Beschreibung
Hinderniserkennung für ein Schienenfahrzeug
Die Erfindung betrifft ein Verfahren zur Hinderniserkennung für ein Schienenfahrzeug. Außerdem betrifft die Erfindung eine Hinderniserkennungseinrichtung. Überdies betrifft die Erfindung ein Schienenfahrzeug.
Im Schienenverkehr kommt es gelegentlich vor, dass Objekte, wie zum Beispiel Personen oder Straßenfahrzeuge, Einkaufswa gen, die auf die Schienen geworfen wurden, oder auch Felsbro cken oder umgestürzte Bäume, auf den Gleiskörper geraten und daher eine Gefahr für die Sicherheit des Schienenverkehrs darstellen und im Fall der Personen und Straßenfahrzeuge auf grund der Möglichkeit einer Kollision mit einem fahrenden Schienenfahrzeug auch selbst hochgradig gefährdet werden. Darüber hinaus können auch Objekte, wie zum Beispiel Geröll oder Schlamm, auf die Schienen oder in einen Überwachungsbe reich eines Schienenfahrzeugs geraten, die nicht so einfach identifizierbar sind und sich insbesondere nicht einfach ei ner Objektklasse zuordnen lassen. Daher ist eine generische Hinderniserkennung notwendig, um solche Objekte, auch wenn sie nicht direkt identifizierbar sind, rechtzeitig als Hin dernisse zu erkennen, um für ein sich näherndes Schienenfahr zeug einen Bremsvorgang einzuleiten, so dass ein Zusammenstoß zwischen dem Schienenfahrzeug und einem solchen Objekt ver hindert werden kann. Mithin gehört es zu den kritischen Auf gaben eines Triebfahrzeugführers, den Schienenbereich hin sichtlich möglicher Hindernisse bzw. Objekte, die mit dem Schienenfahrzeug kollidieren können, ständig zu beobachten und zu entscheiden, ob eine Reaktion darauf, wie zum Beispiel ein Bremsmanöver, eingeleitet werden muss oder nicht. Der Triebfahrzeugführer überwacht dafür nicht nur den eigentli chen Schienenbereich, den er gerade befährt, sondern auch be nachbarte Schienenstränge. Wenn ein Hindernis auf einer be nachbarten Schienenstrecke erkannt wird, benachrichtigt der Fahrer ein Überwachungszentrum, welches andere Züge vorwarnt. Diese Benachrichtigung ist besonders wichtig in Bereichen, in
denen eine Fernsicht auf die Schienen behindert wird, bei spielsweise aufgrund von Kurven, der Vegetation, Gebäuden oder Wänden, und die Züge nicht ausreichend Bremsweg zur Ver fügung haben, um vor dem Hindernis zum Stehen zu kommen, da sie das Hindernis erst spät erkennen können.
Da der Bremsweg eines Schienenfahrzeugs bis zum Stillstand für Hochgeschwindigkeitszüge im Bereich von Kilometern liegt und ein mögliches Kollisionsobjekt auch bei Dunkelheit oder beliebigen Wetterbedingungen erkannt werden muss, reichen die sensorischen Fähigkeiten des Zugführers für diese Aufgabe oft auch auf geraden Strecken nicht aus. Mithin muss zusätzlich eine technische Einrichtung zur Verfügung stehen, mit der ein Hindernis auch bei schlechten Sichtbedingungen in größerer Entfernung erkannt werden kann.
Bei dem fahrerlosen Steuern von Fahrzeugen ist es besonders wichtig, ein System zu haben, das automatisch mögliche Hin dernisse korrekt erkennt und entscheiden kann, ob sie eine Gefahr für das Fahrzeug selbst oder andere Verkehrsteilnehmer darstellen können, da hier auf eine Überwachung der Schienen strecke durch einen Fahrer definitionsgemäß verzichtet werden muss.
Automatisierte Erkennungssysteme für potentielle Hindernisse wurden bereits experimentell untersucht und entwickelt. Inf rastrukturbasierte Lösungen, bei denen eine Mehrzahl von Sen soren aufgestellt werden, um einen bestimmten Bereich einer Schienenstrecke zu überwachen, werden manchmal benutzt, um Bereiche zu überwachen, in denen häufig Unfälle passieren, wie zum Beispiel Bahnübergänge. Allerdings ist es nicht rea lisierbar, das gesamte Schienennetz mit infrastrukturbasier ten Hindernisdetektionssystemen zu versehen. Daher besteht der Bedarf, dass ein bordseitiges System die Aufgabe eines Fahrers erfüllt, die Schienenstrecke zu beobachten und zu überwachen .
Die meisten bordseitigen Systeme verwenden Kameras in Form von Monokameras oder Stereokameras. Auf der Basis der aufge- nommenen Bilder werden die Gleise ohne zusätzliche Nutzung einer Karte nur durch eine Bildanalyse identifiziert, die entweder auf einem klassischen Algorithmus basiert, der ähn lich einer Straßenmarkierungsdetektion funktioniert, oder auf einem Ansatz, der auf maschinellem Lernen basiert. Allerdings leiden diese Ansätze meist unter einer geringen Zuverlässig keit in gewissen Situationen, in denen die Sicht auf das Vor feld und insbesondere einen Überwachungsbereich eines Schie nenfahrzeugs eingeschränkt ist.
Für monokamerabasierte Ansätze wird üblicherweise ein auf ma schinellem Lernen basierender Algorithmus eingesetzt, der dazu genutzt wird, um die relevanten Hindernisse im Umfeld des Schienenfahrzeugs zu erkennen. Die untere Kante des Hüll körpers (bounding box) des detektierten Objekts kann dann mit dem detektierten Schienenverlauf verglichen werden, um zu er mitteln, ob das Objekt ein mögliches Kollisionshindernis dar stellt oder nicht. Der Abstand zwischen dem Objekt und der Kamera wird meist basierend auf einem Flache-Welt-Modell er mittelt. Allerdings besteht dabei eine Einschränkung dahinge hend, dass die Erkennung auf Klassen von Objekten beschränkt ist, für die der Algorithmus trainiert wurde, beispielsweise nur für Fahrzeuge und Personen, andere Objekte werden durch den Algorithmus nicht erkannt bzw. ignoriert. Mithin ist eine generische Hinderniserkennung mit auf maschinellem Lernen ba sierenden Ansätzen nicht möglich. Eine Sicherheitszertifizie rung für allein auf maschinellem Lernen basierte Ansätze ist bisher nicht denkbar, da diese auf zufälligen statistischen Methoden beruhen und daher die Anforderungen einer Sicher heitszertifizierung nicht erfüllen.
Bei stereokamerabasierten Ansätzen werden die Bilder in ein Tiefenbild oder in eine Punktwolke konvertiert, welche es er lauben, generische Objekte zu detektieren. Die 3D-Position des detektierten Objekts wird mit einem detektierten Schie nenverlauf in drei Dimensionen verglichen, um zu ermitteln,
ob das Objekt eine potentielle Gefahr bzw. ein potentielles Hindernis darstellt.
Kamerabasierte Ansätze haben den Nachteil, dass sie passende Lichtverhältnisse benötigen, um zu funktionieren. Insbeson dere bei Nacht können RGB-Kameras keine brauchbaren Ergeb nisse liefern. Mithin werden üblicherweise alternative Kame ratechniken, wie zum Beispiel Wärmebildkameras, angewendet, um die Leistung des Systems unter allen möglichen Lichtver hältnissen zu verbessern.
Aktive Sensoren, wie zum Beispiel Lidarsysteme oder Radarsys teme, wurden bereits eingesetzt. Radarsensoren funktionieren bei den meisten Wetterbedingungen, aber sie leiden unter ei ner geringeren Genauigkeit und Auflösung im Vergleich zu Li- darsystemen. Lidarbasierte Lösungen wurden ebenfalls schon verwendet. Allerdings funktionieren diese Lösungen nicht bei einer Objektdetektion, bei denen die Gleise nicht sichtbar sind, sei es aufgrund des Schienenverlaufs oder aufgrund von extern verursachten Sichtbeschränkungen, wie zum Beispiel Wetterverhältnisse, Schneebedeckung und ähnliches. In beiden Fällen wird die 3D-Information, die von den Sensoren gelie fert wird, mit dem Schienenverlauf, der anhand von Kamerabil dern detektiert wurde, verglichen, um zu ermitteln, ob Hin dernisse auftreten oder nicht.
Eine der Herausforderungen, die bei vorhandenen Systemen be stehen, ist die robuste Detektion der Position der Schienen strecke unter allen Bedingungen. Eine kamerabasierte Detek tion des Schienenverlaufs funktioniert gut bei geraden Stre cken und leichten Kurven, hängt aber davon ab, dass die Schienen sichtbar sind. Lidarbasierte Schienenerkennung funk tioniert aufgrund der stark reflektierenden metallischen Oberfläche der Schienen nur auf kurze Distanz von einem Schienenfahrzeug. Außerdem hängt sie ebenfalls davon ab, dass der Schienenverlauf für den Sensor erfassbar ist.
Da die optische Schienendetektion nur verlässlich für Stre ckenabschnitte mit sichtbaren Schienen, wie zum Beispiel an nähernd gerade Schienenstrecken, funktioniert, wurde vorge schlagen, das bordseitige System nur für Schienenstrecken einzusetzen, bei denen die Schienen ausreichend gut erkennbar sind, und die infrastrukturbasierten und auf Luftüberwachung basierten Ansätze einzusetzen, um die anderen Bereiche des Schienennetzes abzudecken.
Die Position des Schienenfahrzeugs kann durch Lokalisierungs algorithmen und auf Basis einer Kombination von Sensoren, wie zum Beispiel GNSS, IMU, Radar, Odometrie, Balisen, usw., ab geschätzt werden.
Bei anderen bestehenden Lokalisierungsansätzen werden Land marken genutzt, die durch Kameras, Lidarsysteme oder Radar systeme detektiert werden, um die Lokalisierung zu verbes sern. Diese Vorgehensweise ist nützlich, wenn die Abdeckung durch GNSS schlecht ist. Landmarken können zum Beispiel durch Teile der festen Schieneninfrastruktur, wie zum Beispiel Sig nale, Schilder oder Weichen, gebildet werden.
Die Implementierung kartenbasierter Ansätze, mit denen grund sätzlich eine Verbesserung der Genauigkeit der Positionsbe stimmung möglich wäre, scheiterte bisher daran, dass die Er mittlung der Position und insbesondere der Orientierung des Schienenfahrzeugs relativ zur Karte extrem genau sein muss, um zu ermitteln, ob sich ein detektiertes Objekt auf der Schienenstrecke befindet oder nicht. Beispielsweise führt ein geringer Fehler bei der Ermittlung der Orientierung des Schienenfahrzeugs von etwa 0,1 Grad zu einem Positionsfehler bzw. einer Positionsabweichung von 1 m in 600 m Entfernung.
Es besteht also die Aufgabe, ein Verfahren und eine Vorrich tung zur Hinderniserkennung für Schienenfahrzeuge bereitzu stellen, welches zuverlässiger, robuster und exakter funktio niert als die bisherigen Lösungsansätze.
Diese Aufgabe wird durch ein Verfahren zur Hinderniserkennung für ein Schienenfahrzeug gemäß Patentanspruch 1, eine Hinder niserkennungseinrichtung gemäß Patentanspruch 10 und ein Schienenfahrzeug gemäß Patentanspruch 11 gelöst.
Bei dem erfindungsgemäßen Verfahren zur Hinderniserkennung für ein Schienenfahrzeug wird ein Überwachungsbereich vor dem Schienenfahrzeug in Abhängigkeit von einer Position und einem Verlauf eines von dem Schienenfahrzeug befahrenen Gleises und einer Position und Abmessungen eines Überwachungsprofils des Schienenfahrzeugs ermittelt. Das Überwachungsprofil umfasst ein Lichtraumprofil des Schienenfahrzeugs. Das Lichtraumpro fil umfasst einen maximalen Fahrzeugquerschnitt bzw. eine ma ximale Fahrzeugbegrenzungslinie in Abhängigkeit von der Ei genbewegung des Schienenfahrzeugs, die wiederum vom Kurvenra dius und der Eigengeschwindigkeit abhängt. Das Überwachungs profil kann auch ein erweitertes Lichtraumprofil umfassen, welches beispielsweise eine vorbestimmte Sicherheitszone um den eigentlichen Kernbereich bzw. das eigentliche Lichtraum profil herum einschließt. Das Überwachungsprofil kann auch in unterschiedlich entfernte Zonen um das Schienenfahrzeug herum eingeteilt sein. Beispielsweise umgibt das Lichtraumprofil ein sogenanntes Notfallprofil und das Notfallprofil ein War nungsprofil. Je nachdem, in welchen Bereich ein Objekt ein dringt, können abgestufte Gegenmaßnahmen, wie zum Beispiel das Ausgeben von Warnsignalen, eine reguläre Bremsaktion oder eine Notbremsung, unternommen werden. Als Verlauf des befah renen Gleises ist die Trajektorie des Gleises und deren räum licher bzw. örtlicher Verlauf zu verstehen.
Für die Ermittlung des Überwachungsbereichs werden Sensorda ten zur Ermittlung der Position und Orientierung des Schie nenfahrzeugs erfasst und die Position und der räumliche Ver lauf des von dem Schienenfahrzeug befahrenen Gleises werden auf Basis eines Abgleichs der ermittelten Position und Orien tierung des Schienenfahrzeugs mit digitalen Kartendaten er mittelt. Die erfassten Sensordaten dienen also der Selbstlo-
kalisierung des Schienenfahrzeugs. Sind Position und Orien tierung des Schienenfahrzeugs hinreichend genau bekannt, so kann daraus auch eine Position des zu befahrenden Gleisab schnitts sowie eine Position des Überwachungsprofils des Schienenfahrzeugs ermittelt werden. Ist zum Beispiel die durch die Sensordaten erfasste Position oder Orientierung des Schienenfahrzeugs aufgrund der möglicherweise mit einer Ab weichung behafteten Sensordaten nur ungenau bekannt, so kön nen diese ungenauen Daten mit den digitalen Kartendaten abge glichen werden. Liegt nun beispielsweise eine Position des Schienenfahrzeugs nicht genau auf einem Gleis, so kann die Position dahingehend korrigiert werden, dass das Schienen fahrzeug sich auf dem Gleis befinden muss. Ebenfalls kann die gemessene Orientierung des Schienenfahrzeugs von einer Orien tierung eines Gleisabschnitts, auf dem sich das Schienenfahr zeug gemäß seinen sensorbasierten Positionsdaten befinden muss, abweichen. In diesem Fall können, wie später noch aus führlich erläutert, Informationen, insbesondere Positionsin formationen, über stationäre Objekte in der Umgebung des Schienenfahrzeugs, wie zum Beispiel Landmarken oder der vor dem Schienenfahrzeug liegende Schienenabschnitt, welche durch bordseitige Sensoren erfasst werden, mit Kartendaten abgegli chen werden, um auf diese Weise Ungenauigkeiten bei der Er mittlung der Position und der Orientierung des Schienenfahr zeugs zu reduzieren.
Weiterhin werden Objekte in einer Umgebung des Schienenfahr zeugs durch Sensoren des Schienenfahrzeugs erfasst. Die Sen soren zur Erfassung der Umgebung haben abbildenden Charakter, d.h., sie müssen die Umgebung abbilden und ausreichend Auflö sung bieten, so dass Hindernisse erfasst und als solche er kannt werden können. Die Abbildungen können als 2D-Abbildun- gen oder 3D-Abbildungen realisiert sein. Konkrete Ausgestal tungen werden später noch im Detail erläutert. Außerdem wird ermittelt, welche Objekte potentielle Kollisionshindernisse sind, indem geprüft wird, ob und inwieweit sie sich mit dem Überwachungsbereich überschneiden.
Schließlich wird eine Reaktion bzw. Antwort auf die als po tentielle Hindernisse eingestuften Objekte in Abhängigkeit von geometrischen und kinetischen Objektattributen ermittelt. Die Prüfung, ob und inwieweit die erfassten Objekte sich mit dem Überwachungsbereich überschneiden, sowie die Ermittlung der Objektattribute kann sowohl bei der Objekterfassung er folgen als auch nach einer anschließenden Verfolgung der de- tektierten Objekte. Durch die Nachverfolgung kann eine Situa tionsbewertung zum Beispiel stabilisiert oder revidiert wer den und die Intersektion der verfolgten Objekte mit dem Über wachungsbereich kann genauer ermittelt werden oder eine Ände rung der Intersektion aufgrund der dynamischen Eigenbewegung der Objekte kann erfasst werden.
Die Reaktion oder Antwort wird normalerweise durch Vorgaben im Schienenbereich bestimmt, welche zum Beispiel minimale Ob jektgrößen, Überschneidungsflächen usw. vorgeben, die er reicht werden müssen, um einen Bremsvorgang auszulösen. Die typische Vorgehensweise besteht darin, den Betriebsbremsweg und den Notbremsweg des Schienenfahrzeugs in Abhängigkeit von der aktuellen Geschwindigkeit des Schienenfahrzeugs und von anderen Informationen zu dem Schienenfahrzeug, wie zum Bei spiel sein Gewicht und die Steigung bzw. der Gradient der vor ihm liegenden Strecke zu berechnen. Dann werden Objekte, die eine ausreichende Größe und eine ausreichend große Über schneidungsfläche mit dem Überwachungsbereich haben, als Kol lisionshindernisse behandelt und eine Antwort bzw. Reaktion wird basierend auf dem Abstand des Kollisionshindernisses und dem Bremsweg des Schienenfahrzeugs ermittelt. Wenn zum Bei spiel der Abstand zu einem Kollisionshindernis kürzer als der Betriebsbremsweg ist, kann die Notbremse aktiviert werden. Zusätzlich kann mit dem Signalhorn des Schienenfahrzeugs eine akustische Warnung an das Kollisionshindernis übermittelt werden. Liegt der Abstand zu dem Kollisionshindernis in einem Bereich, in dem ein Standardbremsmanöver eingeleitet wird, so kann entweder ein solches Bremsmanöver eingeleitet werden, oder falls der Abstand zu dem Kollisionshindernis um einen vorbestimmten Schwellwert größer als der Betriebsbremsweg
ist, kann zunächst auf ein Bremsmanöver verzichtet werden und nur das Signalhorn betätigt werden. Das Antwortverhalten kann basierend auf spezifischen Teilvolumen des Überwachungsbe reichs, mit denen sich das Kollisionshindernis überschneidet, wie zum Beispiel einem Warnvolumen oder einem Notfallvolumen, und der detektierten Eigenschaften von Kollisionshindernissen modifiziert werden.
Zusätzlich zur Erzeugung einer Antwort des Schienenfahrzeugs kann die Hindernisinformation auch an eine entfernte Be- triebsleitstelle übermittelt werden, um die allgemeine Auf merksamkeit darauf zu lenken. Dies ist sinnvoll, wenn zum Beispiel das benachbarte Gleis mitüberwacht werden und andere Schienenfahrzeuge vor möglichen Kollisionshindernissen ge warnt werden können, die sich aktuell nicht in deren Überwa chungsbereich befinden. Die Betriebsleitstelle kann auch zu sätzliche Anweisungen in Situationen erteilen, in denen ein automatisiertes Schienenfahrzeug allein keine Entscheidung treffen darf. Beispielsweise kann ein Schienenfahrzeug nach einem Halt vor einem detektierten Kollisionshindernis Sensor daten an die Betriebsleitstelle senden. Dort begutachtet ein Mensch das Kollisionshindernis und entscheidet, ob das Schie nenfahrzeug das Kollisionshindernis gefahrlos überrollen kann oder nicht, oder ob das Kollisionshindernis ausreichend bei seite geräumt wurde, so dass das Schienenfahrzeug weiterfah ren kann. Falls das Kollisionshindernis vor dem Schienenfahr zeug entfernt werden muss, bevor das Schienenfahrzeug seine Fahrt wiederaufnehmen kann, können die der Betriebsleitstelle übermittelten Sensordaten einer menschlichen Person ermögli chen, festzulegen, mit welchem Gerät das Kollisionshindernis geräumt werden kann. Ein solches Gerät kann zum Beispiel ein Schneidwerkzeug für einen umgefallenen Baum oder eine Bauma schine für einen Felsen umfassen.
Falls eine bordseitige Hindernisdetektion und eine bordsei tige Behandlung des Kollisionshindernisses nicht ausreichen, kann das erfindungsgemäße Verfahren um die Nutzung infra strukturbasierter Hindernisdetektionssysteme ergänzt werden.
Da diese Systeme statisch sind, können sie leicht einen Ab schnitt eines Schienenstrangs auf Kollisionshindernisse über wachen. Derartige Systeme können vorteilhaft in Bereichen mit schlechter Einsehbarkeit, wie zum Beispiel Bereichen mit to ten Winkeln, und Bereichen mit hohem Kollisionsrisiko, wie zum Beispiel Bahnhöfen, eingerichtet werden. Zudem können sie dazu genutzt werden, um die Eingänge von Tunneln zu überwa chen. In diesem Fall können sie nicht nur überwachen, ob sich ein potentielles Kollisionshindernis auf der Strecke befin det, sondern auch, ob sich ein Objekt, beispielsweise ein Mensch oder Tier, in einen Tunnel hineinbewegt hat, und so eine Warnung übermitteln, dass sich in dem Tunnel möglicher weise ein Kollisionshindernis befindet. Diese Information kann dann wieder dazu genutzt werden, das Verhalten eines Schienenfahrzeugs zu beeinflussen, wie zum Beispiel ein Bremsmanöver auszulösen oder für das Schienenfahrzeug eine niedrigere Geschwindigkeit zu wählen.
Vorteilhaft wird eine Kollisionsgefahr aufgrund der Kombina tion einer Nutzung von Sensordaten und Kartendaten im Ver gleich zu herkömmlichen Vorgehensweisen mit erhöhter Präzi sion und Zuverlässigkeit ermittelt, so dass die Sicherheit sowie die Effektivität eines automatisierten Schienenverkehrs verbessert ist. Insbesondere wird durch den kartenbasierten Ansatz und aufgrund der dadurch erhöhten Präzision die Reich weite der Kollisionshindernisdetektion erhöht, da diese ins besondere von der Genauigkeit der Messung der Orientierung des Schienenfahrzeugs bzw. der Orientierung der zur Detektion des Kollisionshindernisses genutzten Sensoren abhängt. Außer dem lässt sich diese Form der Bestimmung des Schienenverlaufs auch auf Streckenabschnitten realisieren, welche nicht gera deaus verlaufen oder eine eingeschränkte Sichtbarkeit des Schienenverlaufs haben, wie zum Beispiel aufgrund von Schnee bedeckung oder eingeschränkten Sichtbedingungen. Weiterhin lassen sich mit dem erfindungsgemäßen Verfahren basierend auf 3D-Daten generische Objekte detektieren. Dies ist insbeson dere ein Vorteil gegenüber Verfahren, die auf maschinellem
Lernen basieren und mit denen daher nur bestimmte Klassen von Objekten detektiert und identifiziert werden können.
Die erfindungsgemäße Hinderniserkennungseinrichtung weist eine Überwachungsbereich-Ermittlungseinheit zum Ermitteln ei nes Überwachungsbereichs vor einem Schienenfahrzeug auf. Die Ermittlung des Überwachungsbereichs, insbesondere seiner Po sition und Ausdehnung erfolgt in Abhängigkeit von einer Posi tion und von einem Verlauf eines von dem Schienenfahrzeug be fahrenen Gleises, von einer Position sowie von Abmessungen eines Überwachungsprofils des Schienenfahrzeugs. Wie bereits erwähnt, erfolgt die Ermittlung des Überwachungsbereichs dadurch, dass Sensordaten, beispielsweise GNSS-Daten erfasst werden, und die Position und Orientierung des Schienenfahr zeugs auf Basis dieser Sensordaten ermittelt werden. Die Po sition und der Verlauf des von dem Schienenfahrzeug befahre nen Gleises werden dann auf Basis eines Abgleichs der ermit telten Position und Orientierung des Schienenfahrzeugs mit digitalen Kartendaten ermittelt.
Teil der erfindungsgemäßen Hinderniserkennungseinrichtung ist auch eine Sensoreinheit zum sensoriellen Erfassen von Objek ten in der Umgebung des Schienenfahrzeugs. Als Sensoreinhei ten können alle geeigneten Sensoren für die Erfassung und Lo kalisierung sowie möglicherweise auch Identifizierung von Ob jekten, wie zum Beispiel Kameras, Lidarsysteme oder Radarsys teme, genutzt werden.
Die erfindungsgemäße Hinderniserkennungseinrichtung umfasst weiterhin eine Hindernis-Ermittlungseinheit, um zu ermitteln, welche Objekte mögliche Kollisionshindernisse sind, indem sie prüft, ob und inwieweit sich diese Objekte mit dem Überwa chungsbereich überschneiden. Zudem weist die erfindungsgemäße Hinderniserkennungseinrichtung eine Antwort-Ermittlungsein heit zum Ermitteln einer Reaktion auf die als potentielle Kollisionshindernisse eingestuften Objekte auf. Die Ermitt lung einer Reaktion erfolgt in Abhängigkeit von den bereits
erwähnten geometrischen und kinetischen Attributen der Ob jekte. Die erfindungsgemäße Hinderniserkennungseinrichtung teilt die Vorteile des erfindungsgemäßen Verfahrens zur Hin derniserkennung für ein Schienenfahrzeug.
Das erfindungsgemäße Schienenfahrzeug weist die erfindungsge mäße Hinderniserkennungseinrichtung und eine Steuerungsein richtung zum Steuern eines Fahrverhaltens des Schienenfahr zeugs in Abhängigkeit von einer Reaktion, welche von der Hin derniserkennungseinrichtung ermittelt wird, auf. Das erfin dungsgemäße Schienenfahrzeug teilt die Vorteile der erfin dungsgemäßen Hinderniserkennungseinrichtung.
Einige Komponenten der erfindungsgemäßen Hinderniserkennungs einrichtung können, gegebenenfalls nach Ergänzung um Hard waresysteme, wie zum Beispiel eine Sensoreinheit, zum über wiegenden Teil in Form von Softwarekomponenten ausgebildet sein. Dies betrifft insbesondere die Überwachungsbereich-Er mittlungseinheit, die Hindernis-Ermittlungseinheit und die Antwort-Ermittlungseinheit .
Grundsätzlich können diese Komponenten aber auch zum Teil, insbesondere wenn es um besonders schnelle Berechnungen geht, in Form von softwareunterstützter Hardware, beispielsweise FPGAs oder dergleichen, realisiert sein. Ebenso können die benötigten Schnittstellen, beispielsweise wenn es nur um eine Übernahme von Daten aus anderen Softwarekomponenten geht, als Softwareschnittstellen ausgebildet sein. Sie können aber auch als hardwaremäßig aufgebaute Schnittstellen ausgebildet sein, die durch geeignete Software angesteuert werden.
Eine weitgehend softwaremäßige Realisierung hat den Vorteil, dass auch schon bisher in einem Schienenfahrzeug vorhandene Rechnersysteme nach einer eventuellen Ergänzung durch zusätz liche Hardwareelemente, wie zum Beispiel zusätzliche Sen soreinheiten, auf einfache Weise durch ein Software-Update nachgerüstet werden können, um auf die erfindungsgemäße Weise
zu arbeiten. Insofern wird die Aufgabe auch durch ein ent sprechendes Computerprogrammprodukt mit einem Computerpro gramm gelöst, welches direkt in eine Speichereinrichtung ei nes solchen Rechnersystems ladbar ist, mit Programmabschnit ten, um die durch Software realisierbaren Schritte des erfin dungsgemäßen Verfahrens auszuführen, wenn das Computerpro gramm in dem Rechnersystem ausgeführt wird.
Ein solches Computerprogrammprodukt kann neben dem Computer programm gegebenenfalls zusätzliche Bestandteile, wie z.B. eine Dokumentation und/oder zusätzliche Komponenten, auch Hardware-Komponenten, wie z.B. Hardware-Schlüssel (Dongles etc.) zur Nutzung der Software, umfassen.
Zum Transport zur Speichereinrichtung des Rechnersystems und/oder zur Speicherung an dem Rechnersystem kann ein compu terlesbares Medium, beispielsweise ein Memorystick, eine Festplatte oder ein sonstiger transportabler oder fest einge bauter Datenträger dienen, auf welchem die von einer Rech nereinheit einlesbaren und ausführbaren Programmabschnitte des Computerprogramms gespeichert sind. Die Rechnereinheit kann z.B. hierzu einen oder mehrere zusammenarbeitende Mikro prozessoren oder dergleichen aufweisen.
Die abhängigen Ansprüche sowie die nachfolgende Beschreibung enthalten jeweils besonders vorteilhafte Ausgestaltungen und Weiterbildungen der Erfindung. Dabei können insbesondere die Ansprüche einer Anspruchskategorie auch analog zu den abhän gigen Ansprüchen einer anderen Anspruchskategorie und deren Beschreibungsteilen weitergebildet sein. Zudem können im Rah men der Erfindung die verschiedenen Merkmale unterschiedli cher Ausführungsbeispiele und Ansprüche auch zu neuen Ausfüh rungsbeispielen kombiniert werden.
Bevorzugt erfolgt bei dem erfindungsgemäßen Verfahren zur Hinderniserkennung für ein Schienenfahrzeug für eine noch weiter verbesserte Präzision der Hindernislokalisierung eine Kalibrierung der Positionsmessung und Orientierungsmessung
des Schienenfahrzeugs dadurch, dass Positionsdaten von Land marken oder anderen markanten Merkmalen in einer Umgebung des Schienenfahrzeugs auf Basis von Sensordaten von der Umgebung ermittelt werden. Die ermittelten Positionsdaten der Landmar ken werden dann mit den entsprechenden Positionsdaten der Landmarken in den digitalen Kartendaten verglichen. Weichen die Werte der Positionsdaten auf Basis der Sensordaten und auf Basis der digitalen Kartendaten voneinander ab, so wird diese Abweichung als Kalibrierungswert genutzt, um eine Jus tierung der Positionsermittlung und Orientierungsermittlung, also der Selbstlokalisierung des Schienenfahrzeugs und dessen Orientierungsmessung, anhand der Sensordaten durchzuführen.
Vorteilhaft wird die Präzision der Position und Orientierung des Schienenfahrzeugs weiter verbessert. Da bereits eine kleine Ungenauigkeit bei der Ermittlung dieser Daten in grö ßere Entfernung zu einer erheblichen Abweichung bei der Be stimmung einer Position eines möglichen Kollisionshindernis ses führen kann, ist die Genauigkeit bei der Ermittlung der Position und Orientierung des Schienenfahrzeugs besonders wichtig.
Bevorzugt umfassen die Attribute der Objekte mindestens einen der folgenden Attributtypen: Beispielsweise wird ein Objekt durch seine Größenabmessungen und Fläche gekennzeichnet, oder durch die Information, mit welchem Teilvolumen es sich über schneidet, oder durch den Abstand des Schienenfahrzeugs zu dem Objekt oder durch die aktuelle Geschwindigkeit des Schie nenfahrzeugs gekennzeichnet. Das Überwachungsprofil, insbe sondere das erweiterte Lichtraumprofil des Schienenfahrzeugs kann zum Beispiel mehrere einander einschließende, unter schiedlich dimensionierte Teilprofile umfassen, welche je weils einer unterschiedlichen Gefahrenstufe zugeordnet sind. Je nachdem, in welches Teilprofil bzw. in welches dem jewei ligen Teilprofil zugeordnetes Teilvolumen das detektierte Ob jekt bereits eingedrungen ist, und in Abhängigkeit von der Distanz des Objekts zum Schienenfahrzeug, kann eine abge-
stufte Reaktion des Schienenfahrzeugs ausgelöst werden. Bei spielsweise kann je nach Geschwindigkeit des Schienenfahr zeugs und des Objekts sowie in Abhängigkeit von der Position des Objekts und der Distanz des Objekts zum Schienenfahrzeug zunächst ein Warnsignal ausgestoßen werden und bei einem Ein dringen des Objekts in ein inneres Volumen oder eine Annähe rung des Objekts an das Schienenfahrzeug oder bei einer ent sprechenden Geschwindigkeit und Bewegungsrichtung des Objekts und/oder des Schienenfahrzeugs ein Bremsmanöver ausgelöst werden.
Wie bereits erwähnt, erfolgt bei dem erfindungsgemäßen Ver fahren der Schritt des Ermittelns eines Überwachungsbereichs auf Basis einer digitalen Karte bzw. Landkarte und die Posi tion und Orientierung des Schienenfahrzeugs wird in der digi talen Karte vorzugsweise auf Basis einer Kombination von Sen sordaten ermittelt. Vorteilhaft werden Sensordaten, welche Informationen über die Umgebung des Schienenfahrzeugs sowie Abstände und relativen Orientierungen von Objekten zum Schie nenfahrzeug wiedergeben können, mit Kartendaten kombiniert, um so die Position und Orientierung des Schienenfahrzeugs zu ermitteln. Befindet sich das Schienenfahrzeug an einer be stimmten Relativposition zu einer in der digitalen Karte ein gezeichneten Position, so kann damit die Position des Schie nenfahrzeugs exakt bestimmt werden.
Beispielsweise kann eine Positionsschätzung und Orientie rungsschätzung für das Schienenfahrzeug zunächst mit Hilfe von Sensordaten ermittelt werden, die eine gewisse Ungenauig keit mit sich bringen. Derartige Sensordaten umfassen bevor zugt mindestens einer der folgenden Datentypen:
- Satellitennavigationsdaten,
- IMU-Daten (IMU = inertial measurement unit = inertiale Mes seinheit)
- Geschwindigkeitssensordaten,
- Odometriedaten,
- infrastrukturbasierte Positionsdaten, vorzugsweise über Funksignale,
- in der Umgebung des Schienenfahrzeugs detektierte Merkmals daten, die mit der digitalen Karte abgleichbar sind.
In einer Ausgestaltung des erfindungsgemäßen Verfahrens zur Hinderniserkennung für ein Schienenfahrzeug umfassen die Merkmalsdaten mindestens eine der folgenden Datenarten:
- Landmarken,
- den Gleiskörper.
Vorteilhaft kann eine bekannte Position von Landmarken oder des Gleiskörpers dazu genutzt werden, eine Abweichung einer Positions- und/ oder Orientierungsmessung durch die Sensoren zu ermitteln und eine entsprechende Justierung vorzunehmen.
Vorzugsweise werden bei dem erfindungsgemäßen Verfahren zur Hinderniserkennung für ein Schienenfahrzeug unterschiedliche Sensordaten bzw. Sensordaten unterschiedlichen Typs kombi niert, um die Position und Orientierung des Schienenfahrzeugs in der digitalen Karte zu ermitteln. Es wird also ein Multi sensorfusionsverfahren angewendet. Üblicherweise lassen sich durch eine Kombination von Sensordaten von unterschiedlichen Sensoren Messungenauigkeiten einzelner Sensortypen durch Mit telwertbildung und/oder eine an aktuelle Umgebungsbedingungen angepasste gewichtete Kombination der Sensordaten reduzieren bzw. kompensieren, so dass die Zuverlässigkeit bei der Hin derniserkennung weiter verbessert wird.
In einer Variante des erfindungsgemäßen Verfahrens zur Hin derniserkennung für ein Schienenfahrzeug umfasst die Kombina tion eine Filterung durch einen Kalmanfilter oder Partikel filter und/oder graphenbasierte Verfahren und/oder eine sen soreigene Filterung. Dabei wird vorzugsweise der Zustand des Schienenfahrzeugs darauf eingeschränkt, dass es sich entlang des Gleiskörpers bewegt. Mithin kann die Genauigkeit der Po sitionsbestimmung und der Ermittlung der Orientierung des Schienenfahrzeugs weiter verbessert werden. Die Position des Schienenfahrzeugs wird durch die Bewegung der Kontaktpunkte, d.h. der Räder, entlang des Gleises eingeschränkt. Die Orien tierung des festen Fahrzeugkörpers kann aufgrund der Lagerung
auf einem drehbaren Fahrgestell und durch die Federung von der Orientierung des Gleises an den Kontaktpunkten etwas ab weichen.
Auch bevorzugt werden bei dem erfindungsgemäßen Verfahren zur Hinderniserkennung für ein Schienenfahrzeug einzelne Sensoren mit der digitalen Karte kalibriert, um Effekte der Vibration oder der Drift in der extrinsischen Kalibrierung zu korrigie ren. Dabei kann die zunächst geschätzte Position und Orien tierung des Schienenfahrzeugs bzw. des Sensors als Startpunkt genutzt werden und dann die Position und Orientierung des Sensors in der Karte anhand von Landmarken und/oder anderen Merkmalen präzisiert werden, die in der Umgebung des Schie nenfahrzeugs detektiert wurden. Beispielsweise können Land marken dazu genutzt werden, um die Position und Orientierung des Sensors genauer zu bestimmen, während der detektierte Schienenstrang dazu genutzt werden kann, um die Ermittlung der Orientierung des Sensors zu verfeinern.
Ebenfalls bevorzugt umfasst bei dem erfindungsgemäßen Verfah ren zur Hinderniserkennung für ein Schienenfahrzeug die Ka librierung mithin folgende Schritte:
- Verwenden einer geschätzten Position und Orientierung des Schienenfahrzeugs als Startpunkt,
- Verfeinern der Position und Orientierung des Sensors in der Karte durch Abgleich mit Landmarken und anderen Merkmalen, die in der Umgebung des Schienenfahrzeugs detektiert wur den.
Besonders bevorzugt umfasst bei dem erfindungsgemäßen Verfah ren zur Hinderniserkennung für ein Schienenfahrzeug der Schritt des sensoriellen Erfassens von Objekten in der Umge bung des Schienenfahrzeugs eine Ermittlung einer Position und einer Größe der Objekte in der Umgebung auf Basis von Sensor daten. Vorteilhaft können diese Daten für eine Gefahrenein schätzung genutzt werden sowie für die Ermittlung einer adä quaten Reaktion auf das auftretende Hindernis.
Auch bevorzugt wird bei dem erfindungsgemäßen Verfahren zur Hinderniserkennung für ein Schienenfahrzeug bei dem Schritt des Ermittelns, welche Objekte mögliche Kollisionshindernisse sind, zunächst eine Punktwolke mit Objektpunkten auf Basis der von dem Objekt erfassten Sensordaten erzeugt. Eine Punkt wolke kann insbesondere bei einer rasterartigen Abtastung der Umgebung erzeugt werden. Eine solche Vorgehensweise wird zum Beispiel bei dem Einsatz eines Lidarsystems zur Objektdetek tion angewendet. Dann wird die Punktwolke durch ein sogenann tes Clusterverfahren bzw. eine Clusteranalyse in einzelne Ob jekte zerlegt. Darunter versteht man ein Verfahren zur Entde ckung von Ähnlichkeitsstrukturen in meist relativ großen Da tenbeständen. Diese so gefundenen Gruppen von Messpunkten mit ähnlichen Eigenschaften werden als Cluster bezeichnet, die Gruppenzuordnung als Clustering. Bei der Clusteranalyse geht es im Gegensatz zur automatisierten Klassifizierung darum, neue Gruppen in den Daten zu identifizieren. Ein solches Clusterverfahren zum Clustering anhand der räumlichen Ab stände der Punkte umfasst zum Beispiel einen euklidischen Ab- stand-Clusteralgorithmus . Für die einzelnen Objekte wird dann geprüft, ob sie einen Überschneidungsbereich mit dem Überwa chungsbereich des Schienenfahrzeugs aufweisen. Von Vorteil ist auch, dass generische Objekte, die mit einem auf maschi nellem Lernen basierenden Verfahren für spezielle Objektklas sen nicht erkannt werden können, identifiziert und separiert werden.
In einer besonders bevorzugten Variante des erfindungsgemäßen Verfahrens wird ein nächster Objektpunkt innerhalb des Über wachungsprofils, der entlang des Schienenverlaufs gemessen zu dem Schienenfahrzeug am nächsten liegt, ermittelt. Weiterhin werden alle Objektpunkte in einer 2D-Ebene durch Kombination aller Projektionsebenen, die durch jeden Objektpunkt verlau fen und orthogonal zum Gleis orientiert sind, zusammenge fasst. Dabei wird eine Projektionsebene, welche durch den nächsten Objektpunkt bezüglich des Fahrzeugs entlang des Schienenstrangs verläuft und orthogonal zu dem Gleis, auf dem das Schienenfahrzeug fährt, orientiert ist, ermittelt.
Schließlich werden alle Objektpunkte des Clusters auf die Projektionsebene projiziert. Auf diese Weise liegen alle de- tektierbaren Punkte eines detektierten Objekts in einer Ebene, welche den kürzesten Abstand des Objekts zu dem Schie nenfahrzeug repräsentiert. Die so erzeugte Projektion des Ob jekts kann dann mit einer Schnittfläche des Überwachungsbe reichs mit der Projektionsebene verglichen werden. Weiterhin können geometrische Objektattribute des Objekts bzw. für die Punktwolke ermittelt werden. Derartige Objektattribute umfas sen die Fläche, die Dimensionen sowie die Position des Ob jekts bzw. der gesamten Punktwolke relativ zum Schienenfahr zeug, sowie die Fläche der Teilmenge der Punktwolke innerhalb des Überwachungsbereichs bzw. der Teilvolumen. Zur Bestimmung dieser Objektattribute kann z.B. eine Bounding-Box um diese Punktwolke gebildet, eine konvexe Hülle berechnet oder auch eine Gitterbelegungskarte erstellt werden.
Vorteilhaft kann die zu prozessierende Datenmenge bei dem Schritt des Ermittelns, welche Objekte potentielle Kollisi onshindernisse sind, auf den Teil eines Objekts beschränkt werden, der sich in der Nähe des Schienenbereichs bzw. des Überwachungsbereichs befindet. Außerdem kann durch die unmit telbare Berechnung eines Überschneidungsvolumens bzw. einer Überschneidungsfläche auf der Eingangspunktwolke eine höhere Genauigkeit erreicht werden, als wenn zunächst ein Modellbil dungsschritt für das gesamte Objekt, zum Beispiel durch die Bildung einer Bounding-Box, erfolgen würde und die Berechnung auf Basis des Modells erfolgen würde.
Wie bereits erwähnt, kann auch ein dynamisches Verhalten ei nes möglichen Kollisionsobjekts durch Verfolgen dieses Ob jekts erfasst werden. Dabei werden Messdaten des Objekts, wie zum Beispiel seine Position, Geschwindigkeit, Größe und Schnittflächen mit Hilfe eines Filters, beispielsweise eines Kalmanfilters oder eines Partikelfilters verarbeitet. Hierzu sei angemerkt, dass die dynamischen Attribute eines Objekts, wie z.B. Geschwindigkeit oder Beschleunigung nicht direkt ge messen werden müssen, sondern anhand von mehreren Positionen
zu unterschiedlichen Zeitpunkten abgeleitet werden können. Auch während der Verfolgung kann eine Intersektion des ver folgten Objekts mit dem Überwachungsbereich ermittelt werden. Die bereits erwähnten Verfahren bei der Objekterkennung und Ermittlung hinsichtlich einer Kollisionsgefahr sind auch bei dieser Variante anwendbar. Zur Beurteilung der Kollisionsge fahr werden auch bei dieser Variante Objektattribute, wie zum Beispiel die Distanz, die Höhe und Breite, die Schnittfläche der projizierten Punktwolke mit dem Überwachungsbereich, aber auch typische Verfolgungsattribute, wie zum Beispiel seine Geschwindigkeit und Konfidenz, herangezogen.
Die Erfindung wird im Folgenden unter Hinweis auf die beige fügten Figuren anhand von Ausführungsbeispielen noch einmal näher erläutert. Es zeigen:
FIG 1 ein Flussdiagramm, welches ein Verfahren zur Hinder niserkennung für ein Schienenfahrzeug gemäß einem Ausfüh rungsbeispiel der Erfindung veranschaulicht,
FIG 2 eine schematische Darstellung eines Szenarios einer Hinderniserkennung durch ein Schienenfahrzeug mit einer Ab weichung der tatsächlichen Orientierung eines Schienenfahr zeugs von der ermittelten Orientierung,
FIG 3 eine schematische Darstellung einer Ermittlung einer Projektionsebene der Objektpunkte eines Clusters gemäß einem Ausführungsbeispiel der Erfindung,
FIG 4 eine schematische Darstellung einer Projektion eines Objekts, wobei ein Teil der Objektpunkte in einer Schnittflä che des Überwachungsbereichs liegt,
FIG 5 eine schematische 2D-Darstellung einer Bounding-Box um den Teil des Objekts, der innerhalb der Schnittfläche des Überwachungsbereichs mit der Projektionsebene liegt,
FIG 6 eine schematische 2D-Darstellung einer konvexen Hülle um den Teil des Objekts, der innerhalb der Schnittfläche des Überwachungsbereichs mit der Projektionsebene liegt,
FIG 7 eine schematische Darstellung einer Gitterbelegungs karte, welche die Schnittfläche des Überwachungsbereichs mit der Projektionsebene umfasst,
FIG 8 eine schematische Darstellung einer Hinderniserken nungseinrichtung gemäß einem Ausführungsbeispiel der Erfin dung,
FIG 9 eine schematische Darstellung eines Schienenfahrzeugs gemäß einem Ausführungsbeispiel der Erfindung.
In FIG 1 ist ein Flussdiagramm 100 gezeigt, welches ein Ver fahren zur Hinderniserkennung für ein Schienenfahrzeug 2 (siehe FIG 2) gemäß einem Ausführungsbeispiel der Erfindung veranschaulicht .
Bei dem Schritt 1.1 werden für einen Überwachungsprozess des Umfelds des Schienenfahrzeugs 2 Informationen bezüglich eines Überwachungsprofils PR, beispielsweise ein Lichtraumprofil, insbesondere über dessen Position PS relativ zu dem Schienen fahrzeug 2 sowie digitale Kartendaten LK für die Hinderniser kennung zur Verfügung gestellt, welche später noch zur Er mittlung einer Position und von Abmessungen eines Überwa chungsbereichs Vö benötigt werden. Die Kartendaten LK und die Profildaten PR können in einer Datenbank in kombinierter Form gespeichert sein, sie können aber auch getrennt aus unter schiedlichen Quellen bezogen werden.
Bei dem Schritt l.II werden Sensordaten SDL zur Selbstlokali- sierung des Schienenfahrzeugs 2 erfasst. Hierzu werden zum Beispiel GNSS-Daten oder Daten von einer inertialen Messein heit erfasst.
Bei dem Schritt l.III werden durch Sensoren Informationen über das Umfeld des Schienenfahrzeugs 2, insbesondere Sensor daten von Landmarken LM und Sensordaten von Objekten 0 er fasst. Das Umfeld bzw. die Umgebung umfasst mindestens den Überwachungsbereich Vu. Sie kann aber über den Überwachungs bereich Vö hinaus ausgedehnt sein, um zum Beispiel sich bewe gende Objekte 0 frühzeitig zu erkennen. Innerhalb der Sensor daten, welche die Umgebung des Schienenfahrzeuges abbilden, werden Objekte 0 detektiert. Die Objekte 0 können zum Bei spiel Fahrzeuge, Personen oder auch auf den Gleiskörper ge fallene Bäume, Einkaufswagen oder Felsen sein.
Bei dem Schritt 1.IV werden die digitalen Kartendaten LK, die Sensordaten SDL zur Selbstlokalisierung des Schienenfahrzeugs 2 sowie die Sensordaten der Landmarken LM verarbeitet, um eine Position PSF und Orientierung OR des Schienenfahrzeugs 2 und daraus die Position PG des befahrenen Gleisabschnitts und gegebenenfalls auch seine Orientierung zu ermitteln. Auch die Eigengeschwindigkeit des Schienenfahrzeugs sowie Odometrieda- ten können für die Positionsbestimmung genutzt werden. Zudem wird bei dem Schritt 1.IV die Kenntnis der Position PS und der Abmessungen eines Überwachungsprofils des Schienenfahr zeugs 2 dazu genutzt, um geeignete Abmessungen, wie zum Bei spiel die nötige Breite und Höhe und eine Ausdehnung entlang der Strecke sowie eine passende Positionierung des Überwa chungsbereichs Vö zu ermitteln.
Weiterhin erfolgt bei dem Schritt 1.IV ein Abgleich der er mittelten Position PSF und Orientierung OR des Schienenfahr zeugs 2 mit den digitalen Kartendaten LK. Wie bereits er wähnt, wird durch diesen Abgleich die Präzision der Ermitt lung der Werte für die Position PSF und die Orientierung OR des Schienenfahrzeugs 2 erhöht, wobei die Zwangsbedingung ge nutzt wird, dass das Schienenfahrzeug 2 nur entlang eines Gleises fahren kann.
Bei dem Schritt l.V wird auf Basis der ermittelten Position PSF und Orientierung OR des Schienenfahrzeugs 2, der Position
PG des befahrenen Gleisabschnitts, der Kenntnis der Position PS des Überwachungsprofils PR sowie dessen Abmessungen der Überwachungsbereich Vö ermittelt, welcher den von den fahr zeugseitigen Sensoren erfassten Bereich vor dem Schienenfahr zeug 2, den das Schienenfahrzeug 2 als nächstes durchfährt und in dem daher eine Kollision auftreten könnte, umfasst. Benachbarte Gleise können auch zum Überwachungsbereich Vö ge hören.
Bei dem Schritt l.VI wird ermittelt, welche Objekte 0 poten tielle Kollisionshindernisse KH darstellen. Diese Ermittlung erfolgt durch Prüfen, ob und inwieweit sie sich mit dem Über wachungsbereich Vö überschneiden. Besteht eine solche Über schneidung, so existiert eine Kollisionsgefahr. Befindet sich ein detektiertes Objekt 0 ausreichend weit außerhalb des Überwachungsbereichs Vu und schneidet seine zu erwartende Trajektorie auch nicht den sich dynamisch in Fahrtrichtung verschiebenden Überwachungsbereich Vö, so kann das Objekt 0 als ungefährlich eingestuft werden. Andernfalls muss das Ob jekt 0 als potentielles Kollisionsobjekt bzw. als potentiel les Kollisionshindernis KH eingestuft werden.
Bei dem Schritt l.VII wird eine Reaktion R des Schienenfahr zeugs 2 auf die als potentielle Kollisionshindernisse KH ein gestuften Objekte 0 ermittelt. Die Art der Reaktion R wird in Abhängigkeit von Objektattributen, wie zum Beispiel den Grö ßenabmessungen des jeweiligen Objekts 0 ermittelt. Beispiels weise ist es bei nichtmenschlichen kleinen Objekten, wie zum Beispiel Kleintieren, besser, dass sie einfach überrollt wer den und eine Vollbremsung wäre wegen eines solchen Hindernis ses nicht verhältnismäßig. Andernfalls muss bei Personen oder großen Hindernissen unbedingt eine Kollision vermieden wer den, um Personenschaden oder einen Schaden am Schienenfahr zeug 2 zu vermeiden. Außerdem wird bei dem Schritt l.VII die Reaktion R in Abhängigkeit davon ermittelt, mit welchem Volu men sich das Objekt 0 wie stark überschneidet. Befindet sich das potentielle Kollisionsobjekt KH im Randbereich des Über wachungsbereichs Vö, so kann möglicherweise auch bei einer
Weiterfahrt eine Kollision mit dem Schienenfahrzeug 2 verhin dert werden. Befindet sich das potentielle Kollisionsobjekt KH dagegen im Zentrum des Überwachungsbereichs Vö, so ist für den Fall, dass das potentielle Kollisionsobjekt KH eine hin reichende Größe aufweist, ein Abbremsen unumgänglich. Weiter hin wird die Reaktion R auch von dem Abstand des Schienen fahrzeugs 2 zu dem Kollisionsobjekt KH abhängig gemacht. Ist das Kollisionsobjekt KH noch sehr weit entfernt, so reicht möglicherweise ein relativ sanftes Abbremsen und das Erzeugen eines Warnsignals, falls es sich um ein lebendes Objekt bzw. ein Objekt, welches durch eine Person gesteuert wird, han delt. Auf diese Weise kann das Objekt 0 zu einer Reaktion veranlasst werden bzw. dazu veranlasst werden, den Gefahren bereich zu verlassen. Befindet sich das potentielle Kollisi onsobjekt KH dagegen in relativ kurzer Entfernung, so muss entsprechend stark abgebremst werden, um eine Kollision zu vermeiden. Befindet sich das potentielle Kollisionsobjekt KH für ein rechtzeitiges Abbremsen zu nah an dem Schienenfahr zeug, so kann es den Vorschriften entsprechen, die Geschwin digkeit des Schienenfahrzeugs zu reduzieren, um den Zusammen stoß mit dem Kollisionshindernis KH auf der Strecke zumindest abzumildern. Die Reaktion R wird also auch in Abhängigkeit von der aktuellen Geschwindigkeit des Schienenfahrzeugs 2 er mittelt.
In FIG 2 ist eine schematische Darstellung 20 eines Szenarios einer Hinderniserkennung durch ein Schienenfahrzeug 2 mit ei ner Kalibrierung und Justierung einer Objektlokalisierung des Schienenfahrzeugs 2 veranschaulicht. Das Szenario 20 umfasst 5 Teilszenarios 20a, 20b, 20c, 20d, 20e, mit denen einzelne Aspekte der Objektlokalisierung und der Kalibrierung bzw. Justierung im Detail gezeigt sind.
In einem ersten Szenario 20a ganz links in FIG 2 ist darge stellt, wie und an welchen Positionen die Sensoren des Schie nenfahrzeugs 2, welches am unteren Rand des ersten Szenarios 20a angeordnet ist, die einzelnen Objekte seiner Umgebung wahrnehmen. Von den Sensoren werden ein Kraftfahrzeug 0, zwei
Bäume 02, 03 und drei Landmarken LM1, LM2, LM3 erfasst. Die genannten Objekte sind schraffiert dargestellt.
In einem zweiten Szenario 20b ist ein Kartenausschnitt ge zeigt, in dem die erfassten Landmarken LM1, LM2, LM3 sowie der Gleiskörper GK, auf dem das Schienenfahrzeug 2 fährt, eingezeichnet sind. Weiterhin ist in dem zweiten Szenario 20b auch das Schienenfahrzeug 2 am unteren Rand in der Karte ein gezeichnet.
In einem dritten Szenario 20c ist ausschließlich der Überwa chungsbereich Vö des Schienenfahrzeugs 20c gepunktet darge stellt.
In einem vierten Szenario 20d sind die drei ersten Szenarios 20a, 20b, 20c übereinandergelegt dargestellt. Dabei ist zu erkennen, dass die Kartenpositionen der Landmarken LM1, LM2, LM3 von den seitens des Schienenfahrzeugs 2 erfassten Positi onen der Landmarken LM1, LM2, LM3 abweichen. In dem vierten Szenario 20d sieht es außerdem so aus, als ob sich das er kannte Kraftfahrzeug 0 außerhalb des Überwachungsbereichs Vu des Schienenfahrzeugs 2 befinden würde. Dafür scheint einer der Bäume 03 in den Überwachungsbereich Vö des Schienenfahr zeugs 2 hineinzuragen. Auch die tatsächliche Orientierung des Schienenfahrzeugs 2 weicht von der selbst ermittelten Orien tierung leicht ab, was daran zu erkennen ist, dass die Orien tierung des Schienenfahrzeugs 2 in der Karte und die selbst ermittelte Orientierung nicht genau übereinstimmen. Anhand der ermittelten Abweichung zwischen den Kartenpositionen und den durch Sensormessung ermittelten Positionen der Landmarken LM1, LM2, LM3 wird nun in einem Justierungsschritt eine Kor rektur der Sensormessung vorgenommen, so dass die durch die Sensormessung und die Kartendaten ermittelten Positionen der Landmarken LM1, LM2, LM3 übereinstimmen.
Das Ergebnis ist in dem fünften Szenario 20e zu erkennen. Dort ist nun zu erkennen, dass sich das Kraftfahrzeug 0 in dem Überwachungsbereich Vö des Schienenfahrzeugs 2 und sogar
bereits auf den Gleisen GK befindet und daher ein potentiel les Kollisionshindernis darstellt. Dafür geht aus dem fünften Szenario 20e eindeutig hervor, dass sich der Baum 03 nicht in dem Überwachungsbereich Vö des Schienenfahrzeugs 2 befindet und damit keine Gefahr für das Schienenfahrzeug 2 darstellt.
Auf Basis der Kenntnis der Positionen der Landmarken LM1, LM2 und LM3 sowie einer aktuellen Messung der Position und Orien tierung der Landmarken LM1, LM2 und LM3 kann also eine Abwei chung der ermittelten Orientierung des Schienenfahrzeugs 2 sowie eine Abweichung der Erfassung von Objekten in der Umge bung des Schienenfahrzeugs, beispielsweise aufgrund einer Drift in der extrinsischen Kalibrierung von Sensoren oder Vibrationen, erkannt werden und für eine Kalibrierung bzw. Justierung der Orientierungsermittlung genutzt werden.
In FIG 3 ist eine schematische Darstellung 30 einer Ermitt lung einer Projektionsebene PRE einer Punktwolke CL eines Ob jekts 0 gemäß einem Ausführungsbeispiel der Erfindung veran schaulicht. Die Darstellung 30 ist als Draufsicht gezeigt. Rechts in FIG 3 ist ein Gleiskörper GK mit zwei Schienen S sowie Schwellen SW gezeigt, auf dem das Schienenfahrzeug 2 in x-Richtung bzw. in Pfeilrichtung fährt, also in FIG 3 von un ten nach oben. Es wird nun eine Position XN auf dem Gleiskör per GK ermittelt, bei der die Projektionsebene PRE durch die Position XN und orthogonal zum Gleisverlauf in Fahrtrichtung verlaufend den zu dem Schienenfahrzeug 2 in x-Richtung be trachtet nächsten Punkt OPN des Objekts 0 schneidet. Anders ausgedrückt, ist diese Position XN der Punkt, bei dem eine Mittenlinie des Gleiskörpers GK den kleinsten Abstand zu dem nächsten Punkt OPN des Objekts 0 aufweist. Anschließend wer den die 2D-Positionen der einzelnen Objektpunkte OP der dem Objekt 0 zugeordneten Punktwolke CL in der Projektionsebene PRE ermittelt.
In FIG 4 ist eine schematische 2D-Darstellung 40 einer Punkt wolke CL gezeigt, wobei ein Teil der Objektpunkte OP der
Punktwolke CL in einer Schnittfläche Fö des Überwachungsbe reichs Vu liegen und die sogenannten Intersektionspunkte bil den und ein Teil der Objektpunkte OP der Punktwolke CL außer halb dieser Schnittfläche Fö liegen. Die in FIG 4 gezeigte Darstellung kann also als Querschnittsdarstellung in der x- Position XN angesehen werden. In FIG 4 sind auch zur besseren Orientierung am unteren Rand der Schnittfläche Fö die Quer schnittsflächen der Schienen S des Gleiskörpers GK gezeigt, auf dem das Schienenfahrzeug 2 unterwegs ist. Die Schnittflä che Fö stellt ein Modell des Objekts 0 zur Verfügung, um die Relevanz eines möglichen Kollisionshindernisses abzuschätzen und geeignete Gegenmaßnahmen zu planen.
In FIG 5 ist zur Ermittlung einer Fläche der Intersektions punkte OP eine schematische 2D-Darstellung 50 einer Bounding- Box BB um den Teil der Punktwolke CL gezeigt, der innerhalb der Schnittfläche Fö des Überwachungsbereichs Vu liegt. Die Bounding-Box BB ist als Quadrat mit gestrichelten Kanten dar gestellt. Anstatt einer viereckigen Bounding-Box BB kann auch eine konvexe Hülle CH für eine Lokalisierung der Objektpunkte OP verwendet werden.
Hierzu ist in FIG 6 eine schematische 2D-Darstellung 60 ge zeigt, bei der zur Ermittlung der Fläche der Intersektions punkte eine gestrichelt gezeichnete polygonale konvexe Hülle CH um den Teil der projizierten Punktwolke CL gelegt ist, der innerhalb der Schnittfläche Fö des Überwachungsbereichs Vö liegt.
Alternativ kann der Teil der Punktwolke CL, der innerhalb der Schnittfläche Fö des Überwachungsbereichs Vö bzw. der Überwa chungsfläche Fö liegt, auch durch eine Gitterbelegungskarte erfasst werden.
Hierzu ist in FIG 7 eine schematische Darstellung 70 einer Gitterbelegungskarte GBK, welche die Schnittfläche Fö des Überwachungsbereichs Vö umfasst, gezeigt. Die Gitterbele gungskarte GBK umfasst ein Raster von quadratischen Feldern
OG. Belegte Felder OG der Gitterbelegungskarte GBK sind in FIG 8 grau dargestellt. Anschließende Auswertungen können dann vereinfacht auf Basis der digitalen Daten belegter und unbelegter Gitterfelder OG durchgeführt werden, wodurch der Rechenaufwand weiter reduziert wird.
In FIG 8 ist eine schematische Darstellung einer Hinderniser kennungseinrichtung 80 für ein Schienenfahrzeug 2 gemäß einem Ausführungsbeispiel der Erfindung gezeigt. Die Hinderniser kennungseinrichtung 80 umfasst eine Mehrzahl von Sensorein heiten 85 (links im Bild gezeigt) zur Selbstlokalisierung des Schienenfahrzeugs 2 sowie eine weitere Anzahl von Sensorein heiten 82 zur Umfelderfassung. Die Sensoreinheiten 85 zur Selbstlokalisierung umfassen auf unterschiedlichen physikali schen Prinzipien basierende Sensoren, wie zum Beispiel Träg- heitssensoren, Satellitennavigationssysteme, Geschwindig- keitssensoren oder Empfangseinheiten zum Empfang von Signalen von infrastrukturseitig angeordneten Funksignalen, mit deren Hilfe die Hinderniserkennungseinrichtung 80 die Position PSF und Orientierung OR des Schienenfahrzeugs 2 ermitteln kann. Die Sensoreinheiten 82 zur Umfelderfassung umfassen Sensoren zur Abbildung des Umfeldes des Schienenfahrzeugs wie zum Bei spiel Lidarsysteme oder Bildaufnahmeeinheiten, wie zum Bei spiel Kameras. Mit diesen Sensoren werden Sensordaten zur De tektion von Objekten 0 und Landmarken LM erfasst. Die Hinder niserkennungseinrichtung 80 umfasst außerdem eine Karten- und Profil-Einheit 87, mit der digitale Kartendaten LK sowie Da ten, welche die Abmessungen eines Überwachungsprofils PR so wie die Position PS des Überwachungsprofils PR betreffen, zur Verfügung gestellt werden. Die Kartendaten LK und Profildaten PR können auch aus mehreren separaten, unterschiedlichen Quellen bezogen werden.
Die Hinderniserkennungseinrichtung 80 umfasst auch eine Posi tionsermittlungseinheit 81, welche auf Basis bekannter Abmes sungen des Schienenfahrzeugs 2, der Sensordaten SDL zur Selbstlokalisierung, wie zum Beispiel GNSS-Daten oder IMU-
Daten (IMU = inertial measurement unit = inertiale Messein heit / Trägheitssensor), weiterer Merkmalsdaten der Umgebung wie Landmarken LM sowie Kartendaten LK eine Position PSF des Schienenfahrzeugs 2 und seine Orientierung OR sowie eine Po sition PG und einen Verlauf des Teils des Schienenstrangs, auf dem das Schienenfahrzeug 2 gerade unterwegs ist, ermit telt.
Weiterhin umfasst die Hinderniserkennungseinrichtung 80 eine Überwachungsbereich-Ermittlungseinheit 88, welche auf Basis des Überwachungsprofils PR, der Position PS des Überwachungs profils PR, der Position PSF des Schienenfahrzeugs 2 und sei ner Orientierung OR sowie einer Position PG und eines Ver laufs des Teils des Schienenstrangs auf dem das Schienenfahr zeug 2 gerade unterwegs ist, ein Überwachungsvolumen bzw. die Position und die Abmessungen eines Überwachungsbereichs Vö ermittelt.
Die Sensordaten der erfassten Objekte 0 bzw. deren Positionen werden an eine Hindernis-Ermittlungseinheit 83 übermittelt, die auf Basis der Positionen der Objekte 0 sowie der Kenntnis der Position und der Ausdehnung des Überwachungsbereichs Vö ermittelt, welche Objekte 0 mögliche Kollisionshindernisse KH sind. Details der Vorgehensweise hierzu sind im Zusammenhang mit FIG 3 bis FIG 7 erläutert.
Die erfassten Daten zu den ermittelten Kollisionshindernissen KH, wie zum Beispiel deren Position, deren Größenabmessungen und der Abstand der Kollisionshindernisse KH zu dem Schienen fahrzeug 2, werden an eine Antwort-Ermittlungseinheit 84 übermittelt. Die Antwort-Ermittlungseinheit 84 ist dazu ein gerichtet, eine Reaktion R auf die als potentielle Hinder nisse KH eingestuften Objekte 0 in Abhängigkeit von den Grö ßenabmessungen G des jeweiligen Objekts 0, von der Größe des Kollisionsvolumens, mit dem es überschneidet, von dem Abstand zu dem Objekt 0 und von der aktuellen Geschwindigkeit des Schienenfahrzeugs zu ermitteln.
In FIG 9 ist eine schematische Darstellung 90 eines Schienen fahrzeugs 2 gemäß einem Ausführungsbeispiel der Erfindung ge zeigt. Das Schienenfahrzeug 2 fährt in FIG 9 gerade auf einem Gleiskörper GK von links nach rechts, d.h. in Pfeilrichtung. Zur Hindernisdetektion umfasst das Schienenfahrzeug 2 eine Hinderniserkennungseinrichtung 80 mit Sensoreinheiten zur Um felderfassung 82 sowie den übrigen Einheiten, die in der in FIG 8 veranschaulichten Art und Weise aufgebaut sind und funktionieren. Wie bereits erläutert, ermittelt die Hinder niserkennungseinrichtung 80 auf Basis von Sensordaten SDL und Kartendaten LK die Position PSF und Orientierung OR des Schienenfahrzeugs 2 sowie die Position PG des Gleiskörpers GK und die Position des Überwachungsbereichs Vu vor dem Schie nenfahrzeug 2. Eine von der Hinderniserkennungseinrichtung 80 ermittelte Reaktion R wird an eine Steuerungseinrichtung 86 des Schienenfahrzeugs 2 übermittelt, welche gemäß der ermit telten Reaktion R das Schienenfahrzeug 2 steuert. Beispiels weise wird ein Warnsignal erzeugt und ein Bremsmanöver einge leitet, um eine Kollision mit einem als Kollisionshindernis KH ermittelten Objekt 0 zu vermeiden.
Es wird abschließend noch einmal darauf hingewiesen, dass es sich bei den vorbeschriebenen Verfahren und Vorrichtungen le diglich um bevorzugte Ausführungsbeispiele der Erfindung han delt und dass die Erfindung vom Fachmann variiert werden kann, ohne den Bereich der Erfindung zu verlassen, soweit er durch die Ansprüche vorgegeben ist. Es wird der Vollständig keit halber auch darauf hingewiesen, dass die Verwendung der unbestimmten Artikel „ein" bzw. „eine" nicht ausschließt, dass die betreffenden Merkmale auch mehrfach vorhanden sein können. Ebenso schließt der Begriff „Einheit" nicht aus, dass diese aus mehreren Komponenten besteht, die gegebenenfalls auch räumlich verteilt sein können.