Optisches Kohärenztomographiesystem und optisches Kohärenztomographieverfahren
Die vorliegende Erfindung bezieht auf ein optisches KohärenztomographieSystem sowie auf ein entsprechendes optisches Kohärenztomographieverfahren, mit welchen mithilfe eines Interferometers ein Objekt, insbesondere eine biologische Probe, abgetastet werden kann.
Optische Kohärenztomographiesysteme bzw. Kohärenztomographieverfahren sind bereits aus dem Stand der Technik bekannt: Das vor allen Dingen aus klinischen Bereichen wie der Dermatologie oder der Ophthalmolo- gie bekannte Verfahren der optischen Kohärenztomographie (nachfolgend auch OCT abgekürzt) verwendet in der Regel Strahlung im nahen Infrarotbereich zwischen etwa 600 und 1400 Nanometern und ermöglicht die Untersuchung halbtransparenter Medien, insbesondere biologischer Proben. Als Lichtquellen der Verfahren
bzw. der Systeme dienen vor allem breitbandige Superlumineszenzdioden mit kurzer Kohärenzlänge oder auch das Quasikontinuum gepulster Laser (beispielsweise: Femtosekunden-Laser) . Das erzielbare Auflösungsvermö- gen der OCT hängt dabei stark von der eingesetzten
Lichtquelle ab und beträgt je nach spektraler Breite zwischen 1 und 20 μm. Das rückgestreute Licht enthält Informationen über die Struktur der Probe . Dieses wird in einem Interferometer, insbesondere einem Michelson- Interferometer, auf dem Fachmann grundsätzlich bekannte Art und Weise mit dem Licht einer Referenzebene überlagert. Die spektrale Intensitätsverteilung am Ausgang des Interferometers entspricht im Wesentlichen der Fourier-Transformierten der Verteilung der Streuamplitude entlang des Strahlengangs .
Ein einzelner Tiefenscan wird hierbei wie beim Ultraschallverfahren als A-Scan bezeichnet und enthält die gesamte Tiefeninformation an einem Punkt der Probe. Durch Aneinanderreihen von mehreren A-Scans wird das sogenannte B-Bild erhalten. Um dreidimensionale Daten zu gewinnen, kann beispielsweise ein Bilderstapel aus einer Mehrzahl von B-Bildern erzeugt werden. Das Verfahren arbeitet in der Regel mit 1.000 bis 30.000 A-Scans pro Sekunde, woraus zwischen 2 und 50 B- Bilder pro Sekunde resultieren.
Die Technik der OCT lässt sich ganz allgemein auch in anderen Anwendungsgebieten, also in Anwendungsgebieten außerhalb der Medizin einsetzen: Insbesondere kommen OCT-Verfahren auch in der zerstörungsfreien Prüfung von technischen Materialien zum Einsatz.
Ein Nachteil der aus dem Stand der Technik bekannten optischen Kohärenztomographiesysteme bzw. -verfahren
ist, dass bislang die Untersuchung halbtransparenter Materialien hinter stark streuenden bzw. reflektierenden Schichten nicht möglich ist. Solche Schichten stellen eine Barriere für die verwendeten Wellenlän- genbereiche der Lichtquelle des Systems bzw.
Verfahrens dar, so dass momentan der Zugang zu bestimmten Probenklassen nicht möglich ist. Mit anderen Worten können Probenareale, die hinter einer für die verwendete Wellenlänge undurchdringlichen Schicht liegen, momentan durch eine OCT-Untersuchung nicht erreicht werden.
Teilweise besteht im Stand der Technik die Möglichkeit, das Untersuchungsareal vor der Untersuchung freizupräparieren. Dies führt jedoch in einer nicht unerheblichen Anzahl von Fällen zu Strukturveränderungen innerhalb der Proben, was dazu führt, dass die mittels der OCT-Verfahren dann erfassten Probenparameter nur eingeschränkt verwendbar sind. Alle bisher bekannten Verfahren (dies gilt beispielsweise auch für die sogenannte endoskopische OCT) setzen somit einen direkten Zugangsweg ohne Grenzschicht zum Untersuchungsareal voraus .
Aufgabe der vorliegenden Erfindung ist es daher, die aus dem Stand der Technik bekannten optischen Kohärenztomographiesysteme bzw. -verfahren so weiterzubilden, dass mit ihnen auch diejenigen Objekte bzw. Proben, welche in Form von halbtransparenten Materia- lien hinter stark streuenden und/oder reflektierenden Schichten vorliegen, ohne Freipräparation oder wesentliche Strukturänderungen untersuchbar sind.
Die vorliegende Aufgabe wird durch ein optisches Kohärenztomographiesystem gemäß Anspruch 1 und ein optisches Kohärenztomographieverfahren gemäß Anspruch
19 gelöst. Vorteilhafte Ausgestaltungsformen des erfindungsgemäßen Systems bzw. Verfahrens finden sich jeweils in den abhängigen Patentansprüchen. Erfindungsgemäße Verwendungen sind in Patentanspruch 26 beschrieben.
Nachfolgend wird die vorliegende Erfindung zunächst allgemein, dann mit Hilfe eines speziellen Ausführungsbeispieles beschrieben. Die einzelnen Erfindungselemente, wie sie in den Ansprüchen und in der Beschreibung beschrieben sind, müssen nicht in der speziellen, im Ausführungsbeispiel gezeigten Konfiguration eingesetzt werden, sondern können im Rahmen der vorliegenden Erfindung, basierend auf dem Fachwissen des Fachmanns, auch in anders gestalteten Konfigurationen und/oder Anordnungen eingesetzt und/oder verwendet werden. Insbesondere wird die vorliegende Erfindung im Ausführungsbeispiel anhand eines einfachen frequenzbasierten OCT-Systems (eng- lisch: Fourier-domain OCT) erläutert. Anstelle der dabei gezeigten Verwendung einer drehbaren Ablenkeinheit zur eindimensionalen lateralen Abrasterung des Objektes zum Erhalten eines B-Scans kann die erfindungsgemäße Vorrichtung auch entsprechend in einem OCT-System mit einem einzeiligen Detektor oder einem zweidimensionalen Array-Detektor, bei dem eine Ebene innerhalb der Probe bzw. die gesamte Probe gleichzeitig belichtet und ausgewertet wird, realisiert sein. Welche Komponenten dabei im Einzelnen wie ausge- tauscht werden müssen, um eine solche parallele OCT zu ermöglichen, ist dem Fachmann grundsätzlich bekannt (s. beispielsweise den Artikel "Optical Coherence Tomography - Principles and Applications", A. F. Fercher et al . , Rep . Prog. Phys . 66(2003), pp. 239 - 303) .
Basis der vorliegenden Erfindung ist eine spezielle Optik (nachfolgend auch als Fokussiersystem F bezeichnet) , welche in den Messarm des optischen Kohärenztomographiesystems zwischen den Strahlteiler des Interferometers und das Probenvolumen (in dem die abzutastende Probe angeordnet wird) eingebracht wird. Dieses Fokussiersystem ist so ausgebildet, dass mit ihm divergente Lichtstrahlen, welche auf das Fokussiersystem einfallen und/oder welche im Interferometer, insbesondere im Messarm und/oder durch das Fokussiersystem selbst erzeugt werden, auf genau einen im Probenvolumen liegenden gemeinsamen Punkt (nachfolgend: Zielpunkt Z) fokussiert werden. Die Einfallsrichtung wird nachfolgend, sofern nichts anderes gesagt ist, als diejenige Richtung im Messarm gesehen, welche vom Strahlteiler des Interferometers hin zur Probe verläuft (dementsprechend ist die umgekehrte Richtung, d. h. die Richtung, in der das an der Probe reflektierte und/oder gestreute Licht wieder zurück zum Strahlteiler und schließlich hin zum Detektor verläuft, als Ausfallrichtung bezeichnet, sofern nichts anderes gesagt ist) .
Im Probenvolumen wird dann die abzutastende Probe, insbesondere ein biologisches Objekt, angeordnet. Um eine Abtastung von solchen Proben, welche eine reflektierende und/oder für die einfallende Strahlung intransparente Grenzfläche aufweisen, zu ermöglichen, wird jedoch vor der Abtastung der Probe eine Perfora- tion, insbesondere in Form eines Loches, in die
Grenzschicht der Probe eingebracht. Die Probe wird dann so im Probenvolumen angeordnet, dass der vorbeschriebene Zielpunkt genau in das Loch bzw. die Perforation der Probe fällt oder dass der Zielpunkt kurz hinter dem Loch in der Grenzschicht also innerhalb der Probe zum Liegen kommt . Auf diese Art und
Weise wird das gesamte zur Abtastung der Probe verwendete Licht durch eine schmale bzw. kleine Öffnung innerhalb der Grenzfläche der Probe in den Probenin- nenraum (der für das eingestrahlte Licht halbtransparent ist) fokussiert. Auch die in diesem Innenraum der Probe reflektierten bzw. gestreuten Lichtanteile, welche dann in Strahlausgangsrichtung durch das Fokussiersystem geleitet und auf die bei der OCT übliche Art und Weise mittels eines Detektors nachgewiesen werden, werden in umgekehrter Richtung durch die kleine in die Probe eingebrachte Öffnung gestrahlt .
Vorteilhafterweise ist das erfindungsgemäße Fokus - siersystem so ausgebildet, dass die von einem
Quellpunkt Q (einem Punkt, welcher in Strahleinfallsrichtung nach dem Strahlteiler des Interferometers und vor der Probe liegt) divergent ausgehenden Lichtstrahlenbündel mit Hilfe des Fokussiersystems auf den Zielpunkt fokussiert werden.
Um eine dergestaltige Fokussierung zu erreichen, können im Messarm zwei plankonvexe Linsen, die mit ihrer Krümmung zueinander gerichtet sind, oder alter- nativ dazu zwei Achromate eingesetzt werden. Zusätzlich ist der Einsatz von Meniskuslinsen und/oder von im Wesentlichen halbkugelförmig ausgebildeten Teilkugellinsen (Aplanaten) möglich. Der genaue Aufbau des erfindungsgemäßen Fokussiersystems wird nachfolgend noch näher beschrieben.
Der große Vorteil des erfindungsgemäßen optischen Kohärenztomographiesystems bzw. -Verfahrens ist, dass ein großer Teil des für die OCT bisher nicht zugäng- liehen Probenspektrums mit Hilfe des erfindungs- gemäßen Aufbaus und mit Hilfe einer Perforation in
der abschirmenden Grenzfläche der Probe erschließbar ist. Das beschriebene Verfahren bzw. das beschriebene optische Kohärenztomographiesystem ermöglicht daher eine Untersuchung halbtransparenter Medien durch eine kleine Öffnung: Schlüsselloch-OCT.
Nachfolgend wird die vorliegende Erfindung nun anhand eines ausführlichen Ausführungsbeispiels beschrieben.
Es zeigen
Fig. 1 den Aufbau des optischen Kohärenztomogra- phiesystems nach dem Ausführungsbeispiel und Fig. 2 eine verbesserte Optik zum Einsatz in dem
Ausführungsbeispiel nach Fig. 1.
Fig. 1 zeigt den grundlegenden Aufbau eines erfindungsgemäßen optischen Kohärenztomographiesystems. Dem Fachmann aus dem Stand der Technik grundsätzlich bekannt sind die grundlegenden Bestandteile 11 bis 18 eines Interferometers, hier eines Michelson-Inter- ferometers: Das Licht einer Weißlichquelle 11 wird auf einen halbdurchlässigen Strahlteiler 12 geleitet und von dort einerseits im Referenzarm R auf einen Spiegel 13 und andererseits in den Messarm M geleitet. Indem das am Spiegel 13 reflektierte Licht mit dem Probenlicht im Strahlteiler 12 zur Interferenz kommt und durch den Kollimator 14 über das dispergie- rende Gitter 15 und eine abbildende Optik, insbesondere eine Fokussieroptik 16, auf den Detektor 17 (dem ein Rechnersystem 18 zur Auswertung nachgeschaltet ist) zur Auswertung geworfen wird, kann aus dem Spektrum mittels Fouriertransformation die Tie- feninformation gewonnen werden. Wie dies im Einzelnen geschieht, ist dem Fachmann aus dem Stand der Technik
bekannt, es wird daher hier nicht weiter auf die Auswertungskomponenten eingegangen. Alternativ kann auch ein Time-Domain OCT zum Einsatz kommen, in dem auf das Gitter und die Detektorzeile verzichtet werden kann, dafür aber eine Längenveränderung des Referenzarms möglich sein muss .
Von diesem aus dem Stand der Technik bekannten System unterscheidet sich das erfindungsgemäße optische Kohärenztomographiesystem nun durch den Aufbau des
Messarmes . Der Messarm M ist beim gezeigten Beispiel in Strahleingangsrichtung (also vom Strahlteiler 12 gesehen in Richtung zur Probe P hin) wie folgt aufgebaut: Das vom Strahlteiler in den Messarm reflektier- te Licht wird zunächst durch eine Fokussiereinheit 1 auf einen im Strahlengang nach der Fokussiereinheit 1 angeordneten, um eine Achse senkrecht zur dargestellten Ebene drehbaren bzw. schwenkbaren Ablenkspiegel 2 gestrahlt. Die Fokussiereinheit 1 ist hierbei so aufgebaut und angeordnet, dass das von dem Strahlteiler 12 herkommende Licht auf einen Punkt auf der Oberfläche des Ablenkspiegels 2 fokussiert wird. Dieser Punkt wird nachfolgend auch als Quellpunkt bezeichnet und ist mit dem Bezugszeichen Q versehen.
Das vom Oberflächenpunkt des Spiegels 2 bzw. vom Quellpunkt Q ausgehende Licht wird nun im Strahlengang des Messarms M auf eine aplanatische Linse 3, welche aus zwei im Strahlengang hintereinander ange- ordneten plankonvexen Linsen 3a und 3b besteht, gespiegelt. Die beiden plankonvexen Linsen 3a und 3b sind dabei so im Strahlengang angeordnet, dass sie mit ihrer Krümmung zueinander gerichtet sind. Nach diesen beiden plankonvexen Linsen 3a, 3b folgt als weiteres Element des Fokussiersystems F eine im
Wesentlichen als Kugelabschnitt (hier: im Wesentli-
chen halbkugelförmig ausgebildet; der Kugelabschnitt kann jedoch auch einen größeren Winkelbereich als 180° umfassen) ausgebildete Linse (Teilkugellinse 5, in folgenden vereinfacht auch als Halbkugellinse bezeichnet) . Die im Wesentlichen als Teil einer Kugeloberfläche ausgebildete Oberfläche bzw. die gekrümmte Oberfläche 5a dieser Linse 5 ist dabei in Strahlausgangsrichtung bzw. hin zu den beiden plankonvexen Linsen 3a, 3b gerichtet. Die Oberfläche 5a der Linse 5 ist als aplanatische Oberfläche (siehe H. Haferkorn, "Optik", 3. Auflage, S. 318 ff.) ausgebildet. Unmittelbar an die der Oberfläche 5a gegenüberliegende Oberfläche der Teilkugellinse 5, welche als plane Oberfläche ausgebildet ist, angrenzend ist eine Schicht 6 aus Immersionsflüssigkeit (häufig: Immersionsöl) angeordnet, an die sich unmittelbar angrenzend die Probe P mit ihrer der Immersionsschicht 6 zugewandten Grenzoberfläche G befindet (die Probe P, G ist hierbei im Probenvolumen PV des Mess- arms angeordnet) .
Die oben beschriebene Realisierung mit den optischen Elementen 1, 2, 3a, 3b, 5 und 6 ist eine mögliche Form der Realisierung des der vorliegenden Erfindung zugrunde liegenden Prinzips: Ganz allgemein ist dieses optische System somit so auszubilden, dass ein Strahlengang realisiert wird, der möglichst fehlerfrei die Strahlenbündel, die von Punkten des Spiegels 2 ausgehen, in das Loch L abbildet (siehe nachfolgen- der Absatz) , wobei der Winkelbereich der hinter dem
Loch in der Probe erfassten Probenabschnitte möglichst groß sein soll. Eine einfache 1 : 1-Abbildung erreicht hierbei etwa einen Winkelbereich von 20° , welcher durch die Brechung (abhängig von der konkre- ten Ausgestaltung der Probe) im Probenvolumen nochmals um den Faktor des Brechungsindexes der Probe
herabgesetzt wird. Die Teilkugellinse 5 erhöht diesen Winkelbereich in Kombination mit der Immersionsflüssigkeit um den Faktor n2 (mit n als dem Brechungsindex des Glases der Linse, der ungefähr 1,5 beträgt) . Jede weitere Meniskuslinse erbringt hierbei nochmals einen Faktor von n.
In der gezeigten Probe P ist nun in deren dem Fokus- siersystem F (umfassend die Elemente 1, 2, 3a, 3b, 5 und 6) zugewandten Grenzfläche G eine kleine Perforation in Form eines Loches L eingebracht. Diese Perforation bzw. dieses Loch L ermöglicht es dem vom Messarm M hereinfallenden Licht, in das Innere der Probe einzudringen und nicht an der äußeren Grenzflä- che G reflektiert zu werden. Das Fokussiersystem F bzw. dessen einzelne Elemente 1, 2, 3a, 3b, 5 und 6 sind nun so ausgebildet und angeordnet, dass sämtliche mit Hilfe des drehbaren Ablenkspiegels 2 auf die Apertur des Linsensystems 3a, 3b gelenkten Licht- strahlen durch das optische System 3a, 3b, 5 und 6 auf einen einzigen, gemeinsamen Punkt, den Zielpunkt Z fokussiert werden. Dieser Punkt ist so angeordnet (bzw. die Probe P ist so angeordnet) , dass er genau in der Perforation bzw. im Loch L zum Liegen kommt. Aus diesem Grund wird es sämtlichen vom Quellpunkt Q divergent ausgehenden und von der Apertur des Linsensystems 3a, 3b, 5, 6 eingefangenen Lichtstrahlen (dargestellt durch die Strahlenbündel PB) ermöglicht, durch die Perforation L in den eigentlichen, halb- transparenten Innenraum der Probe P einzudringen. In diesem Innenraum wird dann das Licht gemäß den dort herrschenden Verhältnissen bzw. Strukturen reflektiert und/oder gestreut, so dass in Richtung zur Eintrittsstelle zurück reflektierte bzw. gestreute Lichtanteile durch die Perforation L treten können und den strahlausgangsseitigen Weg über das Fokus-
siersystem F, den Strahlteiler 12 sowie die weiteren optischen Elemente 14 - 16 hin zum Nachweissystem 17, 18 antreten können. Entscheidend ist hierbei, dass sämtliche vom Quellpunkt Q divergent ausgehenden Strahlen von der Optik 3 - 6 auf den in der Perforation liegenden Zielpunkt Z fokussiert werden (um eine gute transversale Auflösung zu erreichen, kann der Fokus Z des Strahls auch kurz hinter die Perforation bzw. hinter die Grenzschicht in das Innere der Probe P gelegt werden) .
Die Probenstrahlen bzw. Probenstrahlbündel PB werden somit mit Hilfe der erfindungsgemäßen Optik ( Fokus - siersystem F) so auf den Zielpunkt Z fokussiert, dass eine Untersuchung der Probe P durch eine kleine zylindrische Öffnung L in der äußeren Grenzfläche G der Probe möglich wird. Hierzu wird das Licht auf die Ablenkeinheit 2 zur Strahlablenkung fokussiert. Der nach Durchtritt durch das Loch L in die Probe diver- gierende Probenstrahl (die Divergenz wird hier so erreicht, dass der Ablenkspiegel 2 um einen bestimmten Winkelbetrag geschwenkt wird, so dass die Apertur der nachfolgenden optischen Elemente möglichst vollständig ausgenutzt wird; dies kann jedoch auch durch gleichzeitige Beleuchtung der gesamten Apertur realisiert werden) erlaubt dann die berührungslose Untersuchung der hinter der nichttransparenten Schicht G befindlichen Strukturen und Materialien in Analogie zur herkömmlichen OCT-Messtechnik . Durch Variation der Referenzarmlänge (z. B. durch Verschiebung des Spiegels 13 längs des einfallenden Strahls) kann der Messbereich des OCT- Systems an das Messvolumen angepasst werden.
Im vorliegenden Fall wird somit durch die Optik F der Drehpunkt der Strahlablenkung (der Punkt Q) auf die
Eintrittsöffnung L gelegt, so dass der Probenstrahl PB in jeder Stellung der Ablenkeinheit 2 durch das Loch L in der Probe tritt.
Um eine optimale transversale Auflösung in der Probe P zu erzielen, kann alternativ auch der Fokus des Probenstrahls (bzw. der Zielpunkt Z) nicht genau in das Loch auf Höhe der Grenzfläche gelegt werden, sondern kurz hinter die Perforation L, also bereits in das Innere der Probe P. Dabei sollte der Abstand von der Perforation L zum Zielpunkt Z weniger als 10 mm betragen.
Dies kann beispielsweise dadurch erreicht werden, dass der Brennpunkt der Weißlichtquelle 11 nicht unmittelbar auf die Oberfläche der Ablenkeinheit 2 gelegt wird, sondern um eine kleine Strecke hinter diese Oberfläche der Strahlablenkeinheit 2 verschoben wird. Hierbei ist darauf zu achten, dass dann noch der Strahlquerschnitt des ProbenstrahlbündeIs PB durch das Loch L in der Probe gelangt und somit nicht wesentliche Anteile des Probenstrahlbündels PB an den umlaufenden Lochrändern reflektiert werden.
Im vorliegenden Beispiel wird zwischen der zweiten, der Probe P zugewandten plankonvexen Linse 3b und der äußeren Grenzfläche G der Probe ein Immersionsobjektiv 5, 6 eingesetzt, welches in Einstrahlrichtung zunächst aus der teilkugelförmigen Linse 5 und dann der daran angeordneten Immersionsschicht aus Immersionsflüssigkeit 6 ausgebildet ist. Dies hat den Vorteil, dass, wenn sich hinter der Perforation L eine Probe mit einem Brechungsindex befindet, der > 1 ist, der Scanbereich vergrößert wird. Hierbei ist darauf zu achten, dass sowohl die teilkugelförmige Linse 5 als auch die äußere Grenzfläche G bzw. die
Probe P im optischen Kontakt mit der Immersions- schicht 6 stehen (Vermeidung von Luftspalten etc.) . Um den Abbildungsfehler der sphärischen Aberration zu verringern und um den Scanbereich weiter zu vergrö- Sern, ist die Öffnung L in der Grenzschicht G in einen der aplanatischen Punkte der Kugelfläche 5a der Linse 5 gelegt.
Das Einbringen der minimalen Öffnung L in die Außen- haut vieler Systeme P ist in vielen Fällen unkritisch: Die Perforation L dient für die Dauer der Untersuchung als Fenster und kann anschließend wieder verschlossen werden. Sowohl technische als auch biologische Proben P, die sich im Stand der Technik bislang einer Untersuchung entzogen haben, sind somit zugänglich.
In einer alternativen Variante kann das in Fig. 1 gezeigte System zur weiteren Vergrößerung des Scanbe- reiches (also des innerhalb der Probe P erfassten
Volumens) in der gezeigten Ebene schwenkbar ausgestaltet sein. Die Schwenkachse ist dann senkrecht zur dargestellten Ebene (also parallel zur Drehachse der Einheit 2) gerichtet. Dies kann beispielsweise da- durch realisiert werden, dass das Probenvolumen (samt der Probe P) zusammen mit der Immersionsschicht 6 und der Linse 5 um den Krümmungsmittelpunkt der Kugelfläche der Linse 5 in der in Fig. 1 dargestellten Ebene schwenkbar ausgestaltet wird. Hierdurch vergrößert sich der hinter der Perforation L in der Probe P abgetastete Objektbereich entsprechend. Alternativ dazu kann jedoch auch das gesamte System bestehend aus den Interferometer-Bauteilen 11 - 17 und den Elementen 1, 2, 3a und 3b in besagter Ebene schwenk- bar ausgestaltet sein (Schwenkachse durch den
Krümmungsmittelpunkt der Kugelfläche 5a) . Weitere
schwenkbare Ausgestaltungsmöglichkeiten existieren (so könnte grundsätzlich auch die Einheit 3a, 3b um einen im Bereich der Elemente 5, 6 oder G angeordneten Raumpunkt drehbar ausgestaltet sein, so dass bei Nutzung eines größeren Schwenkwinkels des Ablenkspiegels 2 auch hierdurch ein größerer Bereich innerhalb des Probenvolumens P abtastbar ist) .
Im vorgestellten Beispiel wurde das erfindungsgemäße optische Kohärenztomographiesystem anhand eines einfachen Frequenzbereich-Kohärenztomographiesystems erläutert. Selbstverständlich kann die vorliegende Erfindung jedoch auch im Rahmen eines Zeitbereich- Kohärenztomographiesystems realisiert werden. Darüber hinaus ist insbesondere auch der Einsatz der vorliegenden Erfindung auf dem Fachmann unmittelbar einsichtige Art und Weise in einem parallelen OCT- KohärenztomographieSystem möglich. Ein solches paralleles System weist einen einzeiligen, mehrzelligen oder einen Array-Detektor auf. Letzterer kann insbesondere mit Hilfe einer handelsüblichen CCD-Kamera realisiert sein. Solche parallelen OCT-Systeme erfassen eine Zeile (in der dargestellten Ebene) bzw. das gesamte Bild des Objektes P parallel (in ersterem Fall wird zur Erfassung des gesamten Bildes noch der Strahl durch die Ablenkeinheit 2 in eine Richtung abgetastet. Im letzteren Fall wird das Licht der Probe auf einen Arraydetektor geführt und es muss entweder das Prinzip der Time-Domain-OCT oder das Prinzip der Swept-Source-OCT angewandt werden) .
Wesentlich hierbei ist, dass anstelle der Verwendung eines Ablenkspiegels 2 sämtliche dargestellten Teilbündel des Probenstrahls PB gleichzeitig auf die Probe P fokussiert werden, d. h. die gesamte Apertur der Elemente 3a, 3b wird auf einmal ausgeleuchtet. Apparativ kann dies beispielsweise durch ein stark
fokussierendes optisches System 1 (z. B. ein Mikroskop-Objektiv) realisiert werden.
Wie dem Fachmann bekannt ist, wird bei parallelen Zeilen-OCT-Systemen der gesamte auszubildende Bereich, hier die gesamte Apertur, in der dargestellten Ebene ausgeleuchtet, es wird dann auch die gesamte Apertur gleichzeitig beobachtet: Unterschiedliche Winkelbereiche im Probenstrahl PB schickt man dazu auf unterschiedliche Elemente der Detektorzeile und benutzt ein Array-Spektrometer statt der Detektorzeile 17. Bei OCT-Systemen, welche (senkrecht zur dargestellten Ebene) das gesamte Bild parallel erfassen, wird anstelle des gezeigten Detektors 17 ein zweidimensionaler Array-Detektor (Flächendetektor) eingesetzt. In diesem Fall kann entweder das Prinzip der Time-Domain-OCT angewendet werden, dass heißt, es wird langsam die Länge des Referenzarms verändert und jedesmal der Detektor ausgelesen, oder es wird an- stelle der Weißlichtquelle 11 eine Einzelfrequenz- Lichtquelle (Swept-Source) eingesetzt, mit welcher das gesamte zu verwendende Lichtspektrum (beispielsweise die Frequenzen von 600 - 800 nm oder 1100 bis 1300 nm) nacheinander durchfahren werden kann. Es wird somit langsam die Wellenlänge des eingestrahlten Lichts verändert und das Probenlicht auf den Array- Detektor (CCD-Kamera) geschickt.
Fig. 2 zeigt ein Beispiel für eine verbesserte Optik, welche als Teil des Fokussiersystems des in Fig. 1 gezeigten Ausführungsbeispiels eingesetzt werden kann. Das in Fig. 2 gezeigte optische System ersetzt dabei die in Fig. 1 gezeigten Elemente 3a, 3b und 5.
Bei dieser verbesserten Optik werden im einfallenden Strahlengang (also vom Quellpunkt Q hin zum Zielpunkt
Z gesehen) nacheinander die folgenden Elemente angeordnet: erster Achromat 3c, zweiter Achromat 3d, Meniskuslinse 4 und Teilkugellinse 5 mit aplanati- scher Oberfläche 5a. Die Krümmungen der beiden Achromaten sind hierbei wie im in Fig. 1 gezeigten Fall gegeneinander gerichtet. Die Krümmungen der Meniskuslinse 4 sind in Richtung der nachfolgenden Teilkugellinse 5 gerichtet. Mit der gezeigten Optik lassen sich größere Winkelbereiche bei guter Abbil- dungsqualität abbilden als mit der in Fig. 1 gezeigten Optik 3a, 3b und 5. Die Achromaten 3c, 3d werden anstatt der einfachen Plankonvexlinsen 3a und 3b verwendet, um die sphärische Aberration zu verkleinern. Neben der aplanatischen Fläche 5a in der Linse 5, welche die numerische Apertur NA steigert, wird die Meniskuslinse 4 zu einer nochmaligen Steigerung der numerischen Apertur NA verwendet. Die Meniskuslinse 4 ist hierbei so ausgebildet, dass an der der Linse 5 zugewandten Oberfläche der Meniskus - linse keine Brechung stattfindet (die Strahlen treten hier genau senkrecht durch die Oberfläche aus) , wohingegen an der linken Fläche (der dem Achromaten 3d zugewandten Fläche) dieser Linse die Strahlen aufgrund der Ausformung dieser Fläche ohne Abbil- dungsfehler gebrochen werden. Eine Berechnung der notwendigen Radien und Abstände kann vom Fachmann nach den in Haferkorn, „Optik", 3. Auflage, S. 318 ff. und Kapitel 4.3.3 beschriebenen Formeln erfolgen. Die konkrete Realisierung hängt hierbei z. B. von Brennweite und Durchmesser der Achromate ab.
Das vorbeschriebene in Fig. 2 gezeigte Prinzip kann auch wiederholt zur Steigerung der numerischen Apertur NA verwendet werden: Mit jeder weiteren aplanatischen Linse, die zwischen Teilkugellinse und Achromate angeordnet wird, wird die NA um den Faktor
n vergrößert, wobei n der Brechungsindex einer solchen Linse ist, welcher üblicherweise um 1,5 liegen wird. Wie aus der vorstehenden Beschreibung hervorgeht, müssen sich die Radien der Kugelflächen so staffeln, dass jeweils auf der den Achromaten zugewandten Seite die Strahlen senkrecht durch die Oberfläche treten, wogegen auf der der Teilkugellinse zugewandten Seite die Strahlen so gebrochen werden, dass sich die numerische Apertur immer weiter erhöht ohne dass es zu ungewünschter sphärischer Aberration kommt .
Es können somit mehrere Meniskuslinsen zum Einsatz kommen; es ist auch möglich mehrere Achromate, ggf. samt mehrerer Meniskuslinsen einzusetzen.
Durch weitere Linsen in dem gezeigten optischen Aufbau, bei welchen es sich insbesondere um Streulinsen aus einem Material mit hoher Dispersion handeln kann, kann der Farbfehler des Systems weiter reduziert werden.