DE10120272A1 - Verfahren zur Betriebssteuerung einer Beschichtungsanlage - Google Patents
Verfahren zur Betriebssteuerung einer BeschichtungsanlageInfo
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Abstract
Bei einem Verfahren zur Betriebssteuerung einer Beschichtungsanlage für die Serienbeschichtung von Werkstückeinheiten wird vor Beschichtungsbeginn die jeweils benötigte Lackmenge von einem Steuersystem errechnet, das den Betrieb der Beschichtungsmaschine während des anschließenden Beschichtungsvorgangs einschließlich der Bewegungsabläufe simuliert.
Description
Die Erfindung betrifft ein Verfahren zur Betriebssteuerung
einer Beschichtungsanlage gemäß dem Oberbegriff des Anspruchs
1. Insbesondere handelt es sich hierbei um die Großserienbe
schichtung von Werkstücken wie beispielsweise Fahrzeugkaros
sen oder Bestand- oder Anbauteilen von Karossen mit häufig
wechselnder Farbe unter Verwendung von Lackierrobotern oder
anderen programmgesteuerten mehrachsigen Beschichtungsmaschi
nen.
Für die Serienbeschichtung von Fahrzeugkarossen oder sonsti
gen Werkstücken sind Farbversorgungssysteme mit bedarfsabhän
gig begrenztem Beschichtungsmaterialvorrat der jeweils benö
tigten Farbe bekannt. Das Beschichtungsmaterial kann aus aus
wechselbaren und/oder nachfüllbaren Kartuschen oder sonstigen
Vorratsbehältern zugeführt werden, deren Inhalt beispielswei
se für die Beschichtung eines Karossenteils oder von Karos
senanbauteilen oder jedenfalls für einen Beschichtungsvorgang
oder für eine vorbestimmte begrenzte Anzahl von Beschich
tungsvorgängen bemessen ist (DE 198 58 397, EP 0 796 664,
EP 0 796 665 usw.), oder auch aus wechselweise an die Be
schichtungsmaschinen anschließbaren, vorzugsweise gemolchten
Leitungssystemen (DE 10 03 3987). Gemeinsam ist diesen Syste
men die volumetrische Dosierung des Beschichtungsmaterials
bei der Versorgung der Zerstäuber oder sonstigen Applikati
onsorgane.
Bei einem Farbwechsel müssen die Beschichtungsvorrichtungen
bekanntlich jeweils gereinigt und gespült werden, was mit
Lack- und Spülmittelverlusten verbunden ist.
Damit sich beispielsweise bei einem Farbwechsel möglichst we
nig Lackverluste ergeben, muß der vor einem Beschichtungsvor
gang bereitgestellte Lackvorrat möglichst genau dem sich tat
sächlich ergebenden Bedarf für die Beschichtung der Werkstü
cke oder Werkstückteile entsprechen. Der Bedarf ändert sich
nicht nur mit den zu beschichtenden Werkstücken, sondern auch
mit sonstigen Betriebsbedingungen wie insbesondere den Steu
erparametern für die Maschinenbewegungen und Applikations
technik usw. sowie Art, Farbe und der temperaturabhängigen
Viskosität des Beschichtungsmaterials, die ihrerseits mit Än
derungen der Betriebssteuerung der Beschichtungsmaschine ver
bunden sind und die Zeitprogramme verändern können.
Bisher wurde zur Vorbestimmung der benötigten Lackmenge u. a.
einfach die Verbrauchsmenge während der Applikation gemessen
und aufgrund des Meßergebnisses eine zuvor relativ groß be
messene Reservemenge entsprechend reduziert. Bei dieser Me
thode geht jeweils der zunächst gewählte Reserveüberschuß
verloren.
Eine andere Möglichkeit zur Bestimmung der Verbrauchsmenge
ist deren Berechnung aufgrund der Drehzahl und Laufzeit der
üblicherweise verwendeten volumetrisch arbeitenden Dosierpum
pe mit definierten Fördervolumen je Umdrehung oder Hub. Fer
ner kann man die Verbrauchsmenge aufgrund der Öffnungszeiten
des Hauptnadel- oder sonstigen Farbventils des Zerstäubers
oder sonstigen Applikationsorgans der Beschichtungsmaschine
unter Berücksichtigung der jeweiligen Ausflußgröße berechnen.
Die Öffnungszeiten können hierbei entweder durch die in Bezug
auf den Förderweg des Werkstücks einprogrammierten Ventil
schaltpunkte bestimmt werden oder durch kinematische Formeln,
mit denen die Maschinenbewegungen berechnet werden können.
Bei allen derartigen Berechnungen können sich Fehler gegen
über dem tatsächlichen Materialbedarf ergeben, da die oben
erwähnten Änderungen von Parametern und sonstigen Betriebsbe
dingungen unberücksichtigt bleiben. Insbesondere ist bei den
bisher bestehenden Möglichkeiten der Vorbestimmung unbekannt,
welche Bewegungsabläufe und Schaltzeiten durch die Maschinen
steuerung bei der anschließenden Beschichtung tatsächlich
eingestellt werden und welcher tatsächliche Materialverbrauch
sich hieraus ergibt.
Infolgedessen bleibt beim Bereitstellen der Materialmenge
bisher in jedem Fall eine unerwünscht hohe Reservemenge not
wendig.
Aufgabe der Erfindung ist, ein Verfahren anzugeben, mit dem
die für einen Beschichtungsvorgang benötigte Materialmenge
noch genauer als bisher vorherbestimmt werden kann.
Diese Aufgabe wird durch das in den Patentansprüchen angege
bene Verfahren gelöst.
Durch die Erfindung können stets vor Beginn eines Beschich
tungsvorgangs mit sich bewegender Maschine und insbesondere
auch schon vor Inbetriebnahme (Anlauf) der Beschichtungsanla
ge die jeweils benötigten Materialmengen mit der größtmögli
chen Genauigkeit ermittelt werden, so daß die jeweils erfor
derlichen Reservemengen und somit der Lackverbrauch auf ein
Minimum reduziert werden können, und zwar ohne Farb- und
Zeitverluste der oben erwähnten manuellen Meßmethode. Außer
beim Anlauf der Anlage ist das u. a. bei Anlagen mit hoher
Farbanzahl und/oder bei häufigem Wechseln der Werkstücke, al
so bei einer hohen Anzahl von Modellvarianten von erheblichem
Vorteil.
Zur Lackmengenberechnung werden erfindungsgemäß die tatsäch
lichen Betriebsabläufe simuliert und dadurch vorab ermittelt.
Insbesondere werden durch die Erfindung Verzögerungen z. B.
infolge von Signallaufzeiten berücksichtigt, die sich bei der
tatsächlichen Steuerung der Beschichtungsmaschine ergeben.
Allgemeiner gesagt, kann jede Änderung der Betriebsbedingun
gen bei der Vorabberechnung berücksichtigt werden.
Beispielsweise im Fall eines Lackierroboters kann für die Si
mulierung die an sich bekannte Robotersteuerung genutzt wer
den, in der der Bewegungsablauf und die Ventilschaltzeiten in
Echtzeit verfolgt werden können und damit die für die Mengen
berechnung verwendbaren Zeitpunkte exakt ermittelt werden
können, obwohl der Roboter die betreffenden Bewegungen tat
sächlich erst später bei der eigentlichen Beschichtung aus
führt. Aufgrund der Simulation ist genau bekannt, wann nach
einem Ventilöffnungssignal das Beschichtungsmaterial tatsäch
lich aus dem Zerstäuber austritt, und wann der Materialfluß
wieder abgeschaltet wird.
Es wird also vorab errechnet, welche Zerstäuberbewegungen und
Schaltzeiten sich später ergeben. Bei ausreichender Rechenka
pazität kann für die Berechnung der Materialmenge die ohnehin
vorhandene Robotersteuerung verwendet werden, mit der u. a.
die Roboterbewegungen bei der anschließenden Beschichtung ge
steuert werden. Die Mengenberechnung für einen späteren Be
schichtungsvorgang kann auch schon durchgeführt werden, wäh
rend der Roboter noch zur Durchführung eines vorhergehenden
Beschichtungsvorgangs gesteuert wird. In anderen Fällen kann
für die Berechnung der Materialmenge ein zusätzlich zu der
Programmsteuerung der Beschichtungsmaschine vorgesehenes Sys
tem verwendet werden, dem vor Beschichtungsbeginn die selben
Programmsteuerdaten zugeführt werden, mit denen später der
Beschichtungsvorgang gesteuert wird. Diese Simulationsaufgabe
kann je nach Zweckmäßigkeit von einer oder mehreren zusätzli
chen im Prinzip beliebigen numerischen Recheneinheiten über
nommen werden, bei denen es sich z. B. um einen PC mit Emula
tion des Betriebssystems der Robotersteuerung (RC) handeln
kann. Wichtig ist, daß die Software identisch ist.
Mit den errechneten Lackmengen können für jedes vorhandene
oder zusätzliche Simulationssteuersystem auch zwei oder mehr
Beschichtungsanlagen programmiert werden.
Durch das in Fig. 1 dargestellte Flußdiagramm wird die Erfin
dung am Beispiel eines Lackierroboters näher erläutert.
Nach dem Start der Simulationssteuerung wird zunächst die
Bahnbewegung des sog. Tool Center Point (TCP) simuliert, wo
mit der Farbaustrittspunkt am Zerstäuber oder allgemeiner ge
sagt dessen Bahnbewegung gemeint ist. Hierfür wird in dem
verwendeten (im Prinzip beliebigen) Rechner dieselbe Software
der Robotersteuerung RC eingesetzt, die auch zur Maschinen
steuerung während der tätsächlichen Beschichtung benutzt
wird, einschließlich sowohl der Verfahrprogramme als auch der
Bewegungssteuersoftware MCU (Motion Control Unit).
Die Farbmenge wird bei diesem Verfahrensschritt als Produkt
aus der programmierten Öffnungsdauer des Hauptnadelventils
des Zerstäubers und dem Lackvolumenstrom errechnet, was wegen
der angenommenen volumetrischen Dosierung mit der erforderli
chen Genauigkeit möglich ist.
Im 3. Schritt wird dann der errechnete Farbmengenwert unter
Berücksichtigung des dynamischen Systemverhaltens, also aller
die programmierte Öffnungsdauer wesentlich beeinflussender
Parameter korrigiert. Insbesondere handelt es sich hier um
die Summe der Verzögerungen durch die verschiedenen Schalt
vorgänge und um die Berücksichtigung der Rechendauer der Ro
botersteuerung während der tatsächlichen Beschichtung. Auch
die Signallaufzeiten über das Bussystem, mit dem der Rechner
mit den externen Maschinensteuerungen kommuniziert, können
als Verzögerungen berücksichtigt werden. Das Ergebnis ist die
real benötigte Farbmenge.
In Fig. 2 ist die durch die Simulierung ermittelte Gesamtver
zögerung aufgrund des Applikationssystems schematisch darge
stellt. Das Eingangssignal kann beispielsweise ein elektri
sches Signal zum Ansteuern eines Magnetventils sein, das sei
nerseits nach der durch das System verursachten Verzögerung
den Farbauslaß des Zerstäubers öffnet bzw. schließt.
Die folgenden Figuren sollen die schrittweise verbesserte Ge
nauigkeit der Materialmengenberechnung verdeutlichen.
Fig. 3 zeigt die theoretische Ventilöffnungsdauer (z. B. des
Hauptnadelventils) zwischen der Erzeugung der Schaltsignale
zu den Zeiten t0 und t1. Die Berechnung der Materialmenge auf
grund dieses angenommenen Schaltverhaltens wäre relativ unge
nau, da u. a. das Bewegungsverhalten des Roboters nicht be
rücksichtigt ist.
In Fig. 4 ist die bei der Simulation im Schritt 2. in Fig. 1
zugrunde gelegte Ventilöffnungsdauer dargestellt, die sich
von Fig. 3 unterscheiden kann und genauer ist, weil das Bewe
gungsverhalten und wenigstens die wichtigsten sonstigen den
Roboter betreffenden Umstände bei der Simulierung berücksich
tigt werden können.
Fig. 5 zeigt den sich in der Realität beispielsweise ergeben
den Verlauf des Farbvolumenstroms, der im Schritt 3. in Fig.
1 zur Korrektur des Simulationsergebnisses verwendet werden
kann. Zunächst öffnet das betrachtete Ventil erst nach einer
Verzögerungszeit tk, die sich u. a. durch die Signalkommunika
tion über einen Datenbus usw. zwischen dem Rechner und den
Antriebssteuerschaltungen des Roboters ergibt und aus Fachli
teratur und/oder aufgrund der jeweiligen Anlagenkonfiguration
bekannt ist oder zuvor gemessen werden kann. Während der an
schließenden Verzögerungszeit ts wird darstellungsgemäß der
volle Volumenstrom entsprechend dem jeweiligen Systemverhal
ten erreicht, also entsprechend dem in der Systemtechnik auch
als "Systemidentifikation" bezeichneten Ansprechverhalten,
das durch an sich bekannte Parameterschätzverfahren ermittelt
werden kann. Nach einer erneuten Verzögerungszeit t'k sinkt
während der Zeit t's der Volumenstrom wieder ab. Alle diese
Zeiten werden bei der Korrektur berücksichtigt.
Wie ersichtlich ist, muß das verwendete Rechnersystem bei der
Materialmengenberechnung zwar mit allen aktuellen Parametern
z. B. für den Bewegungsantrieb und sonstigen Programmsteuer
daten versorgt werden, hierbei aber keine Verbindung zu den
Antriebssteuerschaltungen der Beschichtungsmaschine haben.
Claims (6)
1. Verfahren zur Betriebssteuerung einer Beschichtungsanlage
für die Serienbeschichtung von Werkstückeinheiten mit unter
schiedlichen Beschichtungsmaterialien,
wobei das Beschichtungsmaterial von einem Versorgungssystem mit bedarfsabhängig bemessenem Materialvorrat, insbesondere volumetrisch dosiert, einer programmgesteuerten Beschich tungsmaschine zugeführt wird,
und wobei vor Beschichtungsbeginn die für den jeweiligen Be schichtungsvorgang benötigte Beschichtungsmaterialmenge vor bestimmt und für den Beschichtungsvorgang bereitgestellt wird,
dadurch gekennzeichnet, daß die jeweils benötigte Beschich tungsmaterialmenge vor Beschichtungsbeginn von einem Steuer system errechnet wird, das den Betrieb der Beschichtungsma schine während des anschließenden Beschichtungsvorgangs ein schließlich der Bewegungsabläufe simuliert.
wobei das Beschichtungsmaterial von einem Versorgungssystem mit bedarfsabhängig bemessenem Materialvorrat, insbesondere volumetrisch dosiert, einer programmgesteuerten Beschich tungsmaschine zugeführt wird,
und wobei vor Beschichtungsbeginn die für den jeweiligen Be schichtungsvorgang benötigte Beschichtungsmaterialmenge vor bestimmt und für den Beschichtungsvorgang bereitgestellt wird,
dadurch gekennzeichnet, daß die jeweils benötigte Beschich tungsmaterialmenge vor Beschichtungsbeginn von einem Steuer system errechnet wird, das den Betrieb der Beschichtungsma schine während des anschließenden Beschichtungsvorgangs ein schließlich der Bewegungsabläufe simuliert.
2. Verfahren nach Anspruch 1, dadurch gekennzeichnet, daß die
bei der Simulation errechnete Beschichtungsmenge durch Re
chenfaktoren korrigiert wird, mit denen sich in der Realität
ergebende bekannte Betriebsbedingungen berücksichtigt werden.
3. Verfahren nach Anspruch 1 oder 2, dadurch gekennzeichnet,
daß für die Berechnung der Materialmenge die Programmsteue
rung der Beschichtungsmaschine verwendet wird.
4. Verfahren nach einem der vorangehenden Ansprüche, dadurch
gekennzeichnet, daß für die Berechnung der Materialmenge ein
Rechner verwendet wird, der vor Beschichtungsbeginn durch
dieselben Bewegungs- und Applikationssteuerprogramme gesteu
ert wird, mit denen bei der anschließenden Beschichtung die
Beschichtungsmaschine gesteuert wird.
5. Verfahren nach einem der vorangehenden Ansprüche, dadurch
gekennzeichnet, daß die Materialmenge als Produkt aus der
Öffnungsdauer eines Auslaßventils des Applikationsorgans der
Beschichtungsmaschine und der durch die Maschine gegebenen
Größe des Volumenstroms des Beschichtungsmaterials errechnet
wird.
6. Verfahren nach Anspruch 5, dadurch gekennzeichnet, dass
die sich ergebenden Verzögerungen beim Öffnen und Schließen
des Auslaßventils ermittelt und zur Korrektur der Mengenbe
rechnung verwendet werden.
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