DE8640C - - Google Patents
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-
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- A01—AGRICULTURE; FORESTRY; ANIMAL HUSBANDRY; HUNTING; TRAPPING; FISHING
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Description
1879.
Klasse
JACOB ADOLPHE ISAAC VIGNIER in PARIS. System der Insectencultur für die Zwecke der Fischzucht.
Patentirt im Deutschen Reiche vom 12. August 1879 ab.
Vorliegende Erfindung hat zum Gegenstand: ein Verfahren zur Vermehrung der Insecten,
welche im lebenden Zustande zur Ernährung von Fischen aller Gattungen und ganz besonders
zur Ernährung der Forellen- und Lachsbrut, sowie auch der Forellen und Lachse selbst
bei ihrer Entwickelung dienen, bis sie die für den Handel nöthige Gröfse erreicht haben.
Um den Gegenstand der vorliegenden Erfindung vollkommen verständlich zu machen, weist
Erfinder zunächst darauf hin, dafs er. die genauen Beobachtungen der Herren Francois
Lugrin, Ernst du Noveray und Doctor Mayor in Genf benutzte, die sich zugleich mit
ihm mit dem Studium und mit der Sammlung von Erfahrungen über diesen wichtigen Gewerbszweig
beschäftigt haben.
Unter Anknüpfung an diese Arbeiten wurden nach und nach die wichtigen Einzelheiten bezüglich
der Ernährung herausgefunden, welche der Forellen- und Lachsbrut in dem verschiedenen
Alter am besten zusagt, sowie auch die Mittel und Wege, um ihnen diese Nahrungsmittel
durch künstliche Insectenvermehrung zuzuführen, welche ihnen lebende Beute zum Zweck kräftiger Entwickelung und vortheilhafter
Züchtung liefert.
Es ist bekannt, dafs Forellen und Lachse von aufserordentlicher Gefräfsigkeit sind und
sich von Insecten und Würmern nähren; die Fischzucht kann Forellen in grofser Menge erzeugen,
und es war dies der erste Fisch, bei dem man mit Erfolg das Verfahren der künstlichen
Befruchtung und Vermehrung anwandte.
In der Praxis entstand nun die Schwierigkeit, sie zu ernähren; man setzte sie deshalb in die
zu bevölkernden Gewässer, was zuweilen gute Resultate ergab; im allgemeinen führte dies
aber zur Vernichtung des gröfsten Theils der kleinen Fische, die in diesem Zustand der Entwickelung
noch nicht die Kraft und die Fähigkeit haben, sich der zahlreichen und mächtigeren
Feinde zu erwehren, denen sie in den Flüssen und Bächen ohne irgendwie genügenden
Schutz begegnen.
Durch Beobachtungen hat Erfinder nun feststellen können, welche Nahrungsmittel man der
Fischbrut zu geben hat, Um sie naturgemäfs aufzuzüchten.
Das Wesentliche der Sache ist folgendes:
Nachdem die Befruchtung hauptsächlich im December vor sich gegangen ist, schlüpfen die
Forellen und Lachse in den ersten Tagen des März aus, und die Brut nährt sich dann ausschliefslich
von Wasserflöhen (Daphnia pulex),
kleinen Muschelkrebsen (Cypris) und Cyclopen bis zum Juli, also ungefähr während vier Monaten.
Von ausgangs Juli sind die Fische grofs genug, um dieser ersten. Nahrung hinzuzufügen:
die Larven der kleinen Mücken, der langbeinigen Mücken, der Eintagsfliegen, der Frühlingsfliegen
und der Wasserjungfern, und es dauert diese Ernährungsweise, bis die eintretende Kälte die
Existenz dieser Insecten vernichtet, was im allgemeinen gegen November hin stattfindet.
Sodann, vom November bis zum Eintritt der ersten Hitze, also bis zum März, nähren sich
die Forellen von einer dritten Art Insecten, denen man den Namen Schmarotzerkrebschen
(Gammarus) gegeben hat, kleine bräunliche Schalthierchen, die man auch Heuschreckenkrebse
(Squille aquatique) nennt. -
Nach vollendetem ersteh Jahre wiegt die Forelle ungefähr 125 g und kann nun Würmer,
Regenwürmer, Mollusken, Schnecken etc. angreifen und bald nachher Elritzen und andere
kleine Fische, von denen sich die Forelle nährt, ohne die oben genannten Insecten zu verschmähen.
Anschliefsend an diese natürliche Ernährung der Fische hat nun Erfinder ein System der
Insectencultur erdacht, durch welches die Vermehrung gewisser Insecten befördert wird, während
man sich bisher nur mit der Zerstörung gewisser anderer Insecten befafste. Dies ist
also ein neuer Weg von beträchtlicher Wichtigkeit.
Erfinder veranlafst die Bildung von faulem Wasser in einem abgesonderten Bassin mit
Hülfe von menschlichen Fäcalstoffen, die in stehendes Wasser geleitet werden; dies bildet
eine von Wasserflöhen, kleinen Muschelkrebsen und Cyclopen aufgesuchte Masse, um hier ihre
Eier abzulegen; die schnelle Entwickelung dieser Eier erzeugt eine grofse Masse lebender Insecten;
aber so günstig auch dieses faulende, stehende Wasser für das Ausschlüpfen ist, so
wenig günstig ist es für die Fortdauer der Exi-
stenz dieser Insecten; die Hitze, das Licht, die Verdunstung zerstören schleunig diese nämlichen
Insecten und verhindern ihre Vermehrung; sie müssen nach ihrem Ausschlüpfen zu ihrer Ernährung
in fliefsendes Wasser gelangen.
Deshalb hat Erfinder einen Wasserstrahl, der ungefähr 2 ο 1 pro Minute stark läuft, angebracht,
der nach Verhältnifs des Entstehens der Insecten auf dem faulenden stehenden Wasser dieselben
aus ihrem Bassin in die unterhalb desselben angebrachten Bassins mit frischem Wasser führt,
in welchen sich die Lachs- und Forellenbrut befindet, welche sich auf die Insecten stürzt
und sie verschlingt.
Es ist selbstverständlich, dafs man diese Insectenculturanlage zur Züchtung von Wasserflöhen
etc. durch zahlreiche Mittel leicht zur Ausführung bringen kann, da es genügt, ein
oberes Reservoir mit dem faulenden, stehenden Wasser aufzustellen, das zur unausgesetzten
Eierablagerungs- und Ausschlüpfstätte dient, und nun einen Abzug der ausgeschlüpften Insecten
herzustellen, indem man an geeigneter Stelle einen Wasserlauf anbringt, der die Insecten in
das fliefsende Wasser eines unteren Bassins führt, in welchem die zu ernährenden Fische sich
aufhalten.
•Durch Hmzufügung von flüssiger Jauche aus Kuh-, Pferde- oder anderem Stalldünger in das
stehende Wasser kann man aufser den Wasserflöhen, Muschelkrebsen und Cyclopen noch
Larven der kleinen Mücken, der langbeinigen Mücken, der Eintagsfliegen, der Frühlingsfliegen
und der Wasserjungfern etc. erzielen, die aufserordentlich zahlreich auf der genannten, neu
hinzugefügten Masse aus Eiern entstehen. Die oben erwähnte Anordnung eines beständig laufenden
Wasserstrahls nimmt auch diese Insecten in die unteren Bassins mit, wo sich die Fische
befinden. Die unausgesetzte Neubildung von Insecten wird dann fortwährend durch neuen
Zuflufs der genannten Stoffe befördert.
Um die Insectenbildung trotz der im November eintretenden Kälte so lange wie möglich
zu fördern, kann man die Anlage in Gewächshäusern unterbringen, um die faulenden
Wasser warm zu halten, was eine Fortdauer in der Befruchtung der Insecteneier zur Folge hat.
Bei eintretendem Frost wird die Beschaffung anderer Insecten für die Fische nöthig; hierzu
genügt es, in ein Frischwasserreservoir Gemüseblätter, Baumblätter und besonders Pappelblätter
zu legen, die nunmehr das Eierlegen von Süfswasserkrebsen begünstigen, die sich auch entwickeln
und die ebenso, wie oben beschrieben wurde, durch einen unausgesetzt laufenden Wasserstrahl in das Fischbassin abgeführt
werden.
Die Forellen und Lachse erhalten auf diese Weise während des ganzen Jahres lebendes
Futter in genügender Menge, und zwar durch die ihre Entwickelung am besten befördernden
Insecten.
Claims (6)
- Patent-Ansprüche:ι . Das System der Insectencultur, durch welches das Eierlegen der Insecten, das Ausschlüpfen und die Entwickelung der Insecten begünstigt und ihre Weiterbeförderung nach Mafsgabe ihres Entstehens veranlafst wird und welches System hauptsächlich in der Anbringung eines oberen Reservoirs mit stehendem oder mit frischem Wasser besteht, welches diejenigen Materialien enthält, auf welchen die Insecten vorzugsweise ihre Eier ablegen und welches ferner in einem Abzugsmittel besteht, um die Insecten nach Mafsgabe ihres Entstehens aus dem oberen Bassin zur Ernährung von Fischen und Fischbrut abzuziehen.
- 2. Die Anwendung dieses Systems der Insectencultur, speciell zur Vermehrung der Wasserfiöhe, der kleinen Muschelkrebse und der Cyclopen durch die angegebenen Mittel und zur Ableitung der Insecten in andere Bassins für die Ernährung von Fischen und Fischbrut.
- 3. Die Anwendung dieses Systems der Insectencultur, speciell zur Vermehrung der Larven der kleinen Mücken, der langbeinigen Mücken, der Eintagsfliegen, der Frühlingsfliegen und der Wasserjungfern durch die angegebenen Mittel und zur Ableitung der Larven in andere Bassins für die Ernährung von Fischen.
- 4. Die Anwendung von Gewächshäusern für dieses System der Insectencultur, um die Vermehrung der Insecten trotz der ersten eintretenden Winterkälte zu begünstigen.
- 5.. Die Anwendung dieses Systems der Insectencultur, speciell zur Vermehrung der Süfswasserkrebse oder Heuschreckenkrebse durch Einlegen von Gemüse- und Baumblättern, speciell Pappelblättern, in ein Frischwasserreservöir, von welchem die Insecten in der angegebenen Weise in das Fischreservoir zur Ernährung der Fische geleitet werden.
- 6. Die Anwendung dieses Systems der Insectencultur zur Ernährung der Forellen- und Lachsbrut und anderer Fische, sowie auch des Geflügels, dadurch, dafs zu geeigneter Zeit das Ausschlüpfen der Insecten veranlafst wird, wie hier oben näher beschrieben wurde.
Publications (1)
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