählt oder klassifiziert.
In einer Ausgestaltung werden die, insbesondere betragsmäßig, größten 10 % der Temperaturwerte aus der mindestens einen re- gion-of-interest klassifiziert oder ausgewählt, bzw. voraus gewählt. Diese Ausgestaltung entspricht derjenigen eines His togramms, bei dem die Flächeninhalte der einzelnen Rechtecke oder Klassen die relativen Klassenhäufigkeiten bezeichnen.
In einer Ausgestaltung werden die Temperaturwerte, insbeson dere betragsmäßig, aus einem Bereich der größten 10 bis bei spielsweise der größten 50 Werte aus der mindestens einen re- gion-of-interest klassifiziert oder ausgewählt, beispielswei se vorausgewählt. Dieser Ausgestaltung entspricht derjenigen eines Histogramms, bei dem die Flächeninhalte der einzelnen Rechtecke oder Klassen die absoluten Klassenhäufigkeiten be zeichnen .
Die genannten Temperaturwerte sind vorliegend vorzugsweise kardinal skalierende Werte.
In einer Ausgestaltung umfasst die Bearbeitungsvorrichtung eine Induktionsheizvorrichtung zum Vorwärmen der Schicht.
In einer Ausgestaltung umfasst die Bearbeitungsvorrichtung eine Regelung, insbesondere eine PID-Regelung, welche den Mittelwert als Eingangswert erhält.
In einer Ausgestaltung werden in der additiven Herstellung des Bauteils eine Vielzahl von ausgewählten Bereichen bzw. regions-of-interest bestimmt und/oder bearbeitet. Gemäß die ser Ausgestaltung kann das beschriebene Verfahren besonders zweckmäßig und effektiv angewendet werden.
In einer Ausgestaltung regelt die Regelung die Induktions heizvorrichtung zumindest teilweise kontinuierlich, dynamisch oder zeitabhängig. Diese Ausgestaltung ermöglicht eine beson-
ders genaue und schnelle Regelung der Vorwärmung bzw. der Be arbeitung, sodass ein entsprechender additiver Herstellungs prozess hinsichtlich der erzielbaren Materialstruktur des Bauteils als auch der Prozesszeit entscheidend verbessert werden kann.
Ein weiterer Aspekt der vorliegenden Erfindung betrifft eine Vorrichtung zum Steuern der Bearbeitungseinrichtung, insbe sondere einer Induktionsheizvorrichtung, welche beispielswei se zwei unabhängig voneinander bewegliche Induktionsspulen aufweist. Die Vorrichtung umfasst Mittel zur Ausführung des Regelverfahrens wie oben beschrieben. Bei diesen Mitteln kann es sich um ein Computerprogramm, ein Computerprogrammprodukt, ein Datenstrukturprodukt oder entsprechende andere Computer programm-Mittel handeln.
Die Vorrichtung umfasst weiterhin eine Temperaturerfassungs einrichtung, vorzugsweise eine Infrarotkamera oder eine Ein richtung zum thermographischen Erfassen von Temperaturdaten. So kann besonders einfach und zweckmäßig ein Temperaturbild einer additiv aufgebauten Schicht ermittelt und Temperaturda ten besonders einfach und schnell erfasst werden.
Die Vorrichtung umfasst weiterhin eine Regelungseinrichtung, insbesondere umfassend einen PID-Regler. Alternativ kann die Regelung mit einem PI-Regler, einem PD-Regler oder einem an deren Regler oder einer anderen Regelungseinrichtung durchge führt werden.
In einer Ausgestaltung ist die Vorrichtung Teil einer additi ven Herstellungsanlage, insbesondere eine Anlage zur pulver- bett-basierten additiven Fertigung oder Herstellung.
Ein weiterer Aspekt der vorliegenden Erfindung betrifft ein Computerprogrammprodukt, umfassend Befehle, welche bei der Ausführung des Programms durch einen Computer diesen veran lassen, zumindest einen der oben beschriebenen Verfahrens schritte des Regelungsverfahrens, das heißt des Bestimmens,
des Klassifizierens, des Bildens des Mittelwertes und/oder des Ansteuerns durchzuführen. Das Computerprogrammprodukt kann beispielsweise entsprechende Computerprogramm-Mittel um fassen, welche erforderlich sind, um beispielsweise entspre chende Algorithmen zur Lösung des beschriebenen Problems ab laufen zu lassen.
Ein weiterer Aspekt der vorliegenden Erfindung betrifft ein computerlesbares Medium, auf dem das oben genannte Computer programm bzw. Computerprogrammprodukt oder Teile davon ge speichert sein können.
Ein weiterer Aspekt der vorliegenden Erfindung betrifft ein Verfahren zur additiven Herstellung eines Bauteils, umfassend den schichtweisen additiven Aufbau des Bauteils aus einem pulverförmigen Basismaterial, wobei nach dem oder während des Verfestigen ( s ) einer Pulverschicht mittels eines Energie strahls, diese Schicht anhand des Regelungsverfahren, wie be schrieben, bearbeitet wird. Die besonderen Vorteile der er findungsgemäßen Regelung zeigen sich insbesondere bei dem ei gentlichen Aufbauprozess in der durch das Wärmemanagement verbesserten Materialstruktur des Bauteils.
In einer Ausgestaltung wird eine Temperaturerfassungseinrich tung oder Kamera während der additiven Herstellung des Bau teils von einer ersten Position zu einer zweiten Position be wegt oder mitbewegt. Die erste Position kann eine erste regi- on-of-interest beschreiben. Die zweite Position kann eine zweite region-of-interest beschreiben.
In einer anderen Ausgestaltung wird mindestens eine region- of-interest beispielsweise Software- oder programmtechnisch während der additiven Herstellung des Bauteils von einer ers ten Position zu einer weiteren oder zweiten Position
(mit) bewegt .
Ein weiterer Aspekt der vorliegenden Erfindung betrifft ein Bauteil, welches gemäß dem Verfahren zur additiven Herstel-
lung hergestellt oder herstellbar ist. Das Bauteil umfasst, beispielsweise im Gegensatz zu einem konventionell herge stellten Bauteil des Standes der Technik oder einem additiv hergestellten Bauteil des Standes der Technik eine weitgehend rissfreie und/oder spannungsarme, insbesondere einkristalline und/oder stängelkristalline, Mikrostruktur.
Ausgestaltungen, Merkmale und/oder Vorteile, die sich vorlie gend auf das Regelungsverfahren, das Computerprogrammprodukt oder die Vorrichtung beziehen, können - wie dargelegt - fer ner den additiven Herstellungsprozess oder das Bauteil selbst betreffen, oder umgekehrt.
Weitere Merkmale, Eigenschaften und Vorteile der vorliegenden Erfindung werden im Folgenden anhand von Ausführungsbeispie len unter Bezugnahme auf die beigefügten Figuren näher erläu tert. Alle bisher und im Folgenden beschriebenen Merkmale sind dabei sowohl einzeln als auch in Kombination miteinander vorteilhaft. Es versteht sich, dass andere Ausführungsformen benutzt und strukturelle oder logische Änderungen vorgenommen werden können, ohne von dem Schutzumfang der vorliegenden Er findung abzuweichen. Die folgende Beschreibung ist deshalb nicht in einschränkendem Sinne aufzufassen.
Der hier verwendete Ausdruck „und/oder", wenn er in einer Reihe von zwei oder mehreren Elementen benutzt wird, bedeu tet, dass jedes der aufgeführten Elemente alleine verwendet werden kann, oder es kann jede Kombination von zwei oder mehr der aufgeführten Elemente verwendet werden.
Figur 1 zeigt eine schematische Schnittansicht eines Bau teils während seiner additiven Herstellung.
Figur 2 zeigt eine schematische Aufsicht auf einen Bauteil querschnitt, welcher mit einer Bearbeitungseinrich tung bearbeitet wird.
Figur 3 deutet beispielhaft ein der Übersichtlichkeit hal ber stark vereinfachtes Histogramm von erfassten Temperaturwerten einer Schicht an.
Figur 4 deutet anhand einer schematischen Aufsicht auf eine verfestigte Bauteilschicht eine Abfolge von mehre ren Bearbeitungsschritten an.
Figur 5 zeigt ein vereinfachtes Flussdiagramm zur Illustra tion von Verfahrensschritten des beschriebenen Ver fahrens .
In den Ausführungsbeispielen und Figuren können gleiche oder gleich wirkende Elemente jeweils mit den gleichen Bezugszei chen versehen sein. Die dargestellten Elemente und deren Grö ßenverhältnisse untereinander sind grundsätzlich nicht als maßstabsgerecht anzusehen, vielmehr können einzelne Elemente, zur besseren Darstellbarkeit und/oder zum besseren Verständ nis übertrieben dick oder groß dimensioniert dargestellt sein .
Figur 1 deutet anhand einer schematischen Schnittansicht die additive Herstellung eines Bauteils 10 aus einem Pulverbett an, vorzugsweise durch selektives Laserschmelzen oder Elek tronenstrahlschmelzen. Eine entsprechende additive Herstel lungsanlage ist mit dem Bezugszeichen 200 gekennzeichnet.
Ein Ausgangs- oder Basismaterial B für das Bauteil 10 wird dabei schichtweise selektiv von einem Energiestrahl, vorzugs weise einem Laserstrahl 105, gemäß der gewünschten (vorbe stimmten) Geometrie bestrahlt und verfestigt. Das Bauteil wird dazu auf einem Substrat oder einer Bauplattform 12 her gestellt bzw. mit dieser verschweißt.
Die Plattform 12 dient dabei während der Herstellung gleich zeitig als mechanische Stütze, um das Bauteil vor thermischem Verzug zu bewahren. Nach der Verfestigung einer jeden
Schicht, wird eine Herstellungsoberfläche (nicht explizit ge-
kennzeichnet) vorzugsweise von einem Beschichter 11 neu mit Pulver B beschichtet, und das Bauteil so weiter aufgebaut. Lediglich exemplarisch sind in Figur 1 gestrichelt Schichten 1 und 2 angedeutet, deren Schichtdicke bei derartigen Prozes sen üblicherweise zwischen 20 und 80 ym beträgt.
Bei dem Bauteil 10 handelt es sich vorzugsweise um ein Bau teil, welches im Heißgaspfad einer Strömungsmaschine, bei spielsweise einer Gasturbine eingesetzt wird. Insbesondere kann das Bauteil eine Lauf- oder Leitschaufel , ein Segment oder Ringsegment, ein Brennerteil oder eine Brennerspitze, eine Zarge, eine Schirmung, ein Hitzeschild, eine Düse, Dich tung, einen Filter, eine Mündung oder Lanze, einen Resonator, einen Stempel oder einen Wirbler bezeichnen, oder einen ent sprechenden Übergang, Einsatz, oder ein entsprechendes Nach rüstteil. Demgemäß handelt es sich bei dem Bauteil 10 vor zugsweise um ein in seinem bestimmungsgemäßen Betrieb ther misch und/oder mechanisch hochbelastetes Bauteil aus einer, beispielsweise kobalt- oder nickelbasierten, Superlegierung.
Eine Bearbeitungseinrichtung 20 ist ebenfalls an der rechten Seite einer Herstellungsoberfläche (rechts im Bild) angedeu tet. Mittels der Bearbeitungseinrichtung 20 kann eine neu aufgebrachte Pulverlage oder eine frisch verfestigte oder be strahlte Bauteilschicht zweckmäßigerweise vor- und/oder nach behandelt werden. Diese Bearbeitung ist insbesondere vorteil haft bzw. zweckmäßig, um eine vorteilhafte oder erforderliche Wärmebehandlung (Wärmemanagement) der entsprechenden Bauteile durchzuführen, vorzugsweise in-situ und/oder während des Auf baus .
Die großen prozessinhärenten Temperaturgradienten übersteigen bei pulverbett-basierten Prozessen häufig 104 K/s und verur sachen demgemäß hohe chemische Ungleichgewichtszustände, Ris se und/oder mechanische Spannungen. Daher ist es zweckmäßig, beispielsweise eine neu aufgebrachte Pulverschicht (verglei che Bezugszeichen 2) oder eine bereits vollständig verfestig te Bauteilschicht (vergleiche Bezugszeichen 1) mit einer Be-
arbeitungseinrichtung (vergleiche Bezugszeichen 20) thermisch zu bearbeiten.
Die vorliegend beschriebenen Mittel für die Bearbeitung bzw. die Bearbeitungseinrichtung 20 sind vorzugsweise geeignet, eine Bearbeitung oder Vorwärmung des Bauteils 10 oder einer nachfolgend herzustellenden Bauteilschicht 2 auf eine Tempe ratur von über 1000 °C zu erwärmen.
Figur 2 zeigt eine schematische Aufsicht auf eine frisch mit dem Energiestrahl 105 bestrahlte und verfestigte Schicht 1. Wie in Figur 1 ist hier ein Beschichter 11 oder eine Be schichtungseinrichtung 11 zu erkennen, welche eingerichtet ist, für eine nachfolgend zu bestrahlende Schicht (vergleiche Bezugszeichen 2 in Figur 1) neues Pulver B aufzutragen. Der Beschichter 11 ist vorzugsweise in X-Richtung entlang einer Aufbaufläche beweglich und kann, zum Aufträgen von neuem Pul ver B, hin und her bewegt werden, um dabei Pulver beispiels weise aus einem Pulvervorrat (ebenfalls nicht explizit ge kennzeichnet) auf einer Herstellungsfläche zu verteilen.
Gemäß der Darstellung der Figur 2 ist der Querschnitt des Bauteils 10 lediglich der Übersichtlichkeit halber rechteck förmig dargestellt. Bei Bauteilen, bei denen sich eine addi tive Fertigung anbietet bzw. lohnt, ist dies natürlich häufig nicht der Fall und der Bauteilquerschnitt kann eine kompli zierte, beispielsweise nicht geschlossene, oder Hohlräume aufweisende Geometrie haben.
Im Unterschied zur Figur 1 ist, gemäß der vorliegenden Erfin dung, eine Bearbeitungseinrichtung 20 zu erkennen, welche vorzugsweise eine induktive Heizeinrichtung umfasst oder dar stellt. Alternativ kann die Bearbeitungseinrichtung bei spielsweise durch ein anderes Prinzip Wärme in eine Bauteil schicht einbringen.
Eine konventionelle additive Herstellungsanlage (vergleiche Bezugszeichen 200 in Figur 1) umfasst vorzugsweise eine Tem-
peraturerfassungseinrichtung 101, vorzugsweise eine Infrarot kamera, über welche beispielsweise pro bestrahlter Schicht ein vollständiges Temperaturbild der Schicht bzw. der Her stellungsoberfläche aufgenommen werden kann. Eine Bildinfor mation eines Pixels (vgl. Figur 2) aus dem Temperaturbild kann beispielsweise über eine Kalibrierung in einen Tempera turwert umgerechnet und an entsprechenden Positionen der spä teren Bearbeitung (vergleiche Figur 3 weiter unten) ausgewer tet werden.
Über einen Computer 102 oder eine Datenverarbeitungseinrich tung und vorzugsweise weiterhin eine Regelungseinrichtung 103 können erfasste Temperaturdaten, vorzugsweise das genannte Temperatur- oder Wärmebild der Schicht 1, gespeichert und an die Bearbeitungseinrichtung 20 übergeben oder diese entspre chend angesteuert werden.
Eine Vorrichtung 100 kann demgemäß eingerichtet sein, die Be arbeitungseinrichtung 20 zu steuern und weiterhin die genann ten Computerprogramm-Mittel (vergleiche Bezugszeichen CPP weiter unten), die Temperaturerfassungseinrichtung 101, den Computer 102 und beispielsweise die Regelungseinrichtung 103 umfassen. Demgemäß kann die Vorrichtung 100 mit der Bearbei tungseinrichtung 20 gekoppelt oder verschaltet sein.
Die Bearbeitungseinrichtung 20 weist in der in Figur 2 ge zeigten Ausführungsform eine induktive Heizeinrichtung bzw. eine Induktionsspule 104 auf. Obwohl dies nicht explizit dar gestellt ist, kann die Einrichtung 20 auch eine Mehrzahl von Induktionsspulen aufweisen, beispielsweise eine entlang der X-Richtung verschiebbar oder beweglich angeordnete Spule und eine entlang der Y-Richtung verschiebbar oder beweglich ange ordnete Spule. Die genannten Spulen können auch derart und ungestört oder unabhängig voneinander überlagert werden, dass nur in einem ausgewählten Bereich (vgl. englisch „region-of- interest" und Bezugszeichen ROI) eine gewünschte oder vorde finierte Erwärmung, beispielsweise eine Erwärmung von über 1000 °C erzielt werden kann.
Der „Bereich von Interesse" bzw. die region-of-interest, der in Figur 2 beispielhaft links dargestellt ist, kann auch dem Bereich eines „Spulenauges" entsprechen und mithin einen Be reich darstellen, in dem eine besonders genaue Tempera turüberwachung und -regelung erforderlich ist, um eine vor teilhafte Struktur der Schicht 1 bzw. des Bauteils 10 zu er zielen. Der Bereich ROI ist in Figur 2 mittels Rasterlinien in eine Vielzahl (ca. 80) von Pixeln P unterteilt. Diese Ein teilung ist weiterhin lediglich exemplarisch. In einer realen Anwendung des beschriebenen Verfahrens bzw. der beschriebenen Vorrichtung kann die region-of-interest mehrere hundert Tem peraturwerte, beispielsweise 200, 300, 400 oder 500 Tempera turwerte, umfassen; bzw. kann darin diese Anzahl der Werte von der Temperaturerfassungseinrichtung 101 erfasst werden.
Gemäß der vorliegenden Erfindung werden Temperaturdaten oder Temperaturwerte T der Schicht 1 entsprechend ortsaufgelöst von der Temperaturerfassungseinrichtung 101 erfasst und/oder gespeichert .
Die region-of-interest kann beispielsweise durch (vordefi nierte) Positionen oder Positionsdaten der Bearbeitungsein richtung, genauer der Induktionsspule 104 oder dessen „Auge" bestimmt sein.
Statt, wie im Stand der Technik üblich, beispielsweise ein Pyrometer für die Temperaturerfassung bzw. Bearbeitung der Schicht 1 zu einer Vielzahl von Positionen (vergleiche Figur 4 weiter unten) mitzuführen und auf einen festen Punkt inner halb des Spulenauges zu richten und dort die Temperatur le diglich an einem Punkt pyrometrisch zu erfassen, erfolgt nun gemäß der vorliegenden Erfindung eine Klassifizierung von Temperaturwerten der region-of-interest. Dies kann ähnlich zur Konstruktion eines Histogramms (vergleiche Figur 3 weiter unten) erfolgen.
Anhand des durch die Temperaturerfassungseinrichtung erfass ten Temperaturbildes werden insbesondere entsprechende Tempe raturwerte oder Pixel P erfasst. Dies kann durch eine Kalib rierung oder entsprechende Umrechnung von Bilddaten in Tempe raturwerte erfolgen. Die erfassten Temperaturwerte T in der region-of-interest werden nun aufgrund der erforderlichen Re gelungsgüte und -effizienz vorzugsweise automatisch oder com puterimplementiert klassifiziert.
Für eine zweckmäßige Temperaturregelung in dem beschriebenen Kontext ist es weiterhin am zweckmäßigsten, einen verlässli chen Wert bzw. Mittelwert für eine maximale Temperatur inner halb der region-of-interest bereitzustellen. Daher werden in einer vorteilhaften Ausgestaltung der vorliegenden Erfindung (vergleiche ebenso Figuren 3, 4 und 5 weiter unten) die be tragsmäßig größten 10 % der erfassten Temperaturwerte klassi fiziert oder zur weiteren Regelung herangezogen. Alternativ können auch beispielsweise die betragsmäßig größten 10, 20, 30, 40, oder 50 Werte oder andere Werte aus der region-of- interest ausgewählt werden, beispielsweise die größten 25 Temperaturwerte .
Der Einfachheit halber ist in Figur 2 nur eine Spule 104 ge kennzeichnet, welche einen auszuwählenden Bereich ROI in vor definierte Art erwärmen kann. Die Spule 104 ist entlang der X-Richtung beweglich und verfahrbar angeordnet. Auf gleiche Art ist es möglich, eine ähnliche Spule entlang der Y- Richtung beweglich vorzusehen, so dass der ausgewählte Be reich ROI von beiden Spulen fokussiert und zweckmäßig erwärmt werden kann.
Die Bearbeitungseinrichtung 20 ist ferner vorzugsweise einge richtet, durch ihre Beweglichkeit über beliebige Positionen über dem Pulverbett bzw. der Schichtoberfläche bewegt zu wer den, derart, dass sowohl eine bereits verfestigte Bauteil schicht (vergleiche Schicht 1) als auch eine Schicht neu auf getragenen Basismaterials oder Pulvers (vergleiche Schicht 2) erwärmt werden kann. Im Gegensatz zur festen Bauteilstruktur
ist jedoch eine Erwärmung des Pulvers (vgl. links in Figur 2) vernachlässigbar, und die aufgenommene Heizleistung wird von den unten liegenden, bereits verfestigten Schichten domi niert. Diese Schichten sind beim SLM-Verfahren in der Regel deutlich dünner als die Eindringtiefe des Induktionsfeldes bzw. des die Wirbelströme induzierenden magnetischen Flusses der Spule (n) 104.
Figur 3 zeigt ein schematisches vereinfachtes Histogramm mit klassifizierten Temperaturwerten der Schicht 1 bzw. des Bau teils 10.
Auf der Abszisse sind Temperaturwerte T eingetragen, welche vorzugsweise erfassten Temperaturen oder Temperaturwerten aus der region-of-interest (vergleiche Figur 2) entsprechen.
Insbesondere sind beispielhaft und vereinfacht sechs Tempera turklassen klassifiziert oder eingeteilt; eine erste Tempera turklasse zwischen TI und T2, eine zweite Temperaturklasse zwischen T2 und T3, eine dritte Temperaturklasse zwischen T3 und T4, eine vierte Temperaturklasse zwischen T4 und T5, eine fünfte Temperaturklasse zwischen T5 und T6 und eine sechste Temperaturklasse zwischen T6 und T7. Beispielhaft ist weiter hin gezeigt, dass die Klassenbreiten (vergleiche beispielhaft bl für die erste Temperaturklasse und b2 für die zweite Tem peraturklasse) der zweiten, dritten, vierten und fünften Tem peraturklasse gleich und halb so groß sind wie die Klassen breiten der ersten und der sechsten Temperaturklasse.
Die unterschiedlichen Klassenbreiten können vorliegend bei spielsweise nur eines oder mehrere Zehntel Grad Celsius be tragen .
Der Flächeninhalt der Rechtecke (vergleiche beispielhaft al für die erste Temperaturklasse und a2 für die zweite Tempera turklasse) , welcher jeweils die relative oder absolute Klas senhäufigkeit bezeichnet, entspricht dem Produkt aus der je weiligen Klassenbreite bn und der Häufigkeitsdichte p. Ent-
sprechend ist die Häufigkeitsdichte p auf der Ordinate des Histogramms aufgetragen.
Die Klassenhäufigkeit spiegelt entweder einen absoluten oder einen relativen Wert wider. Der absolute Wert entspricht der Anzahl an Werten, die zu einer Klasse gehören. Der relative Wert hingegen drückt aus, wieviel Prozent der Werte einer Klasse angehören.
Wie oben anhand der Beschreibung von Figur 2 angedeutet, kön nen beispielsweise die (betragsmäßig) größten 10 % der Tempe raturwerte, welche aus jeweils mindestens einer region-of- interest erfasst werden, zur Mittelwertbildung herangezogen werden. Alternativ oder zusätzlich können auch beispielsweise die (betragsmäßig) größten 10, 20, 30, 40, oder 50 absoluten Werte, vorzugsweise die größten 25 Werte verwendet werden. Demgemäß haben die Temperaturwerte der sechsten Temperatur klasse (mit Klassenhäufigkeit a6) des Histogramms für die vorliegende Anwendung des Regelverfahrens eine größere Bedeu tung als beispielsweise die Temperaturwerte der Temperatur klasse 1 der Klassenhäufigkeit al . Für eine andere Anwendung oder dieselbe können aber auch weitere Temperaturklassen ei nen wertvollen Input für die Temperaturregelung darstellen, um die Bearbeitung der Schicht bzw. des Bauteils 10 während der Herstellung zu optimieren.
Das Einteilen oder Klassifizieren der erfassten Temperaturda ten kann beispielsweise mittels maschineller Optimierungsver fahren, beispielsweise darstellend oder umfassend künstliche neuronale Netze oder genetische bzw. evolutionäre Algorith men, durchgeführt werden.
Gemäß der vorliegenden Erfindung wird nun ein Mittelwert, vorzugsweise der arithmetische Mittelwert, der klassifizier ten Temperaturwerte gebildet. Mit diesem Wert kann dann nach folgend die Bearbeitungseinrichtung 20 als Ist- oder Ein gangswert angesteuert oder geregelt werden, um beispielsweise die Schicht 1 (vergleiche Figur 1) zu bearbeiten. Vorteilhaf-
terweise kann durch die Verwendung des Mittelwerts der klas sifizierten Werte ein robustes und akkurates Regelsystem zur Verfügung gestellt werden, welches ein deutlich verbessertes Rauschverhalten (vergrößertes Signal-Rausch-Verhältnis ) auf weist, als beispielsweise bei der Auswertung eines Einzelpi xels mit einem Pyrometer, welches, wie oben angedeutet, bei spielsweise nur einen Messfleck innerhalb der region-of- interest auswertet.
Durch mehrfaches Senden oder Erfassen einer Information lässt sich das Rauschen reduzieren. Da Rauschen stochastisch auf- tritt, wächst beispielsweise auch die Standardabweichung des Rauschsignals bei einer Summation von n Übertragungen nur um den Faktor Vn, während das Signal um den Faktor n zunimmt.
Das Signal-Rausch-Verhältnis bezogen auf die Signalamplitude steigert sich um Vn.
Figur 4 zeigt anhand einer zur Darstellung der Figur 2 ähnli chen Darstellung eine Abfolge von Bearbeitungsschritten, an hand derer eine verfestigte Bauteilschicht 1, vorzugsweise unmittelbar, nach einer Verfestigung mittels der beschriebe nen Bearbeitungseinrichtung 20 bearbeitet, vorzugsweise in duktiv erwärmt wird. Eine Regelung oder ein Ansteuern der Be arbeitungseinrichtung 20 erfolgt also erfindungsgemäß vor teilhafterweise mit dem gebildeten Mittelwert als Eingangs wert .
Der Mittelwert kann demgemäß ein Ist-Wert für einen PID- Regler bezeichnen, welcher als Regelungseinrichtung 103 fun gieren kann. Die Regelungseinrichtung, beispielsweise aufwei send einen PI-, PD- oder PID-Regler kann beispielsweise soft waretechnisch als auch über eine Hardware eingerichtet sein und beispielsweise auf dem Computer 102 oder einer anderen programmierbaren Einrichtung ausgeführt werden.
Eine beispielsweise auf die Legierung des Bauteils maßge schneiderte Wärmebehandlung kann beispielsweise erforderlich oder vorteilhaft sein, um Spannungen im Bauteil zu lösen,
Heißrisse zu vermeiden oder zu verhindern oder auch, um große prozessinhärente Temperaturgradienten zu verhindern, welche ihrerseits entstehende Risse, chemische Ungleichgewichte oder grundsätzlich eine Schweißbarkeit des Basismaterials unter binden .
Bei den entsprechenden Bearbeitungsbereichen (vergleiche ROI an den Positionen PI, P2 und P3 in Figur 3) kann es sich bei spielsweise um diejenigen Positionen handeln, welche auch ge mäß einer Bestrahlungsstrategie nacheinander bestrahlt wer den. Alternativ kann es sich um besonders ausgewählte Berei che handeln, beispielsweise Regionen in der Schicht, welche besonders anfällig für Strukturdefekte oder sonstige, bei spielsweise festigkeitsrelevante Faktoren sind. Die Positio nen können weiterhin - anders als in Figur 3 dargestellt - kontinuierlich oder stetig ineinander übergehen.
Typischerweise wird die Spule 104 bzw. die Bearbeitungsein richtung 20 nach der Bearbeitung einer ersten Position PI an eine folgende zweite Position P2 und/oder folgende dritte Po sition P3 gefahren, welche dann eine noch nicht erwärmte oder kalte Stelle anzeigt, und beispielsweise in einer entspre chenden ROI der Position bearbeitet werden kann. Statt, wie in Figur 3 gekennzeichnet, drei Positionen und/oder ROIs kön nen in der Realität pro Schicht beispielsweise mehrere hun dert oder tausend Positionen angefahren und/oder bearbeitet werden .
Die Temperaturerfassungseinrichtung 101 kann dabei ebenso wie die Bearbeitungseinrichtung 20 von einer Position zur nächs ten mitbewegt werden. Dies ist jedoch nicht unbedingt erfor derlich. Bei geeigneter Positionierung kann auch lediglich ein einzelnes Temperaturbild der Schicht ausreichen, um die Bearbeitung auf Basis der erfassten Temperaturwerte erfolg reich durchzuführen. Dann kann die region-of-interest bei spielsweise daten-, Software- oder programmtechnisch während der additiven Herstellung des Bauteils von einer ersten Posi tion zu einer weiteren oder zweiten Position, beispielsweise
simultan mit der Bewegung der Bearbeitungseinrichtung 20 ver schoben werden. Mit anderen Worten kann demgemäß lediglich ein entsprechender Messbereich (virtuell) verschoben werden.
Gemäß der vorliegenden Erfindung werden die Temperaturdaten, wie oben beschrieben, an verschiedenen Positionen der additiv aufgebauten Schicht 1, vorzugsweise in den bestimmten regi- ons-of-interest ROI, gespeichert und/oder erfasst (vergleiche Verfahrensschritte a) und b) weiter unten) ; und nicht etwa innerhalb des ganzen aufgenommenen Temperaturbildes. Weiter hin können die Temperaturwerte während des Bearbeitens der Schicht, beispielsweise entlang der Positionen PI bis P3 po sitionsabhängig oder pro ROI gespeichert und/oder erfasst werden .
Die Regelung der Temperatur bzw. die Bearbeitung der Schicht 1 mit der Bearbeitungseinrichtung 20 kann weiterhin vorlie gend quasi-kontinuierlich durchgeführt werden. Insbesondere kann eine dichte Abfolge von Bildern der Infrarotkamera, wel che beispielsweise Daten oder Bilder mit 50 Hz erfassen kann, für eine quasi-kontinuierliche oder zeitlich abhängige Rege lung herangezogen werden; und dies pro region-of-interest und für jede additiv aufgebaute oder aufzubauende Schicht.
Figur 5 zeigt ein schematisches Flussdiagramm, welches andeu tet, dass Verfahrensschritte des beschriebenen Verfahrens beispielsweise einzeln oder kumulativ gemäß der vorliegenden Erfindung von einem Computerprogramm oder computerimplemen tiert durchgeführt werden können. Insbesondere können die Schritte des Bestimmens der region-of-interest b) , des Klas sifizierens der Temperaturwerte c) , des Bildens des Mittel wertes d) und des Ansteuerns e) programmtechnisch durchge führt werden. Dies ist in Figur 5 durch das Computerprogramm produkt CPP angedeutet. Das Computerprogrammprodukt oder Com puterprogramm kann weiterhin Teil der Vorrichtung 100 sein, welche wiederum an die Bearbeitungseinrichtung 20 und/oder an die additive Herstellungsanlage 200 gekoppelt oder mit dieser verschaltet sein kann. Weiterhin kann das Computerprogramm-
Produkt CPP möglicherweise in einen Prozessor oder einen Com puter der Herstellungsanlage 200 eingelesen werden.
Die Erfindung ist nicht durch die Beschreibung anhand der Ausführungsbeispiele auf diese beschränkt, sondern umfasst jedes neue Merkmal sowie jede Kombination von Merkmalen. Dies beinhaltet insbesondere jede Kombination von Merkmalen in den Patentansprüchen, auch wenn dieses Merkmal oder diese Kombi nation selbst nicht explizit in den Patentansprüchen oder Ausführungsbeispielen angegeben ist.