DE1136284B - Verfahren zur kontinuierlichen Entfernung von Schwefelwasserstoff und Cyanwasserstoff aus sauren Kokerei- und aehnlichen Abwaessern - Google Patents

Verfahren zur kontinuierlichen Entfernung von Schwefelwasserstoff und Cyanwasserstoff aus sauren Kokerei- und aehnlichen Abwaessern

Info

Publication number
DE1136284B
DE1136284B DEG26819A DEG0026819A DE1136284B DE 1136284 B DE1136284 B DE 1136284B DE G26819 A DEG26819 A DE G26819A DE G0026819 A DEG0026819 A DE G0026819A DE 1136284 B DE1136284 B DE 1136284B
Authority
DE
Germany
Prior art keywords
hydrogen cyanide
hydrogen
hydrogen sulfide
cyanide
wastewater
Prior art date
Legal status (The legal status is an assumption and is not a legal conclusion. Google has not performed a legal analysis and makes no representation as to the accuracy of the status listed.)
Pending
Application number
DEG26819A
Other languages
English (en)
Inventor
Dr-Ing Paul Kaunert
Dipl-Phys Dr Hasso Doering
Current Assignee (The listed assignees may be inaccurate. Google has not performed a legal analysis and makes no representation or warranty as to the accuracy of the list.)
BLEIZINKERZBERGBAU
STEINKOHLENBERGBAU
Gewerkschaft Auguste Victoria
Original Assignee
BLEIZINKERZBERGBAU
STEINKOHLENBERGBAU
Gewerkschaft Auguste Victoria
Priority date (The priority date is an assumption and is not a legal conclusion. Google has not performed a legal analysis and makes no representation as to the accuracy of the date listed.)
Filing date
Publication date
Application filed by BLEIZINKERZBERGBAU, STEINKOHLENBERGBAU, Gewerkschaft Auguste Victoria filed Critical BLEIZINKERZBERGBAU
Priority to DEG26819A priority Critical patent/DE1136284B/de
Priority claimed from FR824243A external-priority patent/FR1254188A/fr
Publication of DE1136284B publication Critical patent/DE1136284B/de
Pending legal-status Critical Current

Links

Classifications

    • CCHEMISTRY; METALLURGY
    • C10PETROLEUM, GAS OR COKE INDUSTRIES; TECHNICAL GASES CONTAINING CARBON MONOXIDE; FUELS; LUBRICANTS; PEAT
    • C10KPURIFYING OR MODIFYING THE CHEMICAL COMPOSITION OF COMBUSTIBLE GASES CONTAINING CARBON MONOXIDE
    • C10K1/00Purifying combustible gases containing carbon monoxide
    • C10K1/001Purifying combustible gases containing carbon monoxide working-up the condensates
    • CCHEMISTRY; METALLURGY
    • C02TREATMENT OF WATER, WASTE WATER, SEWAGE, OR SLUDGE
    • C02FTREATMENT OF WATER, WASTE WATER, SEWAGE, OR SLUDGE
    • C02F2103/00Nature of the water, waste water, sewage or sludge to be treated
    • C02F2103/18Nature of the water, waste water, sewage or sludge to be treated from the purification of gaseous effluents
    • CCHEMISTRY; METALLURGY
    • C02TREATMENT OF WATER, WASTE WATER, SEWAGE, OR SLUDGE
    • C02FTREATMENT OF WATER, WASTE WATER, SEWAGE, OR SLUDGE
    • C02F2103/00Nature of the water, waste water, sewage or sludge to be treated
    • C02F2103/34Nature of the water, waste water, sewage or sludge to be treated from industrial activities not provided for in groups C02F2103/12 - C02F2103/32

Description

  • Verfahren zur kontinuierlichen Entfernung von Schwefelwasserstoff und Cyanwasserstoff aus sauren Kokerei- und ähnlichen Abwässern In letzter Zeit wird mit Nachdruck die Forderung nach Reinhaltung sowohl der öffentlichen Gewässer als auch der Luft erhoben. Insbesondere sind hiervon Kokereien betroffen, bei denen in der Regel Abwässer anfallen, die beim Abführen in öffentliche Gewässer eine Gefahr für das tierische und pflanzliche Leben der Gewässer bedeuten.
  • In Kokereiwässem findet man bekanntlich an toxisch wirkenden Stoffen vor allem Ammoniak, Schwefelwasserstoff, Cyanwasserstoff und Phenole. Während die vollständige Entfernung des Ammoniaks und der Phenole kaum Schwierigkeiten bereitet, ist die Beseitigung von Schwefelwasserstoff und Cyanwasserstoff bisher nicht befriedigend gelöst worden. Beide Komponenten gelangen im Zuge der üblichen Gasreinigungsprozesse in das Abwasser. Über die Hälfte des im Kokereigas vorhandenen Cyanwasserstoffs wird neben Schwefelwasserstoff bei der nassen Schwefelwasserstoffentfernung sowie bei der Ammoniak- und Benzolgewinnung mit ausgewaschen. Beträchtliche Anteile an Cyanwasserstoff findet man vor allem in den Entsäurer- und Abtreiberschwaden der zur Reinigung von Kohlendestillationsgasen heute zumeist üblichen Ammoniak-Schwefelwasserstoff-Kreislaufwäschen. Daneben fallen geringere Mengen im Ablaufwasser der Ammoniak-Abtreibekolonnen, im Abwasser von zur Ammoniakrestreinigung dienenden Wascherendstufen und in wäßrigen Kondensaten von Rohbenzol-Abtreibekolonnen an.
  • Die beträchtliche Anteile an Cyanwasserstoff enthaltenden Entsäurer- und Abtreiberschwaden werden bei Anwendung des sogenannten indirekten Verfahrens zur Ammonsulfatherstellung durch Sättiger geleitet, in denen das Ammoniak an Schwefelsäure gebunden wird. Die abziehenden ammoniakfreien Schwaden, die Schwefelwasserstoff und Cyanwasserstoff enthalten, werden gekühlt und dem Verbrennungsofen der Schwefelsäurefabrik zugeleitet. Gleichzeitig werden bei der direkten Kühlung die schwefelwasserstoff- und cyanwasserstoffhaltigen Schwaden gewaschen, wobei der gesamte Cyanwasserstoff mit einer geringen Menge Schwefelwasserstoff in das Waschwasser übertritt. Das Auswaschen von Cyanwasserstoff ist zum Schutz der Schwefelsäureanlage vor Korrosionen und zur Vermeidung des Auftretens von Stickoxyden in der erzeugten Schwefelsäure notwendig. Man erhält auf diese Weise schwefelwasserstoff- und cyanwasserstoffhaltige Abwässer, die bislang im allgemeinen ohne Weiterbehandlung verworfen wurden, ein Weg, der sich in zunehmendem Maße wegen der bedrohliche Formen annehmenden Verschmutzungsgefahr der Bach- und Flußläufe verbietet.
  • Grundsätzlich sind zwar destillative Methoden bekannt, Schwefelwasserstoff und Cyanyasserstoff aus Lösungen zu entfernen, alle Verfahren weisen aber für die Abwasserreinigung derartige Nachteile auf, daß sie sich in keinem Fall in der Praxis durchsetzen könnten. Die Gründe sind folgende: Der destillative Abtrieb von Schwefelwasserstoff und Cyanwasserstoff aus Abwasser bedingt insbesondere wegen der in großen Mengen mit nur geringer Konzentration anfallenden Wässer einen beträchtlichen Wärmeverbrauch, der in der Regel durch Zugabe von Dampf in eine entsprechende Abtriebskolonne gedeckt wird. In manchen Verfahrensbeschreibungen von Gasreinigungsprozessen für Kohlendestillationsgase findet man zwar den Hinweis, daß der Dampfverbrauch wesentlich verringert werden kann, wenn man den Wärmeinhalt von auf der Kokerei anfallenden heißen Medien durch Wärmeaustauscher auf das abzutreibende Abwasser überträgt, man übersieht hierbei jedoch, daß auf modernen Anlagen schon sämtliche verfügbaren Möglichkeiten des Wärmeaustausches genutzt werden und demzufolge der Vorschlag, den Dampfverbrauch für den destillativen Abtrieb der Ab- wässer durch Wärmeaustausch zu senken, nur zu einer Kostenverschiebung nach anderen Betriebspunkten führt.
  • Der reine, destillative Abtrieb der Abwässer ohne Rückgewinnung von Schwefelwasserstoff und Cyanwasserstoff, also das überfahren der Verunreinigungen aus der wäßrigen. Phase in die, Umgebungsluft, ist im übrigen abzulehnen. Derartige Verfahren verlagern lediglich das, Problem der Reinhaltung von der Wasserseite auf die Luftseite. Aus dem gleichen Grunde sind auch jene Methoden der Abwasserreinigung zurückzuweisen, bei denen schwefelwasserstoff- und cyanwasserstoffhaltige Wässer auf Naturzug- oder Ventilatorkühltürme aufgegeben werden. Abgesehen davon, daß auf diese Weise nur ein Teil der Inhaltstoffe aus den Wässern entfernt werden kann, ist die Verunreinigung der Luft mit den schädlichen Austragsstoffen nicht tragbar.
  • Bekannte Verfahren auf destillativer Grundlage mit Gewinnung des abgetriebenen Cyanwasserstoffs haben außer dem hohen Energiekostenaufwand den Nachteil, daß Schwefelwasserstoff im Abwasser verbleibt, so daß zur vollständigen Reinigung weitere aufwendige Maßnahmen erforderlich sind.
  • Grundsätzlich ist es im übrigen bekannt, ammoniakalische Wässer mit inerten Gasen, wie Luft, auszublasen. Enthalten die Abwässer jedoch Schwefelwasserstoff und Cyanwasserstoff, so können auf diese Weise Schwefelwasserstoff und Cyanwasserstoff allenfalls gemeinsam ausgeblasen werden, was technisch uninteressant ist, da eine Selektivität zwischen der Schwefelwasserstoffentfernung und Cyanwasserstoffentfernung für die Weiterverarbeitung dieser Produkte erforderlich ist. Das einfache Ausblasen in die Luft verbietet sich aus den schon angegebenen Gränden. .
  • Im Zusammenhang mit Maßnahmen betreffend das Ausblasen von Kokereiabwässern mit Luft ist auch bekanntgeworden, den Effekt des Ausblasens von Cyanwasserstoff dadurch zu verbessern, daß man die Abwässer in saurer Lösung gleichzeitig mit Oxydationsmitteln behandelt. Da in den Abwässern stets auch Schwefelwasserstoff enthalten ist und folglich gleichzeitig mit dem Cyanwasserstoff ausgeblasen wird, gelten für diese Maßnahmen genau die gleichen Schwierigkeiten, wie sie bei den letztgenannten Verfahren erläutert worden sind.
  • Im Rahmen ganz anderer Maßnahmen, bei denen nicht die Reinigung von Kokereiabwässern, sondern die Gewinnung von Cyanwasserstoff erstrebt wird, ist ebenfalls versucht worden, Cyanwasserstoff durch Belüftung oder Ausblasen mit anderen Gasen aus Lösungen auszutreiben. Die hierauf basierenden Verfahren haben die. Probleme der Reinigung von Kokereiabwässern nicht beeinflußt und weisen für diese Aufgabe erhebliche Mängel auf. Die Selektivität bezüglich Schwefelwasserstoff und Cyanwasserstoff ist nämlich bei übertragung der bekannten Maßnahmen auf Kokereiabwässer nicht befriedigend. Um einigermaßen selektiv zu arbeiten, wäre es nach den bekannten Maßnahmen erforderlich, verhältnismäßig große Anteile vor allem an Schwefelwasserstoff in den Wässern zu lassen, was, abgesehen von dem Verlust an Schwefelwgsserstoff und Cyanwasserstoff, auch in bezug auf die angestrebte Reinheit der Ab- wässer nicht zulässig ist und zur Restentfernung des Schwefelwasserstoffs aus dem cyanwasserstoffhaltigen Wasser den Einsatz schwefelwasserstoffbindender Chemikalien erforderlich machen würde, die ihrerseits eine zusätzliche Verunreinigung des Ab- wassers ergeben.
  • Die Erfindung hat sich die Aufgabe gestellt, cyanwasserstoff- und schwefelwasserstoffhaltige Kokerei- und ähnliche Abwässer vollständig und selektiv von Cyanwasserstoff und Schwefelwasserstoff zu befreien, so daß sie ohne Bedenken in öffentliche Gewässer abgeführt werden können und die gewonnenen Produkte sich unschwer weiterverarbeiten lassen. Der Forderung nach Reinhaltung der Luft soll in vollem Maße dadurch Rechnung getragen werden, daß sowohl Schwefelwasserstoff als auch Cyanwasserstoff restlos zurückgewonnen und einer wirtschaftlichen Verwendung zugeführt werden. Voraussetzung hierfür ist die damit gegebene spezielle Aufgabe der Erfindung, den Cyanwasserstoff selektiv aus den Abwässern abzutrennen, derart, daß Cyanwasserstoff in nachgeschalteten, nach bekannten Verfahren arbeitenden Anlagen in Form von reinem, flüssigem Cyanwasserstoff oder als marktgängige Cyanverbindung gewonnen werden kann. Ferner gilt es, den Schwefelwasserstoff, der die Reinherstellung von flüssigem Cyanwasserstoff oder die Weiterverarbeitung von gasförmigem Cyanwasserstoff auf beispielsweise Alkalicyanide sehr kompliziert und empfindlich stört, vollständig von dem Cyanwasserstoff zu trennen und dem Verbrennungsofen zur Schwefelsäureherstellung zuzuführen.
  • Die Erfindung geht von der Erkenntnis aus, daß bei sauren Kokerei- und ähnlichen Abwässern eine besondere Verfahrensweise möglich ist.
  • Die Erfindung betrifft ein Verfahren zur kontinuierlichen Entfernung von Schwefelwasserstoff und Cyanwasserstoff aus sauren Kokerei- und ähnlichen Abwässern durch Ausblasen mit praktisch inerten Gasen, wie Luft. Die Erfindung besteht darin, daß in einer ersten Verfahrensstufe aus dem Abwasser der gesamte Schwefelwasserstoff und ein Teil des Cyanwasserstoffs ausgeblasen und das damit beladene Ausblasegas in an sich bekannter Weise als Brausegas in einem Schwefelsäuresättiger bei der Gewinnung von Ammoniak als Kokereiprodukt benutzt wird, worauf aus den mit dem Brausegas vermischten Sättigeraustrittsschwaden der gesamte in ihnen enthaltene Cyanwasserstoff und ein Teil des Schwefelwasserstoffs mit Frischwasser oder gereinigtem Abwasser ausgewaschen werden und die entstandene Lösung dem Strom des auszublasenden Abwassers wieder zugesetzt wird, die vom Cyanwasserstoff befreiten Sättigeraustrittsschwaden aber zur an sich bekannten Nutzbarmachung ihres Schwefelwasserstoffgehaltes weitergeleitet werden, und daß in einer zweiten Verfahrensstufe aus dem cyanwasserstoffhaltigen Ablauf der ersten Stufe mit frischem Ausblasegas der Cyanwasserst:off ausgeblasen, das Abwasser abgeleitet und das mit Cyanwasserstoff beladene Ausblasegas zur an sich bekannten Nutzbarmachung des Cyanwasserstoffs weitergeleitet wird. Eine bevorzugte Ausführungsform ist dabei dadurch gekennzeichnet, daß in der ersten Stufe das Ausblasegas in mehreren Horizonten einer Ausblasekolonne zugeführt und jeweils kurz unterhalb des nächsthöheren Horizontes abgezogen wird.
  • Die Erfindung geht, wie erwähnt, von der Erkenntnis aus, daß bei sauren Kokereiabwässern in der angegebenen Weise das Ausblasen des Schwefelwasserstoffs und Cyanwasserstoffs selektiv möglich ist, was bei basischen Abwässern allerdings wegen der dann vorhandenen Bindung des Schwefelwasserstoffs nicht der Fall ist.
  • Das erfindungsgemäße Verfahren läßt sich daher unmittelbar auf solche Abwässer anwenden, die von vornherein sauer reagieren, also z. B. auf Abwässer, die in Kohlendestillationsbetrieben durch Kühlung oder Auswaschung cyanwasserstoff- und schwefelwasserstoffhaltiger ammoniakfreier Schwaden mittels Wasser erhalten werden. Ebenso ist das Verfahren unmittelbar auch auf Abwässer anwendbar, die neben Cyanwasserstoff und Schwefelwasserstoff noch sogenanntes fixes Ammoniak, z. B. Ammoniumsulfat, Ammoniumthiosulfat, Ammoniumchlorid, Ammoniumrhodanid u. a. enthalten. Man findet besonders auf Kokereien jedoch auch cyanwasserstoff-und schwefelwasserstoffhaltige Abwässer mit geringen Mengen an flüchtigem Ammoniak, welches die selektive Ausblasung wegen seiner vorzugsweise, wenn auch schwachen Bindung an Schwefelwasserstoff behindert. Da man in Abwässern dieser Art nur verhältnismäßig geringe Gehalte an flüchtigem Ammoniak findet, genügen unerhebliche Mengen einer starken Säure, z. B. Schwefelsäure, um dieses flüchtige Ammoniak zu neutralisieren und damit die Voraussetzung für die Anwendung des erfindungsgemäßen Verfahrens auf diese Abwässer zu schaffen.
  • Im Rahmen des erfindungsgemäßen Verfahrens wird das in der ersten Verfahrensstufe im Sumpf der Kolonne ablaufende cyanwasserstoffhaltige Wasser, das frei von Schwefelwasserstoff ist, je nach den baulichen und apparativen Gegebenheiten entweder auf eine oder auf mehrere separate Kolonnen oder im Unterteil einer entsprechend hohen Kolonne, deren Oberteil für die Durchführung der ersten Verfahrensstufe genutzt und luftseitig vom Unterteil getrennt ist, aufgegeben und ebenfalls mit einem gegenüber Cyanwasserstoff praktisch interten Gas, Vorzugsweise mit Luft, ausgeblasen. Der dabei praktisch vollständig in die Ausblaseluft überführte Cyanwasserstoff kann nach bekannten Verfahren zu reinem, flüssigem Cyanwasserstoff oder zu Cyanverbindungen weiterverarbeitet werden.
  • Neben der Ersparnis an Frischluft hat die erfindungsgemäß verwirklichte Rückführung der schwefelwasserstoff- und cyanwasserstoffhaltigen Blaseluft aus der ersten Verfahrensstufe in den Sättiger den Vorteil, daß der ausgeblasene Schwefelwasserstoff und der mitausgetragene Anteil an Cyanwasserstoff wieder dem Produktionsstrom zugeführt werden und damit für die Gewinnung nicht verlorengehen. Sehr wesentlich ist die Tatsache, daß auf diese Weise jegliche Veranreinigung der atmosphärischen Luft vermieden wird.
  • Die z. B. beim indirekten Verfahren den Sättiger verlassenden Schwaden einschließlich der schwefelwasserstoff- und cyanwasserstoffhaltigen Ausblaseluft aus der ersten Verfahrensstufe werden in üblicher Weise über einen Wärineaustauscher vorgekühlt und dann direkt mit Frischwasser oder gereinigtem Ab- wasser unter gleichzeitiger Kühlung gewaschen. Hierbei gehen der gesamte Cyanwasserstoff und eine geringe Menge Schwefelwasserstoff in das Waschwasser über, während die Hauptmenge des Schwefelwasserstoffs cyanwasserstofffrei zum Verbrennungsofen einer Schwefelsäurefabrik geleitet wird. Durch den ständigen Kreislauf zwischen der ersten Verfahrensstufe und dem Sättiger bildet sich in bezug auf die ausgewaschenen Cyanwasserstoff- und Schwefelwasserstoffmengen sehr schnell ein Gleichgewichtszustand aus.
  • Wesentlich ist die in dem erfindungsgemäßen Verfahren genutzte Erkenntnis, daß der Schwefelwasserstoff in der ersten Verfahrensstufe unter schonender Belüftung, d. h. mit relativ geringen Luftmengen und bei Temperaturen um 30' C, mit denen die Wässer normalerweise anfallen, vollständig ausgeblasen werden kann. Im Gegensatz zu anderen Verfahren spielt es dabei keine Rolle, ob größere Mengen an Cyanwasserstoff schon in der ersten Verfahrensstufe mit ausgeblasen werden. Beispielsweise kann der Cyanwasserstoffabtrieb 50 % der im Abwasser ursprünglich vorhandenen Menge ausmachen, ohne daß dadurch die Leistungsfähigkeit und Wirtschaftlichkeit des erfindungsgemäßen Verfahrens in Frage gestellt ist. Gerade der Umstand, daß es bei dem erfindungsgemäßen Verfahren nicht von Bedeutung ist, den Cyanwasserstoffaustrag in der ersten Verfahrensstufe unbedingt extrem niedrig zu halten, gestattet es, in der ersten Verfahrensstufe mit einem solchen Luftüberschuß zu fahren, daß mit Sicherheit sämtlicher Schwefelwasserstoff aus dem Abwasser entfernt werden kann. Bei einer solcherart betriebenen Ausblasekolonne ist auch die Bedienung und Überwachung wesentlich einfacher als bei einer Verfahrensart, die ständig auf ein Maximum an Schwefelwasserstoffentfernung bei einem Minimum an Cyanwasserstoffverlust bedacht sein muß.
  • Zusammengefaßt erreicht die Erfindung so die folgenden Vorteile: Vollständige Entfernung von Schwefelwasserstoff und Cyanwasserstoff aus den Abwässern derart, daß die gereinigten Abwässer gefahrlos in öffentliche Gewässer abgeführt werden können. Völlige Vermeidung von Verunreinigungen der atmosphärischen Luft mit Schwefelwasserstoff und Cyanwasserstoff durch Rückführung der in der ersten Verfahrensstufe ausgeblasenen Dämpfe in den Sättiger zur Durchwirbelung derAmmonsulfatkristalle im Sättigerbad anstelle der üblichen Brauseluft. Wirtschaftliche Verwertung der gesamten, in den Abwässern vorhandenen Mengen an Cyanwasserstoff und Schwefelwasserstoff durch selektive Trennung der beiden Komponenten und Weiterverarbeitung zu reinem, flüssigem Cyanwasserstoff oder Cyanverbindungen bzw. Verbrennung des Schwefelwasserstoffs und nachfolgende Oxydation zu Schwefelsäure. Kein Wännebedarf für das erfindungsgemäße Verfahren. Kein Zusatz von schwefelwasserstoffbindenden Mitteln zur Restentfernung von Schwefelwasserstoff. Laufende Energiekosten lediglich für die Abwasseraufgabe auf die Ausblasekolonnen und die Luftzufuhr in der zweiten Verfahrensstufe.
  • Im einzelnen wird die Erfindung an Hand einer lediglich ein Ausführungsbeispiel darstellenden Zeichnung im folgenden erläutert: Die Zeichnung zeigt in schematischer Darstellung eine Anlage zur Durchführung des erfindungsgemäßen Verfahrens.
  • Von den Entsäurer- und Abtreiberkolonnen einer Naßentschwefelungs- und Ammoniakgewinnungsanlage herrührende Schwaden werden in bekannter Weise durch das Eintrittsrohr 3 in das Schwefelsäurebad des Sättigers 4 geleitet, in dem das Ammoniak an die Schwefelsäure zu Ammoniumsulfat gebunden wird. Die durch die Leitung 5 austretenden ammoniakfreien Schwaden werden in einem Wärmeaustauscher6 vorgekühlt. Das anfallende Kondensat führt man zweckmäßig mit den vorgekühlten Schwaden über die Verbindung 7 in den Sumpf oder die Ablaufleitung 8 des Direktkühlers 9. Das auf den Direktkühler aufgegebene Waschwasser 10 wäscht den Cyanwasserstoff vollständig und den Schwefelwasserstoff in geringer Menge, bezogen auf die Gesamtkonzentration an Schwefelwasserstoff in den Schwaden, aus. Die cyanwasserstofffreien, gekühlten Schwefelwasserstoffschwaden 11 werden einer Schwefelsäurefabrik zugeführt und zu Schwefelsäure verarbeitet. Das vom Direktkühler laufende Wasser wird für sich oder zusammen mit anderen im Betrieb anfallenden cyanwasserstoffhaltigen, mit Schwefelwasserstoff verunreinigten Waschwässern oder Kondensaten über die Leitung 8 auf eine Kolonne 1 gegeben und bei der Temperatur, mit der die Wässer nach dem Direktkühler und von den anderen Betriebspunkten her anfallen, mit Frischluft 12 belüftet. Die Luftmenge richtet sich unter anderem nach dem Bodenwirkungsgrad der Kolonne. Im allgemeinen werden 20 bis 50 m3 Luft je m-3 Wasseraufgabe zur vollständigen Entfernung des Schwefelwasserstoffs aus dem Wasser ausreichend sein. Die mit Schwefelwasserstoff und einer Teilinenge von etwa 20 bis 5011/o des ursprünglichen Gehaltes an Cyanwasserstoff im Aufgabewasser beladene Luft tritt am Kopf der Kolonne 1 aus und wird durch Leitung 13 dem Sättiger 4 zur Durchmischung des Bades über eine Ringbrause 14 zugeführt.
  • In der zweiten Verfahrensstufe wird das von Kolonne 1 ablaufende schwefelwasserstofffreie Wasser über die Leitung 15 auf die Kolonne 2 gegeben, in der mittels Frischluft 16 der Cyanwasserstoff ausgeblasen wird. Der Luftverbrauch hegt je nach der Betriebsweise und Bauart der Kolonne 2 etwa zwischen 100 und 200 m3 Luft je m3 Wasser. Die am Kopf der Kolonne 2 austretenden Cyanwasserstoffschwaden 17 sind frei von Schwefelwasserstoff und können weiterverarbeitet werden. Das schwefelwasserstofffreie und nur noch geringfügige Mengen an Cyanwasserstoff enthaltende Ablaufwasser 18 von Kolonne 2 wird ins Kanalisationsnetz abgeführt oder teilweise als Waschwasser 10 wiederverwendet.

Claims (2)

  1. PATENTANSPRÜCHE-1. Verfahren zur kontinuierlichen Entfernung von Schwefelwasserstoff und Cyanwasserstoff aus sauren Kokerei- und ähnlichen Abwässern durch Ausblasen mit praktisch inerten Gasen, wie Luft, dadurch gekennzeichnet, daß in einer ersten Verfahrensstufe aus dem Abwasser der gesamte Schwefelwasserstoff und ein Teil des Cyanwasserstoffs ausgeblasen und das damit beladene Ausblasegas in an sich bekannter Weise als Brausegas in einem Schwefelsäuresättiger bei der Gewinnung von Ammoniak als Kokereiprodukt benutzt wird, worauf aus den mit dem Brausegas vermischten Sättigeraustrittsschwaden der gesamte in ihnen enthaltene Cyanwasserstoff und ein Teil des Schwefelwasserstoffs mit Frischwasser oder gereinigtem Abwasser ausgewaschen werden und die entstandene Lösung dem Strom des auszublasenden Abwassers wieder zugesetzt wird, die vom Cyanwasserstoff befreiten Sättigeraustrittsschwaden aber zur an sich bekannten Nutzbarmachung ihres Schwefelwasserstoffgehaltes weitergeleitet werden, und daß in einer zweiten Verfahrensstufe aus dem cyanwasserstoffhaltigen Ablauf der ersten Stufe mit frischem Ausblasegas der Cyanwasserstoff ausgeblasen, das Abwasser abgeleitet und das mit Cyanwasserstoff beladene Ausblasegas zur an sich bekannten Nutzbarmachung des Cyanwasserstoffs weitergeleitet wird.
  2. 2. Verfahren nach Ansprach 1, dadurch gekennzeichnet, daß in der ersten Verfahrensstufe das Ausblasegas in mehreren Horizonten einer Ausblasekolonne zugeführt und jeweils kurz unterhalb des nächsthöheren Horizontes abgezogen wird. In Betracht gezogene Druckschriften: Deutsche Patentschriften Nr. 191078, 26 422; österreichische Patentschrift Nr. 118 009.
DEG26819A 1959-04-13 1959-04-13 Verfahren zur kontinuierlichen Entfernung von Schwefelwasserstoff und Cyanwasserstoff aus sauren Kokerei- und aehnlichen Abwaessern Pending DE1136284B (de)

Priority Applications (1)

Application Number Priority Date Filing Date Title
DEG26819A DE1136284B (de) 1959-04-13 1959-04-13 Verfahren zur kontinuierlichen Entfernung von Schwefelwasserstoff und Cyanwasserstoff aus sauren Kokerei- und aehnlichen Abwaessern

Applications Claiming Priority (5)

Application Number Priority Date Filing Date Title
NL250428D NL250428A (de) 1959-04-13
DEG26819A DE1136284B (de) 1959-04-13 1959-04-13 Verfahren zur kontinuierlichen Entfernung von Schwefelwasserstoff und Cyanwasserstoff aus sauren Kokerei- und aehnlichen Abwaessern
GB1296860A GB896226A (en) 1959-04-13 1960-04-12 A process for stripping hydrocyanic acid and hydrogen sulphide from waste waters containing the same
BE589650A BE589650A (fr) 1959-04-13 1960-04-12 Procédé pour l'épuration des eaux résiduaires renfermant de l'acide cyanhydrique et de l'acide sulfhydrique.
FR824243A FR1254188A (fr) 1959-04-13 1960-04-13 Procédé pour l'épuration des eaux résiduaires renfermant de l'acide cyanhydrique et de l'acide sulfhydrique

Publications (1)

Publication Number Publication Date
DE1136284B true DE1136284B (de) 1962-09-06

Family

ID=7123035

Family Applications (1)

Application Number Title Priority Date Filing Date
DEG26819A Pending DE1136284B (de) 1959-04-13 1959-04-13 Verfahren zur kontinuierlichen Entfernung von Schwefelwasserstoff und Cyanwasserstoff aus sauren Kokerei- und aehnlichen Abwaessern

Country Status (4)

Country Link
BE (1) BE589650A (de)
DE (1) DE1136284B (de)
GB (1) GB896226A (de)
NL (1) NL250428A (de)

Citations (3)

* Cited by examiner, † Cited by third party
Publication number Priority date Publication date Assignee Title
DE191078C (de) *
DE26422C (de) * KUNHEIM & CO. in Berlin SW Verfahren zur Reinigung der Gaswässer von Schwefelammonium
AT118009B (de) * 1929-06-24 1930-06-10 Oesterr Alpine Montan Verfahren zur Reinigung cyanidhaltiger Abwässer.

Patent Citations (3)

* Cited by examiner, † Cited by third party
Publication number Priority date Publication date Assignee Title
DE191078C (de) *
DE26422C (de) * KUNHEIM & CO. in Berlin SW Verfahren zur Reinigung der Gaswässer von Schwefelammonium
AT118009B (de) * 1929-06-24 1930-06-10 Oesterr Alpine Montan Verfahren zur Reinigung cyanidhaltiger Abwässer.

Also Published As

Publication number Publication date
BE589650A (fr) 1960-08-01
NL250428A (de)
GB896226A (en) 1962-05-09

Similar Documents

Publication Publication Date Title
DE2818950C3 (de) Verfahren zur Aufarbeitung von Harnstoff enthaltendem Abwasser, insbesondere aus Harnstofferzeugungsanlagen
EP0095144B1 (de) Behandlung von Gaskondensaten
DE2652524C2 (de) Verfahren zur Abtrennung von Säuregasen und freiem und gebundenem Ammoniak aus einer verdünnten, wäßrigen Lösung davon
DE3109848A1 (de) Verfahren zum behandeln von abwasser
DE2730560A1 (de) Verfahren zur abtrennung von sauren gasen und von ammoniak aus verduennten waessrigen loesungen
CH654282A5 (de) Verfahren und einrichtung zum konzentrieren und reinigen von organische verunreinigungen enthaltender schwefelsaeure.
DE2262754A1 (de) Verfahren zum behandeln von abwasser
DE4018309A1 (de) Verfahren zur aufarbeitung von abwasser aus unter erhoehtem druck betriebenen vergasungsanlagen
DE3030435C2 (de) Verfahren zum insbesondere mehrstufigen Auswaschen von sauren Bestandteilen wie CO↓2↓, HCN und insbesondere H↓2↓S aus Gasen, insbesondere Koksofengas, mittels einer ammoniakalischen Kreislaufwäsche
DE1136284B (de) Verfahren zur kontinuierlichen Entfernung von Schwefelwasserstoff und Cyanwasserstoff aus sauren Kokerei- und aehnlichen Abwaessern
DE2917780C2 (de) Verfahren zum Entfernen von Schwefelwasserstoff und Ammoniak aus einem Kokereigas sowie zur Freisetzung von in Kohlewasser gebundenem Ammoniak
AT215916B (de) Verfahren zur Reinigung von blausäure- und schwefelwasserstoffhaltigen Abwässern
DE2736488C3 (de) Verfahren zum Entfernen von Schwefeloxiden aus Rauchgasen
US3096156A (en) Multi-stage process for the separation and recovery of hcn and h2s from waste product gases containing ammonia
DE2425393A1 (de) Verfahren zur herstellung von gereinigtem koksofengas
EP0521308B1 (de) Verfahren zur gemeinsamen Aufarbeitung von NH3- und/oder H2S-haltigen Prozessabwässern sowie natriumsulfidhaltiger Natronlauge
EP0628519A1 (de) Verfahren und Anlage zur Reinigung von Abwasser, insbesondere von alkalischem Prozesskondensat-Abwasser
DE3435222A1 (de) Verfahren zur regeneration einer waschloesung, die zur simultanen auswaschung von stickoxid und schwefeldioxid aus rauchgasen eingesetzt wird
DE2734497A1 (de) Verfahren zum entfernen von schwefelwasserstoff aus gasen, insbesondere kohlendestillationsgasen
DE2238805B2 (de) Verfahren zur Entfernung von Ammoniak aus Koksofengas
AT230331B (de) Verfahren zur Herstellung von Fluorwasserstoffsäure
EP0422054B1 (de) Verfahren zur entfernung von schwefelwasserstoff aus koksofengas
DE4116576C2 (de) Verfahren zur Gewinnung des Kokereiüberschußwassers als Umkehr-Osmose-Permeat
DE19615067C2 (de) Verfahren zur Behandlung industrieller Abwässer
DE19629641A1 (de) Verfahren zum Entfernen von Verkrustungen in Eindampfanlagen