Beschichteter Zuschlag zur Betonherstellung
Die Erfindung betrifft beschichtete Zuschläge zur Betonherstellung und Verfahren zu ihrer Herstellung.
Stand der Technik
Bei der Herstellung von Beton werden häufig Gemische aus Zementen und Zuschlägen eingesetzt. Die Zuschläge sind im Allgemeinen mineralische Zusätze in Partikelform, wie Sand, Kies, Grauwacke oder Opalsandstein. Solche Zuschläge werden auch als Gesteinskörnung bezeichnet.
Bei der Herstellung von Beton mit Zuschlägen ist es erforderlich, die Zuschläge auf den Zement abzustimmen, so dass der Beton eine ausreichende Stabilität aufweist. Ein besonderes Problem bei der Herstellung von Beton mit Zuschlägen ist das Auftreten der Alkali-Kieselsäure-Reaktion (AKR, auch als Alkalireaktion oder Betonkrebs bezeichnet). Damit bezeichnet man eine chemische Reaktion im ausgehärteten Beton zwischen Alkalien des Zements, Alkali-löslicher Kieselsäure und Wasser in Betonzuschlägen. Durch die Reaktion kann es insbesondere in feuchter Umgebung zu Rissen und sonstigen Beschädigungen von Betonbauteilen kommen. Als Alkaliempfindlich gelten insbesondere Zuschläge, die amorphe oder feinkristalline Silikate aufweisen, wie beispielsweise Opalsandstein oder Flint.
Um die AKR zu verhindern, kann dem Beton nach dem Stand der Technik Lithiumnitrat zugesetzt werden. Man geht davon aus, dass für die AKR die Diffusion von Natrium- oder Kaliumionen in die Zuschläge verantwortlich ist. Die zugesetzten Lithiumio- nen wandern wegen ihrer besseren Diffusionseigenschaften anstelle von Natrium- und Kaliumionen in die Zuschläge. Dort bilden sich wässrige Lithiumsilikate, die ein relativ kleines Kristallvolumen aufweisen und nicht zu einer Expansion des Betons führen. Dagegen beruht die AKR auf dem höheren Volumen von Kalium- und Natriumsilikaten, die zu einer Expansion des Betons und zur Ausbildung der Risse und
weiteren Schäden führt. Der Einsatz von Lithiumverbindungen zur Inhibition der AKR wird beispielsweise in der WO 97/09282 offenbart.
Der Einsatz von Lithiumverbindungen ist jedoch nachteilig, da diese vergleichsweise teuer sind. Allgemein sind die globalen Lithiumvorkommen begrenzt. Dem steht ein hoher Bedarf gegenüber, unter anderem für den Einsatz in Batterien. Ein weiteres Problem beim Einsatz von Lithiumnitrat ist, dass bei einer konkreten Betonmischung nicht genau bekannt ist, welche Menge von Lithiumnitrat einzusetzen ist. Der Lithiumbedarf hängt von den konkreten Eigenschaften des Zements und des Zu- schlags ab, wie Silikatgehalt, Porosität und pH-Wert, vor allem aber von dem prozentualen Gehalt an Alkaliionen, speziell Kalium- und Natriumionen, der als Na2O- Äquivalent angegeben wird. Für die Anwender ist es jedoch im Allgemeinen zu aufwändig, vor der Herstellung des Betons Testreihen durchzuführen. In der JP62-288146 wird vorgeschlagen, zur Verhinderung der AKR die Zuschläge mit einer Polymerbeschichtung zu versehen. Dabei erfolgt das Beschichten mit Gemischen, die relativ geringe Polymeranteile von 10% und teilweise organische Zusätze wie Asphalt oder Petroleum enthalten, was wenig verfahrensökonomisch und ökologisch nicht wünschenswert ist. Es wird auch nicht gezeigt, dass mit den so bearbei- teten Zuschlägen eine Inhibition der AKR erreicht wird und dass die Zuschläge über einen längeren Zeitraum stabil sind.
In der EP 2 067 753 A1 werden mit Polymeren beschichtete Zuschläge offenbart. Die Beschichtung soll den Beton gegen mechanische Belastungen stabilisieren.
Das US Patent 6,143,808 offenbart Pulver mit Mikropartikeln, die mit Polymeren ausgestattet sind und einem Baumaterial isolierende Eigenschaften verleihen.
Aufgabe der Erfindung
Der Erfindung liegt das Problem zugrunde, Verwendungen, Verfahren und Zusammensetzungen bereitzustellen, welche die oben beschriebenen Nachteile überwin-
den. Insbesondere soll ein Verfahren zur Betonherstellung bereitgestellt werden, bei dem die Alkali-Kieselsäure-Reaktion verhindert wird, ohne dass der Zusatz von Lithium-Verbindungen als Betonzusatzmittel erforderlich ist. Der Beton soll eine gute Stabilität aufweisen und auch langfristig und in Gegenwart von Feuchtigkeit keine unerwünschten Veränderungen, wie Risse oder sonstige Materialschäden, zeigen, die durch alkalische Reaktionen im Betoninneren verursacht sind. Das Verfahren soll auf einfache Weise für verschiedene Zemente und Zuschläge einsetzbar sein.
Ausführung der Erfindung
Das der Erfindung zugrunde liegende Problem wird überraschenderweise gelöst durch Verwendungen, beschichtete Zuschläge, Betonzusammensetzungen und Beton, sowie Herstellungsverfahren gemäß den Patentansprüchen. Gegenstand der Erfindung ist die Verwendung von Betonzuschlägen, die eine Be- schichtung mit organischen Polymeren aufweisen, zur Verbesserung der Stabilität von Beton gegen die Alkali-Kieselsäure-Reaktion.
Bevorzugt werden die Zuschläge hergestellt, indem ein mineralischer Zuschlag mit einer Polymerdispersion in Kontakt gebracht und vermischt wird, so dass die Oberfläche des Zuschlags mit einem Polymerfilm beschichtet wird, wonach der Polymerfilm ausgehärtet wird.
Unter Zuschlägen für Beton versteht man Gemenge von Körnern aus natürlichen o- der künstlichen Quellen. Im Allgemeinen werden mineralische Zusätze eingesetzt. Zuschläge für Beton müssen eine ausreichende Verwitterungsbeständigkeit aufweisen und dürfen nicht quellen, zerfallen oder in einer Betonzusammensetzung chemisch reagieren. Gesteinskörnungen für Beton und deren Eigenschaften werden nach der EN 12620 definiert und gemessen.
In bevorzugten Ausführungsformen der Erfindung ist der Zuschlag ausgewählt aus Sand, Kies und Splitt (z. B. bestehend aus Flint, Grauwacke, Sandstein, Kieselkreide und/oder Kalkstein).
Bei der Herstellung einer Betonzusammensetzung erfolgt die Auswahl des Betonzuschlags so, dass der Beton die erforderliche Festigkeit aufweist. Erfindungsgemäß können Normalzuschläge, Leichtzuschläge oder Schwerzuschläge eingesetzt wer- den. Als Normalzuschläge bezeichnet man solche mit einer Rohdichte von 2200 bis 3200 kg/m3, als Leichtzuschläge solche mit einer Rohdichte von weniger als 2200 kg/m3 und als Schwerzuschlag solche mit einer Rohdichte von mehr als 3200 kg/m3.
In bevorzugten Ausführungsformen der Erfindung liegt die mittlere Korngröße des Zuschlags zwischen 0,5 und 100 mm, insbesondere zwischen 2 und 50 mm, zwischen 5 und 50 mm oder zwischen 8 und 40 mm, bestimmt nach EN 12620.
In einer bevorzugten Ausführungsform der Erfindung liegt die mittlere Korngröße des Zuschlags zwischen 8 und 40 mm, insbesondere zwischen 8 bis 32 mm oder zwi- sehen 8 und 22 mm. Im Straßenbau wird häufig Splitt von 8 bis 22 mm verwendet und in den übrigen Betonbauten Kies von 8 bis 32 mm. Erfindungsgemäß kann die AKR besonders effizient verhindert werden, wenn solche Zuschlagsfraktionen beschichtet werden. Dabei können dem Beton weitere Zuschläge zugesetzt werden, die nicht alkaliempfindlich sind und somit keiner Beschichtung bedürfen. In einer bevor- zugten Ausführungsform können außerhalb der genannten bevorzugten Bereiche noch Zuschläge zugesetzt werden, die nicht erfindungsgemäß beschichtet sind. Überraschenderweise kann ungeachtet dessen eine Stabilisierung des Betons gegen AKR erreicht werden. Auf dem Zuschlag wird ein Polymerfilm erzeugt, der ausgehärtet wird. Der Film kann nach bekannten Methoden erzeugt werden, beispielsweise durch Sprühen und Tauchen in Polymere oder Zusammensetzungen, welche die Polymere enthalten. Der so erzeugte Polymerfilm auf dem Zuschlag wird ausgehärtet, beispielsweise durch Trocknen. Die Beschichtung kann aus beliebigen Polymeren bestehen, beispielswei- se thermoplastischen Polymeren oder chemisch aushärtenden Polymeren, wie Epoxidharzen und Polyurethanharzen.
Die Beschichtung erfolgt besonders bevorzugt mit einer Polymerdispersion (Polymerlatex). Damit bezeichnet man eine kolloidal stabile Dispersion von Polymerpartikeln in einer wässrigen Phase. Der Durchmesser der Polymerpartikel kann dabei beispielsweise zwischen 10 nm und 5 μιτι liegen. Die kolloidale Stabilität einer Polymer- dispersion wird oft durch grenzflächenaktive Stoffe, wie Tenside oder Schutzkolloide, bewirkt. Polymerdispersionen sind kommerziell erhältlich und werden beispielsweise als Klebstoffe und Bindemittel eingesetzt.
Geeignete Polymerdispersionen zur Beschichtung sind solche, die üblicherweise zur Modifizierung mineralischer Baustoffe eingesetzt werden. Die erfindungsgemäß eingesetzte Polymerdispersion ist ein Filmbildner. Erfindungsgemäß wird bevorzugt eine wässrige Dispersion eingesetzt. Polymerdispersionen, die auf festen Oberflächen dünne Filme ausbilden, sind nach dem Stand der Technik bekannt. Die Polymerdispersion sollte nach der Filmbildung auf den Zuschlägen nicht mehr redispergierbar sein. Sie wird so ausgewählt, dass auf den Körnern des Zuschlags ein gleichmäßiger dünner Film ausgebildet wird, der möglichst wenig oder keine Lücken aufweist. Erfindungsgemäß wurde gefunden, dass Alkali-empfindliche Zuschläge, beispielsweise mit mittleren Korngrößen zwischen 8 und 22 mm, mit einer sehr dünnen Polymerschicht versehen werden können. Diese verhindert das Eindringen von Natrium- und Kaliumionen in den Zuschlag. Die erfindungsgemäße Schicht ist auch bei hohen pH- Werten stabil, die im Beton erreicht werden. Bei erfindungsgemäßer Verwendung des beschichteten Zuschlags ist es daher nicht erforderlich, einer Betonzusammensetzung Lithiumverbindungen, insbesondere Lithiumnitrat, zuzusetzen. Erfindungsgemäß kann die Alkali-Kieselsäure-Reaktion durch die Polymerbeschichtung voll- ständig verhindert werden. Bevorzugt erfolgt die Beschichtung nicht in Gegenwart eines organischen Lösungsmittels. Auch der Zusatz sonstiger inerter Beschich- tungsmittel oder Bindemittel, wie von Wachsen oder Asphalt, ist nicht erforderlich.
Erfindungsgemäß wird beispielsweise eine Polymerdispersion, bevorzugt eine wäss- rige Polymerdispersion, eingesetzt, die einen Polymeranteil von 5-60 Gew.-%, insbesondere 8 bis 40 Gew.-% oder 10-25 Gew.-% aufweist. Dabei sollte die Polymerdispersion ausreichend dünnflüssig sein, um eine gleichmäßige und einfache Oberflä- chenbeschichtung zu erreichen. Andererseits sollte die Polymerdispersion nicht zu
dünnflüssig sein, damit der Trocknungsvorgang nicht zu viel Energie benötigt und zu lange dauert, und damit der Polymerfilm möglichst gleichmäßig und lückenlos gebildet wird. Eine geeignete Konsistenz ist im Allgemeinen mit bekannten Polymerdispersionen ohne weiteres einstellbar.
Die Dispersion ist bevorzugt eine wässrige Polymerdispersion. Es wurde gefunden, dass das Beschichten besonders effizient erfolgen kann, wenn die Beschichtung in einer wässrigen Polymerdispersion erfolgt, die einen Polymeranteil von mehr als 10 Gew.%, mehr als 20 Gew.%, insbesondere mehr als 25 Gew.% oder mehr als 30 Gew.% aufweist. Dabei liegt der Polymeranteil beispielsweise zwischen 10 und 60 Gew.%, zwischen 20 und 60 Gew.%, zwischen 25 und 60 Gew.% oder zwischen 30 und 60 Gew.%. Bei diesen Konzentrationen wird eine dauerhaft stabile und wirksame Beschichtung erhalten, wobei gleichzeitig die Entfernung des Wassers im Verfahren wenig Zeit und Energie beansprucht. Wässrige Polymerdispersionen enthalten im Allgemeinen zur Stabilisierung einen geringen Anteil eines Dispersionsmittels, insbesondere eines Emulgators, beispielsweise in einer Menge von 0,1 bis 5 Gew. % oder 0,5 bis 2 Gew. %.
Geeignet sind insbesondere Copolymere von Styrol, Butadien, Ethylen, Acrylat, Me- thacrylat, Crotonat, Vinylacetat, Vinylversatat, Vinyllaurat, Methacrylamid und/oder Acrylamid sowie Epoxide und Polyurethane. Die Polymere können gegebenenfalls chemisch modifiziert sein, beispielsweise durch Carboxylierung. In bevorzugten Ausführungsformen der Erfindung ist das Polymer ein Styrol-Butadien-Copolymer oder ein Styrol-Acrylat-Copolymer, welche auch carboxyliert sein können.
Solche Polymere können durch Emulsionspolymerisation von ethylenisch ungesättigten Monomeren, wie Styrol und Butadien, oder (Meth)acrylaten erhalten werden.
Styrol-Butadien-Copolymere haben beispielsweise eine Monomerzusammensetzung von 50 bis 90 Gew.% Styrol und 10 bis 50 Gew.% Butadien und können gegebenenfalls noch geringe Mengen, z. B. 1 bis 5 Gew.%, bezogen auf alle Monomeren, Ac- rylsäure, Methacrylsäure, Acrylamid oder Methacrylamid enthalten. Geeignete Polymere und Dispersionen sind beispielsweise in der EP-A-754657 beschrieben.
Geeignet sind beispielsweise Polymerdispersionen, die ein Copolymerisat enthalten, das als Monomer Ester der Acrylsäure mit C2-C12-Alkanolen, wie Ethylarcylat, n- Butylacrylat oder 2-Ethylhexylacrylat, vinylaromatische Monomere, wie Styrol, oder Ester der Methacrylsäure, insbesondere mit C1 -C4 -Alkanolen, wie Methylacrylat, enthält. Die Copolymerisate können gegebenenfalls Monomere mit Harnstoff- oder Thioharnstoffgruppen, wie Ureidoethylenmethacrylat oder hydrolysierbaren Silici- umgruppen, wie 3-Methacryloxypropyltrimethyoxysilan enthalten. Geeignete Polymerdispersionen und deren Herstellungsverfahren sind z. B auch in EP-A 1 180530 oder EP 1 182179 beschrieben.
Als Verfahren zum Auftragen der Polymerlösung oder Polymerdispersion auf den Zuschlag eignen sich insbesondere Sprühen, Tauchen und Trommeln. Zum Vermischen und zur gleichmäßigen Beschichtung eigenen sich übliche Mischvorrichtun- gen, insbesondere Trommelmischer. Der Auftrag und das Mischen erfolgen so, dass die Partikeloberflächen möglichst vollständig beschichtet werden. Die aufzutragende Menge richtet sich nach der Art des Polymerfilms und dem Zuschlag. Bei Verwendung von Polymerdispersionen ist in der Regel eine Beschichtungsmenge (trocken) von 1 bis 100 g/kg Zuschlag, bevorzugt von 5 bis 50 g/kg , besonders bevorzugt von 5 bis 30 g/kg Zuschlag für eine effiziente Wirkung ausreichend. Nach dem vollständigen Auftragen wird die Beschichtung ausgehärtet. Polymerdispersionen können üblicherweise auf einfache Weise durch Trocknen ausgehärtet werden. Dies kann beispielsweise erfolgen, wenn der Zuschlag auf eine Folie oder ein Metallgitter aufgebracht wird. Die Trockenzeit beträgt beispielsweise 10 Minuten bis 3 Stunden, insbe- sondere etwa eine Stunde, und kann zusätzlich durch Luftzufuhr und/oder erhöhte Temperatur beschleunigt werden.
In bevorzugten Ausführungsformen der Erfindung ist die mittlere Dicke des Polymerfilms kleiner als 100 μιτι, bevorzugt kleiner als 50 μιτι oder kleiner als 20 μιτι, beson- ders bevorzugt kleiner als 10 μιτι oder kleiner als 5 μιτι. Der Polymerfilm muss jedoch eine ausreichende Dicke aufweisen, um die Diffusion der Natrium- und Kaliumionen in den Zuschlag zu verhindern. Bevorzugt weist der Polymerfilm eine mittlere Dicke von mindestens 2 μιτι, mindestens 5 μιτι oder mindestens 10 μιτι auf.
In einer bevorzugten Ausführungsform liegt die Schichtdicke zwischen 10 und 20 μηη . Es wurde gefunden, dass in diesem Bereich eine besonders effiziente Stabilisierung eines Zuschlags gegen AKR erfolgen kann, insbesondere bei Zuschlägen mit mittle- rer Korngröße zwischen 8 und 40 mm, insbesondere zwischen 8 bis 32 mm oder zwischen 8 und 22 mm.
Die mittlere Schichtdicke des beschichteten Zuschlags kann über den Festkörpergehalt der verwendeten Dispersion gesteuert werden. Die Schichtdicke wird bevorzugt durch Vorversuche auf einem Metallblech bestimmt. Zur Bestimmung nach der DIN EN ISO 2178 wird das DUALSCOPE MP0 der Fa. Fischer verwendet.
In einer bevorzugten Ausführungsform der Erfindung enthält die Beschichtung mindestens einen Zusatzstoff, welcher der Beschichtung mindestens eine Funktionalität verleiht. Auf diese Weise kann die Beschichtung nicht nur als Barriere gegen die AKR genutzt werden, sondern auch als Trägerschicht. Dabei ist die Funktionalität eine zusätzliche Funktionalität, die der Zuschlag ohne den Zusatzstoff nicht aufweisen würde. In einer Ausführungsform wirkt die Funktionalität in dem Beton oder in der Betonzusammensetzung. Der Zuschlag kann so mit besonderen Eigenschaften ausgestattet werden, beispielsweise solchen, die sonst von Bestandteilen der Betonzusammensetzung bewirkt werden. Die Zusätze können so gezielt in unmittelbarer Nähe zu den Zuschlägen positioniert werden und dort ihre Wirkung entfalten. In einer besonderen Ausführungsform diffundiert der Zusatz aus der Beschichtung heraus und entfaltet seine Wirkung außerhalb der Beschichtung.
Der Zusatzstoff kann beispielsweise in die Beschichtung eingearbeitet werden, wenn er vor dem Aushärten mit der Polymerdispersion homogen vermischt wird. Das Polymer und die Polymerdispersion werden dabei so ausgewählt, dass die homogene Vermischung möglich ist, beispielsweise unter Berücksichtigung der Oberflächenla- dung und/oder Hydrophilie der Polymere.
Bevorzugt ist der mindestens eine Zusatzstoff ausgewählt aus einem Farbstoff, einem Lithiumsalz und einem Kronenether.
Die Einarbeitung eines Farbstoffs in die Beschichtung hat den Vorteil, dass eine einfache, insbesondere visuelle, Kontrolle der Beschichtung möglich ist. Die beschriebenen Polymerbeschichtungen sind im allgemeinen dünn und farblos oder weißlich. Bei Zugabe eines Farbstoffs kann während des Beschichtungsprozesses oder danach geprüft werden, ob die Beschichtung gleichmäßig und vollständig erfolgte. Außerdem kann zu einem späteren Zeitpunkt, beispielsweise nach Lagerung oder bei der Weiterverarbeitung auf einfache Weise vom Anwender geprüft werden, ob die Beschichtung stabil ist.
Die Einarbeitung von Lithiumsalzen, insbesondere in Form von Lithiumnitrat, in die Beschichtung erfolgt, um die Inhibition der AKR zu unterstützen. Wie oben ausgeführt ist die Zugabe von Lithiumionen zu Betonzusammensetzungen zur Verhinderung der AKR bekannt. Die erfindungsgemäße Einarbeitung in die Polymerbeschich- tung ist jedoch vorteilhaft, da die Lithiumionen gezielt auf dem Zuschlag positioniert werden und nicht in der gesamten Betonzusammensetzung verteilt werden. In einem Polymer ist zudem die Diffusion der Ionen einfacher kontrollierbar und einstellbar als in dem ausgehärteten Beton . Dadurch kann eine deutliche Reduzierung der Lithiummenge erreicht werden, was angesichts des relativ hohen Preises und der gro- ßen Mengen, die für die Betonverarbeitung erforderlich sind, von großem Vorteil ist.
Die Einarbeitung von Kronenethern in die Beschichtung dient ebenfalls dazu, die Inhibition der AKR zu unterstützen. Dabei werden Kronenether ausgewählt, welche Ionen wie Kalium- oder Natriumionen fixieren, welche in den Zuschlägen die AKR bewirken.
Gegenstand der Erfindung ist auch eine Betonzusammensetzung, enthaltend
(a) mindestens einen Zement,
(b) mindestens einen beschichteten Zuschlag, wobei die Beschichtung mindes- tens einen Zusatzstoff aufweist, welcher der Beschichtung mindestens eine Funktionalität verleiht, und
(c) gegebenenfalls Betonzusatzstoffe und/oder Betonzusatzmittel.
Als Zemente werden anorganische, feingemahlene Stoffe bezeichnet, die nach dem Anrühren mit Wasser infolge chemischer Reaktionen selbständig erstarren und aushärten. Erfindungsgemäß können beliebige Zemente eingesetzt werden, die übli- cherweise zur Betonherstellung verwendet werden.
Erfindungsgemäß wird mit dem Begriff "Betonzusammensetzung" eine aushärtbare Zusammensetzung in Pulverform oder in Form einer Suspension bezeichnet, die zur weiteren Verarbeitung zu einem festen Betonformkörper geeignet ist. Dabei kann der Zement noch weitgehend trocken sein oder bereits teilweise oder vollständig mit Wasser versetzt sein. Der Zement kann ganz oder teilweise abgebunden sein.
Als Betonzusatzstoffe werden pulverförmige oder flüssige Zusätze bezeichnet, die bestimmte Eigenschaften des Betons beeinflussen. Übliche Betonzusatzstoffe sind beispielsweise mineralische Feinstoffe, inerte Feinstoffe, Flugasche, Farbpigmente, Fasern und organische Stoffe, wie Kunstharzdispersionen. Betonzusatzstoffe werden üblicherweise bei der Erstellung der Rezeptur des Betons als Volumenbestandteile berücksichtigt. Als Betonzusatzmittel werden in Wasser gelöste oder aufgeschlämmte Stoffe bezeichnet, die dem Beton beigemischt werden, um die Eigenschaften des Frisch- oder Festbetons, wie Verarbeitbarkeit, Abbindverhalten, Aushärten oder Dauerhaftigkeit zu verändern. Übliche Betonzusatzmittel sind solche gemäß der EN 934, beispielsweise Betonverflüssiger, Fließmittel, Stabilisatoren, Erstarrungsbeschleuniger, Erhär- tungsbeschleuniger, Verzögerer, Dichtungsmittel, Verflüssiger und Fließmittel.
In einer besonderen Ausführungsform der Erfindung ist ein Lithiumsalz, insbesondere Lithiumnitrat, in der Betonzusammensetzung und/oder in der Polymerdispersion selbst enthalten. Wie oben ausgeführt, ist bei Verwendung eines erfindungsgemäßen beschichteten Zuschlags der Einsatz von Lithiumnitrat nicht unbedingt erforderlich, da die erfindungsgemäße Beschichtung die AKR verhindert. Es kann jedoch im Einzelfall oder bei bestimmten Verwendungen von Vorteil sein, als zusätzliche Siche-
rung eine Lithiumverbindung hinzuzufügen, beispielsweise wenn eine besondere Langzeitstabilität von besonders reaktiven Zuschlägen erreicht werden soll.
In einer besonderen Ausführungsform der Erfindung enthalten die Betonzusammen- setzung und/oder die Polymerdispersion einen Kronenether. Der Kronenether kann in einer bevorzugten Ausführungsform in die Polymerschicht einpolymerisiert sein. Kronenether sind zyklische Ether, die stabile Komplexe mit Alkali- oder Erdalkaliionen bilden. Bevorzugt werden Kronenether eingesetzt, die mit Natrium- und Kaliumionen stabile Komplexe ausbilden. Zur Fixierung von Kaliumionen im Beton oder in der Polymerschicht ist beispielsweise Dicyclohexano[18]Krone-6 besonders geeignet. Bei Einsatz der erfindungsgemäßen Kronenether können Natrium- und Kaliumionen in dem Beton oder in der Polymerschicht fixiert werden, so dass die AKR zusätzlich behindert wird. Gegenstand der Erfindung ist auch ein Verfahren zur Herstellung von Beton, umfassend die Schritte
(A) Vermischen der Komponenten (a) bis (c) einer erfindungsgemäßen Betonzusammensetzung,
(B) Formen und
(C) Aushärten zu einem Beton.
Bei Schritt (B) bedeutet das "Formen", dass der Zusammensetzung zu einer beliebigen dreidimensionalen Form verarbeitet wird, beispielsweise einem Straßenbelag, einer Füllung oder einem geformten Bauteil. Das Formen kann mit Hilfe von Scha- lungsteilen oder einer Gussform, aber auch durch Spachteln etc. erfolgen. Bei dem erfindungsgemäßen Verfahren können auch zusätzlich Zuschläge eingesetzt werden, die nicht beschichtet sind. Beispielsweise können in der Betonzusammensetzung nur solche Zuschläge beschichtet werden, die aufgrund ihrer Beschaffenheit zur AKR neigen.
Gegenstand der Erfindung ist auch ein Beton, erhältlich durch Aushärten einer erfindungsgemäßen Betonzusammensetzung oder durch ein erfindungsgemäßes Verfahren.
Beton ist ein vielseitig eingesetzter Baustoff, der aus Gemischen aus Zementen, Zuschlägen und Wasser hergestellt wird. Erfindungsgemäß kann der Zuschlag in jeder bekannten Art von Beton eingesetzt werden.
Der erfindungsgemäße Zuschlag eignet sich insbesondere für Betonzusammensetzungen, die einen hohen wirksamen Alkaligehalt aufweisen. Beispielsweise kann der wirksame Alkaligehalt größer als 1 %, insbesondere größer als 1 ,5% oder größer als 2,5% sein (Na2O-Äquivalent gemäß DIN 1 164-10).
Die erfindungsgemäßen Verwendungen und Zuschläge lösen die der Erfindung zugrunde liegenden Aufgaben. Bei Einsatz der beschichteten Zuschläge kann die AKR verhindert oder zumindest wesentlich beeinträchtigt werden . Der Einsatz von Lithiumverbindungen ist nicht mehr erforderlich. Die Beschichtung verhindert unab- hängig von dem eingesetzten Zement und der Gesamtzusammensetzung die AKR. Ungeachtet dessen weist der Beton gute, gleichbleibende Materialeigenschaften auf. Durch die AKR verursachte Materialschäden, wie Risse oder Versprödungen, treten auch bei Feuchtigkeit und über lange Zeiträume nicht auf oder werden signifikant zurückgedrängt.
Ausführungsbeispiele
Beispiel 1 : Beschichtung eines Zuschlags Als Zuschlag zum Beschichten wird Splitt der Körnung 8/1 1 , 1 1/16 und 16/22 der Mitteldeutschen Baustoffe GmbH, Werk Harzer Grauwacke Rieder oder Splitt (Muschelkalk) der Körnung 8/16 der Firma Schotterwerk Gfrörer & Sohn, Schotterwerk Fischingen oder Edelsplitt der Körnung 8/1 1 und 1 1/16 aus dem Gebiet Oberrhein eingesetzt. Es werden 8-1 1 mm Zuschlag, 1 1 -16 mm Zuschlag und 16-22 mm Zu- schlag getrennt voneinander beschichtet. Dabei werden jeweils 25 kg eines Zuschlags in einen sog. Freifallmischer Typ LESCHA SM 145 S eingefüllt. Anschließend erfolgt die Zugabe von 0,5 kg einer Polymerdispersion von carboxyliertem Bu- tadien-Styrol-Copolymerisat (Synthomer 29Y41 , Firma Synthomer, Feststoffanteil
47%). Die Einfüllöffnung des Mischers wird mit einem Siebverschluss versehen und danach 90 Sekunden mit einer Geschwindigkeit von 64 U/min gemischt. Diese Zeit reicht aus, um den Zuschlag vollständig zu benetzen. In Anschluss lässt man über die Siebvorrichtung die überschüssige Emulsion in ein Auffanggefäß ablaufen und abtropfen. Der Zuschlag wird danach entnommen und breitflächig auf eine PE-Folie ausgeschüttet, wobei der Trocknungsvorgang vorgenommen wird.
Beispiel 2: Herstellung eines Betons Mit den gemäß Beispiel 1 hergestellten beschichteten Zuschlägen wird ein Straßenbeton hergestellt. Für die Probekörper der Nebel kammerversuche wird folgende Straßenbetonrezeptur verwendet und wie folgt gemischt: 542 kg/m3 0-2 mm Zuschlag (Rheinsand der Firma KVB Kies-Vertrieb GmbH & Co. KG, Karlsdorf- Neuthard, Werk Waghäusel), 217 kg/m3 2-8 mm Zuschlag (Rheinkies der Firma KVB Kies-Vertrieb GmbH & Co. KG, Karlsdorf-Neuthard, Werk Waghäusel), 238 kg/m3 8- 1 1 mm Zuschlag (aus dem Gebiet Oberrhein, beschichtet gemäß Beispiel 1 ), 274 kg/m3 1 1 -16 mm Zuschlag (aus dem Gebiet Oberrhein, beschichtet gemäß Beispiel 1 ), 542 kg/m3 16-22 mm Zuschlag (Splitt der Firma KVB Kies-Vertrieb GmbH & Co. KG, Karlsdorf-Neuthard, Werk Oberhausen-Rheinhausen) mit 71 ,5 kg/m3 Wasser (Stadtwasser, Leimen) für 30 Sekunden in einem Zyklus Zwangsmischer gemischt. Danach wird für 180 Sekunden eine Saugpause eingelegt. Dann werden 350 kg/m3 Portlandzement (CEM I 42,5 R, Firma HeidelbergCement, Werk Weisenau/Mainz), 71 ,5 kg/m3 Wasser (Stadtwasser, Leimen) und evtl. noch ca. 0,1 bis 0,5 % Betonzusatzmittel (Sika Luftporenbildner LPS A-94 auf Basis synthetischer Tenside der Fir- ma Sika Deutschland GmbH, Leimen und Sika Fließmittel FM 31 auf Basis von Poly- acrylat der Firma Sika Deutschland GmbH, Leimen) dazu gegeben und nochmals für 120 Sekunden gemischt, wobei die Menge des Betonzusatzmittels so eingestellt wird, dass das Ausbreitmaß 340 mm beträgt (nach DIN EN 12350-5). Der Beton wird ausgehärtet.
Beispiel 3: Prüfung der Alkaliempfindlichkeit des Betons (Nebelkammertest)
Beton rezeptur:
(in Anlehnung an die DAfStb AI kali-Richtl . vom Feb. 07):
Zement: CEM I 42,5 R Mainz
Gesteinskörnung/Zement-Verh.: 6,0:1 Masseteile
w/z-Wert: 0,41 (Leitungswasser)
Luftporenbildner: 0,2 % v. Z.-Gew.
Fließmittel: 0,6 % v. Z.-Gew.
Luftgehalt: 5,0 Vol. -%
Sieblinie:
Die Fraktionen 8/1 1 und 1 1/16 wurden wie in Beispiel 1 beschrieben beschichtet.
Von der obigen Betonrezeptur werden drei Balken (100 x 100 x 500 mm) mit Messzapfen für die Dehnungsmessung hergestellt und 24 Stunden bei 20,0 °C gelagert. Danach kommen sie entformt bei 40,0 °C und mind. 99 % rel. Feuchte in eine Nebelkammer. Das Prüfverfahren in der Nebel kammer orientiert sich an der DAfStb AI kali- Richtl . vom Feb. 07. Die Nullmessung erfolgt bei 20,0 °C direkt vor dem Einbringen in die Nebelkammer. Weitere Messungen der Längenänderung erfolgen nach 1 , 7, 14, 28 Tagen und monatlich bis zum Alter von 9 Monaten.
Tabelle 1 : Längenänderungen in mm/m nach verschiedenen Zeitintervallen. A: Messwerte für Balken mit unbeschichtetem Splitt (Vergleichsversuch). B: Messwerte für erfindungsgemäßen Balken mit beschichtetem Splitt. C: Differenzbeträge von A und B.
1 d 7 d 14 d 28 d 2 m 3 m 4 m 5 m
A 0,189 0,216 0,207 0,212 0,255 0,305 0,381 0,488
B 0,182 0,198 0,191 0,212 0,219 0,259 0,333 0,419
C 0,007 0,018 0,016 0,000 0,036 0,046 0,048 0,069
Tabelle 1 ist zu entnehmen, dass die Differenz der Dehnung zwischen behandelten und unbehandelten Proben sich mit der Zeit vergrößert. Das zeigt, dass die Be- Schichtung der Körnung in dem ausgewählten Größenbereich vor AKR schützt.
Beispiel 4: Prüfung der Biegezugfestigkeit
Gemäß der Betonrezeptur in Beispiel 3 wurden Balken (700 x 150 x 1 50 mm) zur Ermittlung der Biegezugfestigkeit hergestellt. Die Biegezugfestigkeit wird nach der DIN EN 12390-5 (02/2001 ) nach 28 Tagen Wasserlagerung geprüft. Für einen Balken mit unbeschichtetem Splitt wurde im Vergleichsversuch eine Biegezugfestigkeit von 6,6 N/mm2 gemessen, während für einen Balken mit beschichtetem Splitt eine Biegezugfestigkeit von 7,1 gemessen wurde. Das Beschichten der Gesteinskörnung beeinträchtigt also nicht signifikant die Biegezugfestigkeit des Betons.
Beispiel 5: Prüfung des Frost-Tausalz-Widerstands
Die Prüfung erfolgte mittels CDF-Verfahren. Ebenfalls nach derselben Rezeptur, je- doch wurde anstelle der 8/1 1 -er und 1 1/16-er Körnung ein 8/16-er Kalksplitt (einmal getrocknet und einmal feucht, sowohl beschichtet als auch unbeschichtet) verwendet und die doppelte Menge Fließmittel, wurden Probekörper für das CDF-Verfahren hergestellt. Das Verfahren wird in Anlehnung an die DIN CEN/TS 12390-9 (08/2006) durchgeführt.
Tabelle 3: Abwitterung verschiedener Prüfkörper
Das Beschichten der Gesteinskörnung hat also keinen signifikanten Einfluss auf die Abwitterung des Betons.