DE57245C - Verfahren, um Runkelrüben auf ungeschlechtlichem Wege zu vermehren - Google Patents
Verfahren, um Runkelrüben auf ungeschlechtlichem Wege zu vermehrenInfo
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Description
KAISERLICHES
PATENTAMT.
Der Erfinder läfst sich über dieses Verfahren wie folgt aus:
Die Vermehrung der Pflanzen geschieht bekanntlich auf zweifachem Wege, und zwar entweder
durch Samen, welche Art die natürliche ist und auch als geschlechtliche Vermehrung
oder Fortpflanzung bezeichnet wird, oder durch die sogenannte ungeschlechtliche Vermehrung,
wobei einzelne Theile von der Mutterpflanze abgetrennt und diese sich gleich den Polypen
neu zu individualisiren im Stande sind.
Die Runkelrübe ist auf Grund der bis jetzt gemachten Beobachtungen und Versuche auf
die Wechselbefruchtung oder Fremdbefruchtung, welche infolge ihrer günstigen Wirkung
auf die Nachkommen im Pflanzenreich fast allgemein vorkommt, angewiesen, und können
somit durch die geschlechtliche Fortpflanzung der Runkelrübe, da die Fremdbefruchtung eine
Erschütterung der Constanz der Pflanze bedingt und den Anstofs zur Entstehung neuer
Spielarten giebt, nicht alle Eigenschaften der Mutterrübe auf die Nachkommen unverändert
übertragen ,werden. Beispiele dafür finden wir in der Natur genug und wird diese Eigenschaft
der Pflanzen als Variation bezeichnet.
So wissen wir z. B., dafs nach den von Ferd. Knauer durchgeführten Kreuzungsversuchen
zwischen einer rothen Hornrübe und einer weifsen Imperialrübe aus dem erzeugten Samen alle möglichen Spielarten entstanden
sind, die sowohl bezüglich der Form, als Farbe und Zuckergehalt von einander sehr verschieden
waren. Und wenn auch der Same nicht das Kreuzungsproduct so weit von einander verschiedener
Spielarten ist wie im obigen Falle, sondern nur das Kreuzungsproduct verschiedener
Individuen einer und derselben Spielart vorstellt, so treffen wir doch auf jedem Rübenfelde,
je nachdem die Auswahl der Mutterrüben mehr oder weniger sorgfältig durchgeführt
wurde, viele oder wenige Individuen an, die sich von einander bedeutend unterscheiden.
Seit Jahrzehnten bereits wird die Rübensamenzucht in Deutschland und Frankreich,
seit einigen Jahren auch in Oesterreich sehr rationell betrieben. Die Namen der Züchter
Vilmorin, Knauer, Rabbethge, v. Giesecke, Braune, Dippe, Mette, Simon-Legrand,
Wohanka, v. Proskowetz, Jirku u. a. sind auf dem Gebiete der Rübensamenzucht bekannt geworden. Millionen Rüben
wurden durch diese Züchter zur Untersuchung gebracht und nur jene Rüben zur Zucht verwendet,
die neben einer befriedigenden Form, Gröfse und Farbe auch einen hohen Zuckergehalt
besitzen. Nicht selten werden hier Rüben angetroffen, deren Zuckergehalt 18 bis
20 pCt. erreicht und selbst darüber steigt. Diese Rüben werden besonders getrennt und
bilden sozusagen das Stammkapital der Zucht.
Werden aber die von diesen Musterrüben geernteten Samen zum Anbau gebracht, so
entstehen daraus stets mehr oder weniger Individuen, deren Zuckergehalt nicht zwischen
18 bis 20 pCt. schwankt, sondern sich z.B. zwischen 12 bis 16 pCt. bewegt und selbst
mitunter diese Höhe nicht erreicht. Dieser Unterschied der Rüben im Zuckergehalte beträgt
nicht selten 1 bis 5 pCt. und selbst dann, wenn die Rüben dicht neben einander standen
und. unter gleichen Bedingungen gewachsen
sind. Diese Erscheinung wird als individuelle Variation bezeichnet und liegt die Ursache derselben
in der Wechselbefruchtung, welche die Constanz der Pflanze erschüttert und im vorliegenden
Falle als Rückschlag bezeichnet wird. Wenn wir bedenken, dafs unsere Rübensamenzüchter
auf die Auswahl der Mutterrüben die gröfste Sorgfalt legen und die gröfsten Kosten
für diesen Zweck nicht scheuen, nur um Samen zu erzeugen, der sowohl die Zuckerfabrikanten,
als die Rübenproducenten in jeder Richtung befriedigen soll, wenn wir ferner erwägen,
dafs nach den oben angeführten Beispielen durch Samen eine vollkommene Vererbung
bestimmter Eigenschaften der Mutterrüben auf die Nachkommen kaum möglich ist, oder dafs
auf diesem Wege irgend welche vortheilhaften Eigenschaften einer Spielart nicht erhalten werden
können, 'so wird gewifs die Vermehrung der Rüben auf ungeschlechtlichem Wege, wobei
sämmtliche Eigenschaften einer bestimmten Spielart erhalten, d. h. auf die Nachkommen
übertragen werden, allgemeines und reges Interesse erwecken müssen.
Wenn z. B. ein Rübensämenzüchter, Zuckerfabrikant oder Landwirth unter seinen aus
Samen erzeugten Rüben ein Individuum findet, das sich durch werthvolle Eigenschaften auszeichnet,
so können diese Eigenschaften durch ungeschlechtliche Vermehrung nicht nur vollends
auf die Nachkommen übertragen werden, sondern es kann der betreffende Züchter etc. im
Verlauf einiger Jahre Millionen Individuen erzeugen , welche die werthvollen Eigenschaften
in demselben Mafse besitzen, als sie bei der ursprünglichen Mutterrübe vorhanden waren.
Da die Erhaltung aller werthvollen Eigenschaften einer Musterrübe durch ungeschlechtliche
Vermehrung eine feststehende Thatsache ist, gegen die sich nicht das Geringste einwenden
lä'fst, so müssen bei Anwendung dieses Vermehrungsverfahrens die Auswahl der Mutterrüben
und die mit derselben verbundenen grofsen Kosten fast ganz wegfallen.
Allerdings ist die ungeschlechtliche Vermehrung im Pflanzenreiche eine bekannteErscheinung
und wird davon im Gartenbau bereits seit Jahrhunderten ausgedehnter Gebrauch gemacht.
Man braucht nur an die Veredelung der Obstbäume und an die Vermehrung der Rosen,
Nelken, Fuchsien und anderer Blumen und Ziersträucher zu denken. Von den wildwachsenden
Pflanzen sei der Löwenzahn erwähnt, der nach dem Abschneiden des Kopfes nach einiger
Zeit von dem Cambialringe (Verdickungsringe) aus frische Laubtriebe erzeugt. Zu dieser ungeschlechtlichen
Vermehrung werden verschiedene Pflanzentheile, als Knollen, Wurzeln, Schöfslinge, Brutzwiebeln, Brutknospen, Stengeltheile
etc. verwendet.
Die ungeschlechtliche Vermehrung ist somit allgemein bekannt, neu ist aber ihre Anwendung
auf die Runkelrübe, den Rübenbau und die RUbensamenzucht.
Wenn bis jetzt die Runkelrübe auf ungeschlechtlichem Wege nicht vermehrt wurde,
so dürfte die Ursache davon darin zu suchen sein, dafs die Runkelrübe scheinbar keine solchen
Organe besitzt, die leicht zur Vermehrung verwendet werden könnten. Beschneidet man
jedoch die Rüben nach ihrer Ernte mehr oder weniger, so entwickeln diese während ihrer
Aufbewahrung aus ihren Adventivknospen ι 5 bis 40 Laubtriebe — die Rüben wachsen aus :—,
die von der Mutterpflanze getrennt unter günstigen Wachsthumsbedingungen zu selbstständigen,
mehr oder weniger dickwurzeligen Pflanzen heranwachsen. Des Erfinders diesbezügliche
Versuchsrüben befanden sich am 21. September 1890 noch im Boden und besafsen
am Kopfe einen Umfang von 23 cm. Die Stecklinge wurden Mitte Mai gemacht. Lange wollte die Bewurzelung der Stecklinge nicht
eelineen und wiederholt mufsten dieselben aus dem Boden herausgenommen werden, um sowohl
die faulenden Stellen wegzuschneiden, als die an den Schnittflächen nagendenTausendfüfse
und Würmer zu entfernen.
Erst als ein Antisepticum zu Hülfe genommen wurde, gingen die einzelnen Pflänzchen nicht
mehr zurück und bewurzelten sich im Verlaufe von ca. 20 bis 25 Tagen vollkommen.
Als Antisepticum empfiehlt sich am besten gepulverte Holzkohle, welche sowohl unter den
Sand des Vermehrungsbeetes gemischt, als auch auf die Schnittfläche des RUbenstecklings gebracht
wird.
Geschieht die Vermehrung im freien Grunde, dann genügt es, die einzelnen Stecklinge mit
ihren Schnittflächen in die gepulverte Holzkohle zu tauchen.
Die Bewurzelung erfolgt sowohl im freien Grunde, als im Vermehrungsbeete. Richtet
man sich die Mistbeete als Vermehrungsbeete ein, so kann bereits im März, unter Umständen
schon im Februar, und im Warmhause noch früher mit der Vermehrung begonnen werden.
Die bewurzelten Stecklinge werden im Monat April, unter Berücksichtigung der das Anwurzeln
fördernden Momente, in den freien Grund ausgesetzt und erreichen bis zum Herbste
eine Stärke von 6 bis 9 cm im Durchmesser. Rüben von angegebener Stärke eignen sich
ganz vortrefflich zur Verarbeitung in den Zuckerfabriken; leider dürfte dieses nicht für
unsere Stecklings- oder Asexualrüben gelten, weil deren Wurzeln nicht glatt, sondern nach
Art der Sellerie viel verzweigt sein und infolge dessen für den Zuckerfabrikanten kein verarbeitungsfähiges
Material liefern dürften.
Die nach diesem Verfahren erzeugten Rübensamen werden stets einen höheren Procentsatz
an hochpolarisirenden Rüben liefern, als es bis jezt sein konnte, wobei besonders betont werden
mufs, dafs die Auswahl der Mutterrüben überdies weit gröfsere Auslagen erfordert als
das Stecklingsverfahren, bei welchem die Auswahl allerdings nicht ganz wegfallen kann, aber
doch bis auf ein Minimum reducirt wird, indem ja schon ioo Musterrüben im Verlaufe
von 2 bis 4 Jahren ca. ι 600 000 ausgewachsene Stecklingsrüben liefern können, welche im
nächsten Jahre, als Samenträger verwendet, ein Samenquantum liefern, das zur Deckung des
Bedarfes mittlerer Zuckerfabriken hinreicht.
Daraus folgt, dafs die Samenzucht unter Anwendung des angegebenen Verfahrens leicht
von den Zuckerfabriken durchgeführt werden kann, und 'darin wird der höchste Vortheil
dieses Verfahrens gesucht.
Es sei noch bemerkt, dafs sich auch Stengel-' theile von Samenrüben vermehren lassen, die
während einer Vegetationsperiode zu kräftigen Pflanzen heranwachsen und nach ihrer Ueberwinterung
in der nächsten Vegetationsperiode als Samenträger verwendet werden können.
Die Art des Verfahrens ist aus der Zeichnung zu ersehen; die aus den Achseln der Blätter
und aus den schlafenden Knospen hervorwachsenden Sprossen S werden von der Mutterrübe
getrennt, die Schnittflächen werden mit Holzkohlenpulver bestreut und werden dann
in das Vermehrungsbeet verpflanzt.
Claims (1)
- Patent-Anspruch:Ein Verfahren, um Runkelrüben (Zuckerund Futterrüben) auf ungeschlechtlichem Wege zu vermehren, darin bestehend, dafs man sowohl die aus den Achseln der Blätter, als die aus den schlafenden Knospen hervorwachsenden Sprossen oder Laubtriebe S von der Mutterrübe trennt, wobei von dem Fleische der Mutterrübe nur wenig bleiben darf, und im Vermehrungsbeete oder auf freiem Grunde zu selbstständigen Pflanzen heranwachsen läfst, wobei, um die Schnittflächen der Stecklinge vor Fäulnifs zu schützen, dieselben vor dem Einpflanzen mit Holzkohlenpulver bestreut werden.Hierzu ι Blatt Zeichnungen.
Publications (1)
| Publication Number | Publication Date |
|---|---|
| DE57245C true DE57245C (de) |
Family
ID=331620
Family Applications (1)
| Application Number | Title | Priority Date | Filing Date |
|---|---|---|---|
| DENDAT57245D Expired - Lifetime DE57245C (de) | Verfahren, um Runkelrüben auf ungeschlechtlichem Wege zu vermehren |
Country Status (1)
| Country | Link |
|---|---|
| DE (1) | DE57245C (de) |
-
0
- DE DENDAT57245D patent/DE57245C/de not_active Expired - Lifetime
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