Bayer Aktiengesellschaft 2534892
Zentralbereich Patente. Marken und Lizenzen
Gr/Hg 509 Leverkusen. Bayerwerk
* tos. 1975
Verfahren zur oxidativen Behandlung sulfid-, sulfit- und
thiosulfathaltiger Abwässer
In der chemischen Industrie fallen große Mengen an sulfid-, sulfit- und thiosulfathaltigen Abwässern, insbesondere
in Form ihrer Natriumsalze an, z. B. bei der Papier- und Farbenherstellung. Es ist bekannt, Natriumsulfid durch Luftoxidation
im wesentlichen zu Thiosulfat umzuwandeln (Air oxidation of sulfides in process waters and caustic solutions,
PrOCAP I 36 (II) 1956, 313 - 317). Ferner ist es bekannt,
daß die Oxidation von Natriumsulfid und Natriumthiosulfat zu Natriumsulfat mit sauerstoffhaltigen Gasen nur langsam verläuft
(Erdöl und Kohle, 14 (1961), 8, 621 - 626). Um die Reaktion zu beschleunigen, arbeitet man daher bei hohen Temperaturen
(bei etwa 25o°C), hohen Drucken und langen Verweilzeiten (DT-OS 23 34 994).
Bei der Oxidation bisulfithaltiger Abwasser werden bei der
Oxidation mit Luft größere Mengen an SO2
ausgetrieben, so daß aus dem Abwasserproblem ein Abluftproblem wird.
Der vorliegenden Erfindung liegt die Aufgabe zugrunde, ein einfaches
Verfahren zur Oxidation sulfid-, sulfit- und thiosulfathaltiger Abwasser, die die verschiedenen schwefelhaltigen
Verbindungen auch in beliebigen Gemischen enthalten
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können, zu entwickeln, bei dem praktisch eine quantitative Oxidation bis zur Stufe des Sulfats, wobei als Nebenprodukt
gegebenenfalls Schwefel gebildet wird, durchgeführt wird.
Gegenstand der vorliegenden Erfindung ist daher ein Verfahren zur Oxidation sulfid-, sulfit-, thiosulfathaltiger Abwasser,
die diese schwefelhaltigen Verbindungen einzeln oder in beliebiger Kombination enthalten, durch Oxidation mit sauerstoffhaltigen
Gasen in wässriger Lösung, dadurch gekennzeichnet, daß die Abwasser, falls sie Sulfid enthalten, zunächst
bei pH-Werten } 7 und Temperaturen von 2.0 - 2oo C mit
technisch reinem Sauerstoff bei Normaldruck bis Drucken von 2o bar kontaktiert werden, bis im wesentlichen das gesamte
Sulfid in Thiosulfat umgewandelt ist, dann bei pH-Werten
von etwa 0 bis 5 bzw. 0 bis 8 für ein nur sulfithaltiges· Abwasser
und bei Temperaturen von 2o - 2oo°C mit technisch reinem Sauerstoff bei Normaldruck bzw. Drucken bis etwa 2o bar,
gegebenenfalls in Gegenwart von Katalysatoren bis zur praktisch vollständigen Bildung von Sulfat umgesetzt werden, wobei sich
bei sulfid- und/oder thiosulfathaltigem Abwasser zusätzlich Schwefel abscheidet.
Unter dem Begriff Sulfid sollen im Sinne der vorliegenden Erfindung
auch Hydrogensulfid bzw. Polysulfide, unter dem Begriff Sulfit auch Hydrogensulfite verstanden werden. Technisch reiner
Sauerstoff im Sinne der vorliegenden Erfindung enthält mindestens 9o Volumen-90, vorzugsweise 99 Volumen-% O2* Die
schwefelhaltigen Verbindungen im Abwasser liegen in der Regel in Salzform, vorzugsweise in Form der Alkali-, Erdalkalioder
Ammoniumsalze vor; es können jedoch auch die zugrundeliegenden Säuren und/oder Säureanhydride erfindungsgemäß
oxidiert werden.
Die Oxidation sulfidhaltiger Abwässer zu Thiosulfat erfolgt
vorzugsweise bei Temperaturen von 1oo - 14o C bei Drucken (bar)
von 1 bis 1o, und pH-7erten von 1o bis 14, während
die Oxidation im sauren pH-Gebiet, vorzugsweise bei pH-Werten
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von etwa 1 bis 3 "bei Temperaturen zwischen 7o und 15o C und
Drucken von 1 bis "Io "bar durchgeführt wird. Die
Oxidation im sauren pH-Bereich wird vorzugsweise durch Zugabe von Katalysatoren, wie Kupfersalzen, z. B. CuSO , CuCl5,
4 Cobaltsalzen, z. B. CoSO^, CoCl2, Eisensalzen, wie z. B.
Fe(II)-und/oder Fe(IIl)-salzen beschleunigt. Bei Eisensalzen
eignen sich besonders FeCl2, Fe3(SO^)3, FeSO^, FeCL5. Es ist
besonders günstig, wenn das Verhältnis von Fe(III)- : Fe(II)-Ionen
auf Werte zwischen 2 : 1 und 8 : 1 eingestellt wird. Die Katalysatoren kommen dabei in Mengen von etwa o,o1 bis
I00 ppm, bezogen auf die wässrige Lösung, zum Einsatz.
Nach dem erfindungsgemäßen Verfahren wird bei Gegenwart von Sulfid im Abwasser dieses zunächst zu Thiosulfat oxidiert,
woran sich im anschließenden Verfahrensschritt bei Weiteroxidation im sauren pH-Bereich unter gleichzeitiger Schwefelabscheidung
Sulfat bildet. Bei gleichzeitiger Gegenwart von Sulfit und Sulfid wird zusätzlich Thiosulfat gebildet. Nachfolgend
wird dies für Natriumsulfid anhand des vereinfachten Reaktionsschemas Ia und Ib im Alkalischen und II im Sauren dargestellt:
Im Alkalischen:
I a) 2
+ 2
Na2S2°3
2 Na0H
I b) Na2S + SO2 + 1/2
Im Sauren: II) Na2S2O
> S + NaHSO
+1/2 Q
NaHSO
Wird die Oxidation im sauren pH-Gebiet bei Temperaturen oberhalb des Schmelzpunktes von Schwefel durchgeführt, kann
der dabei anfallende Schwefel flüssig am Boden des Oxidationsbehälters abgezogen werden. Bei einer Fahrweise unterhalb
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des Schmelzpunktes von Schwefel läßt sich dieser gegebenenfalls unter zusätzlicher Verwendung von Flockungs- und
Filtrationshilfsmitteln auch auf konventionellen Filtrationsapparaten, wie z. B. Filterpressen oder Vakuumfiltern
abtrennen.
Die Konzentration der schwefelhaltigen Verbindungen im Abwasser kann in relativ weiten Grenzen, beispielsweise
zwischen 1 bis 2oo g/l Sulfid, 1 bis 15o g/l Sulfit, 1 bis 2oo g/l Thiosulfat variieren; vorzugsweise liegt sie
zwischen 1 bis 5o g/l Sulfid, 1 bis 1oo g/l Sulfit, 1 bis 1oo g/l
Thiosulfat. In einer besonders vorteilhaften Ausführungsform
wird ein Abwasser behandelt, in dem das molare Verhältnis Sulfid/Sulfit zwischen etwa 1 : o,6 bis 1 : 1,1 liegt bzw.
eingestellt wird.
Nachfolgend wird anhand einer Figur ein kontinuierliches Verfahren zur Oxidation eines sulfid-, sulfit- und thiosulfathaltigen
Abwassers beschrieben, das eine bevorzugte Ausführungsform des erfindungsgemäßen Verfahrens darstellt.
In der Figur kommt den Zahlen folgende Bedeutung zu:
1 Zufuhrleitung für sulfidhaltiges Abwasser,
2 Blasensäule,
3 Abführleitung des behandelten Abwassers in der Bissensäule,
4 Füllkörperkolonne,
5 Abführleitung des behandelten Abwassers aus der . _ Füllkörperkolonne,
6 Blasensäule,
7 Katalysatorzugabe,
8 Säurezugabe,
9 Schwefelentnahme,
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10 Zuführungsleitung des oxidierenden Gases für die
Blasensäule 2,
11 Zuführungsleitung des oxidierenden Gases für die Blasensäule 6,
12 Teilstrom des oxidierenden Gases für die Blasensäule 6, der am Boden der Blasensäule 6 eingeführt wird,
13 Zufuhrleitung für sulfit- bzw. thiosulfathaltiges
Abwasser,
14 Füllkörperkolonne,
15 Schwefelentnahme,
16 Entnahme des oxidierten Abwassers,
17 Zuführung technisch reinen Sauerstoffs,
18 Zuführungsleitung Gas
19 Förderpumpe
20 Gasumwälzpumpe
21 Abwasserüberlauf
22 Alkalieinspeisung
Im einzelnen erfolgt die Behandlung des sulfid-, sulfit- und
thiosulfathältigen Abwassers wie folgt:
Sulfidhaltiges Abwasser wird über Zufuhrleitung 1 in die Blasensäule
2 eingeführt, der pH gegebenenfalls durch über Leitung 22 eingeführtes Alkali, vorzugsweise NaOH, auf pH-Werte ^ 7
eingestellt und mit Sauerstoff, eingeführt über die Zuführungsleitung 1o, bei durchschnittlichen Verweilzeiten von etwa 5 bis
2o Minuten behandelt. Anschließend wird das Abwasser über die Leitung 3 auf die Füllkörperkolonne 4 zur praktisch vollständigen
Oxidation zu Thiosulfat gegeben, wobei über Leitung 18 Sauerstoff zugeführt wird.
Das Abwasser, dessen Sulfidgehalt im wesentlichen zu Thiosulfat umgewandelt wurde, verläßt die Füllkörperkolonne 4
über die Austrittsleitung 5 und tritt über die Pumpe 19 in die Blasensäule 6 ein. Über die Leitung 8 wird Säure, vorzugsweise
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Schwefelsäure, zugeführt, um in der Blasensäule den notwendigen
sauren pH-Bereich einzustellen. Über 7 kann dem zu oxidierenden Abwasser Katalysator zugeführt werden. Sauerstoff wird der
Blasensäule über die Gasumwälzpumpe 2o über die Leitungen
11 und 12 zugeführt. Elementarer Schwefel kann über die Leitung 9 entnommen werden. Aus der Blasensäule 6 tritt das
Abwasser nach durchschnittlichen Verweilzeiten von 2 bis 2o Minuten über die Leitung 21 in die Füllkörperkolonne 14 ein,
wo die praktisch vollständige Oxidation von Sulfit zu Sulfat erfolgt. Beide Füllkörperkolonnen 4 bzw. 14 werden vorzugsweise
in nicht geflutetem Zustand betrieben. Über die Leitung 15 kann ebenfalls Schwefel in elementarer Form entnommen
werden. Über die Leitung 17 erfolgt die Zuführung des technisch reinen Sauerstoffs, über die Leitung 16 wird
das praktisch nur noch sulfathaltige Abwasser abgeführt.
Ist das Abwasser sulfidfrei, wird das Abwasser lediglich über 13 der Blasensäule 6 zugeführt, wobei die Oxidationskolonnen
2 und 4 entfallen.
Durch das erfindungsgemäße Verfahren ist es möglich, die
Oxidation von sulfid-, sulfit- und thiosulfathaltigen Abwässern
unter Bildung von Sulfat und Schwefel bei relativ niedrigen Temperaturen und Drucken schnell durchzuführen.
Durch die Abscheidung des Schwefels wird die benötigte Sauerstoff menge gegenüber bekannten Verfahren reduziert. Da der zugeführte
Sauerstoff praktisch quantitativ für die Oxidation ausgenutzt wird, ist eine abgasfreie Fahrweise erreicht.
Beispiel 1
In einer halbtechnischen Anlage gemäß Figur 1 wurden kontinuierlich 2oo l/Stunde technisches Abwasser der Zusammensetzung
34,6 g pro 1 Natriumsulfid, 2,5 g pro 1 Natriumthiosulfat
und 1,o g pro 1 Natriumsulfit eingespeist.
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Nach dem Passieren der ersten Stufe (alkalische Oxidation),
d. h. der Blasensäule 2 und Füllkörperkolonne 4 bei Temperaturen von 12o°C in der Blasensäule und in der Füllkörperkolonne
und Drucken von 4,5 "bar Sauerstoff, eingespeist über 17 via 1o, enthielt das bei 5 entnommene Wasser o,6 g
pro 1 Natriumsulfid, 35,4 g Natriumthiosulfat und 1,og pro 1 Natriumsulfit. Nach der anschließend erfolgenden
Oxidation in der Blasensäule 6 und in der Füllkörperkolonne 14,
die bei Temperaturen von 13o°C betrieben wurden, enthielt das Abwasser lediglich noch 2,5 g pro 1 Natriumthiosulfat,
im übrigen Natriumhydrogen- bzw. Natriumsulfat.
Die gesamte Verweilzeit des Abwassers für Blasensäule 2 + Füllkörperkolonne
4 betrug 4,5 Minuten, für die Blasensäule 6 + Füllkörperkolonne 14 25 Minuten. In der Blasensäule 2
bzw. Füllkörperkolonne 4 betrug der pH-Wert 14, in der Blasensäule 6 bzw. Füllkörperkolonne 14 o,6.
Beispiel 2 (sulfidfreies Abwasser)
In die Blasensäule 6 wurden kontinuierlich 2oo 1 pro Stunde einer Bisulfitablauge von 3o g HSO,~/Liter und einem pH-Wert
von 5,1 bei 7o°C eingeführt. Sauerstoff von 5 bar, eingeführt über 17, bewirkte die praktisch quantitative Oxidation des
Hydrogensulfits, denn am Austritt der zweiten Stufe wurde
kein HSO, nachgewiesen. Bei dieser Variante des erfindungsgemäßen Verfahrens wurde der Sauerstoff lediglich über die
Leitungen 11 und 12 in die Blasensäule 6 eingeführt und mittels der Gasumwälzpumpe 2o über die Leitung 12 rezirkuliert. Die
in Figur 1 gezeichnete Gasabführleitung 1o entfällt bei dieser Variante.
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