EP4709623A1 - Nutzfahrzeug und verfahren zu dessen betrieb - Google Patents
Nutzfahrzeug und verfahren zu dessen betriebInfo
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- EP4709623A1 EP4709623A1 EP24717661.3A EP24717661A EP4709623A1 EP 4709623 A1 EP4709623 A1 EP 4709623A1 EP 24717661 A EP24717661 A EP 24717661A EP 4709623 A1 EP4709623 A1 EP 4709623A1
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Abstract
Die Erfindung betrifft ein Nutzfahrzeug mit mindestens einer Vorderachse und mindestens einer Hinterachse, wobei ein pneumatischer erster Bremskreis (2) der mindestens einen Hinterachse zugeordnet ist, wobei ein pneumatischer zweiter Bremskreis mindestens einer Vorderachse zugeordnet ist, wobei am ersten Bremskreis (2) mindestens ein Versorgungseingang (7) einer Ventileinheit (5) zur Versorgung von Bremszylindern (6) der mindestens einen Hinterachse angeschlossen sind, wobei jeder Versorgungseingang (7) über je ein Wechselventil (8) mit dem ersten Bremskreis (2) verbunden ist, wobei die Wechselventile (8) zudem auch an einem weiteren pneumatischen Kreis angeschlossen sind, so dass die Ventileinheit (5) durch Umschalten der Wechselventile (8) entweder aus dem ersten Bremskreis (2) oder aus dem weiteren pneumatischen Kreis mit Druckluft versorgt wird, wobei eine elektrische Steuerleitung (9) und/oder eine pneumatische Steuerleitung (10) die Ventileinheit (5) mit einem Bremswertgeber des zweiten Bremskreises verbindet.
Description
Nutzfahrzeug und Verfahren zu dessen Betrieb
Die Erfindung betrifft ein Nutzfahrzeug gemäß dem Oberbegriff des Anspruchs 1 und ein Verfahren zum Betrieb des Nutzfahrzeugs gemäß dem Oberbegriff des Anspruchs 3.
Es gibt Fahrzeuge, insbesondere, jedoch nicht ausschließlich, schwere dreiachsige Fahrzeuge und dreiachsige Fahrzeuge mit sehr geringem Vorderachs-Lastanteil, welche aus verschiedenen Gründen bei Ausfall des Hinterachs-Bremskreises das gesetzlich vorgeschriebene Hilfsbremssystem, welches das Anhalten des Fahrzeuges innerhalb einer angemessenen Distanz ermöglichen muss, wenn das Betriebsbremssystem versagt, nicht mit dem noch intakten Vorderachs-Bremskreis der Betriebsbremsanlage darstellen können.
Da der Vorderachs-Bremskreis die gesetzlich vorgeschriebenen Anforderungen des Hilfsbremssystems alleine nicht erfüllen kann, muss auf eine andere Art und Weise eine Bremswirkung an der/den Hinterachse(n) aufgebracht werden. Stand der Technik ist es, dazu die Feststellbremsanlage zu verwenden. Die Feststellbremsanlage muss dazu jedoch erweiterten Anforderungen genügen (Bremswirkung, Dosierbarkeit und Reaktionsvermögen), welche in der Regel nur mit einem erhöhten pneumatischen Bauteil- und Verschaltungsaufwand darzustellen sind.
Zudem ist die genannte Lösung
- für den Fahrer nicht intuitiv zu bedienen,
- schlecht zu dosieren und ohne ABS-Schutz, und
- aufwendig in der pneumatischen Verschaltung.
Der Erfindung liegt die Aufgabe zu Grunde, ein neuartiges Nutzfahrzeug sowie ein neuartiges Verfahren zum Betrieb eines Nutzfahrzeugs anzugeben.
Die Aufgabe wird erfindungsgemäß gelöst durch ein Nutzfahrzeug mit den Merkmalen des Anspruchs 1 sowie durch ein Verfahren mit den Merkmalen des Anspruchs 3.
Vorteilhafte Ausgestaltungen der Erfindung sind Gegenstand der Unteransprüche.
Ein Nutzfahrzeug weist mindestens eine Vorderachse und mindestens eine Hinterachse auf, wobei ein pneumatischer erster Bremskreis der mindestens einen Hinterachse zugeordnet ist, wobei ein pneumatischer zweiter Bremskreis mindestens einer Vorderachse zugeordnet ist, wobei am ersten Bremskreis mindestens ein Versorgungseingang einer Ventileinheit zur Versorgung von Bremszylindern der mindestens einen Hinterachse angeschlossen ist. Die Ventileinheit beinhaltet mindestens ein Relaisventil oder einen Druckmodulator, welcher auch eine ABS-Funktionalität darstellen kann. Erfindungsgemäß ist jeder Versorgungseingang über je ein Wechselventil mit dem ersten Bremskreis verbunden, wobei die Wechselventile zudem auch an einem weiteren pneumatischen Kreis angeschlossen sind, so dass die Ventileinheit durch Umschalten der Wechselventile entweder aus dem ersten Bremskreis oder aus dem weiteren pneumatischen Kreis mit Druckluft versorgt wird, wobei eine elektrische Steuerleitung und/oder eine pneumatische Steuerleitung die Ventileinheit mit einem Bremswertgeber des zweiten Bremskreises verbindet.
Gemäß der vorliegenden Erfindung wird eine redundante Druckluftversorgung des Hinterachsbremskreises durch eine zusätzliche, einfache pneumatische Verbindung zur Sicherstellung der gesetzlichen Anforderung an das Hilfsbremssystem auch bei Versagen des Hinterachsbremskreises mit dem Betriebsbremssystem vorgeschlagen.
Dies ermöglicht eine intuitive Bedienung des Bremssystems: Der Fahrer erreicht die Hilfsbremswirkung durch Betätigen des Fußbremspedals und muss nicht während der Fahrt die Feststellbremse betätigen und hierzu eine Hand vom Lenkrad nehmen. Sofern das Fahrzeug mit ABS ausgestattet ist, ist auch diese Hilfsbremswirkung durch ABS geschützt und nicht, wie bei Verwendung der Feststellbremse, ohne ABS-Schutz. Mit der pneumatischen Verschaltung gemäß der vorliegenden Erfindung kann ein deutlich geringerer pneumatischer Bauteil- und Verschaltungsaufwand im Vergleich zur Verwendung der Feststellbremsanlage erreicht werden.
Ausführungsbeispiele der Erfindung werden im Folgenden anhand einer Zeichnung näher erläutert.
Dabei zeigt:
Fig. 1 eine schematische Teilansicht einer pneumatischen Verschaltung einer Druckluft-Bremsanlage eines Kraftfahrzeugs.
Die einzige Figur 1 ist eine schematische Teilansicht einer pneumatischen Verschaltung einer Druckluft-Bremsanlage 1 eines Kraftfahrzeugs, insbesondere eines Kraftfahrzeugs mit mindestens zwei oder drei Achsen, beispielsweise eines Nutzfahrzeugs, mit einem Mehrkreis-Bremssystem.
Die Druckluft-Bremsanlage 1 weist einen ersten Bremskreis 2 auf, der zumindest einer Hinterachse des Kraftfahrzeugs zugewiesen ist, und einen nicht im Detail dargestellten zweiten Bremskreis, der zumindest einer Vorderachse des Kraftfahrzeugs zugewiesen ist.
Am ersten Bremskreis 2 ist eine Ventileinheit 5 zur Versorgung von Bremszylindern 6 einer oder mehrerer Hinterachsen angeschlossen. Die Ventileinheit 5 weist hierfür ein, zwei oder mehr Versorgungseingänge 7 auf (in Fig. 1 sind beispielhaft zwei gezeichnet), die über jeweils ein Wechselventil 8 mit dem ersten Bremskreis 2 verbunden oder verbindbar sind.
Darüber hinaus sind die Wechselventile 8 auch an einem weiteren pneumatischen Kreis, beispielsweise einem pneumatischen Nebenverbraucherkreis 4 angeschlossen. Durch Umschalten der Wechselventile 8 kann die Ventileinheit 5 daher entweder aus dem ersten Bremskreis 2 oder aus dem Nebenverbraucherkreis 4 mit Druckluft versorgt werden.
Beispielsweise werden federbelastete Wechselventile 8 verwendet.
Um bei einem Ausfall des ersten Bremskreises 2 eine Bremsung des Fahrzeugs auch bei hohem Fahrzeuggewicht und/oder einer geringen Vorderachslast mit einer gesetzlich vorgeschriebenen Mindestverzögerung in möglichst einfacher Weise zu erreichen, wird bei einem Druckabfall im ersten Bremskreis 2 unter einen vordefinierten Schwellenwert die Ventileinheit 5 für die Bremsung der mindestens einen Hinterachse über den Nebenverbraucherkreis 4 und die zwei Wechselventile 8 mit Druckluft versorgt. Eine elektrische Steuerleitung 9 und/oder eine pneumatische Steuerleitung 10 verbindet die Ventileinheit 5 mit einem Bremswertgeber des zweiten Bremskreises.
In einer Ausführungsform ist der erste Bremskreis 2 redundant mit dem Nebenverbraucherkreis 4 gekoppelt. Alternativ kann auch ein anderer Pneumatikkreis verwendet werden, beispielsweise ein einer Luftfederung zugeordneter Pneumatikkreis.
Die Ansteuerung der Ventileinheit 5, welche beispielsweise zwei Druckmodulatoren mit ABS-Funktionalität beinhaltet, erfolgt primär über ein elektronisches Signal 9. Sollte jedoch die Elektronik (z. B. als Folgefehler) ebenfalls ausfallen, so funktioniert die Steuerung der Ventileinheit 5 für die Bremszylinder 6 der Hinterachse noch immer über die pneumatische Steuerleitung 10 vom Bremswertgeber.
Wenn der Bremswertgeber und damit die pneumatische Steuerleitung 10 über den zweiten Bremskreis oder einen weiteren vom ersten Bremskreis 2 unabhängigen Pneumatikkreis versorgt wird, ist es unerheblich, ob die Ventileinheit 5 infolge des pneumatischen Ausfalls des ersten Bremskreises 2 einen vermeintlichen eigenen Fehler detektiert und selbst auf Redundanz geht oder nicht.
Kann man ausschließen, dass der Druckmodulator infolge des pneumatischen Ausfalls des ersten Bremskreises 2 in Redundanz geht, so kann man auf die pneumatische Steuerleitung 10 verzichten, sofern nicht andere Gründe diese Steuerleitung 10 erforderlich machen.
Besteht die Ventileinheit 5 nur aus einem oder mehreren Relaisventilen, welche nur pneumatisch angesteuert werden können, so wird die pneumatische Steuerleitung 10 benötigt. Diese muss bei einem pneumatischen Ausfall des ersten Bremskreises 2 noch funktionsfähig sein, beispielsweise, indem der Bremswertgeber über den zweiten Bremskreis oder einen weiteren vom ersten Bremskreis 2 unabhängigen Pneumatikkreis versorgt wird.
Zusammen mit dem intakten zweiten Bremskreis für die Vorderachse kann so die gesetzlich geforderte Bremswirkung des Hilfsbremssystems mit dem (teilweise ausgefallenen) Betriebsbremssystem auch bei den Fahrzeugen erreicht werden, welche alleine mit dem Vorderachsbremskreis die gesetzlichen Anforderungen nicht erfüllen können. Dies sind vor allem, jedoch nicht nur, schwere Drei-Achs-Fahrzeuge und Drei- Achs-Fahrzeuge, welche einen geringen Vorderachslastanteil haben. Bei den erstgenannten Fahrzeugen ist die Bremskraft an der einzelnen Vorderachse nicht stark genug. Bei den zweitgenannten Fahrzeugen reicht die Achslast nicht aus, um
ausreichend Bremskraft auf die Straße zu übertragen. In beiden Fällen muss also mit der mindestens einen Hinterachse mindestens ergänzend zur Vorderachse gebremst werden.
Bezugszeichenliste Druckluft-Bremsanlage erster Bremskreis Nebenverbraucherkreis Ventileinheit Bremszylinder Versorgungseingang Wechselventil elektronische Steuerleitung pneumatische Steuerleitung
Claims
1. Nutzfahrzeug mit mindestens einer Vorderachse und mindestens einer Hinterachse, wobei ein pneumatischer erster Bremskreis (2) der mindestens einen Hinterachse zugeordnet ist, wobei ein pneumatischer zweiter Bremskreis der mindestens einen Vorderachse zugeordnet ist, wobei am ersten Bremskreis (2) mindestens ein Versorgungseingang (7) einer Ventileinheit (5), welche mindestens ein Relaisventil oder mindestens einen Druckmodulator enthält, zur Versorgung von Bremszylindern (6) der mindestens einen Hinterachse angeschlossen sind, dadurch gekennzeichnet, dass jeder Versorgungseingang (7) über je ein Wechselventil (8) mit dem ersten Bremskreis (2) verbunden ist, wobei die Wechselventile (8) zudem auch an einem weiteren pneumatischen Kreis angeschlossen sind, so dass die Ventileinheit (5) durch Umschalten der Wechselventile (8) entweder aus dem ersten Bremskreis (2) oder aus dem weiteren pneumatischen Kreis mit Druckluft versorgt wird, wobei eine elektrische Steuerleitung (9) und/oder eine pneumatische Steuerleitung (10) die Ventileinheit (5) mit einem Bremswertgeber des zweiten Bremskreises verbindet.
2. Nutzfahrzeug nach Anspruch 1, dadurch gekennzeichnet, dass der weitere pneumatische Kreis ein pneumatischer Nebenverbraucherkreis (4) oder der zweite Bremskreis oder ein einer Luftfederung zugeordneter Pneumatikkreis ist.
3. Verfahren zum Betrieb eines Nutzfahrzeugs nach einem der Ansprüche 1 oder 2, wobei die Ventileinheit (5) in einem Normalbetrieb mit Druckluft aus dem ersten Bremskreis (2) versorgt wird,
dadurch gekennzeichnet, dass bei einem Druckabfall im ersten Bremskreis (2) unter einen vordefinierten Schwellenwert die Ventileinheit (5) für die Bremsung der mindestens einen Hinterachse über den weiteren pneumatischen Kreis, insbesondere den Nebenverbraucherkreis (4), mit Druckluft versorgt wird.
Applications Claiming Priority (2)
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