DE57245C - Verfahren, um Runkelrüben auf ungeschlechtlichem Wege zu vermehren - Google Patents

Verfahren, um Runkelrüben auf ungeschlechtlichem Wege zu vermehren

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beets
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    • AHUMAN NECESSITIES
    • A01AGRICULTURE; FORESTRY; ANIMAL HUSBANDRY; HUNTING; TRAPPING; FISHING
    • A01GHORTICULTURE; CULTIVATION OF VEGETABLES, FLOWERS, RICE, FRUIT, VINES, HOPS OR SEAWEED; FORESTRY; WATERING
    • A01G7/00Botany in general

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  • Forests & Forestry (AREA)
  • Environmental Sciences (AREA)
  • Breeding Of Plants And Reproduction By Means Of Culturing (AREA)

Description

KAISERLICHES
PATENTAMT.
Der Erfinder läfst sich über dieses Verfahren wie folgt aus:
Die Vermehrung der Pflanzen geschieht bekanntlich auf zweifachem Wege, und zwar entweder durch Samen, welche Art die natürliche ist und auch als geschlechtliche Vermehrung oder Fortpflanzung bezeichnet wird, oder durch die sogenannte ungeschlechtliche Vermehrung, wobei einzelne Theile von der Mutterpflanze abgetrennt und diese sich gleich den Polypen neu zu individualisiren im Stande sind.
Die Runkelrübe ist auf Grund der bis jetzt gemachten Beobachtungen und Versuche auf die Wechselbefruchtung oder Fremdbefruchtung, welche infolge ihrer günstigen Wirkung auf die Nachkommen im Pflanzenreich fast allgemein vorkommt, angewiesen, und können somit durch die geschlechtliche Fortpflanzung der Runkelrübe, da die Fremdbefruchtung eine Erschütterung der Constanz der Pflanze bedingt und den Anstofs zur Entstehung neuer Spielarten giebt, nicht alle Eigenschaften der Mutterrübe auf die Nachkommen unverändert übertragen ,werden. Beispiele dafür finden wir in der Natur genug und wird diese Eigenschaft der Pflanzen als Variation bezeichnet.
So wissen wir z. B., dafs nach den von Ferd. Knauer durchgeführten Kreuzungsversuchen zwischen einer rothen Hornrübe und einer weifsen Imperialrübe aus dem erzeugten Samen alle möglichen Spielarten entstanden sind, die sowohl bezüglich der Form, als Farbe und Zuckergehalt von einander sehr verschieden waren. Und wenn auch der Same nicht das Kreuzungsproduct so weit von einander verschiedener Spielarten ist wie im obigen Falle, sondern nur das Kreuzungsproduct verschiedener Individuen einer und derselben Spielart vorstellt, so treffen wir doch auf jedem Rübenfelde, je nachdem die Auswahl der Mutterrüben mehr oder weniger sorgfältig durchgeführt wurde, viele oder wenige Individuen an, die sich von einander bedeutend unterscheiden.
Seit Jahrzehnten bereits wird die Rübensamenzucht in Deutschland und Frankreich, seit einigen Jahren auch in Oesterreich sehr rationell betrieben. Die Namen der Züchter Vilmorin, Knauer, Rabbethge, v. Giesecke, Braune, Dippe, Mette, Simon-Legrand, Wohanka, v. Proskowetz, Jirku u. a. sind auf dem Gebiete der Rübensamenzucht bekannt geworden. Millionen Rüben wurden durch diese Züchter zur Untersuchung gebracht und nur jene Rüben zur Zucht verwendet, die neben einer befriedigenden Form, Gröfse und Farbe auch einen hohen Zuckergehalt besitzen. Nicht selten werden hier Rüben angetroffen, deren Zuckergehalt 18 bis 20 pCt. erreicht und selbst darüber steigt. Diese Rüben werden besonders getrennt und bilden sozusagen das Stammkapital der Zucht.
Werden aber die von diesen Musterrüben geernteten Samen zum Anbau gebracht, so entstehen daraus stets mehr oder weniger Individuen, deren Zuckergehalt nicht zwischen 18 bis 20 pCt. schwankt, sondern sich z.B. zwischen 12 bis 16 pCt. bewegt und selbst mitunter diese Höhe nicht erreicht. Dieser Unterschied der Rüben im Zuckergehalte beträgt nicht selten 1 bis 5 pCt. und selbst dann, wenn die Rüben dicht neben einander standen und. unter gleichen Bedingungen gewachsen
sind. Diese Erscheinung wird als individuelle Variation bezeichnet und liegt die Ursache derselben in der Wechselbefruchtung, welche die Constanz der Pflanze erschüttert und im vorliegenden Falle als Rückschlag bezeichnet wird. Wenn wir bedenken, dafs unsere Rübensamenzüchter auf die Auswahl der Mutterrüben die gröfste Sorgfalt legen und die gröfsten Kosten für diesen Zweck nicht scheuen, nur um Samen zu erzeugen, der sowohl die Zuckerfabrikanten, als die Rübenproducenten in jeder Richtung befriedigen soll, wenn wir ferner erwägen, dafs nach den oben angeführten Beispielen durch Samen eine vollkommene Vererbung bestimmter Eigenschaften der Mutterrüben auf die Nachkommen kaum möglich ist, oder dafs auf diesem Wege irgend welche vortheilhaften Eigenschaften einer Spielart nicht erhalten werden können, 'so wird gewifs die Vermehrung der Rüben auf ungeschlechtlichem Wege, wobei sämmtliche Eigenschaften einer bestimmten Spielart erhalten, d. h. auf die Nachkommen übertragen werden, allgemeines und reges Interesse erwecken müssen.
Wenn z. B. ein Rübensämenzüchter, Zuckerfabrikant oder Landwirth unter seinen aus Samen erzeugten Rüben ein Individuum findet, das sich durch werthvolle Eigenschaften auszeichnet, so können diese Eigenschaften durch ungeschlechtliche Vermehrung nicht nur vollends auf die Nachkommen übertragen werden, sondern es kann der betreffende Züchter etc. im Verlauf einiger Jahre Millionen Individuen erzeugen , welche die werthvollen Eigenschaften in demselben Mafse besitzen, als sie bei der ursprünglichen Mutterrübe vorhanden waren. Da die Erhaltung aller werthvollen Eigenschaften einer Musterrübe durch ungeschlechtliche Vermehrung eine feststehende Thatsache ist, gegen die sich nicht das Geringste einwenden lä'fst, so müssen bei Anwendung dieses Vermehrungsverfahrens die Auswahl der Mutterrüben und die mit derselben verbundenen grofsen Kosten fast ganz wegfallen.
Allerdings ist die ungeschlechtliche Vermehrung im Pflanzenreiche eine bekannteErscheinung und wird davon im Gartenbau bereits seit Jahrhunderten ausgedehnter Gebrauch gemacht. Man braucht nur an die Veredelung der Obstbäume und an die Vermehrung der Rosen, Nelken, Fuchsien und anderer Blumen und Ziersträucher zu denken. Von den wildwachsenden Pflanzen sei der Löwenzahn erwähnt, der nach dem Abschneiden des Kopfes nach einiger Zeit von dem Cambialringe (Verdickungsringe) aus frische Laubtriebe erzeugt. Zu dieser ungeschlechtlichen Vermehrung werden verschiedene Pflanzentheile, als Knollen, Wurzeln, Schöfslinge, Brutzwiebeln, Brutknospen, Stengeltheile etc. verwendet.
Die ungeschlechtliche Vermehrung ist somit allgemein bekannt, neu ist aber ihre Anwendung auf die Runkelrübe, den Rübenbau und die RUbensamenzucht.
Wenn bis jetzt die Runkelrübe auf ungeschlechtlichem Wege nicht vermehrt wurde, so dürfte die Ursache davon darin zu suchen sein, dafs die Runkelrübe scheinbar keine solchen Organe besitzt, die leicht zur Vermehrung verwendet werden könnten. Beschneidet man jedoch die Rüben nach ihrer Ernte mehr oder weniger, so entwickeln diese während ihrer Aufbewahrung aus ihren Adventivknospen ι 5 bis 40 Laubtriebe — die Rüben wachsen aus :—, die von der Mutterpflanze getrennt unter günstigen Wachsthumsbedingungen zu selbstständigen, mehr oder weniger dickwurzeligen Pflanzen heranwachsen. Des Erfinders diesbezügliche Versuchsrüben befanden sich am 21. September 1890 noch im Boden und besafsen am Kopfe einen Umfang von 23 cm. Die Stecklinge wurden Mitte Mai gemacht. Lange wollte die Bewurzelung der Stecklinge nicht eelineen und wiederholt mufsten dieselben aus dem Boden herausgenommen werden, um sowohl die faulenden Stellen wegzuschneiden, als die an den Schnittflächen nagendenTausendfüfse und Würmer zu entfernen.
Erst als ein Antisepticum zu Hülfe genommen wurde, gingen die einzelnen Pflänzchen nicht mehr zurück und bewurzelten sich im Verlaufe von ca. 20 bis 25 Tagen vollkommen. Als Antisepticum empfiehlt sich am besten gepulverte Holzkohle, welche sowohl unter den Sand des Vermehrungsbeetes gemischt, als auch auf die Schnittfläche des RUbenstecklings gebracht wird.
Geschieht die Vermehrung im freien Grunde, dann genügt es, die einzelnen Stecklinge mit ihren Schnittflächen in die gepulverte Holzkohle zu tauchen.
Die Bewurzelung erfolgt sowohl im freien Grunde, als im Vermehrungsbeete. Richtet man sich die Mistbeete als Vermehrungsbeete ein, so kann bereits im März, unter Umständen schon im Februar, und im Warmhause noch früher mit der Vermehrung begonnen werden. Die bewurzelten Stecklinge werden im Monat April, unter Berücksichtigung der das Anwurzeln fördernden Momente, in den freien Grund ausgesetzt und erreichen bis zum Herbste eine Stärke von 6 bis 9 cm im Durchmesser. Rüben von angegebener Stärke eignen sich ganz vortrefflich zur Verarbeitung in den Zuckerfabriken; leider dürfte dieses nicht für unsere Stecklings- oder Asexualrüben gelten, weil deren Wurzeln nicht glatt, sondern nach Art der Sellerie viel verzweigt sein und infolge dessen für den Zuckerfabrikanten kein verarbeitungsfähiges Material liefern dürften.
Die nach diesem Verfahren erzeugten Rübensamen werden stets einen höheren Procentsatz
an hochpolarisirenden Rüben liefern, als es bis jezt sein konnte, wobei besonders betont werden mufs, dafs die Auswahl der Mutterrüben überdies weit gröfsere Auslagen erfordert als das Stecklingsverfahren, bei welchem die Auswahl allerdings nicht ganz wegfallen kann, aber doch bis auf ein Minimum reducirt wird, indem ja schon ioo Musterrüben im Verlaufe von 2 bis 4 Jahren ca. ι 600 000 ausgewachsene Stecklingsrüben liefern können, welche im nächsten Jahre, als Samenträger verwendet, ein Samenquantum liefern, das zur Deckung des Bedarfes mittlerer Zuckerfabriken hinreicht.
Daraus folgt, dafs die Samenzucht unter Anwendung des angegebenen Verfahrens leicht von den Zuckerfabriken durchgeführt werden kann, und 'darin wird der höchste Vortheil dieses Verfahrens gesucht.
Es sei noch bemerkt, dafs sich auch Stengel-' theile von Samenrüben vermehren lassen, die während einer Vegetationsperiode zu kräftigen Pflanzen heranwachsen und nach ihrer Ueberwinterung in der nächsten Vegetationsperiode als Samenträger verwendet werden können.
Die Art des Verfahrens ist aus der Zeichnung zu ersehen; die aus den Achseln der Blätter und aus den schlafenden Knospen hervorwachsenden Sprossen S werden von der Mutterrübe getrennt, die Schnittflächen werden mit Holzkohlenpulver bestreut und werden dann in das Vermehrungsbeet verpflanzt.

Claims (1)

  1. Patent-Anspruch:
    Ein Verfahren, um Runkelrüben (Zuckerund Futterrüben) auf ungeschlechtlichem Wege zu vermehren, darin bestehend, dafs man sowohl die aus den Achseln der Blätter, als die aus den schlafenden Knospen hervorwachsenden Sprossen oder Laubtriebe S von der Mutterrübe trennt, wobei von dem Fleische der Mutterrübe nur wenig bleiben darf, und im Vermehrungsbeete oder auf freiem Grunde zu selbstständigen Pflanzen heranwachsen läfst, wobei, um die Schnittflächen der Stecklinge vor Fäulnifs zu schützen, dieselben vor dem Einpflanzen mit Holzkohlenpulver bestreut werden.
    Hierzu ι Blatt Zeichnungen.
DENDAT57245D Verfahren, um Runkelrüben auf ungeschlechtlichem Wege zu vermehren Expired - Lifetime DE57245C (de)

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