DE19610362A1 - Funktionalisierte Polymere, Verfahren zu ihrer Herstellung, diese enthaltende Formmassen und Formkörper - Google Patents
Funktionalisierte Polymere, Verfahren zu ihrer Herstellung, diese enthaltende Formmassen und FormkörperInfo
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Description
Die Erfindung betrifft ein funktionalisiertes Polymer der Formel:
A-Z-X
wobei
A einen Block aus vinylaromatischen Monomeren mit 8 bis 20, vorzugs weise 8 bis 12 Kohlenstoffatomen,
Z einen Grundbaustein aus einer Verbindung mit sterisch hindernden Gruppen und
X einen funktionalisierten Grundbaustein
bedeutet, wobei der Funktionalisierungsgrad des Polymers mindestens 65%, vorzugsweise größer 85%, besonders bevorzugt mindestens 90%, beträgt.
A einen Block aus vinylaromatischen Monomeren mit 8 bis 20, vorzugs weise 8 bis 12 Kohlenstoffatomen,
Z einen Grundbaustein aus einer Verbindung mit sterisch hindernden Gruppen und
X einen funktionalisierten Grundbaustein
bedeutet, wobei der Funktionalisierungsgrad des Polymers mindestens 65%, vorzugsweise größer 85%, besonders bevorzugt mindestens 90%, beträgt.
In Inhapak, J.W. Barlow, und Paul "Terminal Anhydride Functionalization
of Polystyrene", J. of Polymer Science, Part A, Polymer Chemistry, Bd. 29,
S. 1329-1338 (1993) ist die Herstellung von terminal anhydrid-funktio
nalisiertem Polystyrol beschrieben. Dabei wird Styrol anionisch polymerisiert
und das gebildete Polystyryllithium direkt mit Trimellitsäureanhydridchlorid
(TMAC) am Ende der anionischen Polymerisation von Styrol gekoppelt. Der
Funktionalisierungsgrad des Polymers beträgt maximal 61% bei dieser
direkten Funktionalisierung. Mit TMAC funktionalisierte Polystyrole wurden
ebenfalls erhalten durch Umsetzung von hydroxi-terminiertem Polystyrol und
TMAC. Bei dieser Umsetzung zur indirekten Funktionalisierung werden
Funktionalisierungsgrade bis zu 85% erreicht. Die Durchführbarkeit dieses
Verfahrens hängt jedoch von der Verfügbarkeit von hydroxi-terminiertem
Polymer ab, das durch anionische Polymerisation und anschließende Umset
zung mit Ethylenoxid am Ende der Polimerisation zugänglich ist (R.P. Quirk
und J.-J. Ma, J. Polym. Sic. Polym. Chem. Ed. 26, 2031 (1988)). Derartig
funktionalisierte Polystyrole können zur in-situ-Bildung von Blockcopolymeren
in Polymerblends verwendet werden zur Kompatibilisierung der Polymer
blendbestandteile.
Die indirekte Funktionalisierung weist den Nachteil auf, daß Ethylenoxid im
Verfahren eingesetzt werden muß, das toxikologisch bedenklich ist.
Verstärkte Blends aus PPE und schlagfestem Styrol, die als Formmassen in
vielen Bereichen der Technik eingesetzt werden, sind an sich bekannt. Dabei
ist bei vielen Anwendungen eine hohe Reißfestigkeit und Fließfähigkeit des
Materials entscheidend.
Aus der DE 31 18 629 A1 sind Formmassen aus Polyphenylenethern und
schlagfest modifizierten Styrolpolymerisaten bekannt, die als weitere Kom
ponente ein Polyorganosiloxan enthalten, um der Formmasse eine hohe
Fließfähigkeit zu verleihen. Werden diese Formmassen verstärkt, so ist die
Steifigkeit der verstärkten Formmasse nicht für alle Anwendungen ausrei
chend groß.
In der EP-B1 0 214 400 sind Harzzusammensetzungen aus Polyphenylen
etherharz und Styrolharz beschrieben, die zusätzlich ein Cyclopentadienharz
aufweisen, das eine polare Gruppe enthält, um die Fließfähigkeit der Harz
zusammensetzung zu verbessern. Auch in dieser Harzzusammensetzung sind
die mechanischen Eigenschaften für viele Anwendungen unbefriedigend.
In der EP-A 0 319 833 sind verstärkte thermoplastische Formmassen be
schrieben, die Polyphenylenether, ein schlagzähmodifiziertes Styrolpolymerisat
und ein weiteres Copolymerisat aus Styrol und tert.-Butylacrylat enthalten.
Das Copolymer aus Styrol und tert.-Butylacrylat dient der Verbesserung der
mechanischen Eigenschaften, jedoch weist die Formmasse eine ungenügende
Fließfähigkeit auf.
Eine Aufgabe der vorliegenden Erfindung ist die Bereitstellung eines funktio
nalisierten Polymers aus vinylaromatischen Monomeren, wobei der Funktiona
lisierungsgrad möglichst groß ist.
Eine weitere Aufgabe der vorliegenden Erfindung ist die Bereitstellung eines
funktionalisierten Polymers aus vinylaromatischen Monomeren, wobei die
Funktionalisierung keine Ethylenoxidgrundbausteine aufweist.
Eine weitere Aufgabe der vorliegenden Erfindung ist die Bereitstellung eines
Verfahrens zur Herstellung der funktionalisierten Polymere mit hohem
Funktionalisierungsgrad.
Eine weitere Aufgabe der vorliegenden Erfindung ist die Bereitstellung eines
Verfahrens zur Herstellung der funktionalisierten Polymere mit hohem
Funktionalisierungsgrad, wobei auf den Einsatz des toxikologisch bedenk
lichen Ethylenoxids verzichtet wird.
Eine weitere Aufgabe der vorliegenden Erfindung ist die Bereitstellung von
verstärkten thermoplastischen Formmassen, die eine große Steifigkeit auf
weisen.
Eine weitere Aufgabe der vorliegenden Erfindung ist die Bereitstellung von
verstärkten thermoplastischen Formmassen, die eine sehr gute Reißfestigkeit
und gleichzeitig Fließfähigkeit aufweisen.
Eine weitere Aufgabe der vorliegenden Erfindung ist die Bereitstellung von
thermoplastischen Formmassen, die eine große Steifigkeit aufweisen.
Eine weitere Aufgabe der vorliegenden Erfindung ist die Bereitstellung von
thermoplastischen Formmassen, die eine hohe Zähigkeit bzw. Schlagzähigkeit
aufweisen.
Eine weitere Aufgabe der vorliegenden Erfindung ist die Bereitstellung eines
Verfahrens zur Herstellung dieser (verstärkten) thermoplastischen Formmas
sen.
Eine weitere Aufgabe der vorliegenden Erfindung ist die Bereitstellung von
Formkörpern, die eine gute Steifigkeit und Reißfestigkeit aufweisen.
Diese und weitere Aufgaben werden gelöst durch ein funktionalisiertes
Polymer, wie es eingangs definiert ist, durch ein Verfahren zu seiner
Herstellung, (verstärkte) thermoplastische Formmassen, Verfahren zu deren
Herstellung und Formkörper, wie sie in den Patentansprüchen definiert sind.
Dabei sind bevorzugte funktionalisierte Polymere den Unteransprüchen zu
entnehmen. Verwendungen des funktionalisierten Polymers und der (ver
stärkten) thermoplastischen Formmassen sind den Ansprüchen zu entnehmen.
Das erfindungsgemäße funktionalisierte Polymer hat die Formel:
A-Z-X
wobei
A einen Block aus vinylaromatischen Monomeren mit 8 bis 20, vorzugs weise 8 bis 12 Kohlenstoffatomen,
Z einen Grundbaustein aus einer Verbindung mit sterisch hindernden Gruppen und
X einen funktionalisierten Grundbaustein
bedeutet, wobei der Funktionalisierungsgrad des Polymers mindestens 65%, vorzugsweise größer 85%, besonders bevorzugt mindestens 90%, beträgt.
A einen Block aus vinylaromatischen Monomeren mit 8 bis 20, vorzugs weise 8 bis 12 Kohlenstoffatomen,
Z einen Grundbaustein aus einer Verbindung mit sterisch hindernden Gruppen und
X einen funktionalisierten Grundbaustein
bedeutet, wobei der Funktionalisierungsgrad des Polymers mindestens 65%, vorzugsweise größer 85%, besonders bevorzugt mindestens 90%, beträgt.
Der Block A kann dabei erfindungsgemäß aus einer Art oder mehreren
Arten von vinylaromatischen Monomeren aufgebaut sein, d. h. ein
Mono- oder Copolymer sein.
Eine Gruppe der erfindungsgemäß für A verwendbaren Monomeren sind
Styrolmonomere. Dabei können die Styrolmonomere unsubstituiert sein, oder
mit C1-12-Alkylresten, vorzugsweise C1-4-Alkylresten, am aromatischen Kern
oder an der Vinylgruppe substituiert sein. Es können einer oder mehrere
Alkylreste als Substituenten vorliegen, die geradkettig oder verzweigt sein
können. Dabei ist es auch möglich, daß sowohl der aromatische Kern
(Benzolkern) als auch die Vinylgruppe der Styrolmonomeren substituiert sind.
Beispiele erfindungsgemäß verwendbarer Styrole sind Styrol, α-Methylstyrol,
p-Methylstyrol, Vinyltoluol und p-tert.-Butlystyrol, besonders bevorzugt
Styrol.
Ebenfalls verwendbar sind vinylaromatische Monomere, die einen mehr
kernigen aromatischen Rest an die Vinylgruppe gebunden enthalten. Ein
geeigneter Rest ist beispielsweise ein Naphthylrest, der ggf. wie vorstehend
beschrieben alkylsubstituiert sein kann.
Z ist ein Grundbaustein einer Verbindung mit sterisch hindernden (räumlich
anspruchsvollen) Gruppen.
Die Verbindung ist dabei vorzugsweise ein Vinylmonomer, das mit sterisch
hindernden Gruppen zumindest an einem Kohlenstoffatom substituiert ist.
Vorzugsweise ist dabei die Vinylgruppe an einem Kohlenstoffatom durch
zwei aromatische Reste substituiert, vorzugsweise durch Vinylreste, die
wiederum substituiert sein können durch die vorstehend für die Monomere
des Blocks A beschriebenen Alkylreste und weiteren Substituenten. An das
andere Kohlenstoffatom der Vinylgruppe kann beispielsweise ein Alkylrest
gebunden sein, der vorzugsweise 1-4 Kohlenstoffatome aufweist und ggf.
wiederum wie beschrieben substituiert sein kann. Die mit sterisch hindernden
Gruppen substituierte Vinylgruppe weist dabei gemäß einer Ausführungsform
der Erfindung insgesamt 14-22 Kohlenstoffatome auf.
Somit ist der Grundbaustein Z vorzugsweise eine Diarylalkylengruppe mit 14
bis 22 Kohlenstoffatomen, insbesondere eine 1,1-Diarylethylen-Gruppe der
Formel
in der R Wasserstoff oder einen Alkylrest mit 1 bis 4 Kohlenstoffatomen
und "Aryl" einen Arylrest mit 6 bis 10 Kohlenstoffatomen, vorzugsweise
einen Phenylrest, bedeuten.
X ist ein funktionalisierter Grundbaustein. Die funktionelle(n) Gruppe(n)
ist/sind gemäß einer Ausführungsform der Erfindung derart ausgestaltet, daß
sie eine feste Bindung, insbesondere eine kovalente Bindung, mit einem
Verstärkungsmittel, vorzugsweise einer Glasfaser oder silanisierten Glasfaser,
in einer Formmasse ausbilden kann, wie sie nachstehend bei den Formmas
sen beschrieben sind.
Die funktionelle Gruppe, mit der die kovalente Bindung zum Grundbaustein
Z erreicht wird, kann eine beliebige dafür geeignete funktionelle Gruppe
sein. Vorzugsweise ist sie eine Hydroxylgruppe oder ein Halogenatom,
vorzugsweise ein Chloratom. Die funktionelle Gruppe X ist vorzugsweise eine
eine Säureanhydridgruppe tragende Kohlenwasserstoffgruppe, insbesondere
eine eine Säureanhydridgruppe tragende Arylgruppe. Die funktionelle Gruppe
ist dabei an das Kohlenstoffatom gebunden, das auch die Arylreste trägt.
Die funktionelle Gruppe X ist eine Anhydridgruppe oder eine Säureanhydrid
gruppe. Die Anhydridgruppe und die Säureanhydridgruppe hat vorzugsweise
2 bis 8 Kohlenstoffatome. Bevorzugte Beispiele für die funktionelle Gruppe
X sind der von der Trimellitsäure abgeleitete Säureanhydridrest.
Diese funktionelle Gruppe dient gemäß einer Ausführungsform dazu, eine
feste Bindung, insbesondere eine kovalente Bindung, mit einem Verstärkungs
mittel, vorzugsweise einer Glasfaser oder einer silanisierten Glasfaser in
einer Formmasse auszubilden, wie sie nachstehend beschrieben sind. Die
mindestens difunktionelle Verbindung bzw. der funktionalisierte Grundbaustein
X kann als diese funktionelle Gruppe beispielsweise OH, COOH, COOR,
SH, NCO, NH₂ enthalten. Sie enthält vorzugsweise eine NH₂-Gruppe oder
eine Säureanhydridgruppe, insbesondere eine Säureanhydridgruppe.
Dabei kann eine den funktionalisierten Grundbaustein X einführende minde
stens difunktionelle Verbindung gemäß einer Ausführungsform der Erfindung
die Formel
aufweisen, wobei RZ1 und RZ2 jeweils einen Kohlenwasserstoffrest mit
vorzugsweise 1 bis 10 Kohlenstoffatomen bedeuten, wobei die Reste RZ1
und RZ2 auch zusammen eine Kohlenwasserstoffringstruktur, insbesondere
einen aromatischen Ring, vorzugsweise einen Benzolring, oder einen Cycloal
kylring bilden können, wobei die beiden Kohlenstoffatome der Säureanhydrid
gruppe vorzugsweise an benachbarten Kohlenstoffatomen der Ringstruktur
angebunden sind. Der Rest Y ist eine Hydroxylgruppe oder ein Halogen
atom, vorzugsweise ein Chloratom. Bevorzugte Beispiele für den funktionali
sierten Grundbaustein X sind der von der Trimellitsäure abgeleitete Säure
anhydridrest, insbesondere in folgenden Konfigurationen:
Bevorzugt wird das 1,2-Anhydrid oder 1,2-Anhydridchlorid der 1,2,4-Benzol
tricarbonsäure (Trimellitsäure) der Chlorethanoylbernsteinsäureanhydrid,
Chlorformylbernsteinsäureanhydrid oder 1-Acetoxyacetyl-3,4-phthalsäureanhy
drid als den Grundbaustein X einführende mindestens difunktionelle Verbin
dung eingesetzt, besonders bevorzugt ist Trimellitsäureanhydridchlorid. Auch
andere Verbindungen, die sowohl eine Säureanhydridfunktion als auch eine
Säurehalogenid- oder Säurefunktion aufweisen, sind erfindungsgemäß zur
Herstellung des funktionalisierten Polymers verwendbar.
Vorzugsweise enthalten die Grundbausteine Z und X gemäß einer Ausfüh
rungsform der Erfindung keine Ethylenoxidgrundbausteine, die in der Haupt
kette vorliegen. Das Molekulargewicht (Gewichtsmittel) des funktionalisierten
Polymers liegt erfindungsgemäß vorzugsweise im Bereich von 10 000 bis
300 000, insbesondere von 20 000 bis 100 000. Dabei wird das Molekularge
wicht mit Hilfe der Gelpermeationschromatographie gegen Polystyroleichstan
dards bestimmt.
Der Funktionalisierungsgrad des funktionalisierten Polymers wird durch
¹H-NMR bestimmt, ist aber auch durch Potentiometrie oder durch Titration
gegen Basen mit geeigneten Indikatoren möglich.
Es wurde erfindungsgemäß gefunden, daß die funktionalisierten Polymere mit
höherem Funktionalisierungsgrad dann erhalten werden, wenn man das
lebende Anion des Blocks A zunächst mit sterisch hindernde Gruppen
tragenden Verbindungen wie 1,1-Diphenylethylen umsetzt und das erhaltene
Produkt mit einer mindestens difunktionellen Verbindung wie Trimellitsäure
anhydridchlorid umsetzt. Der Funktionalisierungsgrad, der durch IR-Spek
troskopie oder Titration bestimmt werden kann, ist bei diesem Vorgehen
vorzugsweise größer 85%, besonders bevorzugt mindestens 90%.
Im Gegensatz zu dem von Park, Barlow und Paul beschriebenen indirekten
Funktionalisierungsweg kann auf die Verwendung von Ethylenoxid, das
toxikologisch bedenklich ist, verzichtet werden. Im Gegensatz dazu ist das
erfindungsgemäß eingesetzte Diphenylethylen toxikologisch unbedenklich.
Ein wie vorstehend beschriebenes funktionalisiertes Polymer kann gemäß
einem Verfahren hergestellt werden, wobei
- a) vinylaromatische Monomere anionisch zu einem ersten lebenden einen Block A enthaltenden Polymer der Formel A⁻ polymerisiert werden,
- b) das erste lebende Polymer mit einer Verbindung mit sterisch hindernden Gruppen zu einem zweiten lebenden Polymer der Formel A-Z⊖ umgesetzt wird und
- c) das zweite lebende Polymer mit einer mindestens difunktionellen Ver bindung zu einem Polymer der Formel A-Z-X umgesetzt wird,
wobei die hier verwendeten Abkürzungen die gleiche Bedeutung wie in den
Polymeransprüchen haben.
Anionische Polymerisationsverfähren zur Herstellung des Blocks A sind z. B.
in den US-Patentschriften 3,251,905, 3,390,207, 3,598,887 und 4,219,627
ausführlich beschrieben. Als Initiatoren für die Polymerisation eignen sich
alkalimetallorganische Verbindungen, vorzugsweise Lithiumalkyle wie z. B.
Methyllithium, Ethyllithium, n- oder s-Butyllithium oder Isopropyllithium.
Besonders bevorzugt wird n- oder s-Butyllithium eingesetzt.
Auch die Herstellung anderer mono- oder bifunktioneller anionischer Polyme
risate ist bekannt und unter anderem bereits in EP 0 303 177, EP 0 295 675,
US 4,950,721, DE 36 39 569 und DE 35 37 771 beschrieben.
Als Lösungsmittel für die anionische Polymerisation zur Herstellung der
erfindungsgemäßen funktionalisierten Polymere eignen sich vor allem gerad
kettige oder verzweigte aliphatische Kohlenwasserstoffe, wie z. B. n-Octan
oder n-Hexan, sowie einfache oder substituierte cycloaliphatische und aroma
tische Kohlenwasserstoffe wie z. B. Cyclohexan, Methylcyclohexan oder
Toluol, Benzol sowie jede beliebige Mischung der aliphatischen, cycloalipha
tischen und aromatischen Kohlenwasserstoffe. Vorzugsweise wird Cyclohexan
als Lösungsmittel verwendet.
Als Lösungsmittelkomponenten sind ferner Ether wie Tetrahydrofuran oder
Diethylether sowie tertiäre Amine wie z. B. Tetramethylethylendiamin oder
Pyridin in Konzentrationen von 0,01 bis 20, vorzugsweise 0,01 bis 2 Gew.-%
geeignet. Bevorzugt ist Tetrahydrofuran.
Alle Einsatzstoffe müssen von sauerstoff- und protonenaktiven Verunreini
gungen befreit werden, was z. B. durch Kontaktieren mit Metallorganylen
oder durch adsorptive Reinigung, z. B. Calciumhydrid erfolgen kann. Die
Durchführung der Polymerisation erfolgt vorzugsweise unter Inertgasbedin
gungen bei Temperaturen von -100 bis +120°C, vorzugsweise bei -80 bis
+80°C.
Gemäß einer Ausführungsform der vorliegenden Erfindung können erfin
dungsgemäße Polymere dadurch hergestellt werden, daß zunächst durch
anionische Polymerisation, vorzugsweise unter Einsatz von Lithium-Initiato
ren, insbesondere Alkyllithium, speziell bevorzugt n-Butyllithium und sekun
därem Butyllithium, die Grundstruktur
A-Li
als "lebendes" Polymer in an sich bekannter Weise erzeugt wird. Dieses
"lebende" Polymer wird dann in einer zweiten Stufe durch Umsetzen mit
einem Molekül einer Verbindung der Formel
unter Herstellung eines zweiten lebenden Polymers
umgesetzt. Dieses weitere lebende Polymer wird schließlich in einer weiteren
Stufe mit einer mindestens difunktionellen Verbindung umgesetzt, die einen
funktionalisierten Grundbaustein X einführt. Dabei dient eine funktionelle
Gruppe zur Ermöglichung der kovalenten Bindung des Grundbausteins X an
Z, und mindestens eine weitere funktionelle Gruppe stellt die Funktionalisie
rung des Grundbausteins und somit des Polymers bereit. Weist die minde
stens difunktionelle Verbindung dabei beispielsweise erfindungsgemäß eine
Hydroxylgruppe oder ein Halogenatom, vorzugsweise ein Chloratom, vor
zugsweise in einer Säure- oder Säurechloridgruppe, als funktionelle Gruppe
auf, die die Bindung an den Grundbaustein Z ermöglicht, so wird unter
Ausbildung einer kovalenten Bindung zwischen dem Grundbaustein Z und
dem funktionalisierten Grundbaustein X ein Halogenidion oder ein O⁻-Ion
abgespalten. Dabei entsteht das ungeladene funktionalisierte Polymer der
Erfindung, dessen Funktionalisierung wie vorstehend beschrieben ist.
Die einzelnen Stufen des erfindungsgemäßen Verfahrens werden vorzugsweise
unter folgenden Bedingungen durchgeführt:
- (a) Die Polymerisation von Vinylaromat mit Lithium-Initiator wird bei Temperaturen von -100°C bis 100°C, vorzugsweise von -20°C bis 80°C, durchgeführt.
- (b) Die Umsetzung des lebenden Polymers mit CHR=CAryl₂ erfolgt eben falls bei Temperaturen von -100°C bis 100°C, vorzugsweise von -20°C bis 80°C.
- (c) Die Einführung der funktionellen Gruppe in das weitere lebende Poly mer unter Abspaltung des Lithium wird im Temperaturbereich von -100°C bis 50°C, vorzugsweise von -20°C bis 30°C, vorgenommen.
Das Polymerisationsgemisch kann zur Isolierung des Polymeren nach be
kannten Verfahren wahlweise direkt zur Trocknung erhitzt oder mit Was
serdampf behandelt werden, wobei das Lösungsmittel abdestilliert wird. Es
kann gleichfalls in einem Überschuß Nichtlösungsmittel wie z. B. Ethanol
gefällt und mechanisch abgetrennt und getrocknet oder durch Extruderentga
sung aufgearbeitet werden.
Die Aufarbeitung des Reaktionsgemisches erfolgt beispielsweise durch Aus
fällung des funktionalisierten Polymers mit Petrolether, Absaugen und Trock
nen des Niederschlags.
Gemäß einer Ausführungsform der Erfindung weist das funktionalisierte
Polymer einen Block A aus vinylaromatischen Monomeren auf, der mit
Polyphenylenether und Polystyrol kompatibel bzw. verträglich ist. Unter der
Verträglichkeit zweier Polymerkomponenten versteht man im allgemeinen die
Mischbarkeit der Komponenten oder die Neigung des einen Polymeren, sich
in der anderen Polymerkomponente zu lösen (siehe B. Vollmert, Grundriß
der Makromolekularen Chemie, Band IV, S. 222 ff, E. Vollmert Verlag,
1979). Zwei Polymere sind um so besser verträglich, je geringer die Dif
ferenz ihrer Löslichkeitsparameter ist. Derartige Parameter sowie die Mi
schungsenthalpie sind nicht einheitlich für alle Polymere bestimmbar, so daß
die Löslichkeit nur indirekt, z. B. durch Torsions-Schwingungs- oder
DTA-Messungen bestimmbar ist. Beispiele für bevorzugte, mit Polyphenylenethern
verträgliche vinylaromatische Polymere sind der Monografie von O. Olabisi,
Polymer-Polymer Miscibility, 1979, S. 224 bis 330 und 245 zu entnehmen.
Dabei ist der funktionalisierte Grundbaustein X fähig, eine Bindung mit Ver
stärkungsmitteln wie Glasfaser oder melanisierten Glasfasern einzugehen, um
diese fest zu binden. Dadurch kann das funktionalisierte Polymer in Poly
phenylenether/Polystyrol-Gemischen oder Blends verwendet werden, die ggf.
Verstärkungsmittel enthalten, und kann zur Herstellung von, ggf. verstärkten,
thermoplastischen Formmassen dienen.
Die Aufgaben der vorliegenden Erfindung werden durch die in den An
sprüchen beschriebene, gemäß einer Ausführungsform verstärkte, thermo
plastische Formmasse gelöst, die Polyphenylenether enthält. Diese ist gekenn
zeichnet durch
- (a) 0,1 bis 20 Gew.-% mindestens eines funktionalisierten Polymers, wie es in einem der Polymeransprüche definiert ist,
- (b) 1 bis 98,9 Gew.-% mindestens eines Polyphenylenethers,
- (c) 1 bis 98,9 Gew.-% mindestens eines vinylaromatischen Polymers,
- (d) 0 bis 50 Gew.-% mindestens eines Verstärkungsmittels, und
- (e) 0 bis 60 Gew.-% weiterer Zusatzstoffe und/oder Verarbeitungshilfsmit tel,
wobei Mengen der Komponenten (a) bis (e) gemeinsam 100 Gew.-% erge
ben.
Vorzugsweise enthalten die erfindungsgemäßen, ggf. verstärkten, thermoplasti
schen Formmassen 0,2-15 Gew.-%, insbesondere 0,5-10 Gew.-%, der
Komponente (a), 1-97,9 Gew.-%, besonders bevorzugt 20-89,9 Gew.-%,
insbesondere 35-79,5 Gew.-%, der Komponente (b), 1-97,9 Gew.-%,
besonders bevorzugt 5-60 Gew.-%, insbesondere 10-45 Gew.-%, der
Komponente (c), 1-50 Gew.-%, besonders bevorzugt 5-45 Gew.-%,
insbesondere 10-40 Gew.-%, der Komponente (d) und 0-30 Gew.-%,
insbesondere 0-20 Gew.-%, der Komponente (e).
Dabei ergeben die Mengen der Komponenten (a)-(e) immer gemeinsam
100 Gew.-%.
Die einzelnen Komponenten sind nachstehend näher erläutert.
Der Polyphenylenether der Komponente (b) liegt in den erfindungsgemäßen ver
stärkten thermoplastischen Formmassen in einer Menge von 1 bis 98,9 Gew.-%,
vorzugsweise 1 bis 97,9 Gew.-%, besonders bevorzugt 20 bis 89,9 Gew.-%,
insbesondere 40 bis 79,5 Gew.-% vor, bezogen auf die verstärkte
thermoplastische Formmasse. Die in den erfindungsgemäßen Formmassen
enthaltenen Polyphenylenether (b) sind an sich bekannt. Sie werden nach
üblichen Verfahren aus in ortho-Position durch Alkylgruppen, Alkoxygrup
pen, Chlor- oder Brom-disubstituierten Phenolen durch oxidative Kopplung
hergestellt (vgl. US-Patente 3,661,848, 3,378,505, 3,306,874, 3,306,875,
3,639,656). Die Alkyl- oder Alkoxygruppen, die bevorzugt 1 bis 4 C-Atome,
aber kein alpha-ständiges tertiäres Wasserstoffatom enthalten, können
ihrerseits durch Chlor oder Brom substituiert sein. Geeignete Polyphenylenet
her sind beispielsweise Poly-2,6-diethyl-1,4-phenylenether, Poly-2-methyl-6-
ethyl-1,4-phenylenether, Poly-2-methyl-6-propyl-1,4-phenylenether, Poly-2,6-
dipropyl-1,4-phenylenether, Poly-2-ethyl-6-propyl-1,4-phenylenether, Poly-2,6-
dichlor-1,4-phenylenether und Poly-2,6-dibrom-1,4-phenylenether oder Copoly
mere, wie solche, die 2,3,6-Trimethylphenol enthalten, außerdem Polymermi
schungen. Bevorzugt ist Poly-2,6-dimethyl-1,4-phenylenether. Die Polypheny
lenether weisen im allgemeinen eine relative Viskosität von 0,3 bis 0,7 dl/g,
gemessen in 1 Gew.-%-iger Lösung in Chloroform bei 25°C auf.
Vorzugsweise werden solche Polyphenylenether eingesetzt, die mit vinyl
aromatischen Polymeren verträglich, d. h. ganz oder weitestgehend in diesen
Polymeren löslich sind (vgl. A. Noshay, Block Copolymers, S. 8 bis 10,
Academic Press, 1977 und O. Olabisi, Polymer-Polymer Miscibility, 1979,
S. 117 bis 189).
Als Polyphenylenether-Komponente (b) können auch Propfcopolymere aus
Polyphenylenether und vinylaromatischen Polymeren wie Styrol, Alpha-Me
thylstyrol, Vinyltoluol und Chlorstyrol verwendet werden.
Im Rahmen der vorliegenden Erfindung können modifizierte Polyphenylen
ether eingesetzt werden, wie sie z. B. aus der WO 86/2086, WO 87/0540,
EP-A 222 246, EP-A 223 116 und EP-A 254 048 bekannt sind.
Die vinylaromatischen Polymere werden erfindungsgemäß in Mengen von 1
bis 98,9 Gew.-%, vorzugsweise 1 bis 97,9 Gew.-%, besonders bevorzugt 5
bis 60 Gew.-%, insbesondere 10 bis 45 Gew.-% verwendet, bezogen auf die
verstärkte thermoplastische Formmasse.
Vinylaromatische Polymere, insbesondere Polystyrole der Komponente (c)
sind an sich bekannt, beispielsweise aus EP-A-0 319 833.
Als vinylaromatische Polymere kommen beispielsweise alle üblichen Homo- und
Copolymerisate des Styrols in Betracht. Üblicherweise liegen die Mole
kulargewichte der gebräuchlichen Styrolpolymerisate (Gewichtsmittel MW)
zwischen 150 000 und 300 000. Geeignete Styrolpolymerisate werden über
wiegend aus Styrol, ferner aus mit C1-4-Alkyl-Kern- oder Seitenketten-alky
lierten Styrolen wie Alpha-Methylstyrol oder p-Methylstyrol nach den be
kannten Verfahren in Masse, Lösung oder Suspension hergestellt (vgl.
Ullmanns Enzyklopädie der technischen Chemie, Band 19, S. 265 bis 272,
Verlag Chemie Weinheim 1980).
Die vinylaromatischen Polymere der Komponente (c) können auch schlag
zähmodifiziert sein durch Zumischen von geringen Mengen, vorzugsweise
von 2 bis 20 Gew.-%, bezogen auf das Styrolpolymerisat, eines Acrylatkau
tschuks oder eines Polymerisates eines konjugierten Diens wie Butadien oder
Isopren erreicht werden. Die Dienpolymerisate können teilweise oder voll
ständig hydriert sein. Der Kautschuk bzw. das Dienpolymerisat sollten eine
Glastemperatur von unter 0°C, gemessen nach K.H. Illers und H. Breuer,
Kolloidzeitschrift 176 (1961), S. 110, aufweisen. Geeignet sind übliche
Kautschuke wie Polybutadienkautschuk, Acrylatkautschuk, Styrolbutadienkau
tschuk, hydrierter Styrolbutadienkautschuk, Acrylnitrilbutadienkautschuk,
Polyisoprenkautschuk, Ionomere, Styrolbutadienblockcopolymere einschließlich
AB-, ABA-, ABAB-verschmiert (taper) Block-Copolymere, Stern-Block-Co
polymere und ähnliche, analoge Isoprenblockcopolymerisate und insbesonde
re (teil-) hydrierte Blockcopolymere, wie sie an sich aus EP-A-62 283
bekannt sind. Derartige synthetische Kautschuke sind dem Fachmann geläufig
und zusammenfassend neben den nicht geeigneten EPDM-Kautschuken in
"Ullmanns Enzyklopädie der technischen Chemie", 4. Auflage, Band 13, S.
595 bis 634, Verlag Chemie GmbH, 1977, beschrieben.
Die Schlagzähmodifizierung kann in bevorzugter Weise auch dadurch erreicht
werden, daß die Styrolpolymerisate in Gegenwart kleinerer Mengen z. B. 2
bis 20 Gew.-%, bezogen auf das Styrolpolymerisat, eines kautschukartigen
Polymerisates auf Basis eines konjugierten Diens, ggf. eines Acrylatkau
tschuks, hergestellt werden (HIPS). Dabei sind kautschukartige Polymerisate
auf der Basis von Butadien, z. B. Styrol-Butadien-Polymerisate, Polybutadien
und ferner Butadien-Styrol-Block-Copolymerisate geeignet.
Diese in bestimmter Weise schlagzähmodifizierten Styrolpolymerisate sind
dem Fachmann aus der Literatur und Praxis geläufig, so daß an dieser
Stelle eine nähere Erläuterung überflüssig erscheint (vgl. "Ullmanns En
zyklopädie der technischen Chemie", 4. Auflage, Band 19, S. 272 bis 295,
Verlag Chemie GmbH, 1980).
Geeignete schlagfeste Polystyrole sind beispielsweise in der DE 31 18 629 A1
beschrieben, wie auch Verfahren zu ihrer Herstellung.
Die Polyphenylenether enthaltenden Formmassen können gemäß einer Aus
führungsform der Erfindung frei sein von Verstärkungsmitteln.
Gemäß einer weiteren Ausführungsform der Erfindung enthalten die Polyphe
nylenether enthaltenden Formmassen jedoch ein Verstärkungsmittel. Diese
Ausführungsform wird nachstehend beschrieben.
Die Verstärkungsmittel werden dabei erfindungsgemäß in Mengen von 1 bis
50 Gew.-%, vorzugsweise 5-45 Gew.-%, insbesondere 10-40 Gew.-%,
bezogen auf die verstärkte thermoplastische Formmasse, verwendet.
Die erfindungsgemäßen Formmassen enthalten als Komponente (d) übliche
Verstärkungsmaterialien, wie Glasfasern, Glaskugeln, Mineralfasern, Alumini
umoxidfasern, Kohlenstoffasern, Kaliumtitanatwhisker, Aramidfasern. Bevor
zugt sind Kohlenstoffasern, Kaliumtitanatwhisker, Aramidfasern und Glasfa
sern, insbesondere Glasfasern.
Die Glasfasern können aus E-, A- oder C-Glas sein. Ihr Durchmesser liegt
im allgemeinen zwischen 6 und 20 µm. Es können sowohl strangförmige
Endlosfasern (Rowings) als auch Schnittglasfasern mit einer Länge von 1 bis
10 mm, vorzugsweise 3 bis 6 mm oder Kurzglasfasern mit einer Länge von
0,05 bis 1,5 mm verwendet werden.
Gemäß einer Ausführungsform der vorliegenden Erfindung sind die Ver
stärkungsmittel der Komponente (d) unbehandelt.
Gemäß einer weiteren bevorzugten Ausführungsform der Erfindung sind die
Verstärkungsmittel der Komponente (d) beschichtet bzw. geschlichtet. Diese
Schicht bzw. Schlichtung bedeckt die Verstärkungsmittel der Komponente (d),
insbesondere die Glasfasern, vorzugsweise gleichmäßig auf der gesamten
Oberfläche.
Die Beschichtung bzw. Schlichte ist gemäß einer Ausführungsform der
Erfindung eine Silanverbindung. Geeignete Silanverbindungen sind solche der
allgemeinen Formel
(X-CH₂)n)K-Si-(O-CmH2m+1)4-K
in der die Substituten folgende Bedeutung haben:
n eine ganze Zahl von 2 bis 10, bevorzugt 3 bis 4
m eine ganze Zahl von 1 bis 5, bevorzugt 1 bis 2
k eine ganze Zahl von 1 bis 3, bevorzugt
m eine ganze Zahl von 1 bis 5, bevorzugt 1 bis 2
k eine ganze Zahl von 1 bis 3, bevorzugt
Bevorzugte Silanverbindungen sind Aminopropyltrimethoxysilan, Aminobu
tyltrimethoxysilan, Aminopropyltriethoxysilan, Aminobutyltriethoxysilan sowie
die entsprechenden Silane, welche als Substituent X eine Glycidylgruppe
enthalten.
Die Silanverbindungen werden im allgemeinen in Mengen von 0,05 bis 5,
vorzugsweise 0,5 bis 1,5 und insbesondere 0,8 bis 1 Gew.-% (bezogen auf
die Verstärkungsmittel der Komponente (d)) zur Oberflächenbeschichtung
eingesetzt.
Die beschichteten bzw. geschlichteten Verstärkungsmittel der Komponente
(d), vorzugsweise die beschichteten bzw. wie vorstehend geschlichteten
Glasfasern sind besonders gut umsetzbar mit dem funktionalisierten Polymer
der Komponente (a). Dadurch wird eine feste Bindung zwischen dem funk
tionalisierten Polymer der Komponente (a) und dem Verstärkungsmittel (d),
insbesondere der Glasfaser erreicht. Da der Polymerblock A des funktionali
sierten Polymers verträglich ist mit dem Polyphenylinether der Komponente
(b) und dem vinylaromatischen Polymer der Komponente (c) werden die
Verstärkungsmittel der Komponente (d) gut in den erfindungsgemäßen Form
massen verteilt und sind innig mit diesen verbunden, was zu einer verbes
serten Reißfestigkeit und einem hohen Elastizitätsmodul führt.
Die als Komponente (e) verwendeten üblichen Zusatzstoffe und/oder Ver
arbeitungshilfsmittel werden in Mengen von 0 bis 60 Gew.-%, vorzugsweise
0 bis 30 Gew.-%, insbesondere 0-20 Gew.-%, bezogen auf die verstärkte
thermoplastische Formmasse, verwendet.
Als übliche Zusatzstoffe und Verarbeitungshilfsmittel kommen vor allem
teilchenförmige Füllstoffe, Oxidationsinhibitoren, Flammschutzmittel, übliche
Hitze- und Lichtstabilisatoren, Gleit- und Entformungsmittel, Färbemittel,
Farbstoffe, Weichmacher und Pigmente in üblichen Mengen in Betracht.
Zudem können den erfindungsgemäßen verstärkten Formmassen andere als
die genannten Polymerisate, z. B. auf vinylaromatischer Basis, Polyamide,
wie sie z. B. nachstehend als Komponente (f) beschrieben sind, und/oder
Kautschuke zugesetzt werden.
Teilchenförmige Füllstoffe als Bestandteile der Komponente (e) werden
bevorzugt aus folgender Gruppe ausgewählt: amorphe Kieselsäure, Magne
siumcarbonat, gepulverter Quarz, Glimmer, Talkum, Feldspat, Wollastonit,
Kaolin, insbesondere kalzinierter Kaolin.
Bevorzugte Kombinationen von Komponenten (d) und (e) sind z. B. 20 Gew.-%
Glasfasern mit 15 Gew.-% Wollastonit und 15 Gew.-% Glasfasern mit
15 Gew.-% Wollastonit. Dabei sind die Gewichtsprozentangaben jeweils auf
die gesamten Komponenten (a) bis (e) bezogen.
Bevorzugt sind schließlich auch verstärkte thermoplastische Formmassen, die
als Teile der Komponente (e) Flammschutzmittel aus folgender Gruppe
enthalten: Polyhalogendiphenyl, Polyhalogendiphenylether, Polyhalogenpht
halsäure und deren Derivate, Polyhalogenoligocarbonate, Polyhalogenpolycar
bonate, Phosphorverbindungen.
Beispiele für Flammschutzmittel sind Polymere des 2,6,2′,6′-Tetrabrombisphe
nols A, der Tetrabromphthalsäure, des 2,6-Dibromphenols und 2,4,6-Tri
bromphenols und deren Derivate.
Bevorzugtes Flammschutzmittel ist elementarer Phosphor. In der Regel kann
der elementare Phosphor mit z. B. Polyurethanen oder Aminoplasten phlegma
tisiert oder gecoatet werden. Außerdem sind Konzentrate von rotem
Phosphor z. B. in einem Polyamid, Elastomeren oder Polyolefin geeignet.
Besonders bevorzugt sind Kombinationen von elementarem Phosphor mit
1,2,3,4,7,8,9,10,13,13,14,14-Dodecachloro-1,4,4a,5,6,6a,7,10,10a,-11-,12,12a-
dodecahydro-1,4 : 7,10-dimethanodibenzo(a,e)-cyclooctan und gegebenenfalls
einem Synergisten z. B. Antimontrioxid.
Phosphorverbindungen wie organische Phosphate, Phosphonate, Phosphinate,
Phosphinoxide, Phosphine oder Phosphite sind ebenfalls bevorzugt. Als
Beispiel seien Triphenylphosphinoxid und Triphenylphosphat und Resorcinol
bistriphenyl-phosphinoxid genannt. Dieses kann allein oder vermischt mit
Hexabrombenzol oder einem chlorierten Biphenyl und, wahlweise, Antimon
oxid verwendet werden.
Typisch für die bevorzugten Phosphorverbindungen, die gemäß der vorlie
genden Erfindung verwendet werden können, sind solche der folgenden
allgemeinen Formel
worin Q für gleiche oder verschiedene Reste, Kohlenwasserstoffreste, wie
Alkyl, Cycloalkyl, Aryl, alkylsubstituiertes Aryl und arylsubstituiertes Alkyl
steht, ferner Halogen, Wasserstoff und deren Kombinationen, vorausgesetzt,
daß mindestens einer der für Q stehenden Reste ein Arylrest ist.
Beispiele solcher geeigneter Phosphate sind: Phenylbisdodecylphosphat,
Phenylbisneopentylphosphat, Phenylethylenhydrogenphosphat, Phenyl-bis-(3-
5,5′-trimethylhexylphosphat, Ethyldiphenylphosphat, 2-Ethylhexyldi(p-to
lyl)phosphat, Bis-(2-ethylhexyl)phenylphosphat, Tri(nonylphenyl)phosphat,
Phenylmethylhydrogenphosphat, Di(dodecyl)-p-tolylphosphat, Tri-cresylphos
phat, Triphenylphosphat, Dibutylphenylphosphat und Diphenylhydrogenphos
phat. Die bevorzugten Phosphate sind solche, bei denen jedes Q Aryl ist.
Das am meisten bevorzugte Phosphat ist Triphenylphosphat, Triphenylphos
phinoxid und Phenyl-bis-triphenylphosphinoxid.
Weiter ist die Kombination von Triphenylphosphat mit Hexabrombenzol und
Antimontrioxid bevorzugt.
Als Flammschutzmittel sind auch solche Verbindungen geeignet, die
Phosphor-Stickstoff-Bindungen enthalten, wie Phosphornitrilchlorid, Phosphor
säureesteramide, Phosphorsäureesteramine, Phosphorsäureamide, Phosphonsäu
reamide, Phosphinsäureamide, Tris(aziridinyl)-phosphinoxid oder Tetrakis(hy
droxymethyl)phosphoniumchlorid. Diese entflammungshemmenden Additive
sind größtenteils im Handel erhältlich.
Weitere geeignete Flammschutzmittel sind Hydroxide des Magnesiums,
welche gegebenenfalls mit Silanverbindungen beschichtet sind.
Weitere halogenhaltige Flammschutzmittel sind Tetrabrombenzol, Hexachlor
benzol und Hexabrombenzol sowie halogenierte Polystyrole und Polyphenylen
ether.
Auch die in der DE 19 46 924 beschriebenen halogenierten Phthalimide
können verwendet werden. Von diesen hat insbesondere N,N′-Ethylenbiste
trabromphthalimid Bedeutung erlangt.
Oxidationsverzögerer und Wärmestabilisatoren, die den thermoplastischen
Massen gemäß der Erfindung zugesetzt werden können, sind z. B. Halogenide
von Metallen der ersten Gruppe des Periodensystems, z. B. Natrium-, Kali
um- oder Lithiumhalogenide, ggf. in Verbindung mit Kupfer-(I)-halogeniden,
z. B. Chloriden, Bromiden oder Iodiden. Weiterhin können Zinkfluorid und
Zinkchlorid verwendet werden. Ferner sind sterisch gehinderte Phenole,
Hydrochinone, substituierte Vertreter dieser Gruppe und Mischungen dieser
Verbindungen, vorzugsweise in Konzentrationen bis zu 1 Gew.-%, bezogen
auf das Gewicht der Mischung, einsetzbar.
Beispiele für UV-Stabilisatoren sind verschiedene substituierte Resorcine,
Salicylate, Benzotriazole und Benzophenone, die im allgemeinen in Mengen
bis zu 2 Gew.-%, eingesetzt werden.
Materialien zur Erhöhung der Abschirmung gegen elektromagnetische Wellen
wie Metallflocken, -pulvern, -fasern, metallbeschichtete Füllstoffe können
ebenfalls mitverwendet werden.
Gleit- und Entformungsmittel, die in der Regel in Mengen bis zu 1 Gew.-%
der thermoplastischen Masse zugesetzt werden, sind Stearinsäure, Stearylalko
hol, Stearinsäurealkylester und -amide sowie Ester des Pentaerythrits mit
langkettigen Fettsäuren.
Unter den Zusatzstoffen sind auch Stabilisatoren, die die Zersetzung des
roten Phosphors in Gegenwart von Feuchtigkeit und Luftsauerstoff verhin
dern. Als Beispiele seien Verbindungen des Cadmiums, Zinks, Aluminiums,
Silbers, Eisens, Kupfers, Antimons, Zinns, Magnesiums, Mangans, Vanadi
ums, Bors, Aluminiums und Titans genannt. Besonders geeignete Verbindun
gen sind z. B. Oxide der genannten Metalle, ferner Carbonate oder Oxicarbo
nate, Hydroxide sowie Salze organischer oder anorganischer Säuren wie
Acetate oder Phosphate bzw. Hydrogenphosphate und Sulfate.
Als bevorzugten Stabilisator können die erfindungsgemäßen Formmassen
mindestens eine phosphorhaltige anorganische Säure oder deren Derivate in
Mengen bis zu 1000 bevorzugt 30 bis 200 und insbesondere 50 bis 130 ppm,
bezogen auf den Phosphorgehalt der Verbindungen, enthalten.
Bevorzugte Säuren sind hypophosphorige Säure, phosphorige Säure oder
Phosphorsäure sowie deren Salze mit Alkalimetallen, wobei Natrium und
Kalium besonders bevorzugt sind. Unter organischen Derivaten dieser Säuren
sollen vorzugsweise Esterderivate oben genannter Säuren mit Fettsäuren
verstanden werden, wobei die Fettsäuren 12 bis 44 Kohlenstoffatome,
bevorzugt 22 bis 40 Kohlenstoffatome aufweisen. Als Beispiele seien Stearin
säure, Behensäure, Palmitinsäure oder Montansäure genannt.
Als UV-Stabilisatoren, die im allgemeinen in Mengen bis zu 2 Gew.-%,
bezogen auf die Formmasse, verwendet werden, seien verschiedene substi
tuierte Resorcine, Salicylate, Benzotriazole und Benzophenone genannt.
Weiterhin können organische Farbstoffe wie Nigrosin, Pigmente wie Ti
tandioxid, Cadmiumsulfid, Cadmiumselenid, Phthalocyanine, Ultramarinblau
und Ruß als Farbstoffe zugesetzt werden.
Gleit- und Entformungsmittel, welche üblicherweise in Mengen bis zu 1 Gew.-%
eingesetzt werden, sind bevorzugt langkettige Fettsäuren (z. B.
Stearinsäure oder Behensäure), deren Salze (z. B. Ca- oder Zn-stearat) oder
Esterderivate (z. B. Stearylstearat oder Pentaerythrittetrastearat) sowie Amidde
rivate (z. B. Ethylen-bis-stearylamid).
Als Beispiele für Weichmacher seien Phthalsäuredioctylester, Phthalsäure
dibenzylester, Plithalsäurebutylbenzylester, Kohlenwasserstofföle, N-(n-Bu
tyl)benzolsulfonamid und o- und p-Tolylethylsulfonamid genannt.
Als Kautschuk werden Polymere bezeichnet, die die Schlagzähigkeit von
Polyphenylenethern und/oder von Polyamiden erhöhen. Dabei ist im kon
kreten Fall der als Komponente verwendete Kautschuk von den verwendeten
anderen Komponenten (a), (b), (c), (d) und (f) verschieden. Geeignete Kau
tschuke, die die Zähigkeit von Polyphenylenethern erhöhen, sind:
Polyoctenylene Pfroptkautschuke mit einem vernetzten, elastomeren Kern, der beispielsweise von Butadien, Isopren oder Alkylacrylaten abgeleitet ist und einer Pfropfhülle aus Polystyrol, weiterhin Copolymere aus Ethylen und Acrylaten bzw. Methacrylaten sowie die sogenannten Ethylen-Propylen (EP)- und Ethylen-Propylen-Dien (EPDM)-Kautschuke, ferner die mit Styrol ge pfropften EP- bzw. EPDM-Kautschuke.
Polyoctenylene Pfroptkautschuke mit einem vernetzten, elastomeren Kern, der beispielsweise von Butadien, Isopren oder Alkylacrylaten abgeleitet ist und einer Pfropfhülle aus Polystyrol, weiterhin Copolymere aus Ethylen und Acrylaten bzw. Methacrylaten sowie die sogenannten Ethylen-Propylen (EP)- und Ethylen-Propylen-Dien (EPDM)-Kautschuke, ferner die mit Styrol ge pfropften EP- bzw. EPDM-Kautschuke.
Ferner können Blockcopolymere mit bis zu sechs, vorzugsweise mit bis zu
vier gleichen oder unterschiedlichen Blöcken, die sowohl linear als auch
sternförmig (sogenannte Radialblockcopolymere) verbunden sein können,
eingesetzt werden.
Mischungen aus Blockcopolymeren verschiedener Strukturen, z. B. Mischungen
aus Zwei- und Dreiblockcopolymeren oder aus hydrierten und unhydrierten
Blockcopolymeren, können ebenfalls eingesetzt werden.
Durch Zugabe der genannten Kautschuke schlagzäh modifizierte Polymere
sind an sich bekannt und in der Literatur beschrieben. Nur beispielsweise
sei hier auf US 4,085,163, US 41,103, US 3,149,182, US 3,231,635 und
US 3,462, 162 verwiesen. Auch im Handel sind entsprechende Produkte
erhältlich.
Kautschuke, die die Zähigkeit von Polyamiden erhöhen, weisen im allgemei
nen zwei wesentliche Merkmale auf: sie enthalten einen elastomeren Anteil,
der eine Glastemperatur von weniger als -10°C, vorzugsweise von weniger
als -30°C aufweist und sie enthalten mindestens eine funktionelle Gruppe,
die mit dem Polyamid reagieren kann. Geeignete funktionelle Gruppen sind
beispielsweise Carbonsäure-, Carbonsäureanhydrid-, Carbonsäureester-, Car
bonsäureamid-, Carbonsäureimid-, Amino-, Hydroxyl-, Epoxid-, Urethan- und
Oxazolingruppen.
Als Kautschuke, die die Zähigkeit von Polyamiden erhöhen, seien z. B.
folgende genannt:
EP- bzw. EPDM-Kautschuke, die mit den oben genannten funktionellen
Gruppen gepfropft wurden. Geeignete Pfropfreagenzien sind beispielsweise
Maleinsäureanhydrid, Itaconsäure, Acrylsäure, Glycidylacrylat und Glycidyl
methacrylat. Diese Monomeren können in der Schmelze oder in Lösung,
gegebenenfalls in Gegenwart eines Radikalstarters wie Cumolhydroperoxid auf
das Polymer aufgepfropft werden.
Weiterhin seien Copolymere von α-Olefinen genannt. Bei den α-Olefinen
handelt es sich üblicherweise um Monomere mit 2 bis 8 Kohlenstoffatomen,
vorzugsweise Ethylen und Propylen. Als Comonomere haben sich Alkyl
acrylate oder Alkylmethacrylate, die sich von Alkoholen mit 1 bis 8 Kohlen
stoffatomen, vorzugsweise von Ethanol, Butanol oder Ethylhexanol, ableiten
sowie reaktive Comonomere wie Acrylsäure, Methacrylsäure, Maleinsäure,
Maleinsäureanhydrid oder Glycidyl(meth-)acrylat und weiterhin Vinylester,
insbesondere Vinylacetat, als geeignet erwiesen. Mischungen verschiedener
Comonomere können ebenfalls eingesetzt werden. Als besonders geeignet
haben sich Copolymere des Ethylens mit Ethyl- oder Butylacrylat und
Acrylsäure und/oder Maleinsäureanhydrid erwiesen.
Die Copolymere können in einem Hochdruckprozeß bei einem Druck von
400 bis 4500 bar oder durch Pfropfen der Comonomere auf das Poly-α-Ole
fin hergestellt werden. Der Anteil des α-Olefins an dem Copolymer
liegt im allgemeinen im Bereich von 99,95 bis 55 Gew.-%.
Als weitere Gruppe von geeigneten Elastomeren sind Kern-Schale-Pfropf
kautschuke zu nennen. Hierbei handelt es sich um in Emulsion hergestellte
Pfropfkautschuke die aus mindestens einem hart⊖ und einem weichen
Bestandteil bestehen. Unter einem harten Bestandteil versteht man üblicher
weise ein Polymerisat mit einer Glastemperatur von mindestens 25°C, unter
einem weichen Bestandteil ein Polymerisat mit einer Glastemperatur von
höchstens 0°C. Diese Produkte weisen eine Struktur aus einem Kern und
mindestens einer Schale auf, wobei sich die Struktur durch die Reihenfolge
der Monomerzugabe ergibt. Die weichen Bestandteile leiten sich im all
gemeinen von Butadien, Isopren, Alkylacrylaten oder Alkylmethacrylaten und
gegebenenfalls weiteren Comonomeren ab. Als geeignete Comonomere sind
hier z. B. Styrol, Acrylnitril und vernetzende oder pfropfaktive Monomere
mit mehr als einer polymerisierbaren Doppelbindung wie Diallylphthalat,
Divinylbenzol, Butandioldiacrylat oder Triallyl(iso)cyanurat zu nennen. Die
harten Bestandteile leiten sich im allgemeinen von Styrol, α-Methylstyrol und
deren Copolymerisaten ab, wobei hier als Comonomere vorzugsweise Acryl
nitril, Methacrylnitril und Methylmethacrylat aufzuführen sind.
Bevorzugte Kern-Schale-Propfkautschuke enthalten einen weichen Kern und
eine harte Schale oder einen harten Kern, eine erste weiche Schale und
mindestens eine weitere harte Schale. Der Einbau von funktionellen Grup
pen wie Carbonyl-, Carbonsäure-, Säureanhydrid-, Säureamid-, Säureimid-,
Carbonsäureester-, Amino-, Hydroxyl-, Epoxi-, Oxazolin-, Urethan-, Harn
stoff-, Lactam- oder Halogenbenzylgruppen, erfolgt hierbei vorzugsweise
durch den Zusatz geeigneter funktionalisierter Monomere bei der Polymerisa
tion der letzten Schale. Geeignete funktionalisierte Monomere sind beispiels
weise Maleinsäure, Maleinsäureanhydrid, Mono- oder Diester der Maleinsäu
re, tert.-Butyl(meth-)acrylat, Acrylsäure, Glycidyl(meth)acrylat und Vinyloxa
zolin. Der Anteil an Monomeren mit funktionellen Gruppen beträgt im
allgemeinen 0, 1 bis 25 Gew.-%, vorzugsweise 0,25 bis 15 Gew.-%, bezogen
auf das Gesamtgewicht des Kern-Schale-Pfropfkautschuks. Das Gewichts
verhältnis von weichen zu harten Bestandteilen beträgt im allgemeinen 1 : 9
bis 9 : 1, bevorzugt 3 : 7 bis 8 : 2.
Derartige Kautschuke, die die Zähigkeit von Polyamiden erhöhen, sind an
sich bekannt und beispielsweise in der EP 0 208 187 beschrieben.
Selbstverständlich können auch Mischungen verschiedener Kautschuke einge
setzt werden.
Die erfindungsgemäßen, gemäß einer Ausführungsform verstärkten, thermo
plastischen Formmassen können nach an sich bekannten Verfahren hergestellt
werden, indem man die Ausgangskomponenten in üblichen Mischvorrichtun
gen wie Schneckenextruder, vorzugsweise Zweischneckenextruder, Braben
der-Mühlen oder Banbury-Mühlen mischt und anschließend extrudiert. Nach der
Extrusion wird das Extrudat abgekühlt und zerkleinert.
Um eine möglichst homogene Formmasse zu erhalten, ist eine intensive
Durchmischung vorteilhaft. Die erfindungsgemäßen Formmassen werden
üblicherweise wie nachstehend beschrieben hergestellt:
Die Komponenten (a) bis (c), gemäß einer Ausführungsform (d), und wahl
weise (e) werden im allgemeinen in der Schmelze bei Temperaturen zwi
schen 200 und 320°C, vorzugsweise zwischen 250 und 300°C, insbesondere
280°C, auf Extrudern, Walzen oder Knetern, vorzugsweise einem Zwei
schneckenextruder bei Verweilzeiten von 0,5 bis 10 Minuten aufgeschmolzen
und gemischt. Man kann auch Lösungen der Komponenten (b), (a) und (c)
oder Teilmischungen davon herstellen und diese vermischen, die Lösungs
mittel anschließend entgasen und die Mischungen gemäß einer Ausführungs
form der Erfindung mit dem Verstärkungsmittel (d) und ggf. weiteren
Zusatzstoffen (e) abmischen und nochmals konfektionieren. Das Vermischen
der Komponenten (a), (b) und (c) erfolgt gemäß dieser Ausführungsform
vorzugsweise in Gegenwart bzw. unter Zugabe der Verstärkungsmittel (d).
Es ist auch möglich, die Komponente (a) ganz oder teilweise mit mindestens
einer anderen Komponente oder dem Verstärkungsmittel (d) vorzumischen.
Ein bevorzugtes Verfähren zur Herstellung der, gemäß einer Ausführungs
form der Erfindung verstärkten, thermoplastischen Formmassen ist gekenn
zeichnet dadurch, daß die Komponenten (a), (b), (c), (d) und ggf. (e) in
einem Extruder bei 200 bis 320°C gemischt werden, wobei Komponente
(d) mit Komponente (a) beschichtet wird, die beschichtete Komponente (d)
in eine Öffnung eines Extruders eingeführt wird und in dem Extruder mit
den geschmolzenen Komponenten (b) und (c) und wahlweise (e) vermischt
wird.
Die erfindungsgemäße Formmasse wird besonders bevorzugt in folgender Art
hergestellt:
Das funktionalisierte Polymer der Komponente (a) wird geschmolzen oder
gelöst und direkt auf den Glasfaserstrang des Verstärkungsmittels (d) gegeben
bzw. dieser mit der Dispersion oder Lösung getränkt und zusammen mit den
Glasfasern in eine Öffnung des Extruders in diesen eingetragen und mit der
Schmelze der Komponenten (b) und (c) und wahlweise (e) vereinigt, wobei
ggf. das Lösungs- oder Dispersionsmittel verdampft bzw. im Vakuum
abgezogen wird.
Erfindungsgemäße Massen können auch durch einen Pultrusionsvorgang
hergestellt werden, wie er in der EP-A-56 703 beschrieben ist. Dabei wird
der Glasfaserstrang mit der Polymermasse durchtränkt und anschließend
abgekühlt und zerkleinert. Die Glasfaserlänge ist in diesem Fall identisch mit
der Granulatlänge und liegt zwischen 3 und 20 mm.
Die Verweilzeiten betragen im allgemeinen von 0,5 bis 50 Stunden, vor
zugsweise 4 bis 24 Stunden.
Anschließend können aus den Formmassen beispielsweise mittels üblicher
Vorrichtungen für das Blasformen, Profilextrusion und Rohrextrusion oder
Spritzgießen Formkörper hergestellt werden.
Die so hergestellten thermoplastischen Formmassen haben ein ausgewogenes
Eigenschaftsprofil, insbesondere eine sehr gute Reißfähigkeit und Fließfähig
keit bei guter Steifheit, insbesondere bei Verwendung des Verstärkungsmittels
(d).
Erfindungsgemäß werden deshalb auch Formkörper, insbesondere Spritz
gußformteile, Fasern, Filme, bestehend im wesentlichen aus den beschrie
benen Formmassen, bereitgestellt.
Die Aufgaben der vorliegenden Erfindung werden durch die in den An
sprüchen beschriebene, gemäß einer Ausführungsform verstärkte, thermoplasti
sche Formmasse gelöst, die Polyamid enthält.
Diese ist gekennzeichnet durch
- (a) 0, 1 bis 40 Gew.-% mindestens eines funktionalisierten Polymers, wie es in einem der Polymeransprüche definiert ist,
- (b) 1 bis 98,9 Gew.-% mindestens eines Polyphenylenethers,
- (c) 0 bis 97,9 Gew.-, mindestens eines vinylaromatischen Polymers,
- (d) 0 bis 50 Gew.-% mindestens eines Verstärkungsmittels
- (e) 0 bis 60 Gew.-% weiterer Zusatzstoffe und/oder Verarbeitungshilfsmittel und
- (f) 1 bis 98,9 Gew.-% mindestens eines Polyamides,
wobei die Mengen der Komponenten (a) bis (f) gemeinsam 100 Gew.-%
ergeben.
Vorzugsweise enthalten diese erfindungsgemäßen thermoplastischen Form
massen 0,2 bis 35 Gew.-%, insbesondere 5 bis 20 Gew.-% der Komponente
(a), 1-97,9 Gew.-%, besonders bevorzugt 20-80 Gew.-%, insbesondere
25-50 Gew.-% der Komponente (b), 0-50 Gew.-%, insbesondere 0-30 Gew.-%
der Komponente (c), 1-50 Gew.-%, besonders bevorzugt 4-45 Gew.-%,
insbesondere 10-40 Gew.-% der Komponente (d), 1-97,9 Gew.-%,
besonders bevorzugt 0-30 Gew.-%, insbesondere 0-20 Gew.-%
der Komponente (e) und 1-97,9 Gew.-%, besonders bevorzugt 15-75 Gew.-%,
insbesondere 30-60 Gew.-% der Komponente (f).
Dabei ergeben die Mengen der Komponenten (a) bis (f) immer gemeinsam
100 Gew.-%.
Die Komponenten (a) bis (e) sind wie vorstehend beschrieben und werden
in den hier angegebenen Mengen eingesetzt.
Die Komponente (f) ist nachstehend näher erläutert.
Polyamide der Komponente (f) können thermoplastische teilkristalline Polya
mide sein. Die teilkristallinen Polyamide sind in der Regel linear.
Derartige Polyamide können z. B. durch Kondensation äquimolarer Mengen
einer gesättigten Dicarbonsäure mit 4 bis 12 Kohlenstoffatomen mit einem
Diamin, welches 4 bis 14 Kohlenstoffatome aufweist oder durch Kondensa
tion von ω-Aminocarbonsäuren oder Polyaddition von Lactamen hergestellt
werden.
Beispiele für geeignete Polyamide sind Polyhexamethylenadipinsäureamid,
Polyhexamethylenazelainsäureamid, Polyhexamethylensebacinsäureamid, Polyhe
xamethylendodecandisäureamid, Polytetramethylenadipinsäureamid und die
durch Ringöffnung von Lactamen erhaltenen Polyamide wie Polycaprolactam
und Polylaurinsäurelactam.
Besonders bevorzugt ist ein Polyamid (f) aus der folgenden Gruppe: Poly
tetramethylenadipinsäureamid, Polyhexamethylenadipinsäureamid, Polyhexa
methylensebacinsäureamid, Polycaprolactam, Copolyamide aus Terephthal
säure, Hexamethylendiamin und ε-Caprolactam, Copolyamide aus Terephthal
säure, Isophthalsäure, Hexamethylendiamin und, wahlweise, Adipinsäure,
wobei der Anteil der Terephthalsäure und des Hexamethylendiamins zu
sammen weniger als 50 Gew.-%, bezogen auf das Copolyamid, beträgt. Aus
dieser Gruppe sind Polyhexamethylenadipinsäureamid und Polycaprolactam
besonders bevorzugt. Dabei können auch Mischungen verschiedener Polyami
de verwendet werden.
Bevorzugte thermoplastische Formmassen weisen eine Differenz der
NH₂- und COOH-Endgruppen der verwendeten Polyamide kleiner 70 mmol/kg,
insbesondere kleiner 40 mmol/kg, auf. Besonders bevorzugt sind Endgrup
pendifferenzen von 10 bis 30 mmol/kg. Die Bestimmung dieser Werte
erfolgt nach bekannten Methoden.
Vorzugsweise werden Polyamide mit einer Viskositätszahl von 40 bis 250 ml/g,
insbesondere von 40 bis 150 ml/g, gemessen nach DIN 53 426,
verwendet.
Die Herstellung niedermolekularer Polyamide oder Polyamid-Präpolymere
kann z. B. nach den in den EP 0 129 195, EP 0 129 196 und EP 0 299 444
beschriebenen Verfahren erfolgen. Weitere diskontinuierliche und
kontinuierliche Herstellungsverfahren sind dem Fachmann bekannt.
Nach einer bevorzugten Arbeitsweise leitet man das niedermolekulare Polya
mid schmelzflüssig durch eine Austragszone unter gleichzeitiger Entfernung
des in der Schmelze enthaltenen Restwassers. Geeignete Austragszonen sind
beispielsweise Entgasungsextruder. Die so vom Wasser befreite Schmelze
wird dann in Stränge gegossen und granuliert. Das erhaltene Granulat wird
bei etwa 20°C über seinem Schmelzpunkt (im Falle von Polyhexamethyle
nadipinsäureamid bei etwa 280°C) bevorzugt in einem Doppelschnecken
extruder aufgeschmolzen und mit funktionalisiertem Polymer, dem Polypheny
lenether sowie gegebenenfalls dem Kautschuk, den Zusatzstoffen oder Ver
arbeitungshilfsmitteln gemischt, als Strang ausgetragen, gekühlt und granu
liert.
Die erfindungsgemäßen thermoplastischen Formmassen, die Polyamid enthal
ten, können frei sein von vinylaromatischen Polymeren. Gemäß einer Aus
führungsform der Erfindung können sie jedoch 0-97,9 Gew.-%, vorzugs
weise 0-50 Gew.-%, insbesondere 0-35 Gew.-% mindestens eines
vinylaromatischen Polymers Komponente (c) enthalten. Sie können somit
Polyphenylenether/Polyamid-Blends oder Polyphenylenether/Polyamid/Vinylaro
mat-Blends sein.
Die erfindungsgemäßen thermoplastischen Formmassen können nach an sich
bekannten Verfahren hergestellt werden, wie es vorstehend für die verstärk
ten thermoplastischen Formmassen beschrieben ist, außer daß als weitere
Komponente (f) jetzt ein Polyamid eingesetzt wird, und auf Komponente (c)
verzichtet werden kann gemäß einer Ausführungsform.
Gemäß einer Ausführungsform der Erfindung werden die Komponenten (a)
bis (e) vermischt, vorzugsweise in einem Extruder, und Komponente (f)
wird danach dem Gemisch der Komponenten (a) bis (e) zudosiert, vorzugs
weise in erwärmter Form in einem Seitenextruder. Dabei können die gegebe
nenfalls vorliegenden Verstärkungsmittel (d), die gegebenenfalls vorbeschichtet
sind mit (a) gemäß einer Ausführungsform der Erfindung, dem ersten
Gemisch einverleibt werden oder zusammen mit dem Polyamid (f) zudosiert
werden.
Die so hergestellten thermoplastischen Formmassen haben ein ausgewogenes
Eigenschaftsprofil, insbesondere ein sehr gutes Zähigkeits/Steifigkeits-Verhält
nis, insbesondere bei Verwendung des Verstärkungsmittels (d).
Erfindungsgemäß werden auch Formkörper aus den thermoplastischen Form
massen bereitgestellt, die nach dem vorstehend beschriebenen Verfahren
hergestellt werden können.
Nachstehend wird in den Beispielen die Erfindung anhand von verstärkten
Formmassen näher beschrieben.
Die funktionalisierte Styrolpolymer-Komponente (a) wurde mit einem mitt
leren Polystyrol-Molekulargewicht von 30 000 und Anhydrid-Endgruppe (a1)
eingesetzt. Eine zweite funktionalisierte Komponente (a) wies ein mittleres
Polystyrol-Molekulargewicht von 90 000 und eine Anhydrid-Endgruppe auf
(a2). Eine dritte funktionalisierte Komponente (a) Formmasse wies ein
mittleres Polystyrol-Molekulargewicht von 30 000 und eine primäre Amin-End
gruppe auf (a3). Die Styrolpolymere wurden wie nachstehend beschrieben
hergestellt.
Das Polymer (a1) wurde folgendermaßen hergestellt: 3200 ml trockenes
Cyclohexan und 0,3 ml 1,1-Diphenylethylen wurden in einem inertisierten
6 l Rührkessel vorgelegt. Sodann wurde 1,5 molare sekundäre Butyllithium-Lö
sung (in Cyclohexan/Isopentan 92/8), zugegeben, bis eine Rotfärbung
bestehen blieb. Danach wurden noch weitere 16 ml der Butyllithium-Lösung
zugegeben. Anschließend wurden 800 ml hochreines Styrol bei 60°C
innerhalb von 2 Stunden zugetropft. Nach einer weiteren Stunde Nachrühren
wurden 7 ml 1,1-Diphenylethylen zugegeben, woraufhin nochmals eine halbe
Stunde nachgerührt und schließlich auf 20°C abgekühlt wurde. In einem
weiteren inertisierten 6 l Rührkessel wurden währenddessen 30 g Trimellit
säureanhydridchlorid in 300 ml trockenem Tetrahydrofuran vorgelegt und auf
0°C abgekühlt. Daraufhin wurde der Inhalt des ersten Rührkessels innerhalb
von 1 bis 2 Stunden zugetropft. Nach Ablauf einer Nachreaktionszeit von 1
Stunde wurde das entstandene Styrolpolymer mit Petrolether ausgefällt,
abgesaugt und getrocknet. Das so hergestellte Anhydrid-modifizierte Polymer
hatte ein mittleres Molekulargewicht (GPC in CHCl₃ gegen Polystyrol-Eich
standards) von 30 000 (Mn).
Das Polymer (a2) wurde in derselben Weise hergestellt, jedoch mit 6 statt
16 ml einer 1,5 molaren sekundären Butyllithium-Lösung als Initiator. Das
mittlere Molekulargewicht der erhaltenen Styrolpolymere betrug dabei 90 000
(Mn).
Das Polymer (a3) wurde wie für das Polymer (a1) hergestellt. Das Produkt
wurde in 5 l Cyclol gelöst. Es wurden sodann 20 g 1,4-Diaminobutan
zugegeben und 4 Stunden bei 120°C gerührt. Nach dem Abkühlen wurde
das Produkt in Methanol gefällt, isoliert und getrocknet. Das mittlere Mole
kulargewicht des so erhaltenen mit einem primären Amin modifizierten
Styrolpolymers betrug dabei 30 000 (Mn).
Der Funktionalisierungsgrad der funktionalisierten Polymere (a1), (a2) und
(a3) wurde bestimmt durch ¹H-NMR.
Dabei ergaben sich folgende Funktionalisierungsgrade:
- (a1) 94%
- (a2) 90%
- (a3) 96%
Als Komponente (b) wurde Poly-2,6-dimethyl-1,4-phenylenether mit einer
intrinsischen Viskosität von 0,55 dl/g, gemessen in einer Konzentration von
etwa 1 Gew.-% in Chloroform bei 25°C, verwendet.
Als Komponente (c) kamen drei Polystyrole zum Einsatz:
- (c1) ist ein schlagfestes Polystyrol KR2756 der BASF AG mit einem Gehalt von 8 Gew.-% Butadien und einem Schmelzindex von 3 g/10 Minuten, gemessen nach DIN 53 735 bei 200°C und 5 kg Last.
- (c2) ist ein Standardpolystyrol 148 H der BASF AG mit folgenden
Eigenschaften:
VST/B/50(ISO 306) = 101°C MVR 200/5(ISO 1133) = 4,5 - (c3) ist ein Copolymerisat aus 95 Gew.-% Styrol und 5 Gew.-% tert.-Butylacrylat mit einer VZ von 1,0 dl/g. Es wurde nach dem in EP-A-0 319 833 für die Komponente B beschriebenen Verfahren hergestellt, vgl. S. 6, Zeile 57 ff.
Als Komponente (d) wurden folgende Glasfasern verwendet:
Als Komponente (d1) wurde eine Schnittglasfaser verwendet, die einen
mittleren Faserdurchmesser von 14 µm und eine Aminosilanschlichte aufwies,
beispielsweise erhältlich unter der Bezeichnung OCF®R 44DX2 von Owens
Corning Fiberglass Corp.
Als Komponente (d2) wurde die Schnittglasfaser 5145EC14 von Vetrotex
International S.A. verwendet, die einen Durchmesser von 1 µm und eine
Silanschlichte aufwies.
Die Komponenten (a), (b), (c) und (d) wurden nach den in Tabelle 1
angegebenen Gewichtsteilen in allen 7 Beispielen auf einem Zweiwellenextru
der, der mit 200 U/min lief, konfektioniert. Die Temperatur betrug dabei
280°C. Die Formmasse wurde nach dem Extrudieren granuliert und
schließlich zu den entsprechenden Formkörpern im Spritzgußverfahren bei
280°C verarbeitet.
Die Fließfähigkeit (melt volume rate, MVR 250°C/21,6 kg), gemessen nach
DIN 53 735, die Reißfestigkeit, gemessen nach DIN 53 455 und das
Elastizitätsmodul, gemessen nach DIN 53 457 sind in Tabelle 2 angegeben.
Beispiele 2, 3, 4 und 6 betreffen dabei erfindungsgemäß hergestellte ver
stärkte thermoplastische Formmassen mit einem funktionalisierten Styrol
polymer (a), Beispiele 1, 5 und 7 sind Vergleichsmassen ohne das funk
tionalisierte Styrolpolymer (a).
Aus der Tabelle ergibt sich, daß die erfindungsgemäßen verstärkten ther
moplastischen Formmassen zugleich hohe Fließfähigkeit, Reißfestigkeit und
ein hohes Elastizitätsmodul besitzen, im Gegensatz zu den Vergleichspolyme
ren, die eine geringe Fließfähigkeit, und verminderte Reißfestigkeit und ein
vermindertes Elastizitätsmodul aufweisen.
In den Formmassen gemäß Beispiel 1 bis 5 wurde eine gleiche Zusam
mensetzung der Komponenten (b) und (d) verwendet, bei den Massen aus
Vergleichsbeispiel 1 und 5 wurde der Anteil der Komponente (c) um den
Anteil erhöht, der in den erfindungsgemäßen Massen gemäß Beispiel 2 bis
4 die Komponente (d) ausmacht. Es wurde also das funktionalisierte Polysty
rol durch das schlagzähe Polystyrolin Vergleichsbeispiel 1 und durch ein
Styrolcopolymerisat in Vergleichsbeispiel 5 ersetzt. Aus den in Tabelle 2
angegebenen Eigenschaften der Massen zeigt sich, daß die erfindungsgemäßen
Massen gemäß Beispiel 2 bis 4 eine gegenüber den Massen der Vergleichs
beispiele 1 und 5 erheblich verbesserte Fließfähigkeit aufweisen bei ebenfalls
deutlich verbessertem Elastizitätsmodul und verbesserter Reißfestigkeit.
Eine andere Zusammensetzung der Komponenten (b) und (d) wurde in den
Massen gemäß Beispiel 6 und 7 verwendet, wobei in Beispiel 6 das erfin
dungsgemäße funktionalisierte Polystyrol der Komponente (a) verwendet
wurde, in der Masse gemäß Vergleichsbeispiel 7 hingegen wiederum eine
entsprechend vergrößerte Menge der Komponente (c). Aus den in Tabelle 2
gezeigten Ergebnissen wird deutlich, daß die erfindungsgemäße Formmasse
größere Werte sowohl für die Fließfähigkeit, den Elastizitätsmodul als auch
die Reißfestigkeit aufweist.
Die Eigenschaften der erfindungsgemäßen Formmassen sind somit den
Eigenschaften der Vergleichsmassen entsprechend dem Stand der Technik
deutlich überlegen.
Zu Vergleichszwecken wurde gemäß dem von Park, Barlow und Paul
beschriebenen direkten Funktionalisierungsverfahren eine funktionalisierte
Styrolpolymer-Komponente (a4) hergestellt. Dieses Vergleichspolymer wies
die nachstehenden Eigenschaften auf:
Endgruppe: Trimellitsäureanhydrid;
Polystyrol-Molekulargewicht: 30 000;
Funktionalisierungsgrad: 63%
Polystyrol-Molekulargewicht: 30 000;
Funktionalisierungsgrad: 63%
Der Funktionalisierungsgrad wurde durch ¹H-NMR-Spektroskopie bestimmt,
wie bei Park, Barlow und Paul beschrieben.
Die Komponenten (a), (b), (c) und (d), wie sie vorstehend oder in Beispiel
1 angegeben sind, wurden nach den in Tabelle 3 angegebenen Gewichtsteilen
hergestellt, wie in Beispiel 1 beschrieben.
Die Fließfähigkeit, die Reißfestigkeit und das Elastizitätsmodul wurden wie
in Beispiel 1 angegeben bestimmt und sind in Tabelle 4 angegeben.
Aus der Tabelle ergibt sich, daß die erfindungsgemäß verstärkte thermo
plastische Formmasse im Vergleich zu der entsprechenden Formmasse, die
mit dem gemäß dem Stand der Technik direkt funktionalisierten Polystyrol
hergestellt wurde, eine sehr ähnliche Fließfähigkeit aufweist, wobei die
Reißfestigkeit und das Elastizitätsmodul größer sind als bei der Vergleichs
mischung.
Zu Vergleichszwecken wurden gemäß dem von Park, Barlow und Paul
beschriebenen indirekten Funktionalisierungsverfahren unter Verwendung von
Ethylenoxid funktionalisierte Styrolpolymer-Komponenten (a) hergestellt. Diese
Vergleichspolymere der funktionalisierten Styrolpolymer-Komponente (a)
wiesen die nachstehenden Eigenschaften auf:
Als Anhydridgruppe wurde dabei Trimellitsäureanhydrid verwendet. Als
primäres Amin wurde 1,4-Diaminobutan zur Synthese verwendet.
Der Funktionalisierungsgrad wurde bestimmt mittels ¹H-NMR-Spektroskopie,
wie sie bei Park, Barlow und Paul beschrieben ist.
Die Komponenten (a), (b), (c) und (d), wie sie vorstehend oder in Beispiel
1 angegeben sind, wurden nach den in Tabelle 6 angegebenen Gewichtsteilen
hergestellt, wie in Beispiel 1 beschrieben.
Die Fließfähigkeit, die Reißfestigkeit und das Elastizitätsmodul wurden wie
in Beispiel 1 angegeben bestimmt und sind in Tabelle 7 angegeben.
Aus der Tabelle ergibt sich, daß die erfindungsgemäßen verstärkten thermo
plastischen Formmassen im Vergleich zu den entsprechenden Formmassen,
die mit den gemäß dem Stand der Technik indirekt funktionalisierten Poly
styrolen hergestellt wurden, eine gleiche oder sehr ähnliche Fließfähigkeit
aufweisen, wobei die Reißfestigkeit und das Elastizitätsmodul größer sind als
bei den Vergleichsmischungen.
Claims (14)
1. Funktionalisiertes Polymer der Formel:
A-Z-Xwobei
A einen Block aus vinylaromatischen Monomeren mit 8 bis 20, vorzugsweise 8 bis 12 Kohlenstoffatomen,
Z einen Grundbaustein einer Verbindung mit sterisch hindernden Gruppen und
X einen funktionalisierten Grundbaustein bedeutet,
wobei der Funktionalisierungsgrad des Polymers mindestens 65%, vorzugsweise größer 85%, besonders bevorzugt mindestens 90%, be trägt.
A einen Block aus vinylaromatischen Monomeren mit 8 bis 20, vorzugsweise 8 bis 12 Kohlenstoffatomen,
Z einen Grundbaustein einer Verbindung mit sterisch hindernden Gruppen und
X einen funktionalisierten Grundbaustein bedeutet,
wobei der Funktionalisierungsgrad des Polymers mindestens 65%, vorzugsweise größer 85%, besonders bevorzugt mindestens 90%, be trägt.
2. Funktionalisiertes Polymer nach Anspruch 1, wobei A einen Block aus
Styrol und/oder α-Methylstyrol bedeutet.
3. Funktionalisiertes Polymer nach Anspruch 1 oder 2, wobei Z einen
Grundbaustein der Formel
bedeutet, wobei R einen Kohlenwasserstoffrest, vorzugsweise einen
Alkylrest mit 1 bis 4 Kohlenstoffatomen oder Wasserstoff, und "Aryl"
einen Arylrest mit 6 bis 10 Kohlenstoffatomen bedeutet.
4. Funktionalisiertes Polymer nach einem der Ansprüche 1 bis 3, wobei
der funktionalisierte Grundbaustein eine endständige Säureanhydridgruppe
oder Aminogruppe enthält.
5. Verfahren zur Herstellung eines funktionalisierten Polymers gemäß
einem der Polymeransprüche, wobei
- a) vinylaromatische Monomere anionisch zu einem ersten lebenden einen Block A enthaltenden Polymer der Formel A polymerisiert werden,
- b) das erste lebende Polymer mit einer Verbindung mit sterisch hin dernden Gruppen zu einem zweiten lebenden Polymer der Formel A-Z⊖ umgesetzt wird und
- c) das zweite lebende Polymer mit einer funktionellen Gruppe einer mindestens difunktionellen Verbindung zu einem Polymer der Formel A-Z-X umgesetzt wird, wobei die hier verwendeten Abkürzungen die gleiche Bedeutung wie in den Polymeransprüchen haben.
6. Verwendung eines funktionalisierten Polymers gemäß einem der Poly
meransprüche zur Herstellung von, gegebenenfalls verstärkten, thermo
plastischen Formmassen.
7. Thermoplastische Formmassen, enthaltend
- (a) 0,1 bis 20 Gew.-% mindestens eines funktionalisierten Polymers, wie es in einem der Polymeransprüche definiert ist,
- (b) 1 bis 98,9 Gew.-% mindestens eines Polyphenylenethers,
- (c) 1 bis 98,9 Gew.-% mindestens eines vinylaromatischen Polymers,
- (d) 0 bis 50 Gew.-% mindestens eines Verstärkungsmittels, und
- (e) 0 bis 60 Gew.-% weiterer Zusatzstoffe und/oder Verarbeitungs hilfsmittel,
wobei Mengen der Komponenten (a) bis (e) gemeinsam 100 Gew.-%
ergeben.
8. Verfahren zur Herstellung von, gegebenenfalls verstärkten, thermoplasti
schen Formmassen gemäß Anspruch 7, wobei die Komponenten (a), (b),
(c), (d) und (e), sofern vorhanden, in einem Extruder bei 200 bis 320°C
gemischt werden, wobei gegebenenfalls Komponente (d) mit Kom
ponente (a) beschichtet wird, die beschichtete Komponente (d) in eine
Öffnung eines Extruders eingeführt wird und in dem Extruder mit den
geschmolzenen Komponenten (b) und (c) und wahlweise (e) vermischt
wird.
9. Thermoplastische Formmassen, enthaltend
- (a) 0,1 bis 40 Gew.-% mindestens eines funktionalisierten Polymers, wie es in einem der Polymeransprüche definiert ist,
- (b) 1 bis 98,9 Gew.-% mindestens eines Polyphenylenethers,
- (c) 0 bis 97,9 Gew.-% mindestens eines vinylaromatischen Polymers,
- (d) 0 bis 50 Gew.-% mindestens eines Verstärkungsmittels, und
- (e) 0 bis 60 Gew.-% weiterer Zusatzstoffe und/oder Verarbeitungs hilfsmittel und
- (f) 1 bis 98,9 Gew.-% mindestens eines Polyamides,
wobei die Mengen der Komponenten (a) bis (f) gemeinsam 100 Gew.-%
ergeben.
10. Verfahren zur Herstellung von, gegebenenfalls verstärkten, thermopla
stischen Formmassen gemäß Anspruch 9, wobei die Komponenten (a),
(b), (c), (d), (e) und (f), sofern vorhanden, in einem Extruder bei 200
bis 320°C gemischt werden, wobei Komponente (f) in einer Öffnung
eines Extruders eingeführt wird und in dem Extruder mit den geschmol
zenen Komponenten (a), (b), (c), (e) vermischt wird, wobei Komponen
te (d) mit Komponente (f) und/oder mit Komponente (a), (b), (c) und
(e) vermischt sein kann.
11. Verwendung von thermoplastischen Formmassen gemäß Anspruch 8 oder
9 zur Herstellung von Formkörpern.
12. Formkörper, umfassend Formmassen gemäß Anspruch 8 oder 9.
Priority Applications (5)
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| DE19610362A DE19610362A1 (de) | 1996-03-15 | 1996-03-15 | Funktionalisierte Polymere, Verfahren zu ihrer Herstellung, diese enthaltende Formmassen und Formkörper |
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Legal Events
| Date | Code | Title | Description |
|---|---|---|---|
| 8130 | Withdrawal |