Die Erfindung betrifft ein Werkzeug für den Einsatz in
Werkzeugmaschinen mit einem um eine Drehachse rotieren
den Grundkörper und mindestens einem durch eine axial
verschiebbare Steuerstange und Getriebemittel quer zum
Grundkörper verstellbaren, mindestens eine Schneidplat
te tragenden Schneidenträger.
Bei einem bekannten Werkzeug der genannten Art ist der
Schneidenträger als Biegebalken ausgebildet, der an
seiner Wurzel fest am Grundkörpar angeschraubt ist und
eine biegeelastische Materialverdünnung aufweist. Die
Verstellung des Biegebalkens erfolgt über ein durch die
Steuerstange betätigbares Keilgetriebe. Die Rückstell
kraft des Biegebalkens wird durch eine Vorspannung im
Bereich der biegeelastischen Materialverdünnung erzeugt.
Bei dieser Konstruktion hat es sich als nachteilig er
wiesen, daß die Zentrifugalkraft des drehenden Werk
zeugs in Zustellrichtung auf den Biegebalken wirkt und
diesen bereits bei relativ niedrigen Drehzahlen von ca.
2000 Upm in Zustellrichtung entgegen der Vorspannung
elastisch auslenkt. Dabei kann es zu Fehlbearbeitungen
und zu einer Zerstörung des Werkzeugs kommen. Durch die
nach oben begrenzte Drehzahl ist auch die mit dem
Verstellwerkzeug erzielbare Zerspannungsleistung be
schränkt. Weiter läßt die Zustellgenauigkeit des Biege
balkens zu wünschen übrig, da der biegeelastisch ein
geschränkte Bewegungsfreiheitsgrad infolge von Reibungs-
und plastischen Verformungseffekten zu Ungenauigkeiten
im µ-Bereich führen kann. Hinzu kommt, daß der Biegebal
ken, der vor allem im Bereich seiner elastisch vorge
spannten Materialverdünnung einer ständigen Wechselbe
lastung unterworfen ist, einer allmählichen Ermüdung
unterliegt mit der Folge eines frühzeitigen Verschlei
ßes und eines Ausfalls des Verstellwerkzeugs.
Ausgehend hiervon liegt der Erfindung die Aufgabe zu
grunde, ein Werkzeug der eingangs angegebenen Art zu
schaffen, das eine hohe Zustellgenauigkeit bei gerin
ger Verschleißanfälligkeit im Verstellbereich aufweist.
Zur Lösung dieser Aufgabe wird gemäß der Erfindung die
im Anspruch 1 angegebene Merkmalskombination vorge
schlagen. Weitere vorteilhafte Ausgestaltungen und Wei
terbildungen der Erfindung ergeben sich aus den abhän
gigen Ansprüchen.
Die Erfindung geht von dem Gedanken aus, daß zur Errei
chung einer hohen Zustellgenauigkeit der Schneidenhal
ter fliehkraftneutral ausgebildet und spielfrei ge
stellt werden sollte. Um dies zu erreichen, wird gemäß
der Erfindung vorgeschlagen, daß der Schneidenhalter
als um eine zur Verschieberichtung der Steuerstange im
wesentlichen senkrechte Achse am Grundkörper verschwenk
barer zweiarmiger Schwenkbalken ausgebildet ist, an
dessen einem Hebelarm die Schneide angeordnet ist und
der an beiden Hebelarmen geführt und dabei in Zustell
richtung spielfrei gestellt ist.
Gemäß einer bevorzugten Ausgestaltung der Erfindung ist
die Steuerstange über zueinander komplementäre Getrie
bemittel gleichzeitig mit beiden Hebelarmen gekoppelt.
Die Steuerstange weist hierzu zweckmäßig zwei im Ab
stand voneinander auf der gleichen Stangenseite ange
ordnete, in entgegengesetzter Richtung gegenüber der
Stangenachse schräg angestellte, insbesondere als Keil
flächen ausgebildete komplementäre Leitkurven auf, die
vorzugsweise über im Grundkörper im wesentlichen in Zu
stellrichtung verschiebbare Schubelemente oder Druck
stifte jeweils gegen einen der Hebelarme anliegen.
Zum Ausgleich der Kippbewegung des Schwenkbalkens und
von etwaigen Herstellungsungenauigkeiten ist es vor
teilhaft, wenn die Schubelemente bzw. Druckstifte zu
mindest an einem ihrer stirnseitigen Enden eine konvexe
kugelige oder zylindrische Anlagefläche bilden. Um im
Bereich der Getriebemittel Toleranzen ausgleichen und
eine gewisse Vorspannung erzeugen zu können, wird gemäß
einer bevorzugten Ausgestaltung der Erfindung in dem
der Schneidplatte gegenüberliegenden Hebelarm ein gegen
die Stirnfläche des benachbarten Schubelements bzw.
Druckstifts verstellbares, vorzugsweise als Stell
schraube ausgebildetes Stellorgan angeordnet. Zwischen
dem Stellorgan einerseits und dem Schubelement bzw.
Druckstift andererseits können dabei vorzugsweise als
auf einem Schaft des Stellorgans geführtes Federpaket
ausgebildete Federmittel angeordnet sein. Das Stellor
gan ist zweckmäßig als durch eine Stufenbohrung des He
belarms hindurchgreifende Kopfschraube ausgebildet,
wobei zwischen dem Schraubenkopf und einer Ringschul
ter der Stufenbohrung ein in seiner Wandstärke ein
stellbarer Abstimmring angeordnet werden kann.
Nach einer weiteren vorteilhaften Ausgestaltung der Er
findung sind zwischen dem der Schneidplatte gegenüber
liegenden Hebelarm einerseits und dem Grundkörper ande
rerseits vorzugsweise als Druckfeder oder Federpaket
ausgebildete, gegebenenfalls in der Federkraft ein
stellbare Federmittel zur Spielfreistellung angeordnet.
Zu diesem Zweck ist vorteilhafterweise in dem der
Schneidplatte gegenüberliegenden Hebelarm eine zum
Grundkörper erweiterte Stufenbohrung und in der Stufen
bohrung ein mit seinem Kopfteil gegen den Grundkörper
anliegender und mit seinem Schaftteil in einem engen
Bohrungsteil der Stufenbohrung geführter Kopfbolzen an
geordnet, während im freien Ringraum zwischen Stufen
bolzen und Stufenbohrung vorzugsweise als Federpaket
ausgebildete Federmittel auf dem Bolzenschaft geführt
und gegen einander zugewandte Ringschultern der Stufen
bohrung einerseits und des Bolzenkopfes andererseits
abgestützt sind.
Das Drehlager des Schwenkbalkens ist zweckmäßig als
Gleitbuchse oder als vorgespannte Wälzlagerbuchse aus
gebildet. Der Fliehkraftvektor wirkt dabei senkrecht
zur Lagerachse des Schwenkbalkens. Sie ist daher flieh
kraftneutral. Das gleiche gilt für die beiden Hebelarme
des Schwenkbalkens, wenn sich deren Drehmomente unter
der Einwirkung der Fliehkraft (Fliehkraftmomente) bei
drehendem Werkzeug kompensieren. Eine weitere Verbesse
rung in dieser Hinsicht wird erreicht, wenn der Schwenk
balken aus einem leichten Werkstoff, insbesondere aus
Aluminium oder Titan besteht.
Die erfindungsgemäßen Werkzeuge werden vorzugsweise als
Kombinationswerkzeuge zur kombinierten Schrupp- und
Schlichtbearbeitung eingesetzt, wobei die Schneidplatte
für die Schruppbearbeitung (Schruppschneide) am Grund
körper und die Schneidplatte für die Schlichtbearbei
tung (Schlichtschneide) am Schwenkbalken angeordnet
ist. Die zentrale Steuerstange wird dabei über die
Werkzeugmaschine mittels eines hydraulischen oder
elektrischen Servoantriebs in axialer Richtung ver
schoben. Die Längsverschiebung der Steuerstange wird
über das Keilgetriebe und den im Grundkörper geführ
ten Druckstift in eine Querauslenkung des Schwenkbal
kens umgesetzt, so daß die Schlichtschneide auf einen
gegenüber der Schruppschneide größeren Flugkreis he
rausgeführt wird und bei einer Rückwärtsbearbeitung
an dem zu bearbeitenden Werkstück zum Eingriff kommt.
Das erfindungsgemäße Prinzip kann sowohl bei Einschnei
denwerkzeugen als auch bei Mehrschneidenwerkzeugen
eingesetzt werden, wie z.B. in einem mehrschneidigen
Schruppwerkzeug mit Schwenkbalken für die Feinbear
beitung oder in einem Werkzeug mit mehreren über den
Umfang verteilt angeordneten Schwenkbalken für das
mehrschneidige Feindrehen. Weiter kann das erfindungs
gemäße Prinzip vorteilhaft für Schneidenwerkstoffe,
wie Siliziumnitrid, eingesetzt werden, die einen re
lativ hohen Anfangsverschleiß aufweisen, der im Zuge
der Bearbeitung über den Schwenkbalken relativ ein
fach kompensiert werden kann.
Im folgenden wird die Erfindung anhand einiger in der
Zeichnung in schematischer Weise dargestellter Ausfüh
rungsbeispiele näher erläutert. Es zeigen
Fig. 1 einen Schnitt durch ein Kombinationswerkzeug
für die Schrupp- und Schlichtbearbeitung mit
einem als Schwenkbalken ausgebildeten verstell
baren Schneidenträger;
Fig. 2 und 3 gegenüber dem Werkzeug nach Fig. 1 hin
sichtlich der Spielfreistellung abgewandelte
Ausführungsbeispiele des Kombinationswerkzeugs
in geschnittener Darstellung.
Das in der Zeichnung dargestellte Werkzeug ist ein Kom
binationswerkzeug für die kombinierte Schrupp- und
Schlichtbearbeitung von Werkstückbohrungen. Es besteht
im wesentlichen aus einem einen Paßzapfen 12 für den
Anschluß an eine Maschinenspindel 8 tragenden Grundkör
per 10, einem am Grundkörper 10 starr angeordneten
Klemmhalter 13 mit einer Wendeschneidplatte 14 für die
Schrupp- oder Zwischenschlichtbearbeitung, einem Klemm
halter 13′ mit Fasplatte 14′ und einem Kurzklemmhalter
15 mit axial verstellbarer Wendeschneidplatte 16 für
die anschließende Schlichtbearbeitung, der an einem
radial verstellbaren Schneidenträger 18 angeschraubt
ist. Der Schneidenträger 18 ist als zweiarmiger
Schwenkbalken ausgebildet, der in einem im Grundkörper
10 quer ausgerichteten Drehlager 20 unter radialer
Verstellung der am einen Hebelarm 22 des Schwenkbalkens
angeordneten Schneidplatte 16 schwenkbar angeordnet
ist. Die Betätigung des Schwenkbalkens 18 erfolgt über
eine Steuerstange 24, die durch eine Zentralbohrung 26
im Paßzapfen 12 und im Grundkörper 10 hindurchgreift
und die ihrerseits über einen Anzugbolzen 27 durch
einen maschinenseitigen hydraulischen oder elektrischen
Servoantrieb in axialer Richtung verschiebbar ist.
Die Steuerstange ist durch einen in eine Längsnut 29
eingreifenden Bolzen 29′ mit dem Grundkörper 10 dreh
fest, jedoch axial verschiebbar verbunden.
Auf der Steuerstange 24 befinden sich in axialem Ab
stand voneinander zwei Keile 28, 30, deren Keilflächen
28′, 30′ zur Seite des Schwenkbalkens 18 weisen und nach
einander entgegengesetzten Seiten gegenüber der Ver
schieberichtung der Steuerstange 24 schräg angestellt
sind. Der Keil 28 liegt mit seiner Keilfläche 28′ gegen
die eine kugelig konvex gekrümmte Stirnfläche 40 eines
in einer Bohrung 32 des Grundkörpers 10 radial geführ
ten Druckstifts 36 an, der mit seiner anderen kugelig
konvex gekrümmten Stirnfläche 42 von innen her gegen
den schneidenseitigen Hebelarm 22 des Schwenkbalkens
anliegt. Der zweite Keil 30 liegt mit seiner Keilfläche
30′ über einen in einer Bohrung 34 des Grundkörpers 10
radial geführten, kugelig gekrümmte Stirnflächen 44, 46
aufweisenden Druckstift 38 von innen her gegen einen
als Kopfschraube ausgebildeten Einstellbolzen 50 im
zweiten Hebelarm 48 des Schwenkbalkens 18 an. Der aus
den Keilen 28 und 30 und aus den Druckstiften 36 und 38
bestehende Verstellmechanismus wirkt somit in entgegen
gesetzten Richtungen auf beide Hebelarme 22, 48 des
Schwenkbalkens 18 ein und sorgt somit dafür, daß der
Schwenkbalken 18 an beiden Hebelarmen 22, 48 geführt und
dabei in Zustellrichtung spielfrei gestellt ist.
Für die Feineinstellung ist zwischen dem Bolzenkopf 50′
und einer Innenschulter des Hebelarms 48 ein Abstimm
ring 51 eingelegt, der bei der Montage zunächst Übermaß
aufweist. Beim Andrehen des Einstellbolzens 50 gegen
den noch Übermaß aufweisenden Abstimmring läßt sich der
Bolzen zunächst noch etwas bewegen. Von dem Abstimmring
51 wird dann zunächst so viel abgeschliffen, daß sich
beim erneuten Andrehen des Einstellbolzens 50 der
Schwenkbalken 18 nicht mehr bewegen läßt und eine ge
wisse Vorspannung erhalten wird. Dadurch ist der
Schwenkbalken 18 spielfrei gestellt und der Einstell
bolzen 50 durch die Flächenpressung gegen ein Verdrehen
gesichert. Die in Fig. 1 dargestellte Ausgestaltung
erfordert eine sehr genau aufeinander abgestimmte kom
plementäre Anstellung und Ausrichtung der Keilflächen
28′ und 30′.
Bei dem in Fig. 2 gezeigten Ausführungsbeispiel weist
der Gewindeschaft 50′ des Einstellbolzens 50 an seinem
dem Druckstift 38 zugewandten Ende einen axial überste
henden Zapfen 50′′′ geringeren Durchmessers auf, auf
dem ein zwischen einer Ringschulter des Schafts 50′′
und der Stirnfläche 46 des Druckstifts 38 eingespanntes
Federpaket 53 angeordnet ist. Zweckmäßig greift der
Zapfen 50′′′ in eine nicht dargestellte Sackbohrung am
stirnseitigen Ende des Druckstifts 38 ein, ohne dabei
axial gegen den Druckstift anzuliegen. Das Federpaket
53 sorgt dafür, daß trotz Herstellungsungenauigkeiten
immer Spielfreiheit im Bereich des Verstellmechanismus
gewährleistet ist.
Das Ausführungsbeispiel nach Fig. 3 unterscheidet sich
von den Ausführungsbeispielen nach Fig. 1 und 2 im we
sentlichen dadurch, daß der Keil 30 und der Druckstift
38 auf der Seite des zweiten Hebelarms 48 fehlt, und
daß an deren Stelle in einer Stufenbohrung 60 des zwei
ten Hebelarms 48 zwischen einer Ringschulter der Stu
fenbohrung 60 und dem Kopf eines Kopfbolzens 56 ein Fe
derpaket 58 eingespannt ist, das den mit seinem Schaft
56′′ in dem engen Bohrungsteil 62 der Stufenbohrung 60
geführten Kopfbolzen 56 mit seinem Kopf 56′ gegen die
benachbarte Planfläche des Grundkörpers 10 drückt und
damit das Keilgetriebe 28, 36 im Bereich des schneiden
seitigen Hebelarms 22 über die gesamte Verstellstrecke
spielfrei stellt.