Bohrungsprofil für eine Kolbenbolzenlagerung
Beschreibung
Die Erfindung betrifft die Lagerung eines Kolbenbolzens in einem Kolben, über den ein Pleuel mit dem Kolben gelenkig verbunden ist. Dazu weist ein Kolbenschaft zwei voneinander beabstandete Kolbenbolzennaben auf, in denen jeweils eine Nabenbohrung eingebracht ist, die zur Aufnahme des Kolbenbolzens bestimmt sind, der gleichzeitig durch eine Bohrung eines Pleuelauges geführt ist. Jede Bohrung schließt in zumindest einem Teilbereich ein von einer Zylinderform abweichendes Bohrungsprofil auf.
In Brennkraftmaschinen mit einem Kurbeltrieb verbindet das Pleuel den Kolben mit der Kurbelwelle. In zwei voneinander beabstandeten Nabenbohrungen des Kolbens ist ein Kolbenbolzen außenseitig gelagert, der weiterhin durch ein Pleuelauge des Pleuels geführt ist, während das Pleuel mit einem weiteren großen Pleuelauge einen Kurbelzapfen der Kurbelwelle umschließt. Durch den Kurbeltrieb bedingt werden die Nabenbohrungen und die Bohrung im Pleuelauge sowohl in der waagerechten also in der senkrechten Ebene, insbesondere in dem Zenit und dem Nadir auf Zug, Druck und Biegung beansprucht. Im Betriebszustand wird die Kurbelschwingebene durch auf den Kolbenboden einwirkende Gaskräfte belastet, wodurch sich wechselnde, in Druckseite und die Gegendruckseite gerichtete unterschiedliche Seitenkräfte auf den Kolben und auf das Pleuel einstellen. Eine Übertragung der Gaskräfte erfolgt dabei von dem Kolben über die Kolbenbolzennaben auf den Kolbenbolzen und anschließend in das Pleuel. Dabei kommt es zu einer periodischen elastischen Verformung des Kolbenbolzens. Aufgrund erhöhter Verbrennungsdrücke steigt die Flächenpressung im Bereich der zur Aufnahme des Kolbenbolzens bestimmten
Bohrungen. Eine Überschreitung von Grenzwerten verursacht Folgeschäden wie beispielsweise Materialrisse oder Bolzennabenspaltbrüche, die zu einer einschränkten Lebensdauer bzw. zu einem vorzeitigen Ausfall des Kolbens führen. Die größte Beanspruchung des Kolbenbolzens stellt sich im Bereich eines BoIo- Scheitels ein, einer brennraumseitigen Hauptbelastungszone des Kolbens. Es ist bekannt, aufgrund der sich im Betriebszustand einstellenden Zug- und Druckkräfte und den sich daraus ergebenden Verformungen des Kolbenbolzens, zur Entlastung der Kolbenbolzenlagerung geometrische Änderungen vorzunehmen und dazu die Bohrungen in den Kolbenbolzennaben nicht exakt zylindrisch auszuführen.
Um eine unzulässige Verformung in den Bohrungen der Kolbenbolzennaben aufgrund von mechanischen und thermischen Belastungen zu vermeiden, ist aus der DE 44 31 990 A ein Kolben bekannt, bei dem die Nabenbohrungen als Formbohrungen gestaltet sind. Als Maßnahme, um dem Kolbenbolzen mehr Raum für Verformungen zu geben, wird gemäß der DE 16 50 206 A1 eine ovale Nabenbohrung vorgeschlagen, bei der die große Achse des Ovals quer zur Längsachse des Kolbens liegt. Damit soll gleichzeitig die verbesserte Fresssicherheit zwischen dem Kolbenbolzen und den Bohrungen in den Kolbenbolzennaben erreicht werden. Aus der DE 102 22 463 A1 ist eine stirnseitig im Nabenbereich ausgeführte Hochovalität der Nabenbohrung bekannt, bei der die im Zenit der Kolbenbolzennabe angeordnete Mantellinie des Ovals parallel zur Nabenbohrungsachse verläuft. Dadurch soll erreicht werden, dass die außerhalb der Kolbenachse liegenden seitlichen Bereiche der Nabenbohrung höher belastet werden. Die Lösungen gemäß dem bekannten Stand der Technik versuchen, die Verformung von Bohrungen der Kolbenbolzennaben zu kompensieren, indem diese abschnittsweise oval ausgelegt werden. Eine Formgebung der Bohrung, die exakt die Verformung des Kolbenbolzens und der Nabenbohrung im Belastungsfall abbildet, ist mit den Lösungen gemäß dem Stand der Technik nicht erreichbar. Hinzu kommt, dass für die
Bohrung in dem Pleuelauge bisher keine den Verformungen im Betriebszustand angepassten Bohrungsprofile vorgeschlagen werden.
Der Erfindung liegt die Aufgabe zu Grunde, ein der Beanspruchung des Kolbenbolzens entsprechendes belastungs- und verformungsgerechtes Bohrungsprofil für die Nabenbohrungen des Kolbens und der Pleuelbohrung bereitzustellen.
Zur Lösung der Aufgabe wird gemäß Anspruch 1 vorgeschlagen, dass zur Bildung eines Bohrungsprofils mit einer asymmetrischen Feingeometrie den Bohrungen in den Kolbenbolzennaben und/oder der Bohrung in dem Pleuelauge in Umfangsrichtung zumindest eine doppelte Ovalität überlagert ist. Die als eine Formbohrung ausgeführte erfindungsgemäße asymmetrische Feingeometrie bildet ein Bohrungsprofil, das in einem Bohrungseintritt und/oder in einem Bohrungsaustritt Bereiche aufweist, die zwischen einer X-Achse und einer Y-Achse abweichend gestaltet sind. Ein weiteres erfindungsgemäßes Auslegungskriterium sieht vor, dass zumindest ein der X-Achse und/oder der Y-Achse benachbarter Abschnitt des Bohrungsprofils zu dem zugehörigen gegenüberliegenden Abschnitt im Bohrungseintritt und/oder im Bohrungsaustritt unterschiedlich gestaltet ist. Außerdem umfasst das Bohrungsprofil gemäß der Erfindung einen inneren zylindrisch gestalteten oder von einer Zylinderform abweichenden Teilbereich, der sich von der Profilierung des Bohrungseintritts und/oder des Bohrungsaustritts unterscheidet. Durch die erfindungsgemäßen Maßnahmen kann vorteilhaft eine für den Kolbenbolzen bestimmte Bohrungsprofilierung in den Kolbenbolzennaben und/oder dem Pleuelauge realisiert werden, die jeder temperaturbedingten und belastungsabhängigen Verformung des Kolbens und des Kolbenbolzens angepasst ist. Eine bevorzugte Auslegung sieht vor, dass die überlagerte Ovalität insbesondere der Bolzenverformung unter Berücksichtigung der Seitenkräfte angepasst wird. Dazu bietet das erfindungsgemäße asymmetrische Bohrungsprofil die Möglichkeit, zur
Erzielung einer vorteilhaft höheren Bauteilbelastbarkeit des Kolbens eine Kräfteverteilung in Richtung der Druckseite (DS) und der Gegendruckseite (GDS) zu optimieren. Damit stellt sich ein verbessertes mechanisches Betriebsverhalten ein, verbunden mit deutlich reduzierten mechanischen Spannungen im Kolben, wodurch insbesondere belastungsabhängige, unerwünschte Deformationen oder Kontaktpressungen des Bolo-Scheitels in den Nabenbohrungen und/oder der Pleuelbohrung unterbleiben. Die erfindungsgemäße Bohrungsprofilierung verbessert gleichzeitig die Kolbenlebensdauer und nimmt außerdem einen positiven Einfluss auf die Geräuschbildung der Kolbenbolzenlagerung.
Eine bevorzugte Ausgestaltung der Erfindung sieht vor, dass zumindest eine Bohrung ein asymmetrisches Bohrungsprofil aufweist, dem eine mehrfache, d.h. mehr als doppelte Ovalität in Umfangsrichtung überlagert ist. Die Ovalität bzw. die Ovalitäten des Bohrungsprofils sind in der jeweiligen Bohrung der Kolbennaben und/oder des Pleuelauges insbesondere in einem Winkel von 45° zu der X- bzw. der Y-Achse ausgerichtet.
Weiterhin ist gemäß der Erfindung vorgesehen, die Asymmetrie des Bohrungsprofils zumindest einer Bohrung bevorzugt in Richtung einer Druckseite (DS) des Kolbens zu platzieren, um eine Pressungsverteilung in der druckbelasteten Zone gezielt zu optimieren. Alternativ dazu kann erfindungsgemäß in den Bohrungen der Kolbennaben und/oder in der Bohrung des Pleuelauges die asymmetrische Feingeometrie in Richtung der Druckseite (DS) und/oder in Richtung der Gegendruckseite (GDS) angeordnet werden. Die zueinander versetzten Ovalitäten des asymmetrischen Bohrungsprofils zwischen der Druckseite (DS) und der Gegendruckseite (GDS) sind dabei erfindungsgemäß geometrisch abweichend ausgebildet. Eine bevorzugte Ausgestaltung der Erfindung sieht eine gestufte Ovalität vor, bei der ein äußerer Bereich in mehreren Abschnitten zunimmt, wobei sich jeder Abschnitt an den vorhergehenden Abschnitt stufenlos anschließt.
Weiterhin schließt die asymmetrische Feingeometrie gemäß der Erfindung zumindest in den Bohrungen der Kolbennaben eine als schiefe Trompetenform gestaltete radiale Aufweitung in Endzonen der Bohrungen ein. Diese insbesondere zum Kolbenboden und/oder zur Kurbelwelle ausgerichtete Innenkontur bildet vorteilhaft einen gleichmäßig radial aufgeweiteten trompetenförmigen Verlauf, der einer Durchbiegung bzw. einer elastischen Verformung des Kolbenbolzens im Betriebszustand angepasst ist, wobei der trompetenförmige Verlauf sowohl umfangsseitig als auch zwischen dem Bohrungseintritt und dem Bohrungsaustritt abweichend ausgeführt sein kann. Ergänzend dazu schließt die Erfindung ebenfalls trompetenförmig aufgeweitete Endzonen der Bohrung in dem Pleuelauge ein.
Das eine asymmetrische Feingeometrie einschließende Bohrungsprofil gemäß der Erfindung ist weiterhin so ausgelegt, dass ein sich von einer Bohrungsmitte zu einer Bohrungsinnenwand einstellendes Maß X1 der X-Achse übereinstimmt oder sich unterscheidet von einem Maß Y1 der Y-Achse. Die geometrische Auslegung des erfindungsgemäßen Bohrungsprofils sieht außerdem vor, dass die erste wie auch die zweite Ovalität von einem von einer Zylinderform abweichenden radialen Innenmaß und einem radialen Außenmaß definiert wird. Die Innenmaße und die Außenmaße jeder Ovalität sind erfindungsgemäß übereinstimmend oder voneinander abweichend ausgelegt. Weiterhin unterscheiden sich die Maße der ersten Ovalität von den Maßen der zweiten Ovalität. Diese Auslegungsvielfalt ermöglicht, ein optimales, der Beanspruchung des Kolbenbolzens entsprechendes belastungs- und verformungsgerechtes Bohrungsprofil für die Nabenbohrungen des Kolbens und der Pleuelbohrung bereitzustellen.
Im Folgenden wird die Erfindung anhand eines Ausführungsbeispiels unter Bezugnahme auf vier Zeichnungen näher erläutert.
Es zeigen:
Figur 1 in einer Schnittansicht einen erfindungsgemäßen Kolben,
Figur 2 in einer Vorderansicht eine erfindungsgemäß gestaltete Nabenbohrung,
Figur 3 die Nabenbohrung gemäß Figur 2 in einer Schnittansicht 3-3,
Figur 4 die Nabenbohrung gemäß Figur 2 in einer Schnittansicht 4-4.
Die Figur 1 zeigt einen Kolben 1 in Verbindung mit einem Pleuel 2 in einer Schnittansicht. Ein Kolbenoberteil 3 des Kolbens 1 umfasst einen Kolbenboden 4 mit integrierter Brennraummulde 5 und bildet außenseitig einen an den Kolbenboden 4 angrenzenden Feuersteg 6, an den sich ein Kolbenringfeld 7 anschließt. In einem ein Kolbenunterteil bildenden Kolbenschaft 8 sind zwei diametral gegenüberliegende Kolbenbolzennaben 9 angeordnet, in denen jeweils eine Nabenbohrung 10 eingebracht ist. Die Nabenbohrungen 10 sind zur Aufnahme eines Kolbenbolzens 11 bestimmt, über die der Kolben 1 gelenkig mit dem Pleuel 2 verbunden ist. Der Kolbenbolzen 11 ist weiterhin durch eine Bohrung 12 eines Pleuelauges 13 geführt. Im Betriebszustand der Brennkraftmaschine wird der Kolben 1 periodisch von einer Gaskraft in Pfeilrichtung beaufschlagt, die über den Kolbenbolzen 11 auf das Pleuel 2 übertragen wird. Dabei kommt es zu einer elastischen Verformung beziehungsweise Durchbiegung des Kolbenbolzens 11. Dazu sind die Nabenbohrungen 10 sowie die Bohrung 12 im Pleuelauge 13 entsprechend profiliert, insbesondere in einem Bohrungseintritt und einem Bohrungsaustritt lokal radial aufgeweitet. Die Nabenbohrungen 10 bilden dazu ein Bohrungsprofil 14.
Die Figur 2 zeigt die als Formbohrung gestaltete Nabenbohrung 10 in einem vergrößerten Maßstab, wodurch die asymmetrische Feingeometrie des
Bohrungsprofils 14 verdeutlicht wird, dem in Umfangsrichtung eine doppelte Ovalität überlagert ist. Dazu ist das Bohrungsprofil 14 umfangseitig in mehreren Bereichen von einer zylindrischen Form abweichend gestaltet und schließt weitestgehend um 90° zueinander versetzte Ovalitäten 15, 16 ein, die in einem Winkel α1 , α2 jeweils um 45° zu einer X-Achse bzw. einer Y-Achse angeordnet sind. Die erste in einem Winkel α2 zu der X-Achse ausgerichtete Ovalität 15 schließt ein von einer Zylinderform abweichendes radiales Innenmaß OV1 ein sowie ein radiales Außenmaß OV3. Die zweite in einem Winkel αi zu der X-Achse ausgerichtete Ovalität 16 schließt ein von einer zylindrischen Kontur abweichendes radiales Innenmaß OV2 sowie ein radiales Außenmaß OV4 ein. Die Ovalitäten 15, 16 sind so angeordnet, dass die radialen Innenmaße OV1, OV2 einer Druckseite (DS) und die radialen Ausmaße OV3, OV4 einer Gegendruckseite (GDS) des Kolbens 1 zugeordnet sind. Die asymmetrische Feingeometrie des Bohrungsprofils 14 umfasst dabei voneinander abweichende Maße OV1 und OV3 der Ovalität 15 sowie unterschiedliche Maße OV2 und OV4 der Ovalität 16. Außerdem unterscheiden sich die Ovalitäten 15, 16 auch in der Gestaltung. Unabhängig von der Formgebung schließt das Bohrungsprofil 14 stufenlose gerundete Übergänge zwischen den Ovalitäten 15, 16 ein, so dass sich jeder Abschnitt stufenlos an den nächsten Abschnitt bzw. den nächsten Grad der Ovalität anschließt. Das Bohrungsprofil 14 umfasst außerdem ein sich zwischen einer Bohrungsinnenwand 17 und einer Bohrungsmitte 18 einstellendes Maß X1 der X-Achse, das sich von dem um 90° versetzten Abstandsmaß Y1 der Y-Achse unterscheidet.
Die Figur 3 zeigt das Bohrungsprofil 14 der Nabenbohrung 10 in einer Ansicht gemäß der Schnittlinie 3-3 von Figur 2. Die Nabenbohrung 10 ist sowohl an einem dem Kolbenschaft 8 zugeordneten Bohrungseintritt 19 als auch auf dem zum Pleuelauge 13 gerichteten Bohrungsaustritt 20 radial aufgeweitet, entsprechend einer sich einstellenden elastischen Verformung des Kolbenbolzens 11 im Betriebszustand der Brennkraftmaschine. Die Maße aller radialen Aufweitungen A1 ,
A2, B1 , B2 sind dazu voneinander abweichend ausgelegt. Die der Druckseite (DS) zugewandten Aufweitungen A1 , B1 übertreffen die gegenüberliegenden, der Gegendruckseite (GDS) zugeordneten Aufweitungen A2, B2. Außerdem übertreffen die Aufweitungen A1 , A2 des Bohrungsaustritts 20 die Aufweitungen B1 , B2 des Bohrungseintritts 19. Unabhängig von der Größe oder Erstreckung bilden alle radialen Aufweitungen A1 , A2, B1 , B2 jeweils einen stufenlosen gerundeten Konturverlauf bzw. Übergang zu einem weitestgehend sich mittig einstellenden zylindrischen Teilbereich 21 der Nabenbohrung 10. Zur Verdeutlichung der radialen Aufweitungen ist der Verlauf des zylindrischen Teilbereichs 21 strichpunktiert über die gesamte Länge der Nabenbohrung 20 dargestellt.
Die Figur 4 zeigt das Bohrungsprofil 14 der Nabenbohrung 10 in einer Ansicht gemäß einer Schnittlinie 4-4 gemäß der Figur 2. Übereinstimmend mit der Figur 3 sind die Maße aller radialen Aufweitungen A1 , A3; B1 , B3 voneinander abweichend ausgelegt. Die in Richtung des Kolbenbodens 4 ausgerichteten Aufweitungen A1 , B1 übertreffen die gegenüberliegenden, dem Pleuel 2 zugeordneten Aufweitungen A3, B3. Außerdem sind die dem Bohrungsaustritt 20 zugewandten Aufweitungen A1 , A3 größer als die Aufweitungen B1 , B3 des Bohrungseintritts 19 ausgelegt.
Bezugszeichenliste:
1 Kolben
2 Pleuel
3 Kolbenoberteil
4 Kolbenboden
5 Brennraummulde
6 Feuersteg
7 Ringfeld
8 Kolbenschaft
9 Kolbenbolzennabe
10 Nabenbohrung
11 Kolbenbolzen
12 Bohrung
13 Pleuelauge
14 Bohrungsprofil
15 Ovalität
16 Ovalität
17 Bohrungsinnenwand
18 Bohrungsmitte
19 Bohrungseintritt
20 Bohrungsaustritt
21 Teilbereich