1877.
Klasse 14.
LUDWIG WILHELM RUDOLF RECK in BRESLAU.
Motor für das Kleingewerbe, in der Hauptsache bestehend aus einem Cylinder und Kolben, bei
welchem durch Einspritzen von Wasser oder Dampf ermöglicht wird, den Auftrieb von im
Cylinder befindlichen, schmelzenden, flüssigen Legirungen als treibende Kraft zu benutzen.
Patentirt im Deutschen Reiche vom 6. Juli 1877 ab.
Die auf der beiliegenden Zeichnung dargestellte Maschine hat den Zweck, als Motor zu
dienen und besteht im wesentlichen aus einem Cylinder, in welchem sich ein Kolben bewegt und
in welchem Legirungen zum Schmelzen gebracht werden. Die Erfindung beruht auf der Idee,
durch Einspritzen von Wasser oder Dampf auf die erhitzten Oberflächen der schmelzenden
Legirungen den Auftrieb des letzteren als treibende Kraft zu benutzen.
In dem fest eingemauerten cylindrischen Gefafse D, dessen Boden und unterer cylindrischer
Theil geheizt wird, bewegt sich, geführt auf dem an dem Boden des Gefäfses befestigten Rohre R,
ein Kolbenkörper K, welcher jedoch in dem cylindrischen Gefäfse D an den Seitenwänden
einen Spielraum von ca. 10 mm ringsum besitzt.
Der untere Theil des cylindrischen Gefäfses D ist gefüllt mit einer leicht flüssigen Composition,
und zwar bedeckt dieselbe den unteren Boden des Gefäfses D mindestens einige Centimeter
hoch.
Der Kolbenträger K wird mittelst einer Traverse
von zwei Pleuelstangen L angegriffen,-welche dessen Bewegung übertragen sollen, hier
auf einen Balancier M, der wieder durch eine Pleuelstange Lx die Bewegung auf eine Kurbelwelle mit Schwungrad überträgt.
Von der Schwungradwelle durch Excenter betrieben, ist auf der Grundplatte G die Speisepumpe
bezw. Wassereinspritzungspumpe P gelagert.
Zur Herstellung des Kolbens K und des Cylinders D dürften 3 bis 4 mm starke Bleche
genügen.
Der Cylinder D ist, so hoch die Legirung in demselben steht, von einem Feuerzug von 5 cm
Weite umspült, oberhalb dieses eigentlichen Feuerzuges umgiebt denselben noch ein ringförmiger
Zwischenraum g, der behufs Erwärmung des oberen Cylindertheils durch. die Luken S,
welche die Decke des Feuerraums F sternförmig durchbrechen, mit letzterem-in Verbindung steht. ■■■■■...%■
Da der von heifsen Gasen umströmte Theil nicht sehr grofs ist, so ist es angezeigt, das Einspritzwasser bis zu einem gewissen Grade durch
einen in den Feuerztlgen anbringbaren, hier nicht gezeichneten Vorwärmer irgend einer bekannten
Construction zu erhitzen.
Auf dem Rohre R befindet sich ein durch Feder belastetes Ventil ν und in das Rohr R
mündet vom Druckventil der Pumpe aus das Einspritzrohr r.
Die Wirkungsweise der beschriebenenMaschin'e, deren Erfindung ich für mich als neu beanspruche,
ist nun folgende:
Die Legirung wird in dem Cylinder D geschmolzen, und bildet im geschmolzenen Zustande
eine vollständige Abdichtung des Kolbens K im Cylinder/?. Wird nun durch das enge Rohr r
Wasser auf die Oberfläche der Legirung gespritzt, so wird sich plötzlich Dampf entwickeln.
Entspricht nun dem Druck einer Atmosphäre eine Legirungssäule von 1,000 m, so würde also
durch eine Dampfentwicklung von 0,75 Atmosphären Spannung die Legirung in dem ringförmigen Zwischenraum zwischen Cylinder D
und Kolben K um 0,75 m aufsteigen.
Die Rückwirkung dieser. Legirungssäule wird in Verbindung mit dem rechtzeitigen Oeffnen
des Ventils ν die Aufwärtsbewegung des Kolbens ^verursachen, welcher, am todten Punkte
angekommen, vermöge eines im Schwungrade anzubringenden leichten Gegengewichtes bei
geöffnetem Ventil ν wieder niedergeht.
Kurz ehe der Kolben vollständig am unteren todten Punkte angekommen ist, schliefst sich das
Ventil v, die Einströmung von Wasser beginnt, die Metallsäule wird wieder in die Höhe gedrückt
und. das Kolbenspiel geschieht von neuem.
Das intermittirende Schliefsen und Offenbleiben,
des Ventils ν geschieht durch den an seinem Ende mit einem sog. todten Schlitze versehenen,
mit dem Balancier in Verbindung stehenden Hebel /.
Die intermittirende Einspritzung des Wassers geschieht durch eine mit dem todten Schlitz
versehene Hülse, welche sich über dem Kolben der Speisepumpe schiebt, und deren rechtzeitiges
Spiel durch die Stellung des Betriebsexcenters der Pumpe bewirkt wird.
Auch kann die Regulirung der eingespritzten Wassermenge durch einen Regulator irgend welcher
Construction, welcher durch seine Einwirkung den Durchflufs-Querschnitt des Röhrchens r
verengt oder den Hub der Pumpe regulirt, bewerkstelligt werden, und betrachte ich diese hier
angedeutete Reguliningsweise als charakteristische in meiner Erfindung inbegriffen.
Diese Erfindung bezieht sich auf einen Motor, im wesentlichen bestehend aus einem Cylinder
und einem Kolben, in welchem ersteren leichtflüssige Legirungen zum Schmelzen gebracht
werden und durch welche es ermöglicht ist, durch Einspritzung von Wasser oder Dampf den
Auftrieb dieser flüssigen Legirungen als treibende Kraft zu benutzen, wobei zugleich die flüssige
Legirung als Kolbendichtungsmaterial Anwendung findet, und welcher sich, seiner grofsen
Einfachheit wegen, als Motor für das Kleingewerbe eignet. ·
Hierzu I Blatt Zeichnungen.