Verfahren und System zur Korrektur von Messdaten und/oder Navigationsdaten eines Sensorbasissystems
Die Erfindung betrifft ein Verfahren zur Korrektur von Messdaten und/oder Navigationsdaten eines Sensorbasissystems gemäß Oberbegriff von Anspruch 1, ein System zur Korrektur von Messdaten und/oder Navigationsdaten eines Sensorbasissystems gemäß Oberbegriff von Anspruch 11 sowie eine Verwendung des Systems .
Alle Messdaten sind prinzipiell fehlerbehaftet und in vielen Fällen ist eine durchgängige Verfügbarkeit der Messdaten nicht gegeben. Zusätzlich sind die Messdaten häufig abhängig von Umgebungsbedingungen. Weiterhin haben unterschiedliche Sensoren bzw. Sensorsysteme im Allgemeinen unterschiedliche zeitliche Erfassungsraten, sind nicht mit anderen Sensoren bzw. Sensorsystemen synchronisiert und besitzen eine Latenzzeit zwischen der Messung und der Ausgabe der Messdaten. Sensorfehler bzw. Messfehler lassen sich dabei in quasistationäre, über mehrere Messungen konstante Anteile, wie z.B. einen Offset, und sto- chastische, von Messung zu Messung zufällige Anteile, wie z.B. Rauschen, unterteilen. Während die zufälligen Anteile prinzipiell nicht deterministisch korrigierbar sind, lassen sich quasistationäre Fehler im Allgemeinen bei gegebener
Beobachtbarkeit korrigieren. Nicht korrigierbare signifikante Fehler lassen sich bei gegebener Erkennbarkeit üblicherweise zumindest vermeiden.
Im Stand der Technik sind in diesem Zusammenhang bereits Sensorfusionsverfahren bekannt, welche üblicherweise auch dazu geeignet sind, Messdaten von unterschiedlichen Sensoren bzw. Sensorsystemen zu korrigieren bzw. zu filtern. Insbesondere im Automotive-Bereich sind dabei besondere Anforderungen zu berücksichtigen, da eine Vielzahl von unterschiedlichen Sensoren eine gemeinsame Umfeldsituation bzw . einen Kraftfahrzeugzustand mittels unterschiedlicher Messprinzipien erfasst und diese Umfeldsituation bzw. diesen Kraftfahrzeugzustand mittels einer
Vielzahl unterschiedlicher Messdaten beschreibt. Für eine im Automotive-Bereich anwendbare Sensorfusion ist somit eine möglichst große Robustheit gegen zufällige Störungen sowie eine Erkennung und Kompensation von systematischen Fehlern gefordert . Ebenso sind zeitliche Einflüsse auf die Messdaten zu korrigieren und temporäre Ausfälle oder die Nichtverfügbarkeit von Sensoren zu überbrücken.
Die DE 10 2012 216 215 AI beschreibt ein Sensorsystem, welches mehrere Sensorelemente und eine Signalverarbeitungseinrichtung umfasst. Die Signalverarbeitungseinrichtung ist dabei so ausgebildet, dass sie die Sensorsignale der Sensorelemente zumindest teilweise gemeinsam auswertet. Weiterhin ist die Signalverarbeitungseinrichtung so ausgebildet, dass den
Messdaten physikalischer Größen jeweils eine Zeitinformation zugeordnet wird, welche eine Information über den Zeitpunkt der jeweiligen Messung direkt oder indirekt umfasst, wobei die Signalverarbeitungseinrichtung diese Zeitinformation zumindest bei der Erzeugung eines Fusionsdatensatzes in einem Fusions- filter berücksichtigt. Für die Erzeugung des Fusionsdatensatzes werden Messdaten herangezogen, die entweder eine übereinstimmende Zeitinformation aufweisen oder aber - sofern keine Messdaten mit übereinstimmenden Zeitinformationen vorliegen - es wird ein entsprechender Messwert mit der benötigten Zeitin- formation mittels Interpolation erstellt. Weiterhin geht das Fusionsfilter davon aus, dass sich Fehlerwerte der Messdaten über eine definierte Zeitspanne nur vernachlässigbar ändern.
Aus der DE 10 2010 063 984 AI ist ein mehrere Sensorelemente umfassendes Sensorsystem bekannt. Die Sensorelemente sind so ausgebildet, dass sie zumindest teilweise unterschiedliche primäre Messgrößen erfassen und zumindest teilweise unter¬ schiedliche Messprinzipien nutzen. Aus der primären Messgröße der Sensorelemente werden dann zumindest teilweise weitere Messgrößen abgeleitet. Weiterhin umfasst das Sensorsystem eine Signalverarbeitungseinrichtung, eine Schnittstelleneinrichtung sowie mehrere Funktionseinrichtungen. Die Sensorelemente sowie sämtliche Funktionseinrichtungen sind dabei mit der Signal-
Verarbeitungseinrichtung verbunden. Die primären Messgrößen liefern also redundante Informationen, die in der Signalverarbeitungseinrichtung miteinander verglichen werden bzw. sich gegenseitig stützen können. Aus dem Vergleich der auf ver- schiedenem Weg berechneten Observablen können Rückschlüsse auf die Zuverlässigkeit und Genauigkeit der Observablen gezogen werden. Die Signalverarbeitungseinrichtung qualifiziert die Genauigkeit der Observablen und stellt die Observablen zusammen mit einer Genauigkeitsangabe über eine Schnittstellenein- richtung verschiedenen Funktionseinrichtungen zur Verfügung.
Die DE 10 2012 216 211 AI beschreibt ein Verfahren zum Auswählen eines Satelliten, wobei der Satellit ein Satellit eines globalen Navigationssystems ist. Bevor ein derartiger Satellit dabei zur Positionsbestimmung bzw. eines Fahrzeugs herangezogen wird, werden die empfangenen GNSS-Signale auf unterschiedliche Arten plausibilisiert . Für diese Verifizierung werden jeweils un¬ terschiedliche Redundanzen bzw. bekannte Zusammenhänge aus¬ genutzt. So offenbart die DE 10 2012 216 211 AI etwa, aus dem Signal eines Satelliten sowohl den Abstand des Fahrzeugs zum Satelliten als auch die Relativgeschwindigkeit des Fahrzeugs zum Satelliten zu bestimmen. Der Abstand kann dabei mittels der Laufzeit des Signals bestimmt werden, während die Relativge¬ schwindigkeit mittels einer Phasenmessung des Signals bestimmt werden kann. Da der Abstand und die Relativgeschwindigkeit voneinander abhängen, können sie gegeneinander verifiziert werden. Weiterhin kann eine Verifizierung der aus dem Signal bestimmten Werte gegen bekannte Randbedingungen erfolgen, da ein Fahrzeug sich üblicherweise innerhalb eines bestimmten Ge- schwindigkeitsrahmens fortbewegt. Ebenso wird beschrieben, dass bei Empfang mehrerer Signale von unterschiedlichen Satelliten die Abstände zu mehreren Satelliten bestimmt werden und diese Abstände gleichzeitig mittels trigonometrischer Zusammenhänge und dem bekannten Abstand der Satelliten gegeneinander veri- fiziert werden. Schließlich ist auch eine Verifizierung des aus dem Signal bestimmten Abstands bzw. der aus dem Signal bestimmten Geschwindigkeit mittels anderer Sensoren, welche ebenfalls eine Positionsbestimmung bzw. Geschwindigkeitsbestimmung zulassen,
möglich. Sofern die Signale eines Satelliten nicht verifiziert werden können, wird dieser Satellit nicht zur Positionsbe¬ stimmung bzw. zur Geschwindigkeitsbestimmung herangezogen. Die im Stand der Technik bekannten, gattungsgemäßen Verfahren und Sensorsysteme sind jedoch insofern nachteilbehaftet, als dass sich Korrekturen der bestimmten physikalischen Größen des sog. Sensorbasissystems nur dann ohne Verfälschung der Filterzustände des verwendeten Fusionsfilters bzw. des verwendeten stochas- tischen Modells anbringen lassen, wenn alle damit in Verbindung stehenden Zustände bekannt sind. Beispielsweise ist eine Korrektur der in sog. Body-Koordinaten (z.B. über Odometrie) gemessenen Geschwindigkeit in Navigationskoordinaten nur möglich, wenn auch gleichzeitig die Ausrichtungswinkel zwischen den unterschiedlichen Koordinatensystemen bekannt sind . Wird die Geschwindigkeit alleine in fahrzeugfesten Koordinaten gemessen, wäre es zwar auch bei einem Ausrichtungswinkel mit beliebig großem Fehler durch Transformationen möglich, die Korrektur der Geschwindigkeit im Strapdown Algorithmus anzubringen, jedoch entsprechen die durch die Messung verbesserten Systemunsicherheiten (Varianzen) der Geschwindigkeit in diesem Fall nicht mehr dem tatsächlichen Fehler, da sie den Ausrichtungswinkelfehler nicht berücksichtigen. Dies führt dazu, dass bei Hinzunahme von weiteren Messungen, die den Ausrichtungsfehler korrigieren können (z.B. GPS), die in die falsche Richtung zeigende Geschwindigkeit als zu sicher angenommen und Kor¬ rekturen fälschlicherweise an anderen Zuständen angebracht werden. Instabiles, unplausibles Verhalten des Fusionsfilters bzw. des stochastischen Modells ist die Folge.
Es ist daher eine Aufgabe der Erfindung, ein verbessertes Verfahren zur Korrektur von Messdaten vorzuschlagen.
Diese Aufgabe wird erfindungsgemäß durch das Verfahren zur Korrektur von Messdaten und/oder Navigationsdaten eines Sensorbasissystems gemäß Anspruch 1 gelöst.
Die Erfindung betrifft ein Verfahren zur Korrektur von Messdaten und/oder Navigationsdaten eines Sensorbasissystems,
wobei das Sensorbasissystem und mindestens ein weiteres Sen¬ sorsystem Messdaten erfassen, wobei die Messdaten direkt und/oder indirekt Navigationsdaten beschreiben, wobei indirekt beschriebene Navigationsdaten aus den Messdaten und/oder aus bekannten physikalischen und/oder mathematischen Zusammenhängen berechnet werden, wobei die Navigationsdaten mindestens eine Geschwindigkeit umfassen, wobei mittels der Messdaten und/oder der Navigationsdaten des mindestens einen weiteren Sensorsystems eine Bestimmung von Fehlerwerten der Messdaten und/oder der Navigationsdaten des Sensorbasissystems erfolgt, wobei die Fehlerwerte mittels einer Anbringung von Korrekturen korrigiert werden,
wobei das Sensorbasissystem in fahrzeugfesten oder in
topozentrischen Koordinaten erfasst, wobei das mindestens eine weitere Sensorsystem ebenfalls in fahrzeugfesten oder in topozentrischen Koordinaten erfasst und wobei die Bestimmung der Fehlerwerte zumindest der Geschwindigkeit in fahrzeugfesten Koordinaten erfolgt.
Die erfindungsgemäße Verwendung von fahrzeugfesten Koordinaten führt dazu, dass eine ausrichtungsunabhängige Anbringung von in fahrzeugfesten Koordinaten gemessenen Geschwindigkeiten möglich wird und die Unsicherheiten der Messdaten bzw. Navigationsdaten weiterhin korrekt beschrieben werden. Es entsteht darüber hinaus keine Einschränkung, falls nur in topozentrischen Koordinaten gemessene Korrekturen verfügbar sind, da das Sensorbasissystem selbst in fahrzeugfesten Koordinaten erfasst und daher die Ausrichtungswinkel zwischen fahrzeugfesten Koordinaten und topozentrischen Koordinaten bestimmbar sind. Somit ist eine voneinander unabhängige, aber auch eine gleichzeitige Ver¬ wendbarkeit von fahrzeugfest gemessenen und in topozentrisch gemessenen Korrekturen in j edem Betriebszustand erreicht . Selbst wenn im Falle unbekannter Ausrichtungswinkel mit der Ge¬ schwindigkeit in topozentrischen Koordinaten gerechnet wird, wird durch die Rücktransformation in fahrzeugfeste Koordinaten
dieser Fehler eliminiert und damit die korrekte Geschwindigkeit in fahrzeugfesten Koordinaten erhalten. Dabei wird die Unsicherheit der Ausrichtungswinkel und die daraus auch über die Geschwindigkeit anwachsende Unsicherheit der Position korrekt bestimmt und kann als Korrektur angebracht werden.
Ein besonderer Vorteil der Erfindung liegt somit insbesondere darin, dass Fehlerwerte für eine Geschwindigkeit besser bzw. zuverlässiger bestimmt werden können und Korrekturen für die Geschwindigkeit entsprechend besser bzw. zuverlässiger ange¬ bracht werden können.
Unter topozentrischen Koordinaten werden Koordinaten verstanden, die für eine gegebene Oberfläche, z.B. die gesamte Welt, fest vorgegeben sind.
Unter fahrzeugfesten Koordinaten werden Koordinaten verstanden, die in ihrem Ursprung stets den Beobachter aufweisen. Insbesondere stellen die fahrzeugfesten Koordinaten ein kartesisches Koordinatensystem dar.
Die Korrekturen entsprechen dabei bevorzugt den negativen Fehlerwerten . Bevorzugt werden auch die Varianzen der Fehlerwerte berechnet.
Gemäß einer bevorzugten Ausführungsform der Erfindung ist es vorgesehen, dass die Anbringung der Korrekturen der Fehlerwerte zumindest der Geschwindigkeit in fahrzeugfesten Koordinaten erfolgt.
Gemäß einer weiteren bevorzugten Ausführungsform der Erfindung ist es vorgesehen, dass die topozentrischen Koordinaten lokale topozentrische Koordinaten sind, die entlang der geographischen Himmelsrichtungen ausgerichtet sind.
Gemäß einer weiteren bevorzugten Ausführungsform der Erfindung ist es vorgesehen, dass das Sensorbasissystem ein Trägheits-
navigationssystem ist Das Trägheitsnavigationssystem als Sensorbasissystem bietet den Vorteil, dass es die vergleichsweise höchste Verfügbarkeit aufweist, da es eine ver¬ gleichsweise hohe Ausgaberate der erfassten Eingangsdaten aufweist und zudem weitgehend unabhängig von äußeren Störeinflüssen arbeitet.
Gemäß einer weiteren bevorzugten Ausführungsform der Erfindung ist es vorgesehen, dass das mindestens eine weitere Sensorsystem ein die Geschwindigkeit in fahrzeugfesten Koordinaten erfassendes Odometrienavigationssystems ist. Das
Odometrienavigationssystem bestimmt die Geschwindigkeit z.B. über den bekannten Abrollumfang der Kraftfahrzeugreifen und ermöglicht somit eine Positionsbestimmung unter Berücksich- tigung des Lenkwinkels im Rahmen einer Koppelnavigation.
Gemäß einer besonders bevorzugten Ausführungsform der Erfindung ist es vorgesehen, dass ein zweites weiteres Sensorsystem ein die Geschwindigkeit in topozentrischen Koordinaten ausgebendes globales Satellitennavigationssystem ist. Bei dem globalen
Satellitennavigationssystem kann es sich beispielsweise um ein sog. GPS-Navigationssystem handeln, welches die Geschwindigkeit in erdfesten kartesischen Koordinaten erfasst und in einem mehrstufigen, dem Fachmann bekannten Verfahren in topozentrische Koordinaten umrechnet. Besonders zweckmäßig ist es, dass das Satellitennavigationssystem mindestens zwei Satellitensig- nalempfänger umfasst. Dadurch verbessert sie die Qualität der erfassten Satellitensignale und somit die Zuverlässigkeit und Genauigkeit des Satellitennavigationssystems.
Gemäß einer weiteren bevorzugten Ausführungsform der Erfindung ist es vorgesehen, dass die Navigationsdaten weiterhin mindestens eine Position und eine Ausrichtung umfassen. Diese Navigationsinformationen ermöglichen im Allgemeinen eine vergleichsweise gute Navigationsführung. Zusätzlich kann auch eine Geschwindigkeit umfasst sein, was eine weiter verbesserte Navigationsführung erlaubt.
Gemäß einer weiteren bevorzugten Ausführungsform der Erfindung ist es vorgesehen, dass die Navigationsdaten des Sensorbasissystems und des mindestens einen weiteren Sensorsystems zu einem Fusionsdatensatz fusioniert werden. Ein gemeinsamer Fusionsdatensatz ist gegenüber den einzelnen Navigationsinformationen in der Regel zuverlässiger und präziser und insbesondere erlaubt er mittels einer Fehlerschätzung eine ver¬ gleichsweise zuverlässige Bewertung der Genauigkeit bzw. Zu¬ verlässigkeit der fusionierten Eingangsdaten bzw. Navigati- onsinformationen .
Gemäß einer weiteren bevorzugten Ausführungsform der Erfindung ist es vorgesehen, dass die Fehlerwerte mittels eines Er- ror-State-Space-Filters , insbesondere mittels eines Er- ror-State-Space-Kalman-Filters , bestimmt werden. Das Er- ror-State-Space-Filter stellt dabei ein Fusionsfilter zur Fusion der Ausgabedaten bzw. Navigationsinformationen dar, insbesondere zur Fusion von normalverteilten Ausgabedaten bzw. Navigationsinformationen. Gleichzeitig schätzt bzw. bestimmt das Error-State-Space-Filter bevorzugt die Fehlerwerte zu¬ mindest des Sensorbasissystems. Mittels des mindestens einen Korrektursystems können dann die Fehlerwerte und ggf. auch unbekannte Größen des Trägheitsnavigationssystems geschätzt bzw. bestimmt werden. Eine Besonderheit des Er- ror-State-Space-Filters ist es also, dass anstelle der Sen¬ sorsignale bzw. der Eingangsdaten lediglich Fehlerwerte in- krementell geschätzt bzw. bestimmt werden und anschließend korrigiert werden. Die Fehlerwerte haben nämlich eine signi¬ fikant niedrigere zeitliche Dynamik als die Ausgabedaten selbst, wodurch eine weitgehende Entkopplung der Dynamik des Er- ror-State-Space-Filters von den Eigenschaften des Sensorba¬ sissystems bzw. des mindestens einen Korrektursystems
erreicht wird. Gemäß einer weiteren bevorzugten Ausführungsform der Erfindung ist es vorgesehen, dass die Korrekturen fortlaufend aufaddiert werden. Daraus ergibt sich der Vorteil, dass die jeweils korrigierten Ausgabedaten bzw. Navigationsinformationen einfach
weiterkorrigiert werden können, sofern neuerliche Korrekturen notwendig werden.
Die Erfindung betrifft weiterhin ein System zur Korrektur von Messdaten und/oder Navigationsdaten eines Sensorbasissystems, umfassend ein Sensorbasissystem, mindestens ein weiteres Sensorsystem und ein Fusionsfilter, wobei das Sensorbasissystems und das mindestens eine weitere Sensorsystem dazu ausgebildet sind, Messdaten zu erfassen,
wobei die Messdaten direkt und/oder indirekt Navigationsdaten beschreiben, wobei das Fusionsfilter dazu ausgebildet ist, indirekt beschriebene Navigationsdaten aus den Messdaten und/oder aus bekannten physikalischen und/oder mathematischen Zusammenhängen zu berechnen, wobei die Navigationsdaten min- destens eine Geschwindigkeit umfassen, wobei das Fusionsfilter dazu ausgebildet ist, mittels der Messdaten und/oder der Na¬ vigationsdaten des mindestens einen weiteren Sensorsystems eine Bestimmung von Fehlerwerten der Messdaten und/oder der Navigationsdaten des Sensorbasissystems vorzunehmen, wobei das Fusionsfilter dazu ausgebildet ist, die Fehlerwerte mittels einer Anbringung von Korrekturen zu korrigieren, wobei das Sensorbasissystem dazu ausgebildet ist, in fahrzeugfesten oder in topozentrischen Koordinaten zu erfassen, wobei das mindestens eine weitere Sensorsystem dazu ausgebildet ist, ebenfalls in fahrzeugfesten oder in topozentrischen Koordinaten zu erfassen und wobei das Fusionsfilter dazu ausgebildet ist, die Bestimmung der Fehlerwerte zumindest der Geschwindigkeit in fahrzeugfesten Koordinaten vorzunehmen. Das erfindungsgemäße System umfasst somit alle zur Ausführung des erfindungsgemäßen Verfahrens notwendigen Vorrichtungen.
Bevorzugt ist es vorgesehen, dass das System dazu ausgebildet ist, das erfindungsgemäße Verfahren auszuführen. Dies führt zu den bereits beschriebenen Vorteilen.
Außerdem betrifft die Erfindung eine Verwendung des erfindungsgemäßen Systems in einem Kraftfahrzeug.
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Weitere bevorzugte Ausführungsformen ergeben sich aus den Unteransprüchen und der nachfolgenden Beschreibung eines Ausführungsbeispiels an Hand von Figuren. Es zeigen
Fig. 1 beispielhaft eine mögliche Ausbildungsform eines erfindungsgemäßen Systems, welches zur Positions¬ bestimmung ausgebildet ist, in einem Kraftfahrzeug und
Fig. 2 beispielhaft eine weitere mögliche Ausbildungsform eines erfindungsgemäßen Systems, welches ebenfalls zur Positionsbestimmung ausgebildet ist, in einem Kraftfahrzeug .
Fig. 1 zeigt in schematischer Darstellung ein Ausführungsbeispiel des erfindungsgemäßen Systems, das zur Anordnung und Verwendung in einem Kraftfahrzeug (nicht dargestellt) vorgesehen ist. Das dargestellte System ist beispielsgemäß zur Positi¬ onsbestimmung des Kraftfahrzeugs ausgebildet. Dabei sind alle vom System umfassten Elemente bzw. Bestandteile bzw. Sensorsysteme als Funktionsblöcke veranschaulicht und deren Zusam¬ menwirken untereinander dargestellt. Das System umfasst Trägheitsnavigationssystem 101, das so ausgebildet ist, dass es zumindest die Beschleunigungen entlang einer ersten, einer zweiten und einer dritten Achse sowie wenigstens die Drehraten um die erste, um die zweite und um die dritte Achse erfassen kann. Die erste Achse entspricht dabei beispielsgemäß der Längsachse des Kraftfahrzeugs, die zweite Achse entspricht der Querachse des Kraftfahrzeugs und die dritte Achse entspricht der Hochachse des Kraftfahrzeugs. Diese drei Achsen bilden ein kartesisches Koordinatensystem, das sog. Kraftfahrzeugkoordinatensystem, welches in fahrzeugfesten Koordinaten misst.
Trägheitsnavigationssystem 101 bildet beispielsgemäß das sog. Sensorbasissystem, dessen Messdaten mittels der im Folgenden
beschriebenen weiteren Sensorsysteme bzw. der sog. Korrektursysteme korrigiert werden. Die Korrektursysteme sind dabei Odometrienavigationssystem 103 und Satellitennavigationssys¬ tems 104.
Das System weist weiterhin eine sog.
Strapdown-Algorithmus-Einheit 102 auf, in welcher ein sog. Strapdown-Algorithmus durchgeführt wird, mittels dessen die Messdaten von Trägheitsnavigationssystem 101 u.a. in Positi- onsdaten umgerechnet werden. Dazu werden die Messdaten von Trägheitsnavigationssystem 101, welche naturgemäß Beschleu¬ nigungen beschreiben, zweimal über die Zeit integriert. Auch eine Ausrichtung des Kraftfahrzeugs wird mittels einfacher Integ¬ ration der entsprechenden Messdaten von Trägheitsnavigati- onssystem 101 über die Zeit bestimmt. Mittels einer Einfach¬ integration über die Zeit werden weiterhin die Ausrichtung und die Geschwindigkeit des Kraftfahrzeugs bestimmt. Außerdem kompensiert Strapdown-Algorithmus-Einheit 102 eine auf Träg¬ heitsnavigationssystem 101 wirkende Corioliskraft .
Die Ausgangsdaten von Strapdown-Algorithmus-Einheit 102 um¬ fassen folglich die folgenden physikalischen Größen:
die Geschwindigkeit, die Beschleunigung sowie die Drehrate des Kraftfahrzeugs, beispielsgemäß bezüglich der genannten drei Achsen des Kraftfahrzeugkoordinatensystems und beispielsgemäß zusätzlich jeweils bezogen auf ein topozentrisches Koordina¬ tensystem, das zur Beschreibung der Ausrichtung bzw. von dynamischen Größen des Kraftfahrzeugs auf der Welt geeignet ist. Beispielsgemäß handelt es sich bei dem genannten topozentrischen Koordinatensystem um ein GPS-Koordinatensystem. Außerdem umfassen die Ausgangsdaten von Strapdown-Algorithmus-Einheit 102 die Position bezüglich des Kraftfahrzeugkoordinatensystems und die Ausrichtung hinsichtlich des topozentrischen Koordinatensystems. Zusätzlich weisen die Ausgangsdaten von
Strapdown-Algorithmus-Einheit 102 die Varianzen als Information über die Datenqualität der oben genannten physikalischen Größen bzw. Navigationsinformationen auf. Diese Varianzen werden beispielgemäß nicht in Strapdown-Algorithmus-Einheit 102 be-
rechnet, sondern nur von dieser verwendet und weitergeleitet . Die von Strapdown-Algorithmus-Einheit 102 berechneten o.g. phy¬ sikalischen Größen bzw. Navigationsinformationen werden über Ausgabemodul 112 ausgegeben und anderen Kraftfahrzeugsystemen zur Verfügung gestellt.
Das System umfasst außerdem Odometrienavigationssystem 103 in Form von Raddrehzahlsensoren für jedes Rad des Kraftahrzeugs. Beispielgemäß handelt es sich um ein vierrädriges Kraftfahrzeug mit vier Raddrehzahlsensoren, die jeweils die Drehzahl des ihnen zugeordneten Rads sowie dessen Drehrichtung erfassen. Weiterhin umfasst Odometrienavigationssystem 103 ein Lenkwinkelsensor- element, das den Lenkwinkel des Kraftfahrzeugs erfasst. Darüber hinaus weist das beispielhaft dargestellte System
Satellitennavigationssystem 104 auf, welches so ausgebildet ist, dass es die Entfernung jeweils zwischen einem zugeordneten Satelliten und dem Kraftahrzeug sowie die Geschwindigkeit jeweils zwischen dem zugeordneten Satelliten und dem Kraft- fahrzeug bestimmt. Zusätzlich stellt Satellitennavigations¬ system 104 beispielsgemäß Fusionsfilter 105 eine Startposition bzw. Startpositionsinformation bereit , zumindest beim Start bzw . Einschalten des Systems. Das System umfasst außerdem Fusionsfilter 105. Fusionsfilter 105 stellt im Zuge der gemeinsamen Auswertung der Messdaten von Odometrienavigationssystem 103, von Satellitennavigationssystems 104 und von Trägheitsnavigationssystem 101 einen Fusionsdatensatz 106 bereit. Fusionsdatensatz 106 weist die erfassten Messdaten der unterschiedlichen Sensorsysteme auf, wobei Fusionsdatensatz 106 beispielsgemäß zusätzlich Fehlerwerte und den Fehlerwerten zugeordnete Varianzen, welche die Datenqualität beschreiben, umfasst. Die Messdaten von Trägheitsnavigationssystem 101 werden nun in einem hierfür vorgesehenen elektronischen Datenspeicher 113 von Fusionsfilter 105 für einen vorgegebenen Zeitraum gespeichert. Trägheitsnavigationssystems 101 stellt dabei das sog. Sen-
sorbasissystem dar, während Odometrienavigationssystem 103 und Satellitennavigationssystem 104 die sog. Korrektursysteme darstellen, deren Messdaten bzw. Navigationsinformationen zur Korrektur der Werte des Sensorbasissystems herangezogen werden, sofern sie plausibilisiert wurden. Beispielsgemäß werden die Messdaten bzw . Navigationsinformationendes Sensorbasissystems, also die Messdaten bzw. Navigationsinformationen von Träg- heitsnavigationssystems 101, für 25 Messepochen gespeichert . Bei Bedarf, d.h., wenn die gespeicherten Messdaten zu einem anderen Zeitpunkt erfasst wurden als die Messdaten bzw. Navigations¬ informationen der Korrektursysteme, werden aus den gespeicherten Messdaten bzw. Navigationsinformationen die benötigten Messdaten bzw. Navigationsinformationen interpoliert . Die Messdaten bzw. Navigationsinformationen der Korrektursysteme, also von Satellitennavigationssystem 104 und von
Odometrienavigationssystem 103, werden hingegen nicht gespeichert .
Somit ist sichergestellt, dass stets Messdaten bzw. Naviga- tionsinformationen, die zumindest scheinbar zu einem identischen Zeitpunkt erfasst wurden, dem Vergleich unterworfen werden können .
Von Fusionsfilter 105 bereitgestellter Fusionsdatensatz 106 umfasst beispielsgemäß die mittels der plausibilisierten
Messdaten bzw. Navigationsinformationen der Korrektursysteme bestimmten quantitativen Fehler des Sensorbasissystems, die mittels der Messdaten bzw. Navigationsinformationen des Sensorbasissystems .
Strapdown-Algorithmus-Einheit 102 korrigiert nun mittels Fu¬ sionsdatensatz 106 die Messdaten bzw. Navigationsinformationen des Sensorbasissystems. Fusionsdatensatz 106 wird von Fusionsfilter 105 aus den Messdaten bzw. Navigationsinformationen von Odometrienavigationssystem 103, Satellitennavigationssystems 104 und Trägheitsnavigati- onssystem 101 berechnet.
Fusionsfilter 105 ist beispielsgemäß als Er- ror-State-Space-Kalman Filter ausgebildet ist, also als Kaiman-Filter, das insbesondere eine Linearisierung der Messdaten bzw. Navigationsinformationen ausführt und in welchem die quantitativen Fehlerwerte der Messdaten bzw. Navigationsinformationen berechnet bzw. geschätzt werden und welches se¬ quentiell arbeitet und dabei die in dem jeweiligen Funkti¬ onsschritt der Sequenz verfügbaren Messdaten bzw. Werte. Fusionsfilter 105 ist so ausgebildet, dass es stets asynchron die neuesten von Trägheitsnavigationssystem 101,
Odometrienavigationssystem 103 und Satellitennavigationssystem 104 verfügbaren Messdaten bzw. Werte erfasst. Beispielsgemäß werden die Messdaten bzw. Werte dabei über Kraftfahrzeugmo- delleinheit 107 und Ausrichtungsmodelleinheit 109 geführt.
Kraftfahrzeugmodelleinheit 107 ist so ausgebildet, dass sie aus den Messdaten bzw. Navigationsinformationen von
Odometrienavigationssystem 103 zumindest die Geschwindigkeit entlang einer ersten Achse, die Geschwindigkeit entlang einer zweiten Achse sowie die Drehrate um eine dritte Achse berechnet und diese Fusionsfilter 105 bereitstellt.
Das System umfasst außerdem Reifenparameterschätzungseinheit 110, welche so ausgebildet ist, dass sie zumindest den Halb¬ messer, beispielgemäß den dynamischen Halbmesser, aller Räder berechnet und zusätzlich die Schräglaufsteifigkeit und die Schlupfsteifigkeit aller Räder berechnet und diese Kraft¬ fahrzeugmodelleinheit 107 als zusätzliche Eingangsgrößen be- reitstellt. Reifenparameterschätzungseinheit 110 ist weiterhin so ausgebildet, dass sie ein im Wesentlichen lineares Rei¬ fenmodell zur Berechnung der Reifengrößen verwendet.
Die beispielgemäßen Eingangsgrößen von Reifenparameterschät- zungseinheit 110 sind dabei die Raddrehzahlen und den Lenkwinkel beschreibende Messdaten, zumindest teilweise die Ausgangswerte von Strapdown-Algorithmus-Einheit 102 sowie die von Fusions¬ filter 105 bestimmten Varianzen.
Das System umfasst außerdem
GPS-Fehlererkennungs-und-Plausibilisierungseinheit 111, welche so ausgebildet ist, dass sie beispielgemäß als Eingangsdaten die Messdaten bzw. Navigationsinformationen von Satellitennavi- gationssystem 104 sowie zumindest teilweise Messdaten bzw.
Navigationsinformationen von Strapdown-Algorithmus-Einheit 102 erhält und in ihren Berechnungen berücksichtigt.
GPS-Fehlererkennungs-und-Plausibilisierungseinheit 111 prüft die Messdaten bzw. Navigationsinformationen gegen ein an Sa- tellitennavigationssystem 104 angepasstes stochastisches Mo¬ dell. Sofern die Messdaten bzw. Navigationsinformationen im Rahmen einer dem Rauschen Rechnung tragenden Toleranz dem Modell entsprechen, werden sie plausibilisiert . Dabei ist GPS-Fehlererkennungs-und-Plausibilisierungseinheit 111 zusätzlich mit Fusionsfilter 105 auf Datenebene verbunden und übermittelt die plausibilisierten Messdaten bzw. Navigationsinformationen an Fusionsfilter 105. GPS-Fehlererkennungs-und-Plausibilisierungseinheit 111 ist beispielhaft so ausgebildet, dass sie ein Verfahren zum Auswählen eines Satelliten u.a. mittels der folgenden Verfahrensschritte durchführt :
- Messen von Positionsdaten des Kraftfahrzeugs gegenüber dem Satelliten basierend auf den Sensorsignalen von Satellitennavigationssystems 104,
- Bestimmen von zu den basierend auf den Sensorsignalen von Satellitennavigationssystems 104 bestimmten Positionsda¬ ten redundanten Referenzpositionsdaten des Kraftfahrzeugs, - Auswählen des Satelliten, wenn eine Gegenüberstellung der Positionsdaten und der Referenzpositionsdaten einer vorbestimmten Bedingung genügt,
- wobei zur Gegenüberstellung der Positionsdaten und der Referenzpositionsdaten eine Differenz zwischen den Positions- daten und den Referenzpositionsdaten gebildet wird,
- wobei die vorbestimmte Bedingung eine maximal zulässige Abweichung der Positionsdaten von den Referenzpositionsdaten ist,
- wobei die maximal zulässige Abweichung von einer Standard¬ abweichung abhängig ist, die basierend auf einer Summe aus einer Referenzvarianz für die Referenzpositionsdaten und einer Messvarianz für die Positionsdaten berechnet wird und
- wobei die maximal zulässige Abweichung einem Vielfachen der Standardabweichung derart entspricht, dass eine Wahrscheinlichkeit, dass die Positionsdaten in ein von der Standardab¬ weichung abhängiges Streuintervall fallen, einen vorbestimmten Schwellwert unterschreitet.
Das System weist außerdem Stillstandserkennungseinheit 108 auf, welche so ausgebildet ist, dass sie einen Stillstand des Kraftfahrzeugs erkennen kann und im Falle eines erkannten Stillstands des Kraftfahrzeugs zumindest Fusionsfilter 5 In- formationen aus einem Stillstandsmodell bereitstellt. Die
Informationen aus einem Stillstandsmodell beschreiben dabei, dass die Drehraten um alle drei Achsen den Wert Null aufweisen und die Geschwindigkeiten entlang aller drei Achsen den Wert Null aufweisen. Stillstandserkennungseinheit 108 ist dabei bei- spielgemäß so ausgebildet, dass sie als Eingangsdaten die Sensorsignale der Raddrehzahlsensoren von
Odometrienavigationssystem 103 sowie die Sensorsignale von Trägheitsnavigationssystem 101 nutzt. Das System verwendet beispielgemäß eine erste Gruppe von Messdaten bzw. Navigationsinformationen, die sich auf ein Kraftfahrzeugkoordinatensystem, also fahrzeugfeste Koordinaten, beziehen und zusätzlich eine zweite Gruppe von Messdaten bzw. Navigationsinformationen, die sich auf ein topozentrisches Koordinatensystem, beziehen. Durch die erfindungsgemäße Bestimmung der Fehlerwerte der Geschwindigkeit in fahrzeugfesten Koordinaten wird es möglich, dass eine ausrichtungsunabhängige Anbringung von Korrekturen an in fahrzeugfesten Koordinaten gemessenen Geschwindigkeiten möglich wird und die Unsicherheiten der Messdaten bzw. Navigationsdaten weiterhin korrekt beschrieben werden. Es entsteht darüber hinaus keine Einschränkung, falls nur in topozentrischen Koordinaten gemessene Korrekturen verfügbar sind, da das Sensorbasissystem selbst in
fahrzeugfesten Koordinaten erfasst und daher die Ausrichtungswinkel zwischen fahrzeugfesten Koordinaten und
topozentrischen Koordinaten bestimmbar sind. Somit ist eine voneinander unabhängige, aber auch eine gleichzeitige Ver- wendbarkeit von fahrzeugfest gemessenen und in topozentrisch gemessenen Korrekturen inj edem Betriebs zustand erreicht . Selbst wenn im Falle unbekannter Ausrichtungswinkel mit der Ge¬ schwindigkeit in topozentrischen Koordinaten gerechnet wird, wird durch die Rücktransformation in fahrzeugfeste Koordinaten dieser Fehler eliminiert und damit die korrekte Geschwindigkeit in fahrzeugfesten Koordinaten erhalten. Dabei wird die Unsicherheit der Ausrichtungswinkel und die daraus auch über die Geschwindigkeit anwachsende Unsicherheit der Position korrekt bestimmt und kann als Korrektur angebracht werden.
Der von Ausrichtungsmodelleinheit 109 bestimmte Ausrich¬ tungswinkel zwischen dem Kraftfahrzeugkoordinatensystem und dem topozentrischen Koordinatensystem wird dabei bestimmt auf Basis folgender physikalischer Größen:
- der vektoriellen Geschwindigkeit bezüglich des
topozentrischen Koordinatensystems ,
- der vektoriellen Geschwindigkeit bezüglich des
Kraftfahrzeugkoordinatensystems ,
- des Lenkwinkels und
- der jeweiligen quantitativen Fehler der die genannten
Größen beschreibenden Messdaten bzw. Werte.
Ausrichtungsmodelleinheit 109 greift dabei auf sämtliche der Ausgangsdaten von Strapdown-Algorithmus-Einheit 102 zurück.
Ausrichtungsmodelleinheit 109 ist beispielgemäß so ausgebildet, dass sie zusätzlich zu dem Ausrichtungswinkel noch eine In¬ formation über die Datenqualität des Ausrichtungswinkels in Form einer Varianz berechnet und Fusionsfilter 105 bereitstellt.
Fusionsfilter 105 verwendet den Ausrichtungswinkel und die Varianz des Ausrichtungswinkels bei seinen Berechnungen, welche
er über Fusionsdatensatz 106 an Strapdown-Algorithmus-Einheit 102 weiterleitet.
Fusionsfilter 105 erfasst also die Messdaten bzw. Navigati- onsinformationen von Trägheitsnavigationssystem 101, dem
Sensorbasissystem, sowie von Odometrienavigationssystem 103 und von Satellitennavigationssystem 104, den Korrektursystemen.
Fig. 2 zeigt beispielhaft eine weitere mögliche Ausbildungsform eines erfindungsgemäßen Systems, welches ebenfalls zur Posi¬ tionsbestimmung ausgebildet ist, in einem Kraftfahrzeug (nicht dargestellt) . Das System umfasst beispielsgemäß Trägheitsna¬ vigationssystem 201, Satellitennavigationssystem 204 und Odometrienavigationssystem 203 als unterschiedliche Sensor- Systeme. Trägheitsnavigationssystem 201, Satellitennavigati¬ onssystem 204 und Odometrienavigationssystem 203 geben Messdaten, die direkt bzw. indirekt Navigationsdaten beschreiben, nämlich eine Position, eine Geschwindigkeit, eine Beschleu¬ nigung, eine Ausrichtung, eine Gierrate bzw. eine
Gierbeschleunigung, an Fusionsfilter 205 aus. Die Ausgabe der Messdaten bzw. Navigationsinformationen erfolgt dabei über einen Fahrzeugdatenbus. Beispielsgemäß gibt Satellitennavigations¬ system 204 seine Messdaten bzw. Navigationsinformationen in Rohdatenform an aus .
Als zentrales Element bei einer Positionsbestimmung des
Kraftfahrzeugs wird Trägheitsnavigationssystem 201, bei dem es sich um eine sog. MEMS-IMU
(Micro-Electro-Mechanical-System-Inertial Measurement Unit) handelt in Kombination mit Strapdown-Algorithmus-Modul 207 verwendet, da dieses als fehlerfrei angenommen wird, d.h., es wird angenommen, dass die Messdaten bzw. Navigationsinforma¬ tionen von Trägheitsnavigationssystem 201 stets ihrem sto- chastischen Modell entsprechen, dass sie lediglich Rausch- einflüsse aufweisen und somit frei von äußeren bzw. zufälligen Fehlern bzw. Störungen sind. Das Rauschen sowie verbleibende, nicht modellierte Fehler von Trägheitsnavigationssystem 201, wie z.B. Nichtlinearität , werden dabei über den Messbereich als
mittelwertfrei, stationär und normalverteilt (sog. Gaußsches Weißes Rauschen) angenommen.
Trägheitsnavigationssystem 201 umfasst drei zueinander jeweils orthogonal erfassende Drehratensensoren und drei zueinander jeweils orthogonal erfassende Beschleunigungssensoren. Sa¬ tellitennavigationssystem 204 umfasst einen GPS-Empfänger, welcher über die Satellitensignallaufzeit zunächst Entfer¬ nungsmessungen zu den empfangbaren GPS-Satelliten vornimmt und außerdem aus der Änderung der Satellitensignallaufzeit sowie zusätzlich aus der Änderung der Anzahl der Wellenlängen der Satellitensignale eine vom Kraftfahrzeug zurückgelegte Weg¬ strecke bestimmt. Odometrienavigationssystem 203 umfasst je¬ weils einen Raddrehzahlsensor an jedem Rad des Kraftfahrzeugs sowie einen Lenwinkelsensor . Die Raddrehzahlsensoren bestimmen jeweils die Raddrehgschwindigkeit des ihnen zugeordneten Rads und der Lenkwinkelsensor bestimmt den eingeschlagenen Lenkwinkel . Trägheitsnavigationssystem 201 gibt seine Messdaten bzw. Navigationsinformationen an Vorverarbeitungseinheit 206 von Trägheitsnavigationssystem 201 aus. Vorverarbeitungseinheit 206 korrigiert nun die Messdaten bzw. Navigationsinformationen mittels Korrekturwerten, die Vorverarbeitungseinheit 206 von Fusionsfilter 205 erhält. Die solcherart korrigierten Ausga¬ bedaten bzw. die darin beschriebenen Navigationsinformationen werden weitergeführt an Strapdown-Algorithmus-Einheit 207.
Strapdown-Algorithmus-Modul 207 nimmt anhand der korrigierten Messdaten bzw. Navigationsinformationen von Vorverarbeitungseinheit 206 nun eine Positionsbestimmung vor. Diese Po¬ sitionsbestimmung ist dabei eine sog. Koppelnavigation auf Basis von Trägheitsnavigationssystem 201. Dazu werden die von Vorverarbeitungseinheit 206 ausgegebenen korrigierten Messdaten bzw. Navigationsinformationen fortlaufend über die Zeit aufintegriert bzw. aufaddiert. Strapdown-Algorithmus-Modul 207 kompensiert weiterhin eine auf Trägheitsnavigationssystem 201 wirkende Corioliskraft , welche sich auf die Messdaten bzw.
Navigationsinformationen von Trägheitsnavigationssystem 201 auswirken kann. Zur Positionsbestimmung führt
Strapdown-Algorithmus-Modul 207 eine zweifache Integration der von Trägheitsnavigationssystem 201 erfassten Messdaten bzw. Navigationsinformationen, welche Beschleunigungen beschreiben, über die Zeit durch. Dies ermöglicht eine Fortschreibung einer zuvor bekannten Position sowie eine Fortschreibung einer zuvor bekannten Ausrichtung des Kraftfahrzeugs. Zur Bestimmung einer Geschwindigkeit bzw. einer Drehrate des Kraftfahrzeugs führt Strapdown-Algorithmus-Modul 207 eine einfache Integration der von Trägheitsnavigationssystem 201 erfassten Messdaten bzw. Navigationsinformationen über die Zeit durch. Weiterhin korrigiert Strapdown-Algorithmus-Modul 207 auch die bestimmte Position mittels entsprechender Korrekturwerte von Fusions- filter 205. Fusionsfilter 205 führt in diesem Beispiel die
Korrektur also nur mittelbar über Strapdown-Algorithmus-Modul 207 aus. Die von Strapdown-Algorithmus-Modul 207 bestimmten und korrigierten Messdaten bzw. Navigationsinformationen, also die Position, die Geschwindigkeit, die Beschleunigung, die Aus- richtung, die Drehrate und die Drehbeschleunigung des Kraft¬ fahrzeugs werden nun an Ausgabemodul 212 und an Fusionsfilter 205 geführt .
Der von Strapdown-Algorithmus-Modul 207 ausgeführte sog.
Strapdown-Algorithmus ist dabei rechnerisch nur wenig komplex und lässt sich daher als echtzeitfähiges Sensorbasissystem realisieren. Er stellt einen Verfahrensablauf zur Integration der Messdaten bzw. Navigationsinformationen von Trägheitsnavigationssystem 201 zu Geschwindigkeit, Ausrichtung und Position dar und beinhaltet keine Filterung, so dass sich eine annähernd konstante Latenzzeit und Gruppenlaufzeit ergibt.
Der Begriff Sensorbasissystem beschreibt dabei dasjenige Sensorsystem, dessen Messdaten bzw. Navigationsinformationen mittels der Messdaten bzw. Navigationsinformationen der anderen Sensorsysteme, der sog. Korrektursysteme, korrigiert werden. Beispielsgemäß handelt es sich bei den Korrektursystemen um
Odometrienavigationssystem 203 und um Satellitennavigations¬ system 204.
Trägheitsnavigationssystem 201, Vorverarbeitungseinheit 206 von Trägheitsnavigationssystem 201 und Strapdown-Algorithmus-Modul 207 bilden beispielsgemäß zusammen das sog. Sensorbasissystem, zu welchem zusätzlich anteilig auch Fusionsfilter 205 gezählt wird . Ausgabemodul 212 gibt die von Strapdown-Algorithmus-Modul 207 bestimmten und korrigierten Messdaten bzw. Navigationsinformationen an beliebige weitere Systeme des Kraftfahrzeugs weiter.
Die von Satellitennavigationssystem 204 erfassten Messdaten werden beispielsgemäß in Form von Sensorsignalen über eine sog. UART-Datenverbindung zunächst an Vorverarbeitungseinheit 208 von Satellitennavigationssystem 204 weitergeführt. Vorverarbeitungseinheit 208 bestimmt nun aus den von Satellitennavi¬ gationssystem 204 ausgegebenen Messdaten, welche GPS-Rohdaten darstellen und auch eine Beschreibung der Umlaufbahn des jeweils die GPS-Signale sendenden GPS-Satelliten umfassen, eine Position und eine Geschwindigkeit des Kraftfahrzeugs im
GPS-Koordinatensystem. Außerdem bestimmt Satellitennavigationssystem 204 eine relative Geschwindigkeit des Kraftfahrzeugs zu den GPS-Satelliten, von denen GPS-Signale empfangen werden. Weiterhin korrigiert Vorverarbeitungseinheit 208 einen in den Messdaten enthaltenen Zeitfehler einer Empfängeruhr von Satellitennavigationssystem 204, welcher durch eine Drift der Empfängeruhr entsteht, sowie mittels eines Korrekturmodells die durch atmosphärische Einwirkungen auf die von den GPS-Satelliten gesendeten GPS-Signale verursachten Veränderungen in der Signallaufzeit und dem Signalweg. Die Korrektur des Zeitfehlers sowie der atmosphärischen Einwirkungen erfolgen mittels von Fusionsfilter 205 erhalten Korrekturwerten.
Satellitennavigationssystem 204 ist weiterhin Plausibilisie- rungsmodul 209 zugeordnet, welches die von Vorverarbeitungs¬ einheit 208 ausgegebenen Messdaten bzw. Navigationsinforma-
tionen, also die Position und die Geschwindigkeit des Kraft¬ fahrzeugs, plausibilisiert . Die von Plausibilisierungsmodul 209 plausibilisierten Messdaten bzw. Navigationsinformationen werden dann an Fusionsfilter 205 ausgegeben.
Das System umfasst weiterhin Vorverarbeitungseinheit 210 von Odometrienavigationssystem 203, welche die von
Odometrienavigationssystem 203 erfassten Messdaten bzw. Navigationsinformationen erhält. Die erfassten Messdaten bzw. Navigationsinformationen sind in diesem Fall die Messdaten bzw. Navigationsinformationen der einzelnen Raddrehzahlsensoren sowie die Messdaten bzw. Navigationsinformationen des Lenkwinkelsensors. Vorverarbeitungseinheit 210 bestimmt nun aus den von Odometrienavigationssystem 203 ausgegebenen Messdaten bzw. Navigationsinformationen gemäß einem sog. Koppelnavigations¬ verfahren die Position und die Ausrichtung des Kraftfahrzeugs im Kraftfahrzeugkoordinatensystem. Weiterhin werden die Geschwindigkeit, die Beschleunigung, die Drehrate und die
Drehbeschleunigung des Kraftfahrzeugs bestimmt, ebenfalls im Kraftfahrzeugkoordinatensystem. Außerdem korrigiert Vorverarbeitungseinheit 210 die von Odometrienavigationssystem 203 erhaltenen Messdaten bzw. Navigationsinformationen mittels von Fusionsfilter 205 erhaltenen Korrekturwerten. Odometrienavigationssystem 203 ist weiterhin Plausibilisierungsmodul 211 zugeordnet, welches die von Vorverarbeitungs¬ einheit 210 ausgegebenen Messdaten bzw. Navigationsinforma¬ tionen, also die Position, die Ausrichtung, die Geschwindigkeit, die Beschleunigung, die Drehrate und die Drehbeschleunigung des Kraftfahrzeugs, plausibilisiert. Da die Fehlerwerte der
Messdaten bzw. Navigationsinformationen von
Odometrienavigationssystem 203 häufig zufällige, umweltbedingte Störungen sind, die nicht Weißem Rauschen entsprechen, z.B. bei vergleichsweise großem Radschlupf, werden die mittels Träg- heitsnavigationssystem 201 und mittels Satellitennavigati¬ onssystem 204 bestimmten Messdaten bzw. Navigationsinformationen genutzt, um die Messdaten bzw. Navigationsinformationen von Odometrienavigationssystem 203 zu plausibilisieren . Zu-
nächst werden auch hier aber die Messdaten bzw. Navigationsinformationen gegen ein ihnen zugeordnetes, sensorindividuelles Modell abgeglichen, welches Messunsicherheiten wie Rauscheinflüsse berücksichtigt. Sofern die Messdaten bzw. Naviga- tionsinformationen dem Modell innerhalb der gegebenen Grenzwerte bzw. Toleranzbereiche entsprechen, erfolgt hier eine
Plausibilisierung und die solcherart plausibilisierten Messdaten bzw. Navigationsinformationen werden weiterverarbeitet. Die plausibilisierten Messdaten bzw. Navigationsinformationen werden dann an Fusionsfilter 205 weitergeführt. Sofern eine Plausibilisierung dieser Messdaten bzw. Navigationsinformationen nicht erfolgen kann, werden die entsprechenden Messdaten bzw. Navigationsinformationen verworfen und nicht weiter verarbeitet .
Fusionsfilter 205 ist beispielsgemäß als Er- ror-State-Space-Kalman-Filter ausgebildet. Die Hauptaufgabe von Fusionsfilter 205 ist es beispielsgemäß, Messdaten bzw. Na¬ vigationsinformationen des Sensorbasissystems, also von
Trägheitsnavigationssystem 201, mittels aus Messdaten bzw.
Navigationsinformationen von Odometrienavigationssystem 203 und Satellitennavigationssystem 204, welche die Korrektursysteme darstellen, zu korrigieren, bzw. entsprechende Korrekturwerte an Strapdown-Algorithmus-Modul 207 auszugeben. Da Trägheitsna- vigationssystem 201 beispielsgemäß als frei von zufälligen
Fehlern und äußeren Störungen angenommen wird, unterliegen die Messdaten bzw. Navigationsinformationen von Trägheitsnavigationssystem 201 ausschließlich Weißem Rauschen. Aufgrund der unterschiedlichen Signalausgabeverzüge von Trägheitsnaviga- tionssystem 201, Odometrienavigationssystem 203 und Satellitennavigationssystem 204 werden die Messdaten bzw. Navigationsinformationen von Trägheitsnavigationssystem 201 über einen Zeitraum von 25 Messepochen in einem nicht dargestellten elektronischen Datenspeicher gespeichert. Somit ist sicher- gestellt, dass sowohl für die Messdaten bzw. Navigationsinformationen von Odometrienavigationssystem 203 als auch von Satellitennavigationssystem 204 stets Messdaten bzw. Navigationsinformationen von Trägheitsnavigationssystem 201 zum
Vergleichen vorliegen, die beipielsgemäß zu einem identischen Zeitpunkt erfasst wurden.
Da es sich bei Fusionsfilter 205 um einen sog. Er- ror-State-Space-Kalman-Filter handelt, werden ausschließlich die quantitativen Fehlerwerte der Messdaten bzw. Navigationsinformationen bestimmt und entsprechende Korrekturen aus¬ geführt. Dies vereinfacht und beschleunigt die von Fusionsfilter 205 vorgenommene Fusion der Messdaten bzw. Navigationsinfor- mationen von Trägheitsnavigationssystem 201,
Odometrienavigationssystem 203 und Satellitennavigationssystem 204 zu einem gemeinsamen Fusionsdatensatz. Somit wird eine echtzeitfähige Positionsbestimmung und Korrektur der Positionsbestimmung ermöglicht.
Das in Fig. 2 dargestellte System stellt einen sog. virtuellen Sensor dar, wobei Trägheitsnavigationssystem 201,
Odometrienavigationssystem 203 und Satellitennavigationssystem 204 jedoch nicht Bestandteile des virtuellen Sensors sind. Ein virtueller Sensor ist ein System, welches unabhängig von der Art der eingebundenen Sensorsysteme - hier also Trägheitsnaviga¬ tionssystem 201, Odometrienavigationssystem 203 und Satellitennavigationssystem 204 - stets die gleichen Ausgangsdaten bzw. Ausgaben erzeugt. Anhand der Ausgangsdaten bzw. Ausgaben ist nicht ersichtlich, welche Sensorsysteme in das System einge¬ bunden sind.
Auch das in Fig. 2 beispielhaft dargestellte System verwendet eine erste Gruppe von Messdaten bzw. Navigationsinformationen, die sich auf ein Kraftfahrzeugkoordinatensystem, also fahrzeugfeste Koordinaten, beziehen und zusätzlich eine zweite Gruppe von Messdaten bzw. Navigationsinformationen, die sich auf ein topozentrisches Koordinatensystem, also topozentrische Koordinaten, beziehen. Bei den von Messdaten bzw. Navigati- onsinformationen, die sich auf das Kraftfahrzeugkoordinatensystem beziehen, handelt es sich um Messdaten bzw. Navigationsinformationen von Trägheitsnavigationssystem 201 und bei den von Messdaten bzw. Navigationsinformationen, die sich auf das
topozentrische Koordinatensystem, beziehen, handelt es sich um Messdaten bzw. Navigationsinformationen von Satellitennavigationssystem 204. Durch die erfindungsgemäße Bestimmung der Fehlerwerte der Geschwindigkeit in fahrzeugfesten Koordinaten wird es möglich, dass eine ausrichtungsunabhängige Anbringung von Korrekturen an in fahrzeugfesten Koordinaten gemessenen Geschwindigkeiten möglich wird und die Unsicherheiten der Messdaten bzw. Navigationsdaten von Trägheitsnavigationssystem 201 weiterhin korrekt beschrieben werden. Es entsteht darüber hinaus keine Einschränkung, falls nur in topozentrischen Koordinaten gemessene Korrekturen verfügbar sind, da das Sensorbasissystem selbst in fahrzeugfesten Koordinaten erfasst und daher die Ausrichtungswinkel zwischen fahrzeugfesten Koordi¬ naten und topozentrischen Koordinaten bestimmbar sind. Somit ist eine voneinander unabhängige, aber auch eine gleichzeitige
Verwendbarkeit von fahrzeugfest gemessenen und in topozentrisch gemessenen Korrekturen in jedem Betriebs zustand erreicht . Selbst wenn im Falle unbekannter Ausrichtungswinkel mit der Ge¬ schwindigkeit in topozentrischen Koordinaten gerechnet wird, wird durch die Rücktransformation in fahrzeugfeste Koordinaten dieser Fehler eliminiert und damit die korrekte Geschwindigkeit in fahrzeugfesten Koordinaten erhalten. Dabei wird die Unsicherheit der Ausrichtungswinkel und die daraus auch über die Geschwindigkeit anwachsende Unsicherheit der Position korrekt bestimmt und kann als Korrektur angebracht werden.
Gemäß einem weiteren, nicht dargestellten Ausführungsbeispiel bestimmt das Fusionsfilter die Zustände bzw. physikalischen Größen Ausrichtungsfehler, Geschwindigkeitsfehler, Positi- onsfehler, Achsenabschnittsfehler, Gyroskope, Achsenabschnittsfehler, Accelerometer, Skalenfaktorfehler
Gyroskope, Skalenfaktorfehler Accelerometer,
GPS-Empfängeruhrfehler und GPS-Empfängeruhrfehlerdrift . Der Achsenabschnittsfehler ist dabei auch als sog. Offsetfehler bekannt. Der Begriff Accelerometer bezeichnet Beschleunigungssensorenbzw. Trägheitssensoren. Die folgende Tabelle zeigt beispielhaft einen Überblick über vom Fusionsfilter bestimmte Fehlerwerte, deren üblicherweise verwendete Symbolik, die
üblicherweise verwendete Messeinheit sowie das üblicherweise verwendete Koordinatensystem:
Daraus ergibt sich beispielhaft der resultierende Zustands- vektor :
X
Definitionen :
wahre Ausrichtungsmatrix (Richtungskosinusmatrix) zwischen Navigations- und fahrzeugfesten Koordinaten
Lagefehler zwischen wahrer und geschätzter
Richtungskosinusmatrix
geschätzter Richtungskosinusmatrix zwischen Navigationsund fahrzeugfesten Koordinaten
Beispielhaft gilt:
Die Kreuzproduktbildende Matrix [p x] eines 3x1 Vektors p ist definiert als:
mit der Eigenschaft:
Somit kann beispielhaft das folgende Systemmodell erstellt werden, bei dem die an sich bekannte Grundgleichungen durch Multiplikation mit der Richtungskosinusmatrix bzw. ihrer
Transponierten in das fahrzeugfeste Koordinatensystem transformiert werden:
Definition / Substitution
Ausrichtungsfehler :
Geschwindigkeitsfehler :
Positionsfehler :
Systemmodell :
Annahme: Unabhängigkeit der GPS-Uhrenfehler-States von den anderen Fehlern.
Partielle Ableitung: Ausrichtungsfehlerrate nach Drehraten:
Partielle Ableitung: Ausrichtungsfehlerrate nach Bo- dy-Geschwindigkeit :
Partielle Ableitung: Ausrichtungsfehlerrate nach Position:
Partielle Ableitung: Ausrichtungsfehlerrate nach Achsenab¬ schnittsfehler der Gyroskope:
Partielle Ableitung: Ausrichtungsfehlerrate nach Achsenab¬ schnittsfehler der Beschleunigungsmesser:
Partielle Ableitung: Ausrichtungsfehlerrate nach
Skalenfaktorfehler der Gyroskope:
ς ύ
Partielle Ableitung: Ausrichtungsfehlerrate nach
Skalenfaktorfehler der Beschleunigungsmesser:
Partielle Ableitung: Geschwindigkeitsfehlerrate nach Drehraten:
Partielle Ableitung: Geschwindigkeitsfehlerrate nach Bo- dy-Geschwindigkeit :
Partielle Ableitung: Geschwindigkeitsfehlerrate nach Position
Partielle Ableitung: Geschwindigkeitsfehlerrate nach Achsen¬ abschnittsfehler der Gyroskope:
Partielle Ableitung: Geschwindigkeitsfehlerrate nach Achsen¬ abschnittsfehler der Beschleunigungsmesser:
Partielle Ableitung: Geschwindigkeitsfehlerrate nach
Skalenfaktorfehler der Gyroskope:
Partielle Ableitung: Geschwindigkeitsfehlerrate nach
Skalenfaktorfehler der Beschleunigungsmesser:
Partielle Ableitung: Positionsfehlerrate nach Drehraten
Partielle Ableitung: Positionsfehlerrate nach Bo- dy-Geschwindigkeit :
Partielle Ableitung: Positionsfehlerrate nach Position:
Partielle Ableitung: Positionsfehlerrate nach Achsenab¬ schnittsfehler der Gyroskope:
Partielle Ableitung: Positionsfehlerrate nach Achsenab¬ schnittsfehler der Beschleunigungsmesser:
Partielle Ableitung: Positionsfehlerrate nach
Skalenfaktorfehler der Beschleunigungsmesser:
Partielle Ableitung: Positionsfehlerrate nach
Skalenfaktorfehler der Gyroskope:
Modell des GPS-Empfängeruhrfehlers und dessen Drift:
Partielle Ableitung: Reifenhalbmesser:
Resultierendes Systemmodell:
Weiterhin wird im Folgenden beispielhaft ein Modell zum Na- vigieren mittels des Bestimmens des GPS-Codes beschrieben.
Der große Vorteil der Codemessung ist die schnelle und un¬ komplizierte Berechnung der Position, weshalb sie besonders in der Navigation eingesetzt wird. Die Entfernung wird mit Hilfe des „Newton' sehen Gesetzes der Kinematik" berechnet: Weg = Ge¬ schwindigkeit x Zeit. Die Geschwindigkeit, mit der sich das Funksignal ausbreitet, ist die Lichtgeschwindigkeit, also ca. 290.00 Kilometer in der Sekunde. Damit der Empfänger die Zeit der Signalreise bestimmen kann, muss er wissen, wann das Funksignal den Satelliten verlassen hat. Dem Signal sind dazu zwei Codes aufmoduliert, der C/A-Code und der P-Code. Der Satellit sendet das C/A-Signal mit Hilfe der hochgenauen Atomuhren. Der Empfänger besitzt ebenfalls eine Uhr, mit der er einen eigenen C/A-Code erzeugen kann. Der Empfänger verschiebt jetzt beide Codes (empfangenen und selbst produzierten Code) , bis sie de¬ ckungsgleich sind. Zusätzlich müssen sie miteinander in
Wechselbeziehung gebracht werden. Der C/A- Code ist ein pseudo-zufälliger digitaler Code. In Wirklichkeit wird er aber pro Sekunde etwa tausendmal wiederholt. Auf diese Art und Weise kann der Empfänger die Dauer der Signalreise bestimmen.
Messgleichung für GPS Code:
hierbei ist zPSR die vom GPS gemessene Pseudorange und zPSR die rechnerische Pseudorange aus dem Strapdown Algorithmus:
Die sog. Pseudoranges beschreiben dabei Entfernungen, die zur Ortsbestimmung herangezogen werden. Sie weichen von den wahren Distanzen um einen konstanten, aber vorerst unbekannten Betrag ab. Zunächst werden daher die Laufzeit der Funksignale von den verwendeten Satelliten zum Empfänger des Beobachters gemessen. Daraus ergeben sich die momentanen Entfernungen zu den Satelliten, die jedoch noch mit Fehlern der Uhren (Satellit, Empfänger) und anderen Einflüssen behaftet sind. Sind jedoch die Satellitenuhren untereinander genau synchronisiert, so sind alle gemessenen Laufzeiten praktisch nur mehr vom Synchronisationsfehler der Empfängeruhr betroffen - d.h. alle um nahezu denselben Betrag verfälscht. Diese um eine Konstante zu langen oder zu kurzen Distanzen werden PseudoStrecken (Pseudo Ranges) genannt .
mit
Position des Satelliten in Navigationskoordinaten
Hebelarm von IMU (Koordinatenursprung Nav-Koordinaten) zur
GPS-Antenne (Phasenzentrum)
Empfängeruhrfehler, bereits über die Lichtgeschwindigkeit zu einer Strecke umgerechnet
Weiterhin ist der Einheitsvektor in Navigationskoordinaten, der von der Antenne in Richtung des jeweiligen Satelliten zeigt, definiert als:
Messmodell Ausrichtungsfehler für GPS
Messmodell Geschwindigkeitsfehler für GPS Codemessung:
Messmodell Positionsfehler für GPS Codemessung:
Messmodell Offset Gyroskope für GPS Codemessung:
Messmodell Offset Beschleunigungsmesser für GPS Codemessung:
Messmodell Skalenfaktorfehler Gyroskope für GPS Codemessung:
Messmodell Skalenfaktorfehler Beschleunigungsmesser für GPS Codemessung:
Messmodell Empfängeruhrfehler und -drift für GPS Codemessung:
Messmodell Reifenhalbmesser für GPS Codemessung:
.1)
Resultierende Beobachtungsmatrix für GPS Codemessungen:
Weiterhin wird im Folgenden beispielhaft ein Modell zum Na¬ vigieren mittels des Bestimmens von differenzierten
GPS-Trägerphasen beschrieben.
Die Trägerphasenmessung ist dabei eine rein geodätische Methode, mit der eine sehr hohe Auflösegenauigkeit im Millimeterbereich erreicht werden kann. Diese Messung setzt einen hochwertigen Empfänger voraus, der zumindest die Trägerphase LI und ggf. auch die Trägerphase L2 messen kann. Im Vergleich zur Codemessung ist die Trägerphasenmessung wesentlich komplexer und zeitinten- siver. Bei dieser Beobachtung werden nicht die Codes, sondern die Trägerwellen miteinander verglichen. Durch Bestimmung der Phasenmehrdeutigkeit kann die Anzahl der ganzen Wellen zwischen Satelliten und Empfänger bestimmt werden. Die Wellenlänge des LI-
Signals beträgt 19,05 cm und des L2- Signals beträgt 24,45. Da aber das Signal nicht mit einer ganzen Wellenlänge am Empfänger ankommt, muss noch die Länge dieses Phasenreststückes bestimmt werden. Geodätische Empfänger können dies bis auf den Millimeter genau .
Messgleichung für GPS Trägerphase:
hierbei ist zDPH die vom GPS gemessene Differenzgeschwindigkeit zum Satelliten und zDPH die rechnerische Differenzgeschwindigkeit aus dem Strapdown Al orithmus:
mit
Geschwindigkeit des Satelliten in Navigationskoordinaten Empfängeruhrfehlerdrift, bereits über die Lichtgeschwin¬ digkeit zu einer Geschwindigkeit umgerechnet
Messmodell Ausrichtungsfehler für GPS Trägerphasenmessung:
Messmodell Geschwindigkeitsfehler für GPS Trägerphasenmessung:
Messmodell Positionsfehler für GPS Trägerphasenmessung:
Messmodell Achsenabschnittsfehler der Gyroskope für GPS Trägerphasenmessung :
Messmodell Achsenabschnittsfehler der Beschleunigungsmesser für GPS Trägerphasenmessung:
Messmodell Skalenfaktorfehler der Gyroskope für GPS Träger- phasenmessung:
Messmodell Skalenfaktorfehler der Beschleunigungsmesser für GPS Trägerphasenmessung :
Messmodell Empfängeruhrfehler und -drift für GPS Trägerpha¬ senmessung :
Messmodell Reifenhalbmesser für GPS Codemessung:
Resultierende Beobachtungsmatrix für GPS Trägerphasenmessungen:
Weiterhin wird im Folgenden beispielhaft ein Modell zum Navigieren mittels Odometrie beschrieben. Messgleichung für Odometrie:
hierbei ist
die von der Odometrie gemessene Bewegungs¬ geschwindigkeit des RadaufStandspunktes in fahrzeugfesten Koordinaten und
die rechnerische Bewegungsgeschwindigkeit aus dem Strapdown Algorithmus:
M
Zur Bildung der partiellen Differentiale der Messgleichungen zur Korrektur von sowohl der Größen des Strapdown Algorithmus, wie auch der Reifenhalbmesser, werden die beihnaltenden Größen
und
beide im Prädiktionsvektor
vereint, und der Messvektor zodo zu Null gesetzt:
Damit ergeben sich alle partiellen Differentiale aus zodo , Einsetzen in
ergibt :
mit
gemessene Winkelgeschwindigkeit des Rades
Drehmatrix um den Winkel zwischen Body-Koordinaten und Radkoordinaten
Hebelarm zwischen IMU (Koordinatenursprung) und
RadaufStandspunkt
dynamischer Reifenhalbmesser
Messmodell Ausrichtungsfehler für Odometriemessungen:
Messmodell Geschwindigkeitsfehler für Odometriemessungen:
Messmodell Positionsfehler für Odometriemessungen :
Messmodell Achsenabschnittsfehler der Gyroskope für
Odometriemessungen :
Messmodell Achsenabschnittsfehler der Beschleunigungsmesser fü Odometrie-messungen :
Messmodell Skalenfaktorfehler der Gyroskope für
Odometriemessungen :
Messmodell Skalenfaktorfehler der Beschleunigungsmesser für Odometriemessungen :
Messmodell Empfängeruhrfehler und -drift für
Odometriemessungen :
Messmodell Reifenhalbmesser für Odometriemessungen
Resultierende Beobachtungsmatrix für Odometrie: