EP4702396A1 - Brillenglas zum myopie management mit dualer progressionskontrolle - Google Patents
Brillenglas zum myopie management mit dualer progressionskontrolleInfo
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- EP4702396A1 EP4702396A1 EP24722179.9A EP24722179A EP4702396A1 EP 4702396 A1 EP4702396 A1 EP 4702396A1 EP 24722179 A EP24722179 A EP 24722179A EP 4702396 A1 EP4702396 A1 EP 4702396A1
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Abstract
Die Erfindung betrifft insbesondere ein Brillenglas (10), welches umfasst: einen zentralen Hauptdurchblicksbereich (20), mit einer im Wesentlichen konstanten Brechkraft; und einen zumindest horizontal beidseitig an den zentralen Hauptdurchblicksbereich (20) angrenzenden Funktionsbereich (18; 19), welcher im Vergleich zum zentralen Hauptdurchblicksbereich (20) einen zusätzlichen Funktionseffekt aufweist, der zumindest eine dioptrische Zusatzwirkung und/oder eine Kontrastminderung im Vergleich zum zentralen Hauptdurchblicksbereich (20) umfasst, wobei der zusätzliche Funktionseffekt im Wirkungsbereich (18, 19) durch eine Kombination zumindest einer ersten Flächenstrukturcharakteristik und einer insbesondere von der ersten Flächenstrukturcharakteristik unterschiedlichen zweiten Flächenstrukturcharakteristik des Brillenglases (10) bewirkt wird.
Description
Brillenglas zum Myopie Management mit dualer Progressionskontrolle
Beschreibung
Die Erfindung betrifft ein Brillenglas mit einer speziellen Verteilung optischer Zusatzwirkungen zur Verbesserung des langfristigen Tragekomforts mit gleichzeitig verbesserter Wahrnehmung.
Unter Myopie-Management versteht man den Versuch, anormales Längenwachstum des Auges insbesondere bei Kindern und Jugendlichen, welches zu starker Kurzsichtigkeit führt und unter anderem durch einen zivilisationsbedingten Lebenswandel (wenig Aufenthalt draußen und viel Naharbeit) hervorgerufen wird, unter Kontrolle zu bringen. Ein möglicher Ansatz, um die Progression von Myopie zu kontrollieren, ist das Tragen von speziellen Brillengläsern, welche versuchen, die Fokusebene des Gesichtsfeldes in der Peripherie vor die Netzhaut zu ziehen und so das Längenwachstum des Auges zu bremsen.
Eine Möglichkeit sind Brillengläser mit einem Design ähnlich eines Gleitsichtglas, die in der Peripherie durch eine Addition in der Wirkung die Fokusebene im peripheren Gesichtsfeld vor die Netzhaut bringen. (z.B. US 7,025,460, EP 1 934 648 B1 , WO 2017/222421 A1 , DE 10 2009 053 467 B4). Andere Varianten an Brillengläsern haben eine Vielzahl an kleinen zusätzlichen Wirkungselementen (Lenslets, u.ä.), die über das Brillenglas verteilt sind und eine zweite Fokusebene vor der Netzhaut erzeugen. (z.B. CN 104678572 B, US 10268050 B2, WO 2019/166653 A1 , US 8950860 B2, US 10901237 B2, US 11061255 B2). Eine weitere Möglichkeit ist das Einbringen von kleinen Streuern, die den Kontrast in der Peripherie mindern und damit die Progression der Myopie hemmen (z.B. WO 2018/026697 A1 ).
All diesen Brillengläsern ist gemein, dass sie einen zentralen Bereich besitzen, der
eine gute Sicht durch eine der Verschreibung einer entsprechenden Korrekturwirkung aufweist, sowie eine periphere Zone, die, aufgrund von Maßnahmen zum Myopie- Management (Lenslets, Wirkungsanstieg oder Streuer), keine gute Sicht ermöglicht. Die Größeder zentralen Zone ist maßgeblich für die Verträglichkeit der Brille, die Größe und Wirkung des peripheren Wirkungsbereichs für den Erfolg des Myopie- Managements. Das Verhältnis der beiden Zonen ist üblicherweise durch das Glasdesign bestimmt und für alle Korrektionswirkungen gleich. Vorschläge einer Anpassungen der Zonen an das individuelle Auge werden beispielsweise in EP 3 966 626 A1 beschrieben. Diese basieren auf zusätzlichen Messungen, entweder als periphere Refraktion oder mittels eines psychophysikalischen Verfahrens.
Bisher wurden verschiedene optische Wirkungen bezüglich Verträglichkeit und Komfort ophthalmischer Linsen, insbesondere Brillengläser, hinsichtlich ihres Einflusses auf Myopie und/oder Hyperopie sowie deren Progression bzw. Entwicklung in Abhängigkeit der optischen und physiologischen Mechanismen, die eine Progression bzw. ein Voranschreiten, insbesondere eine Verschlechterung, erklären oder verlangsamen sollen, untersucht. Die bestehenden Ansätze basieren im Wesentlichen darauf, das Bild vor die Netzhaut abzubilden, da dadurch das Längenwachstum des Auges gebremst werden soll. Hierbei hat sich gezeigt, dass es ausreichend (oder sogar besser) ist, wenn dies nur in der Peripherie der Netzhaut geschieht.
Gerade bei Brillengläsern zur Korrektur von Myopie führt die oft merkliche Tendenz einer Progression der Myopie dazu, dass der Tragekomfort einmal angepasster Brillengläser und damit auch die Zufriedenheit des Brillenträgers und die Verträglichkeit der Brille nach kurzer Zeit wieder sinken.
Eine Aufgabe der vorliegenden Erfindung besteht darin, eine anhaltende Verträglichkeit einer Brille oder eines Brillenglases zu verbessern und damit einen langfristigen Tragekomfort kostengünstig zu erreichen. Diese Aufgabe wird erfindungsgemäß durch den Gegenstand der unabhängigen Ansprüche gelöst. Bevorzugte Ausführungsformen sind Gegenstand der abhängigen Ansprüche.
Somit betrifft die Erfindung in einem Aspekt insbesondere ein Brillenglas, welches einen zentralen Hauptdurchblicksbereich mit einer im Wesentlichen konstanten Brechkraft und vorzugsweise einem im Wesentlichen konstanten Abbildungskontrast und einen vorzugsweise zumindest horizontal beidseitig an den zentralen Hauptdurchblicksbereich angrenzenden Funktionsbereich umfasst, welcher im Vergleich zum zentralen Hauptdurchblicksbereich einen zusätzlichen Funktionseffekt aufweist, der zumindest eine dioptrische Zusatzwirkung und/oder eine Kontrastminderung im Vergleich zum zentralen Hauptdurchblicksbereich umfasst, wobei der zusätzliche Funktionseffekt im Funktionsbereich durch eine Kombination zumindest einer ersten Flächenstrukturcharakteristik und einer (von der ersten Flächenstrukturcharakteristik unterschiedlichen) zweiten Flächenstrukturcharakteristik des Brillenglases bewirkt wird.
Gerade durch die Kombination unterschiedlicher Funktionseffekte durch unterschiedliche Strukturcharakteristika des Brillenglases zum Myopie-Management kann ein hohes Maß an Wirksamkeit zur Reduktion der Progression von Myopie erreicht werden, während dennoch unerwünschte Nebeneffekte der einzelnen Maßnahmen vergleichsweise gering gehalten werden können. Solche unerwünschten Nebeneffekte herkömmlicher Brillengläser zum Myopie-Management sind durchaus bekannt und werden dort stets durch eine Bemühung um eine Balance zwischen Wirksamkeit und Verträglichkeit im akzeptablen Rahmen gehalten. Dies wird dabei insbesondere durch eine geeignete Verteilung und Ausprägung des jeweiligen Effekts zu erreichen versucht.
Durch die erfindungsgemäße Kombination unterschiedlicher Effekte allerdings kann dieser Kompromiss deutlich stärker zugunsten einer Myopie-Stoppwirkung getroffen werden, ohne die einzelnen unerwünschten Nebeneffekte stark ansteigen zu lassen. So ist durchaus bekannt, dass Brillengläser ähnlich eines Gleitsichtglases mit einem peripheren Wirkungsanstieg (d.h. einer peripheren dioptrischen Zusatzwirkung) den Durchblick in der Peripherie aufgrund dieser Zusatzwirkung erschweren und die typischen weiteren Nachteile eines Gleitsichtglases (z.B. Astigmatismus im Glas,
Verzeichnungen, Schaukeleffekte) aufweisen. Brillengläser mit Mikrolinsen (Lenslets) schränken die Sicht insbesondere durch Kontrastminderung und Zweitbilder ein. Durch die erfindungsgemäße Kombination solcher unterschiedlichen Wirkungsmechanismen können sich diese in der Wirkung zum Myopie-Management verstärken oder ergänzen, während die einzelnen unerwünschten Nebeneffekte für sich betrachtet relativ gering gehalten werden können. Dabei hat sich insbesondere herausgestellt, dass es für die Verträglichkeit eines Brillenglases vorteilhaft ist, solche unerwünschten Nebeneffekte in ihrem Betrag gering zu halten, selbst wenn dafür mehrere unterschiedliche Nebeneffekte gleichzeitig auftreten. Andersherum bietet die Erfindung damit die Möglichkeit, die Wirksamkeit der Brillengläser zum Myopie-Management gegenüber herkömmlichen Gläsern zu steigern, bei gleichzeitiger Beibehaltung der Verträglichkeit.
Als erste und/oder zweite Flächenstrukturcharakteristik wird insbesondere eine Flächenform bzw. Flächenwirkung verstanden, die von einer reinen bzw. einfachen sphärischen Form bzw. Wirkung, vorzugsweise auch von einer astigmatischen Flächenform bzw. Wirkung abweicht. In einem Aspekt weicht die optische Wirkung der ersten und/oder zweiten Flächenstrukturcharakteristik von einer Fläche zur reinen Sehfehlerkorrektur ab.
Vorzugsweise umfasst die erste und/oder die zweite Flächenstrukturcharakteristik: eine progressive Flächenbrechkraft; und/oder eine Mikrolinsenanordnung (Mikrolinsenfeld); und/oder eine Kontrastminderung.
Die progressive Flächenbrechkraft wird dabei insbesondere durch eine kontinuierliche Freiformfläche des Brillenglases erreicht, wobei die Flächenkrümmung der Vorder- und/oder Rückfläche des Brillenglases vom zentralen Hauptdurchblicksbereich zum Funktionsbereich hin bzw. innerhalb des Funktionsbereichs derart kontinuierlich verändert wird, dass der Funktionsbereich zumindest teilweise eine höhere Brechkraft bewirkt als die im Wesentlichen konstante Brechkraft im zentralen Hauptdurchblicksbereich, so dass der Teil des Lichtes, der durch diesen Funktionsbereich verläuft, vor der Netzhaut abgebildet wird, um dem Längenwachstum
des Auges entgegenzuwirken. Mit anderen Worten bewirkt die progressive Flächenbrechkraft der ersten und/oder zweiten Flächenstrukturcharakteristik vorzugsweise zumindest teilweise eine positiv dioptrische Zusatzwirkung, d.h. die Flächenbrechkraft im Funktionsbereich ist dann vorzugsweise zumindest teilweise weniger negativ oder stärker positiv als im zentralen Hauptdurchblicksbereich.
Insbesondere ist die erste und/oder die zweite Flächenstrukturcharakteristik als Mikrostrukturen, insbesondere als Mikrolinsen (insbesondere Noppen des Brillenglaskörpers, auch Lenslets genannt) ausgebildet, so dass der Teil des Lichtes, der durch diese Mikrolinsen (Lenslets) geht, vor der Netzhaut abgebildet wird, um dem Längenwachstum des Auges entgegenzuwirken. Dazu weisen die Lenslets vorzugsweise eine positiv-dioptrische Zusatzwirkung auf. Als solche Lenslets können sowohl „klassische kreisförmige Lenslets (z.B. CN 104678572 B), als auch astigmatische (WO 2019/166653 A1 ) oder auch ringförmige Strukturen (WO 2021/047488 A1 ) verwendet werden, insbesondere alles, was eine Unstetigkeit zwischen der Grundwirkung und den (kleinen) Strukturelementen hat und eine entsprechende Zusatzwirkung erzeugt.
Als weitere Möglichkeit für die erste und/oder zweite Flächenstrukturcharakteristik wären noch Brillengläser mit Streuern (z.B. WO 2019/152428 A1 ) bevorzugt einsetzbar, um eine Kontrastminderung zu bewirken. Eine Kontrastminderung wird insbesondere durch eine Diffusorstruktur (Lichtstreuer) als erste und/oder zweite Flächenstrukturcharakteristik bewirkt. In einem Aspekt bewirken dabei Mikrostrukturen im Funktionsbereich zumindest teilweise die Kontrastminderung. Dazu umfassen die Mikrostrukturen vorzugsweise Oberflächenrauigkeiten, die eine Mattigkeit der optischen Abbildung bewirken. Diese Mattigkeit führt dann zur Kontrastminderung. Dabei bleibt der zentrale Hauptdurchblicksbereich vorzugsweise im Wesentlichen klar, während die Kontrastminderung lediglich im Funktionsbereich erzeugt wird. Diese Kontrastminderung trägt dazu bei, dass der entsprechende (periphere) Sehbereich keinen oder weniger Anreiz für ein Längenwachstum des Auges liefert. Besonders wirkungsvoll ist diese Kontrastminderung, wenn die dabei bewirkte Perzeption (bzw. der Perzeptionsgrad) im Bereich der Kontrastminderung im Bereich von zumindest
etwa 0,5, vorzugsweise im Bereich von zumindest etwa 0,7 liegt. Vorzugsweise ist die Perzeption durch die Kontrastminderung nicht größer als etwa 0,9, noch mehr bevorzugt nicht größer als etwa 0,8.
Als Perzeption soll hier insbesondere der Faktor verstanden werden, um den der Visus (also die Sehschärfe) gemindert wird, wobei hier insbesondere eine gemäß DIN 58220 Teil 3 auf den Wert 1 bestimmte Sehschärfe als Referenz angenommen wird. Somit bedeutet eine Perzeption von 0 (<0,1 ) eine im Wesentlichen vollständige Okklusion und 1 im Prinzip eine vollständige Transparenz. Diese Eigenschaften ergeben sich insbesondere bei einer Anordnung des Brillenglases in einer Position mit einem typischen Hornhaut-Scheitel-Abstand (HSA), d.h. insbesondere bei zumindest einem Wert des HSA im Bereich von etwa 11 mm bis etwa 18 mm, besonders bevorzugt bei zumindest einem Wert des HSA von etwa 13 mm oder etwa 14 mm.
Alternativ oder zusätzlich zur Einhaltung der hier vorgeschlagenen Wertebereiche für die Perzeption kann es besonders bevorzugt sein, wenn die von der Mikrostruktur im Wirkungsbereich bewirkte Kontrastminderung zu einem Haze-Wert (insbesondere % haze) gemäß der Norm ASTM D-1003 im Bereich von nicht mehr als etwa 10, vorzugsweise im Bereich von nicht mehr als etwa 2 führt, und wobei vorzugsweise die von der Mikrostruktur im Wirkungsbereich bewirkte Kontrastminderung zu einem Haze-Wert gemäß der Norm ASTM D-1003 im Bereich von zumindest etwa 0,1 , insbesondere zumindest etwa 0,5 führt.
Besonders bevorzugt weist der Wirkungsbereich im Falle einer Kontrastminderung dennoch eine Transmission (insbesondere einen Wert einer Luminous Tramsmittance gemäß der Norm ASTM D-1003) von zumindest 85, noch weiter bevorzugt zumindest 90 auf. Damit wird sichergestellt, dass das Brillenglas auch im Falle einer Kontrastminderung das Licht nicht vollständig abblockt (z.B. absorbiert und/oder reflektiert) und damit das Sehfeld abdunkelt, sondern dass das Licht lediglich (teilweise) gestreut wird. Dadurch bleibt der Helligkeitseindruck weitgehend erhalten und es wird verhindert, dass sich die Pupille (aufgrund verringerten Lichteinfalls) merklich vergrößert.
Die Werte sowohl für Haze als auch für Luminous Transmittance gemäß der Norm ASTM D-1003 können beispielsweise mittels des Messgeräts „haze-gard plus“ von BYK Additives and Instruments ermittelt oder überprüft werden.
Alle Kombinationen der beschriebenen oder weiterer Ansätze wären möglich, wobei besonders bevorzugt eine Kombination von Lenslets oder Streuern mit einer Freiformfläche ist, da sich dann die unterschiedlichen optischen Fehler (Unstetigkeiten und nicht koaxiale Bereiche auf der einen Seite, großflächiger Wirkungsanstieg und Verzerrung auf der anderen Seite) jeweils anders auf das Sehempfinden auswirken.
Somit umfasst in einer besonders bevorzugten Ausführungsform die erste Flächenstrukturcharakteristik Mikrostrukturen, insbesondere in Form von Mikrolinsen (Lenslets), die eine im Vergleich zum zentralen Hauptdurchblicksbereich erste positiv dioptrische Zusatzwirkung bewirken, wobei die zweite Flächenstrukturcharakteristik insbesondere eine progressive Flächenbrechkraft umfasst, die eine im Vergleich zum zentralen Hauptdurchblicksbereich zweite positiv dioptrische Zusatzwirkung bewirkt.
In einer weiteren, besonders bevorzugten Ausführungsform umfasst die erste Flächenstrukturcharakteristik optische Streuer, die eine Kontrastminderung im Vergleich zum zentralen Hauptdurchblicksbereich bewirken, wobei die zweite Flächenstrukturcharakteristik eine progressive Flächenbrechkraft umfasst, die eine im Vergleich zum zentralen Hauptdurchblicksbereich zweite positiv dioptrische Zusatzwirkung bewirkt.
Es wäre insbesondere auch möglich, drei unterschiedliche Flächenstrukturcharakteristika zu kombinieren und damit Zusammenwirken zu lassen, bzw. als erste Flächenstrukturcharakteristik mehrere Effekte (z.B. Mikrolinsen und optische Streuer) zu kombinieren und damit Zusammenwirken zu lassen.
Ein Zusammenwirken der ersten und zweiten Flächenstrukturcharakteristik kann auf verschiedene Weise geschehen. Je nach Ausführungsform können sich die
unterschiedlichen Flächenstrukturcharakteristika den Funktionsbereich zumindest teilweise flächenmäßig derart aufteilen, dass in manchen Bereichen (d.h. für manche Durchblickspunkte) die eine Flächenstrukturcharakteristik überwiegend oder allein den Funktionseffekt zur Myopie-Kontrolle dominiert oder bereitstellt, während alternativ oder zusätzlich in anderen Bereichen die andere Flächenstrukturcharakteristik überwiegend oder allein den Funktionseffekt zur Myopie-Kontrolle dominiert oder bereitstellt. Alternativ oder zusätzlich ist es auch möglich, dass zumindest in Teilen (also für manche Durchblickspunkte) des Funktionsbereichs die erste und die zweite Flächenstrukturcharakteristik zusammen den Funktionseffekt bewirken.
In einer besonders bevorzugten Ausführungsform ist die erste Flächenstrukturcharakteristik an der Vorderfläche des Brillenglases und die zweite Flächenstrukturcharakteristik an der Rückfläche des Brillenglases ausgebildet. Derartige Brillengläser können besonders einfach hergestellt werden, wobei die erste und zweite Flächenstrukturcharakteristik effizient Zusammenwirken können, ohne sich gegenseitig ungünstig zu beeinträchtigen. Als „Vorderfläche“ bzw. „Rückfläche“ des Brillenglases werden dabei insbesondere die Vorderfläche bzw. Rückfläche eines Brillenglasgrundkörpers verstanden. Diese muss nicht immer einer der Oberflächen des fertigen Brillenglases entsprechen. Vielmehr ist es auch möglich, dass der Brillenglasgrundkörper (z.B. nach Formung der Vorder- und/oder Rückfläche noch mit einer oder mehreren Beschichtungen versehen wird. Als solche Beschichtungen können beispielsweise Schutzbeschichtungen, Deckschichten, Hartbeschichtungen, Farbbeschichtungen, Antireflexbeschichtungen, Anti-Fog-Beschichtungen, usw. in Frage kommen.
In einer bevorzugten Ausführungsform umfasst der Funktionsbereich zumindest einen Kombinationswirkungsbereich derart, dass für jeden Durchblickspunkt des Brillenglases innerhalb des Kombinationswirkungsbereichs der Funktionseffekt von der Kombination der ersten und der zweiten Flächenstrukturcharakteristik bewirkt wird. Alternativ oder zusätzlich umfasst der Funktionsbereich in einer bevorzugten Ausführungsform zumindest einen ersten und/oder einen zweiten Exklusivwirkungsbereich derart, dass für jeden Durchblickspunkt des Brillenglases
innerhalb des ersten bzw. zweiten Exklusivwirkungsbereichs der Funktionseffekt allein von der ersten bzw. von der zweiten Flächenstrukturcharakteristik bewirkt wird. Mit anderen Worten ist es in einer Ausführungsform bevorzugt, wenn beispielsweise in einem ersten Exklusivwirkungsbereich die zweite Flächenstrukturcharakteristik nicht wirkt bzw. nicht vorhanden ist und/oder wenn in einem zweiten Exklusivwirkungsbereich die erste Flächenstrukturcharakteristik nicht wirkt bzw. nicht vorhanden ist.
Damit können die für gewisse Nutzungsbereiche (d.h. Sichtfeldbereiche) des Brillenglases besonders kritischen (also weniger verträglichen) unerwünschten Nebeneffekte sehr effizient selektiv unterdrückt werden, ohne den Funktionseffekt zur Myopie-Kontrolle zu beeinträchtigen. Somit ist insbesondere in einer bevorzugten Ausführungsform der zentrale Hauptdurchblicksbereich vollständig von einem ersten Exklusivwirkungsbereich umgeben, an welchen sich ein Kombinationswirkungsbereich anschließt. Dabei umfasst besonders bevorzugt die erste Flächenstrukturcharakteristik Mikrolinsen während die zweite Flächenstrukturcharakteristik insbesondere eine progressive Flächenbrechkraft umfasst.
So kann es beispielsweise besonders vorteilhaft sein, direkt an den Hauptdurchblicksbereich angrenzend zunächst nur (oder überwiegend) Mikrostrukturen (z.B. Mikrolinsen/Lenslets) zur Erzeugung des Funktionseffekts (insbesondere in Form einer positiv dioptrischen Zusatzwirkung) einzusetzen und deren Wirkung zur Peripherie des Brillenglases hin durch einen Anstieg einer progressiven Flächenbrechkraft (positiv dioptrische Zusatzwirkung) zu ergänzen oder (teilweise) zu ersetzen. Dies ermöglicht bereits in der Nähe des zentralen Hauptdurchblicksbereichs einen effektiven und sehr wirksamen Funktionseffekt zum Myopie-Management, während durch den langsameren Anstieg der Flächenbrechkraft die astigmatischen Nebeneffekte sehr gering gehalten werden können. Gleichzeitig wird insbesondere im Peripheriebereich die Entstehung von Zweitbildern geringgehalten bzw. unterdrückt.
In einer bevorzugten Ausführungsform umfasst das Brillenglas: einen durchgängigen Kanalbereich, welcher sich von einem oberen Rand zu einem unteren Rand des Brillenglases durchgängig erstreckt und den zentralen Hauptdurchblicksbereich umfasst; und einen horizontal beidseitig an den durchgängigen Kanalbereich angrenzenden und sich jeweils vom oberen zum unteren Rand des Brillenglases durchgängig erstreckenden Kombinationswirkungsbereich, wobei eine von der zweiten Flächenstrukturcharakteristik bewirkte dioptrische Zusatzwirkung des Brillenglases beidseits des Kanalbereichs vom Kanalbereich weg ansteigt.
Besonders bevorzugt ist in dieser Ausführungsform, wenn der Kanalbereich einen ersten oberen und einen ersten unteren Exklusivwirkungsbereich umfasst, in welchem die Zusatzwirkung im Wesentlichen durch die erste Flächenstrukturcharakteristik erzeugt wird, welche insbesondere Mikrolinsen umfasst, während die zweite Flächenstrukturcharakteristik eine progressive Flächenbrechkraft (mit positiv dioptrischer Zusatzwirkung) umfasst.
Im Vergleich zu Brillengläsern, deren zentrale Zone vollständig von Pluswirkung durch eine progressive Flächenbrechkraft umringt wird, wird bei dieser Variante mit nur lateraler Progression der Flächenbrechkraft die Verträglichkeit aufgrund einer damit erreichten deutlichen Reduktion von Verzeichnungen in allen Richtungen verbessert, obwohl der Funktionseffekt durch die erste Flächenstrukturcharakteristik (z.B. in Form von Mikrolinsen) in allen Richtungen sehr effizient umgesetzt wird und damit auch die Myopie-Kontrolle sehr wirksam ist. Damit wird eine hohe Verträglichkeit bei gleichzeitig guter Unterdrückung einer Myopieprogression erreicht.
Die Richtungen „unten“ und „oben“ (und davon abgeleitete Bezeichnungen wie z.B. „unterhalb“ und „oberhalb“) sowie Bezeichnungen für Richtungen „nasal“, „temporal“, „horizontal“ und „vertikal“ werden in dieser Beschreibung immer in Bezug auf die Gebrauchsstellung des Brillenglases gesehen, welche insbesondere durch die Zentrierdaten für das Brillenglas festgelegt ist. Dabei wird vorzugsweise als
„unterer“ und „oberer“ Rand des Brillenglases ein Randabschnitt einer unteren bzw. oberen Hälfte, weiter bevorzugt eines unteren bzw. oberen Drittels, noch weiter bevorzugt eines unteren bzw. oberen Viertels, einer Brillenglasfläche (Vorderfläche und/oder Rückfläche) des Brillenglases verstanden. Besonders bevorzugt bezeichnet ein oberer bzw. unterer Rand: insbesondere einen Abschnitt des Randes des gesamten Brillenglases, der die obersten bzw. untersten 20%, vorzugsweise 15%, noch mehr bevorzugt 10%, am meisten bevorzugt 5%, der vertikalen Höhe des Brillenglases begrenzt. Das in dieser Beschreibung bezeichnete Brillenglas kann insbesondere ein bereits gerandetes bzw. eingeschliffenes (fertiges) Brillenglas oder ein rohrundes Brillenglas sein.
In einem weiteren Aspekt betriff die Erfindung ein Verfahren zur Herstellung eines Brillenglases, insbesondere eines der hier beschriebenen Brillengläser, wobei das Verfahren ein Erzeugen der ersten Flächenstrukturcharakteristik auf einer Vorderfläche des Brillenglases und ein Erzeugen der zweiten Flächenstrukturcharakteristik auf einer Rückfläche des Brillenglases umfasst. Dies ist besonders bevorzugt wenn, dabei die erste Flächenstrukturcharakteristik beim Gießen eines Brillenglas-Halbfabrikats erzeugt wird und insbesondere Mikrolinsen umfasst. Alternativ oder zusätzlich ist es besonders vorteilhaft wenn dabei die zweite Flächenstrukturcharakteristik durch Schleifen der Rückfläche erzeugt wird und insbesondere eine progressive Flächenbrechkraft umfasst.
Schließlich betrifft die Erfindung eine Verwendung eines der hier beschriebenen Brillengläser zur Kompensation einer myopen Fehlsichtigkeit und/oder zur Reduktion der Progression von Myopie.
Nachfolgend wird die Erfindung anhand bevorzugter Ausführungsformen mit Bezug auf die beigefügten Zeichnungen weiter beschrieben. Dabei zeigen:
Fig. 1 eine schematische Darstellung einzelner Bereiche auf einem Brillenglas gemäß einer bevorzugten Ausführungsform;
Fig. 2 eine schematische Darstellung einer beispielhaften
Brechkraftverteilung als zweite Flächenstrukturcharakteristik in einem Brillenglas gemäß einer bevorzugten Ausführungsform;
Fig. 3 eine schematische Querschnittsansicht einer Brillenglasvorderfläche zur Veranschaulichung von Mikrolinsen als Beispiel einer ersten Flächenstrukturcharakteristik in einem Brillenglas gemäß einer bevorzugten Ausführungsform; und
Fig. 4 eine schematische Darstellung einer beispielhaften Verteilung von
Mikrolinsen als erste Flächenstrukturcharakteristik in einem Brillenglas gemäß einer bevorzugten Ausführungsform.
Eine bevorzugte Ausführungsform eines Brillenglases zur Myopiekontrolle mit dualer Progressionskontrolle kombiniert die Ansätze „Lenslets“ und „peripherer Wirkungsanstieg“, wobei sich der Ansatz „Lenslets“ auf der Vorderfläche des Brillenglases und der Ansatz „peripherer Wirkungsanstieg“ auf der Rückfläche des Brillenglases befindet. Beispielhafte Implementierungen dieser bevorzugten Ausführungsform werden im Folgenden mit Verweis auf die Figuren 1 bis 4 beschrieben:
Fig. 1 zeigt eine schematische Verteilung einzelner Bereiche auf einem Brillenglas 10 gemäß einer bevorzugten Ausführungsform. Dabei umfasst das Brillenglas 10 insbesondere einen zentralen Hauptdurchblicksbereich 20, mit einer im Wesentlichen konstanten Brechkraft. In dieser Ausführungsform ist der zentrale Hauptdurchblicksbereich 20 von einem Funktionsbereich umgeben, der in diesem Fall einen Exklusivwirkungsbereich 19 und einen Kombinationswirkungsbereich 18 umfasst. Der Funktionsbereich 18, 19 weist im Vergleich zum zentralen Hauptdurchblicksbereich 20 einen zusätzlichen Funktionseffekt auf, der in der hier dargestellten bevorzugten Ausführungsform zumindest eine dioptrische Zusatzwirkung im Vergleich zum zentralen Hauptdurchblicksbereich 20 umfasst. Dabei wird der zusätzliche Funktionseffekt im Funktionsbereich 18, 19 durch eine
Kombination einer ersten Flächenstrukturcharakteristik und einer zweiten Flächenstrukturcharakteristik des Brillenglases 10 bewirkt.
In der hier dargestellten Ausführungsform wird die erste Flächenstrukturcharakteristik insbesondere von Mikrolinsen gebildet, welche zumindest einen Teil der dioptrischen Zusatzwirkung im Vergleich zum zentralen Hauptdurchblicksbereich 20 bewirken. Die zweite Flächenstrukturcharakteristik wird insbesondere von einer progressiven Flächenbrechkraft gebildet, die wiederum ebenfalls zumindest einen Teil der dioptrischen Zusatzwirkung im Vergleich zum zentralen Hauptdurchblicksbereich 20 bewirkt. Besonders bevorzugt ist in dieser Ausführungsform die erste Flächenstrukturcharakteristik auf der Vorderfläche und die zweite Flächenstrukturcharakteristik auf der Rückfläche des Brillenglases 10 ausgebildet.
Dabei wird insbesondere im Exklusivwirkungsbereich 19 der Funktionseffekt im Wesentlichen nur von der ersten Flächenstrukturcharakteristik erzeugt, während im Kombinationswirkungsbereich 18 der Funktionseffekt durch beide Flächenstrukturcharakteristika zusammen (also in Summe) erzeugt wird. Mit anderen Worten tritt innerhalb des Exklusivwirkungsbereichs 19 vorzugsweise im Wesentlichen keine progressive Flächenbrechkraft als Beitrag zur positiv dioptrischen Zusatzwirkung des Funktionseffekts auf. Insbesondere trägt im Exklusivwirkungsbereich 19 eine progressive Flächenbrechkraft zu nicht mehr als etwa 20%, vorzugsweise nicht mehr als etwa 10% am meisten bevorzugt nicht mehr als etwa 5% zur positiv dioptrischen Zusatzwirkung bei. Vorzugsweise trägt innerhalb des Kombinationswirkungsbereichs 18 jede der beiden Flächenstrukturcharakteristika zumindest zu etwa 10%, noch mehr bevorzugt zumindest zu etwa 20%, am meisten bevorzugt zumindest zu etwa 25% zur positiv dioptrischen Zusatzwirkung bei.
Während der Exklusivwirkungsbereich 19 in dieser bevorzugten Ausführungsform den zentralen Hauptdurchblicksbereich 20 vollständig umgibt, schließt sich der Kombinationswirkungsbereich 18 beidseitig lateral an den Exklusivwirkungsbereich 19 an. Auf diese Weise bilden in der dargestellten beispielhaften Ausführungsform der Exklusivwirkungsbereich 19 und der zentrale Hauptdurchblicksbereich 20 zusammen
einen durchgängigen Kanalbereich. Dieser Kanalbereich ist somit ein Bereich, der in dieser Ausführungsform im Wesentlichen frei ist von der zweiten Flächenstrukturcharakteristik. In der nachfolgend noch beschriebenen Fig. 2 wird dieser Kanalbereich mit dem Bezugszeichen 12 dargestellt.
Dabei erstreckt sich der Kanalbereich 12 von einem oberen Rand 14 des Brillenglases 10 durchgängig bis zu einem unteren Rand 16 des Brillenglases 10. Dieser Kanalbereich 12 wird nasal und temporal von einem jeweiligen nasalen Wirkungsabschnitt 18n bzw. temporalen Wirkungsabschnitt 18t des Kombinationswirkungsbereichs 18 umgeben, die insbesondere entlang einer jeweiligen nasalen Kanalgrenzlinie 26n bzw. temporalen Kanalgrenzlinie 26t direkt an den Kanalbereich 12 angrenzen (Fig. 2).
Fig. 2 zeigt eine schematische Darstellung einer beispielhaften Variation der Brechkraftverteilung durch die insbesondere rückflächig implementierte zweite Flächenstrukturcharakteristik in Form einer progressiven Flächenbrechkraft in einem Brillenglas 10 gemäß einer bevorzugten Ausführungsform. Diese schematische Darstellung könnte dem Grunde nach insbesondere einem Brillenglas 10 aus Fig. 1 entsprechen. So erstreckt sich hier wiederum der Kanalbereich 12 vom oberen Rand 14 des Brillenglases 10 zum unteren Rand 16 des Brillenglases. An diesen Kanalbereich 12 grenzen seitlich der nasale Wirkungsabschnitt 18n und der temporale Wirkungsabschnitt 18t an.
Die zusätzlich zum gesamten Randverlauf des Brillenglases in Fig. 2 dargestellten Linien repräsentieren Linien (Isolinien) gleicher Flächenbrechkraft der Rückfläche des Brillenglases 10. Beispielsweise könnten die Brechkraftabstände benachbarter Linien in Fig. 2 jeweils eine Differenz von 0,5 dpt bezeichnen. Wie daraus zu erkennen ist, liegt der gesamte Kanalbereich 12 in einem Bereich mit im Wesentlichen konstanter Flächenbrechkraft. Für das gesamte Brillenglas 10 bedeutet dies, dass hier entweder die gesamte Brechkraft des Brillenglases im Wesentlichen konstant ist (wie dies insbesondere im zentralen Hauptdurchblicksbereich 20 der Fall ist) oder der Funktionseffekt von der ersten Flächenstrukturcharakteristik geprägt wird (wie dies im
Exklusivwirkungsbereich 19 der Fall ist).
Unabhängig vom absoluten Wert der Brechkraft weist das Brillenglas 10 in der Darstellung von Fig. 2 im Kanalbereich 12 vorzugsweise die niedrigste Brechkraft auf. Zu den seitlichen Wirkungsabschnitten 18n, 18t hin nimmt jedenfalls die Flächenbrechkraft durch die zweite Flächenstrukturcharakteristik dann stetig zu und erreicht in der schematischen Darstellung auf etwa mittlerer Höhe im Bereich der seitlichen Ränder des Brillenglases 10 ihr jeweiliges Maximum.
Die Rückfläche wird dabei insbesondere mittels Freiformtechnologie ausgestaltet. Dabei erhält das Brillenglas 10 im Kanalbereich 12, insbesondere im zentralen Hauptdurchblicksbereich 20, die zur Korrektion der Fehlsichtigkeit in der Ferne notwendige Wirkung. In den seitlichen peripheren Zonen, insbesondere im Kombinationswirkungsbereich 18 ist ein Wirkungsanstieg eingearbeitet, sodass das Brillenglas durch die zweite Flächenstrukturcharakteristik beispielsweise temporal bei etwa 25 mm von einem Mittelpunkt des zentralen Hauptdurchblicksbereichs 20 eine zusätzliche Wirkung von 2,5 dpt (zweite positiv dioptrische Zusatzwirkung) und nasal bei etwa 25 mm vom Mittelpunkt des zentralen Hauptdurchblicksbereichs 20 eine zusätzliche Wirkung von 2,0 dpt (zweite positiv dioptrische Zusatzwirkung) erhält. In vertikaler Richtung erstreckt sich der Kanalbereich im Wesentliche ohne zusätzliche Wirkung durch die zweite Flächenstrukturcharakteristik, während oben und unten seitlich ein mittlerer Wirkungsanstieg zu verzeichnen ist.
Besonders bevorzugt weichen die maximale Flächenbrechkraft der Brillenglasrückfläche im nasalen und im temporalen Wirkungsabschnitt um nicht mehr als etwa 3 dpt, vorzugsweise nicht mehr als etwa 2 dpt, noch mehr bevorzugt nicht mehr als etwa 1 dpt, am meisten bevorzugt nicht mehr als etwa 0,5 dpt, voneinander ab. Alternativ oder gleichzeitig ist die maximale Flächenbrechkraft der Brillenglasrückfläche sowohl im nasalen als auch im temporalen Wirkungsbereich je nach Ausführungsform und Anwendungsbereich um zumindest etwa 1 dpt, vorzugsweise zumindest etwa 1 ,5 dpt, weiter bevorzugt zumindest etwa 2 dpt, noch mehr bevorzugt zumindest etwa 2,5 dpt, am meisten bevorzugt zumindest etwa 3 dpt,
größer als die minimale Flächenbrechkraft der Brillenglasrückfläche im Kanalbereich 12.
Die erste Flächenstrukturcharakteristik wird in einer bevorzugten Ausführungsform insbesondere durch Mikrostrukturen auf der Brillenglasvorderfläche verwirklicht. Wie beispielhaft in Fig. 3 gezeigt, sind die Mikrostrukturen insbesondere als Mikrolinsen 30 (insbesondere Noppen des Brillenglaskörpers) ausgelegt, den Teil des Lichtes, der durch diese Mikrolinsen (Lenslets) geht, vor der Netzhaut abzubilden, um dem Längenwachstum des Auges entgegenzuwirken. Dazu weisen die Lenslets 30 vorzugsweise eine positiv-dioptrische Zusatzwirkung (erste positiv dioptrische Zusatzwirkung) auf. Dabei hat sich beispielsweise eine Zusatzwirkungen von etwa 3,5 dpt bewährt. Andere Wirkungen (z.B. 2 bis 5 dpt) sind aber genauso möglich und sollten einen ähnlichen Effekt zeigen. Die optische Wirkung der Noppen entsteht durch die Brechung an der Grenzfläche zwischen dem Brillenglaskörper und der Umgebung (z.B. Luft oder einer Schutzschicht im Bereich der Noppen).
Unter dem Ansatz „Lenslets“ versteht man insbesondere kleine, insbesondere kreisförmige Bereiche auf der Brillenglasvorderfläche 32, die sich in der Wirkung vom Bereich um diese Elemente herum, die sogenannte Grundwirkung, unterscheidet. Diese Wirkung wird durch eine veränderte Krümmung der Vorderfläche in diesem Bereich erzielt. Die Lenslets haben beispielsweise einen Durchmesser von etwa 1 mm, sowie eine von der Grundwirkung sich um etwa 3,5 dpt unterscheidende Wirkung (erste positiv dioptrische Zusatzwirkung), und sind besonders bevorzugt gemäß der Fibonacci-Kugelverteilung (siehe Fig. 4) um den zentralen Hauptdurchblicksbereich 20 angeordnet, wobei der zentrale Hauptdurchblicksbereich 20 mit einem bevorzugten Durchmesser im Bereich von etwa 5 mm bis etwa 20 mm, vorzugsweise in einem Bereich von etwa 10 mm bis etwa 15 mm für eine gute zentrale Durchsicht vorzugsweise frei von Lenslets bleibt. Die Lenslets sind vorzugsweise bereits in den Gießformen der Brillenglas-Halbfabrikate enthalten.
Zusammenfassend besteht eine Idee der vorliegenden Erfindung darin, zwei Ansätze für Brillengläser zum Myopie-Management zu kombinieren. Das Brillenglas zum
Myopie-Management mit einer derart dualen Progressionskontrolle beinhaltet damit zwei Designs zur Myopiekontrolle und hat zum Beispiel auf der Vorderfläche eine Vielzahl zusätzlicher Wirkungselemente (Mikrolinsen bzw. Lenslets) und eine Rückfläche, die eine zusätzliche Wirkung in der Peripherie einbringt (z.B. als progressiver Flächenbrechwert).
Die unterschiedlichen Konzepte der Brillengläser zur Myopiekontrolle haben unterschiedliche optische Nachteile. Durch die Kombination der Designs werden unterschiedliche optische Fehler kombiniert, wodurch es zu keinem dominanten Fehler kommt, der die Verträglichkeit zu stark beeinträchtigt. Dadurch kann mehr Wirkung vor die Netzhaut gebracht werden. Damit erreicht die Erfindung eine bessere Wirksamkeit zur Myopiekontrolle durch mehr Wirkung vor der Netzhaut bei gleichzeitig besserer Verträglichkeit durch angepasste Verteilung der optischen Fehler.
Bezugszeichenliste
10 Brillenglas
12 Kanalbereich
14 oberer Rand
16 unterer Rand
18n nasaler Wirkungsabschnitt
18t temporaler Wirkungsabschnitt
20 zentraler Hauptdurchblicksbereich
26n nasale Kanalgrenzlinie
26t temporale Kanalgrenzlinie
30 Mikrolinsen (Lenslets)
32 Brillenglasvorderfläche
Claims
1 . Brillenglas (10), welches umfasst: einen zentralen Hauptdurchblicksbereich (20), mit einer im Wesentlichen konstanten Brechkraft; und einen horizontal beidseitig an den zentralen Hauptdurchblicksbereich (20) angrenzenden Funktionsbereich (18, 19), welcher im Vergleich zum zentralen Hauptdurchblicksbereich (20) einen zusätzlichen Funktionseffekt aufweist, der zumindest eine dioptrische Zusatzwirkung und/oder eine Kontrastminderung im Vergleich zum zentralen Hauptdurchblicksbereich (20) umfasst, wobei der zusätzliche Funktionseffekt im Funktionsbereich (18, 19) durch eine Kombination zumindest einer ersten Flächenstrukturcharakteristik und einer zweiten Flächenstrukturcharakteristik des Brillenglases (10) bewirkt wird.
2. Brillenglas (10) nach Anspruch 1 , wobei die erste und/oder die zweite Flächenstrukturcharakteristik umfasst: eine progressive Flächenbrechkraft; und/oder eine Mikrolinsenanordnung; und/oder eine Kontrastminderung.
3. Brillenglas nach einem der Ansprüche 1 oder 2, wobei die erste Flächenstrukturcharakteristik Mikrolinsen umfasst, die eine im Vergleich zum zentralen Hauptdurchblicksbereich (20) erste positiv dioptrische Zusatzwirkung bewirken; und wobei die zweite Flächenstrukturcharakteristik eine progressive Flächenbrechkraft umfasst, die eine im Vergleich zum zentralen Hauptdurchblicksbereich (20) zweite positiv dioptrische Zusatzwirkung bewirkt.
4. Brillenglas nach einem der Ansprüche 1 bis 3, wobei die erste Flächenstrukturcharakteristik optische Streuer umfasst, die
eine Kontrastminderung im Vergleich zum zentralen Hauptdurchblicksbereich (20) bewirken; und wobei die zweite Flächenstrukturcharakteristik eine progressive Flächenbrechkraft umfasst, die eine im Vergleich zum zentralen Hauptdurchblicksbereich (20) zweite positiv dioptrische Zusatzwirkung bewirkt.
5. Brillenglas nach einem der vorangegangenen Ansprüche, wobei die erste Flächenstrukturcharakteristik an der Vorderfläche des Brillenglases und die zweite Flächenstrukturcharakteristik an der Rückfläche des Brillenglases ausgebildet ist.
6. Brillenglas nach einem der vorangegangenen Ansprüche, wobei der Funktionsbereich (18, 19) zumindest einen Kombinationswirkungsbereich (18) derart umfasst, dass für jeden Durchblickspunkt des Brillenglases innerhalb des Kombinationswirkungsbereichs der Funktionseffekt von der Kombination der ersten und der zweiten Flächenstrukturcharakteristik bewirkt wird.
7. Brillenglas nach einem der vorangegangenen Ansprüche, wobei der Funktionsbereich zumindest einen ersten und/oder einen zweiten Exklusivwirkungsbereich (19) derart umfasst, dass für jeden Durchblickspunkt des Brillenglases innerhalb des ersten bzw. zweiten Exklusivwirkungsbereichs (19) der Funktionseffekt allein vor der ersten bzw. von der zweiten Flächenstrukturcharakteristik bewirkt wird.
8. Brillenglas nach Anspruch 7 soweit rückbezogen auf Anspruch 6, wobei der zentrale Hauptdurchblicksbereich (20) vollständig von einem ersten Exklusivwirkungsbereich (19) umgeben ist, an welchen sich ein Kombinationswirkungsbereich (18) anschließt.
9. Brillenglas (10) nach Anspruch 6 oder einem davon abhängigen Anspruch, welches umfasst: einen durchgängigen Kanalbereich (12), welcher sich von einem oberen Rand (14) zu einem unteren Rand (16) des Brillenglases durchgängig erstreckt und den zentralen Hauptdurchblicksbereich umfasst; und einen horizontal beidseitig an den durchgängigen Kanalbereich (12)
angrenzenden und sich jeweils vom oberen (14) zum unteren Rand (16) des Brillenglases (10) durchgängig erstreckenden Kombinationswirkungsbereich (18n, 18t), wobei eine von der zweiten Flächenstrukturcharakteristik bewirkte dioptrische Zusatzwirkung des Brillenglases (10) beidseits des Kanalbereichs vom Kanalbereich (12) weg ansteigt.
10. Brillenglas (10) nach Anspruch 9, wobei der Kanalbereich einen ersten oberen und einen ersten unteren Exklusivwirkungsbereich umfasst, in welchem die Zusatzwirkung im Wesentlichen durch die erste Flächenstrukturcharakteristik erzeugt wird, welche insbesondere Mikrolinsen umfasst.
11. Verfahren zur Herstellung eines Brillenglases nach einem der vorangegangenen Ansprüche, umfassend:
Erzeugen der ersten Flächenstrukturcharakteristik auf einer Vorderfläche des Brillenglases; und
Erzeugen der zweiten Flächenstrukturcharakteristik auf einer Rückfläche des Brillenglases.
12. Verfahren nach Anspruch 11 , wobei die erste Flächenstrukturcharakteristik beim Gießen eines Brillenglas-Halbfabrikats erzeugt wird und insbesondere Mikrolinsen (30) umfasst.
13. Verfahren nach Anspruch 11 oder 12, wobei die zweite Flächenstrukturcharakteristik durch Schleifen der Rückfläche erzeugt wird und insbesondere eine progressive Flächenbrechkraft umfasst.
14. Verwendung eines Brillenglases nach einem der Ansprüche 1 bis 10 zur Korrektion einer myopen Fehlsichtigkeit.
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