Verfahren zum Erfassen von Blitzeinschlägen in einem Windenergieanlagen-Rotorblatt und Biitzeinschlagmesssystem
Die vorliegende Erfindung betrifft ein Verfahren zum Erfassen von Blitzeinschlägen in einem Windenergieanlagen-Rotorblatt und ein Biitzeinschlagmesssystem.
Aufgrund der Höhe von Windenergieanlagen können die Windenergieanlagen häufiger von einem Blitzeinschlag betroffen sein. Da die Rotorblätter typischerweise den höchsten Punkt der Windenergieanlage darstellen, sind die Rotorblätter insbesondere gefährdet. Daher wird typischerweise ein Blitzschutzsystem in der Windenergieanlage vorgesehen. Ein Blitzrezeptor kann an der Rotorblattspitze vorgesehen werden und ist vorzugsweise mit einem elektrisch leitfähigen Blitzableitsystem innerhalb des Rotorblattes verbunden. Wenn eine Windenergieanlage von einem Blitz getroffen wird, dann kann dies insbesondere an den Rotorblättern zu erheblichen Beschädigungen führen. ln der prioritätsbegründenden deutschen Patentanmeldung hat das Deutsche Patent- und Markenamt die folgenden Dokumente recherchiert: EP 2 466 321 A1 und WO 2009/ 083 006 A1.
Daher ist es eine Aufgabe der vorliegenden Erfindung, ein Messsystem sowie ein Verfah- ren zum Erfassen von Blitzeinschlägen in Windenergieanlagenrotorblättern vorzusehen.
Diese Aufgabe wird durch ein Verfahren zum Erfassen von Biitzeinschlägen in Rotorblättern einer Windenergieanlage gemäß Anspruch 1 sowie durch ein Messsystem zum Erfassen von Blitzeinschlägen in Windenergieanlagenrotorblättern gemäß Anspruch 3 gelöst.
Somit wird ein Verfahren zum Erfassen von Blitzeinschlägen in einem Windenergieanla- gen-Rotorblatt vorgesehen. Das Windenergieanlagen-Rotorblatt weist ein Blitzschutzsystem auf. Eine digitale Kamera oder ein optisch-digitaler Wärmesensor wird im Bereich einer Rotorblattwurzel, in der Nähe der Windenergieanlage oder in oder an einem Turm der Windenergieanlage derart platziert, dass die digitale Kamera bzw, der digitale Wärmesensor zumindest teilweise ein Teil des Blitzschutzsystems optisch erfasst. Der Teil des
Blitzschutzsystems wird durch die Kamera optisch erfasst, um eine optische Temperaturerfassung durchzuführen. Eine Temperaturerhöhung des Teils des Blitzschutzsystems wird basierend auf der optischen Erfassung der Kamera erfasst, Damit kann durch optische Überwachung des Blitzschutzsystems in dem Rotorblatt ein Blitzeinschlag kontaktlos er- fasst werden.
Gemäß einem Aspekt der vorliegenden Erfindung kann eine Nachricht ausgegeben werden, wenn ein Biitz in das Windenergieanlagen-Rotorbiatt eingeschiagen hat. Dies kann in Abhängigkeit der optisch erfassten Temperaturerhöhung erfolgen.
Gemäß einem Aspekt der vorliegenden Erfindung weist das Blitzschutzsystem mindestens ein Blitzschutzabieitsystem und eine Blitzschutzanschlussstelle auf. Die Kamera oder der Wärmesensor wird ortsfest im Bereich der Rotorblattwurzel des Rotorblattes oder in einer Nabe der Windenergieanlage derart vorgesehen, dass die Kamera oder der Wärmesensor zumindest teilweise einen Abschnitt des elektrisch leitfähigen Blitzableitsystems oder der Blitzanschiussstelle optisch erfasst und damit eine optische Temperaturmessung durch- führen kann.
Gemäß einem Aspekt der vorliegenden Erfindung wird die Temperatur des Materials des Rotorblattes erfasst und mit der Temperatur des elektrisch leitfähigen Blitzschutzableitsys- tems und/oder der Blitzanschiussstelle verglichen. Eine Nachricht wird ausgegeben, wenn die Temperaturdifferenz zwischen der Temperatur des elektrisch leitfähigen Ableitsystems und des Materials des Rotorblattes einen Grenzwert überschreitet.
Gemäß einem weiteren Aspekt der vorliegenden Erfindung kann eine Klassifizierung der erfassten Blitze basierend auf den erfassten Temperaturerhöhungen erfolgen.
Gemäß einem Aspekt der vorliegenden Erfindung wird eine digitale Kamera oder ein optisch digitaler Wärmesensor (z.B. AMG8833 von Panasonic) in oder an dem Windenergie- anlagen-Rotorblatte platziert und auf zumindest einen Teil des Biitzschutzsystems, insbesondere auf ein elektrisch leitfähiges Blitzableitsystem z.B. ein Blitzschutzleiter bzw. einem Blitzschutzkabel ausgerichtet. Die Kamera kann sich somit im Inneren des Rotorblattes bzw. im Bereich der Nabe der Windenergieanlage befinden und überwacht den Hohlraum bzw. das innere Volumen des Rotorblattes. Alternativ dazu kann die Kamera außen am Rotorblatt oder der Nabe der Windenergieanlage vorgesehen sein, um ein Teil des Biitzschutzsystems, welches außen an dem Rotorblatt vorhanden ist, zu überwachen,
Die digitale Kamera sollte dazu in der Lage sein, insbesondere IR-Strahlung zu erfassen. Die digitale Kamera kann einen CCD Sensor zur optischen Erfassung aufweisen. Alternativ dazu kann ein optisch digitaler Wärmesensor zur optischen Temperaturerfassung vorgesehen sein. Wenn ein Biitz in das Rotorblatt einschlägt, dann wird sich das elektrisch leit- fähige Blitzableitsystem, Blitzschutzkabei bzw. der Blitzschutzleiter erheblich erwärmen und zwar deutlich mehr als das umliegende Material des Rotorblattes. Diese Erwärmung des Rotorblattes kann durch die Kamera erfasst werden. Falls ein Blitzschlag durch das Messsystem erfasst worden ist, dann kann eine entsprechende Meldung an die Servicemitarbeiter übermittelt werden, um die Schäden an der Windenergieanlage und insbesondere die Schäden an dem Rotorblatt zu untersuchen.
Gemäß einem Aspekt der vorliegenden Erfindung weist das Blitzschutzsystem ein Blitzableitsystem und eine Blitzschutzanschlussstelie auf. Ferner kann ein Ableitring im Bereich der Rotorblattwurzel Teil des Blitzschutzsystems sein. Die Kamera ist auf ein Teil des Blitzschutzsystems gerichtet, um eine optische Temperaturerfassung durchzuführen. Vorzugs- weise ist die Kamera auf einen Teil des Blitzschutzsystems gerichtet, welcher nicht durch ein anderes Material verdeckt ist, sondern frei liegt, um eine effektive optische Temperaturerfassung zu ermöglichen.
Gemäß einem Aspekt der vorliegenden Erfindung ist die Kamera oder der Wärmesensor ortsfest in oder an dem Rotorblatt vorgesehen. Damit dreht sich die Kamera, wenn der Pitchwinkei des Rotorblattes verändert wird. Hierdurch kann sichergestelit werden, dass die Kamera immer einen Teil des Blitzschutzsystems optisch überwacht.
Gemäß einem Aspekt der vorliegenden Erfindung kann ein Grenzwert einer Temperaturdifferenz z.B. zum umgebenen Material oder ein zeitlich abhängiger Mittelwert mehrerer Messungen, ab welcher eine Nachricht ausgegeben wird, größer 5°C sein. Insbesondere kann der Grenzwert größer als 20°C oder 30°C sein.
Gemäß einem Aspekt der vorliegenden Erfindung kann die Windenergieanlage bei Erfassung eines Blitzeinschlages abgeschalfet werden bzw. heruntergefahren werden. Erst nachdem Servicemitarbeiter sich die Windenergieanlage bzw. das Rotorblatt genau angesehen haben, kann die Windenergieanlage wieder freigegeben werden. Gemäß einem Aspekt der vorliegenden Erfindung wird die Kamera vorzugsweise mit einem Mindestabstand zu dem elektrisch leitfähigen Blitzableitsystem vorgesehen, um elektrische
Überschläge im Fall eines Blitzeinschlages zu vermeiden. Der Abstand zwischen der Kamera und dem elektrisch leitfähigen Biitzableitsystem beträgt vorzugsweise > 1 m.
Da das Blitzeinschlagsmesssystem mit der Kamera nicht elektrisch mit dem Blitzschutzsystem verbunden ist, kann ein Blitzeinschlag in das Blitzschutzsystem nicht zu einer Zerstö- rung des Blitzeinschlagsmesssystems führen. Dies führt zu einer erheblichen Verbesserung der Betriebssicherheit des Blitzeinschlagsmesssystems.
Die digitale Kamera oder der optische digitale Wärmesensor stellen eine optische Temperaturerfassungseinheit zur optimalen Temperaturerfassung dar.
Weitere Ausgestaltungen der Erfindung sind Gegenstand der Unteransprüche. Vorteile und Ausführungsbeispiele der Erfindung werden nachstehend unter Bezugnahme auf die Zeichnung näher erläutert.
Fig. 1 zeigt eine schematische Darstellung einer Windenergieanlage gemäß der Erfindung, und
Fig. 2 zeigt eine schematische Darstellung eines Windenergieanlagen- Rotorblattes mit einem erfindungsgemäßen Messsystem.
Fig. 1 zeigt eine schematische Darstellung einer Windenergieanlage gemäß der Erfindung.
Fig. 1 zeigt eine Windenergieanlage 100 mit einem Turm 102 und einer Gondel 104. An der Gondel 104 ist ein Rotor 106 mit drei Rotorblättern 108 und einem Spinner 110 angeordnet, Der Rotor 106 wird im Betrieb durch den Wind in eine Drehbewegung versetzt und treibt dadurch einen Generator in der Gondel 104 an.
Fig. 2 zeigt eine schematische Darstellung eines Windenergieanlagen-Rotorblattes mit einem erfindungsgemäßen Messsystem. Das Rotorblatt 108 weist ein Blitzschutzsystem 150 auf, welches beispielsweise einen Blitzschutzrezeptor 151 im Bereich der Rotorbiattspitze sowie ein elektrisch leitfähiges Biitzableitsystem 152 (z.B. in Form eines Blitzschutzkabels) aufweist, welches sich von der Rotorblattspitze zur Rotorblattwurzel erstreckt. Im Bereich der Rotorblattwurzel oder im Bereich der Nabe der Windenergieanlage wird eine optische Temperaturerfassungseinheit z.B. eine digitale Kamera 210 vorgesehen. Die digitale Ka-
mera 210 ist vorzugsweise zumindest teilweise auf ein Teil des Blitzschutzsystems, insbesondere des elektrisch leitfähigen Blitzableitsystems 152 (z.B. in Form eines Blitzschutzkabels) ausgerichtet. Alternativ oder zusätzlich zu der digitalen Kamera kann ein optisch digitaler Wärmesensor als optische Temperaturerfassungseinheit vorgesehen sein. Die digitale Kamera 210 ist mit einer Auswerteeinheit 220 gekoppelt. Die digitale Kamera 210 führt somit eine optische Erfassung des elektrisch leitfähigen Blitzableitsystems 152 sowie des darum befindlichen Materials des Rotorblattes durch. Wenn ein Blitz in das Blitzschutzsystem einschlägt, dann wird dies zu einer erheblichen Erwärmung des elektrisch leitfähigen Blitzableitsystems 152 führen. Diese Erwärmung wird durch die Kamera 210 erfasst und kann an die Auswerteeinheit 220 ausgegeben werden. Das Messsystem (Kamera 210 + Aus erteeinheit 220) kann die Temperatur des elektrisch leitfähigen Blitzab- ieitsystems 152 und/oder die Temperatur des sich darum befindlichen Materials des Rotorblattes 108 erfassen. Die Auswerteeinheit 220 kann gemäß einem Aspekt der vorliegenden Erfindung einen Vergleich zwischen der Temperatur des elektrisch leitfähigen Blitzab- leitsystems 152 und der Temperatur des sich darum befindlichen Materials durchführen. Beispielsweise kann die Auswerteeinheit 220 die Temperaturen des elektrisch leitfähigen Blitzableitsystems 152 sowie des Materials des Rotorblattes vergleichen. Wenn die Differenz zu groß ist, dann lässt sich daraus ableiten, dass ein Blitz in das Blitzschutzsystem eingeschlagen ist. Auch kann die Messung durch eine zyklische oder zeitlich gleitende Mit- telwertbildung der erfassten Temperaturdaten erfolgen,
Gemäß der Erfindung erfolgt somit eine optische Temperaturerfassung eines Blitzschutzsystems in einem Windenergieanlagen-Rotorblatt 108. Die hierzu benötigte Kamera wird im Inneren des Rotorblattes 108 oder im Bereich der Nabe der Windenergieanlage vorgesehen und erfasst somit die Temperatur im Hohlraum des Windenergieanlagen-Ro- torblattes.
Gemäß einem Aspekt der vorliegenden Erfindung wird das Rotorblatt aus zwei Schalen (einer Oberschale und einer Unterschale) zusammengesetzt.
Die Kamera kann a!s Wärmebildkamera ausgestaltet sein.
Gemäß der Erfindung kann die Kamera ein Video des zu überwachenden Teils des Blitzschutzsystems erzeugen. Alternativ dazu kann die Kamera Fotos des Teils des Blitzschutzsystems in regelmäßigen Abständen machen. Diese Abstände können beispielsweise zwischen einem Bild pro Sekunde und einem Bild pro Minute darstellen.
Gemäß einem Aspekt der vorliegenden Erfindung kann die Kamera Teil oder Kombination eines Mobiitelefons oder Smartphones darstellen. Das Mobiitelefon oder Smartphone kann den Teil des Blitzschutzsystems optisch überwachen und die erfassten Fotos oder Videos auswerten und bei Erfassung einer Temperaturdifferenz eine Meldung ausgeben. Die Ver- arbeitung der erfassten Fotos oder Videos kann in dem Smartphone oder Mobiltelefon bzw. der Kamera erfolgen. Die Meldung kann dann als SMS oder über das Internet erfolgen.
Alternativ dazu kann die Auswertung der Bilder oder Videos in einer Anlagensteuerung der Windenergieanlage erfolgen.
Die ausgegebene Meldung oder Warnung kann dann dazu verwendet werden, die Anlage zu stoppen, wenn ein Blitzschlag detektiert worden ist. Ferner kann ein Wiederanläufen der Windenergieanlage gesperrt werden bis Servicemitarbeiter das Rotorblatt nach dem Blitzeinschlag überprüft haben.
Gemäß der Erfindung wird ein Teil des Blitzschutzsystems optisch erfasst. Hierbei kann es sich um einen freiliegenden Abschnitt des Blitzabieitsystems (wie z.B. ein Biitzschutzka- bei), um ein Teil eines freiliegenden elektrisch leitfähigen Abieitsystems, um einen freiliegenden Abschnitt einer Anschlussstelle oder um einen Abieiterring an der Rotorblattwurzel handeln.
Gemäß der Erfindung kann die Kamera in einem Sicherheitsabstand von größer 1 Meter zum Teil des Blitzschutzsystems angeordnet sein. Gemäß einem Aspekt der vorliegenden Erfindung ist die Kamera als digitale Kamera ausgestaltet und weist einen CCD Sensor oder einen optisch digitalen Wärmesensor auf.
Gemäß einem weiteren Aspekt der vorliegenden Erfindung kann eine Klassifizierung der Blitzintensität der erfassten Blitze basierend auf den erfassten Temperaturmessungen erfolgen. Beispielsweise kann bei einer Temperaturerhöhung von bis zu 15 °C eine erste Blitzintensität erfasst werden. Bei einer Temperaturdifferenz zwischen und 15 und 25 °C kann eine zweite Blitzintensität erfasst werden. Bei einer Temperaturdifferenz von größer als 25 °C kann eine dritte Blitzintensität erfasst werden.
Gemäß einem weiteren Aspekt der vorliegenden Erfindung kann die digitale Kamera im Turm, am Turm oder an dem Turmfuß platziert werden. Dies ist insbesondere vorteilhaft,
weil damit ein erfindungsgemäßes Blitzeinschlagmesssystem ermöglicht wird, weiches einfach zugänglich ist und nachträglich angebaut werden kann.
Der optisch digitale Wärmesensor kann z.B. einen Sensor AMG8833 von Panasonic dar- stelien. Der Wärmesensor kann z.B. eine Mehrzahl von Messpunkten aufweisen. Diese Mehrzahl kann weniger sein als die übliche Anzahl von Sensoren in einer Digitaikamera.